[Quest] Zwischen Alb und Traum (Teilnahme erwünscht!)

Der Erzähler

[Quest] Zwischen Alb und Traum (Teilnahme erwünscht!)

Beitrag von Der Erzähler »

Das Ende

Eine Geschichte beginnt mit einem Ende.

Ich starb. Niemand musste es mir sagen, ich wusste es. Wie ich in eben jenem Moment feststellte hätte sich sowieso keiner getraut es auszusprechen, als ich ihre bleichen, leeren Gesichter über mir schweben sah. Schwach. Sie waren so schwach wie sie vor dem Tod erzitterten, der so bald in dieses Zimmer schreiten und seinen Mantel ausbreiten würde. Doch nicht um sie zu holen, sondern mich.

Tod. Er ist immer bei uns. Er ist in unseren Köpfen, er ist der kalte Atemhauch in unseren Nacken, egal, ob wir uns entscheiden ihn fühlen zu wollen oder nicht. Er ist um uns herum. Und gerade war er sehr nah bei mir und ihnen. Und sie erstarrten vor seiner Ankunft wie Kaninchen vor dem Fuchs. Und ich als das Opfertier lag zwischen ihnen und als ich ihre verschreckten, aufgedunsenen Hasengesichter über mir sah war alles woran ich denken konnte ein die Kehle heraufsteigendes Lachen zu unterdrücken. Sonderbar wie die Welt bisweilen spielt, meint ihr nicht?
Nun, meine Welt war etwas größer als ihre. Ich dachte jeden Tag an den Tod, ich sah ihn überall, Morde, Selbstmorde, Unfälle… Er inspirierte mich, ja, er inspirierte mich zu leben seit ich ihm das erste Mal begegnet war vor so vielen Jahren. Und es war eine erinnerungswürdige Begegnung gewesen. Damals hatte ich mir geschworen, dass ich mein Leben voll leben würde, ungeachtet der… Umstände, die es bis dahin bestimmt hatten. Und das hatte ich getan, obgleich die Umstände geblieben waren. Ich war nie erhaben gewesen über Verlust oder Furcht, tatsächlich hielt ich jeden für einen Vollidioten, der behauptete es zu sein. Ich war vielen Vollidioten begegnet in meinem Leben.

Ich hörte die Kaninchen flüstern und blinzelte. Hinter ihnen konnte ich nun den Tod stehen sehen, überraschenderweise erfüllte mich auch sein Anblick nicht mit Angst. Tief sog ich die Luft in meine Lungen, es rasselte und ich musste husten. Die Mienen der Kaninchen wurden mitfühlend und schmerzlich, sie wussten es würden mir nur wenige Herzschläge bleiben, ehe mein Körper versagen würde.
Zum Ende meiner Geschichte noch eine Anmerkung: Es gibt einen Grund, warum Kaninchen den Fuchs fürchten. Ich zerbrach das Knöchlein in meiner Hand und schwarzer Rauch legte sich über uns. Der Tod holte mich trotzdem, den Rest nahmen die Alben mit sich.

Das Ende ist nur der Anfang.
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Albertus Kaemmerer
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Registriert: Sonntag 1. April 2012, 04:45

Beitrag von Albertus Kaemmerer »

Prolog:

Ein Jeder sollte das Gefühl der Sehnsucht kennen. Zuerst, wenn sich das Gefühl das erste mal äußert, beginnt es, schwach in uns zu schwelen wie frisch entzündete Glut. Doch mit der Zeit wird es immer stärker und man beginnt die Glut zu schüren, bis es zu einem Feuer wird oder bei manchen zu einem Vulkan, welcher sie schließlich errettet oder verzehrt.
Doch solltet ihr euch fragen, wie so ein Gefühl bei solchen Menschen aufkeimen kann, die vorgeben keine zu haben, weil sie emotional so sehr abgestumpft sind durch jenes, was sie gesehen haben oder selbst getan haben. Einige von solchen glauben zwar, dass sie Gefühle kennen wie Sehnsucht, Liebe, Freude, doch ist es fraglich, ob diese Worte nicht nur Zerrbilder von der eigentlichen Bedeutung sind in ihren wirren und makaberen Geistern? Freude zu empfinden, wenn man ein Geschenk bekommt sollte doch normal sein? Aber wenn man sich über ein noch schlagenes Herz freut, welches man bekommt, wie würdet ihr das gewichten?


Darüber hinaus stellt sich die Frage welche Sehnsüchte ein Mensch noch haben könnte, der alles Weltliche besitzt? Oder ist es eher Neugierde anstelle von Sehnsucht? Dies muss jeder für sich entscheiden.
Im Falle von Albertus ist dies ausnahmweise recht leicht zu beanworten, denn die seine Sehnsucht, sein Streben ist stets da gewesen, doch es scheint nicht stark genug zu sein, denn nun wird es von Dritten geschürt, bestärkt und in seinen wirren Geist gepflanzt, den Weg weiter zu beschreiten, denn dieser ist endlos ... wenn er nicht versagt. Eben weil er ein ehrfürchtiger Diener Kra'thors ist, folgt er seinem Rufe stets, doch diesmal ist es etwas anders. Es ist nicht direkt Kra'thor selbst welcher ihn beeiflusst oder doch? In einer anderen Gestalt? Oder ein Abgesandter von Kra'thor, vielleicht aber auch ein Aspekt von jenem? Dies bleibt dahingestellt vorerst, denn das Leben eines Diener Kra'thors besteht aus unzähligen Prüfungen, dies muss einem jeden bewusst sein, der sich Kra'thor verschreibt!


Dazu muss man noch sagen, eines der schlimmsten Dinge ist es, wenn sich ein Mensch der eigenen Sterblichkeit bewusst wird. Albertus hat den Plan, er würde niemals sterben und den größten Dieb der Menscheit, dem Tod, entkommen. Diese Einstellung, diese Gedanken sind es, welche den fruchtbaren Nährboden der Sehnsucht bilden, oder der Neugierde? Albertus ist im Glauben, wenn er sich unter den Augen Kra'thors bewehrt, könne er ewig Leben! Ein Privileg der Diener Kra'thors! Schon einst hat er Anzeichen des ewigen Lebens gesucht und gefunden. Nicht das Unleben einer seelenlosen Kreatur, sondern in einer ewig bestehenden Hülle mit eigenen Geist und Verstand. Durch Rituale und Experimente sind Albertus schon einige Bausteine in die Hände gefallen. Nicht nur, dass es ihm gelungen ist Untote zu erwecken, auf Lameriast mit Hilfe seiner Brüder und Schwestern gleich eine ganze Armee, oder mit einem verstorbenen Diener zu sprechen wie Varoth Lycron. Doch letztere Beschwörung hatte eine gewisse Endgültigkeit inne, welcher er doch schließlich entfliehen will! Zwar ist es gelungen Varoth Lycron zu beschwören, und jener ist auch mit Geist und Verstand anwesend gewesen, doch leider nur von allzu kurzer Dauer. Also ist es nur klar, dass man längerfristigere Optionen in Betracht zieht. Doch was Menschen sich nicht alles vornehmen, selbst die Berührten von Kra'thor, welche Pläne sie auch schmieden, kann es doch stets ganz anders kommen. Albertus sollte zunächst mit den bitteren Beigeschmack der Ewigkeit in Kontakt kommen, denn wer vermag sich schon die Ewigkeit vorzustellen, außer den Göttern selbst? Kann der menschliche Geist so etwas überhaupt erfassen und verkaften?




Das Fremde in uns:


Einmal mehr liegt Albertus in seinem sündig weichen Bett, gebettet in exklusivster Seide und Lamawolle. Im Raume schwelgt der bezirzende Duft von Rosenblättern und Frische, entfernt kann man gar das Plätschern des Wasserfalls seines Bades vernehmen. Als wäre dies nicht schon ein Ort sondergleichen zum Träumen, liegt der Arm seiner "Freundin" um seinen dicken Wanst und ihre zierlichen Fingerchen graben sich liebevoll in eine seiner seitlichen Speckfalten und ihre Wärme kann er nur überdeutlich spüren, wie auch ihren sanften heißen Atem in seinem Nacken. Dies ist kein Tagtraum, sondern der Alltag, warum sollte sich Albertus nicht den weltlichen Dingen hingeben und jenen fröhnen, wenn er es sich leisten kann? Kra'thor gibt und Kra'thor nimmt auch!
An diesen Abend werden seine Augenlieder einmal mehr immer schwerer, die Umgebung verschwimmt, welche in mattes Kerzenlicht getaucht ist und ein Dämmerzustand erfasst seinen Geist. Immer mit Wohlwollen genießt er diese Zeit in Adoran, weil er in seinen Gedanken ganz er selbst sein kann und sich nicht verstellen muss und seinen Größenwahn in seiner Gänze hingeben kann. Doch diesmal scheint etwas anders zu sein. Es scheint so, als wäre er nicht alleine in seinen Gedanken. Eine Art Präsenz manifestiert sich mehr und mehr in seinen Geist. Aus Reflex versucht Albertus, den für ihn unbestimmbaren Eindringling wieder zu vertreiben. Sein Geist an sich ist ausgebildet, abreitet präzise und scharf wie ein chirugrisches Instrument. Doch je mehr er versucht dem Fremden den Zugriff zu entziehen, desto mehr manifestiert sich dieses Etwas in seinem Verstand, als würde es bereits jetzt schon an der Kraft von Albertus zehren oder sich nähren.


„Lass mir doch diese kleine Freude.“ , wispert es gehaucht in seinen Gedanken, gefolgt von einem gierigen Einziehen der Luft. Einige Augenblicke legt sich wieder Stille über Albertus Geist, sodass er zweifeln muss, ob er wach ist oder träumt. Erfüllt von dem sehnsüchtigen Seufzen eines friedlosen begierigen Herzens perlen schließlich weitere Worte in Albertus Kopf: „Es ist doch zu lange her, zu lange, zu lange…“ Die Stimme bricht wie uraltes morsches Holz, faserig und splitternd, vielleicht liegt deshalb ein sonderbares Verstehen darin, altes Wissen? Ein Tonfall, den man sofort wiedererkennen würde, denn wenn man nicht genug Eisen im Blute hat, würde dieses gefrieren und einen erstarren lassen vor Demut oder Respekt.
„Wenn du kein Gesandter des Meisters bist, verschwinde aus meinen Kopf, oder die Seinen werden dich suchen ... dich finden ... und ausradieren“ Bewusst achtet Albertus darauf seinen Herren nicht Namentlich zu erwähnen, denn es ist ungewiss, wer oder was in seinem Geist hausiert.
Nur ein leises entferntes Flüstern erklingt, es wirkt als bausche sich für einen Moment die Bettdecke. Doch vielleicht war es auch nur Einbildung, denn die bleierne Schwere des Halbschlafes drückt den Körper schwer auf die weiche Seide. Wie ein Messer schneidet das grelle Lachen in den Kopf Albertus` und lässt einige Lichtpunkte hinter den Lidern explodieren.
„Suchen, finden, ausradieren!“, dröhnt es dann, es wiederholt sich als Echo mehrere Male bis nur noch ein Hauch übrigbleibt. „Nein, das könnt ihr nicht. Kein Blut in den Adern, kein pochendes Herz, keine Lebenshauch mehr und doch bin ich in Deinem Kopf und so nah, so nah…“
„Ich bin mir nicht sicher, ob dir bewusst ist, welche Möglichkeiten und vor allem welche Gunst in den Seinen steckt, sodass wir selbst die Körperlosen nicht fürchten.“ Die Lippen ziehen sich von den fleischigen Lippen, und die Zähne knirschen leise. Der Tonfall ist bitter und eisern, und drückt eine deutliche Verachtung aus für Wesen, die sich dem Willen Kra'thors nicht beugen.
„Vielleicht solltet ihr dann damit anfangen, denn ihre Welt ist um ein tausendfaches größer als eure. Ich habe sie gesehen, sie und viele andere Welten.“ Einige Herzschläge herrscht Stille, dann ändert sich der Tonfall und wird nahezu lockend: „Bist Du nicht einer jener Diener, die der Meinung sind Wissen sei Macht? Zweifellos ist dies wahr, doch die wichtigere Frage ist: Bist Du bereit den Preis zu bezahlen?“
„Ich gehöre zu jenen Menschen, die meinen Wisse sei Macht. Unser eins ist sich stets bewusst, dass es niemals etwas ohne Preis oder Opfer gibt. Die Frage ist eher, was du bist und was du zu bieten hast. So viele Welten es auch gibt im Jenseits, genauso viel Unwissenwertes gibt es auch.“ Einmal mehr hält er sich wissentlich bedeckt, denn die Täuschung und das Verkleiden in gegenwart anderer ist ihm nur allzu bekannt und regelrecht ins Blut übergegangen. Niemals würde er sich etwas unbekanntes öffenbaren ... welches man nicht direkt ... entfernen kann ... ... für immer.
„Ich könnte Dir nun sagen, dass ihr nichts wisst, noch nichts, dass es kein nutzloses Wissen gibt, wenn man es zu gebrauchen weiß. Doch Du wirst mir nicht glauben, denn Du bist noch sehr jung. Du bist jung und ehrgeizig, ein Ehrgeiz, der mich zu Dir vorgelassen hat. Sonst wäre ich nicht hier…“ In der Stimme ist ein amüsierter Tonfall zu vernehmen, herablassend und doch lehrend. „Deine Einladung in Deinen Geist wird vergolten werden mit etwas, was Dich zu dem führen wird, was Du am meisten begehrst.“

