Hundert für dreißig Beutel
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Gast
Hundert für dreißig Beutel
Sie konnte einfach nicht verhindern, dass ihr Herz wild zu klopfen anfing, wenn er das kleine Haus betrat, das sich windschief gegen die Stadtmauer von Rahal lehnte und dessen Fenster sie vernagelt hatte, um die zarten Pflanzen in ihrem kleinen Laden vor der allmorgendlichen Brise zu schützen. Das Haus mit dem ewig feuchten Gemäuer und dem Verputz, der jederzeit zu Boden bröckelte, wenn nur einer die Tür zu heftig ins Schloss warf. Sie gab sich keinen Illusionen hin: Es würde wohl bald einstürzen, wenn sie nicht anfing es zu renovieren. Aber das war es gar nicht was sie in jüngster Zeit beschäftigte. Dreißig Beutel sollte sie nähen und dann beim Schneider färben lassen. Er hatte das Haus kaum verlassen, schon saß sie auf ihrem Hocker zwischen den Blumen und fädelte den festen Garn durch das Leder und hörte nicht mehr auf bis die Arbeit getan und die Fingerkuppe wund war. Es war ein höchst seltsames und eigentümliches Gefühl, das sie bei der Arbeit vorantrieb und das sie bei der Beurteilung ihrer Nähte noch pedantischer vorgehen ließ. Nachdem sie das Leder für hundert Beutel zu dreißig gelungen Exemplaren verarbeitet hatte, die Blumen gegossen und die Haustüre versperrt war, fühlte sie eine gewisse Ungeduld in sich aufkeimen, die den nächsten Abend schon herbeisehnte. Sie würde ihren Laden schon früh aufsperren ...