Sternenklar war der Himmel und nur das fahle Licht des Mondes erhellte die weite und ewig scheinende Wüstenlandschaft, die sich von hier oben betrachten ließ. Eine Gestalt stand oben auf dem Dach des Hauses der Familie Ifrey, die Hände vor der Brust verschränkt, gehüllt in weite und warme Stoffkleidung. Das Kopftuch und den Schleier, welche sie beide fast durchgehend trug seit sie in Menek'ur angekommen war, hatte sie abgenommen und das lange, lockige Haar fiel ihr über die Schulter und für den Moment genoss Kari die kalte Nachtluft, die ihr entgegenwehte.
Seit sie ihre einstige Heimat wieder betreten hatte, waren nun einige Tage vergangen. Sie hatte ihre Tochter wieder in ihre Arme schließen können, sie hatte das vertraute Gesicht ihrer engsten Freundin Khalida wiedergesehen und sie wurde so warmherzig und freundlich in ihre angeheiratete Familie aufgenommen, wie sie es sich hätte niemals träumen lassen. Auf der Überfahrt nach Adoran hatte sie sich damals noch Gedanken gemacht, hatte sich gefragt ob ihre Abstammung als Falah ihr Probleme bereiten würde, ob man ihr nicht wohlgesonnen sein würde, weil sie ohne ihren Ehemann zurückkehrte, der stattdessen weit, weit weg von ihr war.
Doch alle Sorgen, alle Bedenken hatten sich mittlerweile in Luft aufgelöst; es war zu keinem einzigen Zwischenfall gekommen und Kari war nun wieder ein teil der Wüste. Zeit wieder zu denken wie einst. Zeit wieder zu handeln wie einst.
Menek'ur, wie auch Gerimor hatten sich verändert. Doch nicht nur von der Landmasse, nein auch von der politischen Situation her hatte sich vieles getan. Als Kari damals das Land verlassen hatte existierte die prächtige Stadt Varuna noch in ihrer vollen Blüte. Die größte politische Macht war das Haus Hohenfels gewesen und die Dinge schienen vergleichsweise simpler. Doch nun war dem nicht mehr so. Jala, eine Menekanerin aus dem Hause Tai, welches mittlerweile nicht mehr zu den großen Familienhäusern zu gehören schien, hatte ihr das heutige Gerimor gezeigt und schon auf dem Fußweg nach Adoran waren ihr die vielen Grenzsteine aufgefallen, die vielen Namen von möglichen Grafschaften, Gebieten und Hoheitsansprüchen. Es schien sich alles weiter ausgedehnt zu haben, die Macht war weiter verteilt und dies bedeutete im Endeffekt, dass sie weitaus mehr nachzuholen hatte, als sie anfangs angenommen hatte.
Wenn sie dort ansetzen wollte, wo sie damals aufgehört hatte, dann würde sie mehr Wissen brauchen. Sie würde mehr über die Geschehnisse der letzten Jahre herausfinden müssen, sie würde den derzeitigen Adel studieren und wenigstens auf dem Papier kennen müssen – wahrlich mehr Arbeit als sie sich erträumt hatte. Doch eines war sicher: wenn die Dinge sich so entwickeln würden, wie sie es sich erhoffte, dann würde all die Lernerei und die damit verbundenen Strapazen sich am Ende auszahlen.
Für den Moment hielt sie in ihren Gedanken inne und blinzelte in den kleinen Gartenhof des Anwesens hinab. Sie hatte gemeint Schritte zu hören, doch schien sie sich zu irren. Alte Reflexe, alte Denkmuster, Gewohnheiten und Macken, die sie eigentlich abgelegt hatte, waren dabei wieder aufzukommen, und sie wusste nicht ob das gut war. „Ich verspreche dir dass diese Dinge aufhören … wir müssen an die kleine Lalita denken.“ ihre eigenen Worte die sie an Nadir, ihren Ehemann gerichtet hatte. Sie hatte es damals so gemeint, sie hatte dieses alte Leben wegsperren wollen und hatte es auch getan; weggesperrt in eine prunkvolle Kiste, welche sie sich damals, kurz vor ihrer Abreise aus Thenos, per Kurier nach Menek'ur geschickt hatte. Nun lag sie geöffnet in ihrem neuen Zimmer, der Inhalt sorgsam verstaut wo ihn nicht jeder finden konnte: Ein Paar an Krallenhänden, Phiolen mit seltsamen Substanzen, eine Rüstung, welche ihr damals auf den Leib geschneidert wurde und die überraschenderweise nur etwas enger geworden war im Laufe der Jahre und allerlei andere kleine Utensilien. Dinge, die man für ein Leben in den Schatten brauchte, ein Leben, welches sie doch eigentlich nie wieder leben wollte … oder es zumindest versprochen hatte.