"Wie stets wird es die Zeit zeigen, doch glaube mir, wer Wind sät wird Sturm ernten. So ist es und so wird es immer sein." Sogleich geht Albertus in sich hinein und lässt die Worte nachklingen. Verprechungen solcher gleichen hängen immer mit einem hohen Preis zu sammen. Doch was müsste er zahlen? Es ist sicherlich kein Handel welcher sich in Kronen aufwiegen lässt. Aber ein Gedanke manifestiert sich langsam. Wenn er wirklich dieses Gespräch geführt hat, ist sein Gegenüber sicher von wert, denn bisher hatten sich nur die mächtigsten Wesenheiten einen Zugang zu seinen Geist verschaffen können. Der Schluss daraus? Dieser ist recht simpel, wenn es angebracht ist, wird sich Kra'thor an einem Opfer laben und nähren können, oder eine neue Allianz könnte geschmiedet werden. Es gibt wahrlich viel Unfassbares welches es zu erfahren gibt, also ist auch höchste Vorsicht geboten!

Langsam verschwimmt die Umgebung und der Geist taucht völlig in die Traumwelt ab*


Der Traum:

Einmal mehr sitzt die kleine, massige Gestalt in der Gruft. Vor dieser ist ein großes Buch aufgeschlagen, die Seiten aus gegerbter Menschenhaut und der Einband aus Dämonenleder. "Ewigkeit" ist der Buchtitel. Die einst wurstigen Fingerchen sind knochig geworden, und die Haut bildet mal kleine, mal größere Lappen, welche hinab hängen. Der Zeigefingernagel ist schwarz, wie von einem Toten und sitzt halblocker im eitrigen Fleisch, sodass diesen gelbe Ränder zieren und etwas Sekret sich sammelt und in einem Tropfen hinabperlt auf das Buch. Die Gestalt scheint sich offenkundig nicht daran zu stören und liest weiter in dem dicken Wälser. Doch der Blick ist leer und ausdruckslos, denn die Augen sind verkommen zu Klumpen weißen nässenden Fleisches und liegen tief in den Höhlen. Kein Glanz, keine Regung geht von diesen aus. Dann sieht Albertus, wie die Gestalt die Hand langsam von dem Buch anhebt und ein Nagel, dann ein weiterer beginnt sich zu lösen und auf das Buch zu fallen. Die Haut beginnt langsam aufzubrechen und kleine Maden, die junge Brut Eluives, wimmeln aus dieser hervor und beginnen sich am faulenden Fleisch zu laben. Schon rasch kann man die blanke Stellen der Knochen sehen, welche immer größer werden, so mehr die Tierchen ihr Werk verrichten. Das übrige Fleisch wird schwarz und beginnt von der Hand abzufallen, darunter auch Sehnen und Muskeln. Alsbald fällt der erste Knochen auf das Buch, dann ein weiterer und die Hand ist nur ein groteskes Zerrbild einer solchen. Das erste Lebenszeichen welches von der Gestalt ausgeht ist eine Kaubewegung des Kiefer und ein resultierendes knacken. Eine Scharbe wird von den beige schwarzen Zahnstummeln, welche im eitrigen Fleisch stecken, zermürbt. Ein gelbes Sekret wird dabei über die wulstige Zunge gespritzt und etwas davon läuft am Mundwinkel hinab. Doch wieder das gleiche - nichts. Gar nichts. Keine Angst, kein Ekel. Seine Hand zerfällt vor seinen Augen, doch welche Gefühle steigen in ihm auf? Keine - er schmeckt nichtmal die Scharbe und fühlt das Papier unter der anderen Hand nicht, eine vollkommene Leere beherrscht ihn, sodass ihm das Schauspiel nichtmal kümmert!

Die Augen öffnen sich schlagartig und ein zermürbendes "Wir müssen reden" hallt in seinem Kopf wie ein Hammerschlag wieder. Ruckartig schaut er zu seiner Freundin neben sich. Doch jene schlummert, macht ein zuckersüßes Gesicht dabei und ihre schmalen Lippen - sind geschlossen.
Doch ein Bild bleibt ihm weiterhin im Kopf ... nicht jenes von seiner verfallenen Gestalt, sondern von einem ganz bestimmten Ort, welches sich wie ein Negativ auf seine Netzhaut eingebrannt hat. Und irgendwas zieht ihn dahin, zwingt ihn regelrecht, doch vermag er nicht zu sagen, ob ihn die Gestalt dort hinzieht, oder doch eine Sehnsucht oder Neugierde? Aber vielleicht auch endgültig die Zweifel zu zerstreuen, um sich auf das ewige Leben vorzubereiten.


[Erläuterung zum Posten findet ihr bei: http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=508423#508423]
Zuletzt geändert von Albertus Kaemmerer am Mittwoch 18. Dezember 2013, 15:17, insgesamt 6-mal geändert.
Fiora Talaen

Beitrag von Fiora Talaen »

"Ein Traum ohne Anfang und Ende"

Zärtlich strich sie die Prägungen im Tisch nach, während ihre Füße ihrer Erkundungsreise weiter nebenher folgten. Der Duft von Holz und frisch aufgesetztem Tee stieg ihr in die Nase und sie atmete tief durch, um möglichst viel davon aufnehmen zu können. Ihre Augen wanderten durch den Raum, der ihr all zu bekannt vorkam. Es gab eine Zeit, in der all das hier Teil ihrer Heimat war. Sie lenkte den Blick gen Fenster und warme Sonnenstrahlen kitzelten ihre Nase ein wenig. Sie senkte die Augenlider ein wenig, um nicht weiter geblendet zu werden, setzte ihren Weg jedoch weiter fort. Langsam bildete sich ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen... wie töricht sie doch selbst gewesen war.. Hatte all das weggeworfen, was ihr jemals wichtig war.. wofür sie immer gekämpft hatte.. was sie immer haben wollte und eigentlich nie hätte kriegen können.. und dennoch hätte sie es schaffen können.. und nur weil sie Angst hatte... hatte sie all das verloren.. zumindest in der Realität, in der sie lebte. Ab und an... da träumte sie... dass das alles nur ein böser Alptraum war... und sie hier nun ihr wahres Ich gefunden hatte... die Hoffnung, dass sie aufwachte und sie eine weitere Chance hatte. Sie wollte 'Ja' sagen.. zu allem, was er sie fragte.. sie wollte ihn.. und diesen Ort... und dieses Kind.. alles zusammen... denn so war es perfekt..

Am Fenster angekommen legte sie die Hände an die Bügel und stößte dieses langsam auf, sodass sie ihre Augen nach draußen wenden konnte. Eine warme Brise kam ihr entgegen und hüllte sie ein, dann hörte sie ein fröhliches Lachen... es umkreiste sie, ehe es eindrang und tief in ihrer Seele für Einklang sorgte. Mit jedem Ton, den sie hörte... von ihm... legte sich ein Balsam auf ihren tiefen Wunden ab und heilte nach und nach... die tiefe Leere in ihr selbst. Dann erblickte sie die Beiden... zwei weiße Schöpfe, wie sie miteinander spielten.. immer wieder durchdrang das glockenhelle Lachen die Finsternis und wischte sie davon.. alles erstrahlte in einem hellen Licht... der Hoffnung...

Schnell wendete sie sich vom Fenster ab und ließ sich von ihren Füßen umso schneller gen Türe huschen, selbst blind würde sie den Weg finden.. Aufregung und auch Angst kroch in ihr Herz.. sie wollte endlich, dass es aufhörte, sie wollte die Türe aufmachen und ihn in ihre Arme schließen... zu oft schon hatte sie davon geträumt... und immer brach alles zusammen.. bevor es began.. sie hatte den Schmerz leid... wenigstens einmal... wollte sie seinen Duft in sich aufsaugen und ihn für immer bei sich behalten.. immer eiliger rannte sie gen Türe, sie schien sich aber kaum zu bewegen. Entsetzt schüchttelte sie den Kopf und langsam bildeten sich Tränen, die über ihre Wangen herabperlten.... "Nicht schon wieder.. bitte.. ich ertrag das nicht..." schluchzte sie leise.. ehe sie auf ihre Knie zusammenbrach und einfach dort verweilte... die Träne perlten weiter herab.. und plötzlich stand die Türe vor ihr... einen Spalt geöffnet, durch die das Licht von draußen hindurchschien... sie hob langsam den Blick an, als würde sie kaum wagen dort hindurch sehen zu können.. sie hörte ein lautes Rufen, ehe plötzlich die Türe aufgerissen wurde. Da stand er... ihr kleiner Junge... die Haare in einem strahlenden Weißton.. die Augen verschiedenfarben.. wie die des Vaters... sein Lächeln war liebevoll und es war.. als würde er ihr alles verzeihen... er streckt die Hand nach ihr aus und sie ergriff sie... sie zog an ihm und schlang die Arme um den kleinen Leib des Jungen und drückte ihn fest an sich... sie lehnte ihre Wange seitlich an die Seine und atmete tief durch... am liebsten hätte sie die Zeit angehalten... dass sie für immer... an diesem Punkt stehen würde... immer ihren lebenden Sohn in den Armen... zu wissen, dass er sie liebte... und mit der Gewissheit... dass sie nichts in ihrem Leben falsch gemacht hatte... erneut bildete sich ein liebevolles Lächen auf ihren Lippen und sie schloss die Augen.. die Tränen versiegten.. für einen kurzen Augenblick war sie völlig glücklich...

..... dann kehrte die Finsternis zurück... Schatten legten sich um sie.. und die Wärme in ihren Armen verschwand... diese schlang sie etwas enger, als sie bemerkte, dass der Körper ihres Sohnes verschwunden war... langsam hob sie die Augenlider und erblickte lediglich ein paar schwarze Federn in ihrem Schoss... keine weitere Träne rollte über ihre Wange herab.. still saß sie da... sich nicht bewegend... einfach nur ein- und ausatmend... sie nahm die Kälte wahr... die zurück in ihren Körper kroch.. und ihre Glieder und auch ihren Geist erlahmen ließ.. während sich an ihrem ganzen Körper kleine, durchsichtige Fäden bildeten und sich nach hinten in die Dunkelheit zogen... langsam wurden sie etwas angespannt und ihre Arme hoben sich etwas an... ehe schwarze Schwingen sie einschlossen und sie in der Finsternis verschwand...
Gast

Beitrag von Gast »

Sie stand im Eingang eines großen Hauses, der Blick auf die ferne Baumreihe gerichtet.
Eine feingliedrige Hand ruhte auf ihrer Schulter und als sie den Blick
anhob, sah sie das sanfte Lächeln ihrer Mutter.

" Sie müssten jeden Moment zu sehen sein Silea ... die Jagd war sicher erfolgreich "
Mit diesen Worten richtete sie ihr Augenmerk wieder auf den nahen Wald,
aus welchem nun kindliches Gelächter zu hören war.
Ihre Brüder sowie ihr Vater brachen tollend durch das Dickicht,
ihre Beute in der Hand eilten sie fröhlich auf das Haus zu.
So fühlte es sich an komplett zu sein ... es war perfekt ...

Dunkelheit umfing sie ... Wehklagen ... ein markerschütternder Schrei ...
Sie wusste was nun kam, sie sah es jede Nacht aufs Neue,
Artratus Gesicht war verschwommen und wurde von dichtem schwarzen Nebel verdrängt.
Sein Tod ... ein Gefühl ... nicht die Leere die der Tod angeblich hinterlässt
... nein ... es war der pure Schmerz einer brennenden Klinge im Herzen.
Ihr Bruder war tot, sie hatte es bis heute nicht verwunden.

