Hals- und Beinbruch!
Verfasst: Samstag 13. Juli 2013, 03:50
Florentine Demarkes. Rotes Haar. Vorleserin. Zelle drei. Die Sache mit dem Esel.
Etwas Vorzeigbares musste es sein, das war ihr klar, seitdem Ihre Erlaucht, die Gräfin, sie mit diesem Auftrag bedacht hatte.
Grübelnd starrte Marjorie auf Ryan, den Gardisten, der ihr gegenüber Wache schob. Seine leichte Erkältung schien schon wieder besser zu sein - der eifrige Kerl suchte sich einfach immer die Torwache aus und war auch gar nicht davon abzubringen, selbst wenn die Nächte zuweilen kühler und die Tage verregnet waren. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er immer wieder die gleichen Dummheiten abliefern mochte, um das Herz der Befehlshabenden für diese zusätzliche Wachschicht zu gewinnen. Vielleicht lag es ja an der Gesellschaft - insbesondere einigen sehr freundlichen Gesellen unter ihren Kameraden wurde immer wieder der späte Dienst am Tor zuteil, weshalb auch die Feldheilerin sich nicht ungerne dazu einteilen ließ.
Aufmerksam schaute sie sich um, einmal den aus der Stadt führenden Weg entlang – so weit das die aufziehende Dunkelheit zuließ – dann den Weg über die Brücke stadteinwärts. Fast schon wähnte sie sich mit irgendeiner Katastrophe konfrontiert, die Stimmung der ganzen bisherigen Wacht war … einfach viel zu ruhig, als dass sie nicht schon mit einer heranstürmenden Horde Getwergelyns auf ihren Reitkäfern gerechnet hätte. Aber vielleicht gab es auch solche Tage.
Manchmal. Ganz selten.
Sie dachte kurz daran, was die anderen Kameraden gerade tun mochten. Eine ganze Truppe hatte gerade im Gefolge der Gräfin selbst beritten das Tor hinter sich gelassen. Nur einige wenige Gesichter hatte sie nicht erblickt, Balator, Renold, Fjalon... Da riss sie eine bekannte Stimme aus den Gedanken.
„Wohlen Abend Wachtmeisterin“, sprach eine Rothaarige.
„Temora und Reich zur Ehr, Frau Demarkes“, gab sie zurück und winkte die nach Wochen und Monaten der... nun, man mochte wohl sagen, Anwesenheit im Umkreis des Regiments allemal bekannte Gestalt freundlich durch. Die wollte sich aber zu Marjories Verwunderung gar nicht so recht weiterbewegen.
„Gibt es was zu tun für mich?“, wollte die andere wissen.
„Heute ist bisher alles ruhig. Danke der Nachfrage.“ Die Rothaarige wurde mit einem flüchtigen Lächeln bedacht, aber die Antwort hatte sie wohl noch nicht zufriedengestellt. Sie machte keine Anstalten, zu gehen.
„Ihr lasst mich wissen, wenn Ihr mich braucht? Oder muss ich mich einmal täglich melden... Oder mehrmals.“
„Natürlich, Frau Demarkes.“ Nach einer kurzen Pause setzte sie hinzu: „Ersteres.“
„Hm“, machte die andere. „Dann ruhige Wacht, fürs Erste.“
„Allein die Nachfrage werde ich als vorbildliche Einsatzbereitschaft verbuchen“, entschied sie bei sich und sprach den Gedanken nur einen Augenblick später einfach aus. Was half es? Mit Frau Demarkes würde sie wohl, auf irgendeine Weise, recht eng zusammenarbeiten – nur schienen sie beide noch wenig Vorstellung davon zu haben, wie das aussehen sollte. Verunsichert dadurch, dass die Rothaarige mit ihrer Frage Marjories Überlegungen zu dieser Angelegenheit zuvorgekommen war, schob sie ein ganz besonders dienstbeflissenes Auftreten und höfliche Floskeln vor.
„Einen angenehmen Aufenthalt im schönen Adoran“, wünschte sie und endlich wandte sich die andere Frau zum Gehen.
