Das Leben endet....

Geschichten eurer Charaktere
Antworten
Gast

Das Leben endet....

Beitrag von Gast »

Sie hatte ihren Schülern immer gepredigt, sie sollen sich körperlich betätigen.
Sie hatte ihren Schülern immer gesagt, sie müssen sich wehren können.
Sie hatte ihren Schülern immer versucht klar zu machen, dass die Akademie und die Armee zusammen agieren müssen. Das man sich aufeinander verlassen muss.
Und nun…
Sie spürte, wie sie schwächer wurde. Sie hörte das Lied nur noch sehr leise.
Ihr wurde kalt. Der Blick gab nur noch spärlich wieder, was sich um sie befand.
Das Blut fühlte sich heiß an ihren Händen an, das Gift lähmte ihren Körper. Sie konnte nur noch flach atmen, sie spürte ganz genau, dass ihr Leben nun sein Ende haben würde.
Sie würde an der Seite ihrer Schwester und ihres Ranims in Eluives Reich eingehen.
Der Versuch, ihrem Körper wieder den alten, ureigenen Klang zurück zu geben, hatte kläglich versagt.
Sie konnte sich nicht konzentrieren. Es klappte nicht mal die kleinste Applikation.

Die Augenlider wurden schwer und der Atem wurde flach. Erst wurde es kalt, dann warm.
Die Blutverschmierte Robe und das rötlich glänzende Kopftuch hinterließen Abdrücke auf dem dreckigen Höhlenboden.
Eine Blutlache bildete sich unter ihrem Körper.

Die Bewusstlosigkeit war ein Segen. Kein Leid, keine Schmerzen.
Und aus dieser glitt sie sanft, und doch mit einem irgendwie seltsamem Lächeln auf den Lippen hinüber auf die andere Seite.
Ein unsinniger Tod, und doch nichts Tragisches.




2 Stunden früher:

Sie machte sich bereit. Die Lederrüstung unter der Robe saß eng und passte perfekt.
Zu oft hatte sie sich hinter den Ausreden der Studien oder Verpflichtungen versteckt, selbst wenn sie gestehen musste, dass sie sich selbst ein wenig Sorgen machte.
Bei der letzten Kampfübung hatte sie nicht nur (was klar war) den Kürzeren gezogen, sondern war über und über mit blauen Flecken nach Hause gekommen, was ihr zusätzlichen Ärger eingebracht hatte.
Das Ganze war nur ein paar Jahre her.
Jetzt gab es niemanden mehr, der sie ausschimpfen würde oder sie mit Ignoranz deswegen strafen könnte.
Also war jetzt der perfekte Zeitpunkt.

Durch den Liedleeren Raum kam sie schnell in Berchgard an und schritt strammen Schrittes auf das Grab unter dem Hügel zu.
Untote.
Die meisten langsam, so dass sie im Zweifelsfalle schnell weg laufen konnte. Sie errechnete sich also keine große Gefahr.

Die Höhle war dunkel, aber dank der Magie konnte sie sich gut behelfen.
Die Hiebe und Stiche mit dem Rapier waren mehr unbeholfen, und es dauerte eine ganze Weile und brauchte einige Tränke, um nicht den Kampf zu verlieren, und eine gewisse Übermut stieg in der kleinen Menekanerin auf.
Was andere Weibchen schafften, müsste sie doch auch hin bekommen. So konzentrierte sie sich auf ihren nächsten Gegner, ein Zombie, den man schon von weitem eher riechen statt sehen konnte.
„Abeer Eluive“, murmelte sie leise vor sich hin, verzog recht angewidert das Gesicht unter der Maske und nahm den Kampf mit Gegner und der eigenen Selbstbeherrschung auf.

Die schweren, gepanzerten Schritte vernahm sie daher einfach viel zu spät.
Das Wesen hinter ihr, schaute, irgendwie belustigt dem Treiben zu, verschränkte die gepanzerten Arme vor der Brust und lies sich einfach Zeit.
Zeit, genau das was sie in dem Moment nicht hatte. Der Zombie vor ihr, der schwarz-lila gerüstete hinter ihr, von dem schon eine sehr unangenehme Aura ausging. Nicht magischer Natur, aber irgendwie so, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten.
Beide Hände des Zombies ergriffen den Arm der Magierin, als sie kurz nach hinten lauerte, und das abartige Geschöpf, diese Verfemung von Maras Schöpfung versuchte sie doch tatsächlich zu beißen.

