Eine Bitte

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Grim Hammergrund

Eine Bitte

Beitrag von Grim Hammergrund »

Niemals ziert ein funkelnder Stern dieses Land, noch sendet die Sonne ihre waermende Kraft an diesen Ort; dies ist das Reich unter der Erde, eine geheime Welt unter der belebten Oberflaeche des Kontinentes Gerimor, deren Himmel von einer Decke aus schwarzem Fels gezeichnet ist und deren Mauern die toedliche Stille dieses Ortes in sich aufsaugen, und jedem Oberflaechenbewohner der toericht genug ist diesen Weg zu beschreiten die Sanftmut des Todes unter der Erde beibringen wuerde. Dies ist nicht ihre Welt, nicht die Welt der Menschen und Elfen, nicht die Welt des Lichts. Wer uneingeladen hierher findet, kehrt meistens nie mehr zurueck. Dunkle Stollen fliessen in zahlreichen Kurven durch das gesamte Bergreich und verbinden grosse und kleine Kavernen mit hohen und niedrigen Decken miteinander. Felswaelle, die so breit sind wie der Rumpf eines Lindwurms und Klippen die so spitz sind wie die Hoerner eines ruhenden Daemons, erheben sich in stummer Bedrohung vor jenen, die es wagen die Ruhe dieses Ortes zu stoeren. Eine tiefe, ahnungsvolle Ruhe. Zu haeufig ist der einzige Laut, der einzige Hinweis fuer reisende Oberflaechenbewohner, dass sie ihr Hoervermoegen noch nicht vollends verloren haben, ein weit entferntes und hallendes Tropfgeraeusch, dass wie der Herzschlag des Nilzadan klingt und die Mystik dieser Pfade in einem Schatten aus Wahnsinn und Stille erstickt.
Dies sind die tiefsten Stollen des Goetterberges, weit ab von der Festung im Berg, weit ab von von allen humanoiden Zivilisationen, weit ab von jeglicher Form von Zeit.

Die gedaempften Schritte eines alten Mannes hauchten diesem Platz einen Quant waermenden Lebens ein, kaum spuerbar, doch der Berg bemerkte die Anwesenheit des Khaz-Adui. Doch selbst die thermisch-warnehmenden Augen des Zwerges vermochten an diesem Ort nichts zu sehen - eine monotone, stille Kaelte hatte sich ueber die Jahrhunderte hier einen Thron errichtet und wuerde sich so schnell nicht wieder vertreiben lassen..
Grim Hammergrund

Beitrag von Grim Hammergrund »

