Weishaarige Engel gibt es nicht... oder doch?

Elias Finn Maron

Weishaarige Engel gibt es nicht... oder doch?

Beitrag von Elias Finn Maron »

Noch immer starrte er der hochgewachsenen Gestalt nach und hatte mühe
den mund wieder zu schliessen. Mit federnden schritten entfernte sich das
wesen und wurde langsam vom morgendlichen Nebel eingehüllt, während
er nur stumm am alten Brunnen stand, in der einen Hand den
Wassereimer, in der anderen noch immer den fein verzierten Lederbeutel
und spürte wie die zeit unwirklich zaghaft verrann.

Er brauchte frisches Wasser, denn sobald shanna wach war, pflegte sie schon
sehr früh mit aller liebe duftigen, heissen Tee und mit etwas honig versüßte
Haferbreispeisen für die kleinen zu kochen. Der morgen war seitdem einer
seiner liebsten momente und es fiel ihm längst nicht mehr schwer aufzustehen.
Meist ging er sogar mit einem melodisch gesummten liedchen zum nächsten
brunnen um wasser zu schöpfen, so auch heute. Das gesumme lenkte
vermutlich seinen geist und sein Gehör auf die Melodie, nicht auf die sich
nähernden schritte. Anders konnte er es sich nicht erklären!

Erst als die ruhige, sanfte und weder hohe noch bärentiefe Stimme zu
reden anhoh, fuhr er erschrocken auf und hätte fast den eimer in den
Brunnen fallen lassen. Zu tief saß noch das wissen, dass hier vor wenigen
nächten wilde Orken in der nähe waren und maraudierend umherzogen.

Einen Ork jedoch bekam er nicht zu gesicht! Es war ein junger Mann mit
fast Biscuitporzzelanfarbiger Haut, so hell und ebenmäßig erschien sie
ihm. Diese und das schulterlange, mit einem lederband gezähmte Haar,
welches die farbe von frischem Schnee aufwieß, erinnert ihn fast
augenblicklich an das holde wesen, welches nun vermutlich auf das
kochwasser wartete.

"Shanna..." murmelte er schneller als ihm lieb war und bemerkte sogleich,
dass die seltsam amethistfarbigen augen des mannes ebenso lächelten
wie dessen mund.

"Also seid ihr in der tat der knecht im Waisenhaus? Sehr gut, ich weiss ich
bin sehr früh auf und wollte niemanden wecken, schon gar nicht die
Kinder. Gut, so nehmt dies... es ist nicht viel, aber ich verspreche euch,
es folgt mehr."

Ungeschickt fing Lias den Beutel und fast ebenso melodiös wie sein
Liedlein erschien ihm nun das klimpern der Münzen darin. Eine Spende...
wurde ihm beinahe blitzartig bewusst und nun fand er die stimme wieder.

"So nennt mir den namen, guter mann und seid gewiss, dass wir auch
unsere dankbarkeit zeigen werden. Habt ihr selbst schon einen brief
an Sire Aradan Krenor oder die Dame Odolder gesandt oder soll ich
jenen einfach von euch berichten? Ich denke auch sie werden sich
erkenntlich zeigen, wenn..."

Ein silbriges, amüsiertes lachen schnitt ihm die worte wieder ab.
Kopfschüttelnd und schon im begriff sich abzuwenden gab er nur mit
einem breiten grinsen zurück:

"Ich bin ein einfacher mann und brauche keine huldigung für einen beutel
Münzen. Diese sollten euch interessieren, nicht meine wenigkeit. Spart
euch und den hohen herrschaften die dankbarkeit und gebt diese lieber an
die euch anvertrauten kinder weiter. Ah, nur einen gefallen könnt ihr mir
tun. Passt auf die euch zur seite stehende magd ebenso wie auf die
Kinder und seid auch ihr eine stützte, junger mann. "

Dann verschwand er und ließ Lias am brunnen stehen. Eine geraume
Weile knabberte dieser nun an einem berg fragen und versuchte sich
deutlich bewusst zu machen, dass diese helle erscheinung im morgen
kein weisshaariger Engel war. Traum war der mann auch nicht, denn das
Gold wog schwer in den händen des Jungen. So kam er nun zu einem
deutlichen entschluss, ehe er mit festen schritten
zum Haus zurück eilte:

Er würde Shanna fragen, ob sie diesen mann kannte und würde seinen
Namen schon noch herausfinden. Sie schien ihm bei alledem der schlüssel
des rätsels zu sein.
Zuletzt geändert von Elias Finn Maron am Montag 23. Januar 2006, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Voellig ruhig lauschte sie was Lias erzählte.
Sie grübelte ohne das man es merkte lange über
das erzählte nach, wärend sie die
Schuesseln mit Haferbrei fuellte.

