Regenbogenfacetten im schwarzen Seelenspiegel

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Lalita Esri

Regenbogenfacetten im schwarzen Seelenspiegel

Beitrag von Lalita Esri »

Nachtblau

- die schier endlosen Weiten des Himmelstuchs, welches von unzähligen dunkelnden Sterndiamanten geziert und mit der leuchtenden Mondbrosche gekrönt ist...


Tastend glitt der Fokus kohlefarbener, leicht mandelförmiger Augen über das kostbare Gewand des Firmaments und sorgte damit bewusst für eine ideale Grundlage, um mit der Gedankenweberei zu beginnen. Die Mischung aus dieser unwirklichen, optischen Pracht, dem plötzlich so kühlen Wind, welcher über den Dächern der Wüstenstadt ein säuselndes Lied anstimmte und der gut herabgedrückten Schwermut im jungen Herzen, verlitt ihren Gedanken Flügel und sorgte dafür, dass das Mädchen am Fenster Erlebtes Revue passieren ließ, statt sich dem längst überfälligen Schlaf zu widmen. Eine kleine, noch kindlich runde statt zierlich-schlanke Hand rieb energisch die knabbernde Kälte von den nackten Armen, welche die goldbraune Farbe frisch geröstetem Weißbrot trugen. Sie zog die Knie enger an den noch nicht vollends erblühten Körper und noch ehe das Kinn auf diesen einen Platz fand, hatte sie das Frösteln schon vergessen und folgte vollkommen dem Gewirr der eigenen Erinnerungen, manch eine davon erst kürzlich erworben.

„Es ist ein ewiges Spiel, Esri...“, sie vermisste diese kluge, so jung klingende Stimme, welche den sanften Beiklang bekam, wenn sie ihr Geheimnisse der Vergangenheit oder gesammelte Weisheiten weitergab, „... und in Menek'Ur weiß es jeder zu spielen. Schleier über Schleier, sowohl physisch als auch psychisch welche wir Frauen uns anlegen müssen, um überhaupt dabei mitspielen zu können.“
„Aber Mara, du trägst deinen Schleier doch nur vor Fremden, nicht vor Radeh, mir oder Nirushan... nur vor Fremdländern...“ Nun wusste sie wie unerfahren und dumm dieser Einwand wirklich war. Jetzt verstand sie das Amüsement aber auch die Sorge in der Stimme ihrer Mutter.
„Neda, Esri, in Menek'Ur sind all die Freiheiten, die du nun nicht einmal bewusst wahrnimmst reiner Luxus und sowohl die Regeln als auch Traditionen, mit welchen Nadir und ich dich groß gezogen haben, deutlich strenger und kein Stück dehnbar. Versprich mir, dass du mir die nächsten Mondläufe gut lauschen wirst, dich ohne Widerwille unterrichten lässt und dieses Spiel lernst. Sonst kann ich dich nicht gehen lassen...“ Keine Bitte, keine Aufforderung, sondern eine klare Aussage und es gab nur zwei mögliche Reaktionen, die in völlig verschiedene Richtungen führten. Eine würde das Thema beenden, die Andere hingegen es erst so richtig ankurbeln. Sie entschied sich damals für Letztere.
„Aiwa, versprochen Mara, Mond meines Lebens...“ und sie hatte gelernt, die Schleier anzulegen.

Jetzt, wo sie alle schliefen und die regelmäßigen Atemzüge der Frauen um sie herum einen beruhigenden Rhythmus fabrizierten, ließ sie langsam die Maskerade fallen. Nicht jene, welche ihr tagsüber in feinem Netz aus dünner Seide und zarten Stickereien, Nasenspitze und Mund bedeckten, sondern die des naiven, dummen Mädchens oder die der kindlichen, übermütigen Göre und auch die der jungen Natifah, welche einzig für Gesang und Instrumentenspiel lebte.
Zurück blieb sie, Lalita Esri aus dem Hause der Yazir, eine nachdenkliche Heranwachsende mit der Intelligenz und frechen Zunge ihrer Mutter aber auch dem kühlen Verstand und dem beherzten Mut ihres Vaters.

Der Schleier des naiven, dummen Mädchens war das Abschiedsgeschenk ihrer Mutter...