Leises Weinen, wirre Stimmen, sie stand in einem großen Hof,
mit vielen Menschen. Sie hielt ihre wankende Mutter im Arm und auf
einem Haufen aufgeschichtetem Holz mit lodernden Flammen lag ihr Vater.
Eine gebrechliche Gestalt, nicht mehr der Mann den sie kannte.
Sie rang nach Luft doch half es nicht ... sie konnte nicht atmen.

Erneut umfing sie tiefe Dunkelheit und so sehr sie sich bemühte ...
sie konnte ihre Mutter nicht festhalten.

Sie entglitt ihren Händen und versank in einem Meer aus Finsterniss.
Ein lautloser Schrei entfuhr ihr und als würde sie aus einem tiefen Fall
am Boden eines Brunnens angelangen, blickte sie hinauf gen helles Licht.
Ein Gesicht näherte sich ihr ... es war Menos ... er lächelte ihr nur schwach zu.


"Gib auf kleine Schwester, du hast nicht die Kraft, du bist zu schwach,
du kannst es nicht aufhalten! Sie sind fort ... sie sind tot! Du bist nur
meinetwegen hier, du willst mich beschützen, mich nicht verlieren.

Es ist deine größte Schwäche! Liebe!"

Ein Aufblitzen ... kaltes Eisen schneidet durch Fleisch ... sein Blick senkt
sich auf die Klinge, welche nun von hinten aus seinem Brustkorb ragt.
Der Mund von Blut getränkt, Blasen werfend und schäumend als er gurgelnd spricht.


"Es ist zu spät! Du bist allein!"

Keuchend richtet sie sich auf ein Schrei der fern klingt und doch aus ihrer
Kehle zu dringen scheint bahnt sich seinen Weg durch das einsame Haus.
Das Haar klebt an Wangen und Nacken ... zitternd streckt sie die Hand
nach dem Wasser an ihrem Bett aus und nimmt einen kräftigen Schluck.
Kraftlos lässt sie sich in die Kissen zurück sinken ...
und so neigte sich eine weitere Nacht dem Ende zu ...
Ashlin Oknei

Beitrag von Ashlin Oknei »

Ich habe keine Schuhe an, was solls, der Schnee schimmert ja durch meine Füße und ist so schön warm.
Ich habe nie Schuhe an.
Die Sonne fällt nur spärlich durch die hohen Wipfel der Bäume, der Wald ist dicht hier, aber alle Äste glitzern, als wären sie von abermillionen Diamanten besetzt. Staunend stehe ich, der Kopf weit im Nacken ich drehe mich und drehe mich und will alles sehen. Der Ruf, da war wieder der Ruf, und dann ein helles Lachen, Kinderlachen und ein Schneeball saust an meinem Kopf vorbei, auf eine grüne Wiese.
Der Schneeball zerplatz beim Aufschlag in Gänseblümchen und sprenkeln die ganze grüne Fläche mit sich im Wind wiegenden weißen Punkten.
Ich habe keine Schuhe an, was solls, die Blumen schimmern durch meine Füße und kitzeln zärtlich.
Das große Feuer ist viel zu warm und doch tanzen darin Leiber, winden sich in extatischer Freude, strecken die Arme gen Himmel und versuchen sich an den aufsteigenden Rauch zu klammern, um mit hinauf zu schweben zu den Sternen. Es riecht so gut. Da! Der Ruf, ich ducke mich mit lautem Lachen, denn das weinen des Säuglings klingt so entzückend. Einen Tannenzapfen saust an mir vorbei und platscht in einen tiefblauen See, dessen Ufer am Horizont mit dem Himmel verschmilzt.
Ich habe keine Schuhe an, aber was solls, das Wasser schimmert durch meine Füße und trägt mich sicher.
Sicher, eine Sekunde, bis zum anderen Ufer, wo Licht und Sterne zugleich eine Wiege bilden in der ich liege und ich mich zu mir kuschle. der Himmel ist so blau und mein Herz klopft vor Freude so schnell, ich und ich singen ein Lied, weben Netze aus Nebelschnüren und schmücken damit die Sterne. Ach nein, es sind gar keine Sterne, es ist nur eine Leine an der meine Schuhe hängen. Wo ich sie doch nicht brauche?

Ein Ruf, nah und doch auch fern, ich schaue auf meine Füße, sind es meine Füße oder....
Ich drehe mich um nach der Wiege und finde in ihr einen grünen Zweig, einen Setzling.
Wieder der Ruf, eine helle klare Stimme, männlich? Weiblich? Es ist einerlei denn sie lacht und macht mich so froh. Ich nehme die Schuhe von der Leine, werfe sie in den See, doch der eine Landet auf einer grünen Wiese, der andere in einem Winterwald und als ich nach oben Blicke gießt die Sonne Mondlicht über mich.


Ashlin lächelte noch immer als sie erwachte, der erste Blick galt ihren Füßen und sie war froh dass ihre Stiefel da waren.
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Corakas
Beiträge: 24
Registriert: Montag 16. Februar 2015, 23:24

Beitrag von Corakas »

Schummriges Licht auf einer finsteren Lichtung. Es war windstill.
Was... wo bin ich?, fragte sich der stattliche Söldner mit dem edlen Schnurbart.
Moment mal... ich erkenne diesen Ort wieder... der Teich, das schummrige Licht, das große Feuer. Sogar das dicke Buch und der Rucksack mit dem seltsamen Essen sind hier. Ich war hier schonmal!

Tatsächlich war Corakas schon einmal hier gewesen. Im Traum.
Es war eine unnatürliche Lichtung, mit einem kleinen Teich in der Ecke. Ein großes Feuer loderte daneben, umgeben von ein paar Baumstämmen. Das dicke Buch der Namensgebung, das Corakas nicht lesen konnte, lag daneben. Man konnte nicht weiter sehen als bis zu den Bäumen. Es war vollends windstill und dahinter war es finster.
Umgeben war alles mit einem rostenden, aber unzerstörbaren Eisentor.
Er versucht wieder das Tor zu öffnen. Und wieder ist er machtlos. Es bleibt verschlossen. Es beugt sich nicht seiner Gewalt.

Corakas fühlte sich wieder völlig allein und eingesperrt. Panik machte sich breit und Schweiß drückte sich schnell und heftig aus den Poren seiner Haut. Das Tor war fest verschlossen, wie damals. Der Busch mit dem Efeu war noch da. Das Efeu, das er beim letzten Mal gestohlen hatte.
Das kann doch nicht sein... dachte er sich.
Er bekreuzigte sich im Segen des Talers, des Silberlings und der ehrbaren Krone als er wieder etwas Efeu abschnitt.
Wach ich... oder träum ich? Es hallte dumpf. Ein Donnergrollen fernab mit einem hühnenhaften Echo erschallte von jenseits des Zaunes.
Mutter aller Geldsäckel... etwas sagt mir, ich bin nicht alleine hier!
Hektisch huschen seine Augen wild suchend durch den widernatürlichen Wald.
Bild
Zeigt euch! Ich weiß dass ihr hier seid!
Ruft er hinaus und versucht seine Unsicherheit und Furcht nicht durchklingen zu lassen. Und dann fügt er leise brummend hinzu
...ich weiß, dass ihr hier seid!


Nichts.
Keine Antwort.

Er erblickt ein giftgrünes Häschen, das ihn still anstarrt. Es starrt ihn gespenstisch an mit Augen, die in seine Seele zu stechen zu scheinen. Er geht einen Schritt zurück und das Feuer knistert laut durch die Stille.
Er stößt gegen etwas. Erschrocken fährt der Söldner um.

Der Mann mit dem grünen Pferdehaarschnitt! Er steht wieder vor ihm, das Haar vom Haupte entfernt, bis auf einen einzelnen Streifen, gleich einem Pferdeschopf, aber grün-türkis gefärbt, in einen kostbaren, weiten Umhang gehüllt, der kunstvolle Falten wirft.

Wieder grollt es dumpf in der Ferne. Ihm ist als könne er leise Schreie hören.

Wieso bin ich hier? Was hat das zu bedeuten?!
Fragt Corakas.

Der Mann mit dem Irokesenschnitt schweigt.
Er zeigt in eine Ecke.
Dort steht ein Mann in Plattenrüstung. Sie ist aus vielen Metallen legiert. Doch sie ist verkohlt. Das Gesicht hinter dem Topfhelm ist nicht sichtbar. Auf dem Schild prangt ein halb abgescharrtes, verrustes Wappen.

Dunkelgrün.
Ein schwarzer Adler mit zwei Köpfen.
Ein Schwert.
Ein Rad.

Bild

Der Gestank von Fäulnis macht sich breit. Verkohltes Fleisch, verschmorte Haare. Ein übler Gestank.

Schauderhaft brüchig und zum Bersten nah heiser erschallt die Stimme des Gerüsteten.
Deine Schuld.... es war alles... deine Schuld!

Corakas stolpert voller Entsetzen rückwärtig und stammelt hilflos vor sich hin. nein! Das ist nicht wahr!

Wieder ertönt die anklagende Stimme des Toten, den Finger auf den stolpernden Söldner gerichtet.
Du.... bist Schuld! Du.... hast die Schuld.... an meinem Tod!

Mit panischer Angst erfüllt geht Corakas hastig rückwärtig weiter. Er stolpert und fällt um. Doch er richtet sich sofort hastig wieder aus dem taunassen Gras auf, immer wieder stammelnd. Nein, das ist nicht die Wahrheit... du hättest...! ich habe gesagt..! Die Stadt! Du hättest den Zwergen nicht schützen müssen!

Die Angst übermannt ihn vollends und er rennt übereilt zum Tor, das er erfolglos versucht aufzurütteln.
In unüberkömmlicher Verzweiflung rüttelt er wie wild am Tor, schlägt darauf ein.
Ich war es nicht! Es war deine Wahl!

Panisch schreit er immer wieder die selben Dinge in Richtung des Toten.
Ein Donner knallt unweit der Lichtung hernieder und Rumpelt über den Himmel und durch den Boden. Von überall kommen jetzt die Rufe, dumpf und monoton.
Es war deine Schuld.... deine Schuld.... deine Schuld...!

Du hättest nicht kämpfen müssen! Ich hatte doch gesagt, da... pf tffht! Pt!
Er spürt etwas Grobes in seinem Mund... ein bleierner Geschmack macht sich breit und als er es ausspuckt stellt er fest: Es sind Zähne. Einer nach dem anderen fallen sie ihm aus. Auch das Haar fällt ihm in Büscheln aus. Blut rinnt in großen Strömen aus seinem Mund. Überall beginnt Blut aus seinen Poren zu treten und die Haut an seinen Armen und seinem Körper wird älter und dünner, bis die Knochen sich abzeichnen. Er hat das Gefühl sein Gesicht verbrennt und verzehrt sich selbst als ihm die Augen in den Augenhöhlen einsinken.

In wilder Todesangst ist Corakas vor Entsetzen zu nichts weiter mehr fähig als lauthals zu schreien.

KRAWUMM

Das Donnern der Kartaunen reißt ihn aus dem Schlaf. Er ist wieder im Graben, irgendwo auf einem namenlosen Schlachtfeld auf einem namenlosen Kontinent als namenloser Söldner. Die Schreie klingen jetzt an seine Ohren. Er muss kurz eingenickt sein. Im Morgengrauen kommt der Angriff. Jetzt wird die Stadt mit Kartaunen bombardiert.
Irgendwo hat der Feind den Graben untergraben und ein ganzes Segment in die Luft gesprengt.

Beim Taler... welch fürchterlicher Nachtmahr!, sagt er beinah zu sich selbst, obwohl er sich nicht ganz sicher ist welcher Alptraum der schlimmere ist. Diese Verdammte Insel. Diese verdammten Zwerge...
Talers Wohlklang in meinem Geldsäckel seidank... es war nur ein Traum..., sagt er sich.
Doch da erblickt er das Bündel Efeu in seiner Hand...
Tarya Erskine

Beitrag von Tarya Erskine »

Der Tag verging, wie er so oft verging – mit viel Arbeit.
Heute war Großputz im Kessel angesagt, inklusive Fenster putzen und alle Schränke ausräumen.
Das Bärenfell wurde nach draußen geschleppt und ausgeklopft, die letzten Hobelspähne von Aleyna's Schreinerarbeit fanden sich in den hintersten -unvermutetsten- Ecken des Ladens, und der Kohlestaub der beiden Schmiede befand sich, wie konnte es anders sein, tatsächlich überall.