Doch das war damals, wo sie mit Nadir und Lalita ein kleines, beschauliches Leben geführt hatten und nur sie und ihre Familie im Mittelpunkt standen. Es gab keine Politik, keine große Familie, kein schwelender Konflikt mit Letharen … es gab nur ein Zentrum aus drei Personen. Heute war da mehr und damit auch Karis Verantwortung ihrer Familie mit dem besten was sie geben konnte zu dienen – und dies war das Beste. Nadir würde schäumen vor Wut, sie wusste es. Er würde ihr sagen, dass sie sich vollkommen auf Lalita konzentrieren solle, ihr zur Seite stehen und eine gute Mutter sein soll … aber Nadir war nicht da und zumindest im Moment war sie ihm keine Rechenschaft schuldig. Sie würde es, spätestens wenn er nach Menek'ur nachkommen würde und sie ihm alles beichten würde – aber bis dahin lag es an ihr, nicht an ihm.
Sie fröstelte kurz, es wurde langsam immer kälter und sie wünschte sich die Umarmung ihres geliebten Ehemannes, seine Nähe und seine Wärme. Es reichte schon, dass die Nächte ohne ihn sich leer anfühlten, doch in Momenten wie diesen wünschte sie ihn so sehr herbei, dass es beinahe schmerzte. Dann jedoch ging ihr Gedanke wieder zurück in das Hier und Jetzt. Die Schatten waren da, sie umgaben sie erneut und Kari würde wieder in sie eintauchen. Sie würde wieder lügen, sie würde manipulieren und sie würde wieder Opfer bringen – alles zum Wohle ihrer neuen Familie und ihres Volkes. Es war ein altes Denkmuster, eines dass sie fast zwei Jahrzehnte zuvor schon hatte und welches ihr Denken bald wieder beherrschen würde, und es war gut so.
Die einzige Frage welche die Menekanerin nun noch beschäftigte war die, wem sie alles vertrauen konnte. Khalida hatte sie sich anvertraut und ihre Worte waren klar gewesen. „Informiere niemanden vorher darüber – liefere ihnen Ergebnisse und beweise deinen wert“ Doch wem konnte sie noch vertrauen? Offiziell war sie damals als Diplomatin aufgetreten, inoffiziell hatte sie für Aasim Omar als Spitzel, als Informantin und als Diebin fungiert … heute hatte sie keinerlei solchen Status inne und sie bezweifelte dass eine Anfrage an den Emir irgendetwas in diese Richtung bewegen würde, dafür lag ihre Ankunft noch zu kurz zurück. Es schien als ob derzeit niemand fürs erste davon erfahren sollte und dann war da die fast tadelnde innere Stimme die ihr eine Frage stellte: was ist mit deiner Tochter?
Ihre Lippen verzogen sich zu einer kurzen Grimasse. Lalita. Wie viel sollte sie ihr eigen Fleisch und Blut wissen lassen? Ihre Tochter wusste, dass ihre Mutter damals mehr getan hatte als nur Gespräche zu führen; doch Kari war niemals ins Detail gegangen. Heute war ihre „kleine Natifah“ fast erwachsen, verdiente sie dahingehend nicht die ganze Wahrheit? Doch dann war da auch die Frage, ob es ihre Tochter nicht zu sehr belasten würde. Khalida hatte Kari, als diese sie fragte ob sie mit ihr wieder das Kampftraining aufnehmen würde, bereits gesagt, dass es vielleicht besser wäre das Lalita sich keine unnötigen Sorgen um ihre Mutter machte. Doch waren diese Sorgen tatsächlich unbegründet? Wenn die Dinge ihren Lauf nehmen würden, wie Kari es sich wünschte, bewegte sie sich auf einem sehr schmalen Pfad, der steil in die Tiefe führen konnte. War es tatsächlich so abwegig dass ihr etwas zustoßen könnte? Durfte sie sich diesen Risiken überhaupt aussetzen, wenn sie eine Tochter hatte die noch nicht gänzlich Erwachsen war?
