Des Kunstherzogs Leben
Verfasst: Samstag 22. Februar 2014, 22:06
Die Nacht war schon ziemlich weit fortgeschritten als Qanuc da hockte, neben dem Bett, in dem nicht gerade von Platz gesegneten kleinen Zimmer. Er beobachtete Feyanie, wie friedlich sie da lag. Wie ein blonder Engel der auf seiner Wolke liegt, einzig mal ein kurzes Zucken oder ein unverständliches Murmeln welches über ihre Lippen huschte. Das schweißgebadete Gesicht zeugte von Fieber, welches wohl durch die entzündete Wunde am ihrem Arm auftrat. Mit einem kalten Lappen tupfte er ihr immer wieder über die Stirn, hob den Kopf behutsam an, um hin und wieder einen Schluck Wasser in den vertrockneten Mund zu führen. Kein Streit... Keine Fetzen die fliegen, keine Nasen die zu Bruch gingen. Einfach nur Stille. Die zwei Piraten, Nel und Sim, waren fort, wenigstens für diesen Abend. Er hoffte insgeheim das nun endlich Ruhe einkehren würde, zumindest was dieses Kapitel betrifft. Die Hände zwar immer noch leicht zittrig, doch der Adrenalinspiegel war deutlich gesunken. Natürlich hatte er Angst. Angst vor dem was passieren würde wenn er denn wirklich mal auf Sim treffen würde, er kannte sich selbst viel zu gut und wusste das er sein Wort nicht halten konnte. Dieser verdammte, falsche Stolz. Das Ergebnis lies nicht lange auf sich warten, da lag sie nun. Und warum? Weil er im Endeffekt nur an sich dachte, wie so oft. Aber war es ihm wirklich zu verübeln? Ein Mann, der nie etwas anderes gelernt hatte, als sich selbst zu lieben. Der durch die Schatten Gerimors wandelte, am Tage ein falsches Bild abgab und so gut wie niemanden an sich ran lies.
"Du bist'n Idiot eh, und n Egoist!"
Worte aus dem Mund einer Frau, welcher er zum ersten mal sein Herz schenkte. Das hatte mehr als gesessen! Nicht mal in die Augen konnte er ihr schauen, er fühlte sich einfach nur ertappt. Das schützende Gebilde welches er in Jahren um sein Ego mauerte, es bröckelte. War er wirklich in der Lage jemanden zu lieben? War es wirklich Liebe was er für sie fühlte? Nach so kurzer Zeit? Oder war es einfach nur der Tatsache geschuldet, das Fey ein noch viel größeres Wrack als er selbst war? Es waren seltsame Gefühle die in ihm brodelten, für ihn schwer zu definieren, von anderen schlicht und einfach... Liebe genannt.
"Klammer dich nie an etwas fest, das du nicht innerhalb von einer Stunde problemlos wieder vergessen kannst, wenn du merkst, das die Kacke am dampfen ist!"
Immer wieder in den letzten Tagen musste er an Ferghus seine Worte denken. Er hatte sie so lange beherzigt. Ja, es war schon ein fast eine Ewigkeit her, doch so langsam schien ihm die Kontrolle aus den Händen zu gleiten, wie ein Haufen Sand der unaufhaltbar durch die Finger fließt. Viele der Menschen um ihn herum verstanden nicht warum sich Qanuc so zu dieser Frau hingezogen fühlte, eine Wegelagerin, eine Frau die Kraut auf den Straßen Bajards, für das Piratenpack aus Cabeza verkaufte. Eine Frau ohne Skrupel, Manieren oder moralische Bedenken. Eine Frau die ein Leben führte, wie er es selbst einmal tat.
"Eh Kerl, brauchste Kraut?"
