Emsig folgte das Wesen den feinen Gerüchen auf den vorgegebenen Pfaden. Für das Geschöpf hatte das Umfeld keine Bedeutung. Es bemerkte nicht die rotgolden-durchaderten Felsen, die an den Seiten des Pfades erwuchsen und schwanden. Es beachtete nicht die schwarzen Dämpfe, die hier und da aus dem Boden quollen und die Luft dick und schwarz werden ließen. Es realisierte auch nicht die tiefen Risse, durch die der Weg führte und die den Weg beschwerlicher machte. Nun, er wäre beschwerlicher, hätte das Wesen ein Konzept von Beschwerlichkeit! Oder ein Konzept von Schönheit. So hätte das Geschöpf auf seinem Weg in Staunen verharren müssen vor den gleißend weiß schimmernden und irisierend gelb leuchtenden Fontänen von flüssigem Gestein, den ebenholzfarbenen, weich-verschlungenen Musterungen und Linien auf dem Boden oder dem sanft bronzenen Flimmern in der Luft, durchzogen von einzelnen goldenen Funken, die wie Glühwürmchen in den Himmel entstoben. Doch erfüllte das Wesen weder Müdigkeit, noch Staunen oder Furcht. Nur eins jagte in seinem Kopf hin und her und dies ohne jegliches Bewusstsein dafür: Folge dem Pfad!
Das Trippeln und Klackern um das Geschöpf her wurde lauter, je näher es dem Ziel seines Weges kam. Die Spur führte nun bergan, winzige Steinkrümel lösten sich unter seinen Beinen und rollten unbeachtet hinab. Die Geräusche schwollen weiter an, doch selbst dieses blieb unbemerkt, stattdessen nahm das Wesen den Anstieg der Temperaturen wahr, der Geruch wandelte sich und auch das Licht änderte sich in ein stetes rotes Leuchten; - und wenn es ein Wort gab, das es vielleicht damit verband, so war es „Heimat“. Doch noch war es nicht am Ziel und folgte weiter dem Weg durch enge Gänge und kleinere Höhlen, stetig voran. Schwarzes Gestein und graue Erde zogen an ihm vorbei, ehe es seinen Marsch verlangsamte. Es hatte eine größere Kammer erreicht, ab hier würden andere die Aufgabe weiterführen. In ruckelnden Bewegungen legte das Wesen seine Beute in die Greifer des Nächsten. Es blieb nicht, um abzuwarten wie er die Beute zerteilte und ihren Absichten zuführte.
Alles hier griff ineinander, Gestein und Hitze, Dämpfe und Gänge, Gerüche und Pfade, die Bewohner und die Insel. Dennoch hatte schon vor einigen Tagen etwas angefangen dieses fein gesponnene Gleichgewicht zu stören.
Es hatte begonnen als leises Brummen, das gedämpfte Summen eines Riesen, das an- und abschwoll und die Erde zum Vibrieren gebracht hatte. Es hatte die losen Steine tanzen und einige Wände der Gänge und Höhlen bröckeln lassen. Und doch kam dies durchaus häufiger vor und konnte den Ablauf nicht aus seinem Tritt bringen.
Im Laufe der Tage jedoch hatte sich das Summen des Riesen zu einem Gebrüll ausgeweitet. Gänge verschwanden unter Gestein, Höhlen stürzten ein und tiefe Risse zogen sich nicht nur über die Insel, sondern in den Tiefen des Meeres bahnten sie sich ihren Weg in alle Richtungen. Und so stießen sie im Norden an eine Küste und fortan war auch hier das noch entfernte Gebrüll des Riesen zu vernehmen.
Taube, sinnlose Macht. Von hunderttausend
Sterbenden Menschen war es das Todesgeschrei.
Rudolf Georg Binding (1867 - 1938), deutscher Schriftsteller
Der Tag war noch nicht angebrochen, der Mond schlich sich langsam wieder fernab des Firmamentes um der strahlenden Sonne die Bühne des Tages zu überlassen. Leise ist das zirpen der Grillen, das plätschern und rauschen das Wassers, das wehen des Windes zu vernehmen, fernab des Hauses vermag man die Geräusche der Nacht ebenso erlauschen können. Ansonsten herrschte einfach nur die Stille der noch hier verweilenden Dunkelheit. Das ächzen der Palmen, welche um das Haus herum den Schutz eben jenes genossen um zur vollen Blüte reifen, erklingt.
Wie lange hatten sie gebraucht um all das hier aufzubauen? Wie lange...Stein für Stein, Blut für Blut, Schweißtropfen für Schweißtropfen....und nun war es wirklich wieder soweit das sie es zurück lassen müssen? Ich würde es vermissen, mein kleines Zimmerchen, der Balkon, die Aussicht auf das unendlich weite Meer und die Wüste welche ebenso Unendlich zu sein scheint. Noch waren es lediglich Vorbereitungen, keiner wusste wie es weitergehen würde aber die Männer hatten veranlasst das wir packen und so wurde getan was gewünscht wurde. Wenn die Karten von Rija recht behalten würden, dann würde das Volk all das Überleben, das wäre das wichtigste, der Rest würde sich geben. Eine Stadt kann aus Menschenhänden stets wieder erschaffen werden......
Warten wir ab was die Zeit bringt, warten wir ab was noch kommen mag....und wohin der Weg welcher sich gerade abzeichnet, egal in welchen Situationen, der Richtige ist und uns zur Erleuchtung bringt......denn wenn nicht, möge und die Mutter ihre Gnade erweisen und uns trotzdem all ihre Liebe entgegen bringen.
