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Zwillingsessenzen und Rabenblut

Verfasst: Freitag 24. Mai 2013, 11:34
von Eenja Siluvaine
Das kurze Beben zog sich zitternd durch ihre Füße, erfasste den Körper und ließ sie einen Moment schaudern. Die Bücherregale schrieen knirschend ihren Protest heraus, ein Teller klirrte auf dem Gemeinschaftstisch nach, als die Schwingungen wieder verklangen und sie legte den Kopf leicht in die Schräge... lauschend...

"LIAAAAM!" Nelrims Stimme fegte wie ein Orkan durch die großen Hallen, für sein Alter erreichte er in solchen Zusammenhängen noch immer ungeahnte Geschwindigkeiten wenn es darum ging, dem Magus hinterherzujagen und selbst die beschwichtigenden Worte, die dumpf von oben aus dem Labor erklangen bremsten ihn nicht aus.

"Nichts passiert, wo ist die Putzfrau?"

Augenrollend presste sie die Hände auf die Ohren und erhob sich aus dem breiten Lesesessel. Das kleine Bücherchaos ungeachtet auf dem Tisch zurück lassend, schlich sie durch den offenen Bibliotheksbereich auf die Doppelschwingtüren zu. Das Geplänkel im oberen Stock war im vollen Gange und währed sie sich auf das Öffnen der Tür konzentrierte drängten sich Wortfetzen durch ihre Finger hindurch.

" .. die Topfpflanze brennt! Was..." ein leises Klicken übertönte die beiden kurz, gefolgt von einem protestierenden Knarren als sie sich einen Spalt weit öffnete. "...Pflanze? Ich dachte das war der Asch...."

"Du meine Güte..." eilig schob sie sich durch den Spalt und bewegte sich auf den Ausgang zu, diesesmal benutzte sie beide Hände um die Türen zu öffen, je schneller sie hier raus war, desto besser. Nicht desto trotz wandte sie nocheinmal den Kopf ins Innere der Akademie und holte tief Luft. "Wohlen Abend noch!"

Die Streiterei im oberen Stockwerk hielt für einen Moment die Luft an und während sie sich zur Gänze nach draußen schob wehten ihr die beiden Stimmen wieder nach.
"Wohlen Abend Mäuschen!"
"Wohlen Abend Venef.... Mäuschen!?!"
"Immer mit der Ruhe alter Freund, das... " mit einem lauten Knall flog die Tür hinter ihr ins Schloss und sperrte die Streiterei nun ins Innere. Seufzend lehnte sie sich einen Moment lang gegen die Tür, genoß die Stille des abendlichen Innenhofes.



Verrückt.... alle einfach nur verrückt....

Ganz recht... und wo wir gerade beim Thema sind....



Sie schnippte mit den Fingern und drückt sich wieder von der Tür ab, um den Weg westlich hinter das Gebäude anzutreten. Die Arme seitlich von sich streckend glich es mehr dem vorsichtigen Balancieren auf einem Drahtseil, das sie mit einer leise gesummten Melodie unterstrich während sie die letzten Sonnenstrahlen genoß, die sich wärmend auf ihr Gesicht legten und sie in dämmrig rötliches Licht tauchte.
Das aufgeladene Pentakel war bereits zu erspüren, noch bevor sie um die Ecke gebogen war, zog sie an wie die Motte das Licht. Ein energetischer Kreislauf aus gebündelten Energien türmte sich vor ihr auf und tief in seiner Mitte ruhte etwas kleines, pulsierendes, in seinem Aufladungsstadium schon beinahe für sie unsichtbar verschmolzen.
Beinahe tänzelnd umrundete sie den kleinen Ritualplatz und schlenderte auf die hohe Hecke zu, folgte dem leisen quietschen und rascheln das sich unter den grünen Blättern verbarg, wie einer Wegschnur in einer dunklen Höhle. Ein kleines Tier für einen kleinen Versuch, doch waren Tiere überhaupt geeignet? Ihre Essenz dominant genug um die ihre zu verdrängen?
Es scharrte leise als sie den Käfig aus dem Gebüch zog und ihn anhob. Ein leises, aufgeregtes Fiepen begrüßte sie und kleine Krallen schabten über das Gitter, als sich das junge Frettchen auf dem beengten Raum zu winden begann. Sie brachte etwas Abstand zwischen sich und dem gewaltigen Pentakel am Boden, zu groß war die Möglichkeit einer Überspannung während des Ladevorgangs, würde der falsche Teil des kleinen Experimentes sich daran aufladen. Erst als sie die südliche Wand der Umzäunung erreicht hatte stellte sie den Käfig auf den Boden und setzte sich daneben, knickte knisternd die Grashalme unter sich.
Einen Moment lang lauschte sie dem Gebähren des Tieres noch schweigend, wartete geduldig ab, bis sie die ersten Anzeichen erkannte, dass es sich langsam wieder beruhigte. Ein leiser, gedehnt zischender Laut verließ ihre Lippen und eine Ansammlung aus geistigen Energien legte sich um das kleine Tier, schmiegten es in eine Wolke aus wohlig warmer Sicherheit, benebelte die aufgebrachten Sinne. Wie ein sachtes Streichen verlangsamte sie die wild pulsierenden Vernetzungen, bis sie dem gemächlichen Herzschlag eines Schlafenden glichen.
Vorsichtig öffnete sie die kleine, knarrende Käfigtür und griff hinein um das schon halb schlafende Tier wie eine zerbrechliche Phiole langsam daraus hervor zu ziehen.
"Du musst mir heute Glück bringen..." vorsichtig strichen die Fingerspitzen über das glatte Fell des Kopfes in den Nacken hinab, stießen gegen das kleine zerbrechliche Gebilde, das dem Tier auf den Rücken gezurrt wurde.

