Hindert den Hund daran das Rad anzubellen!

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Gast

Hindert den Hund daran das Rad anzubellen!

Beitrag von Gast »

  • Es war immer das Gleiche: Sie verschafften sich mit ihrer Freundlichkeit und dem zuvorkommenden Verhalten den Frauen gegenüber Zutritt zu ihren Häusern und gewannen mit regem Interesse an ihrer Vergangenheit und den familiären Verhältnissen ihr Vertrauen für sich. Auf diese Weise fanden sie heraus, ob es vermögende Verwandte gab und es kam nicht selten vor, dass sie schon nach wenigen Tagen mit Empfehlungsschreiben in der Tasche einer arglosen Erbtante einen Besuch abstatteten.
Hedwig war an diesem schönen Frühlingstag schon früh am Morgen aufgebrochen und hatte mit der Sonne im Zenit die Bibliothek erreicht. Aus Anlass der Überfälle auf unbewaffnete Frauen im Hinterland von Bajard holte sie das Buch mit dem Titel „Wie die Diebe tun“ aus dem Regal und las nun diese Zeilen, die die allmählich aufkommende Müdigkeit im Keim erstickten.
  • "Wenn die Übervorteilten dann den Diebstahl zur Anzeige brachten, fiel ihnen auf, dass die Schurken keine Namen erwähnt hatten und auch sonst keine auffälligen Merkmale zu ihrer Identifizierung an ihrer Kleidung trugen."
Der Besuch des Mannes ereignete sich tatsächlich unter merkwürdigen Vorzeichen. Obwohl sie sich zwei Mal nach seinem Namen erkundigte, hatte er ihn nicht genannt und das Interesse an ihrer Vergangenheit und speziell an ihrem Bruder ging - vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sie einander gerade erst kennengelernt hatten - weit über das Maß einer unverdächtigen Neugierde hinaus. Mit der Methode, die in diesem Buch beschrieben war, fügte sich das gesamte Verhalten des Mannes zu einem eindeutigen Indiz und ihr war klar, dass sie mit ihm einen Dieb in die Wohnung gelassen hatte. Und hatte er nicht seine baldige Rückkehr angekündigt?

Hedwig klappte das Buch zu und machte sich sofort auf den Heimweg und diesmal konnten sie ihre Füße nicht rasch genug nach Hause tragen. Sie war voller Zorn, weil sie ihm die Geschichte von der Signatur, die ihn zu ihr geführt hatte, gerne geglaubt hätte und umso zorniger, weil die Komplimente, die er ihr gemacht hatte, nur dem Zweck dienten, sie um ihre Börse zu erleichtern. "Nur über meine Leiche", dachte sie und als sie in Bajard und schließlich in der Herberge ankam, erwartet sie schon eine aufgebrochene Tür. Zum Glück fand sie die Wohnung in dem gleichen - wenn auch unaufgeräumten, so doch nicht geplünderten - Zustand vor. Hatte sie nicht noch ein paar Tropfen von dem Gift, das ihr damals gegen die lästigen Flöhe geholfen hatte? Heute würde die Autorin backen ...
Gast

Beitrag von Gast »

Wann auch immer die Füße der jungen Autorin am heutigen Tage sich dazu entschließen, sie ins untere Geschoss des Handwerkshauses zu tragen, wird dort - wie auch an jedem anderen Tage - der alte Herbergsvater Selenus warten, der mit einem sauberen Tuch und wenig reinlichem Herbergsvaterspeichel den grün-glänzenden Orden des Bajarder Freihafens poliert. Der Unterschied zu anderen, gewöhnlichen Tagen ist der, dass er diesmal abgesehen von den Blicken väterlicher Wärme, die er jedem seiner Untermieter entgegenbringt, auch noch etwas zu sagen hat.

"Halt, mein Kind ..".

Er berichtet von einem jungen Mann mit braunem Haar, der sich recht interessiert und unnachgiebig nach ihr erkundigt hat; er hatte wissen wollen, wann sie denn üblicherweise in ihrem Räumlichkeiten aufzufinden war, um, so beteuerte er mehrmals, nicht vergebens an die Türe zu klopfen und durch den entstandenen Lärm eventuelle Mitmieter aus einem wohlverdienten Schlaf zu reißen, was durch die Tatsache des vergebenen Klopfens wie ein geradezu brutal grausamer Akt aufzufassen wäre. Nachdem sich der Herr verabschiedet hatte, so berichtet Selenus - der Herbergsvater - weiterhin, hätte plötzlich ein Apfel aus der Obstschale gefehlt, die seine Frau trotz der schweren Gicht tagtäglich liebevoll, auch in Rücksicht auf das farbliche Zusammenspiel der Komponenten, für alle Mieter der Gebäudes zusammenstellte.

"Geh jetzt, ich muss arbeiten".

Alte Menschen sind launisch.
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