Dir zu dienen heißt sich im Kampfe zu schulen,
denn jene unbelehrbaren Ketzer werden zur Ankunft deines Reiches auf Erden gerichtet werden.
- 8. Gebot des All-Einen
Seit ihn sein Weg in die heilige Stadt geführt hatte, kaum drei Monate war dies nun her, hatte er gewaltige Fortschritte gemacht. Während Deavon bei Kerzenschein in seinem Bett lag und die Decke über ihm betrachtete dachte er darüber nach. Es war schon erstaunlich, damals konnte er gerade so ein Schwert führen und heute war er eines der vielversprechendsten, aufstrebenden Talente Rahals. Zumindest wenn es nach dem ganzen Lob ging, welches er schon erhalten hatte. Aber, ermahnte er sich, er durfte sich dies nicht zu Kopf steigen lassen. Der Pfad, den er beschritt war noch lang und steinig, so viel wusste er jetzt schon. Doch er würde ihm weiter folgen, egal wie lang es dauern und wie viel Anstrengung es ihn kosten würde. Der junge Krieger drehte sich auf die Seite, sein Blick richtete sich auf die brennende Kerze auf dem Nachttisch. Während sie immer weiter an Größe abnahm, je länger sie brannte, würde er selbst weiter wachsen. Da war er sich ganz sicher.
Dir zu dienen heißt sich in der Sprache zu schulen,
denn ein wohl gesprochenes Wort vermag Wälle einzureißen, die jeder Armee getrotzt hätten.
- 7. Gebot des All-Einen
Es regnete in Strömen, eine einsame Gestalt stand am Flussufer in Wetterau, mit einer Angel in den Händen. Das tat Deavon oft in letzter Zeit. Nicht weil er Fisch so besonders mochte, selbst wenn es zu dem Wenigen gehörte, das er einigermaßen gut zubereiten konnte, oder eher wohl notdürftig. Genauso wenig wegen der Schätze, die er manchmal am Haken hatte, auch wenn sie zweifellos ein netter Nebeneffekt waren. Nein, es war die Ruhe, die ihn immer wieder hier her trieb. Abgesehen vom Tempel und seinem Haus war es für ihn wohl der beste Ort um nachzudenken. Wenn nicht gerade bewaffnete Reiter vorbei zogen. Doch an jenem Tag hatte er in dieser Hinsicht Glück, dem Herrn sei Dank, und so konnte er sich neben dem Angeln ganz seinen Gedanken hingeben. Und diese drehten sich um das siebte Gebot, was noch öfter vorkam, als dass er angelte. Wie beim Kämpfen hatte er ebenso bei seinen rhetorischen Fähigkeiten Fortschritte gemacht. Keine kleinen, so viel war sicher. Dennoch, zufrieden war er damit noch lange nicht und er wusste, dass er daran noch wesentlich mehr arbeiten musste, als an seinem Können im Umgang mit Waffen. Doch wie? Mit Büchern, ganz bestimmt. Immerhin war Clericus Althan sowohl belesen als auch wortgewandt, da gab es sicherlich einen Zusammenhang. Also musste Deavon mehr lesen, so beschloss er. Der Clericus war es jedoch auch gewesen, der ihn dazu anhielt das Wortgefecht mit Ketzern zu suchen und sich sogar daran zu versuchen sie von ihrem falschen Glauben abzubringen. Ob er dies wirklich schaffen konnte bezweifelte er irgendwie. Zwar hatte er natürlich schon mit Ketzern gesprochen, jedoch waren dies mehr Scharmützel gewesen, keine Gefechte. Dennoch würde er es bei der nächsten Gelegenheit versuchen. Seine Klinge konnte er danach ja immer noch sprechen lassen, wenn er mit Worten allein keinen Erfolg haben würde. Ach, wäre es nur so einfach sich in der Sprache zu üben wie im Kampf.
Diener des Herrn
-
Gast
Alles tat ihm weh. Es waren nicht allein die Säbel der Menekaner, die ihn so übel zugerichtet hatten, auch der anschließende Sturz vom Pferd kam hinzu. Irgendwie hatte er es geschafft sich in sein Bett zu schleppen, nachdem er seine Verletzungen eher notdürftig versorgt hatte, und nun kreisten seine Gedanken um die vergangenen Stunden. Deavon hatte an der Seite der Kinder des All-Einen gegen die Truppen des Emirs gekämpft, und verloren. An anderen Tagen hätte ihn dies alles wohl mehr beschäftigt, die Schmach über die Niederlage und der Hass auf die Menekaner wären größer gewesen, aber nicht heute. Nicht nachdem er kurz zuvor die Waffe gegen einen Ahad erhoben hatte. Ahad Drugar hatte seinen Adjudanten niedergestreckt und so zögerte er nur kurz nachdem Leutnant Lilien den Befehl zum Angriff gab. Erst danach nagte der Zweifel an ihm, hatte er wirklich richtig gehandelt? Ja, scholt er sich selbst, denn nur durch Einheit war die Garde stark und nur eine starke Garde war dem Herrn von Nutzen. Besonders in diesen Tagen, in denen es Rahal so deutlich an Stärke fehlte. Unter Schmerzen kroch er an den Bettrand, denn auf dem Boden neben seinem Bett türmten sich seine Sachen auf, die er dort einfach achtlos liegen gelassen hatte, nachdem er es ins Schlafzimmer geschafft hatte. Nach wenigen Augenblicken hatte er das Objekt seiner Begierde gefunden, jenes Geschenk, dass ihm Adjudant Felsenloh im Anschluss an jenes Geschehen gemacht hatte. Mühsam streckte er den Arm aus nach dem Dolch und als er ihn schließlich in Händen hielt betrachtete er lange die Worte, die dort eingraviert waren: EHRE UND TREUE