Normalerweise drehten sich Hajifas Gebete um Sorgen und Nöte des Alltäglichen. Meist auch um die geliebten Menekaner, die sie um sich hatte. Dieser Tage aber drehten sich ihre Gedanken stets auch um etwas anderes. Etwas, dass sie der Mara gar nicht so sehr mit Gedanken und Worten näher bringen konnte, sondern am ehesten noch mit Gefühlen.
Das vorherrschende Gefühl war wohl die Angst. Sicherlich kannte sie Angst auch schon von früher, aber da war es anders gewesen, denn da gab es immer eine konkrete Lage, der sich Hajifa gegenüber sah. Dieses Mal aber stand vielleicht ganz Menek'Ur auf dem Spiel. Es ging nicht um eine einzelne Person, sondern um das ganze Volk und auch ihre Heimat.
Diese Beben waren eine ganze neue Erfahrung, ein einschneidendes Erlebnis für die junge Blüte. Was auch immer da noch kommen würde, die Furcht vor neuen Beben würde bleiben. Dabei war doch das Beben noch sehr schwach gewesen, vielleicht würden auch schwerere geben. Sie musste jemand finden, mit dem sie über soetwas reden konnte. Doch mit wem? Mit Mariyah? Neda, sie würde ihr nur wieder sagen, sie solle sich nicht so anstellen. Beim Sajneen war es wohl ähnlich. Blieb noch Noelani, aber diese konnte man doch nicht beunruhigen mit soetwas, kurz vor der Hochzeit. Sie hatte sicher andere Sorgen... Wer blieb da noch?
Nach einem langen und stillen Aufenthalt im Tempel machte sich Hajifa auf den Weg. Sie wusste nun zu wem sie gehen würde. Denn wenn jemand den Weltuntergang überstehen würde, dann eine: Khalida.
Was für eine Tragödie. Da kam Jussuf nach Jahren Seiner Abwesenheit zurück in die Hauptstadt und musste erkennen, dass es das Haus Masari nicht mehr als Haus gab, wofür kein Erdbeben die Schuld hatte.
Aber bei diesen ständigen Beben war er sehr froh, dass zwei der Masari-Natifahs derzeit sicher bei den Ifreys untergekommen waren. Eine andere Natifah könnte vielleicht Schutz im sicheren Palast finden.
Um sich selber machte er sich keine Sorgen, obwohl er eigentlich Grund dafür hätte, da er für sich selber nicht den selben Schutz suchte, den die Masaris-Natifahs gefunden hatten.
Gegen die Beben konnte er nichts tun. Er nutzte die Zeit, um Kontakte zu finden. Und er fand sogar etwas Zeit, um das zu tun, was er seit langer Zeit vernachlässigt hatte. Er besuchte Eluive im Tempel für ein Gebet in dieser furchtbaren Zeit.
Das Beben hatte so einige in Angst und Schrecken versetzt, ich selber wusste nicht genau was ich denken sollte, also tat ich das was ich immer tat, ich gehorchte befehle und machte das was mir aufgetragen wurde.
Zusätzlich ging ich mindestens dreimal mehr durch die Stadt als zuvor, Dienstfeierabend gab es sowieso nicht wirklich, denn wir waren alle in Alarmbereitschaft. Es war bedrückend wenn nicht sogar erdrückend, die ruhe welche auf einmal in der Stadt sich breit machte. Als würde jeder darauf warten das was passiert.
Doch es passierte nichts, die Stadt wurde immer leerer, Natifah’s wurden in den Familienhäusern sicher untergebracht, die Janitschar gingen immer zu zweit durch die Stadt, dabei begutachteten wir eigentlich jeden Stein ob an den Häusern oder den Wegen, alles wurde dreifach überprüft.
Wir hatten im Yazirhaus schon das nötigste gepackt und alle Salzreserven wurden in ein Sicheres Lager außerhalb der Stadt gebracht. Ich selber ging mehrfach zu den Familienhäusern und schaute nach dem Rechten und auch dort war alles vorbereitet.
Wenn etwas passieren würde dann wären wir vorbereitet, die Kaserne hatte ihre Essenslager aufgestockt, es waren genügend Waffen und Werkzeuge dort wie auch das Wasser wurde gesammelt von der frischen Quelle Menek’Urs.
Sogar führte mich mein Weg hoch in den Tempel, dort war ich das letzte Mal bei der Hochzeit von Latifa und ich wusste nicht wieso, doch dort hatte ich das Gefühl Mara nah zu sein, ein Lächeln legte sich auf meine Mimik und ich konnte wieder meinen Dienst antreten, als würde sie mir die kraft spenden die wir alle benötigten.
Angst hatte ich auch, doch ich hatte keine Zeit dafür mich diesem Gefühl hinzugeben, Schlaf war mittlerweile ein Luxus geworden, Tag und Nacht wechselten wir uns Janitschar ab so dass die Stadt nie ohne Armeeschutz war.
Es gibt zwei Arten von Wege in welche man sich bewegen kann, so eine Katastrophe einen überrollt. Zum einem gibt es den Weg der Angst, der Trauer und der Panik. Man befasst sich damit wie schrecklich alles ist, wie viele Tote das Land in den letzten Stunden ertragen musste, wie viele Häuser in Schutt und Asche liegen, oder in unserem Fall in Wasser und wie viel Blut an diesem Abend floss. Man wird traurig, mitgerissen vom Chaos und ein klarer Gedanke ist, um so mehr man in jene Emotionen versinkt, umso schwerer. Man kann keinen ordentlichen Beitrag zur Besserung mehr leisten und ist eigentlich nur noch im Weg, ohne das man es eigentlich wollte. Wenn einen also auf diesem Weg keiner an die Hand nimmt, scheint man regelrecht verloren in einem endlosen Strudel aus Leid.
