Seite 1 von 3
Im Namen des Herrn (Belagerung Schwingenstein)
Verfasst: Montag 14. Juli 2014, 17:07
von Dazen Wolfseiche
- In einer Schlacht zahlt immer der Gewinner den Preis.
Napoleon I. Bonarparte
Ich saß auf der Bank vor dem Gemeinschaftshaus der Prätorianer unter dem Apfelbaum und genoss die einzelnen Sonnenstrahlen, die es durch das dichte Blätterdach des Baums schafften. Der letzte Tag, die Ruhe vor dem Sturm, den wir entfesseln würden. Tatsächlich versuchte ich die Ruhe in mich aufzunehmen. So ganz wollte es mir nicht gelingen. Je weiter der Tag voranschritt, umso nervöser wurde ich. Es war das gleiche Gefühl, wie im Krieg gegen die Menekaner. Wie lange war das nun her? Ein Jahr? Zwei? Gefühlt sicher noch länger, als es tatsächlich der Fall war.
Es war eine Art euphorischer und drängender Aufregung, der man nur zu gewillt war nachzugeben. Übermäßiger Tatendrang, der Hummeln im Hintern verursachte. Begleitet von der Frage, ob wirklich alles bedacht wurde, oder ob nicht doch irgendwelche Kleinigkeiten oder gar Großartigkeiten vergessen worden waren.
Bestimmt zum neunten oder zehnten Mal ging ich die Pläne im Kopf durch, dann und wann zog ich die Karte vor und sah auf die Markierungen darauf. Ich holte den zweiten Plan dazu, der weitere Markierungen an anderen Stellen auswies, Vorbereitungen zur Sicherung des geplanten Lagers. Es würden noch zwei Gespräche folgen am Abend. Was diese brachten, blieb abzuwarten. An anderer Stelle würde noch jemand ein weiteres Gespräch führen. Ich glaubte nicht, dass dies von Erfolg gekrönt sein würde, hielt es sogar für zu riskant, aber die Zustimmung war von anderer Seite dafür bereits erteilt.
Der Risiken bewusst, saß ich da und überdachte ein weiteres Mal alles, dann hielt es mich nicht mehr auf der Bank. Ich musste mich bewegen, irgendetwas tun bis zum Abend. Es war alles gepackt, soweit vorbereitet, also fiel diese Beschäftigung schon mal weg. Auch die Rüstung, die Waffen, alles war soweit vorbereitet, gepflegt und bereitgestellt. Also beschloss ich die Pferde zu bewegen. Zwei würde ich dem Stallburschen zur Pflege da lassen, mit der Bitte diese bereit zu halten, falls sie benötigt wurden. Zwei nahm ich mit, damit eines ausruhen konnte, wenn es zu sehr beansprucht worden war.
Eine gute Stunde später befand ich mich umgeben von Wald, auf dem Rücken einer entspannten Plötze sitzend, die sich gemächlich ihren eigenen Weg suchte. Fand die Stute ebenere Gebiete trieb ich sie etwas mehr an, auf ganz freien Flächen ließ ich die Zügel schießen. Irgendwann erreichte ich die letzte bewaldete Fläche vor Schwingenstein und sah zu dem Dorf hinüber. Natürlich übertrug sich meine Aufregung auf das Pferd, als diese wieder hochschoss, wie ein Korken aus der überschäumenden Flasche Bier. Plötze begann zu tänzeln und leise zu schnauben. Bevor sie durch ein Wiehern alle Aufmerksamkeit auf uns zog, lenkte ich ein und trieb sie auf den ausgetretenen Pfaden in Richtung Grenzwarth voran.
Nach einer guten Weile erst kehrte ich in Rahal ein und brachte das schwitzende Tier in den Stall, um es zu versorgen. Tatsächlich kümmerte ich mich selber darum und vertrieb den Stallburschen, als dieser sich erbot es zu übernehmen, indem ich ihm einige Münzen in die Hand drückte mit dem Auftrag einige Karotten und Hafer zu besorgen.
Ungelegen kam mir indes etwas anderes, von dem ich vor zwei Tagen erfahren hatte. Nicht zum ersten Mal bewies mir jemand, wie kurzsichtig dieser war. Wie eng der eigene Tellerrand gezogen wurde und die Unfähigkeit darüber hinaus zu schauen zum wiederholten Male fehlte. Wäre es nicht etwas, was mich sogar direkt betraf – auch wenn dieser Jemand das sicher nicht beabsichtigte, und es nicht besser wusste – ich hätte mich schwer darüber belustigen können. So aber empfand ich es als ärgerliche und äußerst nervige Störung, die zudem zu einer völlig unpassenden Zeit daher kam.
Ich musste hier vor allem darauf vertrauen, dass Dritte den Zeitplan hinauszögerten, was sich somit meiner Kontrolle entzog. Das stank mir fast noch mehr. Von den Kosten wollte ich gar nicht erst reden, aber das war es mir dennoch wert. Nicht nur, dass dieser Jemand für Gesetzesbrüche sorgte, die begangen werden sollten, und nicht mal unerhebliche, ich kam auch nicht hinter den Grund dafür. Nun ja, wenn man sich des vierten Leitsatzes bediente, war das sicherlich noch kein Verbrechen. Alles Weitere musste ohnehin warten, bis die kommenden Wochen ein hoffentlich positives Ergebnis erbrachten. Aber eines ließ sich in der Zwischenzeit nicht vermeiden: Es war unabdingbar ein Auge auf jemanden zu behalten. Wie ich das anstellen sollte, wusste ich noch gar nicht recht, aber darum konnte ich mir erst vor Ort einen Kopf machen.
- Böser Nachbar – Ewiger Krieg.
Deutsches Sprichwort
Verfasst: Freitag 18. Juli 2014, 11:54
von Dazen Wolfseiche
- Nach Krieg und Brand kommt Gottes Segen ins Land.
Deutsches Sprichwort
Da waren wir nun. Das Lager stand, jeder hatte irgendwie darin einen oder auch seinen Platz gefunden.
Es verging kein Tag, an dem ich nicht mindestens fünfzig Mal meinen Namen rufen hörte. Koordinieren, delegieren, zwischendurch aber nicht die Menschen dahinter vergessen. Hier ein Plausch, dort eine Unterhaltung, eine kleine Frotzelei, manchmal angebrachtes Lob, abwägen wo wann was gut aufgehoben war. Ein Dank, eine Bitte, soviel Zeit musste auch sein. Hier konnte man etwas rauer sein, da war Höflichkeit gefragt. Durchatmen. Schon vorbei, und von vorne.
Ich nahm an, es würde bei einer Milch bleiben, die wir gemeinsam getrunken hatten, als weder er noch ich Ritter waren. Aus mir völlig unverständlichen Gründen sträubt er sich einfach die Einladung anzunehmen. Behalte ich mal für mich, dass ich froh und dankbar drin den Platz des Arschloches nicht auch noch gegen ihn erstreiten zu müssen? Und wie sie die Wahrheit ehrenrührig fanden – das war in erster Linie doch sehr erheiternd. Auch Schönfärberei änderte nichts an dem was gewesen war und an dem Verrat.
Allein das aber bewies schon, dass sie selbst, sollten sie jemals Einsicht zeigen – was ich nicht glaubte, denn es wäre töricht zurückkehren zu wollen. Hier wartete schließlich nur noch der Tod für ihren Verrat auf sie – stets der Wahrheit den Rücken kehren würden, solang sie atmeten zumindest. Es gab so vieles, das mir aufgefallen war und ich so bezeichnend fand. Aber ich schob die Gedanken beiseite, um mich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Privatvergnügen hatte ich hier nun einmal keines, und es war selbst so gewählt, also schob ich diese Nickeligkeiten nach hinten.
