Eine Welt am Abgrund
Verfasst: Sonntag 22. Januar 2006, 03:10
17. Hartung im Jahr der Göttin 249
Auf dem Webstuhl des Schicksals werden die Fäden unserer Leben zum Bild der Welt verwoben. So habt ihr es mich gelehrt, edler Rovigo. Was ihr mich nicht gelehrt habt, war die bizarre Groteske, die dieses Bild zeigt. Wenn die Weber zu Possenreissern verkommen, verkommen die Fäden zu Marionetten.
Als ich vor einigen Wochen den Fuss auf den Grund Bajard's setzte, ward mir nicht bewusst, dass dies ein bizarrer Tanz zwischen Tragik und Komödie werden sollte. Ich vermag's kaum mehr zu scheiden, edler Rovigo, ob Gerimor Narrenbühne oder Kulisse eines Tragödienspiels ist. Alles, was man sich über eine Insel der Krone, eine Insel des Glaubens, eine Insel der Tugenden erzählte, ist nicht mehr als alberner Tand. Nichts davon ist wahr.
Die Seelen hier fürchten weder Tod noch Götter, nicht Krone noch Dunkel. Selbst in der ärgsten Not, im grausamsten Kampfe noch sieht man sie schmunzeln, zumeist kalt. Alsdenn fing ich sie irgendwann an Kampfschmunzler zu heissen. Wo soll ich beginnen, edler Rovigo, im Bericht über jene Kampfschmunzler? Was soll man berichten über Seelen, die keine Fehler, keine Furcht und keine Schwächen haben?
Ich könnte über ihre übermenschlichen Fähigkeiten berichten. Ich sah, wie sich Krieger und Gardisten - im Sattel ihrer Rösser sitzend - in Windeseile eine eherne Plattenrüstung auszogen und feine Gewänder anlegten. Es verging kaum mehr Zeit als ihr zum Lesen dieses Satzes brauchen werdet. Ich mag's wohl gestehen, ich stand und starrte gebannt.
Ich könnte auch berichten, dass die Menschen hier stets nur rennen. Vor allem wenn sie ehernes Rüstzeug am Leibe tragen. Wahrlich sagenhaft müssen ihre Kräfte und ihre Geschicklichkeit sein.
Ich sah Krieger, die Waffen, Rüstzeug und Ausrüstung mit sich führten, die selbst einen der vierrädrigen Planwagen aus dem Norden zum ächzen gebracht hätten. Sie jedoch führten munter vergnügt und ohne ein Tröpflein missgünstigen Schweisses ein Arsenal mit sich, dessen ein Krämer sich stolz Eigner genannt hätte.
Ich sah Magier, die mit einem lächerlichen Schnipsen der Fingerlein die grausamsten Bestien aus dem Lied der Welt beschworen, ohne auch nur im mindesten darob zu ermüden, Kräfte einsetzen zu müssen oder irgend ein Anzeichen zu geben, dass sie der Eluive Lied formen und nutzen würden. Man könnte wahrlich meinen, mit dem Wirken von Magie ist's nicht weiter her wie mit dem atmen oder gehen.
Ich sah Krieger ohne Furcht und Tadel, die Götter und Krone leugneten und eine Gemeinschaft formten, die - von allen höflich begrüsst - in den Stätten von Göttern und Krone aus und ein gingen und dort krakeelend über ihr Leugnen von Krone und Götter berichteten. Milde lächelnd geduldet.
Und ich sah eine Stadt, die in den Wunden des Krieges sterbend und brennend darnieder gelegen ist, nur um kaum zwei Tage später in glorreicher Pracht neu errichtet wieder zu erstrahlen. Als ob kein Krieg, kein Blut ihren Grund jemals geschändet hätte. Selbst die Blümelein an den Blumenkästen der Häuser standen in voller Pracht, als ob sie seit Wochen sorgsam und vergnüglich gezogen worden wären. Allein ich nahm an, Barden und Bänkelsänger würden nun ob dieses Wunders Lieder dichten und Gelehrte würden versuchen, dies Mirakel der Schöpfung zu ergründen. Aber, weh mir, keinem schien's überhaupt aufgefallen zu sein! Allen nahmen's als Selbstverständlichkeit hin!
Oh Rovigo, in welcher Welt des Narrentums bin ich geraten? Mitunter seh ich mich um und suche nach dem Publikum, denn all dies kann nicht mehr sein als eine Darbietung von Possenreissern auf der Bühne des Lebens. Nur wo ist das Publikum? Und wann endet dies Narrenspiel?
Hier auf Gerimor ist nichts so, wie im Rest der Welt. Die Götter sind vergessen, der Glaube nutzloser Tand, Furcht und Elend sind auf ewig überwunden und die Kräfte der Menschen übersteigen alles, was ihr euch in euren kühnsten Träumen jemals werdet vorstellen können. Wenn es nicht so beklemmend wäre, es wäre wert darob Lieder zu singen.
Ich werde noch ein Weilchen hier wandeln, edler Rovigo, und verfolgen, wie hier die Grundfesten einer gesamten Welt für nichtig erklärt werden. Eine Welt am Abgrund.