Dann gibt es noch den Weg des Kampfes. Der Weg der Euphorie und der optimistischen Betrachtungsweise. Man betet, glaubt daran das alles gut wird und blendet das Leid aus, welches um einen herum herrscht. Man versucht stark zu sein, alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Unheil wieder fort zu schicken. Man versucht zu leiten, zu führen, die Ängstlichen an die Hand zu nehmen und so zu tun, als hätte man selber keine Furcht vor alledem. Man übermalt seine Trauer mit Zorn, Wut und Kampfgeist. Um so positiver man an die Sache heran ging, um so mehr Ideen würden einen auch kommen, Ideen die man eventuell auf dem anderen Weg bereits über den Haufen geworfen hätte.
Ich hatte mich an diesen Tag für den zweiten Weg entschieden. Als das erste Grollen erklang, riss ich meinen Kopf von einem Buch empor, über welchem ich eingeschlafen war. In der Bücherei des Palastes war es zwar ruhig, aber dieses Beben drang auch bis dort, natürlich. Ich rannte hinaus, der Unruhe auf dem Platz entgegen und griff im schnellen Schritt nach meinem Schild und meiner Waffe. Dabei verfluchte ich Kleider und Röcke, mit meinen Hosen hätte ich schneller laufen können. Aber ich hatte keine Zeit. Die hatten wir alle nicht. Ich rannte auf den Platz, schnallte noch irgendwie meinen Waffengurt über dem Kleid fest, da stand bereits meine Cousine vor mir und schickte mich zu den Anderen. Ich hatte vergessen das ich nicht mehr wirklich als Kämpferin angesehen wurde, viel mehr als ihre Esra. Ich ließ mich also schieben, versuchte mich auf die Befehle Imraans zu konzentrieren, während wieder die Panik auch andere Leute dazu motivierte Weisungen durch die Gegend zu schreien. Das Wasser kam immer näher und irgendwann konnte ich die Wellen so nahe rauschen hören, das es mir Panik in die Glieder trieb. Diese trieb ich allerdings schnell fort, als ich die ängstlichen Gesichter der Natifahs hinter mir sah. Meine Mundwinkel sanken hinab und der Moment wo ich mich entschied heute keine Kämpferin zu sein, war gekommen.
So wartete ich mit den ungerüsteten Frauen im Palast, wir hatten eine Art Lazarett aufgebaut, Nahrung bereit gestellt und starrten penetrant in Richtung Eingang. Immer wieder schenkte ich Amali ein Lächeln und jedem Anderen, dem die Panik langsam wieder empor stieg. 'Alles wird gut.' Ich wusste nicht wie oft ich diesen Satz an jenem Abend sagte und ich wusste auch nicht, ob ich ihn mir selber glauben konnte. Ich wollte nur die Ruhe bewahren, ein Ruhepol sein, eine Anlaufstelle. Das gelang mir aber auch nur bis zu dem Zeitpunkt an dem Callista mich in ihrer Wut anschrie. Das Blut in mir brodelte und die Unruhe die durch ihr Verhalten hinein gebracht wurde, ließ mich etwas an dem Halt verlieren, den ich versucht hatte zu schaffen. Ich merkte wieder aus welcher Familie ich kam und immer wieder schnappte ich nach Luft, um mich nicht in unpassenden Worten zu verlieren.
Wir lassen unsere Männer im Stich!
Dieser Satz brachte mich in Rage, ich schrie sie an und dann war Ruhe. Musste man sich denn wirklich erst anschreien, wieder ein Kloß in meinem Hals und wieder verdrängte ich all das, lächelte wohlwollend und beruhigte erneut Amali. Denn es gab auch Seelen auf MenekUr die nicht an der Front stehen konnten. Ich versuchte ihnen Aufgaben zu geben, damit sie sich ablenkten, damit sie nicht alleine loszogen, wie es der Emir auch untersagte. Trotz allem war ich wütend und auch die Umarmung meiner Freundin und die Entschuldigung für ihr Verhalten machte es nicht besser. Meine Emotionen sprangen im Dreieck und ich kam mir vor als müsste ich immer wieder brechen, als ich jene hinunter schluckte und mit Zuversicht und Lächeln überdeckte. Aber das konnte ich tun und es kam mir so vor als sollte es in diesem Moment genau so sein.
In der Nacht ging ich langsam die Treppen zum Schlafbereich hinunter. Ich wusste nicht ob er schon schlief, ich wusste allerdings, dass ich mit ihm nicht reden wollte. Er würde meine Fassade zerstören. So waren es nur zwei, drei Treppen, bevor ich mich wieder herum drehte und den Palast verließ. Ich wechselte mich mit den Wachen ab, schlief dort wo sie alle schliefen und ging ein paar Runden, untersuchte die Mauern und ließ das Chaos auf mich wirken. Die Ecke, in welcher man das Yazirviertel sehen konnte, ließ ich aus. Ich hatte es einmal gesehen, ein weiteres Mal wollte ich das nicht zulassen und so gingen dort andere Janitschare hin. So verging der Tag und die Laute um die Mauern herum trieben mich in den Wahnsinn. Dazu gesellten sich dann die Frauen im Lager, welche mir ihr Leid klagten, welchen ich versuchte Ratschläge zu geben. Eigentlich war ich nur müde. Doch an Ruhe war noch lange nicht zu denken.