Wieder zog dieses Miststück von der anderen Seite die Aufmerksamkeit unangenehm auf sich. Ich spürte direkt wieder den Biss in die Zunge. Nichts desto trotz rang ihre Geste Respekt ab, viel zu viel für meinen Geschmack, aber der war nun einmal da. Es war sicher eines den Feind zu respektieren, es war etwas anderes an ihm etwas zu entdecken, was einem sogar noch gefiel. Hölle und Verdammnis. Selbst wenn sie zu überzeugen wäre, es wäre ihr vermutlich nicht zu trauen. Auch hier schob ich die Gedanken fort, zwanghaft.
Der Tag Ruhe im Lager war gut für die Leute. Einige waren verletzt nach der ersten größeren Auseinandersetzung. So fanden sie wenigstens etwas Erholung und konnten sich mit den Schmerzen hinlänglich auseinandersetzen, um sie zu verkraften. Für mich blieb auch an diesem Tag wenig Zeit dazu, aber immerhin gab es ein paar Momente, die ich sitzend am Feuer verbringen konnte, mit einem Kaffee in der Hand – ungewöhnlich genug. Eigentlich bevorzugte ich noch immer Milch, aber der Kaffee machte wenigstens wach. Zumindest für eine kurze Zeit.
Wachablösung, das Heft mal in anderer Hand lassend, eine kleine leise Plauderei und Neckerei. Viel zu wenig Zeit für sowas. Aber ich hatte hier eine Chance und ich wollte verdammt sein, wenn ich sie nicht nutzte. Ich wusste darum, ich wusste auch darum, welches Risiko es eigentlich war, dass gerade mein Name im Lager so oft viel – und mir blieb schwer zu hoffen, dass mir niemand die mangelnde Erfahrung, die ich gerade erst zu sammeln begann, anmerkte.
Wenn du von etwas keine Ahnung hast, Junge, ist es nicht tragisch, solange du nur weißt, wer sie hat und wie du diese Person bestmöglich einsetzt, damit es so aussieht, als hättest du die Erfahrung in diesem Bereich.
Der alte Veteran aus unserem Dorf. Wieso kam er mir jetzt in den Sinn? Vielleicht, weil ich ihn gerne für einige Ratschläge hier gehabt hätte. Allerdings musste ich einsehen, dass er dafür schon zu gebrechlich war mittlerweile. Hinzu kam, dass ich hier mehr als einen fähigen Menschen und Letharen um mich hatte.
Ich zweifle nicht, Herr, wir werden siegen, in deinem Namen und deinem Ziel zum Zweck.
- Die Chance und der Augenblick
sind hübsche Zwillinge, die vorübergehen:
Ergreifst du die eine nicht,
bekommst du auch die andere nie zu sehen.
Erhard Blanck
Verfasst: Freitag 18. Juli 2014, 17:13
von Helisande von Alsted
Schwingenstein unter Belagerung, darin das oberste Heiligtum das Kloster der Priester Temoras. Zahlenmäßig war der Feind, wie so oft klar überlegen gewesen beim ersten Angriff. Es zeigte sich dass die Rahaler es irgendwie geschafft hatten, sich günstiges Opfermatierial in Form von Piraten zu erwerben. Für das Reich sicherlich unwichtige Subjekte, die man getrost in der ersten Reihe krepieren lassen konnte.
Ein taktisch trefflicher Schachzug, den Truppen Lichtenthals blieb zunächst nicht anderes als die Ortschaft schrittweise zu befestigen und einen losen Ausfall zu wagen. Jener Ausfall führt über die Frostklamm gen des Herzens des Westreiches, nach der wie geplant erfolgten Sichtung stieß der Kampfverband aus Regiment, Thyren und Kaluren auf das Lager der Angreifer. Die ausgegebene Devise war schlicht gewesen den Feind zu beschäftigen und zu verwunden. Ein Erfolg.
Zweite Reihe der Befestigung aufstellen, dazu musste der Feind erneut beschäftigt werden, wenn auch nicht mit Kampfhandlungen. Kampfhandlungen binden zu viel Kraft, die anderweitig investiert werden musste. Der Oberst übernahm die Aufgabe die ungebetenen rahalischen Gäste zu beschäftigen, einige Konzilisten standen ihm zur Seite dabei. Wie vereinbart kümmerte sich das Fräulein Oberstleutnant um die nötigen Bauarbeiten. Als jene abgeschlossen waren, schloss sie zum Oberst auf und erhielt das Zeichen für die von ihr vorgeschlagene Übergabe.
Natürlich befand sich Ritter Wolfseiche unter den Wortführern, wer auch sonst! Kurz zuckte es im Gesicht der Rostharigen, doch dann besann sie sich und übergab das ungewünschte Erbe an den ebenfalls anwesenden Ahad. Jener wirkte ein wenig irritiert, nahm ihre Gabe allerdings an. Sie hatte die Gegenstände mit dem Wappen des Hauses Drugar nicht selbst im Kampf erstritten. Somit auch kein Anrecht auf jene.
Sie würde sich schlicht eigene Trophäen holen. Vorzugsweise mit dem Siegel von Wolfseiche drauf. Dieser elende Stinkpilz, Ritter Schildkröte - der so schön hat gezappelt auf seinem Rücken. Allein bei seinem Anblick fing die verheilte Schmarre auf ihrem Kopf erneut an zu ziepen und die Schulter knirschte vor Freude.
Irgendwann.
Doch nun nur noch einen Streit der Heiler schlichten, die Rüstung reinigen und den Schmied finden um die Waffen zu schärfen. Einige Stunden Schlaf wären auch nicht schlecht, denn morgen würde Kriegsrat abgehalten werden und sie war dort als Offizier gefragt.
Ungewohnte Rolle.
Irgendwann nicht mehr.
Verfasst: Samstag 19. Juli 2014, 01:16
von Torjan Eichental
Zuerst das Feldlager vor Adoran - und jetzt dieses.
Er fühlte sich in seine jüngeren Jahre zurückversetzt und genoss es.
Nun ja, freilich nicht den Zoff mit Kersti. Sie, die bei Lili - die stets auf allergrößte Sauberkeit geachtet hatte - gelernt hatte, behandelte einen Patienten in von der Schlacht verdreckten Rüstteilen. Torjan selbst war nicht der Reinlichste - so wie Lili es war -, war bei der Arbeit als Feldscher oft nicht die Zeit, sich so ordentlich zu reinigen, wie es grundsätzlich erforderlich wäre. Nun, an diese Umständ wollte er an jenem ereignisreichen Abend ... eine erfolgreiche Schlacht, ein spätabendliches Geplänkel mit Letharen - hm, etwas mehr als ein Geplänkel ... nicht mehr denken.
Da im Lager hatte er auch schon was über die Löffel bekommen - verbal, von jenen, die in der Hierarchie über ihm standen. Er nahm es ihnen nicht übel. Zum einen war er Torjan, und der sagte auch schon mal was, was einfach so dahingeworfen war und vielleicht falsch verstanden wurd, oder einfach nur ehrlich war.
Das eine Mäderl, die Helisande, die faszinierte ihn. Sie hatte es nicht leicht, musste sie normalerweise schon einen Haufen von hauptsächlich Bürscherln befehlen. Jetzt aber, wo noch welche von anderen Völkern dabei waren - die ihre Art, die Hierarchie im Regiment sowie den allgemeinen Usus in Adoran nicht kannten - hatte sie es besonders schwer. Und er bemerkte dies.
