Rückblickend war es ein gutes Leben gewesen, irgendwie. Ein junger, aufstrebender Heißsporn. Zuerst in der einen Armee, dann in der anderen. Schlussendlich genug Gold, um bis zum Rest des Lebens im Dauerrausch zu sein. Vielleicht war auch genau das Problem gewesen: der verdammte Fusel. Nicht, dass er ihn irgendwie träge gemacht oder seine Reaktionen geschmälert hätte - nein, er war noch immer so verdammt tödlich wie in seinen jüngeren Jahren. Dennoch, und das konnte man nur schwer leugnen, gab es zuviele "schwarze" Momente. Also das Aufwachen, in einem von zarten Dirnen gesäumten Lager, die sich emsig an den dicht behaarten Körper drängten, Frischlingen gleich, die sich an die wohlige Brust der Sau drängten. Nun, um ehrlich zu sein, waren die Dirnen früher jünger und teurer gewesen; genau wie er selbst. Worauf es aber ankam, dass ihm immer öfters die Erinnerung an die letzte Nacht fehlte. Ein paar Stunden, die aus der Erinnerung gestrichen waren, was zugegebenermaßen beim Erwachen nicht von Nachteil zu sein schien. Keine große Sache, eigentlich. Ein schönes Leben.
Zumindest bis zu dieser einen Nacht. Wieder einmal war er auf "Tour" gewesen, wieder einmal war er am nächsten Morgen ordentlich verkatert und mit einem hübschen Mädel (nun, je mehr der Alkohl in seinen Adern verdünnte, desto relativer wurde diese Schönheit - aber beim pelzigen Arsche Alatars, genau dafür gab es ja Fusel!) im Arm. Als er dann selig grinsend nach Hause wankte, freute er sich schon darauf in Gedanken vor Khogan mit der neuesten "Eroberung" zu prahlen, der alte Dreckskerl hätte sicher auch einiges zu berichten! Als er die offen stehende Tür des Heims durchschritt, ahnte er noch nichts böses. Auch als nach einigen Rufen keine Antwort ertönte, keimte noch kein übergroßer Verdacht in ihm auf - vermutlich war Khogan einfach noch nicht heimgekehrt, wankte wie er vorhin gerade von einer ranzigen Spelunke nach Hause, um dort in den sicheren Wä- ... . Zögern. War das etwa Blut am Balkon? Ungläubig starrte Cajivak die Lacke rostrotem, getrockneten Blutes auf dem Boden an. Ein ungutes Gefühl stieg in ihm hoch, ein Gefühl dass er im Verlauf zahlloser Schlachten schon zu oft gespürt hatte. Aufgebracht, aber noch irgendwie unter Kontrolle lief Cajivak ins Freie und als ihm eine der zahllosen Wachen Grenzwarts mit knappen Worten die Geschehnisse schilderte, schlug eine unsichtbare Faust in seine Eingeweide und hinterließ ein klammes Gefühl - Furcht. Es konnte nur diese eine bestimmte Frau gewesen sein, damals, als er und Khogan gemeinsam als Söldlinge ihre Klingen an den meistbietenden verkauft hatten. Ein unangenehmes Prickeln im Nacken ließ ihn herumwirbeln, doch dort, in der Seitengasse stand nur ein kleines Kind, dass mit großen Augen zu dem behaarten Riesen aufblickte. Verdammt, war es jetzt schon so weit mit seinen Nerven gekommen, dass er selbst kleine Kinder verdächtigte?! Gerade wollte Cajivak ein erleichtertes Lachen ausstoßen, als wie aus dem Nichts aufeinmal der schnalzende Laut einer abgeschossenen Armbrust ertönte. Einen Augenblick lang fühlte Cajivak nichts, dann starrte er mit ungläubig aufgerissenen Augen auf die Spitze des Arbalestbolzens, die aus seiner Brust ragte. Der Wachmann, der noch ihm zugewandt stand, starrte noch einen Augenblick lang perplex, dann ein lauter Schrei nach Verstärkung. Füße die trampelten, laute Flüchte als der unsichtbare Assassinen bereits verschwunden war. Cajivak war indess bereits auf die Knie gesackt - ein glatter Durchschuss, was für eine verdammte Schweinerei. Hatte sie alle beide nach all den Jahren also doch gekriegt, das verdammte Miststück. Die Lippen des behaarten Hühnen verzogen sich zu einem schmerzerfüllten Grinsen. So fühlte sich also Sterben an. Feuer, dass sich in Wellen durch den Körper fraß, Blut im Mund. Ausspucken, ein rasselnder Atemzug, als weitere Flüssigkeit in die perforierte Lunge trat. Sein letzter Gedanke war "Scheiße", dann starb Cajivak und sank wohlig in Krathors Arme.