Die erste Begegnung, nahe dem Tor zu Bajard sollte alles in Qanuc's Leben verändern. Eine schäbig gekleidete Frau mit blondem Haar stand ihm gegenüber, Feyanie. Das einzige was wohl ihre Pflege genoß waren ihre Haare und die Klinge welche an der Seite aufblitzte. Eher aus Mitleid statt Bedarf nahm er ihr einige der abgepackten Beutelchen ab um nach einem letzten Schulterblick weiter seiner Wege zu gehen. Diese Augen. Es war nur ein kurzer Blick welcher ihn traf, beschäftigen sollte er ihn jedoch den ganzen Tag. Man sagt die Augen seien das Tor zur Seele. In diesem Fall zu einer dunklen, zu einer ihm all zu bekannten gequälten Seele.
Im Grunde genommen kannte ihn niemand wirklich, den Mann mit den tausend Gesichtern. Er wusste sein Alter Ego, seine Probleme seit je her zu verbergen und sie mit unzähligen Lächeln zu kaschieren. Er verstand es, dabei so auszusehen als wäre alles in bester Ordnung. Die Menschen schauten ohnehin nur auf die Oberfläche und machten es ihm leicht, sie mit seiner aufgesetzten Freundlichkeit zu täuschen. Seit seiner Flucht aus Adoran waren nun sicher schon zwei Jahre vergangen, er konnte es nicht genau sagen, das Zeitgefühl hatte ihn seit längeren verlassen. Damals, als das Regiment hinter ihm her war, fand er in Bajard seinen Unterschlupf. Enno stellte nicht viele Fragen, um genau zu sein, gar keine. Unter dem Deckmantel der Förderer versteckte sich Qanuc fortan und baute sich ein neues Leben auf. Es waren sehr seltsame Menschen, aber sie waren gut zu ihm und ihnen war seine Vergangenheit schlichtweg egal. Eine Zeit lang hatte er Ruhe vor den Speichelleckern vom Regiment, er war entkommen.
Diese Ruhe sollte jedoch nicht lange anhalten. Aus zuverlässigen Informantenkreisen die er übers ganze Land hinweg pflegte, kam ihm zu Ohren dass das Regiment nun doch Verdacht schöpfe und Bajard unter Beobachtung stellte. Es blieb ihm nichts anderes übrig als abzutauchen. Er wollte Enno und die anderen nicht mit reinziehen in seinen Sog des Verderbens, sie konnten nichts dafür und sollten nicht ausbaden was er damals verzapft hatte. Ohne auch nur irgendeine Nachricht zu hinterlassen verschwand er wärend einer Nacht und Nebel aktion und schien für einige Mondläufe wie vom Erdboden verschluckt.
Jetzt nach etwa 3 Mondläufen, saß der selbsternannte Kunstherzog wieder in Bajard. Den Kopf in die Hände gelegt. Von Enno keine Spur. Was Qanuc mit Enno teilte, teilte Rasmus nun mit ihm. Er mochte diesen jungen Mann vom ersten Tag an dem er ihn traf. Dieser Kerl hatte wahrlich kein leichtes Schicksal und trotzdem hatte er für jeden ein offenes Ohr, besonders für ihn.
"Ich bin ein Dummkopf Rasmus. Für meinen verdammten Stolz wäre sie fast drauf gegangen. Ich habe nichts gelernt. In all den Jahren, nichts...!"
Das weitere Gespräch mit Rasmus war eine regelrechte Befreiung. Er nahm Qanuc freundschaftlich in den Arm um ihm Trost zu spenden, einfach um für ihn da zu sein. Rasmus verstand es die richtigen Worte zur rechten Zeit auszusprechen, eine Fähigkeit die Qanuc leider fehlte. Wann hatte er schon tiefgehende Gespräche geführt? Das letzte dieser Art endete mit einer gebrochenen Nase. Immer wenn er mit Fey sprach kam er sich vor wie diese Klugscheißer die er sein leben lang verachtete, die Redenschwinger. Es lag ihm nichts weiter fern als Fey ändern zu wollen, ihr irgendwas vorzuschreiben. Doch unbewusst tat er eben jenes mit jedem seiner Worte, mit jedem enttäuschten Seufzer der ihm entfuhr. All das aus einem einfachen Grund. Er wollte sie nicht verlieren, wie er einst Ferghus verloren hatte, seinen besten Freund, seinen Mentor.