-Nun Lias, wenn der gute Mann
meinte dem Waisenhaus Gold zu geben
dann können wir nur dankbar dessen sein
du weist selber das wir hier alles gebrauchen
können, vor allem aber Nahrung. Und ich habe gehört
die Schnitzer des Landes können Holzfiguren
schnitzen, am besten nimmst du das Gold
und kaufst Brot und Käse und was man
so alles braucht und was übrig ist
davon kaufst du bei den Schnitzern
Holzfiguren für die Kinder. Und sie brauchen
Nachtbekleidung.
-


Nachdenklich betrachtete sie ihr Hemd das an einigen Stellen
Löcher aufwies, aber das war unwichtig. Langsam strich sie sich
eine ihrer schneeweissen Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Sie war noch nicht dazu gekommen sich frisch zu machen
die letzte Nacht war wieder so eine gewesen, in denen
sie still am Wassergraben gesessen hatte und einer
Zeit nachgetrauert hatte, die es nicht mehr gab.

Ihre Gedanken huschten weiter zu dem was Lias gesagt hatte.
Er hatte ihr ähnlich gesehen. Sie kannte nur zwei Männer
ihrer Familie hier in diesem Land
Cathal und Viljo. Viljo war zu sehr mit dem Studium
beschäftigt, bliebe nur noch Cathal. Jener der zur Garde gehen wollte.
Ein kurzes abwesendes Lächeln huschte über ihre
rosaroten feinen Lippen, die auf ihre weise sinnlich wirkten.

Dann konzentrierte sie sich wieder auf die Arbeit.
Sie war dem "Spender" dankbar, das Gold war langsam
sehr knapp geworden im Waisenhaus. Hätte sie Lohn bisher bekommen,
hätte sie auch genug Gold für zum einkaufen. Langsam schüttelte sie den
Kopf. So zu denken war undankbar, sie konnte froh sein
nicht einfach nur durch die Welt zu dümpeln, sondern hier
eine Arbeit gefunden zu haben, eine in der sie einiges
Gutmachen konnte, an sich, den Kindern, ihrem toten Sohn
und ihrer Göttin, an die sie immer dachte aber nie
über sie sprach.
Cathal Llastobhar

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Das Schmunzeln auf seinen Lippen blieb auch noch bestehen, als er längst wieder an seinem kleinen, hölzernen Schreibtisch im Zimmer des Bajarder Gasthofes saß und die Schreibfeder flink über das Pergament glitt. Die Augen des Jungen waren ja beinahe tellergroß geworden und das Staunen sprang diesem fast aus dem Gesicht.
Grinsend zupfte der junge Mann nun an einer Strähne des gelösten, weissen Haares und klimperte gen Spiegel auf der Kommode. Nein, so feminin oder heilig sah er noch nicht aus, dass der Bengel ihn für eine Feenerscheinung oder einen lebendigen Gott hätte halten können. Noch immer belustigt lächelnd pustete er die dunkle Tinte vorsichtig trocken und besah sich die Schrift, seine Gedanken wanderten jedoch schon wieder zurück zum Waisenhaus und nachdenklich wurden die amethystfarbenen Augen schmäler.
Shanna und der Junge hatten die Münzen scheinbar bitter nötig, wenn er sich so sehr erkenntlich zeigen wollte und so darüber gefreut hatte. Er selber würde wohl weiterhin gerne das geben, was er im Moment nicht zwangsweise zum Leben brauchte, allerdings musste auf Dauer mehr geschehen und mehr Unterstützung geleistet werden.
Mit einer Mischung aus müdem Ächzen und leisem Schnauben faltete er dann den fertigen Brief, lehnte sich im Stuhl zurück und versuchte vielleicht irgendeinen Weg zu finden, wie er das Waisenhaus weiterhin unterstützen konnte, ohne dass sein Name fiel oder es sonst irgendwie nach Selbstprofilierung aussah.
Elias Finn Maron

