Opfer
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Solveigh
Opfer
Warum nur wollte sich dieser Elf opfern ?
Opfern für etwas was er nicht im mindesten zu verantworten hat ?
Solveigh hatte die Nacht am Platze Mutters verbracht, nahe dem Feuer in seiner Mitte.
Als der Morgen graute hatte sie kein Auge zugetan und war keinen Schritt weiter in ihrem Denken.
Die Ranken, die Rahal zum Nachdenken hatten bringen sollen, waren nicht das Werk der Elfen gewesen noch hatten sie irgendetwas damit zu tun gehabt.
Willkür allein hatte die Wahl auf die Elfen fallen lassen und es hätte ebenso einen harmlosen Bauer treffen können, dem man unterstellen konnte, er hätte einen besonderen Samen gefunden, oder aber einen jener Magier dem ein Experiment missglückt sei.
Ja vieleicht hätten sie auch direkt eine Gottheit selbst dafür verantwortlich mach können.
Aber es hatte die Elfen getroffen.
Jener hatte sein Versprechen gegeben die Verantwortlichen zu bringen oder selbst dafür einzustehen. Sagt das nicht schon genug ? Sagte das nicht schon dass es Rahal einfach nur um dumme blinde Rache ging ? An irgendwem ? Willkür eben ?
Was hatte sie erwartet ? Das Chaos herrschte vor in ihren Reihen und es musste nicht nachvollziehbar sein was sie taten.
Ein weiteres mal war sie in EredLuin gewesen und hatte gehört welch Konsequenz ihr Handeln nun in Form dieses Elfen hervorrief.
Der Elf hatte ihr gesagt welche Möglichkeiten es gäbe und sie hatte ihm zu verstehen gegeben, dass keine der Beiden akzeptabel seien.
Hatte versucht ihm klar zumachen, dass er ein Versprechen unter Zwang, was nicht vom Herzen kam, nicht halten müsse.
Er würde dorhin gehen ... weil sie es nicht wollte.
Sie hatte diese Wesen liebgewonnen, war gerne bei ihnen, genoss ihre ruhige Art, ihre Fähigkeit zuzuhören, ihren Frieden.
Und nun tat es ihr im Herzen weh, dass es scheinbar unausweichlich so kommen würde ... weil sie nicht dorthingehen wollte.
Egal welches Ehrgefühl den Elfen, der sein Versprechen gab trieb, er würde es tun.
War ihr eigenes Wohl mehr wert als das Seine ?
Solveigh kannte die Antwort. Ihr eigenes Denken, die Art wie sie die Welt sah, sagte ihr, dass dem nicht so war.
Schlimmer noch ... sie mochte ihn und seine Art der Aufrichtigkeit.
Nie würde er sie an Rahal verraten, da war sie sich praktisch sicher. Er stellte sich etwas Unausweichlichem, dass er sich selber auferlegt hatte.
Warum sollte sie sich nicht stellen, wo sie das Ganze ins Rollen gebracht hatte ? Der Elf konnte am wenigsten dafür.
Tief atmete sie durch, das wievielte mal auch immer es war nach dieser langen Nacht.
Wenn sie Vivianne nicht antraf, würde sie selbst entscheiden, was zu tun war.
Opfern für etwas was er nicht im mindesten zu verantworten hat ?
Solveigh hatte die Nacht am Platze Mutters verbracht, nahe dem Feuer in seiner Mitte.
Als der Morgen graute hatte sie kein Auge zugetan und war keinen Schritt weiter in ihrem Denken.
Die Ranken, die Rahal zum Nachdenken hatten bringen sollen, waren nicht das Werk der Elfen gewesen noch hatten sie irgendetwas damit zu tun gehabt.
Willkür allein hatte die Wahl auf die Elfen fallen lassen und es hätte ebenso einen harmlosen Bauer treffen können, dem man unterstellen konnte, er hätte einen besonderen Samen gefunden, oder aber einen jener Magier dem ein Experiment missglückt sei.
Ja vieleicht hätten sie auch direkt eine Gottheit selbst dafür verantwortlich mach können.
Aber es hatte die Elfen getroffen.
Jener hatte sein Versprechen gegeben die Verantwortlichen zu bringen oder selbst dafür einzustehen. Sagt das nicht schon genug ? Sagte das nicht schon dass es Rahal einfach nur um dumme blinde Rache ging ? An irgendwem ? Willkür eben ?
Was hatte sie erwartet ? Das Chaos herrschte vor in ihren Reihen und es musste nicht nachvollziehbar sein was sie taten.
Ein weiteres mal war sie in EredLuin gewesen und hatte gehört welch Konsequenz ihr Handeln nun in Form dieses Elfen hervorrief.
Der Elf hatte ihr gesagt welche Möglichkeiten es gäbe und sie hatte ihm zu verstehen gegeben, dass keine der Beiden akzeptabel seien.
Hatte versucht ihm klar zumachen, dass er ein Versprechen unter Zwang, was nicht vom Herzen kam, nicht halten müsse.
Er würde dorhin gehen ... weil sie es nicht wollte.
Sie hatte diese Wesen liebgewonnen, war gerne bei ihnen, genoss ihre ruhige Art, ihre Fähigkeit zuzuhören, ihren Frieden.
Und nun tat es ihr im Herzen weh, dass es scheinbar unausweichlich so kommen würde ... weil sie nicht dorthingehen wollte.
Egal welches Ehrgefühl den Elfen, der sein Versprechen gab trieb, er würde es tun.
War ihr eigenes Wohl mehr wert als das Seine ?
Solveigh kannte die Antwort. Ihr eigenes Denken, die Art wie sie die Welt sah, sagte ihr, dass dem nicht so war.
Schlimmer noch ... sie mochte ihn und seine Art der Aufrichtigkeit.
Nie würde er sie an Rahal verraten, da war sie sich praktisch sicher. Er stellte sich etwas Unausweichlichem, dass er sich selber auferlegt hatte.
Warum sollte sie sich nicht stellen, wo sie das Ganze ins Rollen gebracht hatte ? Der Elf konnte am wenigsten dafür.
Tief atmete sie durch, das wievielte mal auch immer es war nach dieser langen Nacht.
Wenn sie Vivianne nicht antraf, würde sie selbst entscheiden, was zu tun war.
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Solveigh
Der Entschluss war gefasst, und sie würde es nicht allein durchstehen müssen.
Solveigh hatte gespürt, dass Vivianne nicht viel Verständnis für die Entscheidung des Elfen hatte, sein Versprechen zu halten.
Dennoch, es änderte nichts daran.
Sie waren einer Meinung, dass Yonai nicht einfach so seinem selbst erwählten Schicksal überlassen werden sollte und sie zogen an einem Strang.
Was eine Erleichterung diesen Rückhalt zu haben.
Ein wenig würde es so aussehen, als wenn der Elf sie, Solveigh, als die Schuldige ausliefern würde. Doch war es ihr freier Wille sich dem zu stellen.
Vieleicht mochten es die Rahaler nicht so sehen, vieleicht war es ihnen auch einfach egal.
Es spielte keine Rolle.
Für solche Eitelkeiten war kein Platz in diesem Moment. Wenn es nicht in das Weltbild jener passen mochte, dass das Leben eines Anderen auch etwas bedeutet, dass es Menschen gibt, die eben deswegen in der Lage sind Selbstlosigkeit an den Tag zu legen, ja wenn sie das nicht verstanden, dann konnte man über deren Meinung stehen. Dann wurde man eben ausgeliefert.
Eigene Maßstäbe an andere anzulegen war ja gang und gebe bei den Menschen. Wenn sie das doch auch täten, wenn Andere durch eigenes Verschulden leiden. Dann würden sie ihr Handeln überdenken.
Solveigh verbrachte den Tag in trauter Umgebung, zu Hause, bei Cyrion. Dieser Tag war etwas besonderes, war die Zukunft doch so ungewiss. Er war intensiver als sie es sonst empfand und in aller Ruhe bereitete sie sich auf die Reise vor.
Solveigh hatte gespürt, dass Vivianne nicht viel Verständnis für die Entscheidung des Elfen hatte, sein Versprechen zu halten.
Dennoch, es änderte nichts daran.
Sie waren einer Meinung, dass Yonai nicht einfach so seinem selbst erwählten Schicksal überlassen werden sollte und sie zogen an einem Strang.
Was eine Erleichterung diesen Rückhalt zu haben.
Ein wenig würde es so aussehen, als wenn der Elf sie, Solveigh, als die Schuldige ausliefern würde. Doch war es ihr freier Wille sich dem zu stellen.
Vieleicht mochten es die Rahaler nicht so sehen, vieleicht war es ihnen auch einfach egal.
Es spielte keine Rolle.
Für solche Eitelkeiten war kein Platz in diesem Moment. Wenn es nicht in das Weltbild jener passen mochte, dass das Leben eines Anderen auch etwas bedeutet, dass es Menschen gibt, die eben deswegen in der Lage sind Selbstlosigkeit an den Tag zu legen, ja wenn sie das nicht verstanden, dann konnte man über deren Meinung stehen. Dann wurde man eben ausgeliefert.
Eigene Maßstäbe an andere anzulegen war ja gang und gebe bei den Menschen. Wenn sie das doch auch täten, wenn Andere durch eigenes Verschulden leiden. Dann würden sie ihr Handeln überdenken.
Solveigh verbrachte den Tag in trauter Umgebung, zu Hause, bei Cyrion. Dieser Tag war etwas besonderes, war die Zukunft doch so ungewiss. Er war intensiver als sie es sonst empfand und in aller Ruhe bereitete sie sich auf die Reise vor.
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Vivianne
Meine Ruhe war nur äußerlich, in mir jedoch brodelte es.
Ein Elf, der Jenen ein Versprechen gab, um seinen Bruder auszulösen und auch noch der Meinung war, es einhalten zu müssen, denen gegenüber, die Hinterlist, Lug und Trug ihre Waffen nannten.
Manche Dinge erfordern Opfer, es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass wir als ein solches herhalten sollten.
Die junge Tochter jedoch in ihrer vehementen Sturheit.. und in meinem Hinterkopf die Frage, welches Opfer Mutter lieber sei.. nein, welches Opfer mir lieber sei.
Ich hätte sie wohl einsperren und festbinden müssen, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen, denn auch wenn sie mir die Entscheidung überließ, war mehr als deutlich, was sie wollte.
Wo waren sie gewesen? Die, die ebenfalls Schützer der Natur waren? Die, die nun meinten, sich opfern zu wollen, um uns nicht zu verraten?
Geheucheltes Märtyrertum!
Ruhig.. ruhig.. nicht den Zorn die Oberhand gewinnen lassen.
Die Entscheidung war gefallen.. viele Wege.. die Töchter würde er an einen verborgenen Platz führen, mich selbst führte er nach Rahal, die Brutstätte der Schergen des Brudermörders.
Ein kleines Zimmer im Gasthaus, eine Möglichkeit.. ich versuche mein Unwohlsein zu verdrängen, wie hoch wird der Preis der Erfahrung sein, am Ende dieses Weges?
Ein Elf, der Jenen ein Versprechen gab, um seinen Bruder auszulösen und auch noch der Meinung war, es einhalten zu müssen, denen gegenüber, die Hinterlist, Lug und Trug ihre Waffen nannten.
Manche Dinge erfordern Opfer, es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass wir als ein solches herhalten sollten.
Die junge Tochter jedoch in ihrer vehementen Sturheit.. und in meinem Hinterkopf die Frage, welches Opfer Mutter lieber sei.. nein, welches Opfer mir lieber sei.
Ich hätte sie wohl einsperren und festbinden müssen, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen, denn auch wenn sie mir die Entscheidung überließ, war mehr als deutlich, was sie wollte.
Wo waren sie gewesen? Die, die ebenfalls Schützer der Natur waren? Die, die nun meinten, sich opfern zu wollen, um uns nicht zu verraten?
Geheucheltes Märtyrertum!
Ruhig.. ruhig.. nicht den Zorn die Oberhand gewinnen lassen.
Die Entscheidung war gefallen.. viele Wege.. die Töchter würde er an einen verborgenen Platz führen, mich selbst führte er nach Rahal, die Brutstätte der Schergen des Brudermörders.
Ein kleines Zimmer im Gasthaus, eine Möglichkeit.. ich versuche mein Unwohlsein zu verdrängen, wie hoch wird der Preis der Erfahrung sein, am Ende dieses Weges?
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Saphiria Omaris
Wie in einem Käfig fühlte sie sich und lief ruhelos auf und ab. Einige Schwestern lagen im Gras und schliefen. In ihrem Innern stieg Wut hoch. Was, in Mutters Namen, brachte es dass sie hier verharrte und wartete? Auf was wartete sie überhaupt? War nun die Eine von ihnen in Gefahr oder nicht? Und wenn dem so war, so wäre es doch sinnlos allein loszuziehen und alle anderen Schwestern zu verstecken? Die Fäuste geballt lief sie weiter von einem zum anderen Ende des Verstecks. In ihrem Innern kämpften zwei Gefühle um Oberhand, einerseits das Vertrauen in Viviannes Weisheit und andererseits das sich ausbreitende Gefühl der Enge und Bedrängtheit. Lange würde sie nicht bleiben, nicht ohne den Sinn dahinter zu verstehen. Behende erklomm sie die Äste eines knorrigen Kastanienbaumes und spähte über die Wipfel der niedrigeren umstehenden Bäume...
