Der Bogen zwischen zwei Menschen
Verfasst: Mittwoch 8. Januar 2014, 17:34
Vorsichtig fuhren Zeige- und Mittelfinger der Rechten über das, mit einem Lederriemen verstärkte, Bogenfenster und tasteten gleitend weiter zum oberen Wurfarm. Keine Unebenheit, kein Splitter, nicht einmal eine dezent abstehende Faser. Die Fingerspitzen beendeten den Fühlpfad und berührten fast leise klopfend das Emblem, welches in die Wurfarmspitze eingearbeitet war. Eine Rose, das Zeichen der Familie und gleich daneben das Meisterzeichen des Bogenkünstlers Ohtis Gruenwald. Noch immer sanft trommelnd verweilten die Finger dort und ein etwas geplagter Seufzer drang von der Brust herauf über die Lippen. Blinzelnd öffneten sich die Lider und Augen von der Farbe junger Oliven spähten sowohl sinnierend als auch ein wenig betrübt über die verschneite Waldlandschaft, während die Gedanken um den Gegenstand in ihren Händen kreisten.
Sie besaß diesen Bogen nun schon seit ihrer Ankunft hier in Gerimor.
Ein Geschenk jener, die sie erst überhaupt dazu brachte, Feuer und Flamme für jene Waffenart zu entdecken: Shanna.
Selbst wenn der Name nur gedanklich fiel, sah sie sofort das ebenmäßige, feingeschnittene Gesicht der verehrten Base vor dem inneren Auge. Vornehm blass und so schön, als habe man die ganze Person aus blankem Marmor oder sogar Porzellan gearbeitet und nicht minder kühl zeigte sich jene meist. Selten durchbrachen emotionale Regungen diese ruhige, doch kalte Fassade. Ganz besonders dann nicht, wenn Fremde in ihrer Nähe waren und doch wusste jedes Mitglied der Familie nur zu genau, dass sich unter dem Eis ein reger Strudel an Gefühlen verbarg und selbst Fye hatte Shanna sowohl schon vor Wut sprühen, als auch voller Herzenswärme lachen gesehen.
Zugegebenermaßen konnte sie diese besonderen Begebenheiten an einer Hand abzählen aber vielleicht machte gerade dies Shanna so besonders und irgendwie wurde Fye den Verdacht nicht los, dass sogar die ernste, fromme Sorcha manchmal bewusst darauf abzielte Shanna mit Worten oder Gesten ein Lächeln abzuringen.
Sorcha! Genau, es galt jene aus dem Kloster zu entführen, um sie zu Niall, Mairin und Shanna zu bringen. Ach, was würde sie wohl für Augen machen, wenn sie den kleinen Bruder gleich wieder in die Arme schließen könnte?
Der Gedanke an diese besondere Familienzusammenführung ließ ihre Schritt kurz rascher werden und zeichnete ein weites, übermütiges Lächeln auf die bleichen Lippen.
Ein richtiges Familientreffen! .…............
Und da wurde das Knirschen im Schnee schon wieder unregelmäßig, nahm an Geschwindigkeit ab, bis sie erneut, den Bogen in den Händen, stehen blieb.
Das genau war ja die innere Problematik für die Heranwachsende, noch war sie nicht wirklich in dieser Familie mit dem Blaurosen-Wappen, der blassen Haut und den Schneehaaren fest verwurzelt.
Sie war ein Kind ihres Vaters, war mit seiner Lebensweise vertraut und nicht mit der Welt ihrer Mutter und dem teilweise vollkommen zerworfenen Haus Llastobhar. Sie trug nur einfach diesen Nachnamen, oder?
- Achwas, vollkommener Blödsinn!
Sie schalt sich selbst eine untreue, dramatische Närrin, denn sie war stolz und zufrieden Kind beider Welt und allen voran Frucht von Vater und Mutter zu sein. Außerdem waren doch zarte Bande zwischen ihr und den hier ansässigen Mitgliedern des Hause geknüpft, oder? Mairin war herzlich und so offen, wie man es sich nur wünschen konnte, Niall ein sanftmütiges, liebevolles Kerlchen und Sorcha schaffte es sich in ihrer Gegenwart zur Glucke zu verwandeln. Eine gottesfürchtige und beherrschte Glucke aber eben dennoch eine Glucke.
Tja und dann war da noch Shanna, die ihr weiterhin ein Rätsel blieb.
Mit keinem anderen Familienmitglied verbanden sie so viele ähnliche Interessen, Denkweisen, Hintergründe und doch hatte sie meist das Gefühl in Shannas Gegenwart zum unbeholfenen, unsicheren Küken zu werden... womit man Sorchas Gluckenmomente sehr plausibel erklären konnte.
Wie also bricht man in solch einer Situation das Eis?
Wie spannt man einen Bogen zwischen zwei Menschen?
… Bogen...
Etwas dümmlich starrte sie auf die schlanke, hölzerne Weidenwaffe in ihren Händen – ein Geschenk von Shanna – und wusste, was zu tun war.