Shaymaas Tonlage war mehr als nur eindringlich geworden, als sie ihr beschwörend eingetrichtert hatte, dass sie den Mundschleier unter gar keinen Umständen außerhalb des Hauses ablegen solle und selbst hier galt es mit absoluter Vorsicht zu zu handeln. Lalita brauchte keine weiteren Ausführungen um zu ahnen, nein zu wissen, wie die Konsequenzen für Fehlverhalten lauteten. Hinweise zuhauf lagen in Shaymaas Stimme, tief in Khalidas Augen und nicht zuletzt in der Schärfe Samans Stimme, als er nur wenige Momente später ungehalten den Platz verließ. Die junge Natifah war dankbar, dass sich seine Wut dabei nicht gegen sie richtete und sie lernte rasch diesen ersten Schleier wert zu schätzen.
„Dummheit schützt vor Strafe nicht, Esri – doch mit etwas Glück und Geschick mildert sie Urteile oder sorgt vielleicht sogar dafür, dass man dir Fehltritte das erste Mal nur vor Augen führt und du sie nicht sofort aussühnen musst. Radeh hat dich nur sehr selten gezüchtigt und ich vertraue seinem Urteil, doch weiss ich, dass du allein für derart direkte, ungebrochene Blicke in manchen Kreisen dort die Peitsche gespürt hättest. Nutze den Mantel der Naivität und spiele, selbst wenn es dich schmerzt und an deinem Stolz zehrt, zu Beginn die Dumme. Doch sei vorsichtig, es gibt in Menek'Ur mehr Menekaner mit einem guten Blick aufs Wesen, als nur deine Tante Khalida!“
Wie wahr, wie wahr. Sie ging bald davon aus, dass Khalida ihr dieses blauäugige Verhalten nicht abkaufte, doch verriet sie ihre Nichte bislang nicht und so übte sich diese darin den ersten Schleier zu perfektionieren. Es war von großem Nutzen in manchen Situationen einfältig zu wirken, wie...
Das Bild eines jungen Mannes trat vor ihr inneres Auge. Er hatte gelächelt, war freundlich und so offen wie Nirushan vor etwa neun Jahren, doch hatte ihr Freund aus Kindheitstagen damals knapp acht Lebenszyklen erlebt und er, der sich Ali ohne Haus oder Verwandte überhaupt, nannte, war vermutlich etwa zehn oder elf Jahre älter. Sie hatte sich insgeheim über seine warmherzige, simple Art gefreut und ihn mit guter Überzeugung ins Haus der Familie eingeladen – nun erst, einen Tag später, grübelte sie still darüber nach, ob er wirklich ein so freundlicher Einfallspinsel war oder selbst eine Maske angelegt hatte. Falls seine Ahnungslosigkeit nur vorgeschoben war, so verneigte sie sich im Stillen vor derartig hoher, schauspielerischer Kunst.

Den Schleier der kindlichen, übermütigen Göre hatte ihr Nirushan übergezogen.