Ein ekelhaft klingendes Glucksen erklang von dem Krieger hinter ihr.
Das letzte Mal, als sie dieses Gefühl gehabt hatte, stand sie Ilphrin gegenüber.
Sie schlug mit dem Buckler gegen den Untoten, so dass dieser ein wenig zurück taumelte, und sammelte die Feuerenergien um sich herum um sie zu bündeln und dem Untoten als Flammende Kugel entgegen zu schleudern.
Feuer half immer!

Als die Kreatur vor sich hin schwelte und einen noch viel widerwärtigeren Gestank verbreitete, als vorher, drehte sich die kleine Magierin um.
Die kratzige, dissonante Stimme des, nun zweifelsfrei als Lethar erkennbare gerüstete, erklang gefüllt voll Spott und Hohn:
„Na, was haben wir denn hier?“
Hazars Blick huschte durch die Höhle. Die Untoten waren gefallen, lagen als Knochenhaufen auf dem Boden oder hatten eine blutig-matschige Lache hinterlassen, in denen sie lagen.

Kurz schloss sie die Augen, konzentrierte sich auf ihre Umgebung. Die Klänge waren deutlich hörbar, spürbar, und vermutlich das einzige, was helfen konnte, diese Begegnung unbeschadet… oder zumindest Lebendig zu beenden.
Stille herrschte.
Bedrückende, atemraubende Stille. Eine Stille der Gespanntheit, beide Kontrahenten standen sich gegenüber, ohne das einer sich groß regte.
Zumindest für einige Momente- Momente die einem wie Ewigkeiten vorkommen können, obwohl sie nur wenige Lidschlage lang dauern.
„Menekaner“, brummte die dissonante Stimme, abfällig, verachtend, als würde er das Wort aus dem Mund heraus spucken, um einen widerwärtigen Geschmack los zu werden.
‚Eluive steh mir bei‘, bat sie wortlos, und machte einige Schritte zur Seite. Gab den Weg frei, vielleicht war es nicht sein Ansinnen, sie anzugreifen, sondern er ging einfach nur weiter, tiefer in die Höhle um an die Dämonen zu kommen.
Der Letharf allerdings erkannte durchaus, wer da vor ihm stand, ganz im Gegensatz zu ihr. Sie erkannte nichts, außer eine grauenvolle Maske. Nunja, schwer war es nicht, immerhin hatte sie ihre Standesrobe an, die prunkvoll zeigte, dass sie die Mudyr der Akademie war.
Sicherlich wägte er ab, wie er reagieren sollte.
Letztlich passierten zwei Dinge gleichzeitig:
Als erstes machte er einen Satz nach vorne, er wusste, wie er sich zu verhalten hatte, wusste, was er konnte und besaß anscheinend genug Selbstvertrauen, oder was auch immer, um keine Sekunde länger zu zögern.
Während er noch auf sie zu sprang, ruckte seine Hand zur Waffe und zog eine Klinge, die zeigte, dass er schon viele Gegner damit geschlachtet hatte.
Doch für die kleineren Macken der Klinge hatte sie keine Zeit, sie machte, ein wenig zeitverzögert einen Satz nach hinten und streckte beide Hände aus, lies Degen und Buckler fallen, nur um weitere Feuerenergien zu sammeln und sie ihm als Begrüßung als Flammen entgegen zu schleudern.
Trotz der, für sie recht beachtlich guten Reaktion, war sie nicht weit genug gewichen und die Klinge durchtrennte den Stoff und sogar das Leder an der Schulter.
Blut quoll hervor, wurde vom Stoff aufgesogen und heißer Schmerz machte sich breit.

