Des Kunstherzogs Leben

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Qanuc Correl

Des Kunstherzogs Leben

Beitrag von Qanuc Correl »

Die Nacht war schon ziemlich weit fortgeschritten als Qanuc da hockte, neben dem Bett, in dem nicht gerade von Platz gesegneten kleinen Zimmer. Er beobachtete Feyanie, wie friedlich sie da lag. Wie ein blonder Engel der auf seiner Wolke liegt, einzig mal ein kurzes Zucken oder ein unverständliches Murmeln welches über ihre Lippen huschte. Das schweißgebadete Gesicht zeugte von Fieber, welches wohl durch die entzündete Wunde am ihrem Arm auftrat. Mit einem kalten Lappen tupfte er ihr immer wieder über die Stirn, hob den Kopf behutsam an, um hin und wieder einen Schluck Wasser in den vertrockneten Mund zu führen. Kein Streit... Keine Fetzen die fliegen, keine Nasen die zu Bruch gingen. Einfach nur Stille. Die zwei Piraten, Nel und Sim, waren fort, wenigstens für diesen Abend. Er hoffte insgeheim das nun endlich Ruhe einkehren würde, zumindest was dieses Kapitel betrifft. Die Hände zwar immer noch leicht zittrig, doch der Adrenalinspiegel war deutlich gesunken. Natürlich hatte er Angst. Angst vor dem was passieren würde wenn er denn wirklich mal auf Sim treffen würde, er kannte sich selbst viel zu gut und wusste das er sein Wort nicht halten konnte. Dieser verdammte, falsche Stolz. Das Ergebnis lies nicht lange auf sich warten, da lag sie nun. Und warum? Weil er im Endeffekt nur an sich dachte, wie so oft. Aber war es ihm wirklich zu verübeln? Ein Mann, der nie etwas anderes gelernt hatte, als sich selbst zu lieben. Der durch die Schatten Gerimors wandelte, am Tage ein falsches Bild abgab und so gut wie niemanden an sich ran lies.

"Du bist'n Idiot eh, und n Egoist!"

Worte aus dem Mund einer Frau, welcher er zum ersten mal sein Herz schenkte. Das hatte mehr als gesessen! Nicht mal in die Augen konnte er ihr schauen, er fühlte sich einfach nur ertappt. Das schützende Gebilde welches er in Jahren um sein Ego mauerte, es bröckelte. War er wirklich in der Lage jemanden zu lieben? War es wirklich Liebe was er für sie fühlte? Nach so kurzer Zeit? Oder war es einfach nur der Tatsache geschuldet, das Fey ein noch viel größeres Wrack als er selbst war? Es waren seltsame Gefühle die in ihm brodelten, für ihn schwer zu definieren, von anderen schlicht und einfach... Liebe genannt.

"Klammer dich nie an etwas fest, das du nicht innerhalb von einer Stunde problemlos wieder vergessen kannst, wenn du merkst, das die Kacke am dampfen ist!"

Immer wieder in den letzten Tagen musste er an Ferghus seine Worte denken. Er hatte sie so lange beherzigt. Ja, es war schon ein fast eine Ewigkeit her, doch so langsam schien ihm die Kontrolle aus den Händen zu gleiten, wie ein Haufen Sand der unaufhaltbar durch die Finger fließt. Viele der Menschen um ihn herum verstanden nicht warum sich Qanuc so zu dieser Frau hingezogen fühlte, eine Wegelagerin, eine Frau die Kraut auf den Straßen Bajards, für das Piratenpack aus Cabeza verkaufte. Eine Frau ohne Skrupel, Manieren oder moralische Bedenken. Eine Frau die ein Leben führte, wie er es selbst einmal tat.

"Eh Kerl, brauchste Kraut?"

Die erste Begegnung, nahe dem Tor zu Bajard sollte alles in Qanuc's Leben verändern. Eine schäbig gekleidete Frau mit blondem Haar stand ihm gegenüber, Feyanie. Das einzige was wohl ihre Pflege genoß waren ihre Haare und die Klinge welche an der Seite aufblitzte. Eher aus Mitleid statt Bedarf nahm er ihr einige der abgepackten Beutelchen ab um nach einem letzten Schulterblick weiter seiner Wege zu gehen. Diese Augen. Es war nur ein kurzer Blick welcher ihn traf, beschäftigen sollte er ihn jedoch den ganzen Tag. Man sagt die Augen seien das Tor zur Seele. In diesem Fall zu einer dunklen, zu einer ihm all zu bekannten gequälten Seele.

