Mondspaziergang

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Gast

Mondspaziergang

Beitrag von Gast »

Hoch oben am Himmel Stand der Mond und warf seinen Schein auf Berchgard nieder.
Der Berg im Süden warf dabei einen großen Schatten über die Südlichsten Häuser der Stadt.

Alles war ruhig und friedlich, lediglich einige jammernden Katzen die von den Wachem am Tor
verscheucht wurden. Zu dieser Zeit waren die meisten Bürger Berchgards schon schlafen und
lediglich der Schein der patrouillierenden Wachen brachte nur wenig Licht. Außer der Mond natürlich,
welcher an jenem Abend fast mit einem Vollmond zu verwechseln war. Dieser sollte uns erst in wenigen
Tagen beschert werden.

Warm waren die Nächte schon lange nicht mehr und meist wurden sie von einem kalten Wind begleitet,
welcher durch die Gassen und um die Häuser der Stadt wehten. In dieser Nach war es besonders stürmisch
und hin und wieder pfeifte er leise durch die Straßen.

Eine in weißen Gewändern gehüllte Gestalt wurde in dieser Nacht kurz gesehen.
Mit langsamen bedachten aber auch monotonen Schritten bewegte sich jene entlang der Häuser.
Der Wind umspielte die weißen Gewänder der Person und das lange hell rotbraune Haar,
wird dabei in ihr Gesicht geweht und somit teils verdeckt.

Trunkenbolde, welche zu jener Zeit torkelnd die Taverne verlassen und teils von Wachen
aufgegriffen werden, berichten von jener Gestalt. Wie sie gesehen haben dass diese mit
starrem Blick entlang der Häuser wandert und kurz darauf verschwand. Andere wieder
erzählen davon wie die Weibliche Gestalt zusammenhanglose Worte von sich gibt, so man sie anspricht.
Doch immer endet eine Begegnung damit, wenn man sie für kurzen Moment aus den Augen lässt,
dass die Gestalt in Schutze der Dunkelheit verschwinden kann und eine Suche vorerst erfolglos bleibt.
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Helisande von Alsted
Beiträge: 4067
Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Seltsam.

Es gab Dinge, die waren der braven und angepassten Lady Sophia einfach nicht zu zutrauen. Meuchelmord gehörte dazu, Widerrede gehörte dazu und auch dass sie ihre Pferde unversorgt an ihrem Pflock im Garten lies. Die Tiere hatten vor lauter Verzweiflung schon das Gras konzentrisch abgeweidet und begannen langsam sich wiehernd zu beschweren. Auf Klopfen und Hämmern öfffnete niemand die Tür, auch das Dauergeläut an der Klingel brachte keinen Erfolg. Mit arg zerknittertem Gesicht befreite die Rostharige erstmal die Tiere und stellte sie zu den eigenen in den Stall.

Nach Heu, Hafer, Striegeln und Wasser schienen die Tiere wieder beruhigt und gedulig zu sein. Sie hingegen war doch recht beunruhigt und begann herumzufragen ob jemand kürzlich oder weniger kürzlich die etwas zu kurz geratene Ritterin erspäht hätte. Die Umfrage blieb absolut ergebnislos. Ob sie die Kellertreppe hinabgefallen war und unten im Keller verendete?
Gefahr im Verzug, also Rettungskommando im Anmarsch. Mit Hilfe einer Axt und einger gewaltiger Tritte wurde die Eingangstür des Hauses eliminiert und das Innere geentert. Doch auch eine gründliche Durchsuchung jedes Raumes, Winkels und Kammer brachte keinen Erfolg. Lady Sophia blieb verschwunden. Nachdem ein Zimmermann beauftragt worden war die Türe zu reparieren und das alte Schloss wieder einzusetzen, taperte die nun sehr besorgt und latent wütende Offizierin gen Rathaus in Berchgard.

"Noch eine. Wehe... oh wehe Euch allen."

Nun galt es an den wichtigen Stellen Meldung zu machen und weitere Schritte einzuleiten. Korporäle und Wachtmeister verschwinden nicht einfach so. Ritter schon gar nicht.

"Temora hilf."
Gast

Beitrag von Gast »

Mit mürrischem Blick saß der Offizier über den Berichten des letzten Tages und ging sie noch einmal durch.
Truppenstärke. Disposition. Lagerlisten. Wachbefehle, Wachritte, Besprechungen und Übungen. Die Tage waren kurz und die Aufgaben beinahe endlos. Das ganze Gebäude mit all seinen Bewohnern schien derzeit zu nicht mehr zur Ruhe kommen zu wollen.

