"Alles was blutet..."
Eine klaren Aufgabenstellung, die sich weit ausfächern ließ. Ein Auftrag mit recht viel Umfang, den es schon vor Beginn halbwegs zu sortieren galt.
Mit recht viel Geduld hatte die blonde Frau kleine Drahtfallen mit Speck und anderen Speiseresten an verschiedenen Ecken der Kanalisationsausgänge und am Hafen verteilt. Einfache, bewährte Konstruktionen, die auch nicht immer mit vollkommenem Erfolg gesegnet waren. Die Ratten waren gierig und mit einem herumliegenden leicht zu erschlagen gewesen. Ein schlichtes Knacken des Schädelknochens. Um die Phiole mit dem noch warmen Lebenssaft aufzufüllen, hatte sie die zwei gesündesten Ratten mit einem Schnitt ihres Jagdmessers ausbluten lassen. Wie sich herausstellte, waren Ratten größer und gieriger als ihre kleineren Artgenossen, sodass die nächsten Fallen nahe den Weizenfeldern der umliegenden Bauernhöfe ausgestellt wurden. Mäuse. Fann fluchte einige Male, bis es ihr gelungen war nach fünf Tagen die erste Maus in die Falle bekommen zu haben. Sie waren klein und ihre Körper ganz weich und windig. Und auch hier bedurfte es kaum einem Aufwand dem Tier das Genick mit gezieltem Druck kurzerhand zu brechen. Ihre Jagd hatte also mit den kleinen Wesen begonnen. Nagetiere. Eichhörnchen, Marder, Hasen, Kaninchen. Sie wurden ausgeräuchert, in Fallen gelockt, mit einem gezielten Schuss erlegt. Einige Tierbauten waren bereits bekannt, bei anderen hoffte sie auf den Zufall oder verfolgte gezielt Spuren von Kot, Fell- oder Speiseresten. Die Tiere starben nun vorwiegend für den einen Zweck, eingefügt zu werden in einer Sammlung von rot gefüllten Phiolen. Zumindest den Schwanz des Eichhörnchens und Marders hatte sie noch halbwegs gewinnbringend an einen Pinselmacher verscherbeln können, aber viel Gewinn machte sie aus diesem Zeit schöpfenden Akt nicht. Darum mochte es auch nicht gehen, als mehr um die Herausforderung selbst: zu suchen, zu finden, zu erlegen.
Alles was blutet
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Fann Thalwa
Ihre Auftraggeberin hatte wohl nicht unrecht damit getan, für eine gewisse Auswahl der zu erlegenden Beute einen Jäger zu beauftragen. Ein Schwert vermochte vieles einfacher zu erlegen, als ein Bogen, das ganz gewiss. In den tiefen Höhlen und Labyrinthen unter der Erde und den Bergen würde Fann allein nicht bis zum Ende kommen und müsste sich einer Gruppe anschließen. Doch der Wald, da konnte sie sich mit ihren Erfahrungswerten entfalten. Jene bewährten, plattentragenden Nahkämpfer, die in die Dunkelheit voranschritten und den Pulk aus Schützen und Liedwebern hinter sich herzogen, waren kaum dafür geschaffen, sich den Wildtieren zu widmen.
Als Fann noch weit vor dem Morgengrauen freiwillig die Decken zur Seite schlug, wurde sie mit einem Gesichtsausdruck begrüßt, der von einer erhobenen Braue geprägt war. Er schaute sie öfter so an um schließlich zu schmunzeln und einen Spruch zu bringen, der jede Katerlaune noch reizender gestaltete. Diesen Morgen war es nicht anders, aber sie war zu mürrisch irgendwas zu kommentieren. Es war nicht so, dass sie selten früh aufstand, aber für ihr heutiges Vorhaben war es notwendig, unerheblich wie lange der Abend in der Taverne gedauert hatte. Waschen ohne stark riechende Seife, ein schon längst eingetragenes und weich gewordenes Leder am Körper und ein Rucksack mit Wasser und Brot vom Vortrag. Ihr Umhang aus Wolle hatte schon längst den Duft von Nadelholz, Laub und trockener Erde angenommen. Den verschmutzten Saum würde sie eher abschneiden müssen, als dass er je wieder zu reinigen wäre. Aber sie machte sich auch nicht für die Rahaler Gesellschaft zurecht. Mit ihrem Jagdbogen, einigen Messern und einem Hüftköcher an der Seite führte der Weg der Jägerin sie aus den dunklen Mauern der Stadt heraus in die Wälder Bitterforsts. Von den Bauernhöfen ging der vertraute Geruch von Ställen und Tiermist aus. Der erste Rauch aus den Schornsteinen stieg in den Himmel, der sich am Horizont rosa verfärbte. Langsam erwachte das Leben in vertrauten Bahnen. Ein Alltag war schon immer etwas Trügerisches, aber auch Tiere gaben sich gewissen Zeiten hin, deren Gesetzen sie folgten.