Der Tanz war ein Teil ihres Lebens seit sie denken konnte. Nadir, ihr Vater, hatte ein wachsames Auge auf die Förderung dieses Talents gelegt – das einzige herausstechende „Talent“ welches ihr spontan zur eigenen Person einfiel. Sie hatte keinerlei magische Begabung wie manch ein Mitglied ihrer Familie, zumindest nicht, soweit sie wusste und handwerklich war sie nicht nur unbegabt, sondern breitflächig eine Katastrophe. Das Spiel der Rollen und die lautlosen Bewegungen hatte ihr die Mutter zwar gut beigebracht, doch würde sie deren unglaubliche Perfektion in diesen Bereichen erlangen und obwohl sie ihren Körper vollkommen beherrschte, so fehlte es ihr an der speziellen Art Kraft, unerschütterlicher Entschlossenheit und dem Todesmut, welche in den Kriegerherzen ihres Vaters Nadir und seiner „kleinen Fidah“ Khalida schlugen.
Nein, sie wusste nur von diesem einen Talent und ihre Eltern hatten es noch vor ihr erkannt.
„Du hast deinen Oberkörper gedreht, mit den Füßen tänzelnd auf der Stelle getrippelt und deine rundlichen kreisend Kinderärmchen von dir gestreckt, kaum dass du stehen konntest...“, erzählte Kari ihr oft lachend und genau seit diesem Zeitpunkt wurde sie geschult, hatte sie geschwitzt, geweint, gelacht, war verzweifelt und hatte triumphiert. Der Tanz war ein Teil ihres Lebens und bis vor wenigen Mondläufen hatte sie keine Gelegenheit abgeschlagen, ihr Lebenswerk zu präsentieren und die hart erkämpfen Lorbeeren des Lobes zu genießen.
Am gestrigen Abend aber war sie froh und dankbar gewesen, dass sie keine der kleinen Tanzmarionetten in Amirs Machtsdemonstrationsspielchen wurde. Vor einem Jahr wäre sie beleidigt gewesen, wenn man sie bewusst nicht zur Darbietung ihrer Kunst aufgefordert hätte, nun aber schickte sie ein Stoßgebet der Dankbarkeit an Eluive, dass niemand von diesem Talent wusste und als Amirs Stimme eindringlich und befehlend verlauten ließ, dass er nur Zahra und Yalinah tanzen sehen wollte, glaubte sie zu wissen, dass die Maske der kindlichen, übermütigen Göre endlich die erwünschten Früchte trug – und all das aufgrund eines Vorfalls, der ihre Welt erschüttert hatte...
Sie hatten Wasser holen sollen und obwohl die schwappenden Krüge schwer und unhandlich schienen, hatte Nirushan sie dazu überredet bis zur alten, halbverfallenen Mauer nahe der Oase um die Wette zu rennen. Der alten Zeiten halber hatte sie lachend eingewilligt und dank der eigenen Schnelligkeit eine gute Zeit geführt, ehe die längeren Gliedmaßen und die ungleich größere Kraft des besten Freundes ihn zum Sieger machten. Er hatte angefangen sie zu necken und sich dann großspurig auf das Mauersims gezogen, doch war ihm das Scherzen schon da vergangen, als sie den Rock etwas gerafft hatte und flink neben ihn geklettert war. Unbequeme Stille herrschte plötzlich und irgendetwas schien sich zu verändern. Sie ärgerte sich über sein Schweigen und sprach ihn darauf an.
„Lalita, du bist kein Kind mehr, wirst bald einen Schleier vor dem Mund tragen...“, die schleppende Feststellung seinerseits, „... du solltest nicht mehr so nahe bei Männern sitzen...“. Ihre Ärger schwoll über die Dreistigkeit seiner Worte.
„Du bist kein Mann, du bist mein bester Freund.“, sie wusste das der Satz traf, sprach aber weiter und senkte den Kopf, nicht aber den Blick der sich eindringlich in sein blasser werdendes Antlitz bohrte, „Ich bin kein Kind, aiwa und folglich kann ich eigene Entscheidungen treffen, also erdreiste dich nie mehr mir solche Vorschriften zu machen!“ Sie hatte stolz das Kinn angehoben, die Schultern gestrafft und war dann erst in einer geschmeidigen Bewegung von der Mauer geglitten. Ihr Plan war es, mit hoch erhobenen Haupte langsam gen Dorf zu gehen, ihn dort sitzen und über die Dummheit seiner Worte grübeln zu lassen. Wie erschrak sie also, als sich kräftige Finger um ihr Handgelenk schlossen und sie mit so einer Wucht zurückrissen, dass sie mit dem Rücken gegen das Mäuerchen prallte und ihr die Luft wegblieb. Eine wutverzerrte Miene schob sich vor ihr Gesicht. Sie gehörte Nirushan.
Sie erkannte ihn beinahe nicht wieder.
Sand und Dreck rieslten vom alten Gestein herab und zeitgleich prasselten Worte auf sie ein.
„Eine ehrlose Hure wirst du bald sein, wenn du dich so benimmst. Du kleidest dich so schändlich freizügig, dass die Männer des Dorfes anfangen dir nachsehen und glaub nicht, dass dich einer davon zur Frau nehmen würde, nachdem er seinen Spaß mit dir hatte...“, die Flammen des Zornes erloschen, als er wohl ihre Verwirrung bemerkte und der bohrende Griff um ihre Schultern ließ nach. Doch bald darauf glühte etwas Anderes in seinen Augen. Es war ihr unangenehmer als die Wut und sie wusste nicht wirklich wie sie damit umgehen sollte.
„Niru...shan. Ich will doch auch... noch gar keine Ehefrau werden. Ich bin... zu jung. Ein Mädchen, ein Kind...“, brachte sie kleinlaut und mit gut berechnet-weinerlicher Stimme hervor, erntete aber nicht den gewünschten Erfolg, nur ein freudloses, verzweifeltes Lachen.
„Neda, das bist du eben nicht mehr. Wann hast du dich zuletzt im Brunnenspiegel eingehend betrachtet? Hast du einmal.... ganz... an dir... herabgeblickt.“ Seine Augen vollführten die passende Bewegung und ohne ihr wieder ins Gesicht zu blicken, murmelte er leise:
„Ja, wenn du wirklich noch wie ein Kind aussehen würdest, dann würde ich nicht...“
Er lenkte den Blick, traf ihren und langsam, doch zielgerichtet näherten sich seine Lippen ihrem Gesicht. Es war dieser Moment in dem sie verstand, die Unschuld einer Kinderfreundschaft zerbrach und sie ihm den Kuss mit einer schallenden Ohrfeige verwehrte. An die Momente danach konnte sie sich nur schwammig erinnern. Sie war gerannt, hatte geweint und auf die besorgten Fragen ihrer Mutter nicht geantwortet. Doch hatte Kari sicher etwas zu ahnen begonnen, als sie tags darauf die dünnen Röcke gegen Kleider mit Knöchelsaum und die bauchfreien Hemdchen gegen bedeckende Oberteile mit langen Ärmeln getauscht hatte. Kaum eine Woche später aber, als sie die langen Haare auf schulterlange Strähnen gestutzt und sich die Brust mit einem Tuch fast vollkommen flach gebunden hatte, war aus der Ahnung mit Sicherheit Wissen geworden und Lalita rechnete es ihrer Mutter hoch an, dass sie darüber kein Wort verlor und Nadir nichts davon in ihren Briefen berichtete. Die erblühende Wüstenblume schloss die Knospen, um vorerst wieder Kind zu sein. Die Rechnung schien aufzugehen...