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Solveigh
Das Stroh unter ihr war warm und die Zelle dunkel. Solveigh hatte es sich bequem gemacht in ihrem neuen Zimmer und war nun zu später Stund endlich allein.
Es war richtig was sie getan hatte.
Nachdem der Elf seinen Schwur abgeleistet und ihr zur Flucht verholfen hatte, hatte sich für Solveigh nichts geändert.
Wie sollte das weiter gehen ? Diese Gardistin kannte ihr Gesicht. Rahal würde keine Ruhe geben bis sie sie gefangen hätten. Was würde das für ein Leben sein ? Sollte sich Solveigh ewig verstecken. Ihren Mann und ihr Heim aufgeben ? Ihre Schwestern meiden um sie nicht mit ins Verderben zu ziehen ?
Barer Unsinn.
Sie war mit einem Vorsatz nach Rahal gegangen. Dem Vorsatz einen Weg zu finden, der niemanden gefärden sollte ausser ihr. Einen Weg reinen Tisch zu machen, die Buße abzuleisten egal wie sie ausfiel, und danach wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Verborgen vor den Blicken seltsamer Wendungen, die die Welt nahm.
Und diesen Vorsatz würde sie umsetzen. Folgerichtig ging sie zurück nach Rahal und stellte sich mit einer gründlich durchdachten Erklärung im Gepäck.
Sicher würde die Strafe, welche sie erwartete drakonisch ausfallen, aber dennoch behandelte man sie ordentlich, ja zivilisiert. Auch wenn man selbst anders dachte als jene Menschen, waren es doch keine Barbaren und ihr Denken hatte eine eigene Vernunft.
Es lohnte sich in jedem Fall sich mit ihnen zu beschäftigen und es war sicher nicht gerechtfertigt sie als Abschaum abzutun, nur weil sie verblendet einer herzlosen Gottheit folgten.
So einfach war die Welt nicht.
Es war richtig was sie getan hatte.
Nachdem der Elf seinen Schwur abgeleistet und ihr zur Flucht verholfen hatte, hatte sich für Solveigh nichts geändert.
Wie sollte das weiter gehen ? Diese Gardistin kannte ihr Gesicht. Rahal würde keine Ruhe geben bis sie sie gefangen hätten. Was würde das für ein Leben sein ? Sollte sich Solveigh ewig verstecken. Ihren Mann und ihr Heim aufgeben ? Ihre Schwestern meiden um sie nicht mit ins Verderben zu ziehen ?
Barer Unsinn.
Sie war mit einem Vorsatz nach Rahal gegangen. Dem Vorsatz einen Weg zu finden, der niemanden gefärden sollte ausser ihr. Einen Weg reinen Tisch zu machen, die Buße abzuleisten egal wie sie ausfiel, und danach wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Verborgen vor den Blicken seltsamer Wendungen, die die Welt nahm.
Und diesen Vorsatz würde sie umsetzen. Folgerichtig ging sie zurück nach Rahal und stellte sich mit einer gründlich durchdachten Erklärung im Gepäck.
Sicher würde die Strafe, welche sie erwartete drakonisch ausfallen, aber dennoch behandelte man sie ordentlich, ja zivilisiert. Auch wenn man selbst anders dachte als jene Menschen, waren es doch keine Barbaren und ihr Denken hatte eine eigene Vernunft.
Es lohnte sich in jedem Fall sich mit ihnen zu beschäftigen und es war sicher nicht gerechtfertigt sie als Abschaum abzutun, nur weil sie verblendet einer herzlosen Gottheit folgten.
So einfach war die Welt nicht.
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Cyrion Sha´Ar
Unruhe trieb ihn... Rastlos bewegte er sich zu den Kisten, welche Solveighs Kräuter beinhalteten, doch sein Blick war leer, nach innen gekehrt, als er in diese spähte. Er blinzelte und rieb sich das lange offene Haar aus der Stirn. Die blauvioletten Augen zeigten tiefe Sorge, die Stirn gekräuselt, in Falten gesetzt, wie seit geraumer Zeit schon.
Wo war sie...? Ein Gedanke, der ihm immer wieder durch den Kopf ging.
Auch jetzt trieb dieser ihn zum Fenster, wo er hinaus blickte, gen Rahal. Sie kam nicht... ihr Pferd war gestern dagewesen... Erleichterung hatte ihn erfasst, dachte er doch, das seine Gefährtin zurück gekehrt war. Doch das Haus war leer, die Glut im Kamin abgedeckt... Ein Bild der Sauberkeit das ganze Haus - wie man es hinterlässt, wenn man für einige Zeit fortgeht. Auch sein Besuch beim Pferd sagte ihm, das dieses den Stall diesen Tag gar nicht verlassen hatte. Keine langsam trocknende Feuchtigkeit am Sattel, die ihm zeigte, das sie dagewesen war. Nichts, was auf ihre Anwesenheit hindeutete... Verlassen das Haus. Leer. Wo wahr sie...
Gestern noch hatte er Waffen gekauft. Wurfdolche, welche er an verschiedenen Stellen an sich versteckte. Andere Waffen an seinem Körper, welche er durch seinen weiten schwarzen Umhang verbarg... Sogar sein geflochtenes Haar konnte er nötigenfalls als Waffe benutzen, waren die Flechtknoten doch mit kleinen metallenen Stacheln versehen...
So war er gestern Abend nach Rahal geritten, die Kaputze des Umhangs tief über sein Gesicht gezogen. Er hatte sie gesucht, hatte gehofft, sie zu sehen. Doch war sie wohl an jenen abgelegenen Ort, wo er nicht ohne weiteres Nachforschungen betreiben konnte. Zuviele Wachen. Zuviele Augen, die vielleicht einen dunkleren Schatten in den Schatten als das erkennen mochten, was er war. Zuviele, die über ihn stolpern konnten an diesem Ort, wo nur wenige Orte als Versteck dienen konnten.
Und sie wollte sicher nicht, das er sie retten kam. Er kannte sie.
Ohne Wissen, wie es ihr ging, wie ihr geschehen war, ging er rastlos in dem Raum auf und ab. Unruhig spreizte er die Finger. Alles in ihm schrie danach etwas zu tun.
Aber er konnte sie nicht retten. Nicht aus dieser Festung, die die Stadt war. Er konnte ihr nur Schaden, wenn er sich in Rahal nach ihr erkundigte, sie suchte.
Was konnte er nur tun? Er blieb abrupt stehen und das Haus, durch das seine Schritte hallten wurde still, als würde niemand darin sein. Die Augen weiteten sich leicht, als ihm ein Gedanke kam. Der Elf... der Elf, der sie begleitet hatte... Vielleicht wusste er, wie es um sie stand. Oder seine Verwandten. Ruhe erfüllte seine Augen. Ruhe, die sich auf seine ganze Gestalt legte. Einzig die Anspannung in seinen Schultern und die harte Linie seines Kiefers mochten diese Ruhe Lüge strafen. Er würde zu den Elfen gehen und erfahren, was geschehen war.
Es war noch Dunkel, als ein Schatten unter Schatten das Haus verliess. Pferdehufe klopften über den Boden, gaben einzig wieder, das dort jemand war, dann verklang das Geräusch in der Ferne und das Haus stand wieder einsam und verlassen am Waldrand.
Wo war sie...? Ein Gedanke, der ihm immer wieder durch den Kopf ging.
Auch jetzt trieb dieser ihn zum Fenster, wo er hinaus blickte, gen Rahal. Sie kam nicht... ihr Pferd war gestern dagewesen... Erleichterung hatte ihn erfasst, dachte er doch, das seine Gefährtin zurück gekehrt war. Doch das Haus war leer, die Glut im Kamin abgedeckt... Ein Bild der Sauberkeit das ganze Haus - wie man es hinterlässt, wenn man für einige Zeit fortgeht. Auch sein Besuch beim Pferd sagte ihm, das dieses den Stall diesen Tag gar nicht verlassen hatte. Keine langsam trocknende Feuchtigkeit am Sattel, die ihm zeigte, das sie dagewesen war. Nichts, was auf ihre Anwesenheit hindeutete... Verlassen das Haus. Leer. Wo wahr sie...
Gestern noch hatte er Waffen gekauft. Wurfdolche, welche er an verschiedenen Stellen an sich versteckte. Andere Waffen an seinem Körper, welche er durch seinen weiten schwarzen Umhang verbarg... Sogar sein geflochtenes Haar konnte er nötigenfalls als Waffe benutzen, waren die Flechtknoten doch mit kleinen metallenen Stacheln versehen...
So war er gestern Abend nach Rahal geritten, die Kaputze des Umhangs tief über sein Gesicht gezogen. Er hatte sie gesucht, hatte gehofft, sie zu sehen. Doch war sie wohl an jenen abgelegenen Ort, wo er nicht ohne weiteres Nachforschungen betreiben konnte. Zuviele Wachen. Zuviele Augen, die vielleicht einen dunkleren Schatten in den Schatten als das erkennen mochten, was er war. Zuviele, die über ihn stolpern konnten an diesem Ort, wo nur wenige Orte als Versteck dienen konnten.
Und sie wollte sicher nicht, das er sie retten kam. Er kannte sie.
Ohne Wissen, wie es ihr ging, wie ihr geschehen war, ging er rastlos in dem Raum auf und ab. Unruhig spreizte er die Finger. Alles in ihm schrie danach etwas zu tun.
Aber er konnte sie nicht retten. Nicht aus dieser Festung, die die Stadt war. Er konnte ihr nur Schaden, wenn er sich in Rahal nach ihr erkundigte, sie suchte.
Was konnte er nur tun? Er blieb abrupt stehen und das Haus, durch das seine Schritte hallten wurde still, als würde niemand darin sein. Die Augen weiteten sich leicht, als ihm ein Gedanke kam. Der Elf... der Elf, der sie begleitet hatte... Vielleicht wusste er, wie es um sie stand. Oder seine Verwandten. Ruhe erfüllte seine Augen. Ruhe, die sich auf seine ganze Gestalt legte. Einzig die Anspannung in seinen Schultern und die harte Linie seines Kiefers mochten diese Ruhe Lüge strafen. Er würde zu den Elfen gehen und erfahren, was geschehen war.
Es war noch Dunkel, als ein Schatten unter Schatten das Haus verliess. Pferdehufe klopften über den Boden, gaben einzig wieder, das dort jemand war, dann verklang das Geräusch in der Ferne und das Haus stand wieder einsam und verlassen am Waldrand.
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Solveigh
Hatte sich dies alles gelohnt ?
Hatte sie letztlich dem Elfen geholfen, wie sie es wollte ? Sich für ihn verbürgen, damit ihn nicht etwas träfe, was nicht für ihn bestimmt war?
Solveigh hatte wärend des ganzen gestrigen Tages nicht den Eindruck gehabt, dass das ganze Unterfangen Sinn gemacht hätte.
In gutem Glauben war sie mit dem Elfen in Rahal eingetroffen. Er würde sie übergeben und wieder weiterziehen. Sie würde das Ganze erklären so gut sie es vermochte.
Stattdessen hat er alles daran gesetzt, auf seinem Stolz herumzureiten und sich in der fremden Statt aufgeführt als sei er ihr Herrscher.
Die Gardisten und ihre Ritter hier, mochten keine Spässe. Und schon gar nicht mochten sie, wenn jemanden, den sie scheinba hassten, sie herumkommandierte.
Schnell wurde Solveigh bewusst, dass das Verhalten des Elfen zur grössten Gefahr wurde.
Da war nichts zu sehen von der Weisheit und Weitsicht , welche man Elfen nachsagte.
Sie hatte schon EredLuin als jemand verlassen, der sich dauernd anhören musste sie solle da "keine Dummheiten anstellen". Da war kein vertrauen, trotz dem was sie zu tun bereit war.
Alles war anders gekommen als geplant. Und spätestens nach der unerwarteten Flucht, als sie sich zurück in Ered die Frage eines Elfen gefallen lassen musste "ob sie verantwortlich sei für Yonais Zustand ?", war ihr bewusst, dass Elfen mit einem seltamen Maß maßen.
Das Vertrauen und den Respekt den sie erwarteten, gaben sie keinem Andern wie es schien, noch waren sie offenbar bereit über die Wirkung ihrer Worte nachzudenken.
Und das trotz ihres hohen Alters, welches man ihnen nachsagte.
Welch Wendung.
Den ganzen Tag in der Zelle, konnte sie sich ausreichend Klarheit darüber verschaffen. Es war umsonst gewesen.
Der Elf hätte sich jeder zeit selbst retten können, kannte er doch einen Weg von einem Ort einfach so zum anderen zu reisen.
Solveigh hatte aus gutem Glauben mit ihrem Gesicht und ihrem Namen dafür hergehalten, dass Yonai sein Versprechen einlösen konnte.