Denn es waren noch so viele Seelen, die wir noch nicht trafen und um die es zu bangen galt.
Zuletzt geändert von Gast am Montag 8. Dezember 2014, 11:19, insgesamt 1-mal geändert.
Der gestrige Abend und die Nacht hatten schwere Spuren bei Hajifa hinterlassen. Weniger an ihrem Leib, den die anderen Janitschare mit aller Hingabe verteidigten, sodass sie selbst wiederrum die anderen versorgen konnte im Kampf. Es war Hajifas Herz und ihre Seele, die im Begriff waren zu zerspringen. Ein bisschen Halt fand sie da noch bei Noelani, die sich nach Kräften bemühte die Wogen zu glätten und Frieden zu stiften. Schon einmal hatte sie angeboten, dass sie Hajifa bei einem Gespräch begleiten würde, damit ihre Punkte dargelegt werden konnten. An diesem Morgen kam das Angebot erneut, doch etwas hatte sich verändert. Noelani schien ebenfalls beinahe die Beherrschung verloren zu haben und die Wolken verfinsterten sich.
Sie zweifelte an ihrer Entscheidung in den Tempel und den Dienst der Göttin zu gehen. Nicht an der Mara selbst, an ihr niemals. Wohl aber an der Institution des Tempels und seiner Stellung in Menek'Ur. Gering war die Hoffnung je etwas dort erreichen zu können oder einen Beitrag leisten zu können. Vielleicht würde sich dies ändern und es war wieder einmal nur ihre innere Unruhe und Ungeduld. Noelani und Tooru hatten Hajifa auch wieder etwas beruhigt. Ruhe brauchte sie nun, um über all dies nachzudenken...
Ihre Hoffnungen ruhten nun ganz bei der Armee.Der Erhabene und seine Truppen funktionierten bestens. Es war immer wieder erstaunlich und die für Hajifa faszinierendste Eigenschaft des Emirs, eine die er mit Noelani wohl teilte.
Immer wenn Gefahr drohte, wenn es zum Kampf kam und die Truppe antreten sollte, da fügte sich der Erhabene wie selbstverständlich in die Reihe ein. Ordnete sich solange es ging dem Sajneen unter, stützte ihn und seine Befehlsgewalt. Damit brachte er so viel Ruhe und Disziplin in die Soldaten, dass sie zu der Truppe wurden. Sahid und Imraan, wohl auch Abbas dazu, waren für Hajifa an diesem Abend vorbildlich gewesen. Doch sie versuchte nicht in blindem Gehorsam und Ehrfurcht zu verfallen, sondern ihnen nachzueifern. Sah es als Ansporn sich selbst zu verbessern.
Andere reagiert nicht so. Ihnen ging es nur um ihren Posten und darum ihre Stellung zu festigen, egal ob es zum Wohl oder zum Schaden der Mitmenschen geriet. So erinnerte sich Hajifa an ein altes Sprichwort:
Willst du den Charakter eines Menschen kennenlernen, so gib ihm Macht.
Manch einer hatte diese Prüfung angenommen und bestanden. Wieder andere würden noch zeigen müssen, wer sie wirklich waren.
Zuletzt geändert von Hajifa Yazir am Montag 8. Dezember 2014, 12:10, insgesamt 1-mal geändert.
Kratzen, schaben und seltsame Laute. Das waren die Geräusche die Tooru diese Nacht auf ihrem Wachdienst begleiteten. Sie hatte kaum Schlaf gehabt nach der Reise nach Adoran und auch an jenem Abend bevor sie ihren Wachdienst für die Nacht antrat kam sie nicht zur Ruhe. Sie war nun Jemaat, Jemaat einer Stadt in Trümmern. Der Rang bedeutete ihr nichts sie tat ihren Dienst nun nicht anders als zuvor oder mit weniger Hingabe, der Schmerz diese Verwüstung zu sehen, die Leichen und die Ungewisseheit ob jene die sie liebte unter diesen Leichen waren ließen jeglichen Stolz der aufkommen könnte in Nichtigkeit verblassen.
Atiya? Khalida? Was war mit Faruk und Naila? Es waren einige ihrer Familie die sie noch nicht wieder antraf. Ihren Gemütszustand zu überdecken viel ihr nicht schwer doch die körperliche Erschöpfung zu verbergen war etwas das ihr nicht gelang.
Es gab keinen Freiraum für große Ruhepausen, die Hälfte der Janitschare fehlte oder trat nicht zum Dienst an und so mussten längere Wachen gehalten werden als normal nötig wäre. Es zerrte unendlich an ihr und doch musste sie ihr lächeln bewahren. Für all jenen denen sie Kraft und Zuversicht schenken wollte.
Es war viel aufzuräumen aber gemeinsam würde es zu schaffen sein. Sie alle zusammen mussten sich ihr neues Zuhause errichten. Und sie würden es schaffen mit Fleiss, Hingabe und der Hilfe Eluives.
Zuletzt geändert von Tooru Weidenhang am Montag 8. Dezember 2014, 12:26, insgesamt 3-mal geändert.
Eigentlich sollte es ein ganz normaler Diensttag sein, doch was war denn noch normal, seid dem erstem Beben war alles verändert, wir schoben schon so mehr Dienst weil viele Janitschar unterwegs auf Reisen waren, eigentlich immer die gleichen und man konnte spüren wir uns allen die Kraft ausging. Trotzdem standen wir jeden Tag parat unseren Dienst nachzukommen.