Doch dann wiederum, fragte sie sich, was dagegen sprach. Lalita war dabei ihren eigenen Weg zu gehen, wie sie letztens erfahren musste, als das Thema fiel dass ihrer Tochter angeboten wurde im Harem unterrichtet zu werden. Lalita würde bald ihre eigenen Wege wählen und auch wenn ein teil in ihr bei dem Gedanken zusammenzuckte, so war sie doch froh dass ihr ein und alles langsam selbstständig genug dafür war, denn Kari würde nicht ewig ihre Beschützerin sein können. Und so war es vielleicht wirklich besser wenn sie ihre Tochter für den Moment auf ihre eigenen Wege blicken ließ, und sie nicht mit den Problemen und Pfade der eigenen Mutter belastete.
Nachdenklich blinzelte sie hinauf zum Mond, ehe sie sich langsam zu den Treppenstufen wandte, welche hinab zu den zimmern führten. Es war an der Zeit etwas Schlaf zu finden. Die nächsten Tage würde sie der Bibliothek in Adoran des Öfteren einen Besuch abstatten und zu lernen beginnen. Zeitgleich würde sie ihr Training mit Khalida weiter verschärfen, sie musste wieder zu ihrer alten körperlichen Stärke finden … und dann … ja, dann, würde das Spiel erneut von vorne beginnen. Ein Spiel um alles und um nichts. Ein Tanz in den Schatten. Hier fühlte sie sich wohl, hier war sie Zuhause, und für den Moment war es fast so, als sähe sie ihr junges, frühere Ich das ihr zuflüstern würde
„Willkommen zuhause.“
Der Tanz der Schatten - Alte Gewohnheiten, neue Ziele
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Kari Yazir
Grenzwarth. Grezwarth, Grenzwarth, Grenzwarth. Dieser Name geisterte ihr seit einigen Tagen des öfteren durch den Kopf und die kleine Siedlung war nicht gerade unschuldig an der Tatsache, dass ihre eigenen Pläne immer weiter ins Hintertreffen geraten waren. Es war weniger die Verletzung die sie aus ihrer sehr kurzen und weniger rühmlichen Teilnahme an der Schlacht davongetragen hatte, mehr waren es die Bilder und die Gedanken an die daraus entstehenden Folgen. Dutzende Tote, Menekaner, Rahaler, sowie – und dies war das einzig gute an der Sache – einige Letharen waren nach der Schlacht dagelegen und hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Kari war keine Kriegerin, sie würde niemals eine sein und nach dem Kampf um die Siedlung wusste sie auch, dass sie nur noch in absoluten Notfällen an einer solchen Schlacht wieder würde teilnehmen.
Was das Ganze noch zusätzlich anheizte waren die ganzen Gedankenspiele über die Folgen. Sicherlich, Rahal hatte es auf eine Art und Weise provoziert, doch die gespannte Lage konnte nun jederzeit eskalieren; ein Umstand der ihre Pläne und die damit verbundene Arbeit nicht gerade erleichtern würde – doch was konnte sie schon daran ändern? Nichts.
Zwei Tage nach den Scharmützeln hatte sie dann endlich ihre Nachforschungen wieder aufnehmen können, hatte sich nach Adoran begeben und sich dort in die örtliche Bibliothek verkrochen. Der Bibliothekar warf ihr immer noch einen mehr als verwirrten und misstrauischen Blick zu; eine Menekanerin inmitten der Adoraner Stadtbibliothek war bestimmt kein sehr vertrauter Anblick, aber sie wollte die Informationen, die sie brauchte aus erster Hand – unverfälscht durch Dritte, welche diese Informationen vielleicht kommentiert hätten oder dergleichen. Diese Bücher waren von treuen Schreibern des lichten Reiches verfasst worden – und was sie dachten, das würde auch der gute und aufrichtige Bürger glauben – und das war die Art und Weise wie sie denken lernen musste.
