Sein Zorn, die Heilung

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Savar Arlenn

Sein Zorn, die Heilung

Beitrag von Savar Arlenn »

Die Jagd war inzwischen zur Routine geworden, sofern er sich an den üblichen Orten aufhielt. Inzwischen konnte sich der Hufschmied tatsächlich mit Gegnern messen, vor denen er früher weggelaufen wäre. Das Schild war inzwischen Gewohnheit, das Schwert in seiner Hand, wie eine Verlängerung seines Armes. Er spürte jeden Abend die Schultern und Arme, so er seine Ausrüstung ablegte - bis zum nächsten Morgen war er jedoch auch wieder regeneriert um den eigenen Leib erneut strapazieren zu können, so wurde es auch von der Stadtgarde verlangt. Die Rüstung war schwer, die Taschen waren voll, Schwert und Schild hatten auch ihr übliches Gewicht, es wurde marschiert, patrouilliert und Übungen zur Körperertüchtigung gemacht. All das, was er auch immer gewollt hatte. Aus dem Alltag entkommen, dem Schatten seines Ziehvaters entfliehen. Hofschmied für ein Leben lang? Es musste doch etwas Besseres in seinem Leben geben.


An diesem Tag hatte er den Weg über Bajard genommen, hatte noch Teile seiner Garderüstung an und trug darüber wiederum seinen Mantel. Die Kälte zog inzwischen in die Knochen ein und die Sonne versank früher hinter den Bergen. Normalerweise hätte er früher dafür gesorgt, dass er zur Dunkelheit rechtzeitig daheim war, inzwischen hatte er keine Angst mehr. Noch war es hell und er hatte reichlich Zeit sich die Wege anzuschauen, bis er dann an die Grenzsteine herantrat, an dem sich zwei Personen aufhielten. Sie standen nur wenige Schritte vor der Grenze zum Reich des Panthers, Grenzwarth war gut zu sehen.


Sogleich ergab sich mit den beiden eine Diskussion, die wohl den Glauben betraf, so er sich natürlich offenkundig als Diener des All-Einen hinstellte und auch klar machte, dass er der Stadtgarde als Landsknecht diente. Beide waren anfangs noch verhüllt, doch zeigte sich Savar nicht sonderlich angriffslustig, weswegen diese ihre Kampfhaltung zurück schraubte. Ihr Begleiter selbst war da anderer Auffassung und wollte klar seinen Standpunkt darstellen - zu einem Kampf musste es wohl unweigerlich kommen, auch wenn der Kämpfer offenbar recht erfahren wirkte. Savar war angespannt und konnte natürlich die aufkommende Aufregung nicht verbergen. Er war erstaunt und auch glücklich darüber, dass er hier keine Angst verspürte. Er wollte dem All-Einen dienen, seine Arbeit machen, ihm ein guter Diener sein und wenn es zu einem Kampf kommen musste, wusste er, dass er ein gutes Beispiel gab, wenn er hier fallen würde.


Der Kampf dauerte nicht lange und der Gegner war ihm völlig überlegen, so dass Savar nur irgendwann mit schmerzverzerrtem Gesicht im Staub lag, der linke Arm fühlte sich überhaupt nicht gut an, taub und wenn etwas, dann nur Schmerz vorhanden. Er hatte den Schlag mit dem Schild parieren wollen, war aber viel zu spät und so traf das Schwert die Plattenrüstung an der Schulter, so wuchtig, dass er gänzlich umgerissen wurde. Ihm blieb die Luft weg und die Schwärze legte sich über seine Augen. Der Willen war noch da, um den Kampf weiter zu führen, doch der Körper war an dieser Stelle seine Grenze. Er konnte sich nur schwer wieder aufrichten, konnte sich nur auf den rechten Arm aufstützen, um sich dann zu erheben. Er sah nochmals zu den beiden, die dort immer noch standen, einige Worte wurden gewechselt, die er sich sowieso nicht merken konnte - er hatte nur für heute eine Lektion gelernt, durch den Kampf und auch durch das Verhalten des Streiters. Er war froh, auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn dieser Schmerzen kostete.