Dennoch stieß ihm einer der Berichte ins Auge und ließ ihn inne halten, die Stirn noch tiefer gerunzelt als sonst. Wachtmeisterin Tanar. Verschwunden. Einfach so.

Gewiss waren Entführungen nichts seltenes, bedauerlicher weise. Und der Feind stets darauf bedacht, seine schwieligen Klauen in junges, alumenisches Fleisch zu schlagen. Besonders wenn es in Begleitung eines hübschen Gesichtes kam. Aber tatsächlich durfte man erwarten, dass Ritter des Reiches nicht einfach so verschwanden und zumindest den Anstand besaßen, Blut und gebrochene Körperteile zu hinterlassen, wenn man sie gewaltsam an sich zu bringen suchte.

Nichts dergleichen. Wahrlich beunruhigend.

So erging , unter vielen, ein eindringlicher Befehl an den diensthabenden Wachtmeister der Wachmannschaft zu Berchgard.


"Wachtmeister Meringott! Findet mir heraus was mit Wachtmeisterin Tanar geschehen ist. Ritter verschwinden nicht einfach so. Befragt die Mannschaften und auch die gängigen Trunkenbolde der Stadt. Ich möchte Antworten!"

Jenes Schreiben sollte alsbald seinen Weg nach Berchgard antreten, während ein Dutzend weiterer gelesen und signiert wurden.
Gast

Re: Mondspaziergang

Beitrag von Gast »

Ein dumpfes hämmern erklang in ihrem Kopf, immer und immer wieder.
In langsamen aber regelmäßigen Abständen spürte sie das Hämmern im Takt ihres Pulses in ihrem Kopf.

Der Untergrund, auf welchem sie mit verschreckten Gliedmaßen lag, war sowohl weich und steinig zugleich.
Der moosige Waldboden war bedeckt mir vielen kleinen Kieseln die sich hier und da an ihren Körper pressten
und dort Abdrücke hinterließen. Durch die Augenlider bemerkte sie die hoch am Himmel stehende Sonne,
welche durch die dichten Baumkronen einige Sonnenstrahlen auf die am Boden liegende warf.

Nur schwer flatterten die Lider und verschafften ihr einen kurzen Einblick in ihre Umgebung. Fast schon malerisch war dieser Ort. Die Sonnenstrahlen schienen durch das Blattwerk der Bäume auf den Moos bedeckten Waldboden welcher direkt an einer höheren Felswand war. Die umher schwirrenden und sich um Grass versteckenden Grillen, zirpten eine fast schon beruhigende Melodie,
die den Zustand der dort Liegenden beeinflusste.

Für einige Momente, in welchen sie in einem Dämmerzustand war, faste sie keinen einzigen Gedanken und lauschte nur der Musik der Natur um sich herum. Ein lautes aber schrilles Schreien eines bekannten Greifvogels lies sie aus jenem Zustand reißen.
Der Kopf bewegte sich ruckartig nach oben, in Richtung des Schreis. Ein kleiner aber spitzer Stein war es dann welcher sich dann in ihren Hinterkopf bohrte woraufhin der Kopf mit Schmerz verzogenem Gesicht hoch schnellte und auf die mittlerweile angewinkelten Knie gestützt wurde. Die Hände in den Nacken greifend und so verweilend, versuchte die Ritterin ihren Schmerz zu unterdrücken.

Die ersten Gedanken gingen ihr dann durch den Kopf welche mehr und mehr verwirrender wurden.
„Wo bin ich hier? Was mach ich hier? Und vor allem...“ Ihr Kopf ging mit glasigem Blick hinauf
und betrachtete dass erste mal den Waldabschnitt nun zur Gänze. „Wer bin ich?“

Die Augen wanderten von rechts nach links, keine Menschenseele zu sehen oder nur der Anhaltspunkt von Zivilisation. Dieser Wald war komplett unberührt gewesen und zeigte, bis auf die wenigen Vögel und zahlreichen Insekten, keinerlei Anzeichen dass hier jemand oder etwas leben würde. Sie war allein, wusste nicht so sie war und viel wichtiger wer sie war. Eine kleine Träne bahnte sich langsam ihren Weg vom Auge über die blassen Wange. Die rechte Hand wurde aus dem Nacken genommen und wanderte zur Wange um die Träne weg zu wischen doch in diesem Augenblick erkannte sie eine rote Substanz an jener.
Es war Blut, ihr Blut. Mit einem Griff an den Hinterkopf spürte sie die klebrigen Haare und erfühlte eine Kopfwunde, welche durch das berühren starke Schmerzen verursachtet. Scharf wurde Luft zwischen ihren Zähnen eingezogen und das von Schmerz verzogene Gesicht sank wieder auf die angewinkelten Knie.
So konnte sie hier nicht Enden, die musste Hilfe suchen nur in welche Richtung?
Es war aber auch Egal, ihre Füße würden sie schon irgendwo hin tragen, obgleich ins Verderben oder in eine rettende Siedlung.
Gast

