Erst als er Ysaines leises, vergnügtes Lachen vernahm, erhob sich Alhwin langsam von seinem Pult in der Bank, strich sorgsam über den Einband des alten Wälzers, in welchem er gerade noch so gedankenversunken geschwelgt war und humpelte trotz des schmerzenden Beines wieder zum Eingang. Als er spähend in die Eluiviarsonne blinzelte machte Forbes, der Bankier, dem Suchspiel ein etwas verdriesliches Ende.
„Es ist wieder dieser Bengel!“, verkündete er wie eine mit so schwerer Stimme, als wolle er den nahenden Weltuntergang prophezeien – wieder einmal. Doch Alhwin kannte den Hang zum Drama seitens Forbes nur zu gut und so hoben sich eher die Mundwinkel, als seine wässrig blauen Augen nach besagtem Unglücksomen suchten. Ysanes Blickrichtung war im dabei ein wunderbarer Wegweiser und bald fand er, was das Fischermädchen so unglaublich erheiterte.
Nur wenige Schritt entfernt befand sich ein waschechter, blondlockiger Lümmel von etwa dreizehn oder vierzehn Jahren, der einen scheinbar aussichtslosen Kampf bestritt. Mit der Rechten versuchte er seine Angel so zu drehen und wenden, dass er den Fang – allen Anschein nach ein recht fetter, schwerer und störrischer Fisch – wohlbehalten an Land ziehen konnte, doch hielt er ein verwaschenes, offenbar beschriebenes Pergament in der Linken und brachte es nicht über sich, es ins matschige Schilf am Uferrand fallen zu lassen, um mit beiden Händen die Angelrute zu erfassen. Die Verrenkungen, welche das agile, schmächtige Kerlchen dabei wagte, sowie dessen mannigfaltige Gesichtsentgleisungen brachten auch den alten Buchhändler zum schmunzeln. Gelassen nickte er für sich dem Knaben zu und murmelte warmherzig leise:
„Ist recht so, Junge, halt das Briefchen fest und lass lieber dem Fisch ein längeres Leben. Nicht viele kennen den Wert des geschriebenen Wortes. Halt dein Briefchen fest...“
Er konnte ja nicht ahnen, wie Recht er damit hatte.
Den jedes selbstgeschriebene Wort war für den vermeintlichen Burschen ein weitaus größerer Kampf als der mit Angel und Pergament gewesen.
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Brief an Olwin
15.Eluiviar 256
LIBA OLWIN,
TU WÜRST ES NICT KLAUBÄN ABA ICH HAPP AIN HAUS GEHFUNNTN.
AIN RICTIK SCHÖNÄS OPNDRAIN! AUZERTEHM IST ES IN AINA GUDN GEHGÄNT.
ICH HAPP MIA DIE LOITÄ GANNS GEHNAU ANKSEEN UNT FIEHL MIT INÄN GÄREETET.
SINT ZWA ALLÄ SÄR KLOIPIG UNT MÖCHTN DAS ICH IN DI KÜRCHÄ GE ABA S GIEPT SCHLÜMERES. MAINE BEKANDE PAST AUF MICH AUF UNT SOLCHE DUMHAITN WI ZUHAUS PASIRÄN MIA HIA NICT. ICH HAPP AINE VRAU KENENGELÄRNT DI HAILARIN IS UNT FILAICHT WERT ICH WAITA LERNÄN. ES SIT ALLÄS GUD AUS NUN IN MAINÄM LEBÄN ABA ICH VERMIS OICH SÄA.
ICH SCHIKÄ DIA MAINÄ ANSCHRÜFT IN DÜSTASEE WO ICH NUN WONÄ.
BITÄ SCHRAIP MIA. ICH KAN SCHON SCHNÄL LESÄN UNT ÜPÄ DAS SCHRAIPN WAITA.
ALSO KOMT WIDA AIN BRIF IN KÜRZÄH.
FERSCHPROCHN!
IN LIBÄ
BITE GRÜS MIA ALÄ UNT GIEP MUTA AINÄN KUS.