Im Grunde genommen kannte ihn niemand wirklich, den Mann mit den tausend Gesichtern. Er wusste sein Alter Ego, seine Probleme seit je her zu verbergen und sie mit unzähligen Lächeln zu kaschieren. Er verstand es, dabei so auszusehen als wäre alles in bester Ordnung. Die Menschen schauten ohnehin nur auf die Oberfläche und machten es ihm leicht, sie mit seiner aufgesetzten Freundlichkeit zu täuschen. Seit seiner Flucht aus Adoran waren nun sicher schon zwei Jahre vergangen, er konnte es nicht genau sagen, das Zeitgefühl hatte ihn seit längeren verlassen. Damals, als das Regiment hinter ihm her war, fand er in Bajard seinen Unterschlupf. Enno stellte nicht viele Fragen, um genau zu sein, gar keine. Unter dem Deckmantel der Förderer versteckte sich Qanuc fortan und baute sich ein neues Leben auf. Es waren sehr seltsame Menschen, aber sie waren gut zu ihm und ihnen war seine Vergangenheit schlichtweg egal. Eine Zeit lang hatte er Ruhe vor den Speichelleckern vom Regiment, er war entkommen.

Diese Ruhe sollte jedoch nicht lange anhalten. Aus zuverlässigen Informantenkreisen die er übers ganze Land hinweg pflegte, kam ihm zu Ohren dass das Regiment nun doch Verdacht schöpfe und Bajard unter Beobachtung stellte. Es blieb ihm nichts anderes übrig als abzutauchen. Er wollte Enno und die anderen nicht mit reinziehen in seinen Sog des Verderbens, sie konnten nichts dafür und sollten nicht ausbaden was er damals verzapft hatte. Ohne auch nur irgendeine Nachricht zu hinterlassen verschwand er wärend einer Nacht und Nebel aktion und schien für einige Mondläufe wie vom Erdboden verschluckt.

Jetzt nach etwa 3 Mondläufen, saß der selbsternannte Kunstherzog wieder in Bajard. Den Kopf in die Hände gelegt. Von Enno keine Spur. Was Qanuc mit Enno teilte, teilte Rasmus nun mit ihm. Er mochte diesen jungen Mann vom ersten Tag an dem er ihn traf. Dieser Kerl hatte wahrlich kein leichtes Schicksal und trotzdem hatte er für jeden ein offenes Ohr, besonders für ihn.

"Ich bin ein Dummkopf Rasmus. Für meinen verdammten Stolz wäre sie fast drauf gegangen. Ich habe nichts gelernt. In all den Jahren, nichts...!"


Das weitere Gespräch mit Rasmus war eine regelrechte Befreiung. Er nahm Qanuc freundschaftlich in den Arm um ihm Trost zu spenden, einfach um für ihn da zu sein. Rasmus verstand es die richtigen Worte zur rechten Zeit auszusprechen, eine Fähigkeit die Qanuc leider fehlte. Wann hatte er schon tiefgehende Gespräche geführt? Das letzte dieser Art endete mit einer gebrochenen Nase. Immer wenn er mit Fey sprach kam er sich vor wie diese Klugscheißer die er sein leben lang verachtete, die Redenschwinger. Es lag ihm nichts weiter fern als Fey ändern zu wollen, ihr irgendwas vorzuschreiben. Doch unbewusst tat er eben jenes mit jedem seiner Worte, mit jedem enttäuschten Seufzer der ihm entfuhr. All das aus einem einfachen Grund. Er wollte sie nicht verlieren, wie er einst Ferghus verloren hatte, seinen besten Freund, seinen Mentor.

'An deiner Seite'


Stand auf dem Bauch des Teddy's eingestickt den sie auf Cabeza für Rasmus besorgt hatten. Wieder einmal war Qanuc verblüfft als sie auf die Idee kam bei Herrn Scharre "das Ding" zu kaufen um es Rasmus zu schenken. Ein weiterer Hinweis dafür, das sie doch ein Herz hatte. Gefühle in sich trug, wie jeder andere auch. Auch wenn diese im verborgenen schlummerten.