Einlösen konnte für einen unsinnigen Stolz, wegen dem ihm dieser Rahaler in der beeindruckenden Rüste fast den Kopf vom Rumpf getrennt hätte.
Der Elf hätte sein Leben fortgeworfen dafür und er würde es wieder tun.
Warum um Mutterswillen hatte sie gedacht diesem leichtfertigen Wesen helfen zu müssen, welches aus kurzsichtigem Eigennutz das Leben anderer auf Spiel setzte ???
Ja Solveigh, da hast du was gelernt.
Sie begriff an diesem Tag in der Zelle in voller Breite, was Vivianne meinte mit der Feststellung, es gäbe keine richtigen und keine falschen Wege.
Die Wachen hier nannten sie Närrin, dass sie zurückgekehrt war um ewiger Verfolgung zu entgehen. Sie würden sagen ihr Weg sei schon deswegen falsch und töricht.
Aber sie hatte ihn gehen müssen um zu lernen, um eben diesen Teil der Welt zu verstehen. Um zu sehen und zu hören wie man sich in Personen irren konnte.
Wie weit vertrauen gehen durfte. Um zu lernen dass die Welt nicht nur aus glücklichen Zufällen unter der schützenden Hand Mutters bestand.
Du bist gefragt Solveigh. Dein Wille. Dein Denken. Deine Vorsicht. Dein Fühlen. Dein Handeln.
Man verlässt sich nicht blind auf Hilfe. Nicht von Elfen, nicht von Mutter. Verantwortung.
Morgen würde sie erfahren was diese Erkenntnis kosten würde.
Solveigh schloss die Augen und wühlte die Füße unter das Stroh auf den kalten Steinboden der Zelle. Lange verharrte sie so und suchte sich zu entspannen. All die störenden Gefühle und Gedanken fahren zu lassen, abzuleiten, wie sie es gelernt hatte.
Solange ... bis sie sich weit genug befreit fühlte ... um zu beten.
Hier in der Stille ... fernab alles Vertrautem ... in der Mitte jener, die auf eben jene spuckten, die sie nun hören sollte.
Mutter ,
gib mir Kraft den Tag der da kommt zu überstehen,
gib mir Kraft damit ich von dieser Lehre zehren und deinen Willen tun kann,
damit ich die Schwestern schützen kann,
das Wissen um diese Dinge wahren und von diesem Weg berichten kann.
Schütze alle die ich liebe und mit dieser Entscheidung in Gefahr gebracht habe.
Spende ihnen Trost in der Not, Gewissheit im Zweifel,
und Zuversicht,
wenn die Lichter zu erlöschen scheinen ...
Hatte sie letztlich dem Elfen geholfen, wie sie es wollte ? Sich für ihn verbürgen, damit ihn nicht etwas träfe, was nicht für ihn bestimmt war?
Solveigh hatte wärend des ganzen gestrigen Tages nicht den Eindruck gehabt, dass das ganze Unterfangen Sinn gemacht hätte.
In gutem Glauben war sie mit dem Elfen in Rahal eingetroffen. Er würde sie übergeben und wieder weiterziehen. Sie würde das Ganze erklären so gut sie es vermochte.
Stattdessen hat er alles daran gesetzt, auf seinem Stolz herumzureiten und sich in der fremden Statt aufgeführt als sei er ihr Herrscher.
Die Gardisten und ihre Ritter hier, mochten keine Spässe. Und schon gar nicht mochten sie, wenn jemanden, den sie scheinba hassten, sie herumkommandierte.
Schnell wurde Solveigh bewusst, dass das Verhalten des Elfen zur grössten Gefahr wurde.
Da war nichts zu sehen von der Weisheit und Weitsicht , welche man Elfen nachsagte.
Sie hatte schon EredLuin als jemand verlassen, der sich dauernd anhören musste sie solle da "keine Dummheiten anstellen". Da war kein vertrauen, trotz dem was sie zu tun bereit war.
Alles war anders gekommen als geplant. Und spätestens nach der unerwarteten Flucht, als sie sich zurück in Ered die Frage eines Elfen gefallen lassen musste "ob sie verantwortlich sei für Yonais Zustand ?", war ihr bewusst, dass Elfen mit einem seltamen Maß maßen.
Das Vertrauen und den Respekt den sie erwarteten, gaben sie keinem Andern wie es schien, noch waren sie offenbar bereit über die Wirkung ihrer Worte nachzudenken.
Und das trotz ihres hohen Alters, welches man ihnen nachsagte.
Welch Wendung.
Den ganzen Tag in der Zelle, konnte sie sich ausreichend Klarheit darüber verschaffen. Es war umsonst gewesen.
Der Elf hätte sich jeder zeit selbst retten können, kannte er doch einen Weg von einem Ort einfach so zum anderen zu reisen.
Solveigh hatte aus gutem Glauben mit ihrem Gesicht und ihrem Namen dafür hergehalten, dass Yonai sein Versprechen einlösen konnte.
Einlösen konnte für einen unsinnigen Stolz, wegen dem ihm dieser Rahaler in der beeindruckenden Rüste fast den Kopf vom Rumpf getrennt hätte.
Der Elf hätte sein Leben fortgeworfen dafür und er würde es wieder tun.
Warum um Mutterswillen hatte sie gedacht diesem leichtfertigen Wesen helfen zu müssen, welches aus kurzsichtigem Eigennutz das Leben anderer auf Spiel setzte ???
Ja Solveigh, da hast du was gelernt.
Sie begriff an diesem Tag in der Zelle in voller Breite, was Vivianne meinte mit der Feststellung, es gäbe keine richtigen und keine falschen Wege.
Die Wachen hier nannten sie Närrin, dass sie zurückgekehrt war um ewiger Verfolgung zu entgehen. Sie würden sagen ihr Weg sei schon deswegen falsch und töricht.
Aber sie hatte ihn gehen müssen um zu lernen, um eben diesen Teil der Welt zu verstehen. Um zu sehen und zu hören wie man sich in Personen irren konnte.
Wie weit vertrauen gehen durfte. Um zu lernen dass die Welt nicht nur aus glücklichen Zufällen unter der schützenden Hand Mutters bestand.
Du bist gefragt Solveigh. Dein Wille. Dein Denken. Deine Vorsicht. Dein Fühlen. Dein Handeln.
Man verlässt sich nicht blind auf Hilfe. Nicht von Elfen, nicht von Mutter. Verantwortung.
Morgen würde sie erfahren was diese Erkenntnis kosten würde.
Solveigh schloss die Augen und wühlte die Füße unter das Stroh auf den kalten Steinboden der Zelle. Lange verharrte sie so und suchte sich zu entspannen. All die störenden Gefühle und Gedanken fahren zu lassen, abzuleiten, wie sie es gelernt hatte.
Solange ... bis sie sich weit genug befreit fühlte ... um zu beten.
Hier in der Stille ... fernab alles Vertrautem ... in der Mitte jener, die auf eben jene spuckten, die sie nun hören sollte.
Mutter ,
gib mir Kraft den Tag der da kommt zu überstehen,
gib mir Kraft damit ich von dieser Lehre zehren und deinen Willen tun kann,
damit ich die Schwestern schützen kann,
das Wissen um diese Dinge wahren und von diesem Weg berichten kann.
Schütze alle die ich liebe und mit dieser Entscheidung in Gefahr gebracht habe.
Spende ihnen Trost in der Not, Gewissheit im Zweifel,
und Zuversicht,
wenn die Lichter zu erlöschen scheinen ...
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Isdaniel Nifar
Vom Gebirge kommend, dreht ein Adler zu abendliche Stunde als die Straßen leer sind unauffällig einige Runden über der Stadt. Schließlich langsam und mit kräftigen Flügelschlägen läßt sich der Adler auf dem Zaun um das Gefängnis in Rahal nieder, um kurz darauf etwas näher heranzufliegen und sich an einem scheinbar zufaelligen Fenster nieder zulassen. Während er kurze Zeit sein Gefieder putzt wendet er seinen Blick ins inneren des Gebäudes. Sein Blick strahlte Ruhe und Wärme aus. Kurze Zeit später erhebt er sich mit kräftigen Flügelschlägen wieder in die Luft und verschwindet in den Gipfeln des Gebirges das Rahal umgibt.
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Vivianne
Ich wußte die Töchter in Sicherheit, eine Vorsichtsmaßnahme.
Sicherlich war es nicht sehr gemütlich an diesem Platz, sorgte jedoch der enge Kreis von Bäumen und eine aufrecht gehaltene Bitte an Mutter dafür, den kalten Wind abzuhalten.
Die dicken Mäntel, die Ryana besorgt hatte und Mutters Güte, den Boden nicht eiskalt zu belassen an jenem Platze, sollten dafür Sorge tragen, dass die Töchter in den Nächten nicht zu sehr froren. Mir war bewußt, dass nicht alle Töchter einverstanden waren mit Solveighs oder meiner Entscheidung, aber sie war getroffen.
Ich selbst ging nach Rahal, noch ehe sich Solveigh stellte, um mir ein Zimmer im Gasthaus zu nehmen und nach Arbeit zu fragen. Mein Plan ging auf und so bekam ich Putzarbeiten zugewiesen in der Gardisterei und im Zellengebäude, verbunden mit der Möglichkeit, den Gefangenen etwas Suppe zu bringen. Mein Unwohlsein unterdrückend, räumte ich den Gardistenschergen hinterher und reinigte den Vorraum des Zellentraktes, bis sie Solveigh brachten und einsperrten.
Ein Blick durch die Gitter zu ihr und die Unwissenheit eines der Schergen bescherten mir einen Aufenthalt in der Nebenzelle.
Ich unterdrückte meinen aufwallenden Zorn und den Wunsch, ihm eine Lektion zukommen zu lassen und verlegte mich auf flehende Erklärungen, wie es einer alten Frau zukommt, die sich mit der Arbeit ihren Lebensabend verdienen möchte.
Dies und der Umstand, der Bestätigung des Korporals, ließen meinen Zellenaufenthalt nur von kurzer Dauer sein.
Ich wurde in den Vorraum verbannt, was mir jedoch Gelegenheit gab, zu erfahren, was ich wissen mußte... was sie mit Solveigh anstellten und ob die Töchter in Gefahr wären.
Niemals hätte ich zugelassen, dass auch nur eine weitere Tochter in jene kommen würde, war jedoch das Vertrauen der Töchter in mein Tun gegeben?
Bei den Meisten von ihnen war ich mir dessen sicher und dies gab mir Kraft.
Ich hatte nicht vor, Solveigh die Erfahrung des Weges zu nehmen, den sie eingeschlagen hatte, noch würde ich sie vor der Strafe der Schergen schützen, jedoch war es wichtig, ihr zu zeigen, dass sie nicht allein ist, wie ich es auch für jede der Töchter getan hätte.
Ich wußte nicht, welches Strafmaß sie ihr auferlegen würden, eines jedoch war sicher.. am Ende würde sie nicht allein den Weg durch den Wald bewältigen können, zudem ihr der Platz an dem wir Zuflucht genommen hatten, nicht bekannt war, um ihn nicht Preis geben zu können.
So forderte ich die jungen Töchter auf, sich verkleidet nach Rahal zu begeben, um Solveigh nach Empfangen der Strafe aufzulesen und fort zu bringen. Ich wußte, dass die Vollstreckung an einem öffentlichen Platz stattfinden würde, die Aushänge hatten dies bekannt gegeben, da würden ein paar verteilt sitzende junge Frauen nicht auffallen in der schaulustigen Menge.
Die Antworten Alissas waren wie Schläge ins Gesicht.
Verstand sie nicht? Wollte sie nicht verstehen?
Es ging hier nicht um die Vereitelung einer Strafe.. nicht um ein auffälliges Einschreiten, lediglich da zu sein für eine Schwester, wenn sie Hilfe bräuchte, nachdem die Schergen sie aus der Stadt geschleift hätten.
Ich bat nicht, ich erwartete und forderte... ein jedes meiner Worte fiel auf fruchtlosen Boden.
Die Kälte, die mir entgegen schlug, nahm mir fast den Atem und für einen Moment schlich sich bohrend der Gedanke ein, ob jene Kälte von einem Samen herrührte, den der Brudermörder neben den Samen der Gabe Mutters gepflanzt hatte.
Die Zeit drängte und so wand ich mich ab, zurück nach Rahal, um die Töchter wissend, die mir folgen würden.
Wie die Ranken, die Spuren in der Stadt hinterlassen hatten, sollte Solveigh mit Spuren gezeichnet werden.. immerwährende Narben durch die gerissenen Wunden von Peitschenhieben. Zum zusehen und hinnehmen verdammt, unter dem Grölen der Schaulustigen.
Am Ende dieses Weges... Erfahrung.
Sicherlich war es nicht sehr gemütlich an diesem Platz, sorgte jedoch der enge Kreis von Bäumen und eine aufrecht gehaltene Bitte an Mutter dafür, den kalten Wind abzuhalten.