Re: Mondspaziergang

Beitrag von Gast »

Zwei Wochenläufe war es nun her seit sie im Wald erwacht war und nicht wusste wo und wer sie war. Der Entschluss den Göttern zu vertrauen und ihren eigenen Füßen, brachte sie Richtung Bajard wo es ein eifriger Bergmannssohn war, der sich der verwundeten und verwirrten Frau annahm.

Aus dem weit entfernten Herzogtum Greifenhein kam dieser, um genauer zu sein aus der Baronie Dornwald, wo er das Familienhandwert nahe Goldenfall erlernte und einige Waren sogar bis nach Gerimor brachte. Den Schiffsweg über Bajard statt direkt über Adoran zu nehmen war dem Preis der Überfahrt verschuldet. Zwar war Adoran sicherer und angenehmer gewesen, doch fielen die Geschäfte enttäuschend gering aus und um das bisschen an Gewinn nicht unnötig zu schmälern, war die günstigere Überfahrt von Bajard aus ertragreicher. Nicht zuletzt wegen dem nicht einkalkulierten Begleiter.

Um die Unkosten so gering wie möglich zu halten, bat sich die Gerettete, als Zeichen ihrer Dankbarkeit, an auf dem Schiff auszuhelfen wo sie nur konnte. Emiel, der Bergmannssohn, war meistens darauf bedacht sie auf zu halten und meinte sie solle sich schonen aber nach einigen Tagen fühlte sich die Namenlose wieder gut und arbeitete sogar bei der Ankunft des Festlandes bei der Verladung mit.
Nach und nach merkte man Emiel eine gewisse Bewunderung für die Frau, die er rettete, an. Immer wenn er sie ansah erhielt er ein warmherziges Lächeln von ihr in dass er sich schnell verguckte. Vom Hafen an mit der Kutsche Richtung Herzogtum betrachtete er ihr gegenüber mit nachdenklichem Blick, wie sie mit ihren dunkelgrünen Augen die Landschaft betrachtete und der Fahrtwind der Kutsche ihr Haar umspielte. Das sanfte Lächeln, was sie in seiner Gegenwart stets auflegte, verschwand doch recht rasch als er nach ihrem Namen fragte und ihr glasiger Blick ruhte auf ihm. Mit wilder Gestik winkte er zu seiner unüberlegten Frage ab. „So genehm ist und weil ihr nicht Namenlos bleiben sollt, biete ich Euch an, Euch einen Namen zu geben. So es gestattet ist.“ mit zittriger Stimme brachte er seinen Vorschlag zu Wort was ihr ein Lächeln zurück brachte und schließlich einwilligte. „Isabella, so werde ich Euch von nun an nenne.“ Leise murmelnd wiederholte sie diesen Namen und gab dann ihre Zustimmung.

Es dauerte auch nicht mehr lange und die beiden kamen ihrem Ziel immer näher. Direkt vorbei an Goldenfall zu einem der kleineren Dörfer die sich rund um der prachtvollen Stadt Goldenfall verteilten. Die Handelsstadt war bekannt für die Goldadern, und den dadurch lebenden Handel. Als Emiel von der Entstehung des Namens der Stadt berichtete, murmelte sie nachdenklich vor sich hin. „Goldenfall... Goldenfall...“ Der Namen war wie eine verlorene Erinnerung die doch zu weit weg war um sie zu greifen. Dieser Gedanke, dieser Name ging ihr bis zur Ankunft der Heimes von Emiel nicht mehr aus dem Kopf. Dort endlich angekommen wurde sie herzlich aufgenommen und bekam sogar ein kleines bescheidenes Zimmer für die Nacht. Emiel lebte dort mit seinen Eltern zusammen die ein beschaulichen Laden besaßen wo sie Minenerzeugnisse verkauften. Die Mutter war eine geborene Geschäftsfrau hingegen ihr Mann der eifrige Handwerker war und Tag ein Tag aus in den umliegenden Minen verbrachte. Doch ihr Alter zehrte an ihren Kräften und Emiel sollte immer mehr Aufgaben übernehmen und zusehen eine Familie zu gründen um das Familiengeschäft eines Tages gänzlich alleine zu bewältigen. Umso mehr waren die Erwartungen dass die vorgestellte Isabella die Richtige war. Schließlich war der fast 28 Jahre alte Sohn der beiden langsam in ein Alter gelangt, wo viele schon lange vermählt sind und sogar Nachwuchs hatten. Zu seinem bedauern war es aber immer Isabella, welche es geschickt schaffte sich aus solchen Gesprächen heraus zu ziehen und ihm in jenen Belangen eine abwesende Geste deutlich machte. Natürlich immer mit der nötigen Höflichkeit.

