Schreiben gen Dunkelbrunn

Antworten
Gast

Schreiben gen Dunkelbrunn

Beitrag von Gast »

Das Leben eines Soldaten war nur selten so glanzvoll, wie die Geschichten und Legenden es beschrieben. Und auch das Streben eines Ritters war oftmals mehr ein Kampf gegen das Unvermeidbare, als das heldenhafte Ringen für das Gute und das Lichte.
Und obgleich man all das akzeptieren musste , wenn man nicht innerhalb von Wochen an seinen Pflichten verenden wollte, so blieb es bei manchen davon doch für immer unmöglich, sich an sie zu gewöhnen.

Briefe an die Familien zu schreiben, das war eine davon. Es war niemals leicht, einen Kameraden gehen zu sehen. Sich von einem Soldaten zu verabschieden, dessen Gesicht man nie wieder sehen würde und dessen Charakter und Seele der Truppe fehlen würden, gleich wie klein und unbedeutend er gewesen sein mochte.

Noch schwerer fiel es, wenn der betreffende Soldat mehr gewesen war, als nur ein Kamerad.
Dennoch musste es getan werden, ein Abschluss für ein junges Leben gefasst werden, das zu früh verloschen war.

So zog die Feder ihre Spuren über das Pergament, ruhig und bedacht, auch wenn es im Inneren des Verfassers keineswegs so ruhig aussehen mochte. Aber die Form wollte gewahrt werden. Wenn es sonst schon nichts gab, dann zumindest die Form....

Später bringt ein Bote die versiegelte Botschaft zum Hafen. Auf den Weg nach Süden, gen Dunkelbrunn. Lindenbühl ... die Anschrift war korrekt, der Bote würde es wohl finden.


Adressiert an: Familie Gwynnath, Lindenbühl, Lehen Dunkelbrunn
Verfasst am 11.Lenzing , 258 im Lichte der Herrin,


Der Krone und dem Reiche Alumenes zur ewigen Ehre,
Der Herrin Temora Gunst und Segen,

Das Lichtenthaler Regiment bedauert es, euch über den Tod eurer Tochter, Lucia Gwynnath, in Kenntnis zu setzen. Die Gardistin trat am 12.Rabenmond des Jahres 257 als Rekrut in die Reihen des Lichtenthaler Regiments ein. Dort versah sie ihren Dienst nach bestem Wissen und Vermögen und zum allgemeinen Wohlwollen ihrer Ausbilder. Am 6.Lenzing des Jahres 258 verstarb die Gardistin schliesslich in Erfüllung ihrer Pflicht und im Kampf gegen die Schergen der Dunkelheit. Es mag euch ein kleiner Trost sein, dass der Tod sie rasch und erhobenen Hauptes ereilte und die letzten Augenblicke , in ihren Überzeugungen ungebrochen, den Gedanken an die von ihr geliebten Menschen galten.

Im Namen der Krone und der Bürger Lichtenthals sprechen wir unseren Dank für die geleisteteten Dienste und für das große Opfer aus, welches von euch und eurer Tochter erbracht wurde.

Möge das Licht der Herrin eure Tage sowie die Erinnerung an eure Tochter stets erleuchten, so wie sie stets das Gemüt ihrer Kameraden erleuchtet hat.

*gezeichnet*


Vaughain von Nordwind

Ritter des Reiches,
Oberst und kommandierender Offizier des Lichtenthaler Regiments.
*Als letztes Andenken finden die Angehörigen wohl noch die gezeichnete Urkunde, welche die Soldatin postum in den Rang einer Gardistin befördert, ebenso wie die entsprechenden Dienstabzeichen*
Antworten