Ich war einer der Ersten Janitschar die in der Kaserne ankam, gerade hatte ich noch das Yazirviertel überprüft nach Rissen und ob die großen Säulen nicht beschädigt waren, dann ging ich an der Mauer entlang bis zum Ifreyviertel, auch dort sah alles gut aus, durch das Südtor bis rüber zum Bashirviertel, auch dort sah es so weit gut aus, ein paar Häuser hatten risse doch nichts beunruhigendes, die Straßen waren auch etwas mitgenommen doch alles worüber man sich keine Sorgen machen musste.
Am Palast vorbei traf ich auf zwei Natifah’s der Masari, ich begrüßte sie und machte mich auf den Weg zur Kaserne, der Sand welcher am Übungsplatz war schien sich nicht verändert zu haben, also machte ich mir soweit keine sorgen, bis zu dem Zeitpunkt als plötzlich ein lautes donnern, knarren bis zu einem Knall durch die Stadt donnerte.
Sogleich hob ich meinen Kopf an, was war das denn wohl, ein Schauer durchfuhr meine Glieder doch dann sammelte ich mich sofort und ging zügig zum Vorplatz des Palastes, dort hatten sich schon einige Menekaner angesammelt, auch Janitschar, mein Blick wanderte umher ich schaute nach einem Hochrangigen Janitschar welcher Anweisung geben würde, was auch sogleich geschah.
Wir sammelten uns wieder an der Kaserne und wurden aufgeteilt, Hajifa und ich gingen außen rum, Tooru und Abbas sowie die anderen Janitschar schauten dass sie die Leute zusammen bekamen.
Wir gingen zuerst zum Yazirviertel, alles in Ordnung, dann weiter bis zum Ifreyviertel, dort schien auch alles in Ordnung sein, bis wir plötzlich eine riesen Welle auf uns zukommen sahen, ich glaube so schnell wie wir gelaufen sind so schnell bin ich noch nie gelaufen, zuvor schlossen wir die Tore und rannten dann direkt zum Vorplatz um Meldung zu machen.
Es brach Chaos aus und wir haben es nicht geschafft die Menge zu beruhigen, bis der Emir kam und die Ruhe wie ein Wunder einkehrte, sie hörten ihm zu und der nächste weg war hoch zum Tempel, doch der Weg war versperrt, also blieb uns keine Wahl als alle in den Palast zu bringen. Die Janitschar bekamen ihre Befehle und verteilen sich auf der Mauer, alle Tore wurden geschlossen so hofften wir dass das Wasser nicht in die Stadt eindringen konnte.
Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, bekamen wir die Nachricht von den Mauern Wachen das das Wasser zurückgehen würde, doch was würden wir wohl sehen. Unser Emir sagte klar und deutlich das wir alle zusammen bleiben sollten, doch wollte ich wissen was zu sehen war, so ging meine Frage gleich ob ich auf die Mauer dürfte um nach dem Rechten zu sehen. Der Emir erlaubte es mir und ich sollte berichten.
Doch das was meine Augen zu sehen bekam, konnte ich nicht ohne ein schwermütiges tiefes Durchatmen in Worte fassen.
Alles war zerstört, mein Zuhause, Menschen, Tiere alles voller Schlamm, ich konnte nur mit Mühe meine Tränen unterdrücken als ich das in trümmerliegende Yaziranwesen sah, als ich all diese Zerstörung erblickte. Tief musste ich schwer durchatmen dann öffnete ich die Tore und die Janitschar traten heraus um sich das Unheil anzusehen.
Ich konnte immer noch nicht begreifen was passiert war, da stand ich nun oben auf der Mauer, Wächterin des Tores um jeden rein und raus zu lassen, sah in der Ferne die Kämpfe aber konnte nicht helfen.
Diese komischen Wesen, sahen aus wie riesen Ameisen, wo kamen sie bloß her, kamen sie mit dem Meer oder waren sie schon immer unter uns, wurden sie wie Sahid sagte durch die Beben aufgeweckt.
Keiner wusste es, doch kämpften sie tapfer gegen alles was sich ihnen in den Weg stellten, meine Gedanken waren bei jedem einzelnen Kämpfer, da ich selber nicht helfen konnte schloss ich immer wieder die Augen und versuchte meine Gedanken zu Mara zu schicken, das sie unsere Kämpfer schützen soll.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie endlich wieder zurück, soweit ich blicken konnte war keiner schwer verletzt doch darum kümmerten sich die anderen, ich ließ sie alle wieder durch das Haupttor herein.
Unser Emir ließ mich dann ablösen damit ich auch mitbekommen würde wie es nun weiter gehen würde. Gemeinsam gingen wir zurück zum Palast, die wartenden sollten informiert werden.
Schwer atmete ich durch, es war so schrecklich und das was ich beobachtet hatte war keine kurze Phase, zurück im Palast hat unser Emir beruhigende Worte gesprochen auch wenn er klar sagte das wir einen schweren Weg vor uns haben würden, würde es uns gelingen wenn wir eine Familie sind.
Aiwa, wir sind eine Familie egal welchen Nachnamen man trug, denn es war unsere Stadt die in Not war und wir alle mussten nun zusammen halten, zusammen Kämpfen, zusammen Ruhen, zusammen Essen und zusammen aufeinander aufpassen.
Die Nächte waren seit dem ersten Beben schon kurz gewesen, doch nun waren sie mehr als kurz, meine Kraft verließ meinen Körper und ich musste mich einfach einmal hinsetzen, einfach mal die Augen für einen Moment schließen und ansatzweise versuchen das alles zu verarbeiten, doch es war vielleicht, eins zwei Herzschläge, vielleicht auch mehr und schon stand ich wieder, die Stimme des Emirs drangen leise an mein Ohr, sie waren beruhigend doch schon war ich wieder standhaft, auch wenn mir alles weh tat.