Die dicken Mäntel, die Ryana besorgt hatte und Mutters Güte, den Boden nicht eiskalt zu belassen an jenem Platze, sollten dafür Sorge tragen, dass die Töchter in den Nächten nicht zu sehr froren. Mir war bewußt, dass nicht alle Töchter einverstanden waren mit Solveighs oder meiner Entscheidung, aber sie war getroffen.
Ich selbst ging nach Rahal, noch ehe sich Solveigh stellte, um mir ein Zimmer im Gasthaus zu nehmen und nach Arbeit zu fragen. Mein Plan ging auf und so bekam ich Putzarbeiten zugewiesen in der Gardisterei und im Zellengebäude, verbunden mit der Möglichkeit, den Gefangenen etwas Suppe zu bringen. Mein Unwohlsein unterdrückend, räumte ich den Gardistenschergen hinterher und reinigte den Vorraum des Zellentraktes, bis sie Solveigh brachten und einsperrten.
Ein Blick durch die Gitter zu ihr und die Unwissenheit eines der Schergen bescherten mir einen Aufenthalt in der Nebenzelle.
Ich unterdrückte meinen aufwallenden Zorn und den Wunsch, ihm eine Lektion zukommen zu lassen und verlegte mich auf flehende Erklärungen, wie es einer alten Frau zukommt, die sich mit der Arbeit ihren Lebensabend verdienen möchte.
Dies und der Umstand, der Bestätigung des Korporals, ließen meinen Zellenaufenthalt nur von kurzer Dauer sein.
Ich wurde in den Vorraum verbannt, was mir jedoch Gelegenheit gab, zu erfahren, was ich wissen mußte... was sie mit Solveigh anstellten und ob die Töchter in Gefahr wären.
Niemals hätte ich zugelassen, dass auch nur eine weitere Tochter in jene kommen würde, war jedoch das Vertrauen der Töchter in mein Tun gegeben?
Bei den Meisten von ihnen war ich mir dessen sicher und dies gab mir Kraft.
Ich hatte nicht vor, Solveigh die Erfahrung des Weges zu nehmen, den sie eingeschlagen hatte, noch würde ich sie vor der Strafe der Schergen schützen, jedoch war es wichtig, ihr zu zeigen, dass sie nicht allein ist, wie ich es auch für jede der Töchter getan hätte.
Ich wußte nicht, welches Strafmaß sie ihr auferlegen würden, eines jedoch war sicher.. am Ende würde sie nicht allein den Weg durch den Wald bewältigen können, zudem ihr der Platz an dem wir Zuflucht genommen hatten, nicht bekannt war, um ihn nicht Preis geben zu können.
So forderte ich die jungen Töchter auf, sich verkleidet nach Rahal zu begeben, um Solveigh nach Empfangen der Strafe aufzulesen und fort zu bringen. Ich wußte, dass die Vollstreckung an einem öffentlichen Platz stattfinden würde, die Aushänge hatten dies bekannt gegeben, da würden ein paar verteilt sitzende junge Frauen nicht auffallen in der schaulustigen Menge.
Die Antworten Alissas waren wie Schläge ins Gesicht.
Verstand sie nicht? Wollte sie nicht verstehen?
Es ging hier nicht um die Vereitelung einer Strafe.. nicht um ein auffälliges Einschreiten, lediglich da zu sein für eine Schwester, wenn sie Hilfe bräuchte, nachdem die Schergen sie aus der Stadt geschleift hätten.
Ich bat nicht, ich erwartete und forderte... ein jedes meiner Worte fiel auf fruchtlosen Boden.
Die Kälte, die mir entgegen schlug, nahm mir fast den Atem und für einen Moment schlich sich bohrend der Gedanke ein, ob jene Kälte von einem Samen herrührte, den der Brudermörder neben den Samen der Gabe Mutters gepflanzt hatte.
Die Zeit drängte und so wand ich mich ab, zurück nach Rahal, um die Töchter wissend, die mir folgen würden.
Wie die Ranken, die Spuren in der Stadt hinterlassen hatten, sollte Solveigh mit Spuren gezeichnet werden.. immerwährende Narben durch die gerissenen Wunden von Peitschenhieben. Zum zusehen und hinnehmen verdammt, unter dem Grölen der Schaulustigen.
Am Ende dieses Weges... Erfahrung.
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Solveigh
Es war so heiß, überall am Körper und trotzdem zitterte sie wie Espenlaub.
Vivianne hatte ihre Schwerzen gelindert, sie hatte es nur halb bei Bewustsein mitbekommen.
Ryana hatte ihre Wunden gesäubert, auch das nur eine weitere schmerz- und schemenhafte Erinnerung.
Der Ritt zum Lager, eine einzige Qual. Bei jedem Schritt des Pferde, auf welches man sie gesetzt hatte, scheuerte die Kleidung an den langen blutigen Striemen welche die Peitsche überall hinterlassen hatte.
Immer wieder dämmerte sie entkräftet weg, bis sie irgendwann, eine Ewigkeit später, in dem kleinen Waldlager in Viviannes Armen eingeschlafen war.
Man hatte sie ausgepeitscht. 10 Hiebe für die Stadt und dann .. dann durften sich die Bürger Rahals, die soo sehr hatten leiden müssen, an ihr vergreifen und sie ebenfalls auspeitschen.
Ihre Erinnerung endete irgendwo zwischen dem vierten und fünften Hieb. Sie hatte geschrien, sie erinnerte sich an das gefühl des Blutes, das ihr warm über den entblösten Rücken geronnen war. Das unglaubliche Brennen, was immer noch nachhallte, und die schnell einsetzende Entkräftung, obwohl sie sich nicht bewegte.
Sie wusste nicht wie lange das gegangen war, noch konnte sie die Stellen auseinanderhalten die getroffen worden waren.
Aber sie schienen alles bedacht zu haben, von den Beinen über die Hüften, Rumpf, Arme bis zum Gesicht.
Erinnerungsfetzen, die Gardistin welche das Urteil vollstreckt hatte, fremde Menschen, Gesichter voll seltsamer Genugtuung. Augen, .. sie konnte sich an diese Augen erinnern. Der Blick in diese Augen kurz bevor der Schmerz kam. Alles weit weg, wie in einem Traum, der sie in dumpfe Taubheit gehüllt hatte, nachdem ihre Beine schon längst nachgegeben hatten.
Am nächsten Morgen, war ihr nur noch heiß und kalt zugleich. Solveigh war nicht Willens sich zu bewegen, aus Erschöpfung und aus Angst es könne wieder mehr wehtun.
Sie traute sich nicht, an ihrem Körper herab zublicken, oder sich zu berühren.
Einzig zu den Baumwipfel schweifte ihr Blick. Der Verstand noch viel zu träge, um über irgendetwas nachzudenken.
Hypnotisch wirkte das leichte Wiegen der Äste im Wind und sie lies ihre Gedanken einfach treiben, wenn man es denken nennen konnte.
Irgendwann sehr viel später nahm sie erst ihre Schwestern wieder wahr.
Vivianne hatte ihre Schwerzen gelindert, sie hatte es nur halb bei Bewustsein mitbekommen.
Ryana hatte ihre Wunden gesäubert, auch das nur eine weitere schmerz- und schemenhafte Erinnerung.
Der Ritt zum Lager, eine einzige Qual. Bei jedem Schritt des Pferde, auf welches man sie gesetzt hatte, scheuerte die Kleidung an den langen blutigen Striemen welche die Peitsche überall hinterlassen hatte.
Immer wieder dämmerte sie entkräftet weg, bis sie irgendwann, eine Ewigkeit später, in dem kleinen Waldlager in Viviannes Armen eingeschlafen war.
Man hatte sie ausgepeitscht. 10 Hiebe für die Stadt und dann .. dann durften sich die Bürger Rahals, die soo sehr hatten leiden müssen, an ihr vergreifen und sie ebenfalls auspeitschen.
Ihre Erinnerung endete irgendwo zwischen dem vierten und fünften Hieb. Sie hatte geschrien, sie erinnerte sich an das gefühl des Blutes, das ihr warm über den entblösten Rücken geronnen war. Das unglaubliche Brennen, was immer noch nachhallte, und die schnell einsetzende Entkräftung, obwohl sie sich nicht bewegte.
Sie wusste nicht wie lange das gegangen war, noch konnte sie die Stellen auseinanderhalten die getroffen worden waren.
Aber sie schienen alles bedacht zu haben, von den Beinen über die Hüften, Rumpf, Arme bis zum Gesicht.
Erinnerungsfetzen, die Gardistin welche das Urteil vollstreckt hatte, fremde Menschen, Gesichter voll seltsamer Genugtuung. Augen, .. sie konnte sich an diese Augen erinnern. Der Blick in diese Augen kurz bevor der Schmerz kam. Alles weit weg, wie in einem Traum, der sie in dumpfe Taubheit gehüllt hatte, nachdem ihre Beine schon längst nachgegeben hatten.
Am nächsten Morgen, war ihr nur noch heiß und kalt zugleich. Solveigh war nicht Willens sich zu bewegen, aus Erschöpfung und aus Angst es könne wieder mehr wehtun.
Sie traute sich nicht, an ihrem Körper herab zublicken, oder sich zu berühren.
Einzig zu den Baumwipfel schweifte ihr Blick. Der Verstand noch viel zu träge, um über irgendetwas nachzudenken.
Hypnotisch wirkte das leichte Wiegen der Äste im Wind und sie lies ihre Gedanken einfach treiben, wenn man es denken nennen konnte.
Irgendwann sehr viel später nahm sie erst ihre Schwestern wieder wahr.
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Yonai´luen Nifar
Der Gedanke durchströmte seine Vorstellung, bevor sein Gegenüber, der dunkle Gardist Rahals, nichteinmal in der Lage war eines der Augenlider in Bewegung zu setzen. *Findet die Stadt gefallen ihren eigenen Stolz in den Boden zu stampfen? Fürwahr ein Einzelner des Kindsvolkes sollte wohl nicht in der Lage sein, den meinen Geist zu unterwerfen* Vorsichtig formten die Gesten seiner Hände ein ovale Form und verdrängten dabei die Luft. Wohl trug die Umgebung Rahal und das entsetzlich missratene Antlitz seines Gegenübers nicht dazu bei, seinem Seelenlied deutlicher den Ursprung zu entlocken. Die Töne jedoch schwappten ausreichend in seinem Inneren, was augenscheinlich genügte um ein Loch in jene Dimension zu reißen. Den Ort des Ziels hatte er mitlerweile vor seinem Inneren Auge erbaut und das Dimensionstor war geöffnet. "Namarie, so ruft man es in meiner Heimat!" schallte es weniger liebevoll als sonst, doch wohl singender als jeder Minne der Stadt Rahals. Anmutig stolzierte der Schritt Yonai'luen's durch das Erschaffene.
Morgentlich leckten die ersten Sonnenzungen über die feinen Züge jenes Elfen. Ohne Nachhall waren die Worte Cyrions am verschiedenen Abend in ihm verebbt. Ein neuer schöner Tag brach an, an jenem es sich mehr lohnte einen weiteren Gedanken zu verinnerlichen.
*Sie musste ihren Weg wohl wählen, ob es das Wahre oder Falsche ist vermag ich nicht zu sagen. Der Mensch nach dem all die Anderen Cyrion rufen, soll einfühlsam die Wunde, die sie selbst gerissen, verbinden und verknoten mit all dem was Menschen Liebe nennen*
Morgentlich leckten die ersten Sonnenzungen über die feinen Züge jenes Elfen. Ohne Nachhall waren die Worte Cyrions am verschiedenen Abend in ihm verebbt. Ein neuer schöner Tag brach an, an jenem es sich mehr lohnte einen weiteren Gedanken zu verinnerlichen.
*Sie musste ihren Weg wohl wählen, ob es das Wahre oder Falsche ist vermag ich nicht zu sagen. Der Mensch nach dem all die Anderen Cyrion rufen, soll einfühlsam die Wunde, die sie selbst gerissen, verbinden und verknoten mit all dem was Menschen Liebe nennen*
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Cyrion Sha´Ar
Wind rauschte durch die Bäume, fegte Blätter vom Vorjahr umher und bog die Äste mit den jungen Triebe und wehte auch durch das offene Haar des Mannes, der bewegungslos und mit Emotionsblanken Gesicht Richtung Wald schaute. Immer noch lagen tiefe Schatten unter seinen Augen, immer noch war der Blick mehr nach innen gekehrt, als würde er bedeutungsschweren Gedanken nachhängen. Atem fuhr Geräuschvoll und tief in ihn hinein, hob die Brust, auf der sich die Arme kreuzten und verlies ihn wieder. Sie war wieder da. Verletzt, misshandelt, aber sie lebte und war in Sicherheit, in der Obhut ihrer Freundinnen.
Ausgespeitscht hatten sie sie... Bei dem Gedanken, wie sich das Leder einer Peitsche in ihr makelloses Fleisch grub, wurde ihm übel und er verdrängte den Gedanken so schnell, wie er gekommen waren. Hätte er hingehen sollen? Sein Gefühl sagte ihm: Nein. Und was-wäre-wenn half ihm auch nicht. Er hatte eine Entscheidung gefällt und würde nun sehen, wohin diese Entscheidung ihn hinbrachte.
