Von Windeln und Gute-Nacht Geschichten..

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Diego Cuervo

Von Windeln und Gute-Nacht Geschichten..

Beitrag von Diego Cuervo »

Auge in Auge mit einem Dämon. In eben so einem Moment spürt er Entschlossenheit. Er weiß wie er seine Erfahrung und Fertigkeiten einsetzen muss, um das Biest zu bezwingen. Fest konzentriert er sich auf den Moment und das unmittelbare Ziel, es gibt nur ihn und das Ungetüm und er weiß genau wie der Kampf ausgehen wird. Furcht oder Unsicherheit lässt er in einem derartigen Moment nicht zu, da es nur die Sinne schwächt.
Aber gerade eben ist er schutzlos ausgeliefert. Nie hatte Diego gedacht – nicht einmal wenn man es ihm ausführlichst geschildert hätte – dass ein Dämon gegen einen kleinen Knirps abstinkt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Furcht, Unsicherheit und vollkommene Überforderung sind seine Begleiter und haften ebenso auf ihm wie die Augen von Bella.
Anstatt in einer muffigen, beengten und stockfinsteren Höhle steht er in dem gemütlichen Zimmer von Felian, Tara's Wonneproppen von einem Sohn. Vor ihm steht ein fellbezogener Tisch auf dem er ein Leintuch ausgebreitet hat. Darauf liegt der kleine Dämon höchstpersönlich. Die weichen, kindlich pummeligen Beinchen sind etwas angewinkelt und stehen mit den mickrigen Zehen in die Luft. Die Fußsohlen zeigen direkt in Diego's Gesicht, der weit hinab gebeugt ist und höchst konzentriert seine Aufgabe besieht.
Jetzt reckt Felian auch die Finger in die Höhe, greift nach einem unsichtbaren Gegenstand und reisst dann den Mund auf – perdon, das Maul. Wie gerne hätte Diego auf Knien gefleht dort würde eine Ausgeburt der Hölle vor ihm stehen, Feuer spuckend und Blitze schleudernd. Aber der kleine Mann hat keine Reisszähne oder Hörner, nur einen einzelnen Zahn, an dem Felian keck die Lippe entlang schiebt, da wohl das Zahnfleisch juckt. Die rießigen, strahlenden Augen sehen Diego voller Unschuldigkeit an, während der kleine Mund aus vollem Halse brüllt.