An jenem Abend, kurz vor dem Einschlafen, dachte er an frühere Zeiten zurück, wo er noch Straßenlaternenmasten in Berchgard in Feuer und Flamme aufgehen ließ - freilich weil er in seiner Fehlsichtigkeit einen solchen für ein Bürscherl hielt, das sich ihm in den Weg stellte und einfach nicht und nicht aus dem Weg gehen wollte. Ja, sehr ruhig, geradezu still-bürgerich, war er in Adoran geworden, seit er dort lebte ...jetzt erinnerte er sich sogar an Manieren, die er seit 39 Jahresläufen verdrängt hatte. Im Gefolge des Könichs, als einer, der sich freilich auch um die Wehwehchen der Adeligen und Edlen zu kümmern hatte, blieb ihm aber nichts anderes übrig und er war nun doch froh, diese Ausbildung genossen zu haben.
Er vermisste seinen bequemen Lehnstuhl, in dem er sonst stets schlief, inzwischen überhaupt nicht mehr. Gemütlich rollte er sich auf dem Fell im Hof des Klosters zusammen, nahe am Bach, der in der schwül-sommerlichen Nacht angenehme Kühle spendete. Alsbald entschlummerte er. Zufrieden. Ruhig im G'müt und wohl versorgt.
Verfasst: Samstag 19. Juli 2014, 14:10
von Faeniel en Giliath
Gekreische, Brüllen, Streit und Wut auch die entsetzlichen Laute der Rüstung, deren Scheppern meine Ohrspitzen zum Vibrieren bringt. Das Lager hier am Kloster ist von Klängen beseelt und sie sind nicht gut. Die Edain haben keine Ahnung wie all das meinen empfindlichen Ohren weh tut. Ich leide sehr und vermisse die Ruhe der ewigen Stadt und des Nebelwalds.
Die Menschen sind Kinder, auch hier versucht einer von ihnen in meine Gedanken einzudringen, das zweite Mal schon. Plump und grob ist jenes Verhalten und rücksichtlos für uns eledhrim, aber mein Streben ist die Harmonie und nicht die Zwietracht. Zum Abschied wünscht er mir noch gute Düsternis mit einer für meine Ohren schmerzenden Aussprache unserer Sprache. Ein merkwürdiges Verhalten für einen Adan, es würde eher zu den Talari passen. Ich weiß noch zu wenig über die Menschen stelle ich fest, aber in ruhigeren Zeiten werde ich mich bemühen dies nachzuholen, aber nicht alleine.
Die Spitze des Eisbergs für mich jedoch sind die entsetzlichen Sprachklänge der Egladhrim, unserer Vettern. Schrill und voller Dissonanz sind sie, ich habe das Gefühl sie wissen genau wie schmerzhaft das für uns ist, daher sprechen sie und hören nicht auf damit. Sie quälen uns damit.
Überglücklich bin ich jedoch dass wir zusammen mit dem Volk des Nordens einen Platz gefunden haben, wo wir uns zurückziehen können. Er ist nahe am See und da kann ich endlich in Ruhe meditieren. Die Menschen des Nordens sind wesentlich feinfühliger als die anderen Edain stelle ich wieder einmal fest. Sie haben meinen Bedarf an Ruhe hier am See erkannt und so akzeptiert, wie es ist, das erfüllt mein Herz mit Freude.
Verfasst: Samstag 19. Juli 2014, 15:07
von Althan Vylen
Sein erster Reflex war gewesen, denjenigen der ihn dort als er auf dem Boden lag zu berühren seine Faust in das Gesicht zu trümmern, doch irgendwie wollte sein Körper ihm nicht gehorchen. Nein! Nicht anfassen nicht berühren, kommt mir nicht zu nahe... sein Kopf schien zu explodieren als er sich wehren wollte und es wurde wieder schwarz um ihn.
Dann als er aus seinem Dämmerzustand erwachte, nicht einmal wusste wie viel Zeit verstrichen war, stemmte er sich mühsam in die Höhe uns sah sich um. Lange war keine Zeit um sich umzusehen, so half er wo er konnte anfangs allein und später mit Releana.
Er funktionierte nur noch und diese stoischen Arbeitsabläufe in denen er nur die Anweisungen von Releana ausführte waren Erholung für ihn. Nicht nachdenken, einfach nur tun was einem gesagt wurde. Er zog sich zurück, tief in seinem Innern ein kleiner Punkt in der großen Unendlichkeit und sperrte die vielen Stimmen, unterschiedlichen Klangstrukturen und den Lärm aus. Bei Alatar, wie er Menschenansammlungen hasste, wie er Berührungen hasste und wie er den Lärm, um sich herum langsam satt hatte.
Doch die Piraten lenkten ihn ab und so konnte er wenigstens eine Zeit, all das hier vergessen und neue Pläne wurden geschmiedet, die in einigen Wochenläufen auf der Insel ihren Anfang nehmen würden.
Doch heute war hier, für den Orden, für den Alka dessen Wille sie hier alle dabei waren zu erfüllen und für Alatar. Der wie er hoffte auf sie hinabsehen und was sie taten ihn mit Wohlwollen für seine Gläubigen erfüllen würde.
Er betete oft, hoffte auf ein Zeichen, wie damals bei der Waffenweihe, doch er spürte seine Nähe nicht mehr so wie früher und wie immer erhielt er keine Antwort.
Was ihn aufrecht hielt waren die Worte seiner Heiligkeit gewesen und sein Bestreben seinen Willen nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen.
Dass ein Diplomat in der Lage sein muss Andeutungen, aktuelle Geschehnisse, des Alkas Ziel im alatrischen Reich und Sein Ziel in dieser Welt zu verstehen und diesen Hintergrund in die Verhandlungen mit einzubeziehen.
Die Vorarbeit dazu war mühsam gewesen, erst die Gespräche mit den Menekanern und die zähen Verhandlungen bis es zum Abschluss kam, die Gespräche mit den Letharen, die ersten Gespräche mit den Piraten wo, nachdem er sich nicht um Menekaner und Piraten kümmern konnte. Ritterin Lilienhayn dann vom Alka mit den Verhandlungen betraut wurde, eine Erleichterung... so konnte er sich vollkommen auf die Menekaner und Letharen konzentrieren.
Das Informieren der Rabendiener über die Worte des Alkas und unter welchen Voraussetzungen sie hier im Reich Fuß fassen konnten. Ja und nun, waren sie alle mehr oder weniger versammelt und da.
Es erfüllte ihn sie alle hier zu sehen mit einer gewissen Zufriedenheit, die lange Zeit der Gespräche und Verhandlungen trug nun hier Früchte. Das Reich war stark und hatte Verbündete dazu gewonnen.
Doch ausruhen würde er sich auf den bisherigen Erfolgen nicht und so suchte er am gestrigen Abend Ahad Crain auf, um ihm zwei Vorschläge zu unterbreiten. Jene Vorschläge führten ihn für die kommenden Tage aus dem Lager mehrfach hinaus... einmal gen Süden und einmal gen Westen.
Verfasst: Samstag 19. Juli 2014, 17:00
von Gast
Und ich beobachtete stumm, stand nur da und nur ab und an gab ich einen krächzenden Laut von mir, weil meine Kehle die frische Luft, so lange Zeit, einfach nicht gewöhnt war und sich nie daran gewöhnen wollte. Die Sonne brannte langsam auf meiner Haut und fühlte mich, als würde ich in einem Vulkan wandern, der eng war und noch mehr Bevölkerung in sich trug, als er tragen konnte.
Ich betrachtete die Diener Krathors, die Piraten, die Gardisten und die, die noch nicht so recht wussten was sie waren, irgendwo einmal hin wollten oder für welche es das erste Mal eine Kriegssituation war. Man hatte die unterschiedlichsten Leute im Lager und dementsprechend auch eine gewisse Anspannung, die mir nicht sonderlich passte. Vermutlich hielt ich mich daher mit Worten begrenzt.