Das schöne an einem solchen Tag ist, alle halfen mit.
Naja, alle die halt da waren. Aber früher musste ich alles alleine machen.
Jetzt wuselten viele Hände und die Arbeit ging recht fix.
Alle Fenster wurden geöffnet und einmal das komplette Haus gelüftet, die Vorhänge abgenommen und gewaschen (und natürlich noch Feucht wieder aufgehängt).
Nach und nach erfüllte ein Duft nach Lavendel und Zitrone das Haus.
Alles blitzte und blinkte, und man konnte durchaus stolz sein, einen so tollen Laden zu haben.

Die Regale und die Theke wurden nicht nur abgewischt sondern bekamen auch noch eine Art Pflegemittel, damit alles wieder schön glänzte.

Ganz am Ende, als alles fertig war, setzten wir uns zusammen, aßen gemeinsam und jeder Kessler, der da war, war froh, dass es für dieses Jahr alles geschafft war.
Vor den letzten, besinnlichen, Tagen alles noch einmal auf Vordermann gebracht zu haben, war, ein guter Abschluss des Jahres, und gleichzeitig etwas, das im Alltagsgeschäft durchaus unter zu gehen drohte.
Nicht das der Kessel sonst dreckig wäre, nein, aber um in jeden, noch so hintersten Winkel des Ladens zu kommen, musste dieser mal geschlossen bleiben.
Wir gönnten uns den Luxus eines Glases Wein (oder optional eine Flasche Bier), und saßen noch eine ganze Weile zusammen.
Im kommenden Jahr hatten wir viele Pläne, die alle, gut durchdacht, auch noch vollzogen werden wollten.

Aber für heute war es dann genug. Die Sonne war im Begriff unter zu gehen und die Kälte gewann in Adoran wieder die Überhand.
Zeit, sich nach Hause zu begeben, und sich die Ruhe und Gemütlichkeit zu gönnen, die man sich gönnen konnte.
Wie?
Natürlich mit Ernst, Kamin und heißem Kakao!

Als wir ins Bett gingen, waren wir kaputt, müde und geschafft vom ganzen Tag, aber durchaus auch zufrieden und glücklich.
So schlief ich in den Armen des Mannes ein, den ich so sehr liebte.




„Tante Taaayaaa.... Tante Taaaayaaaaaaaaa“, erklang ein glockenhelles Kinderschreien irgendwo hinter mir.
Ich sah mich blinzelnd um. Der Raum war mir bekannt, auch der Geruch, der sich mir in die Nase schlich war ein nur all zu bekannter.
Trippel... Trappel... Kinderfüsse, welche nur all zu eilig, offenbar eine Treppe herunter eilten.

Im Kamin loderte das Feuer, leises knacken verbrennenden Holzes, das kleine Fünkchen durch die Luft wirbeln lies.
Die Tafel,. Durchaus für 10 Personen gedacht, war gedeckt mit frisch zubereiteten Speisen, zwei Flaschen standen auf dem Tisch, eine Rotweinflasche und eine Weißweinflasche, ebenso eine Tasse Kakao.

Das kleine, blonde Mädchen kam auf mich zugestürmt, und klammerte sich sogleich mit einen nicht zu verachtenden Aufprall an mein Bein, den Kopf gegen meine Hüfte drückend, während die dünnen Ärmchen sich um meinen Oberschenkel schlangen.
„Tante Taya...“ erklang es wieder, dieses Mal allerdings gedämpfter, weil sie in den Stoff meines Rockes nuschelte.
Ich streckt die Hand aus um ihr zärtlich durch die Haare zu fahren.
Langsam schien sie sich zu beruhigen, und sie hob den Blick an, um zu mir hinauf zu sehen.
Der Blick war, für den kleinen Wirbelwind ungewöhnlich ruhig, wenngleich sie irgendwas zu beschäftigen schien.

Irgendwas bewegte sich im Schatten.
Etwas kleines, fast lautlos, als wäre es gar nicht da.
Im ersten Moment glaubte ich, einer Halluzination unterlegen zu sein, aber nein, da bewegte es sich wieder.
Ein kleines, weisses Katerchen kam aus dem Schatten und tappste mit unschuldigem Blick auf uns beide zu.
„Ach, lass das doch...“, hörte ich mich selber sagen, während die Gestalt des vermeidlichen Tieres zu flackern begann.
Aus dem felligen Katzentier wurde, und das in einer recht schnellen Geschwindigkeit, die Silhouette eines Mannes.
Das blonde Haar verstrubbelt, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, während er uns beide so fixierte.
„Ach Tarya-Schatz“, erklang seine leise Stimme.

Der Raum begann sich zu drehen, als ich die freie Hand ausstreckte in seine Richtung.
Mir wurde schwummrig, das Gefühl der Geborgenheit und vor allem die Umarmung der Kleinen riss aprubt ab.
Nebel hüllte mich ein, kalt und feucht.
Grau in Grau, keine Farbe war zu sehen.
Ich blinzelte.
Etwas großes regte sich im Nebel.
Was war das?
Ein Schiff. Es bewegte sich, wurde kleiner, als würde es sich entfernen.
Ich wusste, was es mit diesem Schiff auf sich hatte.
Das „Zuerstschiff“...

Ein leises seufzten entfuhr meiner Kehle.
Die Vergangenheit holt einen doch immer und immer wieder ein.
Wieder wurde der Nebel dichter.
Das Gefühl des Drehens legte sich wieder um meinen Magen, als der Nebel sich lichtete.

Kampfplatz!
Gold-Rote Rüstungen, Männerstimmen die Befehle mit harschem Tonfall bellten.
Eine Stimme unter vielen erkannte ich immer.
Und diese Stimme herrschte gerade irgendeinen Rekruten an, dessen Gesicht ich nicht erkennen konnte.
Ketten geklirre, das Geräusch von Holz auf Holz und von Stahl auf Stahl.
Alle waren beschäftigt, mit dem, was die kämpfende Fraktion so tut.
Übungsplatz! Übungskämpfe!
Einer gegen einen, mehrere offen im Übungskampf. So wie es sein sollte, tüchtige Männer und Frauen, die sich schulten, und sich gegenseitig bei brachten, was wichtig war.

Mein Blick wanderte an mir herab.
Ein dunkelgrünes Kleid, eng anliegend, und doch alles bedeckend, züchtig, wie es sich für Adoran gehörte.
Meine Füße steckten in feinen Seidenschuhen, die schon ein wenig Staub des Übungsplatzes auf sich beherrbergten.
Ein leises „Hrm“, entfuhr meiner Kehle, während ich mich aber dann auf den Weg machte, zu den Befehle-Brüllern zu gehen.
Ich wusste genau, was sie sagen würden.
„Rekrutin, rüsten, nicht herumstehen“, so oder so ähnlich charmant würden Vaughain's oder Ernst's Worte sein, nüchtern und geradlinig.
Aber nichts.
Keiner sah mich an.
Keiner brüllte mir einen Befehl entgegen.
„Herr Oberstleutnant?“ Sprach ich den schwarzhaarigen direkt an.
Er sah zu den Kämpfenden. Keine Reaktion erfolgte.
Er sah mich nicht an, ignorierte meine Worte.
„Gardist Eichengrund?“, versuchte ich nun die nächste Stelle.
Auch dieser reagierte kein Stück auf mich.
Ich zog die Augenbrauen zusammen und ließ die Schultern sacken.
Dann begann es zu regnen.
Dicke Tropfen fielen vom Himmel, ließen meine Kleider an meinen Körper kleben und die Haare strähnig herab hängen.
Ich hob den Blick in den Himmel und besah das Wolkenverhangene Firmament.
Als ich den Blick wieder senkte, war es still. Kein Mensch war mehr auf dem Platz.
Ich stand alleine da.
Wo waren meine Kameraden?



Mit einem tiefen einziehen der Luft in die Lungen erwachte ich und saß senkrecht im Bett.
Fast schon panisch blickte ich mich in der Dunkelheit des Raumes um.
Irgendwas.... war nicht richtig.....!

Ein schmatzen und tiefes schnaufen erfolgte, und neben mir begann sich Ernst zu regen.
Blinzelnd schlug er die Augen auf, und sah zu mir hoch, während ich noch einfach nur versuchte, meinen Herzschlag und meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen.
„Komm wieder schlafen, Schatz“, murmelte er leise und begann mich wieder in seine Arme zu ziehen.
An Schlaf war nicht mehr zu denken, wenngleich mich die nähe durchaus beruhigte.
Ruhig lag ich da, seinen Arm um mich gelegt, und starrte einfach nur die Decke an.
Warum träumte ich nur so einen Unsinn?
Zuletzt geändert von Tarya Erskine am Freitag 20. Dezember 2013, 05:30, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Sie kämpfte mit sich, sie wollte nicht mehr schlafen, irgend etwas war anders.
Es war dieses Gefühl, das etwas anderes ihre Träume lenkte.
Dieser Blick der einem im Nacken hängt und die feinen Haare aufrecht stehen lässt.
Sie schlug sich eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht...nicht einschlafen...
Sie verfluchte sich selbst als sie spürte wie ihre Lieder langsam sanken.

Sie fand sich in Mitten eines großen Marktplatzes wieder. So viele bekannte
Gesichter waren da. Reges Treiben und viele Gespräche erfüllten den von
Häusern umringten Hof. Sie wagte was sie sich nur selten zugestand.
Sie lächelte ... sie hatte Freunde gefunden ... Serafina mit der sie so oft
sprach und tollte ... Thanaya und Yexxe die sich über merkwürdige Speisen
unterhielten ... sie drehte sich um die eigene Achse ... Garius stand dort,
ein verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht ... seine Tasche über der Schulter
stand er dort ....

Wieder hüllte dunkler Nebel die Gesichter ein, nur eine Gestalt trat wieder
deutlicher hervor ... es war Menos. Er stand dort ... den Blick betrübt zu
ihr gewand. Eine Stimme hallte in ihrem Kopf wieder. Jene Stimme
die in den Nächten zuvor die Menos` gewesen war. Sie klang verzerrter
und schmerzte in ihren Ohren.


"Es ist deine Bestimmung zu kämpfen! Liebe bedeutet den Tod! Für dich
oder für sie!"


Ein Aufblitzen von blankem Eisen, eine Klinge tanzte, von unsichtbarer Hand
geführt, vor den verschwommenen Gesichtern. Sie schrie laut auf ...
Sie lief und zog ihre eigene Klinge, doch kam sie nicht einen Schritt näher.
Verzweifelt holte sie aus und schleuderte die Klinge gen des dichten
Schattens der an dem tanzenden Schwert hing.
Geteiltes Fleisch und das schmatzende Geräusch von hervortretendem Blut.
Ein zufriedenes Lächeln ihrerseits .... bis ihre Klinge klirrend gen Boden fiel.
Doch es war jene fremde Waffe die blutgetränkt Kopf von Rumpf trennte.
Zwei Köpfe lagen so am Boden mit verzerrten Mienen ... Menos und Garius.


"Du bist es ! Du bringst ihnen den Tod ! Du hättest dich gegen sie oder
einfach für deinen eigenen Tod entscheiden sollen! "


Der Schatten wandelte sich in eine verzerrte Grimasse ... sie schrie und
schrie bis ihr die Luft ausging und sie mit einem tiefen Atemzug sowie
Tränen in den Augen erwachte. Panisch sah sie sich um ... es war ihr
Zimmer, das Feuer loderte im Kamin ... sie war allein .... so hoffte sie ...
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Carlos Viento
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Carlos Viento »

Schlaf. Ein hehres Ziel für jemanden, der für gewöhnlich nicht viel gutes im Sinn hat. Dennoch, war es einfach natürlich und es kostete ihn nie viel Mühe. Grundsätzlich lief alles ordentlich. Da war der Alte, der Junge, die Schöne, die Verrückten. Neugierde und Pläne, und am Ende stand ein Ziel mit dem anderen Teil seiner Seele. Das Ziel.

Der Schlaf übermannte ihn rasch als die schlanke Tänzerin, eng umschlungen an ihn, ihre eigene Ruhe im Heil der Träume suchte. Träume...


