De mortuis nil nisi bene

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Alexander van Bernau
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Registriert: Dienstag 1. Juli 2008, 04:42

De mortuis nil nisi bene

Beitrag von Alexander van Bernau »

*Lange saß er an jenem Abend unter dem Baum neben seinem Garten in Schwingenstein. Der Blick gen des Kloster gerichtet, über welchem in langsamen Schritten die Sonne unterging. Er schien nachdenklich, denn jene glühende Scheibe war ihm eine gewisse Inspiration. Nach scheinbar endlosen Momenten betrat er wieder sein Haus und griff sich einen neuen Federkiel, den er fein säuberlich zurecht Schnitt. Im Anschluss wurde ein Blatt Pergament fein säuberlich ausgebreitet und der eben präparierte Kiel fand seinen Weg in das bereitgestellte Tintenfässchen. Dann wurden die Gedanken auf das Pergament gebannt*


Hochzuehrender Friedrich,

eventuell werdet ihr euch wundern, warum ich mich unterstehe, euch einen solchen Brief vorzubringen. Zuerst einmal sende meine tiefsten Grüße! Werdet also über meine Kühnheit also nicht unwillig, und verzeiht ihr. Ich kann nicht anders, denn wenn ich auch länger schweigen wollte, wie ich bisher getan habe, so würde mir dieses die größte Betrübung der Welt erwecken. Einst schrieb ich eurem Bruder viele Briefe, in denen wir die Gedanken, die wir draußen in eben jener Welt nicht aussprechen konnten, niederschrieben.
Keiner von meinen Freunden die ihr kennt, gönnt mir dieses unschätzbare Glück. Aber eben fällt mir die beste Ursache ein, Sie wollen keinen denkenden Menschen in ihre Bekanntschaft bringen, damit Sie deswegen nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ihr werdet wissen, dass wir unsere Mängel gar gern bedecken, wenn wir unsere Maske aufsetzen und die sein müssen, die wir erstreben zu sein.
Ich weiß zwar, dass euch die Zeit bei meinem Geschwätze sehr lang werden könnte, doch was hilfts, einmal musste es heraus.
Gleich in dem Anfange meines Briefes werdet Ihr also einen meiner Fehler finden. Nämlich, dass ich euch so bekannt schreibe, als wenn ich euch schon hundert Jahre kenne. Ich hoffe euer Geist, der sich nicht an Kleinigkeiten, wie das Ceremoniel ist, bindet, wird es mir verzeihen. Glaubt mir aber, dass ich niemals die schuldige Hochachtung außer Acht setze.

Ich denke aber wir haben viele Gemeinsamkeiten, wie ich sie auch mit eurem Bruder hatte. Wir erstreben den gleichen Weg, haben gemeinsame Ziele, und auch eure wenigen Gedanken, die wir bisher teilten, sind mir nicht fremd. Jemanden auf seiner Seite zu wissen ist letzten Endes nie verkehrt. Gerade in den Wirren der letzten Wochen und des schier endlosen Krieges. Bevor ich euch nun aber meine tiefsten Gedanken offenbare, muss ich bon euch wissen, ob ihr bereit wäret diese wohlwollend aufzunehmen.

Andere Dinge mehr folgen beim nächsten mal, genug ist es nun mein Freund. Ich muss schließen.
Ich sehe, dass mein Blatt bald voll ist und es stehen noch keine Verse darauf, ich habe deren machen wollen.

Auf ein andermahl

Alexander Bernau
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