In der Dämmerung, wenn die Sonne im roten Licht durch die Wälder schien, begann das Wandern des Rotwildes, insbesondere auf den angrenzenden Lichtungen und ab und an auf den Trampelwegen nördlich Düstersees. Hier müsste Fann lediglich warten.
Der Gang zu den Bächen und Wassertümpeln versprach die aktivere Variante. Dort war der Boden feucht und Spuren drückten sich ablesbar in die Erde. Niedergetrampelte Gräser, Spuren von Geweihen, die an Baumrinden gerieben wurden, Kot auf dem Boden. Die Tiere auszumachen war der erste Schritt, ihrem Weg zu folgen und sie schließlich zu sichten. ‚Scheu wie ein Reh‘ fand seine Bewahrheitung auch außerhalb der Floskeln. Rehe waren Fluchttiere und auch ein Jagdbogen musste nah genug für eine freie Sicht an die Tiere herangeführt werden. Jeder Schritt wurde nun leise und mit Bedacht gesetzt, die sich zwischen den lichten Bäumen befindenden Rehe umkreisend. Fann hatte vor in den Gegenwird zu kommen, damit ihr Geruch nicht zur Beute herangetragen wurde. Erst als sie sich in guter Position fühlte ging sie aus der Hocke heraus, den Pfeil bereits angelegt.
Tief und ruhig atmete sie durch, spannte die Sehne vor und richtete sich gänzlich auf. Ein Auge schließen, spannen – die Hand bis an die Wange geführt. Leise trug sie die Worte auf den Lippen, das Reh solle nun bloß still stehen bleiben und binnen weniger Sekunden war der Pfeil losgelassen und durchdrang Fell, Fleisch und Muskeln. Aufgeregt verstreute sich die kleine Gruppe und rannte zurück in die dichteren Wälder. Alle, bis auf ein Tier. Dieses verlor sein warm dampfendes Blut, seine Haut, sein Fleisch, sein Leben.
Als Fann noch weit vor dem Morgengrauen freiwillig die Decken zur Seite schlug, wurde sie mit einem Gesichtsausdruck begrüßt, der von einer erhobenen Braue geprägt war. Er schaute sie öfter so an um schließlich zu schmunzeln und einen Spruch zu bringen, der jede Katerlaune noch reizender gestaltete. Diesen Morgen war es nicht anders, aber sie war zu mürrisch irgendwas zu kommentieren. Es war nicht so, dass sie selten früh aufstand, aber für ihr heutiges Vorhaben war es notwendig, unerheblich wie lange der Abend in der Taverne gedauert hatte. Waschen ohne stark riechende Seife, ein schon längst eingetragenes und weich gewordenes Leder am Körper und ein Rucksack mit Wasser und Brot vom Vortrag. Ihr Umhang aus Wolle hatte schon längst den Duft von Nadelholz, Laub und trockener Erde angenommen. Den verschmutzten Saum würde sie eher abschneiden müssen, als dass er je wieder zu reinigen wäre. Aber sie machte sich auch nicht für die Rahaler Gesellschaft zurecht. Mit ihrem Jagdbogen, einigen Messern und einem Hüftköcher an der Seite führte der Weg der Jägerin sie aus den dunklen Mauern der Stadt heraus in die Wälder Bitterforsts. Von den Bauernhöfen ging der vertraute Geruch von Ställen und Tiermist aus. Der erste Rauch aus den Schornsteinen stieg in den Himmel, der sich am Horizont rosa verfärbte. Langsam erwachte das Leben in vertrauten Bahnen. Ein Alltag war schon immer etwas Trügerisches, aber auch Tiere gaben sich gewissen Zeiten hin, deren Gesetzen sie folgten.