Keine Schwäche zeigen, ich hatte keine Zeit schwäche zu Zeigen. Ich löste Tooru mal wieder ab, sie sollte wenigstens auch mal und wenn nur kurz aber ihre Augen schließen können, auch wenn man nicht schlafen konnte bei diesen Geräuschen.
Wir waren umzingelt von diesen Wesen, es gab kein Entkommen ohne Kampf, wir müssen diese reihen sprengen um nach überlebenden zu suchen, es fehlten so viele.
Nicht nur Khalida und Jala aus unserer Familie, die ganze Bashir Familie war nicht anwesend und über die Hälfte der Ifrey fehlten, einige waren sicher auf reisen, doch wir hofften alle dass sie sich vor der Flut retten konnten und wir mussten sie nun daraus holen.
Mein Blick wanderte zu Abbas, der neben mir Stellung aufnahm, er hatte es geschafft, endlich war er wieder Jijkban und Tooru und ich hatten es zum Jemaat geschafft, das traurigste daran war das wir uns nicht mal darüber freuen konnten, wir machten einfach so weiter, wenn wir das alles überleben dann werden wir ein großes Fest machen.
Als ich ihn so ansah, er war durchnässt von der Flutwelle die ihn erwischte, doch er stand standhaft, ich bewunderte ihn dafür, so wollte ich auch werden, ohne Zweifel einfach stehen aufpassen und ruhig und besonnen dabei bleiben.
Ich stellte mich etwas versetzt hinter ihn und sprach leise mit ihm, den Vorschlag uns Verstärkung zu holen, die Elfen könnten helfen oder die Rahaler, ich würde mich auch freiwillig melden Hilfe zu holen. Er nickte nur und meinte das er es den Emir vorschlagen würde, noch brauchten wir keine Hilfe von außerhalb, aber man wüsste es nie, vielleicht müssten wir Hilfe bekommen und ich würde sie holen, sofern man mich ließ.
Dann nickte ich nur und nahm wieder Stellung auf der Mauer ein, wir mussten die Wesen beobachten um zu sehen wie sie sich verhalten würden. Diese Geräusche machten mich fast verrückt, doch ich blieb standhaft bis zur ablöse.
Sie suchte sich einen ruhigen Ort im Palast, was im jetzigen Moment garnicht wirklich möglich war.
Und dennoch fand sie ihn im Palastgarten nahe der Mauer des Echsengeheges.
Die Tiere waren Unruhig aber zum Glück nicht von der Flut betroffen worden.
Mit einem warmen Blick streckte sie die Hand durch das Gitter und begann die eine weibliche Echse an der Nase zu kraulen. Welche sich daraufhin langsam zu beruhigen begann.
Erst dann setze sich Callista auf einen nahen Stein und legte die Hände über ihre Augen. Das was heute passiert war, hatte sie sich nicht einmal im Traum vorstellen können.
Das ganze Unglück stürzte auf ein Mal auf das Volk ein und nichts hatte sie gewarnt. Die Mara hatte ihnen also eine schwere Prüfung auferlegt.
Zwar konnte sie während dem das Wasser stieg der Maras Weisungen kurz lauschen und immer vage Vorhersehen was man am Besten nun tut.
Aber viele vom Volk hörten ihre Worte nicht, oder wollten sie nicht hören.
Und nun wo sie hier allein im Garten saß, spürte sie, wie nah das Unglück war und wäre der Emir nicht gekommen, so hätten wohl viele sich das Leid aufgezogen.
Sie streich sich dabei über die müden Augen hinweg, bevor sie vom Stein hinabsank auf ihre Knie und die Hände nach vorn ausgestreckt in Richtung des Tempelberges und sie begann ein kurzes Gebet zu sprechen.
Weise der Oase aus der Hand Eluives geschaffen,
Gibst auf uns acht und führe uns,
Umarmst uns mit deinem Schutz und Beistand,
so dass wir uns sicher und geborgen fühlen in Deiner Liebe,
singe uns leise das Lied vom Glück, auf das wir nicht fürchten heute nacht.
Die gnädige Dunkelheit hatte sich über die Wüste gelegt. Sie umfasste das geschundene Land und deckte die Ruinen und leblosen, zerschlagenen Körper im feuchten Sand in ihren Mantel. Der Geruch von Meer und Rauch schwängerte die Luft, die in die standhaltende Feste Menek’Urs getragen wurde. Doch so wie manch einer Zuflucht fand in der samtenen Schwärze erinnerten die Geräusche stetig an die Bedrohung, welche von der Finsternis verborgen wurde: Ein andauerndes Klackern und Knacken, mal ferner, mal näher. Vielleicht erinnerte es einen an das Brechen von morschem Holz, einen anderen an fallende Steine oder der Schlag von Hufen auf Fliesen. Dennoch mochte keine hoffnungsvolle Vorstellung darüber hinwegtäuschen, dass man jene rotschimmernden Körper mit den riesigen Beißwerkzeugen vor seinem geistigen Auge sah, wenn man sich zur Ruhe bettete. Und so begleitete das Klackern jeden der glücklichen Menekaner, die den Tag überlebt hatten, bis tief in seine Träume und zermürbte die vermeintliche Gnade der Nacht.
Doch einige Träume in dieser Nacht sollten anders sein. Die Priester der großen Mara wurden ebenso wie der Emir den überlastenden Geräuschen enthoben und in jene unberührte Traumwelt geführt, die von dem Geist der Schöpfungsmutter berührt war.
