Ein versiegeltes Schreiben an den Emir Imraan

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Gast

Ein versiegeltes Schreiben an den Emir Imraan

Beitrag von Gast »

*Nachdem er den Sachverhalt nun ausgiebig studiert hatte, begab er sich brummend an seinen Schreibtisch. Seine Laune war wirklich schlecht, selten hatte er erlebt, dass sich Natifahs dermaßen über seine Anordnungen hinweggesetzt hatten. Schließlich griff er nach einem ausgiebigen Schluck Kaktusschnaps zu einem Blatt feinsten Pergaments und zückte seine Füllfeder, um ein Schreiben für Imraan aufzusetzen. Jenes Schreiben las er noch mehrfach durch und versah es schließlich mit dem Wachssiegel der Familie. Daraufhin übergab er es später an einen Boten der Familie, auf dass es auf dem schnellsten Wege zum Palast gebracht wurde und nur dem Emir persönlich ausgehändigt werden sollte*

  • Salam Alaikum, Erhabener!

    Mit größter Trauer vernahm ich die Kunde vom Tod unseres geliebten Emir Ghadir und möchte das tiefste Mitgefühl und Beileid meiner Familie und meinerseits für diesen tragischen Verlust aussprechen.
    Gleichsam möchte ich aber Euch, Erhabener, dazu gratulieren, dass unsere allschöne Mara Eluive Euch mit ihrem Zeichen als den neuen und rechtmäßigen Herrscher unseres Reiches auserkoren hat. So liegt im Tode unseres geliebten Herrschers gleichsam auch der Gewinn und die Prognose einer verheißungsvollen Zukunft durch Euch, Erhabener. In diesem Zuge möchte ich Euch, Erhabener, nochmals die ewige Treue meiner Familie aussprechen und Euch das Angebot entgegenbringen, Euch in diesen schweren Zeiten mit jedem Mittel beizustehen.

    In diesen Zeiten beschämt es mich zutiefst, Euch mit anderweitigen Vorgängen konfrontieren zu müssen, wo das ehrenwerte Haus Omar einen solch großen Verlust zu betrauern hat. Jedoch verlangt mein Anliegen, dass ich es ohne zeitliche Zäsur an Euch herantrage, da die ungünstigen Umstände gegenwärtig keinen Aufschub zu erdulden scheinen.

    Ich habe vor einem guten Wochenlauf angeordnet, dass meine Cousine Laila von umserem Personal und Familienmitgliedern umgeben wird, auf dass sie sich geschützt vor äußerlichen Einflüssen auf die zukünftige Verbindung von unserer Familie und der ehrenwerten Familie der Omar vorbereiten kann. Gleichsam war ihr Ausgangsrecht und das Recht Besuche zu empfangen, insbesondere das Empfangen von männlichen Besuchern bis auf Weiteres untersagt. In diesem Zuge sollte sie Euren ehrenwerten Cousin Abbas immer nur in Begleitung von zwei Familienmitgliedern sehen dürfen, um ein sittsames Miteinander zu wahren, dem frisch verliebten Paar jedoch auch nicht die Möglichkeit zu nehmen, sich vor der Hochzeit noch sehen zu dürfen. Jenes sollte so lang aufrecht erhalten werden, bis zumindest die Brautpreisübergabe vollzogen und die Verlobung der beiden besiegelt worden wäre, auf dass die Hochzeit bald hätte stattfinden können.

    Am gestrigen Tage kam es jedoch zu einem Vorfall, der die Ehre meiner Familie auf eine beinahe unerträgliche Weise tangiert und ebenfalls auch Euren ehrenwerten Cousin Abbas, betrifft, Erhabener. Es beschämt mich zutiefst, Euch von diesen Umständen in Kenntnis zu setzen, doch sehe ich keine andere Wahl, in der Hoffnung, dass ihr jenes Wissen erst einmal vertraulich behandeln möget bis ihr Euch dazu entschieden habt.