"Sie soll ihn mir wiedergeben wenn sie wieder gesund ist."


Völlig entkräftet legte er den Teddy in ihren Arm, auf das Risiko hin sich am nächsten Morgen dafür eine zu fangen. Er nahm sich ihre Hand und schlief, halb im Bett hängend, halb auf dem Boden ein.
Zuletzt geändert von Qanuc Correl am Samstag 22. Februar 2014, 23:32, insgesamt 1-mal geändert.
Rasmus Malachi Morgenend

Beitrag von Rasmus Malachi Morgenend »

Wie soll man sich von den Menschen fern halten, welche man mag?

Wie soll man die Kraft aufbringen weg zu schauen?

Er konnte es nicht.
Sein ganzes Leben lag in Scherben und zwei Jahre lang hat er sich auf See befunden um Tag ein, Tag aus die Wellen an das Boot peitschen zu hören, dabei kleinere Arbeiten verrichtend.
Man fragte nie nach seinem Namen, alleine das man seine Wunden versorgt hat, war schon ein Wunder gewesen.
Aber scheinbar konnte sich der junge Mann nützlich machen, da wurden keine Fragen gestellt.
Panzer können entstehen, Panzer können fallen.
Das Feuer hatte seinen Lebensmut ausgebrannt und eine leere Hülle zurück gelassen,
funktionierend und still. Er schlief auf dem Deck und sprach mit niemandem,
entweder ein langsames nicken oder ein Kopfschütteln waren die einzigen Antworten die er von sich gab.
Immer wieder im Kreis, von einem Hafen zum anderen, sogar zu seiner Heimat.
Dies waren die Tage an denen man ihn nur schwer fand, unter Deck
in den dunkelsten Ecken schien er beschäftigt. Es ist normal keine Fragen zu stellen.
Und so tat es auch keiner.

Doch es konnte nicht ewig funktionieren, irgendwann machte der Sturm ihm einen Strich durch die Rechnung und warf ihn aus seinem neuen Leben, spuckte ihn am Strand des Dorfes aus und zwang ihn zu einem Neuanfang.

Niemand wollte diesen seltsamen Fremden auf seinem Schiff haben…

Und so ergab es sich das er langsam in dem Dorf herum vegetierte.
Es war aber anders als auf See, Leute begannen Fragen zu stellen.
Er wurde nicht einfach übersehen und so begann sein Spießrutenlauf.
Menschen, Reden, Menschen, Reden… so viele Worte, Gesichter, Stimmen.
Von überall schienen die Worte auf ihm zusammen zu brechen, Skepsis, Mitgefühlt, Zorn.
Sein Leben glich diesen endlosen Momenten auf See, als der Sturm seine Welt in Stücke riss.

[img]http://imageshack.com/a/img545/5001/me8o.jpg[/img]

Dieses Mal schlug der Sturm aber gegen seinen Kopf, zog seinen Geist aus den Untiefen zurück und mit ihm die Erinnerungen, welche er so sehr vergessen wollte.

Strudel aus Emotionen wie Schuld, Angst, Wut… aber allem voran die Angst…
diese überwältigende Angst vor Nähe, sowohl die körperliche als auch die geistige.

Und irgendwann fing seine Maske zu springen an, bekam Risse die sich nur schwer flicken ließen.
Er wollte all diese Spiele nicht mehr spielen, er wollte einfach nur, dass es vorbei ist.

Bis zu dem Tag als eine bunte Gestalt in sein Leben trat, eine seltsam bunte Figur, immer wieder anders und doch immer gleich.

[img]http://imageshack.com/a/img541/1910/9qf2.jpg[/img]

Du hast meine Maske splittern sehen… du hast sie fallen gesehen.

Und doch bist du immer noch hier.

Ich sehe deine Maske, wie ein schützender Kokon hüllst du dich in sie ein.

Irgendwann wird sie fallen oder sie wird dich verschlingen…

Dort ist ein Schatten in deinem Leben der sich um dich Sorgt, nicht aus Neugier oder Zwang…

Ein Schatten welcher dein wahres Ich sehen möchte, dein wahres Lächeln.