Die Zeit in der Bibliothek war ruhig, entspannend und eine willkommene Abwechslung von all der Hektik der letzten Tage, auch wenn Kari sich eingestehen musste, dass es mitunter anstrengend war sich all die Dinge, die in den Büchern standen, einzuprägen. Und so wusste sie ganz bestimmt, als sie gegen Abend das letzte Buch für den Tag zuschlug, dass sie wiederkehren würde. Damit verabschiedete sie sich von dem Bibliothekar, teilte ihm mit dass sie wieder am nächsten Tag zurückkehren würde und verließ die Stadt in Richtung Menek'ur.
Denke wie sie, handle wie sie, werde wie sie. Gewinne ihr Vertrauen, reiche ihnen deine Hand und wenn du alles richtig gemacht hast, dann wirst du ihnen beides bringen; Schaden und Segen zugleich.
Kari wusste nicht mehr genau wo sie diese Zeilen einmal aufgeschnappt hatte, aber sie entsprachen in etwa ihrer Philosophie. In all der Zeit in der sie Menschen beschattet, sie manipuliert und hintergangen hatte, hatte sie zumindest immer versucht etwas zurückzugeben. Nie versuchte sie jemanden zu verletzen, sei es körperlich oder seelisch, und niemals hatte sie es darauf abgesehen ihre „Opfer“ in eine Sackgasse zu manövrieren. Trotz allem machte sie sich keine Illusionen; was sie tat war falsch – jedenfalls aus dem Blickwinkel der anderen. Für sie selbst, für ihr Volk, waren diese Schritte nur gerechtfertigt und vielleicht konnte sie so zu einem größeren Gutem beitragen. Khalida hatte Kari erzählt, dass die Stimmung zwischen Adoran und Menek'ur leicht frostig war, vielleicht konnte sie auch daran etwas ändern. Verbündete waren nie verkehrt, verbündete über die man mehr wusste, als diese es überhaupt selbst ahnten, waren besser.
Und so stand sie nun in ihrem Zimmer, ein Spiegel vor sich aufgestellt und betrachtete ihr Ebenbild, oder besser gesagt, die Frau, die zurück starrte. Diese Frau, so fremd, so völlig anders, war nicht mehr Kari Falah Yazir. Es war eine andere Person, eine Frau, deren Leben sich in den kommenden Tagen mit Details füllen würde, die Sorgen, Wünsche und Hoffnungen hatte, die Kari niemals haben konnte, durfte oder würde. Sie war mehr als eine Maske; sie war eine zweite Haut und als sie ihrem Spiegelbild zaghaft zulächelte, und dieses das Lächeln erwiderte, spürte sie das altbekannte Lodern in der Brust wieder. Bald würde es an der Zeit sein … bald würde dieses Gesicht, diese völlig andere Person, ihr Leben beginnen, würde eintauchen in eine neue Welt. Und wenn alles so lief wie sie es sich erhoffte, war sie ihrem Ziel damit einen weiteren Schritt näher.
Was das Ganze noch zusätzlich anheizte waren die ganzen Gedankenspiele über die Folgen. Sicherlich, Rahal hatte es auf eine Art und Weise provoziert, doch die gespannte Lage konnte nun jederzeit eskalieren; ein Umstand der ihre Pläne und die damit verbundene Arbeit nicht gerade erleichtern würde – doch was konnte sie schon daran ändern? Nichts.
Zwei Tage nach den Scharmützeln hatte sie dann endlich ihre Nachforschungen wieder aufnehmen können, hatte sich nach Adoran begeben und sich dort in die örtliche Bibliothek verkrochen. Der Bibliothekar warf ihr immer noch einen mehr als verwirrten und misstrauischen Blick zu; eine Menekanerin inmitten der Adoraner Stadtbibliothek war bestimmt kein sehr vertrauter Anblick, aber sie wollte die Informationen, die sie brauchte aus erster Hand – unverfälscht durch Dritte, welche diese Informationen vielleicht kommentiert hätten oder dergleichen. Diese Bücher waren von treuen Schreibern des lichten Reiches verfasst worden – und was sie dachten, das würde auch der gute und aufrichtige Bürger glauben – und das war die Art und Weise wie sie denken lernen musste.
