Die Gelegenheit war für die Diener Kra'thors besser noch als erhofft. Man hatte Niamh mitgeteilt, dass die Bürgerwehr zu Bajard in den vergangenen Tagen, aus welchem Grund auch immer, reduziert worden war. Es kam sehr gelegen, für Ablenkung müsste aber dennoch gesorgt werden. Deshalb auch die Idee, einen Brand zu legen, gefährlich genug um alle Wachen für die kurze Zeitspanne abzulenken, die benötigt werden sollte, um das Ritual auszuführen. Wenn das geschehen war, würde der Rest ein Kinderspiel sein.
Soweit zumindest der Plan. Zur achten Abendstunde brachen sie auf, gekleidet wie Dorfbewohner, nicht in den Kutten, in denen sie sonst zu sehen waren. Strikte Order war ausgegeben worden, sich nicht in Kleidung des Kultes blicken zu lassen, eine Vorsichtsmaßnahme die wahrscheinlich überflüssig war, würden die leeren Gräber die Vermutungen doch gleich auf sie fallen lassen. Einzeln trafen sie in Bajard ein, um sich nicht als Gruppe zu zeigen und keine Verbindung zwischen ihren Gesichtern aufkommen zu lassen. So waren nach kurzer Zeit alle Diener in Bajard zugegen, in scheinbar alltägliche Geschäfte verwickelt, als wäre es ein normaler Abend in dem beschaulichen Dorf.
Siryan war entsprechend ausgerüstet, das Feuer zu legen. Die Lage war sondiert, er konnte unbemerkt an den Hof im südlichen Teil Bajards gelangen, dass Feuer legen und seelenruhig davonschlendern, als wäre nichts gewesen. Als er wieder am Hafen eintraf, war vom Feuer noch nichts zu bemerken bis auf eine unscheinbare Rauchsäule, die ebenso von einem Kamin hätte verursacht sein können. Jetzt blieb einen Moment nichts anderes als warten, bis die gelegten Flammen wie geplant ihre Arbeit verrichteten, sich durch das Holzdach fraßen und das getrocknete Heu entzündeten, das auf dem Dachboden darauf wartete, wie Zunder entfacht zu werden.
Nun war es an Chalys, die frohe Kunde in die Stadt zu tragen. Es war abgesprochen, dass sie vorgab, beim Bauernhof etwas kaufen zu wollen, um dann den Brand zu entdecken. Ein schmales Lächeln stahl sich in Niamhs Gesicht als sie über das Hafenbecken beobachtete, wie Chalys davonrannte, als ginge es um ihr Leben. Laut schreiend trommelte sie alle Bewohner und Wachen zusammen, die sich zu dieser Stunde noch in Bajard aufhielten, um sie Richtung Feuer zu dirigieren. Eine kleine Menschentraube bildete sich um den Hof, der inzwischen lichterloh brannte, manche brachten Krüge voll Wasser, versuchten die Gaffer zum helfen zu bewegen, schrien und gestikulierten. Auch die Diener mischten sich in die unübersichtliche Ansammlung, um den richtigen Moment abzupassen.
Als die Verwirrung am größten war, setzten sie sich wie abgesprochen einer nach dem anderen aus der Menge der Gaffer und Helfer ab, um sich auf dem Friedhof zu versammeln, der weitab vom Zentrum der Aufmerksamkeit unbeobachtet zu sein schien. Das Ritual konnte beginnen.
Die Toten von Bajard
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Siryan Falth
Es war dunkel - üblich zur achten Abendstunde. Siryan schlich, gehüllt in die Kleidung eines einfach Bürgers, durch die Stadt. Alles war bis ins Detail geplant und er wusste um seinen Part. Getrieben von Rachegelüsten und seinem tiefen Glauben schritt er schnellen Fußes auf den Hof zu. Die Wache, die in der Nähe des Gehöfts patrollierte schien von ihm keine Notiz zu nehmen. Entschlossen zog er eine Fackel aus seiner Tasche hervor und entzündete diese, ehe er sie, nach einem letzten Mal umsehen, mit einem kraftvollen Wurf auf das Strohdach des Gebäudes warf. Noch bevor sich die Flammen in das Dach beißen und so verbreiten konnten, war er bereits auf dem Weg zu Chalys um ihr das Signal zu geben.
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Chalys Sangares
Getrennt von den anderen und in ordentlicher, einfacher Kleidung, hatte sie Bajard betreten. Ihrer Aufgabe bewusst, liess sie sich im örtlichen Gasthaus nieder, auf das abgesprochene Zeichen wartend. Ein Wasser war alsbald an den Tisch geliefert. Etwas anderes mochte ihre Sinne, die sie für ihre Aufgabe brauchte, nur unnötig vernebeln.