Man musste so Einiges im Leben einfach ganz klar wortwörtlich betrachten und schon hatte man die Lösung der Probleme oftmals direkt in der Hand.
Sie räusperte sich, sah der Winterlandschaft strahlend wie ein Schmalzkringel entgegen und sprach feierlich, schon einmal vorübend:
“Lass uns gemeinsam einen Bogen bauen!“
[img]http://i-cms.linternaute.com/image_cms/original/236259-snow-bow.jpg[/img]
Sie besaß diesen Bogen nun schon seit ihrer Ankunft hier in Gerimor.
Ein Geschenk jener, die sie erst überhaupt dazu brachte, Feuer und Flamme für jene Waffenart zu entdecken: Shanna.
Selbst wenn der Name nur gedanklich fiel, sah sie sofort das ebenmäßige, feingeschnittene Gesicht der verehrten Base vor dem inneren Auge. Vornehm blass und so schön, als habe man die ganze Person aus blankem Marmor oder sogar Porzellan gearbeitet und nicht minder kühl zeigte sich jene meist. Selten durchbrachen emotionale Regungen diese ruhige, doch kalte Fassade. Ganz besonders dann nicht, wenn Fremde in ihrer Nähe waren und doch wusste jedes Mitglied der Familie nur zu genau, dass sich unter dem Eis ein reger Strudel an Gefühlen verbarg und selbst Fye hatte Shanna sowohl schon vor Wut sprühen, als auch voller Herzenswärme lachen gesehen.
Zugegebenermaßen konnte sie diese besonderen Begebenheiten an einer Hand abzählen aber vielleicht machte gerade dies Shanna so besonders und irgendwie wurde Fye den Verdacht nicht los, dass sogar die ernste, fromme Sorcha manchmal bewusst darauf abzielte Shanna mit Worten oder Gesten ein Lächeln abzuringen.
Sorcha! Genau, es galt jene aus dem Kloster zu entführen, um sie zu Niall, Mairin und Shanna zu bringen. Ach, was würde sie wohl für Augen machen, wenn sie den kleinen Bruder gleich wieder in die Arme schließen könnte?
Der Gedanke an diese besondere Familienzusammenführung ließ ihre Schritt kurz rascher werden und zeichnete ein weites, übermütiges Lächeln auf die bleichen Lippen.
Ein richtiges Familientreffen! .…............
Und da wurde das Knirschen im Schnee schon wieder unregelmäßig, nahm an Geschwindigkeit ab, bis sie erneut, den Bogen in den Händen, stehen blieb.
Das genau war ja die innere Problematik für die Heranwachsende, noch war sie nicht wirklich in dieser Familie mit dem Blaurosen-Wappen, der blassen Haut und den Schneehaaren fest verwurzelt.
Sie war ein Kind ihres Vaters, war mit seiner Lebensweise vertraut und nicht mit der Welt ihrer Mutter und dem teilweise vollkommen zerworfenen Haus Llastobhar. Sie trug nur einfach diesen Nachnamen, oder?
- Achwas, vollkommener Blödsinn!
Sie schalt sich selbst eine untreue, dramatische Närrin, denn sie war stolz und zufrieden Kind beider Welt und allen voran Frucht von Vater und Mutter zu sein. Außerdem waren doch zarte Bande zwischen ihr und den hier ansässigen Mitgliedern des Hause geknüpft, oder? Mairin war herzlich und so offen, wie man es sich nur wünschen konnte, Niall ein sanftmütiges, liebevolles Kerlchen und Sorcha schaffte es sich in ihrer Gegenwart zur Glucke zu verwandeln. Eine gottesfürchtige und beherrschte Glucke aber eben dennoch eine Glucke.
Tja und dann war da noch Shanna, die ihr weiterhin ein Rätsel blieb.
Mit keinem anderen Familienmitglied verbanden sie so viele ähnliche Interessen, Denkweisen, Hintergründe und doch hatte sie meist das Gefühl in Shannas Gegenwart zum unbeholfenen, unsicheren Küken zu werden... womit man Sorchas Gluckenmomente sehr plausibel erklären konnte.
Wie also bricht man in solch einer Situation das Eis?
Wie spannt man einen Bogen zwischen zwei Menschen?
… Bogen...
Etwas dümmlich starrte sie auf die schlanke, hölzerne Weidenwaffe in ihren Händen – ein Geschenk von Shanna – und wusste, was zu tun war.
Man musste so Einiges im Leben einfach ganz klar wortwörtlich betrachten und schon hatte man die Lösung der Probleme oftmals direkt in der Hand.
Sie räusperte sich, sah der Winterlandschaft strahlend wie ein Schmalzkringel entgegen und sprach feierlich, schon einmal vorübend:
“Lass uns gemeinsam einen Bogen bauen!“
[img]http://i-cms.linternaute.com/image_cms/original/236259-snow-bow.jpg[/img]