Welch ein Zuschaueranlauf! Die Kleine hatte schon immer eine gute Stammkundschaft, und es waren immer genug zahlende Gäste da, denen man auf die Finger schauen musste. Sie kamen meistens freiwillig unbewaffnet, der ein oder andere versteckte Waffen. Die üblichen Verstecke, die meisten waren einfallslos. Die ruhigen waren diejenigen, welche man beobachten musste. Die lauten waren nur zum gucken und aufheizen da, ehe sie ihre eigenen Mädels begatten gingen. Wie immer gab es wenig zu tun, er saß da. Auf seinem Stammplatz, vor ihm ein Getränk, ein Wasserschälchen für Asche. Seine Steinschlosspistole ruhte am Versteck in seiner Kleidung, alles wie immer. Er zündete sich eine der selbstgedrehten Zigarren an, das silberne Zunderzeug knackte beim Dreh und entzündete ordnungsgemäss wie immer, ein tiefer Zug erfolgte. Irgendwie hatte er sie zu schwach gedreht, ging ihm auf. Der Geschmack wollte nicht so ganz durchdringen. Er seufzte leise, behielt die Tabakware im Mundwinkel und lehnte sich ruhig gegen die Kühle Steinwand hinter sich. Er beobachtete weiter. Die Gäste waren ruhig, warteten und tranken. Eine gute Verkaufstaktik, wer wartet trinkt mehr. Zusatzeinnahmen - er hielt es in seiner Bar ähnlich.

Der Vorhang raschelte. Glöckchen klimperten und es wurde still. Die Blicke der Zuhörer wendeten sich von ihren Gesprächspartnern oder Gläsern zur Front. Bald würde das Schauspiel losgehen. Da - der Vorhang schob sich beiseite. Die sehr schlanke Tänzerin stolzierte hindurch, der Griff erging an die Holzstange in der Mitte des Podests. Ihre Kleidung war rot wie der Vorhang, sie verschwamm mit ihrer Umgebung, ein schönes spiel mit den Augen der Betrachter, sie war so gut. Er drehte lächelnd den Ring an seiner Hand der sie beide verband und nickte, beinahe schon versonnen wirkend. Dann begann der Tanz, ausschweifend und artistisch, die Haare wurden weich wie Wellen umhergeschwungen, so wie der gesamte Körper der Tänzerin. Die ersten begannen schon zu sabbern, sie merkten es wahrscheinlich nicht mal selbst. Eine schöne Drehung, war sie wirklich so dünn das sie ganz hinter dem Pfahl verschwand? War es die Kleidung die sie so mit dem Rot des Vorhanges verschwimmen liess?

Ihre Kleidung war nicht mehr rot. Ein wallendes Meer aus dünnen schwarzen Stofffetzen war um ihren üppigen und kurvenreichen Leib geschmiegt. Ein guter Trick, wahrscheinlich Wendekleidung, zweifarbig. Aber auch durchsichtig? Seltsam. Er musste sie nach der Darbietung fragen. Sie drehte dem Publikum den Rücken zu, beugte sich weit vor, die drallen vier Buchstaben wurde den Zuschauern entgegengereckt, sie sabberten noch mehr. Nur einer zog die Brauen zusammen. Hatte sie mit der anderen gewechselt? Es dämmerte ihm. Steinwand wurde zur verputzten Holzwand. Die Zuschauer, sie waren gerade noch andere, oder waren sie es nicht? Er schickte sich an sich über den Bart zu streichen, er war nicht mehr vorhanden. Ein unsicherer Blick, er kauerte versteckt zwischen zwei Fässern hinter einer Bar, er war nicht mehr im Geheimzimmer des Ankers....das war was anderes, vertraut, aber nicht möglich. Die kleinen Patschehändchen hielten sich an den Dauben fest. Seine Hände? Nein das waren nicht die Hände von ihm, es waren die eines Kindes! Aber... es waren seine Hände. Nicht die des Mannes, die des...

Die Fässer rumpelten als er erschrocken nach hinten fiel um seine eigenen kleinen Hände anzufassen. Die Köpfe der nunmehr gesichtslosen Unbekannten ruckten herum, die Tänzerin, sie tat es ihnen gleich. Mit Zorn im Blick. Die vollen Lippen pressten sich eng zusammen als sie herüber sah, ihn erkannte. Er tat es ebenso, er erkannte die Tänzerin.... "Bei allen Höllen der Meere....Nein." schalmeite es in seinem Kopf. Dann ertönte die Stimme dieses... Weibs.
"Carlos verdammtnochmal Viento, beweg deinen dürren Hintern sofort auf dein Zimmer, du hast hier nichts verloren! Warte bis ich dich erwische!" Er wollte die Beine in die Hand nehmen, er fiel, rappelte sich wieder auf, und rannte, aber er kam nicht vom Pfleck. Die Tänzerin griff nach einer Flasche auf dem Tisch eines Zuschauers, sie hob sie und warf. "Nicht Ma!" kam es in heller Jungenstimme aus seiner Kehle. Es klirrte.

Er saß auf einmal senkrecht im Bett, sein Bett. Der Mond der durchs Fenster schien liess die Haut vom Schweissfilm bedeckt aufleuchten, der Atem ging heftig, das Keuchen war kaum zu überhören. Sein Herz zersprang fast vom heftigen Schlag. Er wischte sich über das kaltschweissige Gesicht. "Mierda...was eine..." er vollendete den Satz nicht, sondern liess sich wieder zurück in die Felle fallen. Die Hände an die Stirn gebettet, die Arme nach oben abgewinkelt. Seine Augen waren weit geöffnet und blickten an die schlichte Holzdecke, sein Atem wurde ruhiger. Schlafen... nein, jetzt nicht mehr. Sein Mädchen schlief noch... er würde sie nicht wecken...ein paar minuten liegen, dann bräuchte er einen Rum und eine Zigarre, oder zwei.
Zuletzt geändert von Carlos Viento am Freitag 20. Dezember 2013, 04:55, insgesamt 1-mal geändert.
Fye Llastobhar

Beitrag von Fye Llastobhar »

Ich wandle auf toten Blättern, sie knistern unter dem Druck meiner nackten Füße und ich spüre, wie sie trocken und brüchig in viele kleine Brösel zerfallen. Einige davon kleben an den Sohlen fest, pappen so hartnäckig an Fersen und Zehen, als wollten sie zur zweiten Haut werden.
Während das knirschende, leblose Blattwerk am kalten Boden zerbröckelt, sind die Äste der Bäume um mich herum kahl. Leer, beinahe schon bleich... blank, wie Knochen, die verwaschen und verwittert mehrere Jahre schlichtweg vergessen wurden. Dafür sind die Verästelungen bizarr in sich verschlungen und verzerrt, wie mehrfach gebrochene oder im Schmerz verkrampfte Gliedmaßen.
Ein kühles, mattes Licht durchdringt im schwachen Puls den grotesken Wald mäßig, wirft schreckliche Greifeschatten, hüllt alles in Unleben. Mit jedem Schritt, den ich mache, verliert es an Kraft und gibt im selben Atemzug Raum für das, was hinter den Schemen liegt: Huschende, eckige Bewegungen, lauernde Sinne.
Das Schrecklichste aber ist diese grabesgleiche Stille. Als habe man die Welt eng in eine feste Decke gepackt, welche jedes nur erdenkliche Geräusch um mich herum erstickt. Einzig mein rasch pochender Herzschlag, der zittrige Atem und das zersplittern der Blätter ist mehr als deutlich zu vernehmen.

Vermutlich sollte ich umdrehen und rasch aus diesem Zerrbild der Wälder, die ich so liebe, rennen... oder wenigstens endlich stehenbleiben, doch es ist ein Traum - ja, dessen bin ich mir schon bewusst - und dieser folgt nach ganz eigenen Regeln und hat eine äußerst eigene Logik inne, die man am nächsten Morgen nicht mehr erklären kann, meist sogar kopfschüttelnd belächelt, jetzt aber greift sie. So flattert zwar die Angst wie ein Schwarm aufgeregter Glühwürmchen in meiner Brust und tropft mir kalten Schweiß in den Nacken, doch ergibt es einen Sinn für mich, zeigt mir meine Aufgabe: Ich MUSS weitergehen, selbst wenn das Licht irgendwann ganz erlischt und mich die Dunkelheit holt.

Vielleicht sind es diese tapferen Gedanken oder der Wille meine Rolle im Traum zu spielen, doch glimmt da, kaum acht Schritt vor mir ein blaues Licht auf. Der Reflex lässt mich die Arme schützend vors Gesicht reißen, als es binnen eines Bruchteils meines Wimpernschlags zur lodernden Flamme aufblitzt. Neugierde zerrt an meinen Lidern und ich kann gar nicht anders als verstohlen, wie ein unsicheres Kleinkind, zwischen meinen Fingern hindurch zu linsen, um einen Blick auf das "blaue Wunder" zu erhaschen.
Blaues Wunder... in der Tat!
Ein Rosenstrauch, lebendig und kräftig, klettert an einem zerborstenen Baumstumpf empor. Wehrhaft blitzen die Dornen und seine Knospen haben die Sicht auf leuchtenblaue, wärmend glühende Blüten freigegeben. Ich registriere nur kurz, dass meine Arme herabsinken die Lippen sich leicht öffnen. So wunderschön, das es in der Brust schmerzt und mir Tränen in die Augen treibt, so vertraut, dass die Angst der Geborgenheit zu weichen beginnt. Das Wappen, nein Wahrzeichen meiner Familie, die blaue Rose des Hauses Llastobhar. Sinnbild für meine Mutter, meine Tante, meine Basen, meine Vettern...

... und da hört meine gedankliche Aufzählung bewusst auf!

"... Metapher für deinen liebevollen Onkel, dessen reizende Gattin und natürlich auch - für mich."

Wir haben uns nur ein einziges Mal "unterhalten" und doch würde ich die höhnende, dunkle Stimme überall wiedererkennen. Rasch drehe ich meinen Kopf, versuche ihn rasch zu entdecken, ihm den Vorteil nehmen und die keimende Geborgenheit in meinem Herzen wird von flutender Panik hinfortgespült.
Ein schneeweißer Wolf tritt gemächlich aus den Schatten, schenkt mir einen langen, spöttischen Blick und wendet sich dann aber dem Rosenstrauch zu.

"So viele kleine, schwache Blümchen. Sieh nur, wie sie tapfer die Dornen zeigen, sich dahinter verstecken wollen. Törichte, weiße Lämmchen allesamt, als könnten diese winzigen Spitzen einem Wolf etwas anhaben...."
Mit einem hässlichen, raschen Schnappgeräusch schließt sich der Kiefer des Wolfes und die erste Blüte fällt herab. Blut tropft aus dem geschundenen Stiel, während das warme Licht die rose am Boden verlässt. Ich möchte schreien, auf ihn zuhasten, den Wolf aufhalten, doch kein Muskel meines Körpers ist fähig sich bewegen. Gelähmt und erstarrt verfolge ich das grausige Schauspiel und muss mitansehen, wie er eine Rose nach der Nächsten köpft. Zurück bleibt die verendende Pflanze und der schneefarbene Wolf, welcher seine Aufmerksamkeit wieder mir schenkt und langsam die Lefzen hochzieht, als wolle er mir zugrinsen.
Rot, blutrot das Maul, die Zähne, die Zunge.

"Keine Angst, Häschen, es war nur eine Metapher, oder? Eine Gleichnis aber nicht die wirklichen Akteure meines Spiels - du glaubst doch nicht, dass ich es so einfach und langweilig beenden würde, hm?"

Die lange Zunge leckt einen Blutstropfen von der Schnauze.

"Aber genug geredet meinerseits, du bist ja ganz still. Hast du mich nicht das letzte Mal noch ausgelacht, ja sogar versucht mir eine Falle zu stellen? Vergeltung, ja? Vergeltung für mein entwischtes Singvögelchen..."

Ein dunkles Lachen, welches mit kalter Hand Druck auf meine Brust ausübt.

"Ich mache dir einen Vorschlag, Häschen. Lass uns die letzte Begegnung doch weiterspielen, ohne deine Taschenspielertricks, ohne deine Schlingen und Gruben. Was waren noch meine Worte an dich...?"

Ich sollte nicht antworten, doch selbst meine Kehle gehorcht mir nicht und so entweichen mit der Luft auch Laute, formen die Worte einer kleinen, verängstigten Kinderstimme:

"Lauf, Häschen, vielleicht geb ich dir ja einen Vorsprung aber du musst schon sehr schnell sein, denn..."

"... ich bin der Wolf und ich fresse Häschen!"

Er duckt sich zum Sprung, noch immer bin ich nicht Herrin über meinen Körper, kann mich nicht auch nur einen Zoll bewegen.

Und da spüre ich es.
Spüren wir es beide.
Da ist noch etwas!

Verwirrt, als hätte etwas seine Witterung durcheinandergebracht, dreht der Wolf den Kopf, die zuvor angelegten Ohren spitzen sich lauschend erneut, suchen nach einem verräterischen Laut.
Nichts, doch es ist da - es beobachtet uns!