»Bei Alatar, können sie mir nicht helfen, Bella?« knurrt Diego gegen die Gebärden an, aber das Kindermädchen deutet nur wieder zu dem Körbchen und taxiert ihn, als würde er castellano sprechen. Anscheinend hat die alte Dame die Nase voll und findet es höchst unterhaltsam, dass sich mal jemand anderes mit dem Schreihals abplagen muss.
Diego flucht und reisst sich zusammen. Das kann doch nicht so schwer sein. Allen Mut zusammen nehmend rafft er die Ärmel noch etwas höher, die sich bereits an seinen Schultern zusammen kringeln und packt die beiden Füßchen mühelos mit einer Hand. Er hebt das kleine, laut brüllende Geschöpf hoch und zieht die Leinenwindel unter dem Po hervor, die er als Ursache der Unzufriedenheit sieht. Das dreckige Bündel wird beiseite geschoben und ein paar Tücher aus dem Körbchen gepflückt. Er putzt den kleinen Hintern ab, muss aber feststellen, dass Felian die Behandlung nicht zusagt.
Also zieht er erst eine Flasche aus der Halterung, dann die nächste mit einer Präzision, als würde er Wufmesser ziehen, immerhin hängt sein Leben von dieser Situation ab. Die eine Flüssigkeit ist klar, also reisst er den Korken mit den Backenzähnen aus dem Flaschenhals und kippt beherzt etwas auf ein sauberes Leinentuch. Damit, anscheinend Wasser, säubert er nun den Popo, was den Kleinen ein wenig besänftigt.
Diego schickt ein kurzes Dankesgebet ab, jedoch wissend, dass es noch nicht vorbei ist. Dennoch gibt es ihm etwas Mut und er murmelt triumphierend vor sich hin. »Na, ist das gut so, Felian? Wäre ja gelacht!« Griffsicher tastet er nach einer frischen Leinenwindel und sieht dem Jungen in die Augen, wo für einen Moment ein spitzbübischer Ausdruck aufblitzt. Hat er sich das nur eingebildet oder zuckt tatsächlich ein Mundwinkel des Kleinen? Zu allem Überfluss schiebt Felian den Daumen zwischen die Lippen und blickt wie ein kleiner Engel zu Diego auf.
Die Einsicht kommt zu spät.
Verspätet und in einer hilflosen Geste hebt Diego beide Hände, als er die warme Flüssigkeit in den Stoff des Hemdes sickern spürt. Er kneift ein Auge zusammen und wartet bis die Quelle versiegt. Wie man vor einem Kleinkind so 'niedlich' sagt, rinnt Pipi seinen Hals hinab in den gebundenen Ausschnitt des Hemdes. Langsam erübrigt sich für ihn auch die Frage, warum Tara meinte er soll einen zweiten Satz Kleidung mitnehmen. Mühsam verkneift er sich einen Fluch vor dem Jungen und tut das, was ihm in seiner Situation übrig bleibt: Es zuende bringen, auch wenn man schwer getroffen wurde. Flink packt er Felian's Unterleibchen ein, knotet die Stoffwindel an den Seiten zusammen und bereut gleichzeitig, dass er seinen Vorsatz nicht eingehalten hat. Eigentlich wollte er sorgfältig vor gehen, ein Zeichen setzen, aber im Nachhinein wäre das Selbstmord gewesen.
Mehr erleichtert als stolz sieht er über die Schulter und muss feststellen, dass Bella sich aus dem Staub gemacht hat. Vor Gebrüll hatte er wohl nicht die Türe ins Schloss fallen hören. Hervorragend. Er packt Felian in eine flauschige Hose mit Füßlingen und zieht ihm das winzige Wollhemdchen über den Kopf. Der Kleine schreit nichtmehr, weswegen Diego ihm vorsichtig über den Haarflaum streicht.
Als der Winzling kurz zufrieden gestellt ist, nutzt der Aushilfsvater die Gunst der Stunde und zieht das angepinkelte Hemd aus. Mit etwas Wasser und einem Tuch beseitigt er die groben Rückstände, als das winzige Bündel schon wieder zu Plärren anfängt.