Kaum, dass der Wirt den Krug Wasser abgestellt hatte, erkundigte sie sich nach dem örtlichen Bauernhof, die Auskunft zusätzlich zum bezahlten Wasser vergütend. Wenngleich sie genau wusste, wo dieser sich befand, so machte sie offensichtliche Ortsunkenntnis nur unverdächtiger, so blieb es jedenfalls zu hoffen. Schliesslich, als ausgegebenes Kennzeichen, betrat Siryan den kleinen Gasthof und sie machte sich auf den Weg.
Nur wenige Schritte später war sie am Hof angekommen und wurde mit ihrem Wunsch einiges Obst zu kaufen empfangen. Kaum ausgesprochen und hereingebeten, war der Brandgeruch schon deutlich wahrzunehmen, worauf sie sogleich hinwies. Das Feuer war schnell ausgemacht. Und so war es an ihr, die Stadt zu wecken und Alarm zu geben. Eiligst lief sie los, überall in der Stadt von dem Feuer verkündend und einen jeden Gardisten und Bürger um Hilfe ersuchend. Es war vollbracht, die Menschen stürmten eiligst zum Hof. Alles lief wie geplant.
Kaum, dass der Wirt den Krug Wasser abgestellt hatte, erkundigte sie sich nach dem örtlichen Bauernhof, die Auskunft zusätzlich zum bezahlten Wasser vergütend. Wenngleich sie genau wusste, wo dieser sich befand, so machte sie offensichtliche Ortsunkenntnis nur unverdächtiger, so blieb es jedenfalls zu hoffen. Schliesslich, als ausgegebenes Kennzeichen, betrat Siryan den kleinen Gasthof und sie machte sich auf den Weg.
Nur wenige Schritte später war sie am Hof angekommen und wurde mit ihrem Wunsch einiges Obst zu kaufen empfangen. Kaum ausgesprochen und hereingebeten, war der Brandgeruch schon deutlich wahrzunehmen, worauf sie sogleich hinwies. Das Feuer war schnell ausgemacht. Und so war es an ihr, die Stadt zu wecken und Alarm zu geben. Eiligst lief sie los, überall in der Stadt von dem Feuer verkündend und einen jeden Gardisten und Bürger um Hilfe ersuchend. Es war vollbracht, die Menschen stürmten eiligst zum Hof. Alles lief wie geplant.
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Niamh
Am Friedhof des kleinen Dorfes versammelten sich die vermummten Gestalten, 5 an der Zahl, allesam Diener des Richters. Kein Wort war zu sprechen, denn alle wussten, was zu tun war. So stellten sie sich auf, mit gleichem Abstand zu einander, den Kopf zu Boden gesenkt und jeder eine Kerze vor sich entzündet. Aus der Ferne konnte man die Schreie vernehmen, das schwache glimmen des Feuers in der Nacht und den Brandgeruch, der über dem ganzen Dorf hing. Doch die Beteiligten waren zu konzentriert, um auf solche Details acht geben zu können. Einer nach dem anderen knieten sie sich hin, die Kerze vor sich auf den duftenden Rasen gestellt, um den Friedhof in ein unwirkliches Licht der 5 flackernden Kerzen zu hüllen. Auch die Geräusche der ab und an vorbeirennenden Dorfbewohner nahmen sie in ihrer Konzetration nicht wahr, ebenso wie jene nicht auf den Friedhof zu achten schienen, durch die dichte Hecke das unmerkliche Flackern vernehmend. Gleichzeitig hoben alle Diener die Hände, und im Chor wurden leise die Worte gemurmelt, die an Kra'thor gerichtet waren. Einige Minuten verharrten sie in dieser Pose, um die nötige Macht zu kanalisieren und auf das Ziel hin auszurichten. Schließlich, kaum vier Minuten mochten vergangen sein, konnte man zunächst nur leise, dann immer stärker spürbar ein unmenschliches Grollen vernehmen, weniger ein Ton als vielmehr die Erde selbst, die wie von Fieberkrämpfen geplagt zitterte. Ebenso wie das Zittern schwoll auch das allgegenwärtige Murmeln an, und die kleinen Kerzenflammen vergrößerten sich sichtbar, ohne jedoch merklich mehr Helligkeit hervorzurufen. Sie zitterten heftig in der Windstillen Luft, und ihr Zischen mischte sich unter das leichte Grollen der Erde.