Nicht nur die Tatsache, dass ich noch großen Zweifel an guter Zusammenarbeit hatte, trieb mich in meinen inneren Wahnsinn, auch der Bruder Syrr'ael, welcher zwar in manchen Momenten immer wieder für positive Überraschungen sorgte, aber in anderen einen Charakterzug in mir hervor lockte, den ich danach am liebsten mit Füßen getreten hätte. Ich hatte immer das Gefühl auf ihn aufpassen zu müssen, denn dieser Falkenbach stürzt ihn mit Sicherheit noch ins Verderben, so nahm ich an. Auch wenn es in gewisser Weise erheiternd war, wenn ich behaupten will, dass ich jene Emotion definieren kann, mit den Beiden herum zu laufen, hatte ich immer den Drang dazu aufzupassen. Wofür ich mich züchtigen sollte, hat Vater den Bruder vermutlich nicht grundlos in jene Position erhoben. Aber was, bei Alatar, sind das für Tabletten, welche der Alte dem Lethyren immer gibt?!
Die Belagerung lässt noch auf viele Entdeckungen und Offenbarungen hoffen. Weiterhin werde ich mich bedeckt halten, bei wichtigen Dingen meine Ohren spitzen und Informationen für meine Tetrachin sammeln und sonst, sonst sehe ich einfach zu, wie sie sich eventuell alle selbst zu Grunde richten. Nur selten ist es nötig selbst etwas ins Rollen zu bringen...
- "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst von dieser Welt."
-Mahatma Gandhi
Verfasst: Sonntag 20. Juli 2014, 01:39
von Hamingja
Endlich würden die Thyren ihren Worten Taten folgen lassen können. Auf so eine Gelegenheit hatte man nur gewartet, gemeinsam mit seinen Verbündeten dem Feind die Stirn zu bieten. Wenn auch ein Krieg ihnen seinerzeit fast alles genommen hatte, war ihnen offener Kampf lieber als heimliches Getue. Dafür hatten sie die von Radulf angesetzten Truppenübungen abgehalten. Dies sollte ihnen nun zugute kommen. Man verlässt sich eben lieber auf jemanden von dem man weiß, dass er einem auch den Rücken deckt. Beim Regiment war das noch nicht so, auch gab es hier den ein oder anderen Stinkstiefel, doch die hatten niedere Ränge inne und daher nicht viel zu sagen. Die Obrigkeit waren allesamt ehrbare Leute. Sie hörten zu, respektierten die Eigenarten aller ihrer Verbündeten, ganz anders als in vergangenen Tagen. Ein erfrischendes Gefühl in diesen Kriegszeiten. Etwas, das Rahal nicht kennen dürfte, bestanden sie doch in den Augen der Thyren aus nichts als Lug und Betrug. Sie würden ihre Verbündeten durch Zwang, Leid oder falscher Versprechen an sich binden, wie sie es mit den Menekanern versucht hatten. Jene durch den Nichtangriffspakt daran zu hindern, hier einzugreifen, war ein durchaus kluger Schachzug. Man würde sehen, was noch folgte. Die Belagerung des Klosters hatte schließlich erst begonnen.
Verfasst: Sonntag 20. Juli 2014, 13:36
von Helisande von Alsted
Sie war eskaliert, kurz aber heftig. Dieses elende Temperament war in ihr nicht auszumerzen. Meist erstarrte alles um sie herum wie vom Donner geküsst, wenn Frau Oberstleutnant anfing zu toben. An sich war sie die Höflichkeit in Person und bemühte sich stets darum auch dem Tadel eine hörbare Melodie zu verleihen.
Diesmal war die Melodie von Pauken und Trompeten übertönt worden, eine Klosterwache hatte stramm stehen dürfen, eine Freiherrin und zur Krönung des Tages noch Ulfrik. Der Thyre nahm es mit Fassung, wenn nicht gar ein wenig Erheiterung auf, dass die für seine Maßstäbe kleine Frau tobte wie ein Feuersturm. Er verwies sie nüchtern an Asleif oder Hamminga, die sich zu ihrem Glück nicht in den Kreisen der rostharigen Furie zeigten.
Gänzlich den Wind aus den Segeln nahm ihr die Feststellung Ulfriks, dass es seine Aufgabe war sie zu beschützen. Knapp über dem Boden konnte sie ihre herunterklappende Kinnlade noch einfangen. Wieso zum Dämon war das seine Aufgabe? Jedenfalls war er stetig in ihrer Nähe, auch als es zu dem freiherrlichen Moccafinderlohn kam.
Ein Konzilist für einen Mocca eingetauscht. Kurz tauchte der Gedanke in ihrem Kopf auf, die Hundescheiße auf einem gepflegten Rasen, dass sie diesen Tausch vermutlich noch bereuen würde. Alle Schäfchen waren wieder beisammen, dennoch würde sie bei der Bespreichung vor der geplanten Offensive noch ein paar Worte an die Führungen der Verbündeten richten.
Beim Tauziehen muss man an einem Strang ziehen oder man landet auf der Nase. Es war schlicht unklug, an sich sogar latent dämlich einem geschlagenen Feind noch eine Bühne und ergriffenes Publikum für seine Hasstiraden zu bieten. An sich sollten das die Elfen in ihrer unendlichen Weisheit längst begriffen habe. Doch vermutlich endet auch die elfische Weisheit da, wo der die eigene Nasenspitze endet. Wer sich selbst zu sehr ins Zentrum der Wichtigkeit rückt, der wird irgendwann feststellen, dass der in die Nase aufsteigende Geruch der von Dreck ist.
Lethalon erschien über gewisse Vorgänge da auch leicht enerviert zu sein. Er konnte es nur besser verbergen als sie.
Weit aus erfreulicher und auch beruhigender verliefen für die Soldatin zwei andere Begegnungen. Zum einen war ihr persönlicher Rückhalt wieder anwesend und das allein genügte um auch die abscheulichste Situation in eine erträgliche umzuwandeln.
Zum anderen hatte Ritter Wolfseiche Kaffe dabei. Er hatte sich bei dem kurzzeitgefangenen Freiherren über ihre Vorlieben erkundigt und wohl über sie ganz persönlich. Allein beim Gedanken daran zuckten ihre Mundwinkel leicht hinauf.
Soso.
Natürlich musste der Feind geschlagen werden, am Besten er verreckte ganz unspektakulär an einer brandigen Wunde oder an schorfiger Krätze. Jedoch hoffte sie im Stillen, dass der Schildkröte ein anderes Schicksal bestimmt war. Eines, das etwas mit ihrer Klinge zu tun hatte. Doch zunächst galt es ein wenig Schlaf zu fassen und die Kräfte zu schonen. Morgen würden neue hundert Tage beginnen, zudem galt es dem Oberst einen Herzenswunsch zu erfüllen.Das brave Mündel hatte zwar noch keine Ahnung wie, aber im Chaos einer Offensive kann man immer auch einen Hauch Ordnung verstecken. Sie würde wohl noch ein oder zwei Gespräche zusätzlich führen müssen.
Verfasst: Montag 21. Juli 2014, 09:22
von Gast
Die Belagerung zog sich hin und die Angriffe mehrten sich und so richtig konnte ich nicht einschätzen, was das bedeutete. Was ich beobachtete, gefiel mir mal mehr, mal weniger, aber wahrscheinlich ging es hier jedem so oder zumindest ähnlich.
