Süß wie... Rache!

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Gast

Süß wie... Rache!

Beitrag von Gast »

Ein weiteres, eingestaubtes, altes Buch voller Namen, Prisenlisten und Daten wurde hervorgezerrt, die Blicke wanderten still eine geraume Weile über das stark vergilbte Pergament, suchten und fanden nicht.
Scheppernd fiel auch dieser alte Schinken zu Boden und gesellte sich zu einer ganzen Reihe Folianten, die einst die ersten beiden Regale im Zollhaus gefüllt hatten. Im ersten Moment wollte er schon, der neuen, stupiden Routine folgen und nach dem nächsten Werk greifen, als der Frust darüber wie ein Hammer auf ihn herabschlug.

Miese, kleine Verräter, Dreckschweine allesamt!
Er hatte sich gut bewährt, sein Bestes gegeben, um in der Abwesenheit des ach-so-gerühmten Vaters eine gute Figur gleichermaßen an Land als auch auf der Toro zu machen und trotz der Unkenrufe war es ihm gelungen Meutereien und anderes Unheil weitreichend zu umschiffen.
UMSCHIFFEN!?
Blödsinn, jedem verdammten Sturm hatte er getrotzt, hatte Verträge ausgehandelt, die Mannschaft vereint und sein eigenes Leben so weit zurückgestellt...

Unbewusst berührte er das kleine Kästchen in der Brusttasche, in welcher das versteckte Bild ruhte. Sie wusste nicht einmal, dass er es hatte anfertigen lassen, im Grunde wusste sie nichts, weil er sich keine Zeit dafür nehmen konnte, das zu intensivieren, was sich klammheimlich angebahnt hatte. Nein, er hatte sein Leben dem Handeln im Namen seines Vaters gewidmet und alle Erwartungen zu erfüllen versucht - VERSUCHT!?

Die Faust traf das Regal mit einer derartigen Wucht, dass selbst die unterkühlte, bärbeißige Zollherrin kurz zusammenzuckte.

Man hatte ihn für all diese Bemühungen verdammte Erwartungen zu erfüllen und dabei das eigene Leben beiseite zu schieben geradezu "königlich" entlohnt - und diese Ironie schmeckte gallenartig bitter.

"Sie nennen dich einen Krieger aber wissen, dass du kein Kapitän bist. Schwach, mein Junge, schwach!"

Die Worte des Vaters, dessen Anerkennung er verdient und erwartet hatte. Stattdessen diese Worte, diese verlausten, verlogenen Worte und das auch noch untermalt von Fiores scheißdämlichem Gerede über eine mögliche "Ausbildung" an Bord dieser Nussschale. Ausbildung? Wollten sie ihn eigentlich alle verarschen? Er war seit Jahren Seemann und kein kleiner, unmündiger Bursche mehr!
Wie schaffte es nun also sein Vater mit wenigen Worten ihn genau dazu zu machen und ihn ohne Widerworte in Schranken zu weisen.

"Sieh zu, dass du was über Jacqueline herausfindest... rasch. Wenn sie ist, was dieser Knecht Nel behauptet, dann sehe ich persönlich zu, dass diese schwarze Saat des dreckigen Verräters verbrannt wird. Freudenfeuer, hah, mein Junge!"

Stumpf starrte er vor sich her und hätte vermutlich auch die nächste Stunde noch düster brütend verbracht, wenn nicht der Blick zufällig auf einen aufgeschlagenen, am Boden liegenden Folianten gewandert wäre und dort... irgendwo verloren am unteren Ende der Seite stand ein Name!

Wieder zuckte die Zöllnerin kurz und warf dem Kapitänssohn einen verwirrten Blick zu, als dieser, mit einem Pergamentfetzen in den Händen, aus der Amtsstube stürzte und die letzten Worte, welche sie noch vernahm, lauteten doch tatsächlich:

"ICH SCHNAPP MIR DAS MISTSTÜCK!"

... dann fiel die Türe krachend ins Schloss.
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