Reparatur im Waisenhaus

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Erik Forstnam

Reparatur im Waisenhaus

Beitrag von Erik Forstnam »

Am Vortag hatte er endlich Zeit gefunden, um Alliestra und das Waisenhaus zu besuchen. Am meisten freute er sich, Alliestra wieder zu sehen, aber auch der Auftrag lag ihm am Herzen. Die armen Kinder! Seine Freundin hatte nur etwas von einem Anschlag geschrieben, und so fürchtete er schlimmstes.

Alliestra empfing ihn fröhlich und herzlich, und sie war so, wie er sie in Erinnerung hatte. Auch Thancred war da und er unterhielt sich geraume Weile mit den beiden über die alten Zeiten, über seine Pläne, seine Ehe und das Glück der Liebe.

Das Zimmer hingegen war in einem schrecklichen Zustand. Der Boden und Die Holzverkleidungen der Wände waren komplett verkohlt und in einem schrecklichen Zustand. Kaum vermochte Erik sich auszumalen, was hier geschehen sein mochte. Wer war in der Lage, Kindern so etwas anzutun?

Das fragte er sich noch, als er am Tag darauf im Nebelwald stand und eifrig Holz hackte für sein Unternehmen. Er brauchte Birkenholz in rauhen Mengen, um den Kindern wieder einen schönen Schlafraum zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen konnten. Helles, freundliches Holz würde ihnen helfen, sich wohl zu fühlen, so gut es eben möglich war. Und so stand er einen ganzen Tag lang nur im Wald, schuftete wie ein Besessener und lud Holkbalken in rauen Mengen auf den Rücken seines treuen Pferdes Pelois. Noch eine Nacht der Ruhe, dann würde er sich wieder auf den Weg machen, um seine Arbeit zu beginnen...
Erik Forstnam

Beitrag von Erik Forstnam »

Soviel Holz, wie er brauchte, um die ganzen verkohlten Balken, die Holzverkleidungen und die Fenster- und Türrähmen zu ersetzen, erforderte eine lange Zeit im Wald. Unablässig suchte er den Nebelwald nach den passenden Hölzern ab, und kam doch nie richtig vorwärts. Dann standen hier und da wieder Dinge an, da ein Kunde, hier eine Bestellung... ständig war etwas los. Erik war froh, wenn er abends daheim in seinem Fell liegen konnte und die schmerzenden Knochen ihn nicht allzu lange vom erholsamen Schlaf abhielten.

Schließlich konnte er, zwei Pferde, über und über mit Holzbrettern, Holzstämmen und Balken beladen, wieder zum Waisenhaus zurückkehren. Er hatte vor, seine Arbeit schnell und präzise zu erledigen, immerhin waren Kinder im Haus und er hatte noch mehr als genug andere Dinge zu erledigen. Obwohl der Schaden am Gestühl und den tragenden Balken eher oberflächlich bis nicht vorhanden erschien, war Erik so gewissenhaft, dennoch alles zu überprüfen und jeden einzelnen Balken zu ersetzen, der auch nur ansatzweise brechen konnte. Es folgte ein Hin- und Hergerenne, da genaueste Mapße abnehmen, hier wieder einen Balken richtig zusägen, dann den alten entfernen und dabei den Rest abstützen, den neuen passgenau einfügen, stabilisieren, testen, nachhobeln, wieder nachprüfen... es war eine Heidenarbeit, aber komischerweise machte Erik das Schreinern seit langem einmal wieder Spaß. Als er sich sicher war, dass der Schlafraum der Kinder zumindest nicht mehr einbruchgefährdet war, machte er sich an eine dekorative Arbeit - die verkohlten Bretter von der Wand, vom Boden mussten entfernt und ersetzt werden.