In der Dämmerung, wenn die Sonne im roten Licht durch die Wälder schien, begann das Wandern des Rotwildes, insbesondere auf den angrenzenden Lichtungen und ab und an auf den Trampelwegen nördlich Düstersees. Hier müsste Fann lediglich warten.
Der Gang zu den Bächen und Wassertümpeln versprach die aktivere Variante. Dort war der Boden feucht und Spuren drückten sich ablesbar in die Erde. Niedergetrampelte Gräser, Spuren von Geweihen, die an Baumrinden gerieben wurden, Kot auf dem Boden. Die Tiere auszumachen war der erste Schritt, ihrem Weg zu folgen und sie schließlich zu sichten. ‚Scheu wie ein Reh‘ fand seine Bewahrheitung auch außerhalb der Floskeln. Rehe waren Fluchttiere und auch ein Jagdbogen musste nah genug für eine freie Sicht an die Tiere herangeführt werden. Jeder Schritt wurde nun leise und mit Bedacht gesetzt, die sich zwischen den lichten Bäumen befindenden Rehe umkreisend. Fann hatte vor in den Gegenwird zu kommen, damit ihr Geruch nicht zur Beute herangetragen wurde. Erst als sie sich in guter Position fühlte ging sie aus der Hocke heraus, den Pfeil bereits angelegt.
Tief und ruhig atmete sie durch, spannte die Sehne vor und richtete sich gänzlich auf. Ein Auge schließen, spannen – die Hand bis an die Wange geführt. Leise trug sie die Worte auf den Lippen, das Reh solle nun bloß still stehen bleiben und binnen weniger Sekunden war der Pfeil losgelassen und durchdrang Fell, Fleisch und Muskeln. Aufgeregt verstreute sich die kleine Gruppe und rannte zurück in die dichteren Wälder. Alle, bis auf ein Tier. Dieses verlor sein warm dampfendes Blut, seine Haut, sein Fleisch, sein Leben.
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Gast
Bitterfrost, Hort des Wissens.
Die Nacht war recht klar, die wenigen Wolken wanderten träge dahin. Die Sterne funkelten vergnügt vor sich hin. Der Hort des Wissens lag friedlich da, der umgebende Wald war still.
Unterhalb des Hauses in den steinernen Gewölben brannten noch die Kerzen. Im Labor werkelte die Bewohnerin des Hauses trotz der späten Stunde noch. Die Blutproben wurden sortiert, Fanns Notizen dazu bestimmten, wohin jede einzelne Phiole in den Holzständern wanderte.
Kysira musste feststellen das ihre Idee, die Jägerin einzubinden, gut gewesen war. Die Vielzahl verschiedener Tiere hatte sie nicht erwartet, aber Fann nahm die Aufgabenstellung entsprechend genau.
Die ersten Testreihen mit den Blutproben waren erfolgreich verlaufen, wenn sie auch absichtlich mit Mäusen und Ratten begonnen hatte. Der Blick fiel kurz auf die wertvolleren, selteneren Blutproben.
Ein Durchatmen war notwendig für die Magierin....
Alles zu seiner Zeit.
Die Nacht war recht klar, die wenigen Wolken wanderten träge dahin. Die Sterne funkelten vergnügt vor sich hin. Der Hort des Wissens lag friedlich da, der umgebende Wald war still.
Unterhalb des Hauses in den steinernen Gewölben brannten noch die Kerzen. Im Labor werkelte die Bewohnerin des Hauses trotz der späten Stunde noch. Die Blutproben wurden sortiert, Fanns Notizen dazu bestimmten, wohin jede einzelne Phiole in den Holzständern wanderte.
Kysira musste feststellen das ihre Idee, die Jägerin einzubinden, gut gewesen war. Die Vielzahl verschiedener Tiere hatte sie nicht erwartet, aber Fann nahm die Aufgabenstellung entsprechend genau.
Die ersten Testreihen mit den Blutproben waren erfolgreich verlaufen, wenn sie auch absichtlich mit Mäusen und Ratten begonnen hatte. Der Blick fiel kurz auf die wertvolleren, selteneren Blutproben.
Ein Durchatmen war notwendig für die Magierin....
Alles zu seiner Zeit.