Erste Wegstation- Knappenzeit

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Cathal Llastobhar

Erste Wegstation- Knappenzeit

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Da saß er nun wieder einmal an seinem Schreibtisch und merkte wie die Feder in seinen Fingern nur matt zuckte. Wie sollte er sie anschreiben? Jetzt, nachdem er sich so lange endlich für den Weg des Schreibens entschieden hatte, fehlten ihm die Worte... achwas, der gesamte Ansatz schon. Sie war adlig, er brauchte Respekt, Distanz, höfliche Kälte und dennoch hallten ihm Rafaels Worte im Hinterkopf nach.
Er sollte ein Freund für sie sein, wenn sie einen Freund brauchte!
Als Freund jedoch war man herzlich, ehrlich, offen und einfach man selbst. So simpel es klang so unmöglich erschien ihm dies nun in jener Situation. Sie kannte ihn noch nicht einmal besonders und höfischer Anstand... Etikette war die Basis ihrer bisherigen Begegnung.
Zu gerne wäre er ihr ein guter Freund.
Doch nun saß er hier und wusste nicht, wie er allein die Anrede gestalten sollte. Aufseufzend gab ließ er sich in den Gedankenstrom fallen und trieb darin herum um noch einmal all die letzten, markanten Eindrücke zu rekapitulieren.

Das Rittertreffen. Auch neue Gesichter... viele, neue Gesichter, so erschien es ihm und plötzlich fühlte er sich wie ein junger Welpe. Tollpatschig, fehl am Platz und mit langen Gliedern über welche er kaum oder nur mangelhaft die exakte Kontrolle hatte. Eine kindische Panik vor dem Versagen, eventuellem Stolpern, Stottern und anderem Blödsinn überfiel ihn und so stand er eine geraume Weile mehr oder minder dekorativ herum. Dieser stille und dämliche Zustand verunsicherte den eigentlich längst erwachsenen Mann umso mehr und so war er beinahe versucht Darna zu umarmen, als diese ruhig und freundlich anbot ihm zu zeigen, wo er helfen konnte.
Ob er letzendlich eine Hilfe war mochte er nicht recht nachgrübeln.
Es langte ihm vorerst, dass man ihn irgendwie aus dieser bizarren Situation gerettet hatte und er etwas tat, als sein Ritter mit einem zugegebenermaßen entkräfteten und traurigen Gesichtsausdruck zu ihnen stieß.
Die Gespräche oder fast schon "Verhandlungen" danach waren ein besonderes Thema und noch immer beschäftigte ihn das, was er gehört hatte. Etwas hatte ihn enorm beunruhigt und ihm Anstoss zum grübeln gegeben... er musste Rafael nochmals darauf ansprechen auch wenn die Frage vielleicht anmaßend oder zumindest nicht im Bereiche eines Knappen war.

Doch es kam anders und als er den Ritter dann erblickte, kniete dieser vor seiner Frau... und dies wiederum brachte den nächsten Stein ins rollen:
Das Gespräch zwischen Ritter und Knappe.
Erneut stellte Rafael ihm Aufgaben, doch nur zwei davon konnte er mit einem gewissen Humor und bravem Nicken quittieren.
Die Gesetze der Grafschaft studieren... als hätte er sich hier nicht längst einen Abschrieb besorgt, welchen er gleich zu Beginn seines Aufenthalts mit Interesse gelesen hatte. Die Geschichte Gerimors kennen, lernen und sich weiter erkunden. Oh auch das war alles andere als ein Problem, denn seine Mutter und sein Herr, der ihm wie ein Ziehvater wurde, hatten dafür gesorgt, dass er früh unterrichtet wurde... sehr früh.

Aber nun?
Ein Freund für sie sein, wenn sie einen Freund braucht...
Ein Freund....

Er schloss die Augen und senkte dann langsam den Kiel, als er blinzelnd aufs Pergament sah, war seine Entscheidung gefallen und er schrieb ruhig, knapp... doch ehrlich.

[img]http://www.franzgrafpocci-gesellschaft.de/mittelalter/knappe.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Cathal Llastobhar am Dienstag 8. August 2006, 09:04, insgesamt 1-mal geändert.
Cathal Llastobhar

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Noch immer beschämte ihn die scheinbare Kampfesunfähigkeit.
Er hatte sich doch diesen Kampfesübungen an der Seite des Ritters entgegengefiebert und war sich so sicher gewesen, dass er nun eine weitere Möglichkeit hatte sein Können zu zeigen.

Erst vor wenigen Tagen waren ihm die alten Aufzeichnungen, welche er in der Zeit seiner Ausbildung zum Wachmann der Tiaresher Truppe geführt hatte, in die Hände gefallen und mit geradezu kindischer Begeisterung hatte er bemerkt, dass auch eine Abschrift eines älteren Buches über Loyalität seitens Knappen oder auch einer Wache zum Hauptmanne darunter war.

"Der Knappe sey dem Ritter Schild und Schutz, er stellt seyn Leben ganz dem Dienste des Ritters zu und zögert so auch nicht eyn Opfer zu bringen, wenn dies den Ritter schützt. Er weicht nicht von der Seyte seines Herren und dient ihm in Demut und Andacht..."