Es bleib ihm also nichts anderes übrig, als erst einmal all die neuen Dinge, die Schränke, Felle, Kommoden und Vorhänge, aus dem Zimmer zu räumen und den Boden abzuschätzen. Wahrlich, es war kein schöner Anblick, den das Zimmer bot. Die Bretter waren rußig, schwarz, dreckig und verkohlt. Sogar der Geruch von schwelendem Holz hing noch immer in der Luft. Erik entschied sich, zuerst den Boden zu erneuern. Eher mit Gewalt als allem anderen riss er die hölzerne Bodenverkleidung heraus und stapelte die kaputten Bretter auf einem Haufen vor dem Haus. Die neuen Bretter wurden sorgsam abgemessen, alle in die gleiche Breite gesägt und dann mit größter Sorgfalt wieder eingefügt, so dass ein gleichmäßiger und glatter Fußboden entstand. Wichtig war auch, die ganzen Bretter abzuhobeln, denn keines der Kinder sollte sich auf dem neuen Boden einen Span einziehen oder sich verletzen.
Mit schmerzendem Rücken betrachtete Erik sein Werk. Aye, der Boden war wieder schön, das Birkenholz hellte den Raum auf und sorgte im einfallenden Sonnenlicht gleich für eine viel fröhlichere Stimmung.

Als der Tag sich langsam verabschiedete und der Mond die Herrschaft über das Himmelszelt errang, war auch für Erik die ZEit gekommen, sich auf den Heimweg zu machen. Er war recht zufrieden mit seinem Werk, eigentlich war nur noch die Wandverkleidung zu erneuern, das ganze noch einmal zu überprüfen und das Zimmer wieder einzuräumen. Die zerstörten und angebrannten Bretter aus dem Hof lud er seinen Pferden auf und brachte sie weg, ehe er die Nacht in seinem kleinen Zimmer in Grimwould neben seiner Liebsten verbrachte.

Der nächste Morgen brach an und mit ihm ein Tag voller Arbeit und Schuftereien. Noch im Vorbeigehen grüßte er Argos mit einem fröhlichen "HOSSA!" und ritt dann beschwingt zurück, quer durch die Stadt Varuna und am Osttor hinaus. Tatsächlich, bei Tageslicht betrachtet sah das Zimmer richtig heimelig aus. Nur die schwarzen Wände störten das Gesamtbild, und natürlich fehlte die gesamte Einrichtung.

Zwei Stunden Sägen, Hämmern und Herausreißen von Brettern erledigte auch die letzten Spuren eines Feuers, das schändlicher nicht hätte sein können. Wieder türmte sich im Hof draußen ein gewaltiger Berg angekohlter Bretter, während das Zimmer selbst in der hellen Farbe des Birkenholzes erstrahlte. Gewissenhaft hobelte Erik noch einmal alles ab, besserte hie und da noch ein paar Kleinigkeiten aus, bis er zufrieden war. Türrahmen und Fensterrahmen hatte er ebenfalls ersetzt und passgenau wieder eingefügt.
Nun fehlten nur noch die Möbel, die er sorgsam und ohne den neuen Boden zu verkratzen in das Zimmer rückte. Der Schrank an die Wand, hier die Vorhänge aufhängen, die Felle noch dahinter legen und schon hatten die Kinder wieder ihren Schlafraum. Es war später Nachmittag, als Erik das Waisenhaus wieder verließ. Als er ging, verabschiedete er sich nicht, und nicht einmal Alliestra teilte er mit, dass er fertig war. Er hätte zu gerne ihre überraschten Gesichter gesehen, wenn sie die Tür öffneten und das Zimmer in altem Glanze erschien. Nagut, vielleicht keine Überraschung, immerhin hatten sie ihn gebeten, es zu machen. Und perfekt war die Arbeit sicher auch nicht, er hatt zwar Können, aber noch immer machte er hie und da kleine Schnitzer in seine Arbeit. Aber er war dennoch zuversichtlich, dass die Kinder zufrieden sein würden mit der neuen Schlafstatt.
Pfeifend und singend führte er sein Pferd nach Hause. Grimwould. Kein Waisenhaus, aber ebenfalls aus Holz.
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