Der Aufmarsch der Rabendiener zur Heerschau war immerhin beeindruckend, wir stellten sogar mehr Mann als die Garde. Die wiederum war sowieso ein Thema für sich. Und das schmeckte mir nicht. Mochte sein, dass meine üble Laune durch die Schmerzen in meinem Bein auch dazu beitrug nach der letzten Schlacht und mir fiel nach und nach auch wieder ein, dass ich den ein oder anderen im Kampf gesehen hatte, aber als ich mich angeschlagen und völlig frustriert über diese stinkenden Zwerge und blöden Elfen ins Lager zurückzog und diese Uniformierten sich dort fröhlich vor unserem Zelt aufreihten, während andere Kameraden draussen noch verbittert kämpften, platzte mir fast der Kragen. Zum Glück war es nicht an mir, das zu beurteilen. Von mir aus sollten sie da stehen. Am Ende gelangten sie sowieso alle dorthin, wo ihre Seelen eben endeten.
Am ersten Tag schaffte es auch nur eine Truppe uns zu übertrumpfen - die Piraten. Wer hätte gedacht, dass dieser Haufen doch sogar recht geordnet und in solcher Stärke anrückte. Ich war beeindruckt, zuletzt auch davon, dass nicht sie die Unruhe ins Lager brachten, die ab und an ausbrach. Im Gegenteil sogar - ich empfand ihre raue Art als Bereicherung und willkommene Abwechslung und hey - sie hatten Kanonen!
Was ich nicht verstand - oder vielmehr nicht nachvollziehen konnte, war die Tatsache, dass einige der Rahaler einfach zu machthungrig waren und sich nicht unterordnen konnten. Da wurde auf Titel gepocht, unter denen ich mir nicht einmal etwas vorstellen konnte, anstatt die Kontrolle einfach mal aus der Hand zu geben und es schlichtweg einer kleinen Führungsriege zu überlassen, wie der Hase wann und wohin zu laufen hatte. Viele Köche verdarben eben doch den Brei. Insgeheim wunderte ich mich auch, wie die Ritter es schafften, doch noch so ruhig zu bleiben.
Und da waren wir auch schon bei einem meiner Gründe, dort zu sein. Dazen als einer der Ritter war sicherlich eine mehr als leuchtende Zielscheibe für den Feind. Ihm gegenüber hätte ich es niemals zugegeben und auch seinem Bruder gegenüber hätte ich die Worte eher zurück gehalten. Aber er war nun einmal so etwas wie Familie. Oder würde es vielleicht irgendwann sein. Und ich hatte nicht vor, ohne zukünftigen potentiellen Vielleicht-Schwager zurück zu kehren. Garvin würde mir keine Vorwürfe machen, dennoch würde es ihn treffen, auch wenn mir diese Brudersache noch immer nicht ganz klar war. Und so konnte ich es mir nicht verkneifen, ein Auge auf ihn zu haben. Selbst wenn es mich den letzten Nerv und wahrscheinlich noch mehr Verletzungen als einen Pfeil im Bein kosten würde, blieb ich da und passte auf - so gut ich das eben konnte.
Verfasst: Montag 21. Juli 2014, 16:49
von Tarya Erskine
Belagerung!
Schlacht!
Schmerzensschreie…. Nicht zuletzt meine eigenen, die mir nicht mehr aus den Ohren gehen wollten. So penetrant, als haben sie sich in mein Gehirn gebrannt und
Zwei Kämpfe habe ich unbeschadet überstanden, den gestrigen nicht.
Zwei Pfeile hatten gut getroffen, einer hatte mein rechtes Bein durchbohrt, der andere steckte in meiner rechten Bauchseite.
Kersti und Veilya hatten mir einen Trank eingeflößt, der nicht nur die Schmerzen betäubte, sondern auch meinen Geist.
So lag ich während der Behandlung ohnmächtig (immerhin tat der Schmerz sein übriges), auf dem Bett im Kloster und ließ die beiden Heilerinnen machen.
Heute, ohne Schmerzmittel, war das Leben nicht mehr ganz so einfach.
Ich humpelte durchs Lager, kam am Tor an und hörte schon Stimmen hinter der Palisade und sah einen Wachtmeister, der mit der Stimme Diskutierte.
Ich war unzufrieden.
Ich konnte nichts sehen und bekam nur die Hälfte mit.
Also humpelte ich zum Tor und wanderte, gefolgt von den anderen Anwesenden, nach draußen.
Die erste…
Ritter Wolfseiche und sein Gefolge.
Eine Schwinge, ein Magier, ein Pirat, ein Lethar.
Kaum das der Rahalische Ritter sein Gefolge vorgestellt hatte, fing das Wortgeplänkel an.
Und ich vorne mit dabei.
[13:15:02] Tarya Erskine: Ah, alle sind ehrenwert *murmelt sie*
[13:15:15] Dazen Wolfseiche: Selbstredend.
[13:16:01] Dazen Wolfseiche: Wir können zwar nicht mit Adeligen aufwarten, Fräulein Erskine..
[13:16:24] Dazen Wolfseiche: aber mit einer Menge ehrenwerter Leute und Würdenträgern.
[13:16:36] Tarya Erskine: Oh wisst ihr Ritter Wolfseiche
[13:16:54] Tarya Erskine: Ehre hat nichts mit dem Adel zu tun, sondern mit Verhalten
[13:17:06] Tarya Erskine: Und dies erlaube ich mir doch zuweilen zu bezweifeln
[13:17:24] Tarya Erskine: *ein flüchtiges Lächeln huscht gen Dazen*
[13:17:28] Dazen Wolfseiche: Der erste Teil ist wahr gesprochen.. der zweite weniger. Aber das mag an Unkenntnis liegen..
[13:17:37] Janarey: Ehre und Respekt, muss man sich verdienen, egal auf welcher Seite man steht.
[13:17:55] Tarya Erskine: Oh, na, das mag sein
[13:18:08] Tarya Erskine: meine Unkenntnis ist durchaus für euch in Betracht zu ziehen, wenngleich mir bisher
[13:18:21] Tarya Erskine: auch nichts anderes gezeigt wurde. Ihr könnt das ja gerne übernehmen
Was mich dazu getrieben hat? Na, das wüsste ich auch gern.
Die Worte kamen einfach aus meinem Mund gesprudelt, ohne weiter darüber nachzudenken.
Ich war nie die mutigste, nie die Tapferste, und heute stand ich da, mit nichts als schäbigen, alten Kleidern am Leib, verletzt auf einen Stab gestützt (ohne den ich nicht einen schritt geschafft hätte vermutlich) und legte es drauf an, dass meine Gegenüber nach den Waffen griffen.
Aber es bleib ein verhältnismäßig ruhiges Wortgeplänkel.
Das einzige, was mich in dieser Situation wirklich zum Schaudern brachte, war das… widerliche…. Krächzen und diese, durch Mark und Bein gehende, Stimme des Letharen.
Der „Bruderzwist“ der gerade in herrlichsten, wüsten Beschimpfungen und Planungen das Leben des anderen zu beenden, neben uns als Randgeschehen ausuferte , war Inhaltlich nicht völlig für mich nachzuvollziehen, aber dieser Ton…
[13:35:35] Szurath'xeral: Mein Ruflaut wird das letzte sein was du hörst wenn ich dir die Kehle durchgeschnitten habe
[13:35:42] Szurath'xeral: *knurrt er dumpf entgegen*
Unser Geplänkel war deutlich entspannter.
Die Akoluthin holte zwei Gläser Milch, worauf hin der Ritter aussah, wie eine Katze vor einem Sahnetopf.
So, so…
Einfache Dinge im Leben.
Ich hatte sogar die Dreistigkeit besessen, mich einfach vor ihm ins Gras sinken zu lassen, weil stehen auf die Dauer doch anstrengend war.
Ethik und Moral… Gespräche über Gut und Böse.
[13:49:37] Tarya Erskine: Was ist das Positive für euch am Hass?