Beitrag von Elias Finn Maron »

Diesmal hatte er geklopft und auch wenn es nur leise war um wohl die
schlafenden Kleinen nicht zu wecken, so hatte Elias, welcher nochmal
etwas Feuer im kamin nachlegte, ihn gehört und huschte leise zum fenster.
Das silberweisse haar, welches im fahlen mondlicht schwach schimmerte,
verriet ihm sofort wer der hohe besucher war und schnell drehte er den
schlüssel im schloss der türe.

"Einen angenehmen abend, Herr Cathal Llastobhar !"
Lias wollte keinen Hehl daraus machen, dass er diesmal nur zu genau
wusste, wer da vor der türe stand und genoss fast die verwirrung auf dem
Gesicht des edlen mannes.

"Woher kennst du nun meinen Namen, junger Herr?"
"Denkt ihr denn eure Base Shanna hat diesen vergessen?"

Nun lachte er allerdings vergnügt auf und nahm auch elias' vorstellung mit
einem breiten lächeln ruhig auf, ehe er den kopf mit respekt etwas neigte,
als wäre Lias kein Knecht, sondern ein hoher Herr.

"Fühlt ihr euch stark genug das hier zu tragen, Herr Maron?"

Jetzt wanderten Lias Augen zum großen beutel, welchen Cathal unter dem
arm trug und nahm diesen neugierig entgegen. Das Gewicht war zwar
etwas weniger als er aufgrund des massigen Volumens gerechnet hatte,
allerdings sagte ihm die weiche berührung mit dem Paket schnell, dass
darin wohl etwas stoffiges lag.

"Was ist denn da drin?"
fragte er wieder mit beissender Interresse und blickte gen Cathal auf.

"Das wirst du schon selber aufschnüren müssen."
war die amüsierte Antwort. Als er nun den Beutel öffnete gingen ihm die
Augen über. Schuhe, Kleider aller art und Mäntel, alles sauber genäht
und in so kleinen Größen, dass deutlich war für wen diese gewänder
gedacht waren.

"Ihr könnt euch ja nicht vorstellen, wie viele junge schneider so etwas
als Probestücke einem schon nachwerfen- bei den schustern genauso."

Nein, das konnte er sich nicht feststellen und so nahm er die
verabschiedung des zweiten weisshaarigen helfers des waisenhaus nur
am Rande wahr und versprach stotternd auch Shanna zu grüssen.
Ihr, so sagte Cathal, solle er die kleider geben, denn sie wisse vermutlich
am besten welchem kind was passen würde.

Als er nun fort war, blieb Lias nicht viel übrig, als einfach den gesamten
Kleiderbeutel und die anderen Spenden in eine Ecke neben seinen
büchern zu stellen, ehe er hastig in eines einen eintrag machte, welcher
nun festhielt, dass da jemand still spendete.

Dann erst ging er verschlafen und durcheinander ins bett.
Cathal Llastobhar

Beitrag von Cathal Llastobhar »

Shannas Erscheinung ließ ihm keine Ruhe mehr.
Noch nie hatte er seine Grossbase so gesehen- ohne Schuhwerk oder Hemd unter der einfachen Weste. Zitternd und fast schon dünn war sie in die Gaststube getreten, obwohl sie trotz dieser Auszehrungen kaum etwas von ihrem Stolz eingebüßt hatte.
Schön war sie, wie eh und je und bewahrte eine gerade, edle Haltung, welche neben ihrem Stolz auch eine angenehme Ruhe verströmte, dennoch ergriff ihn ihre folgende Erzählung über die Waisen erneut.

Er dachte er hätte schon viel getan, indem er das Gold und auch die Übungskleider der Schneider mitbrachte und dem jungen Knecht gab, allerdings war ihm nun bewusst geworden, dass es damit noch lange nicht getan war.