Er hatte bereits reichlich Tinkturen von Garius erhalten und daheim gelagert, an denen er sich bereits bediente, die Kameraden in Grenzwarth hatten ihn zu Alins Haus. Dort hatte er sich dann zurückgezogen, um sich erstmal zu versorgen. Glücklicherweise konnte er kein Blut sehen, die Schulter fühlte sich nicht richtig an, der Arm saß nicht richtig und pochte nur energisch, war angeschwollen. Trotzdem musste ein Soldat seine Pflicht erfüllen und so wurde der Bericht geschrieben, mit allen Einzelheiten, an die er sich erinnern konnte. Später hatte sich auch Je’yuxalae sich darum gekümmert und zusammen mit Dazen die Schulter wieder eingerenkt. Sie hatte ihm zwei Wochen zur Genesung verschrieben, was Savar hier einfach nur widerwillig akzeptieren musste. Er hasste es zu warten und er hasste es verletzbar zu sein.


Am Abend hatte er für Runa und Alin das Essen gerichtet, hatte missmutig seine Rüstung in der Ecke betrachtet und beschäftigte sich gedanklich immer noch mit dem Vorfall. Inzwischen hatte er oft genug Schläge abbekommen. Früher war er genau dafür von seinem Wolfsrudel geliebt worden - die Straßenkinder sahen ihn als den großen Bruder an, denn er verteilte Kloppe, wie er auch einstecken konnte. Dem Schmerz auszuweichen kannte er nicht, lieber reinrennen und selbst noch die Fäuste schwingen, irgendetwas würde er schon treffen. Mit einem Schwert in der Hand war das schon eine ganz andere Geschichte, er musste dastehen, wie ein Fels in der Brandung. Die Verteidigung durfte er nicht so schnell fallen lassen - das musste er in seinen Übungen vorantreiben, konzentrierter arbeiten.


Später am Abend hatte er sich nach Bajard begeben, um dort ein Bier zu trinken. Er hielt sich von den Gesprächen dort zurück und genoss lediglich den Geschmack des Bieres, die Augenlider hier schließend. Man konnte wirklich sagen, dass er bei diesem Gerstensaft inzwischen ein richtiger Kenner geworden war, der die unterschiedlichsten Sorten schon ganz intuitiv zuweisen konnte. Als er einen Umweg über die Kutsche machte, als er einer der Damen aus Bajard sicheres Geleit dorthin anbot, trafen dort bereits einige Letharen ein. Manche waren wohl schwer zu unterscheiden, doch den Lethoryx Cha’xyrol, der war sofort erkennbar. Sie wechselten einige Worte, in denen Savar seine Verletzung und auch den ganzen Tathergang erklären musste. Er war beschämt darüber, dass er so versagt hatte und das nun vor den Kindern des All-Einen so offen Preis geben musste. Er erwartete eine Ohrfeige oder direkt einen Schlag in die Magengegend - doch dann geschah wohl das kleine Wunder. Er betrachtete nicht, was Cha’xyrol dort tat und konnte auch nicht einschätzen, was dort geschah. Die Konsequenzen waren jedoch bald ersichtlich, als der Schmerz einsetzte und auch die Zorneswelle sich über seinen Körper zog. Als der Schmerz vorbeizog, sich dann eine heilende Wirkung zeigte, war er fast berauscht von der ganzen Situation und gab nochmals flink zu verstehen, dass er sich noch mehr anstrengen würde, seine Lektionen verinnerlichen würde, um ein guter Diener sein zu dürfen.

Dieses Gefühl in ihm war überwältigend. Er kam sich vor, als hatte er erst jetzt die Augen geöffnet und eilte nach Hause, um dann auch Runa und Alin zu berichten, die ihn jedoch beide mit seltsamen Gesichtsausdruck betrachteten. Sie konnten diese Euphorie, diesen Energieschub wohl nicht verstehen, weswegen er sich für heute aus dem Haus zurückzog. Zum Tempel, danach in der Stadtgarde nächtigen. Der Zorn war gut, die Heilung geschah fast augenblicklich. Der Weg war steinig und gefährlich, das Ziel doch lohnenswert.
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