Die Elfen hatten ihm dazu geraten. Sie hatten ihm zu vielem geraten. Auf eine Weise, das er sich manchmal gefragt hatte, was sie meinten. Aber es verwunderte ihn nicht. So waren die Elfen. Keine Lügen, aber die Wahrheit war ein dehnbarer Begriff. Aussagen mochten sich nach viel anhören, aber dachte man über sie nach, stellte man fest, das ihr Kern einfach war. Wollten sie die Wahrheit verschleiern... nunja... wenn man jemanden brauchte, der einem die Himmelsfarbe glaubhaft als Grün darstellte, musste man sich an einen Elfen wenden. So der Volksmund seiner alten Heimat. Und dennoch bewiesen die Elfen Weisheit. Ein Mann der verzweifelte, mochte von ihnen die Wege, die er gehen konnte, aufgezeigt bekommen – auf der den Elfen übliche Art natürlich. Er beneidete jene Spitzohrigen Geschöpfe um ihre Ruhe, die sie hatten. Verwunderlich wenn sie an einem solchen wunderbaren friedlichen Ort lebten, wo immer Sommer hersschte? Nicht wirklich, nein... Aber für ihn hatte es dort keinen Frieden gegeben.
Er hätte nach Rahal gehen können. Und dort sterben können. Oder Solveigh durch sein erscheinen zum Tode verurteilt... Oder auch in Rahal nach aussen hin ruhig zusehen können, wie sie sie auspeitschten. Aber innerlich wäre mit jedem Schlag ein Teil von ihm gestorben... Er war einmal einer brennenden Rache nachgegangen. Er wollte nicht noch einmal in Hass und Rachsucht verfallen.
So hatte er gewartet. Stunde um Stunde hier am Fenster gestanden und so wie jetzt hinaus gesehen. Gewartet und zugesehen, wie die Zeit verging. Als es dunkel wurde, hatte er Kerzen an den Fenstern unten aufgestellt. Ihr Licht sollte seiner Liebe den Weg nach Hause weisen, sollte ihr zeigen, das er da war. Es war schon lange dunkel, als es klopfte. Wie sein Herz einen Satz gemacht hatte! Wie es gegen seine Brust geschlagen hatte, die sich mit jedem Schritt seiner langen Beine verengte. Würde sie es sein? In Begleitung ihrer Freunde? Würde sie verletzt sein? Besinnungslos? Oder würde er nur noch ihren Körper in Empfang nehmen können, kalt, ohne Leben? Ohne jenen Funken, der Solveigh war? Als er die Tür aufriss, stand dort Vivianne, jene weisshaarige Frau, die Solveigh Freundin und Lehrerin war.
Sie war eingetreten, sie und Nyell, ihre Begleiterin. Beide hatten so erschöpft gewirkt, wie er sich fühlte. Er hatte nicht lange gezögert, seine Fragen zu stellen, auch wenn Furcht in seinem Körper sang. Angespannt wie ein Bogen, mit einem Gefühl, als würde seine Welt in Scherben zerfallen, wenn nur eine der Antworten ihm seine Hoffnung nahm. Würde sie laufen können? Würde sie ihrem Handwerk nachgehen können? Würde sie sehen können? Fragen die seine Stimme klingen liessen, als würden bereits die Scherben seines Seins in ihr liegen. Und jene, bei dem sich sein Herz verkrampfte, bei der er Vivianne nicht hatte ansehen können: würde sie je wieder lachen können... Die einzige Frage, die sie nicht zu beantworten wusste. Nur die Zukunft würde ihnen zeigen, was von Solveigh übrig geblieben war... Wie sehr diese Erfahrung sie veränderte. Wieder überspülten ihn Zweifel. Er hätte doch nach Rahal gehen sollen. Doch was sein Herz wusste, sprach auch Vivianne aus – es wäre Solveighs Tod gewesen.
Dann sprach sie die Frage aus, die er hatte vermeiden wollen. Was hatte ihm Solveigh erzählt? Was konnte er Vivianne erzählen? Welche Aussage würde Solveigh in Schwierigkeiten bringen? Nur einen Moment huschte der Gedanke durch seinen Kopf, das es der denkbar unangebrachteste Moment war, solche Fragen zu stellen. Doch er war mit seiner Meinung allein. Er schweifte von dieser Frage ab, andere Dinge beschäftigten ihn mehr. Doch sie blieb mit eisernem Willen bei dieser Frage. Was konnte er sagen, ohne sich tiefer in Fragen zu verstricken? Seine Gedanken rasten und doch schienen sie nicht viel zu nützen – Erschöpfung nagte an ihm. War er zu müde, um sich dieser Aufgabe zu stellen? Er hatte seit dem Wissen, das Solveigh nach Rahal ging, nicht mehr geschlafen...
Er erzählte ihr was Solveigh ihm berichtet hatte von ihrer bevorstehenden Reise mit dem Elfen nach Rahal. Die nächste Fragewar noch unangenehmer: Wusste er, um was es ging? Er wusste mit Sicherheit mehr, als es ihr Recht sein würde. Viel mehr... Und das nicht nur bezüglich auf die Geschichte mit Rahal. Und das Vivianne ihn so adamant ausfragte... Es überzeugte ihn von dem, was er schon seit einiger Zeit geahnt hatte: Vivianne war von Solveighs Art... Und von Solveigh mutmasste er seit längerer Zeit, das sie eine Weisse Frau war. Und mit Weissen Frauen verscherzte man es sich nicht.
Er zögerte, unsicher. Er fühlte sich wieder wie ein kleiner Junge, so wie ihn der Blick der älteren Frau durchforschte. Konnte sie feststellen ob er log? War es besser für Solveigh zu lügen? Nein, sein Gefühl sagte ihm, das Lügen von dieser Frau nicht gut aufgenommen wurden. Er sah keine Wege, die er gehen konnte, um diese Fragen zu umgehen. Wieder erfüllte seine Stimme den Raum. Er erzählte von der Geschichte, die Solveigh sich ausgedacht und an ihm ausprobiert hatte. Er hatte sie geschluckt.
Ein feines Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus, während der Wind wieder Strähnen in sein Gesicht fegte. Gedanken verloren lehnte er sich an die kalte Mauer und wischte sie weg. Ein hoffnungsloses Unterfangen, spielten kalte stürmische Böhen doch wieder mit seinen Haaren, bis sich diese wie ein schwarzer Umhang um ihm blähte. Er begrüsste den kalten Wind, klärte dieser seine Gedanken. Solveigh hatte ihn völlig in ihrer Geschichte gefangen gehabt. Ein Trank der Wurzeln wachsen lassen konnte... Vielleicht auch Bäume. Er hatte mit ihr darüber gesprochen, wie wunderbar ein Trank wäre, der Wälder wachsen lassen konnte... und welche Gefahren er in den falschen Händen barg. Sie hatte so gelacht, als er mit seinen Kriegerdenken die dunkle Seite der Menschenseele aufdeckte. Von Bäumen zerrissene Stadtmauern... Tränen hatte sie gelacht und ihn dann aufgeklärt, das es eben nur das war. Eine Geschichte. Vivianne hatte gleich nachgefasst... Weitere Fragen waren gefallen. Warum hatte er nicht besser aufgepasst... Eine klägliche Entschuldigung, das er völlig übermüdet war. Schwer seuzfte er. Der gestrige Abend war so befremdent gewesen... Er wusste immer noch nicht, was er von Vivianne halten sollte. Sein Augenmerk wieder auf die Bäume gelenkt, lehnte er sich wieder bequemer an die Wand... Der Blick kehrte sich nach innen... er erinnerte sich.
Hatte er von Sol wissen wollen, warum er drauf reinfallen sollte? Auf seine Gegenfrage, ob das so wichtig wäre ein knappes Ja. Nervösität hatte ihn befallen wie eine Horde Kribbelmücken. Nervösität verraten durch seine Finger die häufig auf seine Beine klopften, wenn dem so war. Er riss sich zusammen, überlegte krampfhaft, was er sagen konnte. Er erwähnte, das Solveigh ihm erklärt hatte, das kein Trank eine Pflanze so schnell wachsen lassen konnte. Dann hatte er eine Idee... es war keine Lüge... es war eine Erklärung, die teilweise auf die Tatsachen beruhte. Ein Mensch, der hinsah und nachdachte, konnte tatsächlich diese Rückschlüsse ziehen. Und er hatte ja diverse Rückschlüsse selber gezogen – aber auch nur, weil er Vorwissen besass und aif dieses war er nicht ganz so alleine drauf gekommen... ob sie seine Worte annahm oder nicht, war ihre Sache. Wenn keine Pflanze so schnell wachsen konnte, erläuterte Cyrion, war es etwas anderes gewesen. Keine Magie – Solveigh beschäftigte sich nicht damit. Aber vielleicht dieselbe Kraft wie die der Druiden. Das Lied der Eluvie. Ein Weg, den man gehen konnte. Aber Vivianne fragte nicht, ob er diesen gegangen war. Keine Lüge.
Vivianne war sehr ernst geworden, fragte aber beiläufig, ob er glaubte, das Solveigh sowas alleine kann. Nein... glaubte er nicht.
Das Thema wechselte sich, ging zu Schuld und Nicht-Schuld über. Das Solveigh Schuld auf sich nahm, die sie nicht traf... Ein seltsamer Umschwung... aber nun, das war ihm lieber als die anderen Fragen. Schuld waren die Rahaler. Das wusste er. Sie musste sich nicht.. schuldig... fühlen fuer das Wurzelwerk.. war Viviannes Aussage. Eine Möglichkeit, selbst etwas zu erfahren? Nein... vielleicht ware es etwas anderes, was sie bewegte, mit dem Elfen zu gehen. was war es? Ich denke, du weisst es. Er hatte gehofft, das sie ihm etwas vertrauen schenkte, ihm etwas erzählte, die Rückschlüsse zu Tatsachen machte. Ihre Antwort fiel anders aus. Hatte sie ihn missverstanden? Oder einfach nur die einzige Antwort die sie ihm geben konnte, ohne zu nah an die Wahrheit zu kommen? Die Rahaler wollten einen Schuldigen...Die Elfen wollten einen liefern. Solveigh... sah sich wohl schuldig... und lieferte sich selbst. Er hatte direkter werden müssen. Hmm... ich höre Wahrheit in diesen Worten... Doch vieles bleibt ungesagt. Ich werde nicht erfahren, wass genau passiert ist. warum sie nun leidet. ist es so? Auch darauf eine ruhige Antwort, eine gute Antwort, aber nicht die, die er sich erhofft hatte. Sie leidet, weil sie sie als Schuldige angenommen haben und ihr die Strafe haben zukommen lassen, die sie fuer diese Schuld als angemessen erachtet haben.
Wieder blieb so vieles ungesagt. Meine Worte mögen direkt sein... sehr direkt. Ist es verwunderlich, das ich mir Gedanken mache? Das ich Fragen stelle? Ich liebe diese Frau... Es war eine kleine Aufforderung gewesen, doch endlich Klarheit zu schaffen. Und doch war er so vorsichtig, wie es ihm an diesem Abend mit Übermüdung möglich war. Vivianne überraschte ihn. Es mag gelten, was sie dir erklaerte. Die Worte waren so ruhig gewesem, fast sanft zu nennen... Was sagten sie aus? Das sie aktzeptierte, was sie ihm erzählte? Das sie damit aktzeptierte, das er mehr wusste, als er sollte? So viele Fragen und keine davon durfte er offen stellen, konnte es durchaus sein, das ihm dies ihren Zorn einbrachte... Es war nie gut, den Zorn einer Weissen Frau auf sich zu ziehen.
Würde sie Solveigh rügen? Weil er mehr wusste als ihm gut tat? Wie sollte er Solveigh beschützen? Er konnte es nicht. Nicht vor Vivianne. Nicht vor rachsüchtigen Leuten... vor dummen Menschen... vor all dem, was sie bedrohte? Bitterkeit hatte ihn erfüllt und erfüllte ihn immer noch... Er konnte sie nicht mal vor sich selbst beschützen. Er stand mit gebunden Händen da... Etwas, was er Vivianne gegeüber äusserte. Es zerreisst mir das Herz. Ein gemurmelter Kommentar, doch sie hatte ihn gehört. Du atmest.. Dein Herz schlägt.. Du lebst.. Es hat dir nicht das Herz zerrissen, wenngleich der Schmerz auch in ihm gross sein mag.