Aufatmend schaute Marjorie ihr nach und fuhr fort, sich den Kopf zu zermartern.
Als Heilkundige, so hatte Ihre Erlaucht, die Gräfin, festgelegt, sollte Frau Demarkes sich im Reich und für das Reich einsetzen und so Wiedergutmachung leisten. Vier Monate lang... unter der Aufsicht und Anleitung Marjories.
Sie sollte der anderen bei ihrem Tun auf die Finger schauen, wobei sie selbst es lieber als Zusammenarbeit betrachtete. Immerhin hatte sie der Rothaarigen vertraut, bevor sie überhaupt mehr über sie und ihre Herkunft wusste. Ihre erste Begegnung... bezeichnender Weise an einem Krankenbett, war bestimmt rund ein Jahr her. Nun begann sie langsam mit ihrem Versuch einzuschätzen, wie kundig diese neue Bekannte sein mochte … aber nicht nur das wollte bedacht werden, wenn sie zusammen tätig wurden.
Es muss vorzeigbar sein. Vorzeigbar genug für Ihre Erlaucht. Sie seufzte leise. Das erschien ihr als Herausforderung vergleichbar damit, ein Schüsselchen Milch zu finden, um es einer Höllenraubkatze vorzusetzen.
Wieder kam ein Reiter heran und rief ein schallendes „Cirmias' Segen“, so dass sie blinzelnd ihre Aufmerksamkeit sammelte und sich dazu zwang, zu ihrer Aufgabe zurückzukehren. Der freundlich wirkende Mann in der Aufmachung eines Handwerkers ließ die Kontrolle am Tor gelassen über sich ergehen und passierte dann das Tor auf seinem Apfelschimmel.
Entschlossen, sich von nun an besser zu konzentrieren, rückte sie ihr Barett gerade und lenkte den Blick auf den Weg vor das Stadttor. Abwechselnd ihren Speer an sich und sich an ihren Speer anlehnend harrte sie aus und so verging die Nacht – ereignislos... einfallslos.
Ryan machte seine Sache gut und räusperte sich immer mal wieder, wenn er wohl meinte, sie sei innerlich zu weit abgedriftet. Zweimal musste er husten.
Etwas Vorzeigbares musste es sein, das war ihr klar, seitdem Ihre Erlaucht, die Gräfin, sie mit diesem Auftrag bedacht hatte.
Grübelnd starrte Marjorie auf Ryan, den Gardisten, der ihr gegenüber Wache schob. Seine leichte Erkältung schien schon wieder besser zu sein - der eifrige Kerl suchte sich einfach immer die Torwache aus und war auch gar nicht davon abzubringen, selbst wenn die Nächte zuweilen kühler und die Tage verregnet waren. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er immer wieder die gleichen Dummheiten abliefern mochte, um das Herz der Befehlshabenden für diese zusätzliche Wachschicht zu gewinnen. Vielleicht lag es ja an der Gesellschaft - insbesondere einigen sehr freundlichen Gesellen unter ihren Kameraden wurde immer wieder der späte Dienst am Tor zuteil, weshalb auch die Feldheilerin sich nicht ungerne dazu einteilen ließ.
Aufmerksam schaute sie sich um, einmal den aus der Stadt führenden Weg entlang – so weit das die aufziehende Dunkelheit zuließ – dann den Weg über die Brücke stadteinwärts. Fast schon wähnte sie sich mit irgendeiner Katastrophe konfrontiert, die Stimmung der ganzen bisherigen Wacht war … einfach viel zu ruhig, als dass sie nicht schon mit einer heranstürmenden Horde Getwergelyns auf ihren Reitkäfern gerechnet hätte. Aber vielleicht gab es auch solche Tage.
Manchmal. Ganz selten.
Sie dachte kurz daran, was die anderen Kameraden gerade tun mochten. Eine ganze Truppe hatte gerade im Gefolge der Gräfin selbst beritten das Tor hinter sich gelassen. Nur einige wenige Gesichter hatte sie nicht erblickt, Balator, Renold, Fjalon... Da riss sie eine bekannte Stimme aus den Gedanken.
