Augen und Ohren

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Eileen von Hohenfels

Augen und Ohren

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Es war schon erstaunlich, was man alles mitbekam, wenn man die Seiten wechselte.

Der Graf war schlichtweg verloren. Allein gegen ein Rudel Bediensteter, welches hinter seinen Rucken grad zu machen schien, was es nur wollte.

Eine Magd die ihren Herrn belauschte und sich selbst mit Worten nicht zu erwehren wusste, wenn man ihr das ins Gesicht sagte. Die Schutz suchte hinter dem zweifelhaft sicheren Rücken eines Kammerdieners, der so wenig Selbstbewusstsein hatte, dass er das vermeindliche bisschen Macht, dass er basaß, auskosten muste soweit es nur ging.

Und sie hielten zusammen, logen und gaben sich gegenseitig das Recht in die Hand. Wie einfach dass doch war, wer sollte da an deren Worten zweifeln ?

Eileen hoffte inständig, dass die beiden sprichwörtlich, die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten.
Adrian besaß genug Menschenkenntnis hoffte sie, und lies sich nicht beirren.

Beide waren nicht im Stande gewesen wirklich gehaltvolle Dinge von sich zu geben, so dass es einfach auffallen musste, was sie da intrigant planten. Sie hatten Eileen gedroht, ihr mehr Arbeit zu machen, dafür zu sorgen, dass sie die Stelle verlor.

Sicher würden sie versuchen ihr das Leben nun schwer zumachen nach der Auseinandersetzung, nur wie ? Und was konnte sie dagegen tun ?

Eileen hatte nicht zu ihnen gehalten, nein sicher nicht.
Der Graf hatte von Vertrauen gesprochen, und sie würde es sicher nicht brechen, nur weil diese Gretella lauschen wollte.
Eileen hatte es verhindert und sie lautstark gescholten, egal wie lange sie schon hier war. Wer weis wie lange sie das schon so machte ?

Und dabei war Neugierede das edelste Motiv, was das Lauschen anbelangte. Verrat wollte Eileen nicht einmal unterstellen.
Konnte sie es ausschliessen ?

Wenn man dem Grafen nicht davon berichtete hatte er nicht einmal die Gelegenheit zu bemerken, wieviele Augen und Ohren die Wände hatten.

Wie machtlos Herrschaften doch waren bei solchen Leuten. Da brauchte es keine anderen Feinde mehr. Ohnmacht überkam sie bei dem Gedanken.

Doch war sie sich sicher, dass es in ihrem Elternhause anders gewesen war. Sie waren eine Familie und wurden nur von wenigen Bediensteten unterstützt, zu denen sie zudem ein gutes Verhältnis hatten, die praktisch dazu gehörten.
Adrian jedoch war allein hier, und seine Boten spielten Staat im Staate.

Eileen hatte also noch nicht gewusst, wie der Hase hier läuft, hörte sie die Stimme der Magd noch nachhallen.

Verlauf dich nicht Hase, verlauf dich nicht.
Eileen von Hohenfels

Desaster

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Der Morgen hatte so gut angefangen wie er schlecht enden sollte.

Adrian war schon auf den Beinen, als Eileen, das Schloss Richtung der Stallungen verlassen wollte.
Bepackt mit drei neuen Trögen, die sie am Tag zuvor auf Empfehlung beim Clan der Hinrahs erstanden hatte.

Unweigerlich kam das Gespräch auf den Trubel des Vortages. Des Grafen Haltung war ernst und doch zürnte er nicht.
Er nahm sich die Geduld erklären zu lassen, was aus Eileens Sicht passiert sei, und hörte sich die Vorwürfe, die sie vorbrachte, aufgeschlossen an.

Sie erzählte der Reihe nach alle Details, machte ihm klar, dass das kein Machtgerangel unter Bediensteten war, sondern eine Frage der Loyalität weil man eben nicht lausche.
Berichtete vom intriganten Verhalten seiner Bediensteten und dass sie nun schaun müsse, wie sie mit den Schikanen, welche die Beiden ihr angedroht hatten fertig würde.

Irgendetwas hätten sie vor, um ihr die Arbeit zu erschweren, sie in Misskredit zu bringen, ganz gemäß ihrer Drohungen.

Wieder hatte das Gespräch eine Wendung zum humorvollen genommen, und am Ende sah die Welt gleich besser aus.
Eileen fühlte sich verstanden.

Sie einigten sich gar darauf, dass Eileen den Anweisungen Geraldos, dass war eben jener Kammerdiener und leider oberster Bediensteter, nachkommen würde ... solange sie den Eindruck habe, es läge im Interesse des Grafen, was er befahl.
Ein wichtiger Zusatz.

