Schicksalsschläge und das Ende einer Zeit

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Yannah Asif

Schicksalsschläge und das Ende einer Zeit

Beitrag von Yannah Asif »

Sie lief durch die Wüste, durch den Markt, durch die Stadt. Und sie fühlte sich fremd. Zum ersten Mal fühlte sie sich fremd seit ihrer Rückkehr von ihrem langen Aufenthalt auf dem Festland. Es war viel passiert in ihrer Vergangenheit. Sie war zurückgekommen, sie hatte sich gefreut, Menek'Ur zu betreten und sie sah ihn - Mukhtaar. Sie hatte ihm in seine tiefschwarzen Augen gesehen und sie hatte sofort gespürt, dass da etwas in der Luft lag. Etwas, womit sie zuvor nicht konfrontiert wurde. Liebe, ja... es war Liebe. Und umso mehr Zeit sie miteinander verbrachten, umso erfüllter und glücklicher fühlte sich Yannah. Zwar hatte sie von dem Tod ihres über alles geliebten Bruder Mujaahid erfahren, verfiel in Trauer und doch war Mukhtaar da und half ihr aus diesem tiefen Loch heraus. Sie dankte ihm dafür, auch, wenn sie es nie gesagt hatte. Sie verdankte ihm ihr Leben. Sie war einfach glücklich, an seiner Seite zu sein. Und doch verbarg sie ihr Geheimnis weiterhin. Sie war oftmals hart zu Mukhtaar gewesen, obwohl sie das nicht wollte. Sie liebte ihn und doch hatte sie Angst ihn zu verletzen oder zu verlieren. Er wusste nichts davon, dass sie zuvor schon einmal geliebt hatte und diesen Menschen auch verloren hatte, wie ihren Bruder. Und sie schwieg weiter. Ihr dunkles Geheimnis hatte sie immer für sich behalten. Und dann ereilte sie die Nachricht, dass sie schwanger gewesen war, aber das Kind wohl verloren hätte. Ein Kind. War es nicht das, was sie sich immer gewünscht hatte? Das hatte sie. Und doch wusste sie, dass es ihnen mehr Ärger bereitet hätte. Und sie verlor kein Wort mehr darüber. Sie versuchte zu vergessen, doch gelang ihr nur das verdrängen. Verdrängen der Schmerzen, wie sie es immer tat. Innerlich war sie längst kaputt gewesen, ihr einziger Halt war er. Und doch, auch dieser Halt geriet ins Wanken. Genau zu dem Zeitpunkt, als er ihr erklärte, dass sie zu viel arbeiten würde und er sich mit einer Anderen getröstet hätte. Yannah hatte die Welt nicht mehr verstanden. Sie hatten sich doch geliebt. Wie konnte er das tun? Doch wieder kämpfte Yannah.

Und jetzt stand sie da. Auf dem Dach. Setzte sich an den Tisch und nahm ein Pergament zur Hand, ehe sie zu schreiben begann.

"Mukhtaar,

wenn du das liest, möchte ich, dass du an mich denkst. Das du an mich denkst, wie wir uns kennenlernten, wie wir uns lieben lernten. Ich weiß, du hast mich nie so geliebt, wie ich dich geliebt habe, immer war diese andere Frau im Spiel. Sie hat dir dein Herz gebrochen, hm? Ich weiß es nicht genau, ich vermute es nur. Ich hab ihre Anwesenheit immer gespürt, wenn du bei mir warst. Sie hat dich immer begleitet - in deinem Herzen. Und sie tut es bis heute noch. Du solltest um das kämpfen, was dir lieb ist. Ich habe es nie geschafft. Das Schicksal war bei mir schneller. Es hat mich ereilt, mich eingeholt. Vor einiger Zeit.. ungefähr vor zwei bis drei Jahren lernte ich einen jungen Mann kennen, er war schön, er war perfekt. Und ich hatte ihn geliebt. Und doch, er wurde mir genommen, vor meinen Augen ermordet. Ich habe mir seit diesem Zeitpunkt geschworen, dass ich weiterleben würde. Er ruht in Frieden, so wie auch ich es tun werde. Ich wünschte, wir hätten all das noch erleben können, was wir vorhatten. Doch weiss ich, deine Wege führen dich in eine andere Richtung. Weit weg von mir, weit weg von dem, was man eine Beziehung nennen könnte. Es gibt nur eine Frau in deinem Leben, bei der du wirklich sesshaft bleiben würdest. Ich spüre es. Ich spüre es deutlich. Genieße dein Leben, Mukhtaar. Du bist das Beste, was mir je passiert ist und doch umschließt die Trauer mein Herz. Die Trauer um Mujaahid, die Trauer um die andere Frau, mit der du das Laken geteilt hast, die Trauer, dass mein Herz gebrochen wurde und die schlimmste Trauer, ich hab das verloren, für was es sich zu leben lohnte: Mein Kind - und dich.
Ich habe dich wirklich immer geliebt. Ich wollte mit dir weiterziehen, dir zur Seite stehen. Und doch habe ich Nacht für Nacht bemerkt, dass ich nicht an deiner Seite bleiben kann! Wenn du diese Worte jetzt lebst, ist mein Geist längst fort. Nur mein Körper ohne einen Hauch von Leben ist bei dir, doch sei dir sicher: Mein Herz wird bei dir sein. Vergess mich nicht...