Ummantelt von samtener, stiller und bedrohungsloser Finsternis finden sich die wenigen Erwählten allein in den Dünen stehen. Weich fühlen sie unter ihren Füßen den von der Sonne noch gewärmten Sand der Wüste. Ein warmer Wind streicht über ihre Körper und zupft spielerisch an den Haaren. Über ihnen spannt sich der Sternenhimmel wie eine Kuppel aus schwarzblauer Seide, besprengt mit zahllosen, silbernen Funken. Und zwischen ihnen thront als zarte Sichel der Mond – unberührt von aller Schönheit und allem Leid. „Mein Kind...“, flüstert der Wind an ihre Ohren und ein jeder mag in diesem kurzen Augenblick so beseelt, so ergriffen von dem Liebreiz der Stimmfarbe und der Güte in der Ansprache sein, dass ihm Tränen in die Augen steigen.„Ich dauere die Not, die ihr erdulden müsst, und ich leide mit euch. Jede Wunde, jeder Schrei und jede Träne meiner Kinder senkt sich auf mein Herz. Dennoch... hielt ich diesen Schmerz nicht von euch fern.“ Das zarte Säuseln verklingt für mehrere Wimpernschläge, die Sterne scheinen allein durch das Fernbleiben der Stimme an Licht zu verlieren.„Es wächst die Finsternis im Herzen des Reichs der Sonne und eure Gedanken wurden zu schwarz, um sie zu sehen. Ihr ahnt nicht, geliebte Kinder, welche Wunden ihr mir schlagt, welche Schmerzen ich erdulde, während ihr euch gegenseitig zerfleischt, ausweidet, bekämpft, gegeneinander intrigiert und einander zürnt. Ihr vergiftet euch, ihr vergiftet das goldene Land und mich, eure Mutter.“ Erneut legt sich Stille über die Wüste, doch nun lässt sich am Horizont ein rötliches Leuchten erahnen, das rasch näherkommt. Bald können die Träumer die Zinnen und Mauern der Stadt Menek’Urs erkennen – sie brennt. Krachend stürzen die Sandsteinmauern ein und nur gleißende Flammen nehmen ihren Platz ein. Die Körper der Ameisen strömen durch die Löcher in den Mauern und lautes Schreien und Wehklagen erhebt sich wie eine sichtbare Kuppel aus Schmerz über die brennende Stadt. Die Feuer schwinden und langsam schiebt sich der Sand über die Steine und Bruchstücke, während die Träumenden erneut die milde Dunkelheit um sich fühlen. Nur Ruinen in der Bläue, verweht von der Zeit. „Du hast gesehen, was geschehen wird, wenn ihr scheitert.“, erhebt sich dann wieder das Flüstern und die Trauer in dem Tonfall drückt jedem Zeugen unerträglich auf das Herz. „Es gibt nur weniges, was euch retten wird: Zusammenhalt, Treue und Gemeinschaft. Es klingt nach so wenig, es scheint so belanglos, und dennoch bedeutet es die Welt. Ich vertraue auf euch, ich lasse euch nicht allein, das heißt es eine Mutter zu sein. Doch heißt das auch zu maßregeln und den rechten Weg zu weisen. Deshalb bin ich gewillt einen der Besten von euch zu opfern, wenn ihr eure Streitereien nicht endlich beilegen könnt. Er wird es für euch tragen und ich werde ihn zu mir nehmen, wenn ihr ihn nicht errettet. Nur gemeinsam werdet ihr noch viele Sonnen über der Wüste steigen sehen.“ Und als würde das Wort genügen, erhebt sich hinter den Ruinen der verwehten Stadt ein rotgoldener Schein und blendet die Beobachter so heftig, dass sie den Blick abwenden müssen. Als sie zurückblicken, erstrahlt Menek’Ur in jungem Glanz und die Sonne bekrönt die Zinnen wie flüssiges Gold. „Du, der du mich erhört hast, berichte von meinen Worten, von meiner Warnung. Sei du derjenige, der meine Kinder weckt. Und denk an das, was die Welt bedeutet...“
Klackern dringt an die Ohren der wenigen im Traum Besuchten und das Bild der sonnenbeschienenen Stadt verblasst. Der Geruch von Meer und Qualm dringt an die Nase. Das Morgengrauen erhebt sich über die Wüste und reißt grausig den Mantel der Nacht hinfort von dem gefolterten Land. Leere Augen starren in den fahlen Himmel, eine brennende Palme fällt in sich zusammen und erlischt und mit der Wärme kommt der Geruch von verfaultem Fisch. Und das Klackern schwillt an...
Zittrig ging ihr Atem und unangenehm laut hörte sie ihn selbst zwischen den Steinen wiederhallen. Jedes Klicken, sei es nur ein herab rieselnder kleiner Kies ließ ihr Herz stehen bleiben und ihr Blick huschte nervös umher, suchte die winzigen Ritzen, durch welche das Licht sich einen Gang hatte schlängeln können. Durch einen Spalt vermochte sie den blauen Himmel zu erblicken, aber sie spürte, dass sie sich nicht bewegen konnte, sie hatte zu viel Angst. Hatte Angst vor dem, was sie zu tausenden zu hören glaubte. Zu viel Angst um zu rufen, durch Schreie zu locken von dem sie hoffte es bliebe fern. Das Klackern der Beine und Kiefer dieser Kreaturen trieb sie fast in den Wahnsinn. Nahlah spürte die Schmerzen in ihrem Leib nur dumpf, stechend aber wenn sie versuchte ihre Beine zu bewegen… doch als die Nacht anbrach, so wurde jeder Schmerz durch den der beißenden Kälte abgelöst. Und so fiel sie nur in einen fiebrig dämmrigen Schlaf, das Gefühl für die Zeit verlierend, mit leisen Gebeten an die Mutter auf den trockenen Lippen…
Zuletzt geändert von Nahlah Hibah Ryzan am Dienstag 9. Dezember 2014, 18:58, insgesamt 1-mal geändert.