[13:49:41] Tarya Erskine: *hackt sie nach*
[13:49:57] Janarey: *blickt zu Tarya, dann zu ihm*
[13:49:58] Dazen Wolfseiche: Nicht mehr und nicht weniger.. *sieht dann zu Tarya hin* Aus Hass wird Zorn geboren.. wer
[13:50:15] Dazen Wolfseiche: versteht diesen gekonnt für sich zu nutzen, hat damit eine starke Waffe an der Hand..
[13:50:32] Tarya Erskine: Zorn ist ein gutes Treibmittel, keine Frage,
[13:50:42] Dazen Wolfseiche: wo andere Schmerzen *deutet zu ihrer Verwundung* hindern, lernen wir daraus Kraft zu ziehen und
[13:50:46] Tarya Erskine: aber es gibt durchaus stärkeres als das, was euch dazu verhilft, über eure Grenzen zu gehen
[13:51:00] Dazen Wolfseiche: weiterzumachen.. was zweifellos schwierig wird, wenn einem beide Beine abhandenkommen.. um es mal
[13:51:12] Dazen Wolfseiche: ganz salopp zu sagen.. mit Sackhüpfen gewinnt man keinen Krieg.
[13:51:32] Tarya Erskine: Und trotz meiner Verwundung stehe oder stand ich vor euch
[13:51:38] Janarey: eine Starke Waffe sind auch die Tapferkeit und das Mitgefühl
[13:51:45] Tarya Erskine: ganz ohne Hass der mich dazu anleitet
[13:51:59] Janarey: wir haben es die letzten Tage gut vorgelebt.
Und Temora sei Dank!
Beide Fronten trennten sich durchaus „friedlich“, und die Rahaler zogen irgendwann in ihr eigenes Lager zurück.
Alle waren unbeschadet… Gut… die Rahaler auch… Aber das sollte ja nicht heißen, dass es dauerhaft so bleiben würde.
Als die Situation vorbei war, hatten Kersti und Veilya die Zeit, meine Verbände zu erneuern und meine Wunden zu kontrollieren.
Alles schien soweit gut zu verheilen, auch wenn mich das alles unglaublich viel Kraft gekostet hatte.
Ich war einfach erschöpft. Lagerleben zehrte so oder so an meinen Kräften, wenngleich nicht mehr ganz so arg wie früher. Aber nichts destotrotz war ich müde.
Der Schmerz tat sein übriges dazu.
Meine erste richtige Kampfverletzung, im dauerhaft herrschenden Krieg beider Parteien.
Die beiden Heilerinnen gingen ihrer Wege, und liessen mich auf eigenen Wunsch im Lazarett zurück.
Ich zog die Decke über den Leib, bis zum Kinn hinauf und schloß die Augen.
Wie töricht das gewesen war, einfach durchs Tor zu spazieren.
Als ob Rahaler etwas von Ehre und Respekt kennen würden.
Wobei ich zugeben musste, der Ritter hatte mich schon ein wenig überrascht.
Er war, für den Moment, weniger offensichtlich Furchteinflößend als seine Mannschaft im Hintergrund.
Die Letharenmaske, das verhüllte Rabendienergesicht… Die gezogene, auf uns gerichtete, Pistole des Piraten, das vermummte Gesicht des Schwarzkuttenträgers.
Unnachgiebig, Gewalttätig, Skrupellos, Lechzend vor Hass und Zorn.
Klingen die surrend die Luft durchschnitten, schnell, stark geführt, während sich dein Gegner schon aus deiner Reichweite dreht.
Ich drehte mich im Bett herum, bereute es sogleich, weil die Bewegung dafür sorgte, dass die Wunde an meinem Bauch direkt wieder schmerzhaft zu pochen begann.
Tränen schossen mir in die Augen vor Schmerz… aber als wäre das nicht genug tummelten sich eine Vielzahl von Gefühlen in mir.
Zorn ist ein guter Antreiber…. Durchaus…
Ich konnte, wollte und durfte nicht leugnen, dass ich auch wütend war. Natürlich nichts, was ich dem Ritter unter die Nase reiben musste, aber mir selber eingestehen musste ich es.
Wütend, verletzt und enttäuscht…
Aber so war das Leben nun einmal. Ohne Licht keinen Schatten.
Ich drehte mich wieder auf den Rücken, wenngleich dieses Mal vorsichtiger, und versuchte die dunklen Wolken aus meinem Kopf zu vertreiben.
‚Schlaf Tarya, Schlaf,
der Merrik ist ein Schaf,
die Jana ist ein Trampeltier,
doch da kann die Oleu auch nichts für,
Schlaf Tarya, Schlaf‘
Verfasst: Dienstag 22. Juli 2014, 00:33
von Torjan Eichental
Eine Blitzkugel in der rechten Schulter, einen Giftpfeil in der Wade, dermaßen beschädigt landete er - von einem der Feinde vor's eigene Lagertor geschleppt - wieder in diesem, wo er fürsorglich von einem Mäderl, welches er erst kurz zuvor kennengelernt hatte, versorgt wurde.
Viel mehr als seine eigenen Wunden lag der Schwerpunkt seiner Sorgen auf dem Mäderl, welches im achteinhalbten Mondlauf schwanger war und bewusstlos ins klösterliche Hospital gebracht wurde. Wenig zuvor, bevor er wieder in die Schlacht musste, erwachte sie aus der Bewusstlosigkeit und sprach mit ihm.
Es zerriss ihn innerlich, als er aufgefordert wurde, mit in die Schlacht zu ziehen. Freilich war der dem Könich, dem Regiment und allen Verbündeten verpflichtet, jenen in der Schlacht zu helfen. Andererseits konnte das Kleine jeden Augenblick zur Welt kommen, in all der Aufregung, dem Lärm und dem Wirrwarr, dem die Mutter im Feldhospital ausgesetzt war. Gerade war er daran Haileys Verletzung zu untersuchen, als der Ruf erschallte, mit in die Schlacht zu ziehen.
Schwer war der Gewissenskonflikt. Sollte er eine Hochschwangere in der Obhut einer Verletzten - deren Krankenbild er nicht einmal noch kannte und die selbst versorgt werden wollte - lassen und mit in die Schlacht ziehen? Oder sollte er bei ihnen bleiben, die eine versorgen und über die andere wachen?
Hailey hatte schon am Vortag ihre immense innerliche Stärke bewiesen. Nachdem sie sich aus dem Fenster übergeben hatte, raffte sie sich auf - selbst blutend, verletzt - all jene im Hospital zu versorgen, die der Hilfe bedurften. Nur im entferntesten Nebenbei konnte er im Augenwinkel auf die Handgriffe der meisterlichen Holzarbeiterin achten. Er musste ihr vertrauen, das Richtige zu tun, hatte er doch selbst alle Hände voll zu tun.
Torjan versuchte, seine Verletzungen und die Schmerzen so gut es ging zu ignorieren. Viel mehr kreiste es in seinen Gedanken, wie diese immer noch schwächliche Hochschwangere aus diesem tumultigen Hospital gebracht werden könnte, um ihr Kind unter ruhigeren Umständen zur Welt zu bringen. Es hatte sich in der kurzen Zeit noch keine Gelegenheit geboten, mit einem der Verantwortlichen im Feldlager darüber zu reden.
Die Kugel in seiner Schulter und der Pfeil in seiner Wade hatten ihm einen Strich durch seine gefassten Pläne gemacht. Doch würde er trotz seiner Verletzungen so lange nicht Ruhe finden, bis jene werdende Mutter in Sicherheit gebracht wäre.