Una hatte schliesßlich leise zugesichert, dass Viljo, er und sie ihrer Grossbase helfen wollten und nun lag es wieder an ihm sich etwas einfallen zu lassen. Sie brauchten eine Menge Kupfermünzen um all die hungrigen Mäuler zu stopfen und ihnen ein Dach über dem Kopf genauso wie ein Kaminfeuer zu ermöglichen.

Er ahnte, dass Sir Aradan wohl zusammen mit seiner Lady schon schuftete um ebenfalls nur das Beste für die Kinder geben zu können, aber es war sicher weiterhin nicht verkehrt diesen beiden anonym unter die Arme zu greifen und ab und an etwas zu spenden.

Ein Lächeln stahl sich wieder auf die ebenmäßigen, schmalen Lippen, als ihm langsam ein vielversprechender Plan den Weg weisen wollte.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Ruhig wie immer schritt sie im leerem Haus auf und ab
Sie wollte dem Clan Zeit geben, hatte sie doch den
Leichnam des Kindes aufgebart gesehen.
Dabei dachte sie an die zwei die an der Pest starben
und kein Grab bekommen hatten, ausser einen kleinen
Erdhügel im Wald.

Den Nachmittag versuchte sie wie jeden Tag
so freudig wie möglich für die Kinder zu
gestalten. Das Hemd von Una und die Stiefel
hatte sie sorgsam beiseite gelegt. Für schlechtere
Tage.

Sie hatte sich richtig gefreut Cathal und Una wieder zu sehen.
Aber die Person die sie am meisten vermisste
hatte sie lange nicht mehr gesehen.
Ronya, wo sie nur steckte? War sie
überhaupt noch im Lande?

Sie seufzte und spielte mit den Kindern wieder ein
Kreisspiel. Fuchs du hast die Gans gestohlen
spielten sie und es war lustig den kleinen dabei zuzusehen.
Sie selber machte auch mit und lachte leise dabei.
Ihre Gedanken waren voll und ganz auf die Kinder
gerichtet. Sie freute sich an den strahlenden Gesichtern.

Wer sie beobachtete und gute beobachtungsgabe hatte konnte
sehen das sie Freude empfand wenn es den Kindern gutging
und man konnte auch sehen das hin und wieder ein
trauriger Ausdruck und ein müder durch ihre kindlich
grossen dunkelblauen Augen huschte, sie es
sich aber ansonsten nicht anmerken liess.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Was für ein Abend.
Sie war zu Aradan gegangen, nicht wegen Lohn
sondern um anzufragen ob er Pferde hätte für
den Transport der Möbel. Er hatte ihr Gold in
die schmalen zierlichen blassen Hände gedrückt
und die Zügel zweier Pferde und einen Schlüssel

Danach war sie zurück uzm Haus gegangen
und traf auf eine ihr voellig fremde Frau
Sarah sie hiess jene und sollte neben ihr
als Amme arbeiten. Shanna war davon nicht
begeistert im Gegenteil, ihr kam es fast
so vor als traue Aradan ihr die Arbeit nicht mehr
alleine zu.

Sie musste es aber akzeptieren, er war immerhin
der Mann der Waisenhausvorsteherin. Zudem in ihren
Augen auch noch ein recht arroganter, aber das zu
sagen wäre ihre Kündigung gewesen und solange
sie nichts von Ronya und der Schwesternschaft des
Waldes hörte, konnte sie es sich nicht leisten
gekündigt zu werden.

Lange musterte sie die unsichere Person die etwas älter
als sie selber schien. Nunja, jene konnte wenigstens kochen,
etwas was sie nur mittelmässig zu tun verstand. Dennoch die
Erziehung der Kinder würde sie sich nicht nehmen lassen.
Sie war soweit
nun gekommen, dass sie es sich nicht mehr
kaputtmachen lies. Die Kinder vertrauten ihr
sie konnten sich langsam an sie ankuscheln, in
ihrer Gegenward ausgelassen lachen und
sich gegenseitig necken, ohne dabei
wie die Hähne um ein Korn Weizen sich die
Köpfe einzuschlagen.