Die Zeit in der Bibliothek war ruhig, entspannend und eine willkommene Abwechslung von all der Hektik der letzten Tage, auch wenn Kari sich eingestehen musste, dass es mitunter anstrengend war sich all die Dinge, die in den Büchern standen, einzuprägen. Und so wusste sie ganz bestimmt, als sie gegen Abend das letzte Buch für den Tag zuschlug, dass sie wiederkehren würde. Damit verabschiedete sie sich von dem Bibliothekar, teilte ihm mit dass sie wieder am nächsten Tag zurückkehren würde und verließ die Stadt in Richtung Menek'ur.
Denke wie sie, handle wie sie, werde wie sie. Gewinne ihr Vertrauen, reiche ihnen deine Hand und wenn du alles richtig gemacht hast, dann wirst du ihnen beides bringen; Schaden und Segen zugleich.
Kari wusste nicht mehr genau wo sie diese Zeilen einmal aufgeschnappt hatte, aber sie entsprachen in etwa ihrer Philosophie. In all der Zeit in der sie Menschen beschattet, sie manipuliert und hintergangen hatte, hatte sie zumindest immer versucht etwas zurückzugeben. Nie versuchte sie jemanden zu verletzen, sei es körperlich oder seelisch, und niemals hatte sie es darauf abgesehen ihre „Opfer“ in eine Sackgasse zu manövrieren. Trotz allem machte sie sich keine Illusionen; was sie tat war falsch – jedenfalls aus dem Blickwinkel der anderen. Für sie selbst, für ihr Volk, waren diese Schritte nur gerechtfertigt und vielleicht konnte sie so zu einem größeren Gutem beitragen. Khalida hatte Kari erzählt, dass die Stimmung zwischen Adoran und Menek'ur leicht frostig war, vielleicht konnte sie auch daran etwas ändern. Verbündete waren nie verkehrt, verbündete über die man mehr wusste, als diese es überhaupt selbst ahnten, waren besser.
Und so stand sie nun in ihrem Zimmer, ein Spiegel vor sich aufgestellt und betrachtete ihr Ebenbild, oder besser gesagt, die Frau, die zurück starrte. Diese Frau, so fremd, so völlig anders, war nicht mehr Kari Falah Yazir. Es war eine andere Person, eine Frau, deren Leben sich in den kommenden Tagen mit Details füllen würde, die Sorgen, Wünsche und Hoffnungen hatte, die Kari niemals haben konnte, durfte oder würde. Sie war mehr als eine Maske; sie war eine zweite Haut und als sie ihrem Spiegelbild zaghaft zulächelte, und dieses das Lächeln erwiderte, spürte sie das altbekannte Lodern in der Brust wieder. Bald würde es an der Zeit sein … bald würde dieses Gesicht, diese völlig andere Person, ihr Leben beginnen, würde eintauchen in eine neue Welt. Und wenn alles so lief wie sie es sich erhoffte, war sie ihrem Ziel damit einen weiteren Schritt näher.
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Kari Yazir
Das Schöne an Plänen und Traumschlössern war, dass man sich in ihnen verkriechen und sich vorstellen konnte, wie alles von Statten gehen würde, wäre alles perfekt. Doch leider war die Realität oftmals ganz anders, wie Kari nun mittlerweile feststellen durfte. Es war nicht so dass sie keine Erfolge erzielte, und einige Pläne standen auch noch völlig offen, doch irgendetwas erfüllte sie seit einiger Zeit; eine Art innerer Unmut, eine Ruhelosigkeit die sich nicht wirklich einstellen wollte.