Innerhalb der nächsten Stunde stellt sich für Diego herraus, dass es der größte Fehler seines Lebens war das Kindermädchen zu mimen während Tara mit ihrer Tochter außer Haus ist. Nie in seinem Leben befand er sich in einer derart aussichtslosen Situation.
Lautstarkes Plärren – liebevolles Wiegen auf den Armen. Ein Husten, dann ein Wimmern und das Anzeichen von Ruhe, dann plötzlich wieder lautes Gebrüll – Hunger kann es nicht sein, Tara hatte ihn erst gefüttert. Das Geschrei wird ohrenbetäubend, doch die Windel ist staubtrocken. Diego wickelt den Kleinen bis zur Nase in ein warmes Fell – ihm ist auch nicht kalt! Auch nicht das Kuscheltier oder das kleine Mobile das klimpert und mit Glöckchen Geräusche macht beruhigt den Schreihals.
Völlig außer Atem, wie nach einem Marathon sinkt Diego vor dem kleinen auf die Knie und gibt sich geschlagen. »Was willst du von mir?« fragt er den Jungen verzweifelt. Die gelbstichigen Augen starren in die klaren Blauen, aber er erhält keine verbale Antwort. Dennoch beobachtet er jede noch so kleine Reaktion, sollte Felian doch mit ihm kommunizieren. Dieser krümmt die winzigen Zehen, dann schoppt er den, von Sabber getränkten Daumen wieder in den Mund und nuckelt daran – nein vielmehr schabt er damit über das Zahnfleisch.
Von einem Einfall getroffen packt sich Diego das Bündel und eilt mit dem Jungen nach unten in die Wohnküche. Er wäscht sich eine Hand und schiebt dem Schreihals den Daumen in den Mund. Der nuckelt erst vorsichtig, dann bestimmter und saugt den Finger in Richtung Zahnfleisch. Und tatsächlich spürt Diego dort eine leichte Verhärtung unter dem sonst so weichen Fleisch. Da verbringen sie ihren ersten Männerabend zusammen und der Bursche hat nichts besseres zu tun als den nächsten Zahn frei zu legen. Etwas schief muss er grinsen, als Felian auf dem Daumen herumkaut, um das Kribbeln im Zahnfleisch zu dämpfen.
Heilfroh, den Grund gefunden zu haben, kocht er einhändig eine engborstige Bürste ab und klemmt sie dem kleinen in den Mund. Dabei ist ihm völlig egal, dass der Bürstenkopf eigentlich zu groß ist, ebenso wie die eigentliche Funktion der Bürste. Er ist einfach nur erleichtert Felian ruhig gestellt zu haben.
Erschöpft müht er sich wieder die Treppe hoch und legt sich zusammen mit dem kleinen, jetzt friedlichen Geschöpf in eines der Kinderbetten. Da es für seinen großen Körper viel zu kurz ist, lehnt er den Rücken an die Wand und wiegt Felian, selbstverständlich in eine Decke gewickelt, auf den nackten Armen. Die blauen Engelsaugen schließen sich langsam, erschöpft vom Schreien und der kleine Bursche entschwindet in die Traumwelt.
Diego folgt dem Beispiel und schert sich nicht über den Speichel, der an seiner Brust hinab läuft. Auch das gelegentliche Kratzen und Knarzen der Bürstenborsten, wenn Felian auf diesen herumkaut wirkt eher beruhigend als störend auf ihn.
Auge in Auge mit einem zahnenden Kind ist nicht zu vergleichen mit einem Dämonen. Denn in diesem Moment ist er wahrlich stolz auf sich, definitiv stolzer, als ihn eine lächerliche Trophäe stimmen kann.

Wann immer auch Helena und Tara von ihrem abendlichen Ausflug zurück kehren, finden sie die beiden Männer in dem winzigen Bett vor. Das rabenschwarze Haar des blasshäutigen Piraten hängt ihm ins dösende Gesicht, während der kleine Felian weiterhin die Bürste im Mund hat. Das Griffende lehnt dabei gegen die nackte Brust des Mannes, der den Jungen in schützender Geste im Arm hält. Die beiden wirken erschöpft und friedlich, von der vorherigen Hilflosigkeit keine Spur und doch ist es eher der Pirat, als das kleine, unschuldige Geschöpf, welcher an diesem Abend gebändigt wurde.

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Tara OConner

Beitrag von Tara OConner »

Mein kleiner Wirbelwind... murmelte Tara als sie ihrer Tochter dabei zusah wie sie den Picknickkorb fertig machte, sie dürfte nichts anpacken nur da sitzen und warten bis Helena alles eingepackt hat bevor die Reise los ging.
Und dann war es so weit die Pfannkuchen waren im Korb und Natürlich auch die Erdbeeren das wichtigste überhaupt, Tara musste lachen als sie Helena dabei zusah wie sie alles aufzählte und in den Korb blickte .

Die Beiden machten sich grade auf den weg zu Tür und da kam schon Bella mit dem Kleinen Felian wohl etwas früher als erwartet .
Ein Sanften Kuss wird Felian noch auf die Stirn verpasst und Bella soweit alles auf schnelle erklärt , wohl wirklich auf die schnelle da wurde sie schon von einer kleinen Hand gezogen..
Komm Mama er schläft ja doch schon...
Schmunzelnd wird sie ihr Folgen und die beiden sass dann auf dem schiff Richtung MenekUr.