In ewiger Liebe,
deine Yannah"


Das Pergament ruhte auf dem Bett, die Laken glatt gestrichen, eine Rose lag neben dem Papier, daneben ein Band und eine Sträne ihrer Haare. Ebenso wie das Hemd, welches nach ihr duftete. Doch Yannah schien nicht im Bett zu liegen. Doch wenn er die Treppen nach oben steigen würde, würde er sie sehen. Leblos, ruhig, schlafend. Ein Schlaf, aus dem sie nicht mehr erwachen würde. Und in ihrer rechten Hand befand sich ein kleiner Fetzen eines Pergamentes mit der Aufschift: "Für Tenaya, überreiche ihn ihr bitte, versiegelt wie er ist!" Und würde sie das Siegel des Briefes öffnen, würde sie ein paar Worte vorfinden.

"Tenaya, ich danke dir. Du hast mir eines der schönsten Geschenke bereitet, die ich je erleben durfte. Danke, danke für alles. Ich hab dich geliebt.. irgendwie.. wie meine eigene Schwester. Leb wohl.. ich werd bei dir sein und über dich wachen! Eluive möge dir einen Mann schenken, den du verdient hast..."

Die linke Hand hatte sie ebenso verschlossen. Sollte er sie aufmachen, würde er darin den Ring finden, den er ihr geschenkt hatte, gemeinsam mit den Rosenblättern, die damals auf dem Bett lagen, gemeinsam mit der Zeichnung neben ihrem Arm. Und doch war sie nun zufrieden - in seeliger Ruhe.
Mukhtaar Omar

Beitrag von Mukhtaar Omar »

Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis Mukhtaar seine einstige Liebste vorfand. Sie hatten sich im Stillen getrennt, weil er einfach nicht mehr die Zeit für sie hatte, oder auch, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt war, die ihn nichts angingen - "Geschäfte". Er wollte schon seit einer Weile mit ihr reden, doch erwartete er nicht den Anblick, den er vorfand. Er zog seine Robe über den Kopf, band sie fest um die Frau, für die er einmal so viel empfand. Ein letztes Mal wollte er sie beschützerisch in seine Arme nehmen, ihr Haus betreten, was für ihn bald als sein eigenes gelten sollte.

Sie hatten oft und übertreiben lang gestritten, hatten sich gezofft, gerauft, Schimpfwörter zugeworfen, wie es völlig unüblich unter Menekanern war. Aber sie hatten sich auch geliebt, ständig von Neuem versöhnt. Strich ihr schließlich über ihre Stirn, blickt in die toten Augen, welche er jetzt für immer schließen konnte. Seine Gedanken waren nun bei Yannah, die nun bei ihrem Bruder war, der sie, wo immer sie war, sicher zu beschützen wusste. War es vielleicht sogar besser so für sie, als an seiner Seite zu leiden?

Es hätte niemals so weit kommen dürfen, wie es gekommen war. Es war wirklich sein Herz, was streikte, was die Beziehung kippen ließ. Immer war es die Frau in seinem Hinterkopf. Sie war schon immer der Grund, einfach der Grund für alles. Nun hob er sie auf den Armen, war er doch der Grund, weswegen sie sterben musste. Er hatte einen Mord begangen und keiner wusste es. Mukhtaar selbst musste sie zum Ahnengrab schleppen und es dauerte eine Ewigkeit, die Minuten vergangen bei den Gedanken um sie wie Stunden, seine Arme und Beine wurden immer schwer, dennoch gab er nicht nach - deutete den Wachen an, sich von ihm zu entfernen - ihn in seinem Kummer allein zu lassen.

Er brach in das Ahnengrab hinein und suchte die Reihe der Gräber auf, wo die Asif lagen, hier legte er Yannah vorerst nieder. Streichelte ihr die Wange und wusste, dass nun ein weiteres Grab für die Familie errichtet werden musste. Mujaahid und Yannah hatten beide ein Grab hier unten verdient und es war ihm egal, was die anderen über die Familie Asif sagen würden. Die Tränen liefen ihm über die eichenfarbene Haut, die dunklen Augen nahmen wieder einen tiefschwarzen Ton an, immer wenn er große Trauer, oder große Wut empfand. Der sandige Boden sog seine Tränen auf, was ein Gefühl in ihm vermittelte, als würde ihm so der Schmerz genommen werden - oder nein - es wurde der Zorn geschürt. Auf sich, auf sein Tun, seine mordenden Hände, seine hässlichen Gedanken.

Verrat war für kurze Zeit sein Freund geworden und hatte schwere Konsequenzen mt sich getragen. Die ganze Nacht saß das kümmerliche Elend neben dem toten Leib. Ihm ward ein Stück seines Herzens genommen.
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