Die letzten Tage hatte sie viel Zeit damit verbracht ihre Verkleidungen zu optimieren, das Auge immer weiter zu narren, die Illusion eines anderen Menschen zu erzeugen, und zwischendurch hatte sie sich in diesen Bemühungen schon fast verloren. Immer dann wenn sie die falsche Person im Spiegel betrachtete, wehte ein gewisses Maß an Verzückung in ihr auf; ein abenteuerlicher Drang. Diese Fremde im Spiegel hatte nicht die gleichen Regeln wie Kari sie hatte, natürlich, sie hatte völlig andere Beschränkungen und Ketten, aber sie war anders, sie war völlig unterschiedlich zu der Menekanerin die unter der Verkleidung steckte. Wie sehr sie sich doch danach sehnte endlich ihren Vorteil aus dieser Maskerade ziehen zu können; und dies nicht nur um jenen Drang zu befriedigen, nein. Die Gründe hierfür waren weitaus simpler.
Sie wurde nun schon ein paar mal nach ihrem „Handwerk“ gefragt welchem sie nachging, welchen Nutzen sie quasi für das menekanische Volk hatte, und jedesmal musste sie scherzhaft sagen „Mutter“. Dass sie sich nur wenigen anvertrauen konnte, war fast selbstverständlich, und doch fühlte Kari eine gewisse Nutzlosigkeit im Bezug auf sich selbst. Sie hat keine „Funktion“ wie viele der anderen.
Sie war keine Kriegerin – sie trainierte zwar immer wieder mit Khalida und übte sich auch sonst im Kampf, doch würde sie niemals einem Krieger gegenüber bestehen können. Sie war auch keine Handwerkerin, sie war nicht begabt wie Malaika oder Saman, das eheste was sie konnte waren einfache Nähaufgaben die sie als Kind gelernt hatte. Sie hatte auch nicht das nötige musische Talent ihrer Tochter; natürlich, Kari konnte tanzen, und das nicht zu schlecht – aber das war keine wirkliche „Fertigkeit“.
Alles was Kari wirklich gut beherrschte, jenseits von der Tatsache dass sie wusste wie man jemanden um seinen Beutel erleichterte oder wie man sich so schminken und verkleiden konnte dass einen selbst die beste Freundin nicht wiedererkannte, war das Reden. Sie konnte mit Worten umgehen, sie konnte Situationen alleine durch jene entschärfen oder eskalieren lassen, sie wusste wann man sich zurückhalten sollte und wann man seine Überlegenheit ausspielen konnte. Das alles war ihr Revier gewesen bevor sie Menek'Ur verlassen hatte. Danach war Lalita ihr zentrales Augenmerk geworden, sie hatte mit dem Tanz in den Schatten abgeschlossen und hatte sich naiv dem Gedanken hingegeben, dass ihre Tochter auf ewig jung genug sein würde um ihre Mutter zu brauchen.
Doch wenn Kari ihre „kleine“ Lalita heute ansah, dann wusste sie dass diese Zeiten vorbei waren. Lalita war erwachsen und zurück blieb die Mutter, die nach Hause zurückgekehrt war um … was zu machen? Spionin zu spielen? Insgeheim zu hoffen dass ihre Taten so viel bewirken würden dass sie ihr genug Ruf und eine Stellung einbringen würden? War das ihr Weg? Der Weg, den sie damals hinter sich gelassen hatte? Wer konnte ihr überhaupt sagen ob sie noch immer die gleiche Begabung aufwies wie vor über zehn Jahren?
Was, wenn sie tatsächlich nicht mehr war als eine Frau die keinen wirklichen Nutzen für ihr eigenes Volk hatte. Es waren Gedanken wie diese, welche sie in der Nacht auf das Dach des Yazir Anwesen brachten und auf die Sterne starren ließen. Letztendlich gab es nur den einen Weg; sie musste es versuchen. Sie konnte nicht mit leeren Händen zum Emir gehen und darum bitten, wieder als Diplomatin eingesetzt werden zu dürfen – sie war eine Frau und die Tatsache dass Asim Omar sie damals eingesetzt hatte, war vielleicht mehr Glück als alles andere gewesen.
Sie würde sich beweisen müssen. Und sie würde entweder erfolgreich aus der Sache herausgehen oder als nutzlose Frau, fern von ihrem Ehemann, vor sich hin altern.