Dort angekommen suchten sie sich ein schönes Plätzchen am Strand so das Helena auch ins Wasser gehen könnte aber vorher haben die sich sehr lange unterhalten dabei schon die Zeit vergessen, wahr ja auch kein Wunder den es war ein Richtig schöner Tag für die Beiden.
Tara hat es wohl gemerkt das Helena es richtig gut mal tat einfach mit Ihrer Mutter zu vereisen und über Gott und die Welt zu sprechen und auch Tara war mal froh alles hinter sich zu lassen , vor allem den Stress hat sie wohl genug gehabt was man ihr auch Körperlich anzusehen wahr . Sie hat schon kaum was zu sich genommen und da war ja noch ein Kleines Kind was ihre Nähe brauchte und sie ihn noch gestillt hat doch zum glück ist sie eine gute Schneiderin und könnte sich unter ihren Kleidern Gut verstecken hat sie zu mindestens so gedacht.
Es wurde schon Dunkel als sie wieder zurück nach Hause gingen und dort angekommen machte sie Helena schon Bett fertig und schliff auch schnell ein auf ihrer großen Neuen Burg.

Wehrend Tara wohl zu den beiden Männern blickte schmunzelnd, der Große hat schon tief und fest geschlafen wehrend der Kleine Mann an seiner komischen Bürste nuckelte und Mama freudig anschaute.
Sehr vorsichtig versuchte sie den Kleinen zu befreien um ihn wohl nochmal zu wickeln und zu Stillen , dabei schlief auch der kleine schon ein und sie legte ihn vorsichtig nach länger Zeit wieder zurück und deckte beiden gut zu...
Als auch sie Erschöpft ins bett fiel...
Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

Feuer, Blut, Verletzungen und Kämpfe bringen oft einmal die Sehnsucht nach Abwechslung hervor. Nachdem Diego am späten Abend einen Heiler ausgesucht hat leiten ihn seine Füße zu Tara's Haus. Vielleicht ist der eben getätigte Besuch daran schuld - denn es gibt kaum etwas, was er mehr fürchtet als einen Heiler – oder das Bedürfnis nach etwas Nähe. Natürlich ist es etwas egoistisch dieses kleine Wesen dazu zu benutzen, um ein paar Kuscheleinheiten zu bekommen, aber was soll er schon tun so fern von einer Alternative?
Da Tara viel zu tun hat und derzeit als alleinerziehende Mutter um jede Hilfe dankbar ist, vermutet Diego, dass er im Haus auf das Kindermädchen Bella treffen wird. Und tatsächlich, als er anklopft öffnet die ältere Dame ihm sogleich. Sie presst den Zeigefinger an die Lippen und wirkt ziemlich erschöpft, anscheinend ist Felian erst vor kurzem eingedöst.
»Ich würde gerne zu ihm.« flüstert Diego bemüht leise und knetet ein paar Münzen aneinander, die er in einer lockeren Faust gefangen hält. Bella hebt erstaunt die Augenbrauen an und beobachtet den Bestechungsversuch empört.
»Dafür braucht ihr mir ganz bestimmt kein Geld anbieten. Ich würde euch eher welches geben, damit ich eine Pause habe. Beeindruckend wie Tara das meistert.«
Er nickt beipflichtend und beobachtet zufrieden, wie das Kindermädchen sogleich ihre Habseeligkeiten zusammen packt. »Versteht mich nicht falsch, ich liebe den Kleinen, aber sie werden zu Bestien, wenn sie Zähne bekommen.« Mit einem aufmunternden Klopfen auf die Schulter des Piraten verabschiedet sich die alte Dame und lässt ihn alleine im Haus zurück.

