Eine wundersame Begegnung in der Bauhütte

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Hrorin
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Eine wundersame Begegnung in der Bauhütte

Beitrag von Hrorin »

RUMMS!
Mit einem Schlag riss die Tür in der Graufelse Haufe auf, so als würde sie gleich aus den Angeln fliegen.

"DAROGAN!! Blutsverwandte!!!", schrie der junge Langbart noch völlig außer Atem. Er war den ganzen Weg gerannt so schnell ihn seine kurzen stämmigen Zwergenbeinchen tragen konnten. Es war der berühmte Zwergenlauf für den die Kaluren in der ganzen bekannten Welt als gefährliche Sprinter berüchtigt und gefürchtet sind.

Er stützt sich auf seine Knie ab und atmete schwer. Zitternd zeigte er nach draußen und starrte sie an, nach Atem ringend und mit weit aufgerissenen Augen.


"mit-mitkommen *schnauf* das... musst ... musst du sehen!" stammelte er, noch immer völlig geschafft und er wank sie zu sich und griff sie bei der Hand um sie mit sich zu ziehen als er wieder herauseilte.
Sie begaben sich rasch über den Vorplatz der Taverne und durch den steinernen Biergarten durch die Tore der Amtsstube der Graik, Khazad Khem.
Schließlich kamen sie in das heilige Viertel Nilzadans. Stolz erhoben sich vor ihnen die spitzen Zinnen der Bauhütte in dem riesigen Gewölbe, das die heilige Stadt im Bauch des Götterberges beherbergte.

Dann hielt er inne. Vorsichtig betraten sie die heilige Halle des Bergvaters, den zentralen Tempel des Cirmiaskultes. Die Gesellin Darogan ging mutig voran, Hrorin kaum einen Schritt hinter ihr, ehrfürchtig und nervös den Hut in seinen Händen knautschend.

Es saß einfach nur da.
Ein einzelnes, heiliges Tier von der Körperschaft des Bergvaters.
Vor dem Altar saß es mit seinem wunderschönen dunklen Fell, das funkelte und glitzerte. Und wie von dem Hohen beseelt sah es auf die beiden Kinder des Seelenschmieds mit seinen klaren, reinen Augen.
Es war ihnen als würde der Blick direkt durch sie hindurch und bis in die innerste Essenz ihrer Lebensessen schauen.

Da saß ein Bär auf dem Flur.
Ein schwarzer Bär vor dem Altar.
Und schaute sie an.

[img]http://s9.postimg.org/7o7bgz6jz/bauhuettenbesuch.jpg[/img]

Die Stille war greifbar und die eigenartige Ruhe des Tieres ließ es sie sofort wissen:
Es war ein Zeichen des Seelenschmelzers, ein Signum des Schmieds, das Werk des Weltenbaumeisters.
Wie sonst sollt eines der den Zwergen so heiligen Göttertiere ihres Schöpfers unbemerkt in die heiligste Bauhütte gelangt sein?
Sie lag hinter meterdicken Mauern und schweren Eisengittern.

Es war ein Mirakel und Hrorin fiel auf seine Knie herab. Unablässig murmelte er Lobpreisungen auf seinen Herrn und Schöpfer und schlug das Zeichen der Bauhütte vor sich. Er war nicht mehr als der ehrfürchtige und unwürdige Zeuge dieser wundersamen Begegnung zwischen der Priesterin und dem Gottgesandten.

Der Blick des Tieres lag ganz auf der Priesterin Darogan.
Doch was nun passieren sollte würde in Nilzadan und Großkalurien noch lange berichtet werden.
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Darogan
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Registriert: Dienstag 8. Juli 2014, 16:36

Beitrag von Darogan »

