Es war ein guter Tag gewesen, kein großartiger, aber auf jeden Fall einer, nachdem er sich einen Abend am Kamin verdient hatte. Zwar musste Jaster noch immer über die Begegnung mit diesem verrückten Mann nachdenken, welcher ihm und einem gewissen Feoran oder so ähnlich gedroht hatte, aber schlussendlich war das ganze ja noch gut ausgegangen.
Nachdem er auch noch recht erfolgreich einige dieser untoten Bastarde zusammen mit dem stotternden Fremden zu Boden gestreckt hatte war sogar eine gewisse Ausbeute vorhanden, besonders, da er seinen Vorrat an Reagenzien zum Verkauf deutlich aufbessern konnte. Er sollte sich wohl bald mal wieder bei seinen menekanischen Freunden melden, dachte er sich zufrieden schmunzelnd.
Die Packtaschen von Frostwind waren mehr als vollgepackt, Schwertklingen und Kräuter ragten daraus hervor, doch der Gute lies sich nichts anmerken, dass ihm die Last zu schwer wurde. Lächelnd strich Jaster ihm über den Hals und war einmal mehr glücklich, dass er sich damals dieses Pferd geholt hatte.
Zwar war er eigentlich als ruhiges Packpferd angepriesen, doch hatte er schon so manchen Kampf mit ihm zusammen bestritten und einmal sogar, als Jaster in arger Bedrängnis war, einen Räuber zu Boden getrampelt, ehe dieser auch nur wusste wie ihm geschah.
In diesen Erinnerungen schwelgend hielt er Frostwind ein paar frische gepflückte Äpfel hin, die dieser wie immer mit Heißhunger verspeiste, woraufhin er sich mit einem leisen Wieheren und einem Stubs mit dem Maul gegen Jasters Schulter bedanke. Sanft strich er ihm über die FLanken und machte den Gurt der Packtaschen lockerer, der gute sollte schließlich nicht mehr unter der Last leiden als unbedingt nötig.
Dan hob er grüssend die Hand gen der Stallmagd und führte Frostwind leise summend aus dem Stall heraus und die Strasse gen Bajard entlang. Die Sonne war wieder hervorgekommen und trocknete das Haar und Fell der beiden Freunde, die dort in trautem Scheigen die Landstrasse entlangschlenderten. Der Regen war nur noch eine Erinnerung in den Pfützen am Wegesrand und die ersten Frühlingsvögel zwitscherten fröhlich in den Bäumen.
Doch was war das gewesen? Aufmerksam blickte er sich um, die Hand glitt zum Schwertknauf.
War da nicht ein Knacken in den Büschen? Ein schwerer Leib der sich durch das Unterholz schob.
Rasch führte Jaster seinen bepackten Freund weiter die Strasse entlang, immer die Büsche im Auge behaltend, ob sich dort etwas verbarg.
Doch dann wurde seine Aufmerksamkeit von dem Flammenwesen gebunden, dass dort in Sichtweite an der alten Ruine herumgeisterte. Fast wäre er ihm einmal zum Opfer gefallen, damals, kurz nach seiner Ankunft.
Plötzlich bricht ein Körper aus dem unterholz... fletschende Zähne und reissende Klauen werfen sich auf die Beiden...
Was zum Henker... entfährt es Jaster und er reisst sein Schwert heraus.... Doch zu spät, die Fänge des Grizzlys hatten sich bereits in Frostwinds ungeschütze Flanken gebohrt und in seiner Panik stiegt dieser hoch auf und schlug mit den Hufen nach der Bestie.
Schreiend ließ Jaster die Hiebe auf den Bären herabregnen, wohl wissend das eine Flucht mit dem schwer beladenen Hengst aussichtslos war. Der Bär hieb immer wieder nach ihm, sein Augenmerk jedoch lag auf dem Ross, dessen warmes Blut ihm von der Schnauze troff.
Nun stirb endlich du elender Kreatur... schrie Jaster ihn an und Tränen standen in seinen Augen, als er seinen Freund in die Knie gehen sah, die Flanken zerfetzt und blutigen Schaum vor dem Maul.
Doch seine Hiebe schienen dem Grizzly nicht einmal zu stören, er riss Brocken von Fleisch aus Frostwinds Flanke, sein Fell mittlerweile blutverschmiert.
Endlich.... es schien Stunden gewährt zu haben... die Arme schon lahm vom Kampf und bleiernes Entsetzen den Verstand benebelnd... der Bär war schwer verletzt geflohen, schlussendlich hatte die klinge gesiegt...
Jaster blutete aus zahlreichen Wunden, eine lange Prankenspur hatte sein Wams auf der Brust zerfetzt und Blut lief ihm ins Gesicht...
Und Frostwind? Der gute Frostwind? Gefährte durch soviele kalte Nächte, treuer Begleiter bei manchem Kampf und immer an Jasters Seite gewesen?
Da lag er, in seinem und des Bärens Blute, die Augen hilflos rollend und leise schnauben... Jaster sah ihn an und blutverschmierte Tränen liefen an seinen Wangen herab.
Langsam kniete er sich nieder, der Bär war vergessen, und steckte seine Klinge in den weichen, noch regennassen Boden. Seine Hand strich über des Hengstes Schnauze, wischte das Blut ab und streichelte seinen Hals...
Wieso nur?.... wisperte er leise und versuchte dem Blick der langsam brechenden Augen seines treuen, ja, seines einzigen Freundes standzuhalten. Er musste mit ansehen, wie das Leben langsam und dann immer schneller aus diesem wich, ein blutiger See um die beiden herum, der Inhalt der Packtaschen auf der Strasse verteilt....
irgendwann stand Jaster auf und wischte sein Schwert im Gras ab... irgendwo musste doch dieser Bär sein.... suchend sah er sich um, doch mochte er den Gefährten nicht hier am Wegesrand den Krähen überlassen...
Er eilte so schnell seine müden Beine ihn trugen in das noch nichteinmal weit entfernte Haus, sattelte rasch eines der anderen Pferde und preschte auf der Strasse zurück....
Schon von weitem sah er die reglose Gestalt auf der Strasse liegen, die Glieder im Todeskampf verkrümmt, die Augen voll Pein aufgerissen.
Jaster versuchte, ob er ihn nach Hause bringen konnte, ihm ein Grabmal setzen... doch der Leib war einfach zu schwer... stöhnend, schaufend und weinend hievte er den toten Körper an den Wegesrand, Schweiß, Blut und das Blut des Freundes besudelten Wams und Haut...
So häufte er Steine über den Corpus seines Freundes, auf dass sich die Totenvogel nicht an ihm gütlich tun konnten und bete leise einige Silben, ungerichtet, allen Göttern zum Gehör...
Dann saß er auf und trabte langsam, den Kopf tief gesenkt unter der Kapuze zurück.... er würde ihn nicht so schnell vergessen.... Frostwind, der einzige, der in all den Wochen und Monaten auf dieser Insel zu ihm gehalten hatte und ihm so manches mal das Leben durch seine kraftvollen Beine und seinen breiten Rücken gerettet hatte....
Er würde seiner Gedenken, einen Stein würde er ihm schaffen, aus eigener Hand geschlagen... zwar war Jaster alles andere als ein Künstler mit dem MEißel, doch diese Zeit, dass wusste er genau, würde er sich nehmen...
Frostwind
Dem Namen zum Hohn einer ewig wärmender Freund
In Gedenken