Verfasst: Dienstag 22. Juli 2014, 07:17
von Kiara Thanel
Trotz des ausgesprochenen Verbotes konnte Kiara nicht anders als sich die Schlacht aus der Ferne anzusehen. Es nagte an ihr nicht zu wissen was vor sich ging, so ging sie dennoch nach Schwingenstein. Gewiss.. Ihr Gewissen war nicht gerade rein, insbesondere wegen dem Leben welches sie bald zur Welt bringen würde. Hinter einem Haus versteckt konnte sie die Rufe der kämpfenden hören und auch den einen oder anderen Blick erhaschen. Doch was sie nicht erwartet hatte, war der Angriff zweier Fremder. Der große Bauch machte ihr es schwer fortzulaufen. Kiara konnte gerade mal hinter die Ecke des Hauses rennen ehe sie auch schon von dem ersten Pfeil gestriffen und von dem anderen an der Hüfte getroffen wurde. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Körper durch den ihr mit einem mal übel und schwarz vor Augen wurde.
Als sie ein wohliges Gefühl durchfuhr und langsam wieder die Augen öffnen konnte war sie alleine, konnte sich aber nicht sicher sein beobachtet oder durch Magie beeinflusst zu werden. Kiara bemerkte den Brandpfeil in ihrer Hüfte nicht wirklich und zog ihn mehr unbewusst heraus. Was sie jedoch nicht merkte, war die Spitze die abgebrochen war. Die werdende Mutter wartete noch etwas bis die Luft rein zu sein schien. Doch ehe sie verschwinden konnte standen bereits Korlay und Diego vor ihr. Kiara spürte förmlich wie sich das Blut in ihren Wangen sammelte, doch sie würde ihnen standhaft entgegen treten. Den blutigen Sari faltete sie so, dass man die blutende Stelle nicht sehen konnte. Diego kochte vor Wut und brachte sie höchstpersönlich in Richtung Bajard um sie nachhause zu bringen. Drakhon kam hinzu und machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen kümmerte sich Korlay um sie. Langsam verging der Schock und ihre Hüfte begann immer mehr zu schmerzen. Nachdem Kiara Korlay versicherte, dass es ihr gut ginge setzte sie sich auf einen Baumstamm, um erst einmal durchzuatmen.
Wer weiss wie viel Zeit verging. Der Blutfleck auf ihrem Sari wurde größer und als die werdende Mutter dann doch beschlossen hatte Heim zu kehren traf es sie beim aufstehen wie einen Blitz. Kaum einige Schritte später verschwamm alles vor ihren Augen. Die Personen um sich herum nahm sie nur noch verschwommen wahr.
Allmählich verdrängten die leisen Geräusche im Klosterhospital das dröhnen in ihrem Kopf. Ihre Hüfte brachte einen stechenden Schmerz hervor, so wie in ihrem Kopf. Ihr Hals fühlte sich trocken an, was sie dazu zwang leise zu sprechen. Torjan und eine junge Frau Namens Veilya waren bei ihr. Kiara kam mit Torjan und ein kurzes Gespräch. Ihr war noch immer etwas schlecht und fiebrig. Torjan war ihr eine große Hilfe auch wenn sie sich unwohl und beunruhigt fühlte. Immer wieder ging ihr die Frage durch den Kopf wie lange sie wohl noch hier bleiben müsste. Hailey kam irgendwann hinzu. Auch ihr Anblick war nicht gerade gesund. Sie schien viel wegstecken zu müssen blieb aber trotz der Misslichen Lage. Eine Frau kam und rief Torjan mit sich, der mit schlechtem Gewissen zum Feld ging. Es dauerte nicht lange bis Veilya zurückkehrte, um uns in das Klosterinnere zu bringen. Der kurze Weg machte ihr mehr zu schaffen als sie dachte. Recht schnell schloss Kiara den Lärm um sich herum aus um wenigstens ein wenig Schlaf zu erlangen.
Verfasst: Mittwoch 23. Juli 2014, 01:25
von Torjan Eichental
Er hatte einen Plan geschmiedet, um das hochschwangere Mäderl rauszukriegen aus dem Hospital, wo ständig mehr oder weniger schwer Verwundete behandelt werden mussten - was wahrlich keine geruhsame Umgebung war, um in Friede und Freud ein Kind zu gebären.
Heute sollte der Tag sein, an dem er das Mäderl nach Adoran bringen wollte, ins dortige Hospital, wo sie genügend Ruhe haben würde, um ihren Nachwuchs zu gebären.
Da er aber nicht wusste, wann das kleine neue Lebenwesen das Licht der Welt erblicken wollte, plante er ein, so es zu Problemen kommen sollte, das Mäderl in der Taverne am See unterzubringen.
Aber so weit kamen sie gar nicht. Auf der Wiese nahe dem feindlichen Lager, an dem sie dem Plan gemäß vorbeihuschen wollten, blickte das Mäderl zwischen seine Beine. Die Robe war klatschnass, wobei sie sich sicher war, sich nicht gerade angepinkelt zu haben.
Sofort hatte man die beiden auch erspäht und umzingelt. Torjan war das egal. Es galt, ein neues Menschenleben auf die Welt zu bringen und die Mutter, die in den letzten Tagen verletzt wurde und kaum Ruhe gefunden hatte, zu retten.
Noch nie zuvor hatte Torjan einer Mutter geholfen, ihr Wuserl zu gebären. Niemals zuvor hatte das jemand am Schlachtfeld getan. Aber genau in diesem Moment war es so.
Beide wurden ins Lager der Rahaler gebracht. Torjan heftete sich sofort an die Fersen der werdenden Mutter. Dort in einem völlig versifften Zelt - blutiges Stroh am Boden, eine unbequeme Pritsche, kein sauberes Wasser - lediglich ein paar saubere Tücher entdeckte er in einem Regal ... dort gebar sie ihr kleines Mädchen.
Torjan war überglücklich.
Doch nicht lange.
Diese fiese Letharin, die schon die ganze Zeit mit im Zelt stand, trat, nachdem Kind und Mutter weggebracht worden waren, auf ihn zu und stach blitzschnell ihren Dolch in seine Schulter. Nicht genug damit, drehte sie ihn auch noch in blankem Zorn, den er einfach nicht verstand.
Vieles danach erlebte er in völliger Erschöpfung - hatte er doch am Tag zuvor zwei Verletzungen abgefasst. Umnebelt bekam er mit, dass er versorgt wurde, wenn auch nicht in seinem Sinne, wogegen er sich wehrte. Dumpf nahm er auf, dass er mit einem Ritter sprach, ihm einiges um die Ohren warf - und gleich darauf bemerkte, wie schwer es dieses Bürscherl im feindlichen Lager hatte. Eine kurze Weile konnte er wieder geringfügig Kraft schöpfen, als er allein gelassen wurde in diesem verdreckten Zelt. Draußen hörte er Stimmen, die einander beschimpften, höchst aggressiv waren und sich weiter und weiter hochsteigerten.
Irgendwie geriet er in die Obhut von solchen, vor deren Roben er sich stets geschreckt hatte. Jene aber verhielten sich ihm gegenüber recht respektvoll, hilfsbereit und geradezu besorgt. Völlig erschöpft hackte er sich bei einem von denen ein, stützte sich auf seinen Gehstock und überwand so das Schlachtfeld bis hin zum Palissadentor.
Dort flogen wieder Worte. Worte ... Worte ... und noch viel mehr Worte.
Er wollte nur noch eines ... irgendwo schlafen.
Nach noch mehr Worten und noch vielen mehr Worten wurde er hoch gehoben und hinter die schützenden Palisaden getragen.
Freilich wurde er einer Untersuchung unterzogen, konnte ihnen aber klar machen, dass er gut versorgt war. Schnell erstattete er noch Bericht über das, was er im feindlichen Lager erlebt hatte, bevor sie ihn wegschleppten und im klösterlichen Hospital die Ruhe zukommen ließen, nach der er sich sosehr sehnte.