Auf leisen Sohlen erklimmt er die Treppe und schiebt sich durch den leichten Vorhang in Felian's Kinderzimmer. Von Tara und ihrer kleinen Tochter Helena ist keine Spur aus zumachen. Kaum betritt Diego den Raum hat er aber sowieso nur noch Augen für das kleine Bündel im Gitterbettchen. Vorsichtig setzt er sich auf den niedrigen Hocker und beobachtet das winzige Geschöpf, das mit geschlossenen Lidern vor sich hin döst. Die Augen sind leicht zusammengedrückt, sodass die weiche Haut leicht aufgequollen aussieht.
Ihm ist bewusst, dass er nicht hier sein muss. Weder Tara noch Bella hat ihn darum gebeten, auch wenn das Kindermädchen wirklich dankbar für die Ablöse war. Seltsamerweise zieht ihn irgendwas an dem winzigen Kerl in seinen Bann. Aber vermutlich liegt es einfach nur daran, dass Felian Tara's Sohn ist. Egal wie schwer oder anstrengend es gerade für die Schneiderin ist, sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen und wirkt optimistisch gestimmt. Diego weiß, dass er mit Tara über Stunden hinweg reden kann, wobei die Zeit wie im Flug vorbei zieht. Sie versteht ihn auf eine ungewohnte Weise, deshalb wird sie sicher auch verstehen, warum er jetzt hier ist.
Dennoch würde er keine gute Vaterfigur abgeben, weswegen er hofft, dass Felian sich nicht zu sehr an ihn gewöhnt. Gut, Tara schien positiv überrascht, dass er mit dem Kleinen fertig geworden ist, aber er ist wahrhaftig kein brauchbares Vorbild. Egal in welcher Hinsicht. Deswegen konzentriert Diego sich darauf, dem Jungen das zu vermitteln, worauf er selbst verzichten musste. Er ist für ihn da, schenkt ihm Nähe und Wärme, wenn Tara zu sehr eingespannt ist und liest ihm Geschichten vor. Natürlich ist es fraglich, ob Felian davon schon etwas mitbekommt, aber solange er nicht schreit oder weint wird doch alles in bester Ordnung sein?

Diego strafft die Schultern, als das kleine Gesicht blinzelt und die strahlend blauen Augen verschlafen zum Leben erwachen. Felian öffnet den Mund und quengelt. Als er aus dem Bettchen gehoben wird und Diego sich mit ihm auf den Hocker sinken lässt, quiekt das Bündel jedoch vergnügt. Die kurzen, weichen Finger recken sich in Diego's Richtung und er muss grinsen.
»Na, du Schlafmütze?« Mit dem Daumen inspiziert er vorsichtig das Zahnfleisch, das unter dem geöffneten Mäulchen hervorblitzt und sucht nach Zahnansätzen. »Hoffentlich beisst du deine Mama nicht.« murmelt Diego, als er den quälenden Zahn vom letzten Mal erfühlt. Er erinnert sich an die Bürste in Felian's Mund und fragt sich, ob diese heute wieder fällig sein wird. Das stetige Kitzeln und Jucken muss aber auch störend sein.
Da Felian nur durch Zufall wach geworden ist und die Windel noch trocken ist, zückt Diego ein abgegriffenes Notizbuch. Er liest dem Winzling den Titel des Märchens vor, der ihn aber nur mit verschlafenen Augen ansieht. »Das ist ein Märchen, das ich geschrieben hab. Es heißt Prinzessin Tara und der Drache. Du wirst es mögen.«
Als er mit angenehm samtiger Stimme zu lesen beginnt scheint die Aufmerksamkeit des Jungen auf ihm zu liegen. Immer wenn die gelbstichigen Augen in die hellblauen sehen, wirkt Felian aufmerksam und interessiert. Vielleicht ist dieser aber auch nur zufrieden, weil er weder Hunger hat, noch die Windel voll ist und schert sich nicht sonderlich darum, was um ihn passiert. Aber die Wahrscheinlichkeit ist selbstverständlich sehr geringt, ganz abgesehen von der ernüchternden Wirkung dieses Gedanken.
Diego liest bis sein Nacken steif ist und Felian an einer geflochtenen Haarsträhne zupft. Da das ausergewöhnliche Märchen aber noch nicht zuende ist, legt er sich mit Felian auf das weiche Fell am Boden und bedeckt sie beide mit einer kuschligen Decke. Felian döst bereits sanft ein, die Augenlider fallen immer wieder zu und öffnen sich mühevoll wieder einen Spalt. Die Müdigkeit des Kleinen zieht Diego mit sich und er legt schließlich das Buch aus der Hand.
Er akzeptiert mit Wohlwollen das Gewicht des kleinen Körpers und schließt bereitwillig die Augen. Der letzte Gedanke, den er hegt ist, dass er diesmal wenigstens nicht angepinkelt oder vollgekotzt wurde. Aber vermutlich würde das noch früh genug passieren. Zumindest beim letzten Mal war es so. Tara hatte es förmlich darauf angelegt, als sie Felian gestillt hatte, nur um ihn wieder zu Diego ins Bett zu legen. Er hatte die kurze, sadistische Entführung erst bemerkt, als Felian sich morgens freudig über ihm entleert hat.
Aber in diesem Moment muss er sich an nichts von alledem stören, nicht einmal an der Tatsache, dass Felian eigentlich auf der frisch genähten Wunde liegt. Der Umstand lässt Diego an den Wyrm denken und damit an den Drachen aus dem Märchen. Wo nur Prinzessin Tara unterwegs ist? Vielleicht ist sie auch in einem Turm eingesperrt.