"WER?!", knurrt der Weiße bellend und ich spüre Leben in meinen Gliedern.
Mir gleich, wer oder was die Situation ihm so entrissen hat, ich drehe um und mache seinem Spitznamen alle Ehre, als ich hakenschlagend in den dunklen Wald haste.

"Rrrhhaaaaarrr... ja, lauf Häschen, lauf und wenn du das Vögelchen siehst, richte ihr aus, dass ich ihr das nächste Mal die verdammten Flügel brechen werde!"

***

Sie saß in ihrem Nachtlager aus Fell und Tannenzweigen, umklammerte den ausgekühlten Oberkörper und zwang sich den keuchenden Zitteratem wieder unter gemäßigter Kontrolle zu bekommen. Nur ein Traum, nichts weiter, alles erklärbar. Wortfetzen einer Unterhaltung, die sich so schon einmal abgespielt hatte - nunja, beinahe so.
Ängste, die sie kannte, Unsicherheiten denen sie trotzen wollte.
Nichts Unerklärliches - bis auf... ja was genau eigentlich?

"Es war da, dort im Traum, es hat uns beobachtet."
Zuletzt geändert von Fye Llastobhar am Samstag 21. Dezember 2013, 23:53, insgesamt 1-mal geändert.
Gast

Beitrag von Gast »

Es waren anstrengende Tage. Der Turmbau, oder zumindest die Planung dessen, mehr als tausend Gedanken zu seinem Stab, wie er ihn baut, was er nun wirklich will und und und, der Unterricht am Konzil und der tägliche Dienst im Regiment.
All das tat er gerne, weil er ganz genau weiß wofür er das tat. Jenes 'etwas' konnte er jeden Abend in die Arme schließen. Er tat all das für Naema. Sein Leben hatte schon seit längerem wieder einen Sinn oder viel mehr trat eine Person in sein Leben die dieses mit Sinn erfüllte. Er liebte sie über alles, sie sind sogar schon, auch wenn es an dem Abend völlig übereilt schien, verlobt und planten auch schon ihre Hochzeit. Anfang nächsten Jahres, wenn der Schnee geschmolzen ist und die Blüten der Blumen wieder ihre volle Pracht entfalten. Dann, ja dann würde die Familie Daske ein Mitglied mehr haben.
Er legte sich spät Abends zur Ruhe, naema schlief schon, und lies sich einiges nochmal durch den Kopf gehen, wobei er hauptsächtlich an seinen Stab und seine große Liebe dachte. Es dauerte nicht lange bis ihn die Erschöpfung des Dienstes in das Reich der Träume riss.


Er blinzelte ein paar mal als er seine Augen öffenete. Der Raum in dem er war, er war so seltsam vertraut, doch nicht der in dem er einschlief. Er versuchte aufzustehen, doch konnte er es nicht. Seinen kurzen Ärmchen und Beinchen fehlte es an Kraft und dem nötigen Geschick dazu. Er strampelte wie wild umher bis ein Schluchzen an sein Ohr drang. Er drehte sich auf die Seite und erblickte etwas, nein jemanden, den er schon sehr lange nicht mehr sah. Seinen Vater. Injungen Jahren hatte er keinerleih graues Haar, dabei bekamen Daskemänner ziemlich früh graue Haare. Ein anfang dreißig jähriger nahezu komplett ergraut war da nicht selten. Doch war sein Vater nicht so alt. Merrik blickte durch dünne Holzstäbe zu seinem Vater und es dämmerte ihm, dass er selbst auch nicht so alt ist wie beim Einschlafen. Von Mal zu Mal wurde es ihm klarer wo, oder eher wann er war. Er lag in seinem Kinderbett, gerade mal 2 Jahre alt. Seine Schwester neben ihm, erst ein paar Wochen war sie nun da. Doch sie schwieg, erstaunlich für den kleinen Schreihals. Es schien fast so als sei ihr bewusst was unseren vater zum Weinen brachte, und das woltle sie nicht mit Geplärre unterlegen. Auch Merrik dämmerte es allmählich, diese Szenerie, tief verborgen in seinem Inneren. Der Vraumeister, sein Vater, weinend in seinem Sessel am Kamin, er in seinem, seine Schwester in ihrem Bett, schweigend. Der ganze Raum schien geflutet von einer bedrückten Stimmung. Es war die Szene die sich in seinem Gedächtnis einbrannte nachdem seine Mutter entführt und umgebracht wurde.
Ein grelles Licht glimmte auf und er fand sich in einer neuen Situation da.
Er saß, einige Jahre später, mit seiner Schwester in ihrem Haus. Vater war in seiner Taverne, aber Merrik war mitlerweile auch schon alt genug um auf seine kleine Schwester aufzupassen. Glücklich und fröhlich spielten sie in ihrem Zimmer. Keine Anzeichen mehr von Trauer. Merrik ging nur kurz in die Küche um etwas zu trinken zu holen. Als er wieder kam war seine Schwester jedoch nicht mehr da wo er sie bat sitzen zu bleiben. Ein dunkler Schatten husche im Augenwinkel umher, durch die Tür, aus dem Haus. Merrik schnappte sich beim Hinterherrennen seinen kleinen Bogen und esinen ebendso kleinen Köcher, beides war gerade groß genug für einen 10 jährigen. Er rannte hinter dem Schatten her. Durch die Straßen und Gassen Havenas. Er schrie um Hilfe, doch niemand half. Er verfolgte den Schatten bis zum Hafen. Jener blieb dort stehen, direkt am Kai und hielt seine Schwester an einem Arm über das Wasser. Der Schatten flackerte unwillkürlich umher, die Gestallt schien sich nicht wirklich zu manifestieren. Er blieb mit etwas Abstand vor dem Schatten stehen, spannte einen Pfeil in seinem Bogen und zielte auf die Gestallt. Kurz zeigte sich eine widerliche Frazte, welche Merrik ankeifte, er solle verschwingen, er könne sowieso nichts tun. Merrik hörte fast nichts mehr, ein dumpfes Rauschen drang an sein Ohr, die Gefahr des Meeres für seine Schwester, die nicht einmal schwimmen konnte, die Worte der gestallt klangen nur nach dumpfen Worten, genausowenig verständlich wie laut, sein Herzschlag war dafür umso lauter, die herannahenden und rufenden Wachen nahm er überhaupt nicht wahr. Ein kurzes Flackern ging durch die Gestallt seiner Schwester und für einen Sekundenbruchteil schien da nicht sie zu händen, sondern Aurea, welche seiner Schwester so ähnlich sah, dass man meinen könnte, dass es Schwestern sind. Aurea, welche Merrik lieb gewonnen hatte, eine Freundin fand, auch wenn es zu einigen Komplikationen führte, aber das ist eine andere Geschichte. Er lies den Pfeil auf den Schatten losfliegen. Wie in Zeitlupe lies jener seine Schwester los, welche nach unten fiel, in Richtung des für sie allein tödlichen Meerwassers. Er lies seinen Bogen fallen und rannte los, bis zum Rand des Kais, sprang hinter seiner Schwester her in die Fluten der Meere. Der Schatten schien mit dem Pfeil, welcher ihn ziemlich böse erwischte, mehr als beschäftigt zu sein, von den Wachen ganz abgesehen. Merrik tauchte in das Wasser, seiner Schwester hinterher, dich schien es eher dickflüssiger Sirup zu sein. Er tauchte ihr hinterher, tiefer und tiefer, bis er dann endlich ihren Arm ergriff. Er wollte sie wieder mit hoch zehen, doch schien sie sich irgendwo verfangen zu haben. Ein dickes Seil schlang sich um ihr Bein. Merrik zog einen Dolch und schnitt das Seil für einen zehnjährigen ziemlich schnell durch, als habe ihm eine unsichtbare Macht mehr Kraft dazu gegeben. Er zog seine Schwester bis an die Wasseroberfläche und ergriff eines der rettenden Seile, welche die Wachen nach ihnen warfen. Sie wurden hoch gezogen und er legte seine Schwester auf den boden. Sie atmete nicht. Er versuchte sie zu beatmen, er hatte schon einiges für den Ernstfall gelernt, doch vergebens. Seine Schwester war tot. Er schrie, mit dem Gesicht nach oben gerichtet, auf.
Sein geist schien seinen Körper zu verlassen und er beobachtete die Szenerie von Oben, entfernte sich immer weiter und weiter, alles wurde immer dunkler und dunkler.
Ein leises Knustern von Feuer drang an sein Ohr. Ein seichter Lichtschein, welcher von Mal zu Mal größer wurde. Das Knistern kam von einem brennenden Haus, seinem Haus. Er war deutlich älter, schwer zu sagen wie alt. Er hielt einen Stab in seiner Hand, seinen Magierstab, mit den vier kleinen Elementarkugeln in der Kristallspitze. Er blickte ruhig auf das brennende Haus, welches die Nacht erhellte. Naemas Pferd stand da wo es immer stand wenn sie zuhause war, sein mustang war nicht zu sehen. Das leise Knistern wurde lauter, Schreie vermischten sich mit jenem, Schreie aus dem inneren des Hauses. Eine Frau, ein, nein zwei Kinder waren in dem Haus. Naema! Er wollte sich bewegen, wollte ihr helfen, das feuer löschen, irgendetwas. Aber er konnte nichts tun, er konnte sich nicht bewegen, er konnte nicht zaubern, irgendetwas hielt ihn davon ab. Aber Naema war selbst Magierin, wieso tat sie nichts? Wieso löschte sie nicht das Feuer? Das Feuer, welches das Haus, sie und ihre Kinder verzehrte. Das Feuer was Merrik selbst entzündete?


Er schrak auf, sein Atem war scher und unregelmäßgi, er zitterte am ganzen Körper, schweißgebadet saß er senkrecht in seinem Bett. Er sah sich um, alles wie es sein soll. Langsam stand er auf und ging mit zittrigen Beinen ins Zimmer nebenan. Naema schlief ruhig und ungestört. Ein erleichtertes Lächeln legte sich auf seine Lippen ehe er sich in einen der Sessel Setze und zur schlafenden Naema blickte. Ruhig schlief er dort sitzend wieder ein.
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Garius Evanthis
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Registriert: Donnerstag 18. Juli 2013, 05:51

Beitrag von Garius Evanthis »

Alles was noch übrig blieb war Schlamm. Ein Gemisch aus den dunklen Farben des Mauerwerks, dem fahlen Licht der Kerzen, verbogen sich die Fugen, formte eine ungerade Linie. Ich hatte das Gefühl auf einem Ofen zu schlafen. Es war ein Fluch, zu wissen, was mit dem eigenen Körper nicht stimmte, aber auch zu wissen, dass irgendwann ein Punkt gekommen war, indem der Körper alleine kämpfen musste.
War ich wach? Schlief ich? Wieviel Stunden sind vergangen? Welcher Tag war überhaupt? Die vergangenen Tage waren nur noch Matsch in meinem Kopf. Ich hatte keine Ahnung, ich wollte es nicht wissen… mach die Augen zu Garius… gönne deinem Körper die Ruhe die er braucht…