    Am gestrigen Tage wurde mein Cousin Razyr Zeuge von einem Besuch Eures Cousins bei meiner Cousine Laila in ihrem Hause. Obwohl das Hauspersonal, insbesondere die Wachen mit Sicherheit jenem Besuch widersprochen haben, setzten sich sowohl meine Cousine, als auch der ehrenwerte Abbas über meine ausdrückliche Anordnung hinweg, welche natürlich auch durch das meiner Familie unterstehende Personal umgesetzt werden sollte. Offenbar verweilte Euer Cousin auch für einen durchaus nicht kurzen Zeitraum bei meiner Cousine, wie das Hauspersonal bestätigen konnte. Ich bin mir sicher, dass ihr Euch vorstellen könnt, dass vom Hauspersonal ein weiteres Mal unmissverständlich klargemacht worden ist, dass es nicht meinem Willen entsprach, dass meine Cousine Laila ohne familiäre Begleitung männlichen Besuch empfing, zumal ihr dies auch nur im Familienhaus gestattet war und nicht in ihrem eigenen Hause.

    So sah sich mein Cousin gezwungen, mir einen Falken mit jener bedauerlichen Nachricht zu übersenden, so dass ich mich gezwungen sah, meine Handelsreise mit dem familiären Karawanenzug vorzeitig abzubrechen, um den besagten Sachverhalt einer Klärung zu unterziehen.

    Unter diesen Umständen möchte ich nochmals die schmachvolle Tangierung der Ehre meiner Familie bekunden und muss Euch beschämt mitteilen, dass ich gegenwärtig keine andere Lösung sehe, als das Eheversprechen zwischen Laila und Abbas zumindest vorübergehend für schwebend unwirksam zu erklären, abhängig von Eurem Urteil und Eurer Entscheidung, wie es nun weitergehen möge. Ich muss zugeben, dass ich zuerst bestrebt war, meine Cousine Laila durch ihren vehementen Verstoß gegen meine Anordnungen aus meiner Familie zu verstoßen, ich will jedoch hierdurch gewiss nicht die guten Beziehungen zwischen unseren beiden Familien strapazieren, zumal es für beide Familien öffentlich einen Affront ungeahnten Ausmaßes bedeuten würde.
    Ich bin sicher, ihr versteht, dass ich aus diesem Grunde den Vorfall auch nicht öffentlich ansprechen werde, um ein Überschlagen der Wogen und eine weitere Verärgerung von potentiell gereizten Gemüter zu verhindern.

    Somit verbleibe ich in demütigster Erwartung Eures weisen Ratschlages und Urteils, wie man weiter mit diesem Sachverhalt umgehen möge. Ich wünsche ich Euch den Segen unserer allschönen Mara Eluive, auf dass sie Euch anleiten möge, einen Kompromiss in dieser Sache zu finden.




    Ma'salema


    Nadim Tamid Ifrey

    *darunter prankt das Siegel der Familie Ifrey*
    [url=http://www.fotos-hochladen.net][img]http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/ifreyoazhjkyftw6ozui.png[/img][/url]
Gast

Beitrag von Gast »

Als er nach seinem Spaziergang zurück zu seinem Platz kam, wartete dort bereits der loyale Mustafa auf seinen Gebieter. Das Schreiben wurde nur zögerlich herüber gereicht. Diese Art Hinweis des Boten, die Betonung, wies darauf hin, dass es sich um keine guten Neuigkeiten handelte. Als das Siegel entfernt wurde und das Schreiben aufgeklappt überflogen wurde, musste Imraan doch noch einige Male die Zeilen dort betrachten. Als die Wut in ihm hochstieg, entfernte sich Mustafa doch langsam aus dem Zimmer, rückwärts, mit dem Hintern an der Wand gedrückt. Wenn man Imraan einmal in dieser Laune erleben durfte, dann war sie so selten, wie ein Vulkanausbruch. Beim letzten Mal war er nicht weit davon weg jemanden eigenhändig zu köpfen. Er ließ nach Abbas rufen.
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