Ihre Konzentration litt unter dem Schwerthieb, und doch schaffte sie es, erneut einen Zauber vorzubereiten. Weniger Kraftvoll, aber eigentlich reichte die Energie aus, um einen Gegner von sich fern zu halten.
Normalerweise….
Dieser Letharf allerdings war so verrückt und lies nur einen lauten, grellen Schrei von sich, ein Ausdruck von… Schmerz? Wut? Hass?
Sie wusste es nicht.
Die Nähe, die er nun erreicht hatte, wäre ihr auch ohne Kampf unangenehm gewesen, jedoch ließ er sie nicht dazu kommen, mehr Distanz zwischen beide zu bringen, denn er wusste genau, dass jede Distanz ihr Vor- und sein Nachteil war.
Er setzte einen Schritt nach, dieses Mal hob er die Klinge allerdings nicht. Er stieß sie einfach nach vorne, die Klinge durchbohrte Robe, Rüstung und Bauch der Magierin.
So viel Schmerz kannte sie nicht, nie hatte sie sich so einem Gefecht ausgeliefert gesehen. Die Augen riss sie panisch auf, starrte die Fratze an und machte langsam einen Schritt zurück, zog so die Klinge aus dem eigenen Leib, und dieses Mal ließ er sie gewähren.
Er wähnte sich in Sicherheit.

Kaum das das Metall aus dem Körper gezogen war, begann der Blutfluss noch stärker zu laufen.
Der Letharf setzte nach, nutze die aufkeimende Hilflosigkeit und Angst der Menekanerin.
So viel Macht, so viel Magie, so viel Energie, und wehrlos bei einem einzelnen Gegner.
Peinlich.

Hazar stolperte nach hinten, wurde erneut getroffen und fiel rücklings auf den Boden.
Ein letztes Aufbäumen, ein letzter Zauber.
Erde… ihr Element.
Sie ließ die Erde unter ihm beben, sammelte die Erdklänge und sorgte dafür, dass die Stalagmitenartigen Erdauswüchse ihm einerseits den Weg versperrten, und andererseits Schäden an den Beinen verursachten. Der Letharf lachte.
Er schrie nicht vor Schmerz, er lachte. Er lachte sie aus.

Die Blutlache unter ihr wurde immer größer. Zwei gut sitzende Schläge hatten gereicht.
Schande…

Der Letharf zog sich zurück, überließ sie ihrem Schicksal, er wusste genau, dass sie nichts tun würde um ihn zu hindern.

Die Erdapplikation endete, kaum dass er einige Schritte entfernt war, einfach weil sie keine Kraft mehr hatte. Konnte sich nicht konzentrieren.
Sie hielt ihren Bauch, versuchte die Wunde abzurücken.
Er überlegte es sich anders. Eilig hastete er zurück und stieß der am Boden liegenden noch mal die Klinge in den Leib. Das halbherzige Wegdrehen hatte keinen Sinn und bewahrte sie auch nicht davor.
Die Waffe zerstörte Haut, Gewebe, sorgte für neuen Blutfluss.
Sie keuchte auf. Sie war am Ende.

Er ließ die Klinge stecken und ging. Das Lachen wurde langsam immer leiser und verschwamm…




Das Leben endet…


Sie hatte ihren Schülern immer gepredigt, sie sollen sich körperlich betätigen.
Sie hatte ihren Schülern immer gesagt, sie müssen sich wehren können.
Sie hatte ihren Schülern immer versucht klar zu machen, dass die Akademie und die Armee zusammen agieren müssen. Das man sich aufeinander verlassen muss.
Und nun…
Sie spürte, wie sie schwächer wurde. Sie hörte das Lied nur noch sehr leise.
Ihr wurde kalt. Der Blick gab nur noch spärlich wieder, was sich um sie befand.
Das Blut fühlte sich heiß an ihren Händen an, das Gift lähmte ihren Körper. Sie konnte nur noch flach atmen, sie spürte ganz genau, dass ihr Leben nun sein Ende haben würde.
Sie würde an der Seite ihrer Schwester und ihres Ranims in Eluives Reich eingehen.
Der Versuch, ihrem Körper wieder den alten, ureigenen Klang zurück zu geben, hatte kläglich versagt.
Sie konnte sich nicht konzentrieren. Es klappte nicht mal die kleinste Applikation.

Die Augenlider wurden schwer und der Atem wurde flach. Erst wurde es kalt, dann warm.
Die Blutverschmierte Robe und das rötlich glänzende Kopftuch hinterließen Abdrücke auf dem dreckigen Höhlenboden.
Eine Blutlache bildete sich unter ihrem Körper.

Die Bewusstlosigkeit war ein Segen. Kein Leid, keine Schmerzen.
Und aus dieser glitt sie sanft, und doch mit einem irgendwie seltsamem Lächeln auf den Lippen hinüber auf die andere Seite.
Ein unsinniger Tod, und doch nichts Tragisches.

Antworten