Sie dachte an Cathals Spenden und lächelte dabei.
Als sie endlich mit Lias wieder alleine war, gab
sie dem Gefühl der voelligen Erschöpfung nach und er trug sie auf das
Fensterbrett das sie sich wenigstens hinsetzen konnte.
Als sie wieder anfing sich Vorwürfe wegen dem
Tot ihres eigenen Sohne szu machen, verschloss Lias
ihre Lippen einfach mit einem Kuss. Voellig verdattert blinzelte sie
Als er dann anfing sich gross zu entschuldigen, schloss sie
ihrerseits seine Lippen mit einem Kuss. Er hatte längst schon gemerkt das sie fieberte. Die Nacht zuvor auf dem
schneebedeckten Boden im Wald
war zuviel für ihrem zierlichen kleinen Körper.

Besorgt hatte er sie auf einige Decken gelegt
und die ganze Nacht über geschaut das ihre Stirn
kühl blieb. Unruhig hatte sie sich herumgewälzt, sie
fand im Fieberschlaf einfach keine Ruhe.
Manchmal weinte sie wie ein Kind
manchmal klammerte sie sich an ihn.
Erst am Morgen blieb ihre Stirn kühl, doch
war ihr Körper noch zu schwach um die gewohnte
Arbeit zu verrichten. Immer wieder dachte sie
an Markus, an Cathal, an Halvar und vor allem
an Ronya.

Sie merkte nichtmal das Cathal zu besuch kam
um zu sehen wie es im Waisenhaus ginge
um mitanzupacken wenn etwas getan werden
musste das volle Männerkraft erforderte. Sie bemerkte nichtmal
Darna und Zeron. Sie verschlief den halben Tag und den
restlichen döste sie vor sich hin. Sie Kinder
die spürten das sie ruhig sein mussten spielten leise mit
den neuen Holzfiguren.

Ihr langes weisssilbriges Haar lang offen um sie herum
auf den dunklen Decken und wirkten durch
den Farbunterschied erst recht irgendwie
mysteriös, unnatürlich. Man sah ihrem zierlichen Körper
an wie geschafft und übermüdet sie war. Lias hatte einen Arzt
kommen lassen, der ihr zu wenig Schlaf bescheinigt hatte.
Das erstemal im Leben wehrte sie sich nicht
dass ein Mann sie untersuchte. Sie wusste aber
selber dass sie sich übernommen hatte, dafür brauchte es
keinen Arzt.
Elias Finn Maron

Beitrag von Elias Finn Maron »

Die Nacht über hatte er sie ihm Arm gehalten und angeblickt.
Schön, unschuldig und dann war da ja auch noch das fieber.
Es stieg in der nacht und verbannte vorerst jegliche romantik und liebe, ließ
aber eine gehörige portion sorge in ihm zurück.
Im morgengrauen war sie halb wach und irgendwie auch nicht, ständig
versuchte sie sich aufzurappeln, erzählte irgendetwas wirres von einem
kleinen bruder, der mit dem schiff ankommen solle, von einem Halver,
den Namen kannte er noch nicht einmal und warf plötzlich noch andere
ihm unbekannte Worte- oder waren das wieder Namen?- mit ein.

Nach einer gewissen zeit ahnte er, was sie da vorhabe. Obwohl sie nicht
ganz realisierte, dass es ihr nicht gut ging, versuchte sie aufzustehen und
sich um den frühstücksbrei zu kümmern.
Er hielt sie zurück und bat Marel, einer der aufgeweckten Kleinen, er möge
bitte Sarah wecken, denn er hatte mitbekommen, dass die freundliche,
junge neue Helferin wohl gut kochen konnte, und schickte den kleinen dann
mit einigen geflehten worten nach Varuna, aufdass er einen arzt holen
möge.

Erst als sich dieser um Shanna kümmerte, Sarah derweil den dampfenden
und köstlich riechenden brei umrührte und er eigentlich damit
beschäftigt war vorsichtig platz für das eventuelle möbelgepacke zu
schaffen, da erst war er mit sich selbst so allein, dass er zu denken
begann.

Er hatte sie gestern, als sie ihm sagte er sei doch noch so jung (selber
war sie doch kaum anderthalb jahre älter) und dann fragte, was er von ihr
hielt, nur noch schwer beherrschen. Als er sie dann wieder gequält von
ihrem toten Sohn und der eigenen schuld am tode zu erzählen begann,
kam der wahnsinn wohl über ihn.