'An deiner Seite'
Stand auf dem Bauch des Teddy's eingestickt den sie auf Cabeza für Rasmus besorgt hatten. Wieder einmal war Qanuc verblüfft als sie auf die Idee kam bei Herrn Scharre "das Ding" zu kaufen um es Rasmus zu schenken. Ein weiterer Hinweis dafür, das sie doch ein Herz hatte. Gefühle in sich trug, wie jeder andere auch. Auch wenn diese im verborgenen schlummerten.
"Sie soll ihn mir wiedergeben wenn sie wieder gesund ist."
Völlig entkräftet legte er den Teddy in ihren Arm, auf das Risiko hin sich am nächsten Morgen dafür eine zu fangen. Er nahm sich ihre Hand und schlief, halb im Bett hängend, halb auf dem Boden ein.
"Du bist'n Idiot eh, und n Egoist!"
Worte aus dem Mund einer Frau, welcher er zum ersten mal sein Herz schenkte. Das hatte mehr als gesessen! Nicht mal in die Augen konnte er ihr schauen, er fühlte sich einfach nur ertappt. Das schützende Gebilde welches er in Jahren um sein Ego mauerte, es bröckelte. War er wirklich in der Lage jemanden zu lieben? War es wirklich Liebe was er für sie fühlte? Nach so kurzer Zeit? Oder war es einfach nur der Tatsache geschuldet, das Fey ein noch viel größeres Wrack als er selbst war? Es waren seltsame Gefühle die in ihm brodelten, für ihn schwer zu definieren, von anderen schlicht und einfach... Liebe genannt.
"Klammer dich nie an etwas fest, das du nicht innerhalb von einer Stunde problemlos wieder vergessen kannst, wenn du merkst, das die Kacke am dampfen ist!"
Immer wieder in den letzten Tagen musste er an Ferghus seine Worte denken. Er hatte sie so lange beherzigt. Ja, es war schon ein fast eine Ewigkeit her, doch so langsam schien ihm die Kontrolle aus den Händen zu gleiten, wie ein Haufen Sand der unaufhaltbar durch die Finger fließt. Viele der Menschen um ihn herum verstanden nicht warum sich Qanuc so zu dieser Frau hingezogen fühlte, eine Wegelagerin, eine Frau die Kraut auf den Straßen Bajards, für das Piratenpack aus Cabeza verkaufte. Eine Frau ohne Skrupel, Manieren oder moralische Bedenken. Eine Frau die ein Leben führte, wie er es selbst einmal tat.
"Eh Kerl, brauchste Kraut?"
Die erste Begegnung, nahe dem Tor zu Bajard sollte alles in Qanuc's Leben verändern. Eine schäbig gekleidete Frau mit blondem Haar stand ihm gegenüber, Feyanie. Das einzige was wohl ihre Pflege genoß waren ihre Haare und die Klinge welche an der Seite aufblitzte. Eher aus Mitleid statt Bedarf nahm er ihr einige der abgepackten Beutelchen ab um nach einem letzten Schulterblick weiter seiner Wege zu gehen. Diese Augen. Es war nur ein kurzer Blick welcher ihn traf, beschäftigen sollte er ihn jedoch den ganzen Tag. Man sagt die Augen seien das Tor zur Seele. In diesem Fall zu einer dunklen, zu einer ihm all zu bekannten gequälten Seele.