„Wohlen Abend Wachtmeisterin“, sprach eine Rothaarige.
„Temora und Reich zur Ehr, Frau Demarkes“, gab sie zurück und winkte die nach Wochen und Monaten der... nun, man mochte wohl sagen, Anwesenheit im Umkreis des Regiments allemal bekannte Gestalt freundlich durch. Die wollte sich aber zu Marjories Verwunderung gar nicht so recht weiterbewegen.
„Gibt es was zu tun für mich?“, wollte die andere wissen.
„Heute ist bisher alles ruhig. Danke der Nachfrage.“ Die Rothaarige wurde mit einem flüchtigen Lächeln bedacht, aber die Antwort hatte sie wohl noch nicht zufriedengestellt. Sie machte keine Anstalten, zu gehen.
„Ihr lasst mich wissen, wenn Ihr mich braucht? Oder muss ich mich einmal täglich melden... Oder mehrmals.“
„Natürlich, Frau Demarkes.“ Nach einer kurzen Pause setzte sie hinzu: „Ersteres.“
„Hm“, machte die andere. „Dann ruhige Wacht, fürs Erste.“
„Allein die Nachfrage werde ich als vorbildliche Einsatzbereitschaft verbuchen“, entschied sie bei sich und sprach den Gedanken nur einen Augenblick später einfach aus. Was half es? Mit Frau Demarkes würde sie wohl, auf irgendeine Weise, recht eng zusammenarbeiten – nur schienen sie beide noch wenig Vorstellung davon zu haben, wie das aussehen sollte. Verunsichert dadurch, dass die Rothaarige mit ihrer Frage Marjories Überlegungen zu dieser Angelegenheit zuvorgekommen war, schob sie ein ganz besonders dienstbeflissenes Auftreten und höfliche Floskeln vor.
„Einen angenehmen Aufenthalt im schönen Adoran“, wünschte sie und endlich wandte sich die andere Frau zum Gehen.
Aufatmend schaute Marjorie ihr nach und fuhr fort, sich den Kopf zu zermartern.
Als Heilkundige, so hatte Ihre Erlaucht, die Gräfin, festgelegt, sollte Frau Demarkes sich im Reich und für das Reich einsetzen und so Wiedergutmachung leisten. Vier Monate lang... unter der Aufsicht und Anleitung Marjories.
Sie sollte der anderen bei ihrem Tun auf die Finger schauen, wobei sie selbst es lieber als Zusammenarbeit betrachtete. Immerhin hatte sie der Rothaarigen vertraut, bevor sie überhaupt mehr über sie und ihre Herkunft wusste. Ihre erste Begegnung... bezeichnender Weise an einem Krankenbett, war bestimmt rund ein Jahr her. Nun begann sie langsam mit ihrem Versuch einzuschätzen, wie kundig diese neue Bekannte sein mochte … aber nicht nur das wollte bedacht werden, wenn sie zusammen tätig wurden.
Es muss vorzeigbar sein. Vorzeigbar genug für Ihre Erlaucht. Sie seufzte leise. Das erschien ihr als Herausforderung vergleichbar damit, ein Schüsselchen Milch zu finden, um es einer Höllenraubkatze vorzusetzen.
Wieder kam ein Reiter heran und rief ein schallendes „Cirmias' Segen“, so dass sie blinzelnd ihre Aufmerksamkeit sammelte und sich dazu zwang, zu ihrer Aufgabe zurückzukehren. Der freundlich wirkende Mann in der Aufmachung eines Handwerkers ließ die Kontrolle am Tor gelassen über sich ergehen und passierte dann das Tor auf seinem Apfelschimmel.
Entschlossen, sich von nun an besser zu konzentrieren, rückte sie ihr Barett gerade und lenkte den Blick auf den Weg vor das Stadttor. Abwechselnd ihren Speer an sich und sich an ihren Speer anlehnend harrte sie aus und so verging die Nacht – ereignislos... einfallslos.
Ryan machte seine Sache gut und räusperte sich immer mal wieder, wenn er wohl meinte, sie sei innerlich zu weit abgedriftet. Zweimal musste er husten.