Er hatte sie geküsst!

Süss hatte der kuss geschmeckt und bitter war nun die erkenntnis.
Sie hatte schon zu dem zeitpunkt gefiebert und vermutlich hatte er sie
deutlich überrumpelt, wenn nicht sogar die situation ausgenutzt.
Was würde Sire Aradan sagen, der ihn doch zuvor noch ernst bat er möge
ein Auge auf beide Frauen haben?
Sicher hatte er DAS nicht damit gemeint!
Was würde Sarah sagen, wenn sie es rausbekommen würde?
Würde sie dann die arbeit der beiden als pure turtelei abtun?

Marel stand plötzlich neben ihm und strahlte ihn mit großen grünen Augen
begeistert an.

"Du, Lias, die Frau von gestern, die mitm Sör Aradan da war, die issja
wieder da, ne? Is das ne Ritterin wie der Sör? Kommen jetza noch mehr
Ritterinnen und Ritter? Wie der Mann mit den weissen haaren und die
Sör-Aradan-Ritterin und der vom Sör Rafael?"

Schmunzelnd unterließ Elias es nun das kind zu beleeren, dass sich
lauschen an der türe nicht gehörte- anders konnte der naseweiß doch
gar nichts vom jungen Herrn Zeron wissen, sondern erklärte ihm ruhig,
dass die Herrschaften zwar nicht nur zum spielen gekommen seien, der kleine Türspion jedoch gerne mal höflich mit den hohen herrschaften
reden dürfe.

Hochrot wurden die ohren des kindes, als er nun die Lauschetat nur
andeutete und grinsend fügte da der kleine Wicht im wegdüsen an:

"Find ich gut, dass Shanna und Lias sich lieber ham als meine Ma den Pa
hatte... find ich gut!"

Entgeistert starrte Elias dem Kind nach und wusste nicht genau was er
von der Anmerkung halten sollte.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Als sie zwischendurch
klar denken konnte, dachte sie über den Kuss nach
er war so anders gewesen, so anders als der von
Markus und um weites anders als der von Halvar.
Markus kuss war etwas was man nicht beschreiben konnte.
Halvars Kuss war einer der ihre pure Lust wecken
konnte, ihre reine Begierde, ohne Liebe.

Lias Kuss, war so unendlich weich gewesen.
Ein Gefühl das einen alles vergessen lies.
Noch im Schlaf leckte sie sich über die Lippen.
Es sah aus als habe sie durst, doch ihr Unterbewusstsein
wollte sicher gehen, dass sie jenen Kuss nicht geträumt
hatte. Sie musste mit Lias reden, sobald sie wieder
auf den Beinen war und vor allem, sie musste
ihren kleinen Bruder Niall abholen von Bajard.

Dann duselte sie wieder ein und das Waisenhaus und die
Welt um sie herum versank in der Welt der Träume.
Bevor sie aber im Land der Träume versank, bat sie Lias mehr als
inständig niemals den Namen Halvar auszusprechen.
Es war ihr geheimniss. Er hatte sie nach ihm gefragt und
sie hatte es ihm erklärt, doch war es ihr wichtig
das er niemals den Namen auch nur erwähnte.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Niall war endlich da und sie freute sich darüber. Wie selbstverständlich nahm sie ihn an die Hand führte ihn langsam durch das Waisenhaus und beobachtete dabei seine Miemik. Er erinnerte sie an sich selber
vor vier Sommern. Damals war es ein Gift gewesen das sie erblinden lies, ihr ihre Vergangenheit nahm, und es waren Freunde des Waldes gewesen die ihr mit Mühe das Augenlicht wiedergegeben hatten.

Sie wusste nur zu gut, wie es in der Welt der Schwärze aussah, schon alleine deswegen war Niall für sie keine Last. Er würde auch nie eine
werden. Eines aber wusste sie, sie würde ihn seine Welt alleine entdecken lassen. Sie würde ihm nur seinen Weg zeigen, den Rest musste er alleine gehen.

