Abseits des Dienstes ...
... gab es oftmals nicht weniger Schlachten zu schlagen. Tatsächlich machte das schwere, vertraute Gefühl eines metallenen Panzers, der den eigenen Leib umgab, vieles sehr viel einfacher.
Die gewohnte Autorität und Unverwundbarkeit, wenn man sich im Dienst befand, war ohne diesen Panzer, und die Wappen die er trug, nicht stets gegeben. Verletzlich und verwundbar, wie ein jeder normale Mensch, musste man sich seinen Prüfungen stellen.
Und eine von diesen lag nunmehr gerade vor ihn, etwa 25 Schritt, einen roten Teppich entlang, vorbei an Dienern und Lakaien , Gefolge und Verbündeten, hin zu einem Thron aus Gold.
Darauf eine arbeitsame Gestalt, getan in Rot und Gold, ein König, der Herr inmitten diesen Treibens, welcher durch seine kundige Hand die Geschicke und Geschichte eines ganzen Reiches zu lenken hatte.
Und vor eben jenen trat nun er selbst, ein kleiner Edler, eine vermeintlich unwichtige Spielfigur auf dem Schachbrett der Geschichte, um um etwas zu ersuchen, das ihm eigentlich, gemessen an Sitte und Gebräuchen, niemals zugestanden hätte.
Allein vor Seine Majestät zu treten ,und Ihm dieses Anliegen zu unterbreiten, kostete Kraft.
Und Überzeugung. Vielleicht auch ein wenig Mut. Wenn auch nur den, zu sich selbst zu stehen und das in Worte zu fassen, was viel zu lange schon ungesagt geblieben war. Ein kleines Geheimnis zu offenbaren, damit es zu etwas anderem werden konnte.
Nieder gesunken auf ein Knie, das Haupt geneigt vor dem Herren eines ganzen Volkes, war es erst die königliche Stimme, die ihn wieder dazu brachte, sich zu erheben.
"Mein Schriftmeister erzählte mir, dass ihr spontan um eine Audienz ersucht habt. So bin ich gewillt, euch anzuhören."
Kein Zurück mehr. Inmitten all der Pflichten und der umher schwirrenden Diener, die stets neue Akten und Papiere zur königlichen Einsicht brachten, war es nunmehr an der Zeit, Seine Majestät nicht weiter warten zu lassen.
"Der Wunsch, um die Hand einer holden Maid anzuhalten, deren Antlitz allein mein Herz erwärmt..."
Ungewohnt hehre Worte, die da seinen Lippen entsprangen. Sicher keine, die er anderswo in solch einer Art verloren hätte. Aber zumindest hier, da schien es passend.
Ein tiefer Atemzug. Die Blicke der Lakaien, so überhaupt auf ihn gerichtet, bekümmerten ihn nicht weiter. Mehr die Frage , wie Seine Majestät darauf nun reagieren mochte.
"Ich erwarte, dass ihr konkreter werdet, Edler. Ich warte recht ungern."
Und konkreter wurde er. Sagte es ihm, gewiss in der Erwartung, dafür allein gescholten zu werden, eine solch unangemessene Bitte heran zu tragen. Vielleicht auch , einfach abgetan und abgewiesen zu werden, ernüchtert in der Gewissheit, dass die Welt des Standes nun einmal eine andere war, als die der einfachen Bevölkerung.
Erstaunlich, umso mehr, dass Seine Majestät ihn nicht abwies. Nicht im geringsten. Gar noch erbauliche Worte auf ihn verwand , gar Interesse zeigte, wo andere vielleicht nur den Kopf geschüttelt hätten.
Eine Aufgabe also, eine letzte Prüfung, dann gäbe Seine Majestät Seinen Segen .... die Erlaubnis, das zu tun, worum gebeten worden war.
Nur noch ein Beweis, der Treue und der Hingabe der Krone gegenüber, wenn auch nicht gänzlich klar war, wie dieser dereinst aussehen mochte.
Aber die Erlaubnis, der Segen, beides in greidbarer Nähe.
Selten mochte es vorkommen, dass man gänzlich unbelastet den Rückweg antreten konnte. Dass eben jener nunmehr deutlich kürzer schien, als der, den man bisher gegangen war.
Kein Ende in Sicht aber ein Anfang.
Und selten mochte es vorkommen, dass er auch abseits soldatischer Tugenden Zufriedenheit fand, empfand. Aber nun, und hier, mit der Aussicht , dass jener eine Wunsch sich erfüllen würde ... war es so.
Eine Prüfung noch, und dann....
Zeit, wieder Harnisch und Wappen anzulegen, die Schultern zu straffen und weiter den Weg zu gehen, der sich so offensichtlich als der richtige entpuppt hatte...