In der Nacht konnte ich wieder kaum schlafen. Wie auch, wenn das Gefühl in einem herrschte, dass die Welt um einen herum zerbricht. Also versuchte ich den Wünschen meines Mannes gerecht zu werden. Ich setzte mich an seinen Schreibtisch, den er zur Zeit eh nicht nutze und bediente mich seiner Feder und seiner Tinte. Nur kurz atmete ich tief durch, als ich daran dachte wie er vor einigen Tagen noch hier saß, als wäre nichts, als wäre die Welt vollkommen im Gleichgewicht und in Ordnung. Das Schaben der Käfer vor den Toren riss mich allerdings wieder in die Realität zurück. In unsere Realität, die es zu ändern galt. Also schrieb ich, Pergamente, die ich danach in der Stadt verteilte und an jede freie Wandstelle heftete. Ich wusste nicht ob es was half, ich wollte lediglich meinen Emir retten und das Volk und unsere Heimat.
Geliebtes Volk
In den düstersten Momenten, wie jene die wir alle gerade ertragen müssen, fehlt vielen der Halt. Die Verzweiflung ist eingekehrt und die Trauer über all jene Verluste, die wir zu jener Zeit tragen müssen. Dieses Leid kann uns niemand nehmen, denn es macht irgendwann aus wer wir sind und die Ereignisse um die geliebte Heimat werden uns zu dem machen, was wir einst sein werden. Doch nun stehen wir hier, alle mit Waffen in der Hand und Wunden am Leibe. In jener Situation, bereit uns dem allen zu stellen. Ob nun mit einem Dolch, einer scharfen Klinge oder einfach nur unserem Verstand, der hoffentlich irgendwie zur Rettung Menek'Urs beitragen kann. Denn jeder von uns ist ein Teil des Großen-Ganzen. Begonnen bei einem Hauslosen, bis hin zu einem Kind der höchsten Familie. Denn in jener dunkelsten Stunde, in welcher wir uns quälen müssen und zeigen müssen, das wir ein Volk sind, sind wir keine hundert Familien, keine hohen Ränge, kein Mann, keine Frau. Wir sind eins. Eine Einheit, mit dem selben Ziel, dem selben Wunsch: Die Rettung unserer Heimat und die Rettung unseres Volkes.
Oh geliebtes Volk, schließt für wenige Sekunden eure Augen und denkt an einem Manne, der in jenem Chaos trotzdem für jeden von euch ein Lächeln im Gesicht hat. Denkt an einen Kämpfer, der sich seit Monden aufopfert und alles tut, damit der Frieden im Reiche der Sonne bestehen bleibt. Denkt an all die Kritiken, an all die negativen Worte, die durch manche Handlungen auf seinen Schultern lasten und dann denkt an die Ruhe, an die Liebe, an das Gefühl, welches uns Eluive gab, als wir das Licht der Welt erblickten. Denkt daran wie viel Gutes uns dieser Mann beschert hat, wie viele Leichen er uns mit dem Frieden ersparte. Denkt an den Emir des Friedens, welcher noch nie zuerst an sich selbst dachte, sondern immer an die Anderen. Auch als er noch nicht in dem Amte war, in welchem er nun weilte. Denkt an sein gutes Herz, an sein Streben und dann, geliebte Kinder der Durrah, denkt an seinen derzeitigen Zustand. Die Falten in seinem Gesicht und das graue Haar auf seinem Kopf und wie er es hinnimmt, wieder mit diesem warmherzigen Lächeln, dass eventuell sein Leben bald ein Ende hat.
Es gibt wenige Seelen, die so viel für dieses Volk, dieses Land und unser Sein getan haben, doch sollten wir uns alle einig sein, das die Seine unser wichtigstes Gut ist. Für alles an uns, alles um uns und alles, was die Zukunft für uns noch bereit hält. Dieses Geschöpf, diese Gabe Eluives für Menek'Ur, können wir retten. Denn wir sind nun die, die unseren Tribut zahlen sollten. Die zurück geben sollten, was Monate uns gegeben wurde. Und es muss kein Gold sein, nichts Materielles. Denn Eluive brachte uns bereits in Kindestagen bei, was doch das Wichtigste im Leben ist. Es ist die Liebe, die Freundschaft, ein Lachen, ein kleiner Streit, eine Versöhnung, eine Umarmung. Dinge die so viel schwerer wiegen und mit keinem Preis der Welt zu bezahlen sind.
Wir sind ein Volk, du, der hinter dir, der neben dir und auch der, der gleich an dir vorbei läuft. Unser Blut ist rot und unser Glaube gleich. Wir sind eine Einheit, wir gehören zusammen wie der Sand zur Sonne und wie die Menekaner zum Salz. In manchen Tagen haben wir das eventuell vergessen und an anderen Tagen zürnen wir einander gar. Doch an Tagen wir gestern, heute und morgen, sollte all das vergessen sein. Für unser Reich, für unseren geliebten Emir und für Eluive!
Nehmt euch an die Hände, in der Seele und im Herzen und lasst uns gemeinsam kämpfen.
Für unsere Zukunft.
Für unser Volk.
Für unser Leben. FÜR ELUIVE!