Die Briese des aufkommenden Sturms ließen das dunkle Haar schweben, während sie wie versteinert an der Küste stand und in den Horizont sah.
Wie weit ihr Weg auch war, so ungewiss war ihre Zukunft hier.
Aufgewachsen mit Liebe und Fürsorge, hatten die Eltern früh erkannt, das das Kind was sie aufzogen keine Emotionen kannte. Sie konnte zwar Lächeln, aber verstand es nicht, wann es angebracht war traurig zu sein oder glücklich. Sie weinte nicht als Kind, aber lachte auch nicht wenn die Mutter sie anlächelte oder Scherze machte, als sie 3 geworden ist hatte ihr Vater einen recht schlimmen Unfall auf dem Feld gehabt. Es stand schlimm um ihn, doch als die Mutter versuchte es ihr zu sagen, kam nicht die Reaktion die sie erwartet hatte.
Es war nicht so, dass sie es nicht wollte, sie konnte keine Trauer oder Angst um ihren Vater zeigen. Ein Arzt sollte sie untersuchen, aber fand auch nicht die rechte Antwort dafür. Wut hatte sie gespürt, dass hatte sie schon immer sehr stark gefühlt, in ihrem Blut, in ihren Adern..
Andere Kinder mieden sie, selbst ihre Geschwister hielten Abstand und auch die Familien der anderen in ihrem Dorf hielten sie für "unnormal".
Als sie 4 Jahre alt, wurde es den Eltern zuviel und sie brachten sie in ein Waisenhaus, wo sie weitere 4 Jahre verbrachte. 4 Jahre Quälereien und Folter würden sie hier erwarten, doch sie würde kein einziges Mal schreien. Sie würde es hinnehmen, weil sie denkt, es gehöre zu sozialen Verbindungen dazu. Eine zwanghafte Störung würde sich hier in ihrem Geist manifestieren und sie halb in den Wahnsinn treiben. Sie begann Bäume, Dielen und Wolken zu zählen. Legte ihre Kleidung immer in derselben Reihenfolge für den nächsten Tag bereit und wusch sich mindestens dreimal die Hände und das Gesicht bis sie es fertig brachte sich schlafen zu legen.
All dies nahm sie hin bis ein alatarischer Templer sich ihrer annahm und ihr Aufgabe und Lehre in einem nahe gelegenem Tempel Alatars bot.
Hier wuchs sie auf, hier konnte sie so sein wie sie war.. wie sie war..
Starke Verbindungen ging sie nie ein, selbst sah sie nie einen Sinn in Liebe und Freundschaft. Mit Treue und Demut konnte sie arbeiten, das gab ihrem Sein Sinn auf dieser Welt, aber vieles was für einen Menschen zum normalen Dasein dazugehört, lehnte sie ab.
Soziale Verbindungen mied sie tunlichst und blieb eher für sich. Tiere mochten sie nicht, wollten sie beißen und kratzen oder fliehen vor ihr.
Sie fand den Gefallen daran sich selbst zu geißeln und bezeichnete es als einen Ausweg aus der Gefühllosigkeit. Das Blut faszinierte sie, beschrieb ihr neue Perspektiven und sie wählte ihren Weg im Namen des Einen.
Einmal wird der Tag kommen, wo sie all ihre Gedanken überwerfen muss und sich auf einen neuen Weg einzulassen. Weiterhin in seinem Namen und dennoch so völlig anders, als das sie es sich vorstellen würde.