Und warum? Ich mochte mich nicht revanchieren…

Ich habe bloß Angst…

Angst um meine Freunde, welche mir das Gefühl gaben ein Mensch zu sein und kein Monster.

Du weißt dieser Schatten ist dort, weil er sich nicht vor dir versteckt.

Weil er dir sagt, dass er für dich da ist.


All diese Worte vernahm Qanuc nicht nachdem die Tür sich geschlossen hatte. Er mit der Frau im Zimmer allein gelassen wurde und der Schatten an seiner Tür lehnte und wisperte.
Qanuc Correl

Beitrag von Qanuc Correl »

Rückblende

Es ist eine kalte Nacht um den 13. Eisbruch im Jahre 228 als ein kleiner Junge, Gerimors Licht zum ersten mal erblickt. Der kleine Bastard eines Regimentlers wurde von seiner Mutter, einer Dirne aus dem Armenviertel in Varuna, auf den Namen 'Kanuck' getauft. Fast selbst noch ein Kind und mit den Gegebenheiten vollkommen überfordert, sah sie sich gezwungen das Kind in einem Waisenhaus abzugeben. Angesichts der Tatsache das sie kaum in der Lage war sich selbst am Leben zu halten, geschweige denn einen Säugling, stand der Entschluss fest. Auch wenn man es aus heutiger Zeit in Adoran anderes gewohnt ist, im Armenviertel von Varuna war es nicht immer leicht. Es war eine skurile Parallelwelt abseits vom Glamour und fern von adeligen Augen, da man es schlicht und einfach verleugnete. Dieses Waisenhaus, in welches seine Mutter ihn brachte, war für eben jene Freudenmädchen gedacht, welche diese "Unfälle" nicht auf andere Weise entsorgen wollten. Die etwas humanere Lösung. Waren es eine Zeit lang noch kurze Besuche, die das junge Mädchen ihrem kleinen Sohn abstattete, wurden sie im Laufe von nur einigen Mondläufen immer weniger. Schließlich, ab dem Sommer tauchte sie nie wieder auf, was mit ihr geschehen ist weiß niemand. Seine leiblichen Eltern sollte er niemals kennen lernen.

Ob man diese Kinder nun einfach in den Wald aussetzte, oder sie in das Haus gab, es machte grob gesehen keinen wirklichen Unterschied. Gerade im Winter war es für die Kleinsten unter ihnen, schier unmöglich den nächsten Sommer zu erleben. Es war nun mal kein Haus Eluiv's, viel mehr eine Ansammlung von zukunftslosen Kindern um die sich kein Mensch außerhalb des Viertels scherte. Was aus ihnen werden würde, wenn sie es so weit schafften, war von vorn herein klar. Man wird zu dem, wozu die Umwelt einen macht. Ein Ausgestoßener mit dem niemand was zu tun haben will, ein nichtsnutziger Bastard dem der normale Weg ins Leben verwehrt wird. Er selbst hatte das Glück, wenn man es denn so nennen kann, eines der Kinder zu sein welches einfach nicht aufgeben wollte. Es verstrichen also einge Winterläufe die geprägt wurden von einem Überlebensinstinkt wärend einer Erziehung mit eiserner Hand. Liebevollen Umgang, oder sowas wie Fürsorge suchte man hier vergebens.