Nach der getanen Arbeit, zog sie aus, einige Besorgungen zu machen um bei ihrer Rückkehr eine böse Überraschung, die eigentlich keine war, zu erleben.

Das Gatter des angurischen Mustangs stand sperrangelweit offen. Im Park war sein "Geschäft" verteilt, stellen des gepflegten Rasens kahlgefressen, Blumenbeete niedergetrampelt.

Weder war das Gatter offen gewesen als sie ging, noch hatte sie den Hengst losgemacht. Und von allein geschah soetwas nicht.

"Ruhig Eileen, du hast gewusst, dass soetwas geschehen würde." leider war sie nicht ganz so ruhig wie sie sich einreden wollte, doch ging sie professionell mit der Situation um.

Als erstes war der Hengst ins Gatter zurück zubringen, dann der Mist einzusammeln. Den Rasen würde sie nicht zurückbringen können und die Blumen nicht richten, aber sie tat ihr Möglichstes, damit den Grafen nicht der Schlag traf, wenn er zurückkehrte.

Wie nicht anders zu erwarten war, kamen just in diesem Moment die beiden Helden der Stunde zu den Pferden um ihr Werk zu begutachten. Eileen war überzeugt davon.
Es früher zu 'bemerken' hätte ja auch keinen Spass gemacht.

Sie zeigte ihnen die kalte Schulter.

Da fragte die Magd, was vorgefallen sei. Was dachte sie denn wohl wie die Pferdeäpfel auf die Wiese gekommen waren ? ... Scheinheiliges Volk.
Eileen ignorierte sie weitgehends, ebenso die Fragen ihres "obersten Bediensteten", die er sich hätte selbst beantworten können, wenn es nicht eben nur dumme Fragen gewesen wären. Wusste er doch sicher genau was passiert ist, und machte den Auftritt schlicht zur Farce.
Eilen kochte innerlich, und lies es sich nicht anmerken.

Ein ruhig vorgebrachtes "Ihr gestattet, dass ich mich lieber um den Mist kümmere, denn um Euch." brachte die beiden schlussendlich zum Schweigen.

Mochten sie erzählen was sie wollten.

Das was hier geschehen war, war sicher nicht im Sinne des Grafen, war Arglist, ein schändliches Verhalten eines Bediensteten nicht würdig, ... mit Ansage.

Und zum Glück ... zu Eileens großem Glück ... war der Graf Frühaufsteher.
Eileen von Hohenfels

Beitrag von Eileen von Hohenfels »

Wie nicht anders zu erwarten wurde der Graf über die kleine Katastrophe im Park unterrichtet und lies Eileen zu sich bitten.

Sie berichtete ihm was vorgefallen war, knapp, sachlich ohne auch nur eine Anschuldigung fallen zu lassen.
Jedoch lies die Verkettung der Ereignisse kaum einen anderen Schluss zu, dass der Graf annehmen musste jemand wolle ihr übel mitspielen.

Pferde öffneten keine Gatterriegel, sie mussten schon über das Tor springen. Pferde lösten keine Knoten, die sich nur fester zogen, zerrte man an ihnen.
Zwei Nachlässigkeiten auf einmal ? Versehentlich ?
Eileen wollte es nicht glauben, und der Graf offenbar ebensowenig, vieleicht auch wegen des Gespräches an jenem Morgen.

Ganz der Diplomat erhob auch er keine Anklage sondern trug dem obersten Diener auf, dies Geschehen aufzuklären ... welch Ironie, aber gut.

***

Eileen hatte die ganze Zeit gestanden während sie berichtete.

Es war seltsam, der Raum schien weiter und weiter zu werden und Adrian, der hinter dem großen Tisch seiner Schreibstube ruhig auf dem Stuhl saß, schien zu entrücken, ebenso wie ihre Stimme.
Sie redete und war nicht recht bei der Sache, als wenn sich ihre Gedanken um ganz andere Dinge drehten, dennoch war sie ruhig.

Vertrauen.

Als sie im Nachhinein darüber nachdachte wusste sie, dass sie diesem Mann vertraut hatte. Reserviert war er, ob seiner Position und Verantwortung, doch war ihr, als würde er ihr nie etwas zu unrecht anlasten können.
Lächerlich ... jeder Mensch konnte sich irren, oder beirren lassen ...
... dennoch.

Was machte sie da ? Starrte sie ihn an ? Als sie ihren "Bericht" beendet hatte und das letzte Wort sie quasi in die Gegenwart zurückrief, schlug sie den Blick nieder.
Mehr ob der Verlegenheit des Starrens wegen, als dass sie sich in irgendeiner Form des Geschehenen schuldig fühlte.

Hoffentlich verstand er es nicht falsch.

... Wie sollte er es denn verstehen ?

Die Frage verschwand ebenso schnell wieder aus dem Kopf, wie sie gekommen war.
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