Ohne Fantasie ist das Leben wie ein Bild ohne Farbe
Verfasst: Montag 16. Juni 2014, 19:18
„Wenn es so ein Bild sein soll, dann wirst du es schon merken.“ - Da hast du den Mund aber mächtig voll genommen, Eli.
Ich hatte so einige Stunden an dem Bild gesessen. Vor der Leinwand, bunt bekleckst mit Farbe, die nicht nur an den Fingern klebte oder an der Leinwand, sondern auch in Hose, Hemd und Gesicht. Immer dann, wenn das Licht noch gut war, zog ich mit Farbe, Leinwand und Staffelei los, immer an den gleichen Platz in der freien Natur. Ein Stück Wald war das Ziel.
Erst der Hintergrund, ein dunkles Blaugrün. Ich verteilte es großzügig mit einem kleinen Spachtel auf der ganzen Leinwand. Danach nahm ich einen großen breiten Pinsel zur Hand und verteilte es etwas gleichmäßiger, nahm überflüssige Ölfarbe wieder ab. Ich reinigte den Pinsel direkt wieder von der Farbe. Schließlich nahm ich einen anderen Pinsel zur Hand, mischte weiße, gelbe und blaue Farbe, wobei gelb und blau sich in verschwindend geringer Menge dazu gesellten und machte mich daran, den Himmel aufzuhellen zu einem freundlichen blaugrau. Nach einigen helleren Klecksen, bekam das Farbgemisch noch ein tiefes rot und schwarz hinzu, und die Wolken bekamen einen hübschen Anstrich und ließen sie echter wirken.
Braun, schwarz, rot, etwas grün, ein Stich gelb und nach und nach entstanden hinteren die Bäume. Erst die Stämme, dann die Zweige, danach das Blattgrün. Sträucher, die das Unterholz dichter werden ließen. Ein schwarzer Schatten auf vier samtenen Pfoten, den Blick zum Zuschauer gerichtet. Leuchtend gelbe Augen, auf einem schweren Ast liegend, sah er mich schon in seiner Entstehung an.
Etwas Grün noch in den Vordergrund und fertig war es letztlich. Zumindest die Leinwand, das Bild an und für sich.
Aber auch der Rahmen machte ein Bild aus. Selbiges stellte ich oben in mein Schlafzimmer zum Trocknen auf. Die Arbeit war sicher nicht getan. Mein Weg führte mich hinunter in die Werkstatt, wo ich das passende Holz für den Rahmen wählte. Es sollte etwas Besonderes werden, dem Wetter standhalten können, es sollte etwas her machen ohne dabei protzig zu wirken. Eine Herausforderung. Also entschied ich mich für solide Eiche. Richtig behandelt würde der Rahmen eine Ewigkeit halten.
Ich brachte feine Gravuren an, feine Zeichnungen, nahm das Laub des Waldes und das Astwerk mit auf, verzierte es mit dem Schriftzug „Dir zu dienen, heißt Treue lernen“ und setzte zu guter Letzt meinen Namen dazu. Mein Meisterstück.
Als das Öl getrocknet war, machte ich mich daran auch hier die Oberfläche vor wetterbedingten Einflüssen zu schützen und brachte zwei Anstriche einer klaren Lasur auf, die diesen Zweck erfüllte. Sie biss fürchterlich in die Nase, aber die Fenster blieben die Nacht ohnehin offen und ich würde mich vermutlich eher in die Werkstatt verziehen zum Schlafen.
Am nachfolgenden späten Abend machte ich mich dann auf den Weg zum Hof, das Bild unterm Arm geklemmt. Ich wollte es austauschen gegen das, was bereits dort hing. Es war von ähnlicher Art, aber eben kein Meisterstück und ich hatte mir überlegt, dass dieses Stück es verdient hätte dort zu hängen, wo es jeder, der den Hof aufsuchte, sehen konnte. Und die Hofbesitzerin hatte es verdient.
Und… ja, ich war der irrigen Annahme, sie würde es schon merken. Tat sie nicht. Aber sie freute sich, sehr sogar. Wieder so ein paar Verlegenheitsmomente, durch die ich durchmusste, aber es sah ja sonst keiner, also schaffte ich es sogar einigermaßen damit umzugehen, so irgendwie jedenfalls.
