Mein Knappe - Ist er soweit? (Teil 1)

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Niowe Adela Aireth

Mein Knappe - Ist er soweit? (Teil 1)

Beitrag von Niowe Adela Aireth »

9.Lenzing 256


Seit Tagen beschäftigt mich die Frage, ob mein Knappe nun bereit ist seinen Ritter in allen Lebenslagen zu stellen. Ich lasse mich dabei nicht von anderen Meinungen beeinflussen, denn in diesem Falle geht es um ihn und nicht um seine Fähigkeit das Schwert zu führen, das versteht er mit einer Vollendung, die nur wenigen eigen ist.

Habe ich ihm all jenes gezeigt worauf ich wert lege? Dabei geht es weniger um mich, weil ich meinen Weg gefunden habe, den ich unbeirrbar gehe. Es geht um ihn. Versteht er wieso ich so bin, wie ich bin? Begreift er wieso ich so agiere, und nicht anders?
Er muss es begreifen, um dann seinen Weg zu wählen und nicht den Weg anderer, die ständig versuchen werden zu beeinflussen. Sei es im Guten oder im weniger Guten. Er muss es aber auch begreifen, um andere Menschen zu verstehen und sie gleichfalls so zu akzeptieren wie sie sind. Das ist schwierig oft, denn wir sind stets geneigt zu urteilen! Und ja ich beurteile auch, aber ich schäme mich dann, weil ich es tue und bereue es und ich hoffe stets, dass Temora mir beisteht ein besserer Mensch zu werden, als ich es bin. Wird Raindri dies auch tun? Er ist manchmal in seinem Urteil viel zu schnell, unüberlegt und doch gütig. Ja, ich denke, ich darf seiner Güte vertrauen!

Raindir, mein Knappe ist ein Krieger im Licht Temoras, und das sind genau genommen wir alle Ritter, egal ob Adlerritter oder Reichsritter, wir haben gelernt Ihrem Licht zu folgen. Manche mehr oder weniger. Aber Raindri tut es unbeirrbar, dafür achte ich ihn und schätze ihn.
Raindri hat schon verraten, gelogen und der Finsternis den Hof gemacht. Ja er hat eine außereheliche Tochter und wer weiß wie viele Frauen, die ihn umschwärmen.
Aber und genau darauf kommt es mir an, er kann noch so viele Fehltritte machen, die andere zerstören und brechen, Raindri wird stets immer wieder aufstehen und offen und ehrlich zu seinen Fehltritten stehen.
Das macht ihn zum Ritter, denke ich. Keine Heuchelei, keine Heimlichkeiten, keine Ausflüchte, wir stehen zu dem, was wir tun, auch dann wenn es nicht richtig war.
Er wird ziemlich sicher folgende Kommentare seiner Umwelt, die ihn treffen werden, vernehmen:

Du hast falsch gehandelt!

Du bist zu alt um dich zu verändern!

Du bist nicht gut!

Du hast es nicht verdient!


Raindri muss stets daran denken, wie ich es tat, dass jeder falsch handelt. Jedem von Temora vergeben wird, wenn man sich selber auch vergibt und weiter macht. Das ist das Geheimnis eines wahren Ritters. Er nimmt die Vergebung an und er lässt dies auch bei anderen zu.

Ich glaube! Ja dazu stehe ich. Es ist nicht einfach von seinem Vormund einst Betschwester genannt worden zu sein, doch habe ich mich nie darüber beklagt, noch darüber gesprochen.
Ja, ich glaube an Wunder, wenn man daran glaubt, geschehen sie auch. Ich glaube auch fest daran, dass Gedanken das Leben verändern können, und sie tun es dann auch. Manchmal wird man enttäuscht, manchmal sehr verletzt, aber ich weiß dass es sich lohnt. Für jede Niederlage gibt es zwei Siege, daran glaube ich. Mein Knappe glaubt auf andere Weise auch daran, das durfte ich in Gesprächen feststellen, aber sein Glaube ist tief!

So wie man seine Fehler erkennt, erkennt man auch seine Vorzüge. In meinen Augen ist das ein starker Schild eines Ritters. Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, die Fehler und Vorzüge, die ich erkannt habe, meinen Knappen vor Augen zu führen. Er sollte darüber nachdenken und sich selber ein Bild davon machen. So schwer sein zukünftiger Weg als Ritter einst ist wird, worüber ich ein Lied singen kann, so
beharrlich muss er stets Möglichkeiten finden, Hindernisse zu überwinden. Sein Herz, wenn er die Damen daraus ein wenig verdrängt, wird ihm das weisen, davon bin ich überzeugt. Unterwegs wird er auf viele Schwierigkeiten stoßen, und ich hoffe zutiefst, dass ihm dann ein wenig Verrücktheit, die uns beide verbindet, dabei hilft das Richtige zu tun. Ohne diese Verrücktheit, die mir offiziell untersagt ist, was mich aber keinen Deut schert, um das höflich auszudrücken, wird er nicht bestehen.
Denn weder im Krieg, noch in der Liebe lässt sich alles voraus planen, das waren die Worte meines Vaters und die habe ich an meinen Knappen weitergegeben.

Ein Ritter bittet nicht um Erlaubnis, sein Schwert zu ziehen. Er tut es! Genauso wie er nicht weicht, egal was ihn der Feind im Reich gebietet. Dazu stehe ich und ich weiß Raindri auch. Verrätern gegenüber bin ich unversöhnlich, aber ich räche sie nicht! Bei Raindri bin ich mir dessen nicht so sicher. Er sollte darüber noch nachdenken. Wir entfernen die Feinde aus unserem Leben, ohne mit ihnen länger als notwendig zu kämpfen. Wir versuchen nicht anders zu sein, wir sind es. Diese Gemeinsamkeit haben wir beide.
Was mich erfreut, ist dass Raindri wie ich keinen Hass noch Wut gegenüber dem Feind hegt. Mein Knappe hat begriffen, dass jenes nicht im Einklag mit unserer Bestimmung steht und darüber freue ich mich.

Saiten, die immer gespannt sind, verstimmen mit der Zeit.
Das habe ich erlernen müssen. Raindri eher nicht, er hatte diese Unbeschwertheit von Anfang an. Vielleicht liegt es daran, dass er wesentlich älter als ich ist, und dies uns die Zeit und Erfahrung lehrt. Vielleicht lag es aber auch an dem Erziehungsprogramm meines Vaters, ich weiß dies nicht so genau.
Krieger, die ständig trainieren, verlieren die Fähigkeit, spontan zu kämpfen, daher sollte man stets sich mit den kleinen Dingen des Alltags vergnügen, selbst wenn einem nicht daran ist. Das beherrscht mein Knappe.

Nachdenklich legte ich meine Feder zurück. Morgen ist auch noch ein Tag. So viele Gedanken noch, die für meinen Knappen aufschreiben sollte.
Pergament ist geduldig und ich bin es auch.
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