Im Grunde genommen kannte ihn niemand wirklich, den Mann mit den tausend Gesichtern. Er wusste sein Alter Ego, seine Probleme seit je her zu verbergen und sie mit unzähligen Lächeln zu kaschieren. Er verstand es, dabei so auszusehen als wäre alles in bester Ordnung. Die Menschen schauten ohnehin nur auf die Oberfläche und machten es ihm leicht, sie mit seiner aufgesetzten Freundlichkeit zu täuschen. Seit seiner Flucht aus Adoran waren nun sicher schon zwei Jahre vergangen, er konnte es nicht genau sagen, das Zeitgefühl hatte ihn seit längeren verlassen. Damals, als das Regiment hinter ihm her war, fand er in Bajard seinen Unterschlupf. Enno stellte nicht viele Fragen, um genau zu sein, gar keine. Unter dem Deckmantel der Förderer versteckte sich Qanuc fortan und baute sich ein neues Leben auf. Es waren sehr seltsame Menschen, aber sie waren gut zu ihm und ihnen war seine Vergangenheit schlichtweg egal. Eine Zeit lang hatte er Ruhe vor den Speichelleckern vom Regiment, er war entkommen.
Diese Ruhe sollte jedoch nicht lange anhalten. Aus zuverlässigen Informantenkreisen die er übers ganze Land hinweg pflegte, kam ihm zu Ohren dass das Regiment nun doch Verdacht schöpfe und Bajard unter Beobachtung stellte. Es blieb ihm nichts anderes übrig als abzutauchen. Er wollte Enno und die anderen nicht mit reinziehen in seinen Sog des Verderbens, sie konnten nichts dafür und sollten nicht ausbaden was er damals verzapft hatte. Ohne auch nur irgendeine Nachricht zu hinterlassen verschwand er wärend einer Nacht und Nebel aktion und schien für einige Mondläufe wie vom Erdboden verschluckt.
Jetzt nach etwa 3 Mondläufen, saß der selbsternannte Kunstherzog wieder in Bajard. Den Kopf in die Hände gelegt. Von Enno keine Spur. Was Qanuc mit Enno teilte, teilte Rasmus nun mit ihm. Er mochte diesen jungen Mann vom ersten Tag an dem er ihn traf. Dieser Kerl hatte wahrlich kein leichtes Schicksal und trotzdem hatte er für jeden ein offenes Ohr, besonders für ihn.
"Ich bin ein Dummkopf Rasmus. Für meinen verdammten Stolz wäre sie fast drauf gegangen. Ich habe nichts gelernt. In all den Jahren, nichts...!"
Das weitere Gespräch mit Rasmus war eine regelrechte Befreiung. Er nahm Qanuc freundschaftlich in den Arm um ihm Trost zu spenden, einfach um für ihn da zu sein. Rasmus verstand es die richtigen Worte zur rechten Zeit auszusprechen, eine Fähigkeit die Qanuc leider fehlte. Wann hatte er schon tiefgehende Gespräche geführt? Das letzte dieser Art endete mit einer gebrochenen Nase. Immer wenn er mit Fey sprach kam er sich vor wie diese Klugscheißer die er sein leben lang verachtete, die Redenschwinger. Es lag ihm nichts weiter fern als Fey ändern zu wollen, ihr irgendwas vorzuschreiben. Doch unbewusst tat er eben jenes mit jedem seiner Worte, mit jedem enttäuschten Seufzer der ihm entfuhr. All das aus einem einfachen Grund. Er wollte sie nicht verlieren, wie er einst Ferghus verloren hatte, seinen besten Freund, seinen Mentor.
'An deiner Seite'
Stand auf dem Bauch des Teddy's eingestickt den sie auf Cabeza für Rasmus besorgt hatten. Wieder einmal war Qanuc verblüfft als sie auf die Idee kam bei Herrn Scharre "das Ding" zu kaufen um es Rasmus zu schenken. Ein weiterer Hinweis dafür, das sie doch ein Herz hatte. Gefühle in sich trug, wie jeder andere auch. Auch wenn diese im verborgenen schlummerten.
"Sie soll ihn mir wiedergeben wenn sie wieder gesund ist."
Völlig entkräftet legte er den Teddy in ihren Arm, auf das Risiko hin sich am nächsten Morgen dafür eine zu fangen. Er nahm sich ihre Hand und schlief, halb im Bett hängend, halb auf dem Boden ein.