… ich weiss nicht was es war, das mich weckte, ich hörte Schreie aus dem Bereich meines Labors. Ich schleppte mich aus dem Bett, doch meine Knie wollten mich nicht tragen. Ich spürte die Schwäche in meinem Leib, eine Schwäche, als würden meine Beine bis zu den Knien im Schlamm stecken. Flach und schnell ging meine Atmung, während die Steine des Mauerwerks sich verformten. Doch die Treppe war offenbar mein Freund. Sie bog sich mir entgegen, ein guter alter Freund… meine Treppe, die Erlösung, nur noch ein paar Schritt weiter und ich war dort, wo man meine Hilfe brauchte.
Ich spürte einen lahmen, drückenden Schmerz in meinem Fuß und wie ich auf den Boden sah, lachten mich herumrollende Ginsengwurzeln an, doch schien diese, auf die ich getreten war, ganz und gar nicht begeistert, hatte sie sich doch tatsächlich in meinem Fuß verbissen.
Alles war zerstört, meine Rundkolben flogen wie von Geisterhand durch die Gegend, während die Stehkolben sich sorgfältig in der Ecke aufeinander stapelten. Ein schrilles, kaum definierbares Gemurmel. Ein dissonantes Wirrwarr aus hellen und dunklen Stimmen untermauerte das Szenario, wie Ginseng mit Scherben auf die Alraune einstach, während die Schwefelasche sich zu kleinen Golems formte und sich gleich einem fetten Kind langsam auf mich zu bewegte. Die großen, leeren Augen starrten zu mir hinauf, ehe die kleinen Fäustchen damit begannen auf meinem Knöchel herumzutrommeln.
Mein Kopf dröhnte, was sollte das alles hier?
„GARIUS!“ schreckte mich eine heitere, fröhliche Stimme auf und wie ich den Blick hob, sah ich sie da stehen. Silea, in einem recht knappen, ansehnlichen Kleid, um die Taille eine Schürze gebunden, während sie in ihrer Rechten eine Bratpfanne hielt und damit wie beiläufig auf herumhubsenden, kleinen schwarzen Perlen herumprügelte.
Auf den Zügen der Frau lag ein herzliches, fast schon mütterliches Lächeln, als würde sie mit der Bratpfanne nicht auf die quietschenden Perlen einschlagen, sondern ein Kind mit mütterlichen Gesten betätscheln. Doch die Augen kalt und starrend, gleich einer Puppe, während die Bratpfanne in einem autarken, automatisierten Rhythmus auf die Perlen einschlug.
„Ich dachte ich bereite dir schon einmal alles für deine Arbeit vor".
Ich versuchte zu sprechen, doch aus meiner Kehle kam nichts, als hätte man mir die Stimmbänder entfernt. In meiner geistigen Umnachtung hatte sich derweil einer der kleinen Schwefelaschegolems auf meine Schulter gesetzt und begann damit, mir gegen den Schädel zu trommeln.
Ich wollte mich wehren, ich spürte den dumpfen Schmerz in meinem Kopf, den dumpfen Schmerz in meinen Gliedern, wie sich die lachenden Wurzeln in meiner Haut verbissen, als hätten sie neues Fressen gefunden, während der Golem weiter und weiter mit seinen gelblich weißen Fäustchen auf meine Schläfe boxte.
Mit einem Mal sanken die Mundwinkel der Frau, die Tränensäcke sackten hinab, das letztlich nicht mehr als eine ekelhafte Fratze zurückblieb. „Du enttäuschst mich, Garius!“ die noch zuvor melodisch, klingende Stimme war nun mehr ein krächzender Laut, als dann plötzlich vor mir einer der Golems größer wurde. Die feine, staubartige Haut wurde dunkler, lederner, mehr einem Menschen ähnlich. Ben? Es war Ben… dann sah ich nur noch seine Faust...

Ich zuckte zusammen. Stille, nicht mehr als das dunkle Mauerwerk, erhellt vom Kerzenlicht meines Schlafzimmers. Mein Kopf dröhnte und spürte unter den Fingern, die über meine Stirn wandernden, kalten Schweiß. Alles war ruhig, nur ein Traum…
Zuletzt geändert von Garius Evanthis am Freitag 20. Dezember 2013, 16:35, insgesamt 3-mal geändert.
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Karawyn
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Beitrag von Karawyn »

Der Geruch von altem Schweiß und vergorenem Obst, von schal gewordenem ranzigem Fett und einem guten Schuss billigem Fusel, vor allem aber von mit kaltem Rauch durchtränkten Kleidern zog ihr wie eine unüberwindliche Wolke in die Nase, legte sich mit aller Macht auf ihr Gesicht und nahm ihr die Luft zum atmen. Sie kannte die Winde der freien See, das salzige sich auf die Zunge legende Aroma, das stets ein Abenteuer versprach, sie liebte die feine Süße der Inselfrüchte, welche in bunter Mannigfaltigkeit verteilt über Laerdomn wuchsen und über allem konnte sie vom Duft der Sternblüten, die in machen Nächten ihre weißen Blüten erwartungsvoll in den Himmel streckten nicht genug bekommen. Doch nichts von alledem konnte den beißenden Geruch der Männer durchdringen, die die kleine Mädchengestalt umringt hatten. Männer, die dem kleinen von der Sonne geküssten Kind mit dem feinen Lockengewirr und den sich darin als helle Strähnen eingefangenen Strahlen wie riesige Felsen in einem unsicheren Meer gegenüberstanden, mit teils fauligen Zähnen und vom Wetter gegerbter Haut.
Sie spürte ihre kalten Augen auf sich, empfand ihre gierigen Blicke die sie entmenschlichten und aus ihrem jungen Körper nicht mehr als eine Ware machen wollten… stechende und zugleich dumpfe Pupillen die aus allen Winkeln in ihre Richtung zu starren schienen, an ihren Gliedern wie pirschende Tiere entlang glitten und ihren Wert, den sie in barer Münze ausmachen würde, einschätzten. Das Mädchen, nicht mehr als 9 Sommer zählend, drehte und wandte sich hin und her, während die Tränen aus ihren Augen tropften, sich mit dem salzigen, weißer als in der Erinnerung glänzenden Sand der Insel vermischten, als der erste der breitschultrigen Hünen die Pranken nach ihr ausstreckte. „Mutter ist tot…“ hallte es unentwegt durch den kleinen Lockenschopf, „Sie haben ihr das Licht genommen…“. Durch eine sich zwischen den Männern auftuende Lücke glitt der tränenverhangene Blick des Kindes und blieb dort an dem hängen, was einst ihre Mutter Seryn ausgemacht hatte. Gnadenvoll wie ein fallender Vorhang hatte das tiefdunkelbraune Haar ihr Gesicht verdeckt, die noch zum Schrei halb geöffneten Lippen verhangen und doch klang der Ruf immer und immer wieder in ihr nach, das letzte Wort, das die Mutter im Mund gespürt hatte während der Tod seine Krallen in ihr Fleisch grub.
„Karawyyynnn….“
Sie wollte nicht hinsehen, konnte den Anblick dessen was aus der wunderbar warmherzigen Frau geworden war nicht ertragen und doch starrte sie entsetzt auf den verdrehten Leichnam, sah das das dunkle rot des gerinnenden Blutes an dem hellen weißen Kleid, für welches sie viele Stunden genäht hatte, erblickte was kein Kind jemals zu Gesicht bekommen sollte.
„Karawyynnnn… lauf…“ Schriller und immer höher überschlugen sich die Worte, die von einer zur anderen Seite im inneren ihres Kopfes prallten und das erste Mal in ihrem Leben ergriff eine namenlose Panik Besitz von ihr. Sie musste weg, musste fort… irgendwohin. Vielleicht in die kleine Höhle die man nur tauchend erreichen konnte und der es stets die schönsten aller Perlen gab, oder hinauf in die Krone des alten Baumes, dessen Blätterdach schützend all jene verbarg die in seiner Krone Zuflucht gefunden hatten.
„Karaaawyyynnn…..“
Wie in einer endlosen Zeitlupe näherte sich die ungewaschene schmierige Hand des ihr nähsten Seemanns, wollte sie am Arm packen doch im Geist der kleinen Karawyn gab es nur ein Wort das mit aller verbliebenen Macht den Schock überstrahlte.
FLUCHT
Während sie sich abzuwenden versuchte stachen die aus allen Richtungen gaffenden Augen wie scharf geschliffene Messerspitzen in ihren baren Rücken, durchbohrten das weiche Fleisch wie Pfeile, die einem fliehenden Tier nachjagten und ein Ruck riss sie von den schlanken Beinchen. Irgendwer musste sie getroffen haben, flüsterte die Stimme in ihrem Kopf unentwegt und drängte panisch, sich wieder aufzurichten, weiterzulaufen bis zum Ende der Insel und noch viel weiter, doch so sehr sie sich wehrte, die Hände ihrer Häscher waren größer. Angstvoll schlug sie um sich, traf den einen an der vom vielen selbstgepanschten Schnaps geröteten blutunterlaufenen Nase, kratzte dem anderen erbarmungslos über die empfindliche Haut an Auge und Schläfe und trat was ihre Kraft nur hergab. Der eine oder andere Schrei ließ sie hoffen, die sie packende Hand löste sich ein klein wenig und wieder schrie ihr Verstand in einem letzten heißeren Schrei nur: FLIEH! Doch gerade als sie sich über die Freiheit erleichtert zeigen wollte, klang ein lautes dumpfes Dröhnen das sich wie Wellen über ihren Kopf ausbreitete, die Zähne gegeneinanderschlagen ließ und einen Schwall an brennenden Schmerzen wie Feuerameisen durch ihren ungeschützten Geist sandte. Sie wollte stöhnen doch kein Laut entrann der Kehle als es um sie herum schwarz wie die Nacht an einem sternenlosen Tag wurde und jemand der Sonne über Laerdomn ihr Licht nahm. „Duuu… musst… flllliiiieeeehhhheeeennnn..nnnn.nnn…“, wisperte ein letzter Gedanke noch ehe auch dieser im allumfassenden Schwarz verschwand, sich als letzter Wiederstand in ein waberndes Nichts auflöste.

Die Lippen zusammenpressend und leise wimmernd wandte sich der schlafende Körper im unteren Stockbett, mitten im ruhigen winterlich verschneiten Schwingenstein, von einer zur anderen Seite, schlanke Hände hoben sich abwehrend in die Luft und schlugen nach den Geistern der Vergangenheit ohne auch nur einem von ihnen nahe genug kommen zu können. Karawyn, die vor nicht mehr als einem Stundenlauf den Platz nahe des Kaminfeuers geräumt, ihn aufgegeben hatte, träumte ohne vom dem Schrecken der inzwischen mehr als ihr halbes Leben entfernt liegenden Zeit geweckt zu werden. Der kühle Wind fand durch die Ritzen einen Weg ins Innere und strich über das mit kaltem Schweiß benetzte Gesicht, als wollte er die junge Tänzerin beruhigen, doch drang der Lufthauch nicht bis in die beängstigenden Schwaden vor ,die ihren Schlaf fest umschlungen hatten. Und so verging in dieser Welt gerade ein Moment während im Augenblick eines Zwinkerns im Traum etwa drei Jahresläufe den Fluss der Zeit hinab rauschten.