Ein Brief ereilte die Familie in dem eine Lieferung nach Adoran beordert wurde. Ein glücklicher Zufall dass Isabella diese Nachricht in die Hände bekam und jene weiter reichen sollte. Natürlich lass sie die Zeilen und betrachtete dann das Siegel des Schreibens genauer. Ein Siegel was ihr vertraut vor kam. Sie wusste nicht woher aber konnte es ein Anhaltspunkt sein, woher sie stammt Dem musste sie nachgehen.

Am nächsten Tag verabschiedete sie sich dann nochmals bei der Familie und dankte für alles und entschuldigte sich nicht ihren Erwartungen entsprochen zu haben. Mit einem leicht mulmigen Gefühl und Emiel an ihrer Seite, brachte ihr Weg beide wieder zurück zum Hafen, wo sie noch vor einem Wochenlauf angekommen war. Dort mit dem Nächsten Schiff Richtung Adoran.
Die Fahrt würde lange dauern in der Emiel ihre Entscheidung zwar tolerierte aber es nicht akzeptieren. Er brachte sogar seinen Mut zusammen ihr seine Gefühle offen dar zu legen aber auch diesmal, auch wenn es ihr im Herzen weh tat, konnte sie seine Gefühle nicht erwidern.
So blieb ihm nichts als ein Kuss auf seine Wange und das Versprechen von ihr zu hören, als sie in Adoran, früh am Morgen des 09. Rabenmond vom Schiff ging und er wieder die nächste Gelegenheit zurück Richtung Heimat nahm.

Ein eigenartiges Gefühl breitete sich ihn ihr aus, als sie die Hafentore der Stadt sah und
die Wachen sie mit einer Mischung aus forschenden und verwunderten Blicken musterten.
Gast

Beitrag von Gast »

Wie von Geisterhand gelenkt ging sie Durch die ihr immer mehr bekannt vorkommende Stadt.
Viele Läute, welche ihr über den Weg liefen, grüßten außergewöhnlich freundlich und einige Wachen führten sogar einen stillen Salut aus. Es war also kein Zufall weshalb dieser Ort sie zurück rief. Bei jeder Begegnung versuchte sie eine eher Distanzierte aber freundliche Reaktion zu wahren.
Vor der Kirche der Stadt, suchte sie sich eine Bank auf der sie einige Stunden verweilte und ihren Gedanken freien Lauf lies. Die Narbe, welche sie einst bei der Schlacht gegen die Käferbrut um Adoran zugefügt bekommen hat, war ihr ins Auge gefallen und weckte einige Erinnerungen.
Ihr Weg brachte sie dann weiter, raus aus Adoran und weiter Richtung Norden. Der Weg lief sich als ob sie ihn instinktiv ging, als ob sie ihn unzählige male schon gegangen war. Am Ende der kleinen Reise stand die in einer kleineren Stadt, in Berchgard, und hier stand sie direkt vor einem Haus. Ein Haus welches ihr vertraut war und sie wusste dass es ein wichtiges Haus war. Ein Blick zu dem im Wind wehenden Banner und dann zum Hausschild lies sie für einige Momente in eine nachdenkliche Starre fallen. Dann ein Schwall von Erinnerungen die in ihr hoch kamen.
Dies Haus war ihr Haus und ihr richtiger Name war Sophia. Sie blickte sich um, die Wachen waren hier nicht zu sehen und sonst waren die Straßen gerade leer. Sie musste in das Haus eindringen, in ihr Haus. Das schloss der Eingangstür war erstaunlich robust gewesen und kein Rammen oder Treten lies die Tür öffnen. Der kleine Garten war ihre letzte Möglichkeit. Irgendwie musste sie von hier ins Innere gelangen können, aber nur wie? Dann eine weitere Erinnerung. Eine Vase direkt neben der Tür und mit scheinbar keinem Inhalt, doch ein doppelter Boden versteckte einen unscheinbaren Schlüssel welcher die Türe öffnen sollte.
Im Inneren angelangt durchstreifte Sophia ihr Heim und suchte nach allem möglichen war weitere Erinnerungen Erwachen lassen könnte. Im Schlafgemach fand sie dann ihr Tagebuch und nach dem Durchlesen wurde ihr so vieles wieder klar.
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