„Dhabir Nirushan, für das Opfer unserer reinen Freundschaft im Tausch gegen erwünschte Unsichtbarkeit!“


Der Schleier der jungen Natifah, welche einzig für Gesang und Instrumentenspiel lebte, war Dreingabe ihres Vaters. Er bestand aus zartem, durchsichtigem Stoff und stellte so als einzige Maske keine vollkommene Verschleierung der Wirklichkeit dar, sondern vertuschte lediglich das Gesamtbild, richtete den Fokus auf wenige, ungefährliche Wahrheiten.

Die freundliche Zusage seitens Yalinah, bildhübsche Blüte der Falah – Geburtshaus ihrer Mutter – aber auch das unfassbar großzügige, nein wundersame Angebot der erhabenen, prächtigen „Prinzessin“ aus dem Hause der königlichen Omar hatte ihre Seele berührt und die Schleier wankend flattern lassen. Das Herz hatte einen kleinen Sprung bei der Aussicht von solch zauberhaften Frauen die noch vollkommen ungeschliffenen Fähigkeiten schulen zu lassen gemacht.
Dieses Gefühl verscheuchte für ein geraume Zeit die nagenden Gewissensbisse gegenüber ihrem geliebten Vater, welche sie sich selber eingebrock und verschuldet hatte.