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Diego Cuervo

Beitrag von Diego Cuervo »

Das Knistern des Feuers hüllt den Raum in eine gemütliche und wohlbehütete Atmosphäre. Obwohl die Tage bereits wärmer geworden sind, prasselt zur Nacht hin noch ein wärmendes Feuer im Kamin des Kinderzimmers. Es sorgt dafür, dass das kleine Bündel, wenn auch in warme Decken und Felle eingewickelt, nicht frieren muss. Diego liegt mit dem winzigen Quälgeist auf einer Decke am Boden des Raumes. Immer wieder löst das Feuer mühsam Funken aus dem übrig gebliebenen Holzscheit und lässt ein charakteristisches Knacken hören.

Nach dem spätabendlichen Unterricht in der Garde hatte es den Piraten in Uniform wie so oft hier her gezogen. Da im Haus noch Licht brannte, von Tara's Pferd aber keine Spur auszumachen war, vermutete Diego, dass ihr Kindermädchen Bella noch am Werk ist. Erst als die letzten Kerzen erloschen und das Türschloss knarzte, löste sich der Uniformierte aus dem Schatten und tritt auf Bella zu. Leicht erschrocken blickt sie zu ihm, lächelt aber sachte, als sie ihn erkkennt. Wortlos lässt sie ihn ins Haus, verschließt aber die Türe von draußen, wie Tara es wohl gewünscht hatte.

Er schält sich aus dem Waffenrock, sowie der Rüstung und legt die Waffen nieder. Diego stibizt den dösenden Jungen aus dem Gitterbett und legt sich mit ihm auf den Boden. Nur in ein Lederbeinkleid gehüllt schmiegt er das warme Bündel dicht an die blanke Brust. Alles an Felian beruhigt ihn. Sein zarter Geruch, das sanfte Atmen und das mühsame Blinzeln der müden Augen. Ein wohliger Laut entweicht dem kleinen Mund und Felian schmiegt sich dicht und vertrauensvoll an den nächtlichen Besucher. Diego legt seine große Hand an den weichen Hinterkopf. Bereits nach wenigen Augenblicken fällt der Stress des Tages und der raue Umgangston der Wache von ihm ab. Die Anwesenheit des warmen Bündels vermag ihn zu beruhigen und entspannen wie eine ausgelassene Massage. Er verfolgt die regelmäßigen Atemzüge von Felian und passt sich diesen wie von selbst an. Kurze Zeit später döst er bereits ein und wird von einem Traum empfangen.