Irgendwann bekam ich es sicher hin eines anzufertigen, bei dem sie es merkte. Oder vielleicht auch etwas anderes als das. Vielleicht…
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(Zitat aus der Überschrift von M. Strott-Heinrich)
Ich hatte so einige Stunden an dem Bild gesessen. Vor der Leinwand, bunt bekleckst mit Farbe, die nicht nur an den Fingern klebte oder an der Leinwand, sondern auch in Hose, Hemd und Gesicht. Immer dann, wenn das Licht noch gut war, zog ich mit Farbe, Leinwand und Staffelei los, immer an den gleichen Platz in der freien Natur. Ein Stück Wald war das Ziel.
Erst der Hintergrund, ein dunkles Blaugrün. Ich verteilte es großzügig mit einem kleinen Spachtel auf der ganzen Leinwand. Danach nahm ich einen großen breiten Pinsel zur Hand und verteilte es etwas gleichmäßiger, nahm überflüssige Ölfarbe wieder ab. Ich reinigte den Pinsel direkt wieder von der Farbe. Schließlich nahm ich einen anderen Pinsel zur Hand, mischte weiße, gelbe und blaue Farbe, wobei gelb und blau sich in verschwindend geringer Menge dazu gesellten und machte mich daran, den Himmel aufzuhellen zu einem freundlichen blaugrau. Nach einigen helleren Klecksen, bekam das Farbgemisch noch ein tiefes rot und schwarz hinzu, und die Wolken bekamen einen hübschen Anstrich und ließen sie echter wirken.
Braun, schwarz, rot, etwas grün, ein Stich gelb und nach und nach entstanden hinteren die Bäume. Erst die Stämme, dann die Zweige, danach das Blattgrün. Sträucher, die das Unterholz dichter werden ließen. Ein schwarzer Schatten auf vier samtenen Pfoten, den Blick zum Zuschauer gerichtet. Leuchtend gelbe Augen, auf einem schweren Ast liegend, sah er mich schon in seiner Entstehung an.
Etwas Grün noch in den Vordergrund und fertig war es letztlich. Zumindest die Leinwand, das Bild an und für sich.
Aber auch der Rahmen machte ein Bild aus. Selbiges stellte ich oben in mein Schlafzimmer zum Trocknen auf. Die Arbeit war sicher nicht getan. Mein Weg führte mich hinunter in die Werkstatt, wo ich das passende Holz für den Rahmen wählte. Es sollte etwas Besonderes werden, dem Wetter standhalten können, es sollte etwas her machen ohne dabei protzig zu wirken. Eine Herausforderung. Also entschied ich mich für solide Eiche. Richtig behandelt würde der Rahmen eine Ewigkeit halten.
Ich brachte feine Gravuren an, feine Zeichnungen, nahm das Laub des Waldes und das Astwerk mit auf, verzierte es mit dem Schriftzug „Dir zu dienen, heißt Treue lernen“ und setzte zu guter Letzt meinen Namen dazu. Mein Meisterstück.
Als das Öl getrocknet war, machte ich mich daran auch hier die Oberfläche vor wetterbedingten Einflüssen zu schützen und brachte zwei Anstriche einer klaren Lasur auf, die diesen Zweck erfüllte. Sie biss fürchterlich in die Nase, aber die Fenster blieben die Nacht ohnehin offen und ich würde mich vermutlich eher in die Werkstatt verziehen zum Schlafen.
Am nachfolgenden späten Abend machte ich mich dann auf den Weg zum Hof, das Bild unterm Arm geklemmt. Ich wollte es austauschen gegen das, was bereits dort hing. Es war von ähnlicher Art, aber eben kein Meisterstück und ich hatte mir überlegt, dass dieses Stück es verdient hätte dort zu hängen, wo es jeder, der den Hof aufsuchte, sehen konnte. Und die Hofbesitzerin hatte es verdient.
Und… ja, ich war der irrigen Annahme, sie würde es schon merken. Tat sie nicht. Aber sie freute sich, sehr sogar. Wieder so ein paar Verlegenheitsmomente, durch die ich durchmusste, aber es sah ja sonst keiner, also schaffte ich es sogar einigermaßen damit umzugehen, so irgendwie jedenfalls.
Irgendwann bekam ich es sicher hin eines anzufertigen, bei dem sie es merkte. Oder vielleicht auch etwas anderes als das. Vielleicht…
Ein kleines schlummerndes Kätzchen ist ein Bild von vollkommener Schönheit.
Jules Champfleury
[img]http://i34.photobucket.com/albums/d149/Chantaleya/Leo_zps552c3958.jpg[/img]
Jules Champfleury
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(Zitat aus der Überschrift von M. Strott-Heinrich)