Wieder weckte sie der Schrei aus ihren Träumen, der Verlust dieser Dinge, die ihr einst so heilig waren. Und wieder schreckte es sie so auf, dass ein weiteres Mal die Augen schließen nicht möglich gewesen wäre. Sie griff ihre Waffe, die noch blutverschmiert neben dem Bette lag, befestigte jene an ihren Waffengurt, welchen sie noch trug, und setzte einen Schritt voran. Die Müdigkeit trieb sie sogar mit Rüstung in den Schlaf und die Qual erweckte sie, welche ihr Leib nun erfuhr. Die dunklen Schatten unter den Augen sollten sie auch heute nicht daran hindern, in die Welt zu ziehen und jene von dem zu befreien, was Alatar so verachtete. Und wieder war sie dabei allein, wie sie es seit Monaten war und wie sie es seit Monaten so schätzte.
Die Klinge zog sich durch die schwachen Leiber der Banditen, während ihre Lippen immer wieder Gebete formten und manche Leiber im Feuer aufgingen, andere sich vor Schmerz krümmten und an jenem verendeten, weil jenes Leid ihre Lunge nicht mehr atmen ließ. Die Augen der Lethra waren von Hass und Zorn geprägt, während das Blut der Opfer sich über ihren Körper ergoss und die Seelen dahin schwanden. Ab und an zuckten ihre Mundwinkel in die Höhe und der verrückte Ausdruck, der auch ihren Geist besiedelte, legte sich auf ihrem Gesicht nieder. Und so ging ein Körper nach dem anderen zu Boden, bis eine Stimme an ihr Ohr drang, laut und doch mit so viel Melodie bestückt, dass ihr Leib vor Schmerz vibrierte. Eine Sprache, welche sie nicht verstand, Worte, die sie nie erreichen würden.
Ihr Kopf drehte sich langsam herum und ihre Augen erblickten, während sie sich versuchten trotz Schmerz offen zu halten, den Feind der Zeit. Eine Hochelfe erstreckte sich vor ihr und trug Verachtung in ihrem Blick, als sie den Leichenberg mit den Augen überflog. Wieder sprach sie ein paar Worte, führte der Lethra schon dadurch Leid zu, bevor sie dann bemüht in allgemeiner Sprache, erneut ihre melodische Stimme durch die Waldlichtung schallen ließ:
„Welch Qual du dein Leben bereits mit dir tragen musst, verunstaltete Elfe. Welch falschen Weg du gehen musstest, um so etwas hier zu tun, ohne das es deine Seele erreicht. Ich werde deinem Weg ein Ende setzten und diesem Blutbad hier ebenso. So gebe ich dir mit diesen Worten die Möglichkeit, nochmal zu sinnen, nochmal dein Leben über dich ergehen zu lassen und dich dann zu verabschieden, kleine Lethra. Denn hier und heute wird es ein Ende finden.“
Und nach diesen Worten sang sie ein Lied und griff ins Liedbild ein. Ein Lied, das nicht nur ihre Macht verdeutlichte, sondern auch das Licht ihrer Welt. Die Lethra Qis'arx sackte auf die Knie, drückte die Hände in die blutverschmierte Erde und begann Gebete zu sprechen. Gebete zu Alatar, welche den Boden um sie herum beben ließen und ihre Aura verfinsterten. All die Macht, welche sie besaß, würde sie nun verwenden, um nicht zu sterben, nicht durch solch ein Wesen, nicht hier. Und so prallten Mächte aufeinander, gut gegen böse, schwarz gegen weiß. Und wieder spritzte Blut, dieses Mal allerdings nicht nur das von fremden Leibern, sondern auch das der Lethra.
Die Klinge Alatars legte sich auf den Hals der Hochelfe nieder, während auch die Waffe jenes Geschöpfes die Kehle Qis'arx's berührte. Sie sahen sich beide eine ganze Weile an und der erschöpfte Atem der Gestalten ließ keine Ruhe einkehren. Das Blut tropfte von Qis ihrem Kinn und es war recht klar, dass in den nächsten Sekunden zwei Seelen das Reich verlassen würden. Die Hochelfe zog noch einmal tief Luft in ihre Lungen, bevor sich ein bemitleidendes Lächeln auf ihr Gesicht legte und sie Qis'arx ansah, als würde sie ihr sagen wollen, dass sie ihr für ihre Fehlexistenz vergeben würde. Eine Emotion die einen Schock in ihr auslöste und im nächsten Moment ihre Waffe bewegte. Ein Moment, wo auch die Elfe ihren Arm ruckartig zur Seite zog und zwei Leiber zu Boden gingen und Blut floss, sich zwei rote Farben vermischten und eins wurden. Und während das Gesicht der Hochelfe im Einklang mit allem war, stand Qis'arx der Schock ins Gesicht, als ihre Augen den Glanz verloren. Und die letzten Gedanken, welche ihr Kopf erzeugten, nahm sie mit in den Tod.
Ich habe versagt, Vater, Yxul...