Und am Anfang war ein Traum
Verfasst: Mittwoch 26. August 2015, 23:21
Regen ergoss sich über Valeran in diesen bedrückten Stunden. Der Himmel weinte mit den zurückgebliebenen Menschen, welche um einen Mann voller Ehre und Eifer trauerten.
"Ich grüße euch mit dem Segen der lichten Herrin Temora.."
Der Blick hob sich geistesabwesend etwas an und blickte geradeaus, während die Worte des Priesters im Kopf nachhallten.
"Wir haben uns heute an diesem eher trostlosen Ort versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem Mann, der für viele eine helfende Hand war. Der dem Reich unter unserer Herrin Temora stets ergeben gedient hat, so weit es seine Fähigkeiten zuließen. Doch nun ist sein Weg hier auf Erden zu Ende und es liegt an uns, ihn ziehen zu lassen. Einen Mann, der unerwartet von uns ging. Aus dem Leben gerissen durch fremde Hand. Möge die Herrin Temora ihre schützenden Schwingen um ihn legen und ihn mit ihrer Güte empfangen! Möge sie einen Platz neben sich bereit halten für Tawir Sturmthal.."
Der Blick senkte sich wieder und anstelle der rot-orangen Flammen, welche sich in jener Nacht über den leblosen Leib seines Vaters hergemacht hatten, sah Balian nun das noch leere Pergament, welches auf seinem Schoß ruhte. Nur von seiner linken Hand gehalten, damit der gelegentliche Sommerwind es nicht aus dem Planwagen heraus, in den warmen Regen hinein wehte. Ohne mehr groß nachzudenken, setzte er schließlich den Federkiel auf und begann zu schreiben:
Wir schreiben den 22. Cirmiasum im Jahre 258 und ich befinde mich gerade auf meinem Weg zwischen de Arganta und Lichtenthal. Ein Mann, Friedolin heißt er, hat mir einen Platz auf seinem Planwagen angeboten. Es ist nicht viel, sicher bin ich Anderes gewohnt. Sowohl von meinem ehemaligen Heim, als auch vom Kloster. Doch ich merke, wie es mich unzählige Male mehr erfüllt, als es jedweder Luxus in meinem vergangenen Leben hätte tun können. Ich verspüre großen Dank für diese Geste eines Mannes, der selber nicht mehr hat, als den eisernen Willen seinen sterbenskranken Sohn als letzten Angehörigen noch vor dem Tod zu retten. Vermutlich ist das Einzige, was ich tun kann, um ihm eine Hilfe zu sein, dass ich ihm bis nach Bajard Geleit und Schutz bin.
Bajard ist seine Heimat. Ein Fischerdorf Lichtenthals, in der Grafschaft Markweih. Wie wohl fast alle in de Arganta kannte auch Friedolin meinen Vater persönlich. Er hatte ihn vor vielen Jahren mehrfach gesehen, als er noch regelmäßig zum Handeln hier hergekommen war. Mein Vater soll ein ehrenhafter Mann mit dem Herz am rechten Fleck gewesen sein. Stets den Tugenden Temoras folgend, indem er Menschlichkeit und Weitsicht bewies. Friedolin meinte heute Morgen, ich wäre ihm ähnlich, aber noch kann ich nicht begreifen, dass ich so viel mit einem Mann gemein haben soll, mit dem ich genau einen Stundenlauf meines Lebens zubringen durfte. Wie kann es sein, dass er ein Teil von mir ist? Ein Charakter bildet sich aufgrund seines Umfeldes und nicht, weil seine Eltern so und so sind. Jedes Kind bekommt dies beigebracht und auch ich glaube noch daran. Gleichwohl mein Weltbild in den vergangenen Mondläufen und Jahreszyklen immer mehr erschüttert wurde. Es beginnt sich zu wandeln und ich hoffe nur, dass ich das vorgelegte Tempo beibehalten kann.
Temora beschütze ewig!

"Ich grüße euch mit dem Segen der lichten Herrin Temora.."
Der Blick hob sich geistesabwesend etwas an und blickte geradeaus, während die Worte des Priesters im Kopf nachhallten.
"Wir haben uns heute an diesem eher trostlosen Ort versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem Mann, der für viele eine helfende Hand war. Der dem Reich unter unserer Herrin Temora stets ergeben gedient hat, so weit es seine Fähigkeiten zuließen. Doch nun ist sein Weg hier auf Erden zu Ende und es liegt an uns, ihn ziehen zu lassen. Einen Mann, der unerwartet von uns ging. Aus dem Leben gerissen durch fremde Hand. Möge die Herrin Temora ihre schützenden Schwingen um ihn legen und ihn mit ihrer Güte empfangen! Möge sie einen Platz neben sich bereit halten für Tawir Sturmthal.."
Der Blick senkte sich wieder und anstelle der rot-orangen Flammen, welche sich in jener Nacht über den leblosen Leib seines Vaters hergemacht hatten, sah Balian nun das noch leere Pergament, welches auf seinem Schoß ruhte. Nur von seiner linken Hand gehalten, damit der gelegentliche Sommerwind es nicht aus dem Planwagen heraus, in den warmen Regen hinein wehte. Ohne mehr groß nachzudenken, setzte er schließlich den Federkiel auf und begann zu schreiben:
Wir schreiben den 22. Cirmiasum im Jahre 258 und ich befinde mich gerade auf meinem Weg zwischen de Arganta und Lichtenthal. Ein Mann, Friedolin heißt er, hat mir einen Platz auf seinem Planwagen angeboten. Es ist nicht viel, sicher bin ich Anderes gewohnt. Sowohl von meinem ehemaligen Heim, als auch vom Kloster. Doch ich merke, wie es mich unzählige Male mehr erfüllt, als es jedweder Luxus in meinem vergangenen Leben hätte tun können. Ich verspüre großen Dank für diese Geste eines Mannes, der selber nicht mehr hat, als den eisernen Willen seinen sterbenskranken Sohn als letzten Angehörigen noch vor dem Tod zu retten. Vermutlich ist das Einzige, was ich tun kann, um ihm eine Hilfe zu sein, dass ich ihm bis nach Bajard Geleit und Schutz bin.
Bajard ist seine Heimat. Ein Fischerdorf Lichtenthals, in der Grafschaft Markweih. Wie wohl fast alle in de Arganta kannte auch Friedolin meinen Vater persönlich. Er hatte ihn vor vielen Jahren mehrfach gesehen, als er noch regelmäßig zum Handeln hier hergekommen war. Mein Vater soll ein ehrenhafter Mann mit dem Herz am rechten Fleck gewesen sein. Stets den Tugenden Temoras folgend, indem er Menschlichkeit und Weitsicht bewies. Friedolin meinte heute Morgen, ich wäre ihm ähnlich, aber noch kann ich nicht begreifen, dass ich so viel mit einem Mann gemein haben soll, mit dem ich genau einen Stundenlauf meines Lebens zubringen durfte. Wie kann es sein, dass er ein Teil von mir ist? Ein Charakter bildet sich aufgrund seines Umfeldes und nicht, weil seine Eltern so und so sind. Jedes Kind bekommt dies beigebracht und auch ich glaube noch daran. Gleichwohl mein Weltbild in den vergangenen Mondläufen und Jahreszyklen immer mehr erschüttert wurde. Es beginnt sich zu wandeln und ich hoffe nur, dass ich das vorgelegte Tempo beibehalten kann.
Temora beschütze ewig!