Gerade der Ansatz, welcher den Knappen als heroisches, rettendes Schild vor den Ritter stellte imponierte ihm ungemein und plötzlich überkam ihn das kindliche Verlangen Rafael stolz zu machen. Ähnlich wie ein Kind um die Anerkennung des Vaters gierte, so hoffte er nun darauf sich beweisen zu können.

Es war eine traurige Trägödie! Sicherlich hatte der gemeinsame Kampf auch Freude bereitet und ihm eine gute Übung beschert, doch als er dann der Länge nach auf dem Boden lag und es wieder einmal der Ritter war, der das Unwesen niederstrecken musste um ihn, den Knappen Cathal, zu retten, da beschlich ihn die heimliche Scham.
Wozu hatte er denn so lange gelernt, geübt, gefochten?

Nur um festzustellen, dass er noch lange nicht an seine Grenzen gekommen war und auch weiterhin an sich arbeiten musste.
So deprimierend es klang- man lernte einfach NIE aus.

[img]http://www.zornhau.de/images/fuellbilder/thalhoffer_2.jpg[/img]
Rafael de Arganta

Beitrag von Rafael de Arganta »

Rafael beobachtete Cathal als er davon ging.
Der junge Mann hatte sich gemacht. Von damals als er ihn kennen lernte, hin bis jetzt hatte sich der Eindruck den er gemacht hatte nur verstärkt.
Rafael war sich sicher in ihm die richtige Entscheidung getroffen zu haben ihn zum knappen zu nehmen.
Viel Zeit hatten sie bisher miteinander verbracht und doch immer noch zu wenig.
Die ihm aufgetragenen Aufgaben hatte er mit Bravour erledigt und er schien immer gar eilfertig auf neue Aufgaben zu warten die es zu bewältigen galt.

Angefangen mit dem Auftrag den Baum des Lichtes auf zu suchen, ihn zu berühren, bis hin zu den Geschichtlichen Stationen, den besonderen Orten die er ihm gezeigt hatte, die Heraldik, Etikette, all das was Rafael ihm bei brachte, hatte er alles, so mochte man meinen begierig in sich auf gesogen.
Die gemeinsamen Trainingsstunden, in denen er mehr und mehr Geschick im Umgang mit dem Schwerte an den Tag legte, und die Aufgabe um die Schreine oder den Drachen Slain.
Rafael schmunzelte gar, als er daran dachte wie Anghus den jungen Mann wohl aufgenommen hatte.
Cathal erwies sich als Lehrreich, und so hatte er auch den Hintergrund seiner nächsten Aufgabe sofort begriffen.
Eine Armenspeisung... und die Sachen dafür zusammen zu erbitten.
Es ging nicht darum sie zu kaufen, nein... er sollte von Hof zu zu Hof gehen und sie erbeten.
Das würde auch jene auf die Umstände aufmerksam machen, das es noch immer Hungernde gab, es würde sie zum nachdenken bringen.
Cathal hatte es verstanden, in dem er auch das Gold das ihm geschenkt wurde dafür, nicht für Essen ausgab.

Sie hatten überlegt was sie damit tun wollten und so war Rafael auf die Idee gekommen Darna von Elbenaus Idee mit einer festen Armen einrichtung, nach zu kommen.
Man könnte versuchen ein kleines Haus zu mieten oder zu kaufen, in dem es einmal die Woche oder im Mond eine Armenspeisung gab.
Vielleicht konnte sich die gesamte Ritterschaft dieses Projekt Sponsoren, und die Knappen es als Aufgabe bekommen sich darum zu kümmern.
Cathal bewies wieder einmal sein Geschick in dem er vorschlug das man beides verbinden konnte. Seine Armenspeisung mit der Eröffnung der Einrichtung, und so hatte Rafael ihn gleich auf die Suche nach einem geeigneten Ort geschickt.
Ja, Cathal bewies wirklich Scharfsinn. Er vermochte sich zu benehmen, und würde sicher einmal einen guten Ritter ausmachen.
Die Zeit würde es zeigen und bringen, doch er war auf dem besten Wege.
Cathal Llastobhar

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Selbst der trübe, dünne, erste Sonnenstrahl der frühen Morgendämmerung ließ das güldene Metall in einem atemraubenden Glanz leuchten und sogar etwas feurig flimmernd warfen die Spiegelungen kleine Lichtkugeln und Blitze an die Wände jener heiligen Stätte.