Glas.... es war kein guter Kompromiss, aber ausreichend, genau wie das Testobjekt selbst. Das Prinzip musste funktionieren, die richtigen Komponenten würden folgen. Bereits jetzt war eine seltsame Irritation in der Aufladung erfühlbar, nur klein und unscheinbar, doch bedeutend genug um Zweifel hervor zu rufen. Schwankungen innerhalb des Flusses, der in ihrem Blut zirkulierte, tief eingeschlossen in der gläsernen, runden Phiole... es war beunruhigend...



... stell dich nicht so an, es ist nur ein Test...

... denke an das Prinzip...



"Funktioniere.... " einem Gebet gleich schloss sie die Augen, auch wenn sie nicht wusste wem es galt, war es doch einfach nur in die Leere entsendet. Die schlanken Finger strichen über die seltsam warme Oberfläche, schlossen sich um die Kapsel und drückten zu, bis das dünnwandige Gebilde unter der Last knackend nachgab. Sie riss beide Hände in die Höhe, als hätte sie etwas verbotenes berührt und ihr eigener Atem erklang wie ein Trommelschlag in ihren Ohren.
Die Welt wurde zähflüssig, der kleine Hauch der ausserhalb von ihr Existierte begann zu schwinden, verebbte als sich das Blut rasend schnell zersetzte, dann strich ein warmer Klang in ihre Wahrnehmung. Für einen kurzen Moment wirkte er wie ein sanftes Streichen als der kleine Splitter, der zuvor noch versteckt in ihrem Blut ruhte, sich mit ihr verknüfte, das geistige Band einfach in sich einsog. Die Welt begann sich zu drehen und ein seltsames Ziehen machte sich in ihrem Körper breit. Noch während sich die Gedanken langsam in einer tauben Wattewolke verloren, hörte sie ein lautes auffiepen. Sie fühlte sich frei, als hätte sie ihren Körper verlassen und würde die Luft um ihn herum erfüllen. Ein dumpfes Klirren drang aus weiter Entfernung noch an ihre Ohr, dann stand die Welt still...









"Venefica?" Das tätscheln ihrer Wange fiel nicht sehr zögerlich aus und riß sie unliebsam wieder aus der weichen Taubheit heraus, die sie wie eine Daunendecke umfangen hatte. Dummerweise mochte sie diese Decke und begann ihren vermeintlichen Retter anzugrummeln, was ihr jedoch ein ziemlich nerviges Schütteln einbrachte.
"Was zum...." mit einem betäubten Murmeln strich sie sich über das Gesicht, etwas klebriges blieb an ihren Fingern haften, das sie kurz ins Stocken brachte.
"Seid ihr in Ordnung?" die Stimme zog sie weiter aus der Taubheit heraus, blinzelnd versuchte sie in die Realität zurück zu kehren.
"Ich glaube ja... steht noch alles?" Die Haare fielen ihr ins Gesicht, als sie sich aufsetzte, etwas glibbriges strich über ihre Wange und sie zuckte kurz zur Seite. Behände zupfte Nelrim es schneller aus den Strähnen heraus als sie den Mund öffnen konnte und leise schmatzend klatschte etwas zwischen den Grashalmen auf.
"Das Pentakel ist verunreinigt..." sie hörte das leise Rascheln seiner Robe als er den Oberkörper zur Seite wendete um sich umzusehen. Das Pentakel hatte sich vollständig entladen, keine energetische Aufladung brachte die Luft noch zum knistern und der Ort hatte eine seltsame Ruhe gefunden. Hatte etwas die Linien unterbrochen?
"Sieht aus als wäre etwas darin geplatzt..."