Dies war wahr, dies hatte er zugeben müssen... und es klang so sehr nach Solveighs Worten, das sie ihm seltsam das Herz wärmte. Doch sie war noch nicht fertig. Ich aber sage dir.. es gehört weit mehr dazu, dass einem das Herz zerreisst. Am Ende bekommt man davon nicht mehr viel mit.. Weil das leben dann nicht mehr existiert. Solveigh... hat heute mehr ausgehalten, als sie sich vermutlich selbst zugetraut hat. Allein bei dem Gedanken.. haette sie vermutlich geglaubt, tot umfallen zu müssen. Die junge Frau an ihrer Seite erschauerte. War sie auch von Solveighs Art? Sicherlich... Sein Blick wandte sich wieder zu Vivianne. Aber sie wird leben? Oder dahin vegetieren? Ich weiss nicht, ob ich sie zurück holen kann, wenn sie sich in sich selbst zurück zieht. Was würde er machen, wenn dem so war? Sie war eine starke Frau, aber es gab für jeden Grenzen, die nicht überrschritten werden sollten... Vivianne wusste nichts über die Zukunft zu sagen. Auch für diese Weisse Frau war sie etwas ungewisses, wie es schien. Ihre Antwort liess ihn die Kiefer zusammen pressen; der Atem war tief in ihn hineingefahren. Doch Vivianne hatte ihn gefragt, ob er glaubte, nur er wäre allein, ob nur er sie, wenn nötig, ins Leben zurück holen könnte. Er war etwas erschrocken gewesen über die Frage, hatte er es doch so nicht gemeint. Ich würde es versuchen... Mit Hilfe... ohne... wer weiss, auf was ein Mensch reagieren wird. Sie hatte sich leicht vorgebeugt, bestimmt ihr Blick. Niemand weiss.. was am Ende eines Weges auf ihn wartet. Nur soviel.. dass etwas wartet. Das war wahr... Was erwartete ihm am Ende eines Weges, wo er ihr klar sagte, was er über Solveigh glaubte zu wissen. Seine Nackenhaare sträubten sich bei diesem unwillkommenden Gedanken. Sanft war ihr Stimme gewesen, als sie ihn wissen lies, das er warten müsse. Das konnte er. Sie hatte ihn lange gemustert... Wie hatte er auf sie gewirkt? Übermüdet... mit Bartstoppeln im Gesicht. Zerschlagen. Auf Solveigh werde ich warten... Sie ist meine Frau... meine Gefährtin. Musste er das betonen? Eigentlich nicht. Es war für ihn so selbstverständlich wie das Atmen... Aber erkannte Vivianne das? Was sah sie, wenn sie ihn so musterte. Einige Nächte ohne Schlaf. Konnte sie Gedanken lesen? Ein seltsam anmutender Augenblick. Es wird Zeit für dich zu ruhen. Zeit zu ruhen... wie gut das klang.
Eine Frage, die ihm in den Sinn gekommen war, konnte sie bejahen. Hat sie... nach mir gefragt? Zusage, das er sie sehen dürfte, wenn es ihr besser ging, schenkte ihm mehr Hoffnung, als er in den letzten Tagen zusammen bringen konnte. Er wollte sie so verzweifelt gerne sehen, aber Vivianne liess sich nicht überreden, ihn Solveigh früher besuchen zu lassen, als sie beschied. Er würde ihr Vertrauen schenken müssen, so sagte sie ihm mit sanfter Stimme. Direkt wie Müdigkeit einen machen konnte, fragte er sie, was er tun müsse, damit sie ihm vertraute. Lange antwortete sie darauf nicht, dann Worte, die ehrlich und direkt waren wie die seinen. Dazu gehoert wahrlich viel. Nachdenklich betrachtete er sie. Sie getraute sich nicht, ihm Vertrauen zu schenken. Doch Solveigh vertraute ihm. Vertraute sie denn Solveigh? Sie beobachtent, versuchte er, seine Schlüsse zu ziehen, doch war dies bei Vivianne nicht leicht. Er war gelehrt worden, hinzusehen, gelehrt worden, Dinge zu sehen, die anderen nicht auffiehlen, hauptsächlich, um effektiveren Schutz zu bieten. Doch sein Zusammenleben mit Solveigh hatte ihn ein wenig verändert, machte ihn auch für andere Dinge sensibler. Von dieser Sensibilität hatte der Schlafmangel wenig zurück gelassen, wie es schien. Er brauchte länger als sonst, um Dinge zu verstehen. Gefährlich, musste man mit einer Frau wie Vivianne umgehen. Er fragte sich, was ihn dazu gebracht hatte, preis zu geben, das er mehr sah als andere. Auch etwas, das nicht ungefährlich war. Vielleicht weil es ihm unangenehm war, vor den Freundinnen von Solveigh sein Wissen zu verheimlichen, das er über sie besass. Vielleicht weil er akzeptiert werden wollte und nicht als Wimper am Lidrand betrachtet werden wollte, das jederzeit ins Auge fallen konnte. Ich wurde gelehrt hinzusehen, Vivianne... Ein einfacher Satz... doch hatte er eine schwerwiegende Aussagekraft. Aber konnte er auch ins Herz hineinsehen? So fragte Vivianne. Ihre Stimme war immer so ruhig... Jetzt wo er sich erinnerte, fragte er sich, ob ihm damals kleine Nuancen entgangen waren. Sie schien mit ihren Fragen immer mehr im Sinn zu haben als eine einfache Antwort seinerseits befriedigen konnte. Seine Antworten bezogen sich auf Solveigh, weil er annahm, das sie auf Solveigh anspielte. Nun glaubte er, das die Annahme verfrüht war. Er hatte Solveigh gesehen, gesehen, das sie etwas besonderes war. Gesehen, das sie mehr, weit mehr über die Dinge des Lebens wusste als er. Doch es war ein Unterschied hinzusehen und hineinzusehen, so wieder Vivianne. Was für eine Antwort wollte sie erreichen? Er sah Soveigh, da war er sich sicher und er sah das sie gut war. Doch warum hatte er das Gefühl, das er etwas vermisste, etwas nicht verstand von dem, was die alte Frau ihn fragte. Ihr Lächeln sagte ihm das, genau wie ihre darauf folgenden Worte, er würde nur einen kleinen Teil sehen. Es gibt nicht nur gut und schlecht. Es gibt diese beiden Dinge gar nicht. Das klang nach Solveigh. Hatte sie nicht auch sowas gesagt, fragte er sich nun, am Fenster stehend. War er zu lange alleine unterwegs gewesen, das er diese Dinge wieder vergessen hatte? Die einzige Antwort war drei lange Tage ohne Schlaf, nach denen er schwerfälliger in seinen Gedanken geworden war.
Ich weiss nicht Vivianne... Welchen Massstab, glaubt Ihr, nehme ich? Eine einfache Antwort, die einer gewissen Wahrheit nicht entbehrte. Den von allen Menschen. Gut und Schlecht, Falsch und Richtig.>Und wenn es diese Dinge nicht gab?< Fragte er sich nun... >Das wirft das Weltbild ein wenig aus dem Gleichgewicht, das ein Mensch hat.< Wieder eine kleine Debatte, der Sichtweise. >Die Frage ob Gut für mich gleich richtig ist... Habe ich diese Frage überhaupt beantwortet? Nicht wirklich.< beschied er. Er hatte an dem Festgehalten, wieder mal, was er für die Achse der Welt hielt. Und doch waren es nur die moralischen Pfosten, die sein Leben markierten. Wie sollte auch das Wissen, das es sich anders verhielt, wirklich Fuss fassen, wenn einen der Alltag überrollte und dort noch die Pfosten waren, bequem und vertraut, die seit 25 Jahren existierten. Er seufzte leicht. Er hatte Vivianne nur sehen lassen, was andere Menschen auch sehen liessen. Wie dumm von ihm. Ist Gut für ihn gleich richtig... Gut musste nicht richtig sein... Richtig musste nicht gut sein. Es war nicht von Interesse, wenn beides nicht existierte. Seine Antwort, in der er sich wieder auf die Blickwinkel bezog, war nicht falsch gewesen. Ein Schmunzeln überzog sein Anlitz, gesellte sich zu der Traurigkeit, die beständig in seinem Blick lag, und die ihn nie ganz verliess. Wenn es kein Falsch gab, konnte es auch keine falschen Antworten geben. Seine Antwort war nur nicht ganz dumm gewesen... Damit gab er sich zufrieden. Nicht ganz dumm für einen, der nicht mehr lange gebraucht hätte, bis er doppelt sah und im Stehen schlief. Es kam auf den Blickwinkel an, den man selbst hatte, auf dem Weg, dem man folgte, für den man sich entschied. Eine wichtige Lektion, wenn man schon nicht wissen konnte, ob sie gut oder schlecht war für ihn. Ob die Rahaler ihre Lektion gelernt hatten? Seiner bescheidenen Meinung nach nicht. Aber Vivianne hatte recht, er konnte nicht wissen, was sie hatten lernen sollten. Das konnte nur wissen, wer die Lektion gab. Welche Lektion hatte Solveigh gelernt... oder besser, was hatte sie aus ihrem Besuch in Rahal gelernt. Er bezweifelte, das die Rahaler irgendeine Lektion hatten erteilen wollen, die gut durchdacht war. Öffentliche Auspeitschung diente eher der Befriedigung einer rachsüchtigen Bevölkerung. Diente eher dazu, den Blutdurst in dieser Bevölkerung zu stärken. Man lernte etwas aus Erniedrigung, aber selten entsprang etwas dieser Erfahrung, das er – hier griff er, wie er sich bewusst wurde, wieder nach seinen alten Moralpfosten – nicht als gut bezeichnen konnte. Eine Katze mochte auf eine heisse Herdplatte springen und entsetzt fliehen... sie würde nie wieder auf einen heisse Herdplatte springen... aber auch nie wieder auf eine kalte. Man würde kein Risiko mehr eingehen. Selbst wenn die Aussichten gut waren. Und meistens entsprang noch etwas aus derlei Erfahrungen. Hass.
Für einen Moment hatte er gedacht, Vivianne sprach davon, das die Rahaler Hass in ihr gesäht hätten. Hass war selbstzerstörerisch... manchmal auch Lebenserhaltend – etwas was er festgestellt hatte, als er auf dem Schiff – einem Mörder hinterher segelnd – dem Tode nicht allzuweit entfernt gewesen war. Aber wie vergiftet war sein Leben gewesen... Er hätte besser nach einem anderen Weg gesucht, um durch zu halten. Doch der Hass war so greifbar gewesen. So nah. Er seufzte tief und der Blick wanderte zu den Baumwipfeln die sich unter den Böen bogen. Wer wusste schon, welchen Weg Solveigh von nun an einschlagen würde. In den Augen der einen gescheiter, in den Augen der anderen rücksichtsloser. Vielleicht auch ein ganz anderer Weg... Cyrion würde die neuen Seiten in ihr kennenlernen, so sie es zuliess. Solveigh ging häufig den steinigen Weg... doch auch der steinige Weg mochte in anderen Augen als der leichte wirken. Er schüttelte kurz den Kopf und die Strähnen, die bissher von anderen Lagen Haaren verdeckt wurden, fanden freigerüttelt einen Weg, im Wind zu tanzen.
Der leichte wie auch der steinige Weg lehrten einen etwas, gaben einem Erfahrung... Der einfache Weg ist lehrreich. Der Schwere manchmal schmerzhafter. Es gilt zu erkennen, welcher der einfache Weg ist, um genauso viel zu lernen, wie auf dem Schmerzhaften. So Viviannes Worte. War sein Entschluss, zu Hause zu bleiben und nicht nach Rahal zu ziehen der leichte oder der steinige Weg gewesen? Mit sicherheit war Solveighs Weg schwerer gewesen als der seinige. Hätte er hingehen sollen? Sich selbst anstatt Solveigh zum auspeitschen anbieten sollen? Oder wären sie dann nur beide ausgepeitscht worden? Er vermutete letzteres. Die Rahaler kannten keine Ehre. Besassen nichts, was auf ein derartiges Angebot angemessen reagiert hatte. In seinem Volk gab es ebenfalls Folter als Strafe. Aber hätte jemand das Angebot gemacht, die Strafe auf sich zu nehmen, um jemanden zu schützen... oder auch nur einen Teil der Strafe – es wäre überdacht worden. Man hätte ihn nicht angekettet und zusätzlich ausgepeitscht, ungeachtet dessen, das er mit den Wurzeln nicht zu tun gehabt hatte. Er war sich recht sicher, die Rahaler hätten genau das getan. Ausgepeitscht hatten sie sie... Bilder von Solveigh, gefesselt, geknebelt, mit nacktem Rücken... Eine Peitsche, die ihr ins Fleisch riss, tauchten vor seinen Augen auf. Er vertrieb die Bilder gewaltsam. Und löste dann die Finger, die sich in seine Rippen gepresst hatten, löste die vor der Brust verschränkten Arme, welche sich verkrampft hatten. Daran durfte er nicht denken. Sie war nicht länger dort. Sie war in Sicherheit. Sie war bei Vivianne und Vivianne und ihre Freundinnen würden heilen, was zu heilen war. Der Rest... würder er ihr folgen können, wenn sie nicht länger die Solveigh war, die er kannte? Er wusste es nicht. Aber weglaufen würde er nicht. Er würde sehen was kommen würe. Er würde sehen, was sein würde. Sie beide würden ihren Weg gehen. Wenn es die Ahnen so wollten, würden sie ihn weiterhin gemeinsam gehen.