Ferghus war mit seinen 12 durchlebten Wintern einer der ältesten Jungen, ganze 4 Winter mehr als er selbst hatte er nun schon auf dem Buckel. Für sein Alter war er schon ziemlich groß und kräftig, ein seltsamer Kerl. Manchmal sehr rau und fast schon angsteinflößend böse, manchmal wie ein menschliches Kuscheltier. Die beiden verstanden sich seit je her und waren kaum von einander zu trennen. 'Kanuck' hingegen war schon fast untersetzt und gab ein seltsames Bild von einem Jungen ab. Was ihn auszeichnete war viel mehr sein Einfallsreichtum, statt Kraft. Er war auch nicht sonderlich mutig und ging körperlichen Auseinandersetzungen lieber aus dem Weg. Dafür war Ferghus zuständig. Die Versorgung durch Mahlzeiten viel eher mager aus und auch das Wasser war, wenn es überhaupt welches gab, eher ungenießbar. Also sorgte man selber für Verpflegung und erleichterte die Marktstände um auch den Rest der etwa 7 Kinder durch zu bringen. Anfangs wurde er des öfteren erwischt, was dann entweder, für einen Satz heiße Ohren sorgte oder für Gelächter darüber wie man dem dickbäuchigen alten Kauz mal wieder artistisch entkommen sei. Der kleine Spargeltarzan wurde immer besser darin andere zu bestehlen und brachte ein richtiges Talent dafür auf. Die beiden Freunde entwickelten sich zu einem guten Duo. Ferghus, der kräftigere, der Ruppige fürs Grobe und 'Kanuck' der verschlagene kleine Junge, der mit Geschick seinen Kopf einzusetzen wusste. Als kleine Streuner machten sie nun die Straßen Varunas unsicher. Trickbetrügereien, Diebstähle und Einbrüche wurden zur Tagesordnung, man nahm sich einfach was man brauchte.

Aus dem Waisenhaus war man mittlerweile schon raus geflogen, 'Kanuck' dürfte um diese Zeit etwa 15 Winter durchlebt haben. Die kleinen Streuner sorgten natürlich für Aufmerksamkeit und ein versoffener, um die 40 Winter alter Kerl nahm sich ihrer an. Er brachte der Gruppe zwar vieles bei um sich auf der Straße durch zu schlagen, leider wurde er aber ziemlich wiederlich wenn er mal, wie jeden Abend, zu tief in die Flasche geschaut hatte. Er sah es als sein Recht an sich an den kleinsten des Mobs zu vergreifen. Man tat einfach so als würde man schlafen und hoffte das es nicht einen selbst erwischte, bis zu einer Nacht. Dieser stinkende alte Mann torkelte mal wieder zu einem der Betten hin um seinen nächtlichen Besuch zu tätigen. Mit einem rostigen Dolch unter der Bettdecke wartete 'Kanuck' einige Momente wärend sein Herz ihm fast schon aus der Brust sprang, das Adrenalin schoß durch jede Ader seines Körpers. Nach dem der Widerling sich über das Bett eines der Jungen beugte, sprang er selber aus seinem Bett, rannte auf ihn zu und stach ihm immer wieder den rostigen Dolch in den Rücken bis er röchelnd und leblos in sich zusammen sackte, wahrlich kein schöner Anblick. Dies sollte das erste mal sein, das 'Kanuck' jemanden tötete. Es war ein seltsames Gefühl. Einerseits Erleichterung das diese Besuche endlich ein Ende hatten, andererseits die Gewissheit das jemand durch seine Hand gestorben war. Für die Streuner war er regelrecht ein Held.

Nun waren Ferghus und er die "Anführer". Den Kerl sollte ohnehin niemand vermissen also wurde er verschachert und die Bruchbude wurde fortan als "Hauptquartier" genutzt. Von hier aus wurden nun Coups und zukünftige Aktionen geplant. Der Mob war stetig im Wandel. Leider hatten nicht alle das Talent inne im Verborgenen zu agieren, denn, viele wurden gefasst und landeten im Kerker. Neue Gesichter kamen dazu, womit auch andere Ideen einflossen und neue Wege beschritten wurden. 'Kanuck' war mittlerweile zu einem jungen Mann angereift und erstaunt darüber was er mit Ferghus erschaffen hatte. Diese Gruppierung von etwa 7 Mann konnte nahezu jeden Auftrag erfüllen und war eine gute Adresse im Untergrund wenn es ums schmutzige ging. Sei es Erpressung, Meuchelmord oder wenn es einfach nur darum ging etwas zu besorgen, was man auf normalen Wege nicht konnte. Es kam nur auf die richtige Summe an.