Mühsam stand sie von ihren Fellen nahe der Kinderzimmtüre auf um
Sarah zu wecken. Es war Fünfte Stunde Morgends und langsam
mussten die Schuessel für den Brei vorbereitet werden. Lias war schon mit Zeron unterwegs Holz zu hacken, damit es wenigstens diesen Morgen nicht im Waisenhaus fror.

Darna beobachtete sie, aber vermutlich kannte sie es
Stolz zu sein, über Dinge nicht reden zu wollen. Mit ruhigen Griffen band sie sich ihren Gurt um das linke Knie und wuselte dann als wäre nie etwas gewesen ruhig im Haus umher. Darna lernte langsam wie man ein Kind wickelte, denn es waren derer zwei und wenn das eine schrie, schrie auch das andere, also mussten beide gleichzeitig versorgt werden, damit die älteren noch ein wenig schlafen konnten.

Darnas Gesicht bei jener Tätigkeit verriet ihr, dass jene nicht anders empfand, als Shanna selber noch vor zwei Sommern. Damals wollte sie Kinder nichtmal auf zwei Schritt in ihre Nähe kommen lassen. Jetzt hatte sie aber eine Schuld zu begleichen und sie hatte angefangen jene Kinder zu lieben. Darna würde das auch irgendwann können.

Sie dachte daran das Cathal bei ihr und Niall geschlafen hatte und wie er am anderen Morgen sie ausschlafen lies und als wäre er es gewohnt Sarah geweckt hatte. Langsam kamen ihre Kräfte ihre Körpers wieder zurück und noch immer half Cathal mit . Ihr Blick war das einzige was ihm ihren Dank entgegenbrachte.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Erschöpft hatte sie sich Nachts ihr Knie gerieben. Nur noch drei Stunden blieben ihr, dann musste sie wieder aufstehen. Innerlich seufzte sie leise und blickte im Mondschein neben sich. Nialls feines Gesichtchen wirkte so unendlich ruhig im Schlaf und Cathals feines Gesicht ebenso. Sie war dankbar das Cathal momentan im Waisenhaus schlief.

Leise musste sie lachen, als sie an Ronyas Gesichtsausdruck von gestern Nacht dachte, als Shanna ihr eines der Wickelkinder in den Arm gedrückt hatte. Ronya hatte das kleine etwas von sich weggehalten, als könne es sie beissen. Das eine Wickelkind hatte ein Bein nur so lang wie der andere Oberschenkel war und würde nie richtig laufen können, dass andere hatte eine Hasenscharte, beides waren ausgesetzte Kinder. Eines der älteren Mädchen hatte sie zwischen Muell und Unrat in den Gassen des Armenviertels von Varuna gefunden und direkt mitgebracht.

Darna war in der Nacht noch los und hat Nahrung aus den Läden besorgt und Cathal kam ebenfalls mit Nahrung, damit konnte sie wenigstens zwei Tage lang die Bäuche der Kinder füllen, morgen wollte sie Dinge von der Bäuerin Auenfeld abholen. Dann kam man noch länger hin mit der Nahrung, vielleicht sogar einen Monat lang. Sie dachte an Ronyas Gesicht als sie, Shanna, sich wagte etwas zu essen. Ronya hatte gelächelt und

Na endlich

gesagt. Shanna versuchte langsam zu essen und nicht zu schlingen. Sie hatte die Tage lieber ihren Anteil des Essens den Kindern gegeben und selber verzichtet, denn es gab nichts schlimmeres als quengelnde kleine Kinder die Hunger hatten.

Leise stand sie auf, band sich den Gurt um ihr Knie um vernünftig laufen zu können. Nur die wenigsten wussten davon, Ronya, Cathal und Elias. Nur die drei wussten um ihre Verletzung die sie vor einem Sommer durch eine Folterung erlebt hatte. Wo irgendwelche Gestalten ihr mit einem glühenden Dolch das Knie durchstochen hatten und sie ohne den Gurt das Bein nicht mehr gebrauchen konnte. Manchmal wenn das Wetter umschlug waren die Schmerzen fast unerträglich, aber sie kannte es nicht Schwächen zu zeigen. Selbst die Kinder wussten nichts vom Gurt, sie verheimlichte es so gut sie konnte, sie wollte nicht als Krüppel dastehen, sie wollte vorrankommen und nicht auf der Stelle stehenbleiben.