Ausgespeitscht hatten sie sie... Bei dem Gedanken, wie sich das Leder einer Peitsche in ihr makelloses Fleisch grub, wurde ihm übel und er verdrängte den Gedanken so schnell, wie er gekommen waren. Hätte er hingehen sollen? Sein Gefühl sagte ihm: Nein. Und was-wäre-wenn half ihm auch nicht. Er hatte eine Entscheidung gefällt und würde nun sehen, wohin diese Entscheidung ihn hinbrachte.
Die Elfen hatten ihm dazu geraten. Sie hatten ihm zu vielem geraten. Auf eine Weise, das er sich manchmal gefragt hatte, was sie meinten. Aber es verwunderte ihn nicht. So waren die Elfen. Keine Lügen, aber die Wahrheit war ein dehnbarer Begriff. Aussagen mochten sich nach viel anhören, aber dachte man über sie nach, stellte man fest, das ihr Kern einfach war. Wollten sie die Wahrheit verschleiern... nunja... wenn man jemanden brauchte, der einem die Himmelsfarbe glaubhaft als Grün darstellte, musste man sich an einen Elfen wenden. So der Volksmund seiner alten Heimat. Und dennoch bewiesen die Elfen Weisheit. Ein Mann der verzweifelte, mochte von ihnen die Wege, die er gehen konnte, aufgezeigt bekommen – auf der den Elfen übliche Art natürlich. Er beneidete jene Spitzohrigen Geschöpfe um ihre Ruhe, die sie hatten. Verwunderlich wenn sie an einem solchen wunderbaren friedlichen Ort lebten, wo immer Sommer hersschte? Nicht wirklich, nein... Aber für ihn hatte es dort keinen Frieden gegeben.
Er hätte nach Rahal gehen können. Und dort sterben können. Oder Solveigh durch sein erscheinen zum Tode verurteilt... Oder auch in Rahal nach aussen hin ruhig zusehen können, wie sie sie auspeitschten. Aber innerlich wäre mit jedem Schlag ein Teil von ihm gestorben... Er war einmal einer brennenden Rache nachgegangen. Er wollte nicht noch einmal in Hass und Rachsucht verfallen.
So hatte er gewartet. Stunde um Stunde hier am Fenster gestanden und so wie jetzt hinaus gesehen. Gewartet und zugesehen, wie die Zeit verging. Als es dunkel wurde, hatte er Kerzen an den Fenstern unten aufgestellt. Ihr Licht sollte seiner Liebe den Weg nach Hause weisen, sollte ihr zeigen, das er da war. Es war schon lange dunkel, als es klopfte. Wie sein Herz einen Satz gemacht hatte! Wie es gegen seine Brust geschlagen hatte, die sich mit jedem Schritt seiner langen Beine verengte. Würde sie es sein? In Begleitung ihrer Freunde? Würde sie verletzt sein? Besinnungslos? Oder würde er nur noch ihren Körper in Empfang nehmen können, kalt, ohne Leben? Ohne jenen Funken, der Solveigh war? Als er die Tür aufriss, stand dort Vivianne, jene weisshaarige Frau, die Solveigh Freundin und Lehrerin war.
Sie war eingetreten, sie und Nyell, ihre Begleiterin. Beide hatten so erschöpft gewirkt, wie er sich fühlte. Er hatte nicht lange gezögert, seine Fragen zu stellen, auch wenn Furcht in seinem Körper sang. Angespannt wie ein Bogen, mit einem Gefühl, als würde seine Welt in Scherben zerfallen, wenn nur eine der Antworten ihm seine Hoffnung nahm. Würde sie laufen können? Würde sie ihrem Handwerk nachgehen können? Würde sie sehen können? Fragen die seine Stimme klingen liessen, als würden bereits die Scherben seines Seins in ihr liegen. Und jene, bei dem sich sein Herz verkrampfte, bei der er Vivianne nicht hatte ansehen können: würde sie je wieder lachen können... Die einzige Frage, die sie nicht zu beantworten wusste. Nur die Zukunft würde ihnen zeigen, was von Solveigh übrig geblieben war... Wie sehr diese Erfahrung sie veränderte. Wieder überspülten ihn Zweifel. Er hätte doch nach Rahal gehen sollen. Doch was sein Herz wusste, sprach auch Vivianne aus – es wäre Solveighs Tod gewesen.
Dann sprach sie die Frage aus, die er hatte vermeiden wollen. Was hatte ihm Solveigh erzählt? Was konnte er Vivianne erzählen? Welche Aussage würde Solveigh in Schwierigkeiten bringen? Nur einen Moment huschte der Gedanke durch seinen Kopf, das es der denkbar unangebrachteste Moment war, solche Fragen zu stellen. Doch er war mit seiner Meinung allein. Er schweifte von dieser Frage ab, andere Dinge beschäftigten ihn mehr. Doch sie blieb mit eisernem Willen bei dieser Frage. Was konnte er sagen, ohne sich tiefer in Fragen zu verstricken? Seine Gedanken rasten und doch schienen sie nicht viel zu nützen – Erschöpfung nagte an ihm. War er zu müde, um sich dieser Aufgabe zu stellen? Er hatte seit dem Wissen, das Solveigh nach Rahal ging, nicht mehr geschlafen...
Er erzählte ihr was Solveigh ihm berichtet hatte von ihrer bevorstehenden Reise mit dem Elfen nach Rahal. Die nächste Fragewar noch unangenehmer: Wusste er, um was es ging? Er wusste mit Sicherheit mehr, als es ihr Recht sein würde. Viel mehr... Und das nicht nur bezüglich auf die Geschichte mit Rahal. Und das Vivianne ihn so adamant ausfragte... Es überzeugte ihn von dem, was er schon seit einiger Zeit geahnt hatte: Vivianne war von Solveighs Art... Und von Solveigh mutmasste er seit längerer Zeit, das sie eine Weisse Frau war. Und mit Weissen Frauen verscherzte man es sich nicht.
Er zögerte, unsicher. Er fühlte sich wieder wie ein kleiner Junge, so wie ihn der Blick der älteren Frau durchforschte. Konnte sie feststellen ob er log? War es besser für Solveigh zu lügen? Nein, sein Gefühl sagte ihm, das Lügen von dieser Frau nicht gut aufgenommen wurden. Er sah keine Wege, die er gehen konnte, um diese Fragen zu umgehen. Wieder erfüllte seine Stimme den Raum. Er erzählte von der Geschichte, die Solveigh sich ausgedacht und an ihm ausprobiert hatte. Er hatte sie geschluckt.
Ein feines Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus, während der Wind wieder Strähnen in sein Gesicht fegte. Gedanken verloren lehnte er sich an die kalte Mauer und wischte sie weg. Ein hoffnungsloses Unterfangen, spielten kalte stürmische Böhen doch wieder mit seinen Haaren, bis sich diese wie ein schwarzer Umhang um ihm blähte. Er begrüsste den kalten Wind, klärte dieser seine Gedanken. Solveigh hatte ihn völlig in ihrer Geschichte gefangen gehabt. Ein Trank der Wurzeln wachsen lassen konnte... Vielleicht auch Bäume. Er hatte mit ihr darüber gesprochen, wie wunderbar ein Trank wäre, der Wälder wachsen lassen konnte... und welche Gefahren er in den falschen Händen barg. Sie hatte so gelacht, als er mit seinen Kriegerdenken die dunkle Seite der Menschenseele aufdeckte. Von Bäumen zerrissene Stadtmauern... Tränen hatte sie gelacht und ihn dann aufgeklärt, das es eben nur das war. Eine Geschichte. Vivianne hatte gleich nachgefasst... Weitere Fragen waren gefallen. Warum hatte er nicht besser aufgepasst... Eine klägliche Entschuldigung, das er völlig übermüdet war. Schwer seuzfte er. Der gestrige Abend war so befremdent gewesen... Er wusste immer noch nicht, was er von Vivianne halten sollte. Sein Augenmerk wieder auf die Bäume gelenkt, lehnte er sich wieder bequemer an die Wand... Der Blick kehrte sich nach innen... er erinnerte sich.
Hatte er von Sol wissen wollen, warum er drauf reinfallen sollte? Auf seine Gegenfrage, ob das so wichtig wäre ein knappes Ja. Nervösität hatte ihn befallen wie eine Horde Kribbelmücken. Nervösität verraten durch seine Finger die häufig auf seine Beine klopften, wenn dem so war. Er riss sich zusammen, überlegte krampfhaft, was er sagen konnte. Er erwähnte, das Solveigh ihm erklärt hatte, das kein Trank eine Pflanze so schnell wachsen lassen konnte. Dann hatte er eine Idee... es war keine Lüge... es war eine Erklärung, die teilweise auf die Tatsachen beruhte. Ein Mensch, der hinsah und nachdachte, konnte tatsächlich diese Rückschlüsse ziehen. Und er hatte ja diverse Rückschlüsse selber gezogen – aber auch nur, weil er Vorwissen besass und aif dieses war er nicht ganz so alleine drauf gekommen... ob sie seine Worte annahm oder nicht, war ihre Sache. Wenn keine Pflanze so schnell wachsen konnte, erläuterte Cyrion, war es etwas anderes gewesen. Keine Magie – Solveigh beschäftigte sich nicht damit. Aber vielleicht dieselbe Kraft wie die der Druiden. Das Lied der Eluvie. Ein Weg, den man gehen konnte. Aber Vivianne fragte nicht, ob er diesen gegangen war. Keine Lüge.
Vivianne war sehr ernst geworden, fragte aber beiläufig, ob er glaubte, das Solveigh sowas alleine kann. Nein... glaubte er nicht.
Das Thema wechselte sich, ging zu Schuld und Nicht-Schuld über. Das Solveigh Schuld auf sich nahm, die sie nicht traf... Ein seltsamer Umschwung... aber nun, das war ihm lieber als die anderen Fragen. Schuld waren die Rahaler. Das wusste er. Sie musste sich nicht.. schuldig... fühlen fuer das Wurzelwerk.. war Viviannes Aussage. Eine Möglichkeit, selbst etwas zu erfahren? Nein... vielleicht ware es etwas anderes, was sie bewegte, mit dem Elfen zu gehen. was war es? Ich denke, du weisst es. Er hatte gehofft, das sie ihm etwas vertrauen schenkte, ihm etwas erzählte, die Rückschlüsse zu Tatsachen machte. Ihre Antwort fiel anders aus. Hatte sie ihn missverstanden? Oder einfach nur die einzige Antwort die sie ihm geben konnte, ohne zu nah an die Wahrheit zu kommen? Die Rahaler wollten einen Schuldigen...Die Elfen wollten einen liefern. Solveigh... sah sich wohl schuldig... und lieferte sich selbst. Er hatte direkter werden müssen. Hmm... ich höre Wahrheit in diesen Worten... Doch vieles bleibt ungesagt. Ich werde nicht erfahren, wass genau passiert ist. warum sie nun leidet. ist es so? Auch darauf eine ruhige Antwort, eine gute Antwort, aber nicht die, die er sich erhofft hatte. Sie leidet, weil sie sie als Schuldige angenommen haben und ihr die Strafe haben zukommen lassen, die sie fuer diese Schuld als angemessen erachtet haben.
Wieder blieb so vieles ungesagt. Meine Worte mögen direkt sein... sehr direkt. Ist es verwunderlich, das ich mir Gedanken mache? Das ich Fragen stelle? Ich liebe diese Frau... Es war eine kleine Aufforderung gewesen, doch endlich Klarheit zu schaffen. Und doch war er so vorsichtig, wie es ihm an diesem Abend mit Übermüdung möglich war. Vivianne überraschte ihn. Es mag gelten, was sie dir erklaerte. Die Worte waren so ruhig gewesem, fast sanft zu nennen... Was sagten sie aus? Das sie aktzeptierte, was sie ihm erzählte? Das sie damit aktzeptierte, das er mehr wusste, als er sollte? So viele Fragen und keine davon durfte er offen stellen, konnte es durchaus sein, das ihm dies ihren Zorn einbrachte... Es war nie gut, den Zorn einer Weissen Frau auf sich zu ziehen.
Würde sie Solveigh rügen? Weil er mehr wusste als ihm gut tat? Wie sollte er Solveigh beschützen? Er konnte es nicht. Nicht vor Vivianne. Nicht vor rachsüchtigen Leuten... vor dummen Menschen... vor all dem, was sie bedrohte? Bitterkeit hatte ihn erfüllt und erfüllte ihn immer noch... Er konnte sie nicht mal vor sich selbst beschützen. Er stand mit gebunden Händen da... Etwas, was er Vivianne gegeüber äusserte. Es zerreisst mir das Herz. Ein gemurmelter Kommentar, doch sie hatte ihn gehört. Du atmest.. Dein Herz schlägt.. Du lebst.. Es hat dir nicht das Herz zerrissen, wenngleich der Schmerz auch in ihm gross sein mag.