Ihn starrt ein unbarmherziges Augenpaar entgegen. Diego erkennt dieses sofort. Nicht, weil die Augen denen von Felian zum verwechseln ähnlich sehen, sondern weil ihn der Traum fast jede Nacht heimsucht. Marus Drugar steht vor ihm, so täuschend echt, als wäre ihr letztes Treffen gestern gewesen. In Wirklichkeit ist aber weit mehr als ein halber Jahreslauf vergangen, seitdem er für den einstigen Adlatus gearbeitet hat. Diego hatte damals bei den Ketzern spioniert, um zu beweisen, wem seine Loyalität gilt.
Der blonde, kräftige Mann steht in Uniform vor Diego und lässt ihn nicht eine Sekunde aus den Augen. Nur wenige Herzschläge vergehen, dann muss er so wie jede Nacht einen aussichtlosen Kampf fechten. Marus ist ihm nicht nur in Erfahrung und Kampftechnik überlegen, im Gegensatz zu Diego ist er darüber hinaus gerüstet und bis auf die Zähne bewaffnet. Ganz abgesehen davon unverletzt. Ein Handgemenge bricht aus, untermalt von wütendem Schnauben und mühsamem Keuchen.
Es ist völlig egal, ob Diego jede Nacht die selben Sätze zu hören scheint oder die Situation immer auf gleiche Weise verläuft, er kämpft, als würde sein Leben davon abhängen. Und doch spürt er alsbald die kalte Steinmauer am unbedeckten Rücken und das schmerzhafte Ziehen in der Wunde an seiner Flanke. Das Abbild von Marus presst den gepanzerten Unterarm gegen Diego's Kehle und lässt ihn zappelnd auf Zehenspitzen gehen. Sein atlethischer Körper wird dadurch gestreckt und der Verband spannt sichtlich.
»Was hattest du gedacht würde passieren? Ich lasse nicht zu, dass du sie ansiehst, berührst und begehrst.«
Während Diego atemlos und ohne Erfolg an dem unnachgiebigen Arm zerrt, schnappt die freie Hand seines Angreifers vor und reisst die Bandage entzwei. Vor Atemnot bilden sich bereits schwarze Flecken in Diego's Sichtfeld und Marus' gutaussehendes Gesicht verwandelt sich in eine teuflische Fratze. Die einst schlanken Finger werden zu Krallen und treiben sich unbarmherzig in die Wunde, um die haltenden Fäden herauszurupfen. Ihm wird übel vor Schmerz, jedoch bleibt ihm nicht anderes übrig als trocken zu Würgen, als sich penetrantes Rauschen auf seine Ohren legt. Der Raum um ihn herum verschwimmt, auch wenn der bittere Nachgeschmack der Worte bleibt.


Als Diego die Luft ausgeht ist es Felian's Brüllen, das ihn aus dem Alptraum reisst. Er fährt heftig hoch und drückt sich das Kind dicht an die Brust. Der Kleine schreit noch lauter auf und Diego bemerkt erst jetzt, wie verzweifelt er Felian wohl fest gehalten hat. Aufgewühlt und mit bebenden Fingern umarmt er den ängstlichen Jungen, der sich jedoch ebenso wenig wie Diego selbst beruhigen kann. Er bemüht sich um die gewohnt tiefe, beruhigende Tonlage und wiegt Felian, während er ihm Entschuldigungen zusäuselt.
Die winzigen Finger greifen in die Luft und ziehen schließlich an ein paar rabenschwarzen Haarsträhnen, was den Quälgeist aber auf wundersame Weise zu beruhigen scheint. Felian blinzelt und quiekt vergnügt, ein Sinneswechsel, der Diego noch eines Tages in den Wahnsinn treibt. Als der Pirat dem frechen Zug etwas nachgibt spürt er eine Welle von Schmerz durch seine Seite zucken. Seine Wunde schmerzt und er muss nicht hinab blicken, um zu wissen, dass der Verband blutige Flecken aufweist.
Sobald sich sein Herzschlag einigermaßen normalisiert hat und Felian munter auf einer geflochtenen Haarsträhne herum lutscht, drückt sich Diego mühsam auf. Etwas einseitig stapft er die Treppen hinab und tritt an die Küchenzeile. Insgeheim ist er erleichtert, dass Tara nicht zuhause ist oder einen derart festen Schlaf hat. Er wollte ungern für das Gebrüll verantwortlich sein, das vermutlich noch die Nachbarn aus ihrem leichten Schlaf gerissen hat.
Da Felian ihn mit großen Augen anschaut, merkt Diego, dass er untätig aus dem Fenster gestarrt hat, wo sich die Morgendämmerung ankündigt. Mit dem bereitgestellten Utensil aus Weizenflöckchen, etwas Milch und Honig mischt er einen Brei an. Immer noch etwas unsicher auf den Füßen hockt er sich mit dem besänftigten Schreihals hin und nimmt ihn auf den Schos, um ihn zu füttern. Leider können ihn nicht einmal die sehnsüchtigen Augen von seinen Gedanken ab bringen, sobald der Löffel naht. Es interessiert Diego wenig, das Felian sabbert und die Hälfte des Essens wieder ausspuckt und an ihm hinab läuft. Er kommt nicht von dem unwohlen Gefühl los, dass Tara's Ehemann jeden Augenblick durch die Türe treten könnte.