Der Krieg brach aus. Wie aus den Geschichtsbüchern bekannt, wurde Varuna komplett zerstört. Zunächst nutze man das Chaos aus und bereicherte sich an den verlassenen, zerstörten Häusern um dann wie der Rest der Stadt in den Osten des Landes umzusiedeln. Einerseits war es schade all das aufgebaute verloren zu haben, andererseits hatte man nun mit dem Kapital, die Chance auf ein neues Leben. In Adoran war man schließlich wie alle anderen auf der Flucht, als Überlebende einer der größten Katastrophe die Gerimor je erlebt hatte. Die ersten Siedlungen wurden aufgebaut und das Leben in den Auffanglagern war ziemlich rau. Für die 3 verbliebenen des Streunermobs jedoch nichts neues. Sie wunderten sich gar über die Wehleidigkeit mancher Menschen, denn sie selbst kannten nichts anderes als in einem Trümmerhaufen zu leben. Natürlich war der Krieg grausam und ging auch an ihnen nicht spurlos vorbei, vor allem weil man einige Freunde verlor, aber im Grunde genommen waren die Folgen, nämlich die daraus resultierende Armut schlichtweg nichts neues für sie. Adelige die das wahre Leben nie erleben durften in ihren goldenen Käfigen. Soldaten die nach der Schlacht einfach nur noch leere Hüllen waren, der Glaube an das Gute erschüttert. Ehemals wohlhabene Kaufmänner die alles verloren hatten, sie standen vor dem Nichts. Die Bastarde aus dem Armenviertel, mittendrin.

Es kehrte langsam aber sicher Normalität ins Leben zurück. Bei sovielen Händen die anpackten wurde der Grundstein für Adoran schnell gelegt. Da es für andere Dinge in dieser Zeit keinen Bedarf gab, nutzte man die Gunst der Stunde um "Besorgungen" für all mögliche Gruppierungen zu tätigen. Von günstigen Baumaterialien bis hin zu einer Flasche des feinsten Ale's. Alles wurde besorgt, natürlich nur für die entsprechende Summe. Wenn denn mal Skepsis aufkam, betonte man stets die kaufmännischen Kontakte die man übers Land verteilt pflegte und versicherte die Rechtmäßigkeit der gelieferten Waren. Welche natürlich mehr als zweifelhaft war. Durch seine schon imemr recht gut ausgeprägte Auffassungsgabe lernte 'Kanuck' schnell wie man sich zu verhalten hatte neben diesen Speichelleckern. Anfangs noch diese grausige Gossensprache, verinnerlichte er schnell die Etikette und den Sprachgebrauch, Ferghus und Corvin hingegen spielten hier den schweigsamen Part der Leibwächter. Man beging also wieder Brüche, schlug hier und da mal wen zusammen, da schulden nicht beglichen wurden und man spezialisierte sich auf den Schmuggel. Alles ging von vorne los. Da man aus der Vergangenheit gelernt hatte, konzentrierte sich die Gruppierung auf 5 eingeschworene Männer welche sich abermals einen guten Ruf in der Unterwelt machten, diesmal im jungen Adoran.

Er hätte es einfach besser wissen müssen, hier war was faul! Es ging um den Streit zweier Bauherren in dem langsam aufblühenden Adoran. Es war ein sehr lukrativer Bauauftrag welcher wohl vom Palast selbst in die Wege geleitet wurde, diesen galt es natürlich zu ergattern. Alleine diese absurd hohe Kopfsumme die ihnen angeboten wurde, um jenen Gegenspieler von der Bildfläche verschwinden zu lassen hätte den sonst so vorsichtigen 'Kanuck' stutzig machen müssen. Doch wenn dieser Mann ein Laster hatte dann war es ohne Zweifel die Gier. Ferghus hingegen roch den Braten, ihm stank dieser Auftrag gewaltig. Jeder Versuch seinen langjährigen Gefährten, seinen besten Freund, zur Vernunft zu bringen schlug jedoch fehl.

"Wenn wir dieses eine Ding machen, is' für immer ausgesorgt Ferghus! Dieses eine Ding..."