Verfasst: Mittwoch 23. Juli 2014, 19:39
von Muireall Laval
- Die Pflicht ist ein starker Verbündeter, und der Kampf unter ihren Fahnen verleiht,
wenn auch nicht unbedingt Sieg, doch immer Gewinn.
Sophie Verena
Die Bilanz nach einer Woche: Hochgefühl und Schmerz, erfüllte Erwartungen und auch Befürchtungen ebenso wie besonders kuriose Überraschungen, Siege und Niederlagen gleichermaßen. Zumindest fühlte es sich so an.
Trotzdem erinnerte sie das schmerzliche Ziehen an ihrer linken Seite bei jeder Bewegung daran wie knapp sie, dank der metzgergleichen Heilerfertigkeiten des Magisters, ihrem Ableben entkommen war. Dies erschütterte sie jedoch nicht oder machte sie mutlos für den Kampf, im Gegenteil. Ihr ganzes Leben lang hatte sie dafür gebetet irgendwann auf einem Schlachtfeld zu sterben, zermalmt von einem würdigen Gegner. So würde sie ehrvoll vor die Tore Nileth Azurs treten können. Phasenweise hatte sie es sich beinahe gewünscht, doch Alatar behielt sie hier. Es war noch nicht ihre Zeit. Und jetzt? Muireall schloss für einige Herzschläge die Augen. Immerhin ein Grund nicht so schnell dem Locken des ewigen Schlafes nachzugeben. Vorerst, Überlegungen dazu vertagt.
Bisweilen war es im Feldlager so laut und stressig, dass man Schwierigkeiten hatte seine eigenen Gedanken zu hören. Erwartungsgemäß kam es des Öfteren zu kleinen oder größeren Streitereien und Auseinandersetzungen. Muireall empfand es als ermüdend. Reichte es nicht dem hohen Ziel zu folgen? Alatar nach bestem Vermögen und Können zu dienen, sich der Ehre bewusst zu sein seinen Willen umzusetzen und seine Banner in die Schlacht zu tragen? Betrachtete man die zahlreichen, kleinlichen Konfrontationen der vergangenen Tage, musste man sich eher fragen, ob sich manch einer überhaupt bewusst war, dass es hier um ein höheres Ziel ging und nicht um den eigenen geschwollenen Hahnenkamm. Dieses egoistische, rücksichtslose Betragen, um ja Recht zu behalten, um ja die eigene „Ehre“ zu behalten ohne mitzubekommen, dass diese hochgehaltene Ehre nur noch in der verschobenen Selbstwahrnehmung existierte, machte sie wütend.
Einigkeit im Glauben und Krieg war die größte Stärke des alatarischen Reichs oder war sie zumindest einmal gewesen. Früher waren es die Lichtenthaler gewesen, die sich gegenseitig zerfleischt hatten, dafür musste sie nur an die Schleifung von Varuna denken: Thyren und Menschen zerstritten, die Edhil versteckten sich in ihrer ewigen Stadt, die Anguren im ewigen Eis und die Kaluren in ihren Löchern. Hinzu kam, dass zahlreiche Fehlentscheidungen der Varunaer „Führungselite“ das Volk gespalten und mit Misstrauen erfüllt hatte. Und die alatarische Armee war stark gewesen, einig und geordnet. Damals zumindest.
Doch auch heute gab es noch Stärke und Zusammenhalt in den alatarischen Reihen. Die Ritterin hatte ihre Zweifel an den Piraten gehabt, zumindest wie sie sie kennengelernt hatte und mit diesem Gouverneur herumdiskutieren musste, um den verdammten Vertrag aufsetzen zu können. Und war in der Folge überaus positiv überrascht worden: So rau und grobschlächtig sie in ihren Reden und ihrem Umgang auch waren, sie stellten die Anweisungen nicht in Frage. Und so wurde Muireall als Antwort auf einen Befehl ein „Aye, Senorita.“ bedeutend lieber als ein „Warum, Ritterin?“. Unter diesen Umständen konnte man auch damit leben, dass der eigene Hintern angestarrt und benotet wurde. Denn immerhin wurde einfach alles, was man ihnen auftrug, rasch und ohne Widerworte erledigt.
Eine nicht zu unterschätzend wichtige Gruppierung für den Feldzug waren die Kinder des Einen. Mit ihrer kompromisslosen und erbarmungslosen Art waren sie sowohl essentieller Bestandteil jeder Schlacht, als auch bedrohliche Rückendeckung in den eigenen Reihen. Sofern sich ihr Zorn in dem Augenblick nicht auf einen selbst richtete. Ein gewisses Risiko, dessen man sich bei dem Volk des Panthers, stets bewusst sein musste.
Kampf- und mannstark waren auch die Diener des Rabens erschienen. Wenngleich die Ritterin keinem der ihren soweit traute wie sie sie werfen konnte, beeindruckte sie deren Einigkeit, um sich ins Gedächtnis des Reichs zu rufen. Berechnend, zweifellos, aber warum freiwillig erbrachte Kämpfer abweisen? Getrübt wurde der positive Eindruck von dem unreifen Verhalten einer Dienerin vor wenigen Tagen. An der Entstehung der Situation war nicht nur sie schuld gewesen, der Pirat hatte durchaus seinen guten Teil dazu beigetragen. Die Tatsache, dass sie nach einer Rüge und Ermahnung jedoch direkt zu ihrem Oberen gelaufen war, um sich nach dem „Petzen“ über die angebliche Ungerechtigkeit allen Seins hinter seinem Rücken zu verstecken, hinterließ eher den Eindruck eines verzogenen Görs, denn eines ernstzunehmenden Teils der Armee. Muireall bezweifelte, dass dies das Bild war, das die Raben mit ihrem Beisein hier bewirken wollten und überließ es ihrem Urteil mit ihren Küken umzugehen. Man stelle sich vor, dass sogar der beteiligte Pirat sich im Anschluss bei der Ritterin entschuldigte und sein Wort gab nicht wieder eine Waffe auf einen der Verbündeten zu richten?!
Ansonsten waren es eher Einzelpersonen, die sich positiv hervorhoben. Neben ihrem Waffenbruder Dazen, der in der allermeisten Zeit das Lager organisierte, natürlich auch die Erhabenen Aliyahna und Ceylin´Tyrs, doch alles andere hätte Muireall auch sehr verwundert.
Der Trabant Bran war schlicht ein zuverlässiger Fels auf Wache und im Feldlager, nicht unbedingt ein Mann vieler Worte, aber vielleicht machte ihn gerade das so angenehm.
Fann Thalwa und Rayana Meienschein stellten sich, selbst wenn sie Scharfschützen in Ausbildung waren, als effektiver Einsatztrupp heraus. Man konnte sicher sein, dass sie mit Ergebnissen zurückkehrten, wenn man ihnen Späheinsatz übertrug.
Silea Goldblum arbeitete mit Feuereifer daran die eigenen Fallen auszubauen, aufzufüllen und strategisch geschickter zu platzieren, ihre eigenen Verletzungen dabei leider zu oft ignorierend. Sie war es auch gewesen, die zusammen mit den angehenden Scharfschützen und einem Ablenktrupp der Piraten, fast alle feindlichen Fallen entschärft und eingesammelt hatte. Nun schützten diese Fallen eben das Lager des rahalischen Heeres.
Die Bilanz einer Woche. Blinzelnd öffnete Muireall die Augen und verbot ihren Gedanken abzuschweifen. Die Rüstung war geputzt und geölt, die Phiolen und Verbände aufgefüllt, die Waffe gesegnet im Namen des Herrn, es war Zeit ins Lager zurückzukehren. Zweifellos würde dieser Feldzug noch einige Überraschungen bereithalten.