Was zum....

Sie riss die Augen auf und holte tief Luft: "..Dämon!"
"Ah? Meine Achtung, der ist bis an die Türen gespritzt"
"Mein Frettchen!"
Stille umfing sie. Vermutlich versuchte er gerade diese beiden Wörter in einen brauchbaren Zusammenhang zu bringen. Dementsprechend zaghaft viel Nelrims Frage auch aus.
"Der Dämon hat das Frettchen gefressen und ist gep..."
"Neeeiiinnn" mit einem wehleidigen Seufzen ließ sie sich wieder zurück ins Gras fallen und streckte die Arme von sich. Nelrim hüllte sich in betretenes Schweigen, dann er hob er sich und strich die Robe glatt. Sie hörte nur noch das leise verständnislose Murmeln als er sich abwand und wieder auf die Eingangstüren zuschlenderte. Es klang nach Tee...


Versuch 4
Die Komponenten waren abermals ungenügend, die Aufladung beider Objekte wiesen die selben Schwankungen auf, wie die Aufladungsversuche zuvor. Auf- und Entladung waren nicht konstant, das erste lebende Testobjekt vollzog den Effekt und platzte am Zielort wie eine reife Tomate.


*Kleine Punkte durchziehen das Wachs als hätte der Schreiber nachdenklich darin herumgestochert. Etwas tiefer findet sich dann eine schwungvolle Anfügung*





Das Prinzip funktioniert, es wird Zeit für die Vorbereitung.

Verfasst: Dienstag 16. September 2014, 13:06
von Eenja Siluvaine
Trotz der kleinen murrenden Andeutung der letzten Nacht kramte sie nicht wie erwartet das Pergamentchaos aus ihrer Tischschublade hervor und streckte sich stattdessen vor dem Bücherregal in die Höhe, um auf Zehenspitzen nach der oben aufliegenden Wachstafel zu tasten. In Momenten wie diesen fühlte sie sich manchmal zu kurz für diese Welt... und ein wenig zu klein... und vom Aussterben bedroht...
Sie hatte das schwere, hölzerne Ding gerade noch so abgefangen, bevor die Kannte ihr ein längeres Nickerchen bescheren konnte und noch immer auf Zehenspitzen balancierend schleppte sie das Buchband dicke Holzkonstrukt zum Sofa.

Lange her....

Schmunzelnd holte sie Luft und ließ die beachtliche Staubschicht auf dem alten dunklen Holz in die Luft aufwirbeln, bevor sie den schweren Einband aufschlug. Nur zwei beschreibbare Seiten, die Finger strichen über die dicke unebene Wachsschicht und nahmen etwas Staub auf, den sie zwischen den Fingerkuppen zerrieb.

Verdammt lange her....

Vorsichtig rieb sie die Seiten mit einer Hand voll Stoff ihres Rockes sauber und schon flitzen die Fingerspitzen über die unregelmäßige Oberfläche. Eine kleine Falte bildete sich zwischen ihren Augenbrauen und die Lippen leicht spitzend hielt sie einen Moment inne, dann krachte das Holzbuch mit einem lauten Knall wieder zu.
Es war schon erstaunlich wieviele kleine Nager einem kleinen, banalen Komponentenfehler zum Opfer fallen mussten, bis man herausfand, dass der Fehler nur an einer unbedeutend aussehenden Farbwahl lag.



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"Dann zur guten Nachricht, ich habe etwas für dich."
Nicht, dass sie nicht neugierig gewesen wäre, schließlich war die Hand schneller ausgestreckt, als sie 'Bitte was?' sagen konnte, jedoch machte sie der Umstand, dass er bereits die Flucht ergriff, bevor sie den Beutel überhaupt richtig zu fassen bekam, doch etwas stutzig.
Argwöhnisch blieb sie noch eine Weile auf Ort und Stelle stehen, lauschte den immer leiser werdenden Schritten nach. Den Beutel zu öffnen wagte sie kaum, rollte ihn sogar erst wie einen kleinen Ball zwischen den Händen über die quietsch sauber geschrubbte Theke. Wenn man bedachte mit wem sie verheiratet war, hätte man eigentlich kaum glauben können, dass man hin und wieder einem Schabernack zum Opfer viel, die häufigen Erkältungen nach einem kleinen Krach in der Ehe, belehrte sie jedoch irgendwann eines besseren.