Die letzten Tage hatte sie viel Zeit damit verbracht ihre Verkleidungen zu optimieren, das Auge immer weiter zu narren, die Illusion eines anderen Menschen zu erzeugen, und zwischendurch hatte sie sich in diesen Bemühungen schon fast verloren. Immer dann wenn sie die falsche Person im Spiegel betrachtete, wehte ein gewisses Maß an Verzückung in ihr auf; ein abenteuerlicher Drang. Diese Fremde im Spiegel hatte nicht die gleichen Regeln wie Kari sie hatte, natürlich, sie hatte völlig andere Beschränkungen und Ketten, aber sie war anders, sie war völlig unterschiedlich zu der Menekanerin die unter der Verkleidung steckte. Wie sehr sie sich doch danach sehnte endlich ihren Vorteil aus dieser Maskerade ziehen zu können; und dies nicht nur um jenen Drang zu befriedigen, nein. Die Gründe hierfür waren weitaus simpler.
Sie wurde nun schon ein paar mal nach ihrem „Handwerk“ gefragt welchem sie nachging, welchen Nutzen sie quasi für das menekanische Volk hatte, und jedesmal musste sie scherzhaft sagen „Mutter“. Dass sie sich nur wenigen anvertrauen konnte, war fast selbstverständlich, und doch fühlte Kari eine gewisse Nutzlosigkeit im Bezug auf sich selbst. Sie hat keine „Funktion“ wie viele der anderen.
Sie war keine Kriegerin – sie trainierte zwar immer wieder mit Khalida und übte sich auch sonst im Kampf, doch würde sie niemals einem Krieger gegenüber bestehen können. Sie war auch keine Handwerkerin, sie war nicht begabt wie Malaika oder Saman, das eheste was sie konnte waren einfache Nähaufgaben die sie als Kind gelernt hatte. Sie hatte auch nicht das nötige musische Talent ihrer Tochter; natürlich, Kari konnte tanzen, und das nicht zu schlecht – aber das war keine wirkliche „Fertigkeit“.
Alles was Kari wirklich gut beherrschte, jenseits von der Tatsache dass sie wusste wie man jemanden um seinen Beutel erleichterte oder wie man sich so schminken und verkleiden konnte dass einen selbst die beste Freundin nicht wiedererkannte, war das Reden. Sie konnte mit Worten umgehen, sie konnte Situationen alleine durch jene entschärfen oder eskalieren lassen, sie wusste wann man sich zurückhalten sollte und wann man seine Überlegenheit ausspielen konnte. Das alles war ihr Revier gewesen bevor sie Menek'Ur verlassen hatte. Danach war Lalita ihr zentrales Augenmerk geworden, sie hatte mit dem Tanz in den Schatten abgeschlossen und hatte sich naiv dem Gedanken hingegeben, dass ihre Tochter auf ewig jung genug sein würde um ihre Mutter zu brauchen.
Doch wenn Kari ihre „kleine“ Lalita heute ansah, dann wusste sie dass diese Zeiten vorbei waren. Lalita war erwachsen und zurück blieb die Mutter, die nach Hause zurückgekehrt war um … was zu machen? Spionin zu spielen? Insgeheim zu hoffen dass ihre Taten so viel bewirken würden dass sie ihr genug Ruf und eine Stellung einbringen würden? War das ihr Weg? Der Weg, den sie damals hinter sich gelassen hatte? Wer konnte ihr überhaupt sagen ob sie noch immer die gleiche Begabung aufwies wie vor über zehn Jahren?
Was, wenn sie tatsächlich nicht mehr war als eine Frau die keinen wirklichen Nutzen für ihr eigenes Volk hatte. Es waren Gedanken wie diese, welche sie in der Nacht auf das Dach des Yazir Anwesen brachten und auf die Sterne starren ließen. Letztendlich gab es nur den einen Weg; sie musste es versuchen. Sie konnte nicht mit leeren Händen zum Emir gehen und darum bitten, wieder als Diplomatin eingesetzt werden zu dürfen – sie war eine Frau und die Tatsache dass Asim Omar sie damals eingesetzt hatte, war vielleicht mehr Glück als alles andere gewesen.
Sie würde sich beweisen müssen. Und sie würde entweder erfolgreich aus der Sache herausgehen oder als nutzlose Frau, fern von ihrem Ehemann, vor sich hin altern.