Das Schwert.
Das Zeichen, welches ihn, ähnlich wie eine Krone einen jeden König, zu dem machte, was er nun im Laufe der Ausbildung unter der freundschaftlichen und weisen Führung des Reichsritters Rafael de Arganta und unter Einfluss einiger anderer Wegbegleiter, welche er nun im inneren seines Herzens Freunde nannte, mit Körper und Seele geworden war:
Ein Ritter des Landes.
Sinnbild all jener Tugenden, welche er idealisierte, darstellen und leben wollte.
Irritiert blinzelte der junge Mann mehrfach, als sich die feuchten Tränen etwas beißend in seine lavendelblauen Augen bohren wollten und ein plötzlicher Klos im Hals seine Ergriffenheit etwas zu deutlich zum Ausdruck brachte. Wie ein Spielball trieb er noch etwas mit dem schiefen Lächeln, eines vom Glück erschlagenen Bengels, auf einer Woge des Heroismus und der Seligkeit. Leicht bewegte er dann die Rechte und beobachtete vor Ehrfurcht schaudernd, wie ein weiterer Lichterschwall glitzernd und funkelnd an den Wänden des Schreins umher sprang. Zwar waren die Momente in welchem die Hohetemplerin, Hochwürden Sanjana Valeth und auch der hohe, rechtmäßige Truchsess, der Graf Adrian von Hohenfels, ihn per Ritterschlag in sein jetziges Amt erhoben hatten, noch immer in seine Erinnerung wie mit einem glühenden Eisen eingebrannt, doch waren es andere Gedanken, die nun seine völlige Aufmerksamkeit fesselten und dieses glückliche, kindliche Mienenspiel auf die feinen Züge des jungen Ritters malten.

Stets waren sie um ihn herum gewesen und hatten ihn in allem unterstützt, ihn zurecht geschoben, wann immer er drohte in die falsche Richtung zu laufen oder seinen Pfad aus den Augen verloren hatte. Nein, nicht nur seine Familie, welche er liebte, sondern ebenso all jene lichten Menschen, die er nun Freunde nennen konnte. Lebhaft flackerten unzählige Namen und Gesichter vor ihm im Angesicht der sakralen Reinheit auf. Darna, welche ihm fast verschwörerisch leise ihre Hilfe gleich zu Beginn seiner Laufbahn als Knappe mit aller Selbstverständlichkeit zusicherte. Quarius, der ihn beiseite genommen und mit ruhigen Worten neben weisen Lehren auch eine der größten Geschichten über wahre Ritterlichkeit beigebracht hatte. Farion, der ihm und Darna in so manchen Stunden, wie einst bei der Erkundung Lameriasts, wie ein Fels in der Brandung zur Seite gestanden war und nie gezögert hatte allen Schild und Schutz zu bieten. Aradan, welcher ihm gerade die ersten Schritte der Knappschaft vereinfachte und ihm mit seiner Hingabe zum Waisenhaus nicht nur imponierte, sondern ein Vorbild bot. Zeron, der ihm als Mitknappe stets kameradschaftlich entgegen gekommen war. Tridain, der offenherzige Knappe Farions, welcher ihm nun fast etwas Wehmut hinsichtlich der verlassenen Wegstation Knappschaft verabreichte.
Ja und nicht zuletzt Rafael und Angelina!
Das Lächeln leuchtete etwas seliger, als ihm all jene unzähligen Momente, in welchen er so unsagbar glücklich über den Beistand beider aufgeatmet hatte.
Rafaels Leitung im dunklen Krieg um Berchgard und Bajard, sowie die Fürsorge als der Knappe später im Lazarett versorgt werden musste, Linas rasche Hilfe, als Una erst vor wenigen Wochen vergiftet und leblos im Konvent hernieder lag, Rafaels beistehende Anwesenheit auf dem Gebiet der alten Arena, Linas aufmunternde Worte, welche selbst in die dunkelste Höhle Licht zaubern konnten, all die Lehrstunden, in welchen Rafael sich bemühte sein Wissen und seine Kraft an den unerfahrenen, jungen Mann weiterzugeben, welchen man ihm anvertraut hatte… und so unendlich viel mehr.

Hier, in diesem Kreise, mit jenen wunderbaren Menschen, die er mit Stolz und inniger Dankbarkeit Freunde, Verbündete, Vorbilder nannte, war er ganz richtig!

Mit jenem Wissen neigte er den Kopf und sprach mit klaren Worten sein Gebet an die lichte Herrin, die ihm den Weg dorthin geleuchtet hatte.

Ich sehe dich in tausend Bildern, Formen und Varianten,
ich lausche deiner Stimme,
welche mir sanft, doch bestimmt den Weg weist,
ich erblicke dein Licht,
welches mir warm und gerecht das Herz erleuchtet.

Temora, Herrin, Führerin und Lichtbringerin,
all jene Bilder sind ein wahrer Teil
deiner ganzen Herrlichkeit,
doch keins von allen kann dich schildern,
wie meine Seele dich erblickt

… und dafür danke ich dir Tag für Tag,
Stund um Stund,
in jedem Augenblick,
für immer!


Als der Mund sich weiter bewegte kam allerdings kein Laut mehr über seine blassen Lippen, denn jene Worte galten seinem Vater, welcher mit sachter Zufriedenheit auf seinen Sohn herabblicken konnte.
Und doch ist dein Weg hier lange nicht beendet – die Reise hat gerade erst angefangen, junger Cathal Llastobhar!

[img]http://www.kriegsreisende.de/mittelalter/ma-img/staufer-ritter.jpg[/img]
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