Die Augenbrauen der rosthaarigen Knappin wippten in die Höhe, der Kopf legte sich schief. Direkt begannen sich die Gedanken zu überschlagen, während sie den weiteren Ausführungen lauschte und jene sachte abnickte.
„Manchmal ist alle Arbeit und Mühe vergebens und die Klinge bricht beim Härten. Ein taugliches Schwert zu schmieden ist nicht einfach.“
Ein kurzes Stocken erfolgte in ihrer Mimik, dann gewann die mittlerweile stets präsente stoische Ausdrucksform die Oberhand. Blick und Betonung Ihres Kampfausbilders waren genug Hinweis über den tieferen Sinn der Worte. Die Erwartungshaltung dahinter auch. Und sie würde den Krathor tun. Sicherlich wäre es opportun ein gutes Mädchen zu sein und die hinter dem Schild aus Fürsorge verborgene Erwartung des Ausbilders zu erfüllen. Möglichst gehorsam zu sein ebnete die Wege. Befehle blind zu befolgen entlastete von der Verantwortung über das eigene Handeln, die man dennoch zu tragen hatte. Still zu sein und nichts zu sagen, machte es unmöglich eigene Worte fressen zu müssen. Sich selbst nicht in Kritik zu üben machte einen lieb Kind.
Wer allen gefällig ist, gefällt sich selbst am Ende nicht mehr.
Ein Schwert soll es also sein. Nicht perfekt, so wie ich und nur mit viel Glück bricht es nicht beim Härten, so wie ich. Mhm.
Kaum im beschaulichen Heim in Berchgard angekommen, griff sie zu Pergament und Kohlestift, Maßstab und Knotenband, sowie zu der Klinge, die sie von Sir Fjalon erhalten hatte. Jene war noch nicht auf Ihre Hand angepasst, aber vermittelte einen guten Eindruck von dem was sie wollte. Doch nicht genau das, was sie wollte. Vor ihrem Auge schwebte die mächtige Nordmannklinge entlang, die sie bei den Thyren bewundert hatte. Jedoch waren diese Waffen zu schwer für sie, zu unwuchtig und massiv.
Mehrere Entwürfe flogen auf den Boden, wurden wieder hervorgeholt und dann doch verworfen. Es folgte entnervtes Umherwandern im Haus, eine Runde Holzhacken zur Besinnung und eine unruhige Nacht. Das Prozedere wiederholte sich über einige Tage, bis am Ende schließlich eine saubere Zeichnung mit Werten, Maßen und Anmerkungen entstanden war.
- Die gesamte Klinge war lang, sehr lang. Als Maß daneben die Länge ihres Beines. Das Blatt breit und mit einer langen Fehlschärfe versehen, die nahezu die gesamte Stärke der Waffen darstellte. Erst ab der halben Schwäche war die Schliff zur Schräfe hin eingezeichnet. Die tiefe Hohlkehle jedoch zog sich laut Zeichnung bis in die Fehlschärfe hinein. Als Bemerkung daneben stand nur eine Notiz „Gewicht“.
Zum Ort hin verläuft das Blatt hin symmetrisch ohne eine Propedeutik für die kurze oder lange Schneide zu veranschlagen. Das Gefäß war detailliert dargestellt und nun wurde jedem Betrachter klar, dass es sich um einen Zweihänder handeln würde, was sich da aus Kohlestiftstrichen aufbaute. Im darunter entworfenen Detailquerschnitte war der Aufbau des Gefäßes aus Griff, Griffhülse, Griffumwicklung, Knauf und Parierstange noch einmal erneut ausgeführt. Auch hier erfolgten Anmerkungen am Rand „Kontergewicht, Griffigkeit, Material“. Die Parierstange an sich blieb zunächst unscharf im Entschluss. Zwei Varianten waren übereinander gelegt in diffundierenden Schattierungen vorgehalten. Eine breite gerade Ausführung und eine breite zum Ort hin gebogene.
Denn wer weiß besser welche Schritte nun zu tun sind, welches Material zu finden ist als ein Schmied?