Schweres Parfum aus den feinsten Essenzen der wilden Orchideen, Schwaden vom weißen Weihrauch, der in kleinen güldenen Behältern vor sich hin schwelte und so seinen reichen Gehalt in die Luft entließ und der feine unterschwellige Geruch eines Mannes, zwar sauber und doch nach Alter und Verbrauchtheit stinkend mischten sich im vom Kerzenschein erhellten Raum, der mit den erlesensten bestickten Vorhängen gegen die Geräusche der Außenwelt abgeschirmt war. Die letzten Töne der Schellen und Glöckchen umrahmten das auf den Boden gesunkene Mädchen, vielleicht etwa zwölf Lenze messend, untermalten ihr leises unterdrücktes Atmen als sie sie das hübsche Gesichtchen aus der letzten Pose, in der der Tanz geendet hatte, anhob und erst fragend in Richtung ihres Meisters und schließlich, wenn auch ein wenig wiederwillig zu dessen gast gleiten ließ. Sie hatte gefallen wollen, hatte gezeigt wie die drei Jahre im Harem den kindlichen Körper geformt hatten und auch wenn sie wusste, dass ihre Darbietung niemals mit der ihrer Lehrerein mithalten konnte, so pulsierte die Freude darüber, das Aufblitzen in den Augen ihres Herrn zu sehn, hell aufleuchtend durch ihr kleines Herz.
„Ich bin voller Stolz, Karawyn…“, begann Rahesh Chalim Ishtez und legte die asketisch schlanken Finger gegeneinander an denen schmale goldene steinlose Bänder als einzige Juwelen thronten, während ein beinahe wölfisches Grinsen sich auf dem vertrauten Gesicht zusammenzog. Augen wie zwei schwarze Kohlestücke fanden den Weg an den nackten Armen hinab, ließen sich von dem hellen azurfarbenen Blau des Tanzkleides aufhalten und endeten ihren Lauf an den ebenso unbekleideten Füßen, die mit silbernen Ketten geschmückt worden waren. Neben ihm richtete sich schwerfällig der schmerbäuchige mehr als nur ein wenig gutbeleibte Gast auf, dessen Doppelkinn wie eine Schale Pudding aufgeregt auf und absprang. "Sssehr söööhn, wirklichh.", lispelte er und achtete nicht auf seine spuckende Aussprache."Wie alt chhhabt Ihr nochmal gesssagt?"
„Die junge Karawyn, unsere kleine Blüte, wird in nur wenigen Tagen die zwölf Sommer bemessen.“ Den Blick nicht von ihr nehmend nahm sein Gesicht einen Hauch von Mitleid an, als betrachtete er ein in die Falle geratenes Tier dem man im nächsten Atemzug den Gnadenstoß geben würde. Gierig sabbernd klatschte der Dicke neben ihm in seine feisten fetten und mit allerlei Tand beringten Wurstfingerchen und begaffte ohne jede Form von Zurückhaltung den gerade erst erblühenden Körper des Mädchens. "Wunderfffein, gekauft! Ssie ist doch noch überührt.. nichhhht?" Rahesh verzog zwar leicht den Mund, in seinem Gesicht, das er von dem Gast für einen Moment abwandte, zeigte sich ein Anflug von Missbilligung, bevor er schließlich doch nickte und sich ein weiteres Lächeln abrang. "Söööhn, söööhn. So mag ichh sssie am liebssten.", kicherte Minkhar und sein Doppelkinn wippte wie ein weiteres Mal wie zähflüssige Gelatine umher, "Brennt ihr mein Sssiegel auf und safft sie dann nach Rahal um sssie sspärlicher einzukleiden. Aber wehe ihr nehmt dann nicht dasss ersste Schiff zzsu meiner Burg. Ich möchhhte mein ssschönesss neuesss Ssspielzzseug nichht zzsu lange missssen."
Einen Moment lang brauchten die eben vernommenen Worte um bis in Karawyns vor Freude über den gelungenen Tanz erfüllten Geist vorzudringen, einem Atemzug, einen zweiten, bis der Gehalt der Nachricht schließlich bleischwer in ihre Glieder sackte. Man hatte sie in diesem Moment verkauft, verschachert wie ein Stück Vieh. Wieder ergriff das Gefühl der Panik sie, zog den Kreis um sie enger und erneut kannte ihr Innerstes nur einen Ausweg…
FLUCHT
Unter den mit Farbe geröteten Wangen verlor das hübsche Gesichtchen alle Farbe, wurde kalkweiß wie die hinter den Vorhängen verborgenen Wände und noch während sich ihre Augen weiteten, tappte sie bereits den ersten Schritt rückwärts, einfach nur weg aus diesem Zimmer… doch weit sollte sie nicht kommen denn schon im nächsten Atemzug stieß sie gegen die beiden Eunuchen ihres Herren, die dunkel wie Ebenholz, nur mit einem reich geschmückten Lendenschutz bedeckt hinter ihr aufragten, die Arme dich wie Baumstämme.
„Du musst verschwinden… versteck dich… „, heulte die Stimme, die ihr verworren vertraut vorkam und jeden Winkel ihres Verstandes auszufüllen schien. „Nimm die Beine in die Hand und laaaauuuuffff….“
Ihr Herr musste den Funken Rebellion in ihr erkannt haben denn nun erhob auch er sich von seinem Diwan und ließ den fetten Gast auf sich gestellt. „Karawyn… du wirst in ein paar Jahren die erste seiner Haremsdamen sein und eine kleine Gruppe an Mädchen selbst ausbilden… mach keinen Fehler, Kind“ Ehrliches Mitgefühl schwang in seiner drohenden Stimme mit und sein kohleschwarzer Blick hing an ihr wie Nebel der sie in seinen Bann ziehen wollte. „Du solltest an deine Zukunft denken…“ Ein Teil ihrer selbst fühlte sich von den Worten betäubt, ließ sich in einen traumlosen Schlaf einlullen und die Spannung verließ ihren Körper wie Regentropfen an Fensterscheiben mühelos hinab perlen. Als der letzte Funke Wiederstand in ihr zu brechen drohte, bäumte sich der schrille Schrei in ihr, den sie nun endlich als die geisterhaft hallende Stimme ihrer Mutter erkannte auf, gab ihr die Kraft sich zu wehren zurück. Wie von Sinnen entwand sie sich den sie packenden Händen und stürzte aus dem Zimmer hinaus, zwischen den Beinen der Eunuchen hindurch und in den nächsten Raum, indem normalerweise die Speisen und Weine der Gäste zubereitet wurden. Unter einem Tisch hindurch, um eine aufschreiende verschleierte Magd herum ging ihr Katz und Maus Spiel und anfangs sah es für das Mädchen in den um sie wehenden blauen Röcken nicht schlecht aus, doch… bereits an der nächsten Ecke endete ihre Flucht. Ein weiterer der riesenhaften Sklaven packte sie um die Mitte und zerrte sie weiter in eine Kammer, die sie bisher noch nie betreten hatte. Der Geruch von Feuer empfing sie als sie schreiend mit dem Gesicht auf einen steinernen Altar gedrückt wurde, die Hitze der Flammen blies ihr entgegen als das ratschende Geräusch an ihrem Rücken ihr verriet dass man das so liebevoll bestickte Kleid um ihre Schultern herum zerfetzt hatte und der unendliche beißend brennende Schmerz durchdrang jede Pore ihres Körpers, als das im Feuer erhitzte Eisen zwischen ihre schmalen Schulterblätter gedrückt wurde. Das Zeichen des feisten fetten Minkhar, ihres neuen Herren.
Noch während sich der Geruch nach verbranntem Fleisch in ihre Nase vorarbeitete und ihren Magen dazu brachte sich von innen nach außen zu stülpen, kreischte es in ihrem Verstand verzweifelt nach Flucht… die Flucht in die gnädigen Arme der Ohnmacht.


Der erste Strahl der sich zu ihrem täglichen Tanz erhebenden Sonne schien bereits durch die kleinen Fenster als sich Karawyn in ihrem Traum wimmernd hin und herwarf wie eine Ertrinkende die sich an rettende Ufer zu zerren versucht. Doch die Eisscholle des Traumes, unter der ihr Kopf immer wieder hervortauchte um einen tiefen Zug Luft einzuziehen, zerbrachen schneller als sie zupacken konnte und so glitt sie in die letzte Phase des Traumes.

Das Schwanken eines kleinen Schiffes wurde dem fiebernden sich vor Schmerz wälzenden Mädchen Mutter und Vater in ihrer Not zugleich. Hitze und Flammen schienen den Körper von innen nach außen zu verzehren und die Seeleute, die die teure Fracht zum Haus des Herren Minkhar bringen sollten beteten, wann immer sie das bleiche Kindergesicht im Laderaum erblickten inbrünstig, aus Angst, man würde sie für den Tod des Kindes bestrafen. Wortfetzen der Litaneien drangen in den sich windenden Geist der mit den Ketten an den Handgelenken kämpfte und Augen, starrende Augenpaare in blassem Blau, in fahlem Grün und wurmstichigem Braun umtanzten die kleine Karawyn, an der die Überreste des Kleides wie ein Fetzen hingen. „Deine Mutter ist tot, die anderen Kinder aus Laerdomn verloren… und du… du bist eine Sklavin für die Wünsche deines neuen Besitzers…“, schienen sie zu höhnen, während die schwarzen Pupillen in ihrem Rücken gedehnt flüsterten: „Gib dich der Dunkelheit hin, nichts verspricht dir mehr Ruhe als der Tod. Nie wieder wirst du leiden müssen… gib auf….“ Karawyn wimmerte, schlug mit der letzten Energie nach den Augen die sich unter ihren Händen aufzulösen schienen und sich aus den Nebelschwaden wieder zusammensetzten, größer als noch einen Moment zuvor. „Du fügst dir mit deinem Wiederstand nur Schmerz zu… schlaaaf ein…“ Sie wollte nicht aufgeben doch ihre Kraft wurde weniger und weniger und die Dunkelheit schien verführerisch und geheimnisvoll zu schimmern, einladend zu verweilen. Kein Schmerz, kein Leid… nie wieder… schien sie zu versprechen und Karawyn war versucht zu glauben. Doch noch ehe sie die Augen schließen konnte wallte ein Gefühl der Liebe über sie hinweg und zwei Arme breiteten sich schützend um sie. Die Arme ihrer Mutter, deren Duft die nach ihr greifenden Schatten vertrieb gab ihr Auftrieb… und wieder gewann der alte Gedanke der Flucht.
„Lauf, Liebes…lauf…das hier ist nicht das Ende“
Und ohne zu zögern lief sie, vorbei an den sie wie einen Geist anstarrenden Seeleuten ehe sie sich vom Schiff in die Wellen stürzte deren Kühle sie empfing und an Land trug als habe sie einen sie schützenden Dschin oder Geist zu Diensten, der sie in Rahal an Land trug. Sich nicht mehr umwendend verschwand die kleine zerrissene Gestalt im Gewirr der Gassen der großen dunkel und drohend aufragenden Stadt, doch der Blick der schwarzen Augen schien ihr, wann immer sie es wagte über den kleinen Bereich des einfach nur Überlebens hinauszudenken zu verfolgen.

Schreiend erwachte Karawyn mit dem Gefühl, dass jemand sie noch immer aus dem Augenwinkel heraus anstarrte.
Wir können nicht immer die Musik wählen, die das Leben für uns spielt, aber wir können wählen wie wir dazu tanzen.
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

  • Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod.
    Konfuzius
Ungehorsam.
„Alle hier haben mir Respekt zu zollen, einerlei wer es ist!" sprach der lumpige Nichtsnutz. Fassungslos sah ich sie nur alle nicken und zu Kreuze kriechen. Selbst den Höchsten. Zum ersten Mal verweigerte ich bewusst den Gehorsam.


Versagen.
Ein Galgenbaum. Etliche hingen dort und schmückten die ansonsten vom Herbstlaub befreiten kahlen Äste. Schwer hinten sie herab. Die Krähen taten sich an ihren Überresten gütlich. Die Farbe ihrer Kleidung kaum noch zu erkennen. Nur hier und da blitzte etwas blau auf, dort etwas schwarz und rot…


„Klugscheißer." Ich lachte. Es schmeckte bitter.

Genugtuung.
Ich starrte in die tote Fratze, die Überreste eines Gesichts, das die Aasfresser bereits fast zur Gänze verzehrt hatten. Ausgeschwafelt. Das Ende von perfiden Intrigen, die durchschaubarer waren als hauchdünn geblasenes Glas. Mochte Kra'thor diese Seele in ewige Verdammnis zerren. Sie war mehr nicht wert. Zu Lebzeiten nicht, im Tode noch weniger.


Betroffenheit.
Zwei. Beide sahen auf ein Feld von Leichen übersäht. Die Gliedmaßen in alle unmöglichen und möglichen Winkel gebrochen und gebogen. Hier atmete niemand mehr. Die einzige Regung ging von den zerfetzten Bannern aus, die halb aufragten und trotzig den verlorenen Kampf widersprachen. Selbst die Krähen waren noch nicht eingetroffen. Ihr fernes Rufen allerdings kündete davon, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie über die Toten hierfielen.
Die innere Leere, die sich ausbreitete, die Betroffenheit, der Verlust.


Zorn und Hass.
Warum das Ganze? Die Frage, die blieb. Die Antwort war klar. Zorn über die Blindheit mancher, die den Rest ins Verderben geführt hatten. Schmerz, der aus Zorn den Hass gebar.


Rache.
„Handel, bevor es soweit kommt." - Das wollte ich.


„Niemand legt sich mit ihm an, der bei klarem Verstand ist." Grünlich blitzte es auf, als das Auge das Licht reflektierte, einer Katze gleich.

Erkenntnis.
Auch Er führte nicht nur in die Schatten. Wer das Licht mied, konnte die Schwächen darin nicht finden. Wer allerdings zu lang hineinstarrte, erblindete leicht. Manche taten dies auch in der absoluten Dunkelheit Seiner.
Zu dritt. Zeit für einen Neubeginn, Seiner würdig. In der Ferne sah ich Weitere, die verloren wirkten. Wir hielten auf sie zu, um zu einen, was zusammen gehörte.


Gemeinsamkeit. Zusammenhalt. Einigkeit.
Und wir veränderten die Welt zu Seinen Gunsten, Seinen Vorstellungen entsprechend, Ihm folgend.


Ich fühlte mich wie zerschlagen, als ich aufwachte. Noch immer hatte ich den Eindruck die Anwesenheit des All-Einen zu spüren, auch wenn ich für mich klar hatte, dass dem so nicht sein konnte. Der Segen, die Reinwaschung, war Stunden her. Vielleicht, weil ich dieses Gefühl auch in meinem Traum des Öfteren verspürte.
In den ersten Augenblicken fühlte ich mich darüber hinaus wie die märchenhafte Gestalt aus Großmutters Erzählungen. Der dämliche Ritter, der gegen die Windmühlen stritt, bar jeden Verstandes. Ich schwankte zwischen Zorn und Müdigkeit. Irgendwann überwältigte mich Letztere wieder und ich schlief wieder ein.
  • Geh sachte, denn du gehst auf meinen Träumen.
    Graffito
Dazen Wolfseiche

Beitrag von Dazen Wolfseiche »

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Zuletzt geändert von Dazen Wolfseiche am Freitag 20. Dezember 2013, 19:08, insgesamt 1-mal geändert.
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