Es tat gut außerhalb der hochaufgeschossenen Mauern Rahals zu verweilen. Zu viel ist geschehen, als dass Kiara es noch weiterhin in den Wänden ihres Hauses ertragen könnte. Nach einem flüchtigen Gespräch mit ihm, beschloss sie ihre Sachen zu packen und für einige Zeit zu verschwinden. Hinaus in die Wälder. Niemand würde wissen wohin und sie würde auch gut darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen. Noch nie hatte die junge Frau einen solchen Hass in den Augen ihres Mannes gesehen.
Während Kiara unzählige male zurückblickte, schweiften ihre Gedanken zu den vergangenen Wochen zurück. Stück für Stück kamen ihr die Erinnerungen wieder. Alles was sie getan oder gesagt hatte schoss ihr, wie die Keule eines Ogers, auf den Kopf. Immer und immer wieder spielten sich die Szenen ab und bereiteten ihr Kopfschmerzen.
Warme Sonnenstrahlen liebkosten ihre Haut, als sie auf einer Lichtung ankam und sich ein großer See vor ihr aus dem Boden erstreckte. Die kälte, welche sie umgab, war wie weg geblassen. Hier war es anders als in Rahal. Es war beinahe wie in ihrer Heimat. Alles war von Wald umgeben und nichts vermochte die tiefe Stille zu stören. Nichts ausser dem Gesang der Vögel und ein paar kleinen Holzhütten. Am Waldesrand lies sie ihre Tasche fallen, lies sich auf den Boden sinken und zog ihre Schuhe aus. Am Wasser angekommen ging Kiara bis zu den Hüften in das kühle nass, um sich kurz darauf hinzulegen. Entspannt schloss sie die Augen. Die Bilder und Stimmen liessen Kiara nicht in Ruhe. Als Kind hätte sie beinahe ein anderes Kind getötet, nur weil es ihren Bruder wieder einmal geärgert hatte. Er war eben nicht wie andere. Leon sah zwar kränklich und schwach aus. Ja, er zweifelte sogar an sich selbst. Doch ihr jüngerer Bruder hatte das Herz am rechten Fleck. Die beiden Geschwister waren immer füreinander da. Doch um noch weiteres Unheil zu vermeiden, hatte sie sich zurückgezogen. War des öffteren alleine und hatte sich sogar vor sich selbst versperrt. Zum Schutz anderer und sich selbst. Das Gefühl in ihr.. Das Brodeln, welches sie oft noch verspürte, war noch immer ungewohnt und fremd. Mit der Hilfe des Rabendieners wurde das, was sie so lange verborgen und sogar vergessen hatte, wieder frei gelassen. Den Teil vor dem sie sich und andere Schützen wollte. Allein durch ihre Hand lag die glänzende Klinge ihres Dolches am Hals ihres Bruders. Und alleine durch ihre Worte hätte sie es geschafft Leona gegen ihren eigenen Bruder aufzuhetzen und ihn bewusstlos zu schlagen. Dabei konnte Kiara es soweit bringen, dass Aki Leona in die Zelle lies, in der Kiara saß, und Leona am Haarschopf gepackt, als Geisel festhielt. Mit viel Glück hatte er es jedoch geschafft seine Schwester zu befreien.
Aki hatte recht, mit dem was er ihr gegen den Kopf warf. Den Teufel hatte er geheiratet. Auf wundersame Weise fühlte sie keinen Groll. Nein, noch nicht einmal Schmerz. Seine Worte entsprachen der Wahrheit. Hass empfand sie. Hass gegen sich selbst und auch ein hauch von.. Wohlwollen. Dieses Gefühl brannte in ihrer Seele wie das Brandzeichen eines Ochsen. Ihre Finger glitten über den schmalen Ringfinger. Und erneut formten sich Bilder. Er sollte darüber nachdenken was er überhaupt wollte. Mit dieser harten Entscheidung wollte Kiara ihm den Ehering wieder geben. Aki wollte ihn nicht und von der einen Sekunde auf die andere wurde er ihr noch fremder. Er wirkte wie besessen. Kiaras' Geduld war am Ende. Sie nahm den Ring ab und warf ihm diesen auf den Schoß. Kaum zwei Tage später hatte sie ihre Sachen zusammen gepackt und war gegangen. Einfach weg. Wann und ob sie jemals zurückkehren würde, war eine Frage der Zeit. Das erste was sie wohl machen würde war Leon aufzusuchen.
Das Knistern kleiner Äste und das Rauschen des Windes
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Kiara Thanel
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