Dies war wahr, dies hatte er zugeben müssen... und es klang so sehr nach Solveighs Worten, das sie ihm seltsam das Herz wärmte. Doch sie war noch nicht fertig. Ich aber sage dir.. es gehört weit mehr dazu, dass einem das Herz zerreisst. Am Ende bekommt man davon nicht mehr viel mit.. Weil das leben dann nicht mehr existiert. Solveigh... hat heute mehr ausgehalten, als sie sich vermutlich selbst zugetraut hat. Allein bei dem Gedanken.. haette sie vermutlich geglaubt, tot umfallen zu müssen. Die junge Frau an ihrer Seite erschauerte. War sie auch von Solveighs Art? Sicherlich... Sein Blick wandte sich wieder zu Vivianne. Aber sie wird leben? Oder dahin vegetieren? Ich weiss nicht, ob ich sie zurück holen kann, wenn sie sich in sich selbst zurück zieht. Was würde er machen, wenn dem so war? Sie war eine starke Frau, aber es gab für jeden Grenzen, die nicht überrschritten werden sollten... Vivianne wusste nichts über die Zukunft zu sagen. Auch für diese Weisse Frau war sie etwas ungewisses, wie es schien. Ihre Antwort liess ihn die Kiefer zusammen pressen; der Atem war tief in ihn hineingefahren. Doch Vivianne hatte ihn gefragt, ob er glaubte, nur er wäre allein, ob nur er sie, wenn nötig, ins Leben zurück holen könnte. Er war etwas erschrocken gewesen über die Frage, hatte er es doch so nicht gemeint. Ich würde es versuchen... Mit Hilfe... ohne... wer weiss, auf was ein Mensch reagieren wird. Sie hatte sich leicht vorgebeugt, bestimmt ihr Blick. Niemand weiss.. was am Ende eines Weges auf ihn wartet. Nur soviel.. dass etwas wartet. Das war wahr... Was erwartete ihm am Ende eines Weges, wo er ihr klar sagte, was er über Solveigh glaubte zu wissen. Seine Nackenhaare sträubten sich bei diesem unwillkommenden Gedanken. Sanft war ihr Stimme gewesen, als sie ihn wissen lies, das er warten müsse. Das konnte er. Sie hatte ihn lange gemustert... Wie hatte er auf sie gewirkt? Übermüdet... mit Bartstoppeln im Gesicht. Zerschlagen. Auf Solveigh werde ich warten... Sie ist meine Frau... meine Gefährtin. Musste er das betonen? Eigentlich nicht. Es war für ihn so selbstverständlich wie das Atmen... Aber erkannte Vivianne das? Was sah sie, wenn sie ihn so musterte. Einige Nächte ohne Schlaf. Konnte sie Gedanken lesen? Ein seltsam anmutender Augenblick. Es wird Zeit für dich zu ruhen. Zeit zu ruhen... wie gut das klang.
Eine Frage, die ihm in den Sinn gekommen war, konnte sie bejahen. Hat sie... nach mir gefragt? Zusage, das er sie sehen dürfte, wenn es ihr besser ging, schenkte ihm mehr Hoffnung, als er in den letzten Tagen zusammen bringen konnte. Er wollte sie so verzweifelt gerne sehen, aber Vivianne liess sich nicht überreden, ihn Solveigh früher besuchen zu lassen, als sie beschied. Er würde ihr Vertrauen schenken müssen, so sagte sie ihm mit sanfter Stimme. Direkt wie Müdigkeit einen machen konnte, fragte er sie, was er tun müsse, damit sie ihm vertraute. Lange antwortete sie darauf nicht, dann Worte, die ehrlich und direkt waren wie die seinen. Dazu gehoert wahrlich viel. Nachdenklich betrachtete er sie. Sie getraute sich nicht, ihm Vertrauen zu schenken. Doch Solveigh vertraute ihm. Vertraute sie denn Solveigh? Sie beobachtent, versuchte er, seine Schlüsse zu ziehen, doch war dies bei Vivianne nicht leicht. Er war gelehrt worden, hinzusehen, gelehrt worden, Dinge zu sehen, die anderen nicht auffiehlen, hauptsächlich, um effektiveren Schutz zu bieten. Doch sein Zusammenleben mit Solveigh hatte ihn ein wenig verändert, machte ihn auch für andere Dinge sensibler. Von dieser Sensibilität hatte der Schlafmangel wenig zurück gelassen, wie es schien. Er brauchte länger als sonst, um Dinge zu verstehen. Gefährlich, musste man mit einer Frau wie Vivianne umgehen. Er fragte sich, was ihn dazu gebracht hatte, preis zu geben, das er mehr sah als andere. Auch etwas, das nicht ungefährlich war. Vielleicht weil es ihm unangenehm war, vor den Freundinnen von Solveigh sein Wissen zu verheimlichen, das er über sie besass. Vielleicht weil er akzeptiert werden wollte und nicht als Wimper am Lidrand betrachtet werden wollte, das jederzeit ins Auge fallen konnte. Ich wurde gelehrt hinzusehen, Vivianne... Ein einfacher Satz... doch hatte er eine schwerwiegende Aussagekraft. Aber konnte er auch ins Herz hineinsehen? So fragte Vivianne. Ihre Stimme war immer so ruhig... Jetzt wo er sich erinnerte, fragte er sich, ob ihm damals kleine Nuancen entgangen waren. Sie schien mit ihren Fragen immer mehr im Sinn zu haben als eine einfache Antwort seinerseits befriedigen konnte. Seine Antworten bezogen sich auf Solveigh, weil er annahm, das sie auf Solveigh anspielte. Nun glaubte er, das die Annahme verfrüht war. Er hatte Solveigh gesehen, gesehen, das sie etwas besonderes war. Gesehen, das sie mehr, weit mehr über die Dinge des Lebens wusste als er. Doch es war ein Unterschied hinzusehen und hineinzusehen, so wieder Vivianne. Was für eine Antwort wollte sie erreichen? Er sah Soveigh, da war er sich sicher und er sah das sie gut war. Doch warum hatte er das Gefühl, das er etwas vermisste, etwas nicht verstand von dem, was die alte Frau ihn fragte. Ihr Lächeln sagte ihm das, genau wie ihre darauf folgenden Worte, er würde nur einen kleinen Teil sehen. Es gibt nicht nur gut und schlecht. Es gibt diese beiden Dinge gar nicht. Das klang nach Solveigh. Hatte sie nicht auch sowas gesagt, fragte er sich nun, am Fenster stehend. War er zu lange alleine unterwegs gewesen, das er diese Dinge wieder vergessen hatte? Die einzige Antwort war drei lange Tage ohne Schlaf, nach denen er schwerfälliger in seinen Gedanken geworden war.
Ich weiss nicht Vivianne... Welchen Massstab, glaubt Ihr, nehme ich? Eine einfache Antwort, die einer gewissen Wahrheit nicht entbehrte. Den von allen Menschen. Gut und Schlecht, Falsch und Richtig.>Und wenn es diese Dinge nicht gab?< Fragte er sich nun... >Das wirft das Weltbild ein wenig aus dem Gleichgewicht, das ein Mensch hat.< Wieder eine kleine Debatte, der Sichtweise. >Die Frage ob Gut für mich gleich richtig ist... Habe ich diese Frage überhaupt beantwortet? Nicht wirklich.< beschied er. Er hatte an dem Festgehalten, wieder mal, was er für die Achse der Welt hielt. Und doch waren es nur die moralischen Pfosten, die sein Leben markierten. Wie sollte auch das Wissen, das es sich anders verhielt, wirklich Fuss fassen, wenn einen der Alltag überrollte und dort noch die Pfosten waren, bequem und vertraut, die seit 25 Jahren existierten. Er seufzte leicht. Er hatte Vivianne nur sehen lassen, was andere Menschen auch sehen liessen. Wie dumm von ihm. Ist Gut für ihn gleich richtig... Gut musste nicht richtig sein... Richtig musste nicht gut sein. Es war nicht von Interesse, wenn beides nicht existierte. Seine Antwort, in der er sich wieder auf die Blickwinkel bezog, war nicht falsch gewesen. Ein Schmunzeln überzog sein Anlitz, gesellte sich zu der Traurigkeit, die beständig in seinem Blick lag, und die ihn nie ganz verliess. Wenn es kein Falsch gab, konnte es auch keine falschen Antworten geben. Seine Antwort war nur nicht ganz dumm gewesen... Damit gab er sich zufrieden. Nicht ganz dumm für einen, der nicht mehr lange gebraucht hätte, bis er doppelt sah und im Stehen schlief. Es kam auf den Blickwinkel an, den man selbst hatte, auf dem Weg, dem man folgte, für den man sich entschied. Eine wichtige Lektion, wenn man schon nicht wissen konnte, ob sie gut oder schlecht war für ihn. Ob die Rahaler ihre Lektion gelernt hatten? Seiner bescheidenen Meinung nach nicht. Aber Vivianne hatte recht, er konnte nicht wissen, was sie hatten lernen sollten. Das konnte nur wissen, wer die Lektion gab. Welche Lektion hatte Solveigh gelernt... oder besser, was hatte sie aus ihrem Besuch in Rahal gelernt. Er bezweifelte, das die Rahaler irgendeine Lektion hatten erteilen wollen, die gut durchdacht war. Öffentliche Auspeitschung diente eher der Befriedigung einer rachsüchtigen Bevölkerung. Diente eher dazu, den Blutdurst in dieser Bevölkerung zu stärken. Man lernte etwas aus Erniedrigung, aber selten entsprang etwas dieser Erfahrung, das er – hier griff er, wie er sich bewusst wurde, wieder nach seinen alten Moralpfosten – nicht als gut bezeichnen konnte. Eine Katze mochte auf eine heisse Herdplatte springen und entsetzt fliehen... sie würde nie wieder auf einen heisse Herdplatte springen... aber auch nie wieder auf eine kalte. Man würde kein Risiko mehr eingehen. Selbst wenn die Aussichten gut waren. Und meistens entsprang noch etwas aus derlei Erfahrungen. Hass.
Für einen Moment hatte er gedacht, Vivianne sprach davon, das die Rahaler Hass in ihr gesäht hätten. Hass war selbstzerstörerisch... manchmal auch Lebenserhaltend – etwas was er festgestellt hatte, als er auf dem Schiff – einem Mörder hinterher segelnd – dem Tode nicht allzuweit entfernt gewesen war. Aber wie vergiftet war sein Leben gewesen... Er hätte besser nach einem anderen Weg gesucht, um durch zu halten. Doch der Hass war so greifbar gewesen. So nah. Er seufzte tief und der Blick wanderte zu den Baumwipfeln die sich unter den Böen bogen. Wer wusste schon, welchen Weg Solveigh von nun an einschlagen würde. In den Augen der einen gescheiter, in den Augen der anderen rücksichtsloser. Vielleicht auch ein ganz anderer Weg... Cyrion würde die neuen Seiten in ihr kennenlernen, so sie es zuliess. Solveigh ging häufig den steinigen Weg... doch auch der steinige Weg mochte in anderen Augen als der leichte wirken. Er schüttelte kurz den Kopf und die Strähnen, die bissher von anderen Lagen Haaren verdeckt wurden, fanden freigerüttelt einen Weg, im Wind zu tanzen.
Der leichte wie auch der steinige Weg lehrten einen etwas, gaben einem Erfahrung... Der einfache Weg ist lehrreich. Der Schwere manchmal schmerzhafter. Es gilt zu erkennen, welcher der einfache Weg ist, um genauso viel zu lernen, wie auf dem Schmerzhaften. So Viviannes Worte. War sein Entschluss, zu Hause zu bleiben und nicht nach Rahal zu ziehen der leichte oder der steinige Weg gewesen? Mit sicherheit war Solveighs Weg schwerer gewesen als der seinige. Hätte er hingehen sollen? Sich selbst anstatt Solveigh zum auspeitschen anbieten sollen? Oder wären sie dann nur beide ausgepeitscht worden? Er vermutete letzteres. Die Rahaler kannten keine Ehre. Besassen nichts, was auf ein derartiges Angebot angemessen reagiert hatte. In seinem Volk gab es ebenfalls Folter als Strafe. Aber hätte jemand das Angebot gemacht, die Strafe auf sich zu nehmen, um jemanden zu schützen... oder auch nur einen Teil der Strafe – es wäre überdacht worden. Man hätte ihn nicht angekettet und zusätzlich ausgepeitscht, ungeachtet dessen, das er mit den Wurzeln nicht zu tun gehabt hatte. Er war sich recht sicher, die Rahaler hätten genau das getan. Ausgepeitscht hatten sie sie... Bilder von Solveigh, gefesselt, geknebelt, mit nacktem Rücken... Eine Peitsche, die ihr ins Fleisch riss, tauchten vor seinen Augen auf. Er vertrieb die Bilder gewaltsam. Und löste dann die Finger, die sich in seine Rippen gepresst hatten, löste die vor der Brust verschränkten Arme, welche sich verkrampft hatten. Daran durfte er nicht denken. Sie war nicht länger dort. Sie war in Sicherheit. Sie war bei Vivianne und Vivianne und ihre Freundinnen würden heilen, was zu heilen war. Der Rest... würder er ihr folgen können, wenn sie nicht länger die Solveigh war, die er kannte? Er wusste es nicht. Aber weglaufen würde er nicht. Er würde sehen was kommen würe. Er würde sehen, was sein würde. Sie beide würden ihren Weg gehen. Wenn es die Ahnen so wollten, würden sie ihn weiterhin gemeinsam gehen.