Auf dem Webstuhl des Schicksals werden die Fäden unserer Leben zum Bild der Welt verwoben. So habt ihr es mich gelehrt, edler Rovigo. Was ihr mich nicht gelehrt habt, war die bizarre Groteske, die dieses Bild zeigt. Wenn die Weber zu Possenreissern verkommen, verkommen die Fäden zu Marionetten.
Als ich vor einigen Wochen den Fuss auf den Grund Bajard's setzte, ward mir nicht bewusst, dass dies ein bizarrer Tanz zwischen Tragik und Komödie werden sollte. Ich vermag's kaum mehr zu scheiden, edler Rovigo, ob Gerimor Narrenbühne oder Kulisse eines Tragödienspiels ist. Alles, was man sich über eine Insel der Krone, eine Insel des Glaubens, eine Insel der Tugenden erzählte, ist nicht mehr als alberner Tand. Nichts davon ist wahr.
Die Seelen hier fürchten weder Tod noch Götter, nicht Krone noch Dunkel. Selbst in der ärgsten Not, im grausamsten Kampfe noch sieht man sie schmunzeln, zumeist kalt. Alsdenn fing ich sie irgendwann an Kampfschmunzler zu heissen. Wo soll ich beginnen, edler Rovigo, im Bericht über jene Kampfschmunzler? Was soll man berichten über Seelen, die keine Fehler, keine Furcht und keine Schwächen haben?
Ich könnte über ihre übermenschlichen Fähigkeiten berichten. Ich sah, wie sich Krieger und Gardisten - im Sattel ihrer Rösser sitzend - in Windeseile eine eherne Plattenrüstung auszogen und feine Gewänder anlegten. Es verging kaum mehr Zeit als ihr zum Lesen dieses Satzes brauchen werdet. Ich mag's wohl gestehen, ich stand und starrte gebannt.
Ich könnte auch berichten, dass die Menschen hier stets nur rennen. Vor allem wenn sie ehernes Rüstzeug am Leibe tragen. Wahrlich sagenhaft müssen ihre Kräfte und ihre Geschicklichkeit sein.
Ich sah Krieger, die Waffen, Rüstzeug und Ausrüstung mit sich führten, die selbst einen der vierrädrigen Planwagen aus dem Norden zum ächzen gebracht hätten. Sie jedoch führten munter vergnügt und ohne ein Tröpflein missgünstigen Schweisses ein Arsenal mit sich, dessen ein Krämer sich stolz Eigner genannt hätte.
Ich sah Magier, die mit einem lächerlichen Schnipsen der Fingerlein die grausamsten Bestien aus dem Lied der Welt beschworen, ohne auch nur im mindesten darob zu ermüden, Kräfte einsetzen zu müssen oder irgend ein Anzeichen zu geben, dass sie der Eluive Lied formen und nutzen würden. Man könnte wahrlich meinen, mit dem Wirken von Magie ist's nicht weiter her wie mit dem atmen oder gehen.
Ich sah Krieger ohne Furcht und Tadel, die Götter und Krone leugneten und eine Gemeinschaft formten, die - von allen höflich begrüsst - in den Stätten von Göttern und Krone aus und ein gingen und dort krakeelend über ihr Leugnen von Krone und Götter berichteten. Milde lächelnd geduldet.
Und ich sah eine Stadt, die in den Wunden des Krieges sterbend und brennend darnieder gelegen ist, nur um kaum zwei Tage später in glorreicher Pracht neu errichtet wieder zu erstrahlen. Als ob kein Krieg, kein Blut ihren Grund jemals geschändet hätte. Selbst die Blümelein an den Blumenkästen der Häuser standen in voller Pracht, als ob sie seit Wochen sorgsam und vergnüglich gezogen worden wären. Allein ich nahm an, Barden und Bänkelsänger würden nun ob dieses Wunders Lieder dichten und Gelehrte würden versuchen, dies Mirakel der Schöpfung zu ergründen. Aber, weh mir, keinem schien's überhaupt aufgefallen zu sein! Allen nahmen's als Selbstverständlichkeit hin!
Oh Rovigo, in welcher Welt des Narrentums bin ich geraten? Mitunter seh ich mich um und suche nach dem Publikum, denn all dies kann nicht mehr sein als eine Darbietung von Possenreissern auf der Bühne des Lebens. Nur wo ist das Publikum? Und wann endet dies Narrenspiel?
Hier auf Gerimor ist nichts so, wie im Rest der Welt. Die Götter sind vergessen, der Glaube nutzloser Tand, Furcht und Elend sind auf ewig überwunden und die Kräfte der Menschen übersteigen alles, was ihr euch in euren kühnsten Träumen jemals werdet vorstellen können. Wenn es nicht so beklemmend wäre, es wäre wert darob Lieder zu singen.
Ich werde noch ein Weilchen hier wandeln, edler Rovigo, und verfolgen, wie hier die Grundfesten einer gesamten Welt für nichtig erklärt werden. Eine Welt am Abgrund.