Im Grunde kann er sich seinen Leichtgläubigkeit kaum selbst erklären. Natürlich kennt er Tara schon lange und es hat sich eine ehrliche Freundschaft entwickelt, aber seine Sehnsucht nach mehr kann auf kurz oder lang kein gutes Ende nehmen. Sie kann mit ihm über alles reden, genauso wie umgekehrt. Nie war ein Thema zu persönlich oder zu problematisch und sie hat ihn auch nie zurück gedrängt. Vielleicht hat er dennoch alles falsch interpetiert? Ihre offene Art ist fern von jeder Zurückweisung. Doch sie wird immer einem anderen gehören, ihn nie mit dem Blick ansehen, wie sie es vor der Hochzeit beim Gedanken an Marus getan hat.
Eigentlich will er nur, dass es ihr wieder besser geht nach dem Tod ihres Schwagers und der Einsamkeit weit ab vom Rest der Familie. Sie ringt mit der Entscheidung, ob es nicht besser wäre zurück nach Hegadun zu gehen, in den Schos der Familie. Er glaubt einerseits fest daran, dass ihre Emotionen, die sie ihm zeigt echt sind. Dennoch reisst er sie nur in einen Abgrund von Verachtung und Geschwätz der Anderen, sollte er sich mit ihr auf der Straße zeigen. Wie würde das ohnehin aussehen, da sie immerhin eine Drugar ist?
Felian's glockenhelles Lachen führt dazu, dass sich ein optimistischer Gedanke hervor wagt. Diego muss an das Buch denken, das ihm die Catula ausgehändigt hat. Es leitet ihn zu selbstbestimmten Handeln an, um seinen Platz einzunehmen. Wie gerne würde er glauben, dass er an diesen Platz und an diese Situation geleitet wurde, sodass sein Wille und Glaube geprüft wird. So wäre es die Angst, die Bedrängnis, die ihm die Augen öffnen soll. Aus Angst entsteht Wut, aus Bedrängnis Hass und aus Not Eifersucht, starke Gefühle, die einen Menschen angeblich zu höchster Schaffenskraft treiben.
Er erinnert sich an die nieder geschriebenen Worte, die es geschafft hatten sich so fest in seinem Kopf zu verankern. Ein jeder, der in sein Innerstes schaut und den Gefühlen folgt, die sich tief in ihm vergraben haben, eingesperrt durch Verbote und angeblich Unabänderbares, wird erkennen, dass der Wunsch zu erwachen in ihm schlummert. Er will geweckt werden und den Schritt wagen, auch wenn dieser einem gefährlichen Wagnis gleicht. Wie gerne würde er sich von den weisen Worten der Catula leiten lassen.

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