Irgend etwas hat er angestellt....

Mit spitzen Fingern zupfte sie vorsichtig an der kleinen Lederschlaufe, Neugierde und Überlebensinstinkt prügelten sich bereits in der dritten Runde.

Wenn das wieder in einer Grippe endet, erschlage ich ihn mit einer... Pfanne.... der Wohnzimmerpalme.... selbst gebackenem Brot!

Der Lederbeutel wurde vorsichtig an den Rändern auseinander gezupft, als würde sie versuchen eine Falle zu entschärfen.... in Anbetracht der Tatsachen hätte sie sich gerade wirklich gewünscht es auch zu können. Aber bei ihm war das leider immer so eine....

Es klirrte.
Damit war auch schon jede Vorsicht vergessen, ein Klirren war noch besser als an Bändchen zu zupfen. Der Spieltrieb kam hoch, trat Neugierde und Überlebensinstinkt aus dem Ring und nahm die Siegerpose ein. Die kleinen, teils hauchünnen Gegenstände waren schnell ausgepackt und wurden vorsichtig mit den Fingerspitzen über das grobe Leder gerollt.
Es dauerte eine lange Weile bis sie wirklich begriff was sie da ertastete und noch deutlich länger bis sie sich nach dem ersten kleinen Schock wirklich wieder zu bewegen wagte. Mit größter Vorsicht verschnürte sie den kleinen Beutel wieder und ließ ihn nachdenklich vor sich liegen. Ein Gedanke trat den nächsten aus dem Weg, schlug ein Rad und machte einem weiteren Platz, dann schlich sich ein kleines, aber vielsagendes Lächeln auf ihre Lippen.

Zu dumm, dass ich ihn dafür jetzt nicht küssen kann....




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Eine Farbe.... so unbedeutend in der Welt einer Blinden und doch war es der ausschlaggebende Punkt, der vielleicht einmal über sein Leben entscheiden könnte. Zumindest der nächste Nager, wie auch ihre Kleidung, konnten ihr diese kleine Änderung danken.
Als sie die Augen aufschlug, sprang das Frettchen gerade quietschfidel an ihr vorbei und biss sich raschelnd durch die Hecke um nicht erneut in diesem winzigen Käfig zu landen. In diesem Moment war es ihr einfach egal.... sie hatte bereits was sie wollte... ein überlebendes Versuchsopfer.
Die Kopfschmerzen, mit denen sie sich wieder nach Hause schleppte, zogen nicht nur bis in die Backenzähne, sondern führten zu einer gelegentlichen Unterbrechung der Wanderung, in der sie unfreiwillig den ein oder anderen Baum umarmte. Dem lauten Protest nach entpuppte sich eines der Gestrüppe als unglücklicher Wanderer, der zur falschen Zeit, am richtigen Punkt der gezogenen Schlangenlinie innehielt.
Angestrengt versuchte sie eine geistige Notiz in den Nebel ihres Verstandes zu heften:

-Gesöff für die Nachwehen beim Heiler bestellen
-Keine Einsamen Ausflüge mehr
-Wald abholzen, steht im Weg


Der erste Schritt durch die Haustür kam einer Erlösung gleich, der zweite kam jedoch gar nicht mehr wirklich zu stande. Stattdessen rollte sie sich einfach auf den unteren Stufen zusammen und beschloss den Tag in einem 'Nur ganz kurz ausruhen' enden zu lassen.


Versuch 11

Rot wurde durch Schwarz ersetzt. Zielobjekt nicht geplatzt und konnte unbeschadet die Flucht ergreifen.
Ohnmacht erfolgte wie geplant und wurde überlebt.
Zweiter Versuch, für den Ausschluss eines Glücksfalls wird angesetzt___

*Das letzte T verläuft sich in kleine Spiralen um die im Wachs herumgeritzt wurde, als hätte sich der Verfasser kurz in einem Gedanken verloren*

Mir sind die Frettchen ausgegangen... benötige Wildschwein...