„Ich kann nicht sagen, dass mir die Idee vollkommen gefällt...“, hatte ihr Vater mit ruhiger, sachlicher Stimme den Satz begonnen, „... doch störe ich mich natürlich nicht an dem Gedanken, dass du die goldene Stadt der Städte kennenlernen willst. Es ist unser aller Augenstern, der strahlende Kern unserer Heimat und unvergessliche Geschichte unseres Volkes.“ Sein Augenmerk ruhte damit auf der ungewohnt stillen Gestalt seiner Tochter. „Einzig deine Beweggründe sind verschleiert, Abla und obwohl du deinen Wunsch in den letzten Tagen mehrfach geäußert und darauf gedrängt hast, kamen sie nie zur Sprache. Was also erhoffst du dir, abgesehen vom kulturellen Erbe deiner Heimat, noch vom längeren Aufenthalt in Menek'Ur?“
Nadir Hilal Yazir war kein herrischer, ungerechter Mann und ließ seiner Frau Kari so manche Freiheit, die die beiden wohl erst derart eng aneinander band, doch blieb er der unbestrittene Herr im Haus. Sein Wort war Gesetz, seine Weisungen unangefochten und damit seine Entscheidungen endgültig. Lalita spürte wie der Blick des Vaters schärfer und strenger wurde, doch blieb sie stumm. Dies lag nicht etwa daran, dass sie die Zunge verschluckt hatte, allerdings konnte sie diesen Mann, Sonne ihres Lebens, nicht anlügen und die Wahrheit wollte sie nicht aussprechen. Was hätte er getan, wenn er von ihrer Dummheit im Jahreslauf seiner Abwesenheit und Nirushans Annäherung erfahren würde? Sie musste fort von diesem Fleck, neu beginnen und erst wiederkehren, wenn die Schande auf der Seele nicht mehr so brennen würde. Sie wollte lernen in diese Frauenrolle langsam hinein zu wachsen, sie begreifen und zu bestehen, ohne das eigene Wesen auf Dauer vollkommen zu verbiegen. Es gab einen Weg, ihre Mutter hatte ihn gefunden und beschritt ihn sicheren Fußes doch hier würde sie nicht einmal den Anfang des Pfades dazu entdecken.
„Nun?“, drängte die Stimme ihres Vaters abwartend und mit aufkeimender Skepsis.
„Ich will lernen, Radeh...“, begann sie verzweifelt und die Stimme versagte sogleich.
„Lernen?“, Staunen und Irritation lagen in seinem Ton, „Was möchtest du dort lernen? Khalida ist Kriegerin, Zia ebenfalls und diesen Werdegang wolltest du nicht bestreiten. Die Frauen, die dich im Tanz schulten, hast du vor fünf Jahren überholt, also was...“, er brach ab und und entsetzt hob Lalita den Kopf, glaubte für einen Moment, dass Nadir den Braten ahnte, doch klärte sich seine Miene mit plötzlichem Verständnis und ein Lächeln hob die Mundwinkel sanft.
„Ah, aiwa, ich habe mitbekommen dass Moisha deine Stimme lobte. Sie riet mir sie zu schulen zu lassen und wenn du wirklich Erfolg mit deinem Gesang haben möchtest, solltest du lernen Instrumente zu spielen. Neda, ich meine nicht den Schellenkranz. Ich rede von Trommeln, Lauten, Harfen, Abla.“ Zufriedenheit und Vergnügen hatten sich auf seinen Zügen breit gemacht und die allgemeine Leichtigkeit der Situation ließ ihr schweres Herz langsam wieder nach oben steigen.
„Hab ich Recht? Deshalb willst du doch nach Menek'Ur, aiwa?“
Es fiel ihr diesmal nicht ganz so schwer zu antworten und sie tröstete sich damit, dass es sich dabei um keine wirkliche Lüge handelte, nur um einen kleine Teil der Wahrheit.
„Aiwa, Radeh, ich möchte den Gesang weiter schulen und das Instrumentenspiel dort lernen.“
Nur gedanklich fügte sie vorsichtig ein großes, weites „AUCH“ in den Satz ein.


Der Schleierplan hatte soweit unbestritten Früchte getragen und die Müdigkeit, welche sie nun langsam übermannte, durchtrennte vorerst nach und nach die fortführendenGedankenfäden zu diesem leidigen Thema, welche vermutlich in einer Erschließung möglicher Folgen und Konsequenzen ihres Handelns gemündet hätten...
Die feinen, silbrigen Strahlen des zunehmenden Mondes erhellten die ernsten Züge in ihrer Gänze ein letztes Mal, bemalten weiche Mädchenlippen mit dem Schimmer der Nacht, blitzten in den Spitzen der schneeweißen, vorderen Schneidezähne, welche Dank des leichten Oberkieferüberbiss ein wenig an ein Häschen erinnerten, hüllten die Nasenspitze in weiches Licht und glitzerten wie gleißende Glut in kohlrabenschwarzen Augen.
Das Mädchen am Fenster wandte sich ab und legte vor dem Schlafengehen alle Schleier in den mannigfaltigen Farben des Regenbogens stumm wieder an, um das Spiel in eine weiteren Runde zu lenken.

[img]http://i422.photobucket.com/albums/pp305/zimtkaugummi/Lalita%20Esri%20Yazir/Regenbogenschleier_zps985d78ae.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Lalita Esri am Montag 27. Mai 2013, 10:37, insgesamt 2-mal geändert.
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