Er kannte dieses Funkeln in 'Kanucks' Augen und schüttelte den Kopf resignierend, in dem Wissen das niemand, nicht einmal Temora selbst, ihn jetzt noch davon abhalten würde. Aber ihn im Stich lassen? Niemals. Man willigte also ein. Es musste schnell gehen, drängte dieser versnobte Schnösel, in den nächsten Tagen solle der Mann um seinen Kopf erleichtert werden. In den nächsten Tagen?! Ein gut geplanter Mord war keine Sache von "ein paar Tagen". Wieder eine Tatsache die ihn hätte warnen sollen... Müssen... Diese verdammte Gier! Es wurden zunächst Informationen eingeholt, das Anwesen ausgespäht. Zeiten von täglichen Erledigungen abgeglichen und was sonst noch dazu gehört. Alle Vorkehrungen wurden getroffen um in der dritten Nacht zuzuschlagen. Man machte sich also in Richtung des Anwesens jener Zielperson. Anders als zu Tage war es wärend der Nacht, fast am Stadtrand Adorans, ruhig. Viel zu ruhig. Keine Wachen die vor dem Haus postiert waren, keine Patrouille auf den Straßen.

"Ein Kinderspiel, Freunde. Heut Nacht werden wir zu reichen Männern!"

"Ich denk' der Kerl hat Kohle?! Hier is' nicht eine Wache..."

Sie pirschten sich über den Hintereingang in das Anwesen, immer noch keine Spur von irgendwelchen Wachen. Im Haus angelangt schlichen sie durch den Speisesaal in die Empfangshalle um dort die Treppe nach oben zum Schlafsaal zu nehmen. Was sich nun abspielen sollte erschien ihm wie ein Zeitraffer. Ferghus war gerade dabei den Weg nach oben zu erklimmen als er sich in mitten von einem Bolzenhagel wieder fand. Das letzte was man aus seinem Mund in einem tosendem Brüllen vernahm war ein... LAUF! Dieser Berg von einem Mann sackte einfach nur in sich zusammen und war auf der Stelle tot.

Du verdammter Idiot, natürlich is' das'n Hinterhalt!

Mit einem Anblick den er sein Leben nicht vergessen sollte machte er einen Hechtsprung hinter die Wand. Mit zwei Bolzen im rechten Bein überkam ihn die Panik, sein Herz raste wie nie zuvor. Diese Schweine hatten ihm das einzige genommen was er je in seinem kümmerlichen Leben hatte, seinen großen Bruder der immer auf ihn aufpasste, seinen besten Freund.

"Du hast keine Chance Kanuck! Ergebe dich und verrotte im Kerker, versuche zu fliehen und du endest wie dein Freund hier."

Das Gassengeflüster, wovon er sich nie beeindrucken ließ, es sollte sich bewahrheiten. Diese Speichellecker waren wirklich hinter ihm her, sie wollten ihn im Kerker sehen. Sie wollten seinen Tod. Diese Nacht würden sie es nicht schaffen, diese Nacht nicht. Einen kurzen Moment noch ließ er sich sein Leben vor den Augen wie einen Film abspielen. Sofort schoss ihm die eine Szene in den Kopf wie er zum ersten mal, als der kleine Spargeltarzan vor dem dickbäuchigen alten Kauz in Varuna wegrannte. Mit einem letzten Blick auf Ferghus' leblosen Körper und Tränen unterlaufenen Augen rannte er, nach dem Wurf einer Rauchbombe, wie er noch nie zuvor in seinem leben gerannt war. Auf der Straße angekommen hörte man, wo vor einigen Momenten noch Stille herrschte, das scheppern des Rüstzeugs. Gardisten wo man auch hin sah. Jetzt hieß es die Schatten zu nutzen, im verborgenen zu wandeln um Adoran so schnell wie möglich zu verlassen. In den Unterschlupf konnte er nicht, sie würden dort mit Gewissheit auf ihn warten. Hin und wieder vernahm er das von Rage geprägte Brüllen des Hauptmannes...

"Dieser Bastard kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben, bei Temora, findet ihn!"

Ihm blieb nichts weiter übrig als abzutauchen. Verwundet und nur mit dem was er wärend der Nacht bei sich trug verschwand er in Richtung Bajard um sich fortan dort zu verstecken. Erst einmal musste Ruhe um seine Person einkehren, der Verlust seines Freundes überwunden werden. Dieses Bild von Ferghus sollte er so schnell nicht vergessen. Er änderte seinen Vornamen in leicht abgewandelte Form, zu Qanuc. Als Nachnamen sollte der Name seines ersten Mordopfers dienen... Correl.
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