Zahlreiche Metall-Lamellen reihten sich in ein festes Gitter, wie das Schuppengeflecht eines Roten, legte sich der schuetzende Panzer um den massiven, fassfoermigen Koerper des Mannes. Sein linker Arme endete aprupt, wenige Zentimeter ueber der Stelle, an dem einst seine Hand sass; nun zierte nur noch ein kuehler Metallkopf den Armstumpf des Mannes. Seine gesunde Hand war weit hinter den Ruecken gebeugt, wo sie mehrere Male mit einem dicken Seil umschlungen war, an dessen anderem Ende sich ein felsfoermiger Sarg befand - die Stunden vergingen. Nur selten hoerte man das klagende Seufzen des Bergwaechters, in diesen Stollen waere er vermutlich auch der Einzige gewesen, der es je gehoert haette. Eine Unmenge an Erinnerungen und Gedanken ueberfluteten den Verstand des alten Zwergen, in der Dunkelheit sah er Schatten verschwimmen, vor seinen Augen zeichnete sich das Bild eines laengst vergessenen Tages in die grauen Felswaende:
Vergangenheit hat geschrieben:"Felsspalter!?", der Ruf drang donnernd in die kleine Kaverne, die dem zweiten Sohn des Grom als Schmiede diente, und noch bevor der arbeitende Zwerge die Stimme einordnen konnte trat ein relativ junger Khaz-Adui in den felsigen Raum und starrte ihn abwartend an. Ein letztes Mal sauste das Gewicht des groben Hammers auf das Eisen, diesmal von Zorn gelenkt, und statt das Metall zu bearbeiten brach es unter der Masse hinweg. "Verpesteter, orkhirniger Schwachkopf. Wieviele Male soll ich euch noch einhaemmern, dass ihr mich nicht stoeren sollt wenn ich arbeite!" Mit einer aufgebrachten Miene, und als ob es ihn nicht weiter kuemmerte, schleuderte der alte Schmied seinen Hammer in Richtung des Juengeren - und verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Der zwergische Bursche hielt es fuer Zufall und als er die zornrote Stirn des Metallwerkers sah, verschlossen sich seine Lippen rasch.
Ein muedes Laecheln zeichnete sich auf den faltigen Lippen des Alten ab, es war sein Neffe Groshok, nach dem er den Hammer geworfen hatte - es war der Tag, an dem der Sturm auf den Berg begonnen hatte, es war auch der Tag, an dem Groshok, wie viele Andere, sein Leben fuer die heiligen Stollen hergab; ein Kind in den Augen vieler Brueder und Schwestern, keine 35 Zyklen alt, starb ohne jede Furcht und mit einem Lied an Cirmias auf den Lippen in einem Scharmuetzel mit einer Rotte Halbblueter. So und so aehnlich, mit stolzen Worten, kommentierte man den Tod eines Bruders in der grossen Schlacht nach dem Siegelbruch. Doch der Alte wusste es besser: Es war kein stolzer Tag fuer sein Volk und es war nicht Recht, dass viele junge Soehne und Toechter ihr Leben gaben, und es war nicht Recht, dass ausgerechnet er selbst diesen Tage ueberlebt hatte. Es war nicht sein Recht, darueber zu urteilen. Es war nicht das Recht Alatar's. Bei diesem Gedanken zog sich seine verbliebene Hand noch straffer um das Seil und sein Schritt beschleunigte sich um das Zweifache - es war bald geschafft, nur noch wenige Meilen..
Grim Hammergrund

Beitrag von Grim Hammergrund »