Fassungslos stand sie vor dem Bären, regungslos, als wäre sie erstarrt. Er schien vollkommen, wie er dort saß mit seinem funkelndem Fell gleich einem Meer aus Edelsteinen jeder Art im Feuerschein. Hrorin musste recht haben, der Bär konnte nur ein Zeichen der Bergvaters sein. Keine andere Erklärung wollte ihr einfallen. Sie fiel auf die Knie und schlug das Zeichen der Bauhütte, ein stilisierter Erzbrocken und eine Pickaxt, und senkte das Haupt ehrfürchtig vor dem Bären.
Nach einer Weile erhob sie sich und ging langsam, und vorsichtig mit ausgestreckter Hand auf den Bären zu. Das Herz schlug Darogan bis Hals, die Hand zitterte und sie wagte es kaum zu atmen als sie sich dem Geschöpf näherte. Die nasse Nase berührte ihre Hand, als der Bär sie neugierig beschnupperte und Darogan durchfuhr ein Kribbeln, ausgehend von der Hand bis in die Bartspitzen.
So fasziniert war sie von dem Bären gewesen, dass sie gar nicht bemerkt hatte, was er zwischen seinen Tatzen verbarg. Nun schob er einige Waben, gefüllt mit Honig über den Boden der Bauhütte und auf sie zu. Ein Geschenk des heiligen Bären – für sie! Darogan konnte es kaum fassen, dass ihr eine solche Ehre zuteil wurde. „Oh Cirmias, großer Vater im Berg“, sprach sie, „ich danke dir für dein gütiges Zeichen und deine kostbaren Gaben. Gesegnet sei dein Name, ewig dein Reich im Stein!“ „Gesegnet der Name des Baumeisters!“, fiel Hrorin mit in die Preisung ein.
Ohne wirklich zu wissen was sie tat und völlig im Bann des Bäres strich sie mit dem Finger über die vor Honig triefenden Waben und streckt ihn dem Gottgesandten hin. Er schleckte den Finger ab, sie, wie in Trance, tunkte den Finger erneut in den Honig und leckte ihn nun selbst ab. Einige Tropfen fanden ihren Weg in den seidig glänzenden Bart der Zwergin, doch der Bär brummte, scheinbar gutmütig und zufrieden.
Erst als der Bär sich langsam erhob, ward der Bann in dem sie sich befand gebrochen, und sie sankt leicht zusammen, erschlagen von der Realisation der Bedeutung des Geschehenen. Sie hatte eine Mahlzeit mit einem Gesandten Cirmias geteilt! Welch eine Ehre dies war! Sie konnte die Gegenwart des Seelenschmiedes bis in die Zehenspitzen fühlen und das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit erfüllte sie durch und durch.
Der Bär trottete langsam zum Ausgang, hielt kurz inne und schüttelte das Fell. Heraus rieselten einige Edelsteine und feiner Goldstaub. Aus seinen dunklen, weisen Augen blickte der Bär noch einmal zurück in die Bauhütte, dann trottete er gemächlich davon und war verschwunden. Weder Hrorin noch Darogan hatte gesehen wohin der Bär gegangen war, auch an den Wachen die das Gebiet der Bauhütte schützten und die schweren gußeisernen Tore bewachten hatten nichts gesehen. So plötzlich wie er gekommen war, war er auch wieder verschwunden.
Noch ganz zittrig sammelte sie die Edelsteine ein und fegte den Goldstaub auf. Dies war nichts herkömmliches, diese würde sie zu dem Altar im Herz des Berges bringen und hüten wie einen Schatz.

Lange beschäftigte sie diese Begegnung. Sie verstand sie als Zeichen der Bergvaters, der seine Präsenz in der Bauhütte nach ihrer Predigt bestätigte. Lange war die Bauhütte nicht angemessen gepflegt, in Stand gehalten und besetzt worden. Die Anwesenheit der Bewohner Nilzadans und das gemeinsame Gebet musste von Cirmias erhört worden sein, und dies wollte er zeigen. Noch immer liefen ihr Schauer über den Rücken, wenn sie an die Berührung des Bären dachte.
Die Erhebung in den Stand der Gesellin schien ihr trotz der feierlichen Übergabe mehr eine Formsache, denn innerlich fühlte sie sich, als habe die Anwesenheit des Bärens sie schon in ihrer Position und auf ihrem Weg bestätigt – auch wenn sie diesen Gedanken lieber für sich behielt.
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