Dann schließlich, von einem auf den nächsten Moment, verstummte Alles. Die Flammen erloschen, die Diener verstummten, der Friedhof lag in unveränderter Ruhe da, ungestört und ungeschändet. Einige Sekunden passierte nichts, ehe sich die Erde oberhalb eines Grabes zögerlich zu regen begann, nicht in einem weitreichenden Zittern, sondern vielmehr als würde sich kurz unter der Oberfläche etwas bewegen. Die obersten Erdkrumen rollten bei Seite und ein knochige Hand kam zum Vorschein, einmal um die Runde tastend und dann sich mühelos am Boden hochziehend, sodass mehr von der Gestalt sichtbar wurde. Ein bleiches Skelett war es, dass sich fleißig den Weg an die Oberfläche bahnte, trotz der Dunkelheit gut auszumachend dank des Kontrastes der weißen Knochen vor der dunklen Hecke. Noch nicht ganz aus dem Boden entkommen wurde eine zweite Hand im selben Grab sichtbar, die sich nach identischer Methode seinen Weg aus dem eigenen Grab suchte. Auch andere Gräber gerieten in Bewegung, und knochige Gestalten zogen sich hoch an die mit Brandgeruch gewschängerte Abendluft. Nicht lange dauerte es, da war die Gruppe aus 5 Dienern auf ein kleines Heer angewachsen, denn aus jedem Grab erhoben sich mehr als drei oder vier der Gestalten. Als das schauerliche Spiel beendet war, alle Wiederkehrer ihr Grab verlassen hatten und die Erde weitestgehend zur Ruhe gekommen war erhoben sich auch die Diener wieder, wandten sich als geschlossene Gruppe um und gingen eiligen Schrittes vom Friedhof auf das Stadttor zu. Die Wachen waren noch immer nicht auf ihrem Posten, wohl noch beschäftigt mit dem Löschen des Feuers, und die Straßen waren Menschenleer. Nur eine kleiner Junge stand am Straßenrand, den Mund weit aufgerissen, als der gespenstische Zug schweigend aber knackend und ächzend an ihm vorbeizog. Der kleine würde seiner Mutter sicher viel zu erzählen haben...
Das Dorf blieb hinter ihnen zurück, als sie schnell auf ihren Zielort zuspazierten. Sie wählten einen Weg weit ab von den Straßen und Wegen der Grafschaft, aus Angst eine Zufallsbegegnung könnte jetzt noch alles zunichte machen, was bisher blendend funktionierte.
Auf halben Weg zum Hügelgrab hielt jedoch die Gruppe der Untoten abrupt an und ihre Menge teilte sich, ihre Körper eine Gasse bildend für einen der ihren, der sicheren Schrittes auf die kleine Gruppe der menschlichen Diener zutrat.
Dann schließlich, von einem auf den nächsten Moment, verstummte Alles. Die Flammen erloschen, die Diener verstummten, der Friedhof lag in unveränderter Ruhe da, ungestört und ungeschändet. Einige Sekunden passierte nichts, ehe sich die Erde oberhalb eines Grabes zögerlich zu regen begann, nicht in einem weitreichenden Zittern, sondern vielmehr als würde sich kurz unter der Oberfläche etwas bewegen. Die obersten Erdkrumen rollten bei Seite und ein knochige Hand kam zum Vorschein, einmal um die Runde tastend und dann sich mühelos am Boden hochziehend, sodass mehr von der Gestalt sichtbar wurde. Ein bleiches Skelett war es, dass sich fleißig den Weg an die Oberfläche bahnte, trotz der Dunkelheit gut auszumachend dank des Kontrastes der weißen Knochen vor der dunklen Hecke. Noch nicht ganz aus dem Boden entkommen wurde eine zweite Hand im selben Grab sichtbar, die sich nach identischer Methode seinen Weg aus dem eigenen Grab suchte. Auch andere Gräber gerieten in Bewegung, und knochige Gestalten zogen sich hoch an die mit Brandgeruch gewschängerte Abendluft. Nicht lange dauerte es, da war die Gruppe aus 5 Dienern auf ein kleines Heer angewachsen, denn aus jedem Grab erhoben sich mehr als drei oder vier der Gestalten. Als das schauerliche Spiel beendet war, alle Wiederkehrer ihr Grab verlassen hatten und die Erde weitestgehend zur Ruhe gekommen war erhoben sich auch die Diener wieder, wandten sich als geschlossene Gruppe um und gingen eiligen Schrittes vom Friedhof auf das Stadttor zu. Die Wachen waren noch immer nicht auf ihrem Posten, wohl noch beschäftigt mit dem Löschen des Feuers, und die Straßen waren Menschenleer. Nur eine kleiner Junge stand am Straßenrand, den Mund weit aufgerissen, als der gespenstische Zug schweigend aber knackend und ächzend an ihm vorbeizog. Der kleine würde seiner Mutter sicher viel zu erzählen haben...
Das Dorf blieb hinter ihnen zurück, als sie schnell auf ihren Zielort zuspazierten. Sie wählten einen Weg weit ab von den Straßen und Wegen der Grafschaft, aus Angst eine Zufallsbegegnung könnte jetzt noch alles zunichte machen, was bisher blendend funktionierte.
Auf halben Weg zum Hügelgrab hielt jedoch die Gruppe der Untoten abrupt an und ihre Menge teilte sich, ihre Körper eine Gasse bildend für einen der ihren, der sicheren Schrittes auf die kleine Gruppe der menschlichen Diener zutrat.