Ein Fluss aus Traenen bildete einen Rinnsaal auf der faltigen Haut des alten Mannes, die dumpfen Schritte seines schweren Schuhwerks verlangsamten sich stetig - die rauen Fasern des Seiles hatten seine Faust bereits an mehreren Stellen blutig geschunden; doch der Weg der vor ihm lag war noch nicht beendet. Das Bild seiner Umgebung wechselte langsam, nach allen Seiten hin zogen sich die Felswaende immer staerker vor ihm zurueck, seine Fuesse trugen ihn geradewegs in die Mitte einer riessigen Kaverne, eine schier unendliche Felssteppe lag brach vor seinen Augen. Und immer wieder erklang es: Das ermuedete Stoehnen eines alten Mannes, im Wechsel zu dem knackenden Geraeusch, das immer wieder aufklang, wenn der schwere Steinsarg das grobe Geroell unter sich zu Staub zermalmte. »Die unendliche Weite, wenn Wahrnehmung und Wirklichkeit verschwimmen..«, der alte Hoehlenvater entsinnte sich an laengst vergangene Tage, den Tag der grossen Schlacht, nie zuvor hatten seine Augen eine Weite dieses schrecklichen Ausmasses gesehen - die Bergwaechter waren es gewohnt auf engem Raum ihren Kampf auszutragen, doch selbst in den Stollen; haetten sie alle diesen Tag ueberleben koennen? Der Erbe des Hammergrund-Clans senkte seinen haarueberwucherten Kopf und zog eine winzige Phiole, gefuellt mit grauem Pulver, aus seinem Werkzeuggurt und konnte sich ein geheucheltes Lachen nicht verkneifen: An jenem Tag in den Weiten der brennenden Oberflaeche, hatte er den vielleicht kostbarsten aller Preise gezahlt. Die eingefallenen Augen des Zwergen weiteten sich, als die karge Felssteppe um ihn herum ploetzlich dem saftigen Gruen einer Sommerwiese weichen musste, alte Freunde und Brueder standen an seiner Seite - der ehrbarste Mann den Grim in ueber 3 Jahrhunderten je gekannt hatte, stand nur einen Fuss von ihm entfernt - welchen Preis hatte dieser Mann gezahlt? Fuer Grim und die Sippe, fuer die all' Jene die den Tag ueberleben sollten? Ein Mann der nie viel um seinen Ruf gegeben hat, ein Khaz-Aduir der seinen Dienst im Namen des Schoepfers geleistet hatte; Grim erinnerte sich an ein altes Versprechen, dass er sich einst selbst gab.. der Strom von Traenen versiegte und der letzte Tropfen nass plaetscherte auf das Gras, hallte in dem Kopf des Alten wieder..
Vergangenheit hat geschrieben:Dagnars stachelbesetzte Faust legte sich auf Grims Schulter. "Ich werde zurueckbleiben und das Gebiet sichern... gib mir dein Rauchpulver.", ohne das er die Antwort des Schmiedes abwartete griff der Schlachtenwuehler nach den beiden glaesernen Phiolen die ein graues Pulver beherbergten. Grim wusste was der alte Krieger tun wollte, und er wuerde keine Anstalten machen um ihn aufzuhalten, auch wenn es schmerzte. "Knochen werden brechen, und Cirmias wird sein Auge auf den tapfersten aller Schlachtenwuehler richten.", der Schmied verneigte sich vor dem Krieger, eine respektvolle Verneigung. Grim konnte, genau wie Dagnar, die wenigen Male die sich der muerrische Schmied vor einem Anderen verneigt hatte an einer Hand abzaehlen. "Cirmias mit dir Bruder, irgendwann werden wir uns wieder sehen.", die Augen des grimmigen Schlachtenwuehlers zuckten leicht, und er wandte sich ab. Freiwillige Zwerge schlossen sich ihm zuhauf an, darunter natuerlich auch jeder einzelne Knochenbrecher - Grim trauerte nicht. Man beweint keinen Waechter des Berges, der sich entschlossen hatte fuer das Wohl Nilzadans und Kaluriens zu sterben - er wuerde ihr Opfer nicht entwuerdigen. Und so marschierten die verbliebenen Khaz-Adui weiter, immer mehr der Zwerge schlossen sich zusammen und so bewegte sich eine richtige, kleine Heerschar auf das Tal zu, immer auf der Suche nach einer Moeglichkeit etwas aktiver, aber nicht sinnlos, in den Kampf einzugreifen. Etwa eine Stunde nachdem sich Dagnar von dem Trott entfernt hatte, vernahmen alle Zwerge einen donnernden Knall hinter sich, der das gesamte Schlachtfeld in einen Moment der bedrueckenden Stille erstickte. Grim drehte sich nicht um, sein Blick war stur nach vorne gerichtet und er wusste was geschehen war. Rauchpulver wurde benutzt um die Stollen zu erweitern - genauso wie man es nutzen konnte um sich und die umliegenden Feinde in einen flammenden, schnellen Tod zu stuerzen. Der alte Schmied wusste, dass sein Freund gestorben war, vermutlich mit einem Lied an Cirmias auf den Lippen.
Dies war der Tag an dem Grim Hammergrund, einziger lebender Sohn des Gram, beschlossen hatte nie wieder zurueckzublicken, nicht zu trauern, und nicht ueber das Erlebte zu sprechen. Doch heute war der Tag, an dem ein altes Versprechen gebrochen werden sollte - wenn Cirmias seiner dreisten Bitte nachkommen wuerde, so konnte sein Volk nur Gewinn machen, wenn dem nicht der Fall sein wuerde.. so wuerde er zumindest seinen Platz an der Seite seines besten Freundes einnehmen, dem wohl tapfersten Krieger der Schlacht um Nilzadan. Es war einer dieser seltenen, melancholischen Momente, in dem Grim die zweite Option beinahe noch verlockender schien als sein eigentliches Ziel. Doch auch wenn seine Beine ermuedeten, der Wille war stark, und sein Schuhwerk trug ihn weiter..
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