Geschlafen hatte sie kaum, ihre Gedanken hingen bei Darna, Sarah und Zeron. Hilfe war ja immer was feines, aber momentan bedeutete es für sie um so mehr Arbeit. Sie musste die drei einweisen, aber sie wusste nicht wie. Zu gross war ihre Angst, ihr Stolz, irgendwann gehen zu müssen, weil man sie nicht mehr brauchte. Sie konnte nicht gehen, noch nicht, sie musste erst ihre Schuld begleichen. Als sie Sechzehn Sommer alt war, gebar sie einen Sohn, der nur drei Tage alt wurde, weil sie so töricht war sich zwischen zwei streitende Männer zu stellen. Der eine hatte sie weggeschubst und dann mit blank gezogenem Schwert zugeschlagen. Stundenlang hatte sich ihr Sohn gequält gehabt, bis er endlich erlöst war und starb.

Jene Schuld musste sie für sich begleichen. Sie hatte damals nichtmal richtig Zeit gehabt zu trauern, als sie die Rache plante und vollziehen wollte, wurde sie gefangen genommen. Sie konnte ihre Rache nie vollziehen, aber vielleicht konnte sie mit den Kindern ihre Schuld auf sanfte, liebevolle Weise begleichen. Zu den Waisenkindern, egal ob sie weiblich oder männlich waren, war sie immer die sanfte, liebevolle, die aber auch streng sein konnte. Zeron hatte gleich in der ersten Minute gesehen, wie schnell sich ihr Gemüt ändern konnte, zu ihm war sie eher kalt, nicht abweisend, aber von oben herrab. Er war für sie nur ein Mann, einer von vielen. Sie hatte sich vor Jahren geschworen, kein Mann würde jemals sie von oben herrab behandeln. Niemals wieder.

Ruhig weckte sie Sarah und aus dem Essen was Darna und Cathal mitgebracht hatten, zauberten sie zusammen ein Frühstück, dass den Kindern vorzüglich schmeckte. Zwischendurch versorgte sie die Wickelkinder und Cathal sammelte die älteren um sich und brachte ihnen auf spielerische Weise lesen und schreiben bei. Manchmal stand Shanna einfach nur da und hörte zu, wärend Cathal vorlas, abfragte, buchstabierte und die Kinder mit Interesse zuhörten. Die kleineren spielten in einer anderen Ecke mit den Holzfiguren oder spielten draussen auf dem Vorplatz Händespiele. Das war die Zeit in der Shanna dazu kam Briefe zu schreiben und mit Sarah das Mittagessen vorbereitete. Die zeit in der Shanna kurze Zeit entspannen konnte, genauso wie am Nachmittag.
Niall Llastobhar

Beitrag von Niall Llastobhar »

Es ging eigentlich alles so schnell und war so unheimlich spannend.
Zwar hatte einer der anderen kleinen Jungen lange darüber geschimpft,
dass er nicht mit Niall spielen wolle, da er sich ja nicht anstecken wolle
aber ein größeres Mädchen hatte ihm dann ganz schnell die leviten gelesen
und ihm erklärt, dass man sich an der Blindheit nicht anstecken könne.

Ähnlich wie Elias erzählte Niall so gerne und freute sich, wenn dann die
anderen still lauschten und er nur die "Ahs" und gehauchten "Ohs" hören
konnte. Ausserdem erfanden die meisten dann noch selber die ein oder
andere erzählung und auch er lauschte dann schweigend und begann zu
verstehen wie viel schlimme dinge seinen neuen freunden passiert waren.

Ein Mädchen sprach immer gar nicht und Shanna hatte ihm erzählt, dass
sie vermutlich stumm war oder aber aus irgendeinem grund nicht mehr
reden wollte, so hatte Niall sich am anfang immer nur über das leise
atemgeräusch gewundert und nicht verstanden, wer da neben ihm stand.

Allerdings hatte Kalena, so der Name des Mädchens, die Angewohnheit
wilden, getrockneten Lavendel auf den Händen zu verreiben.
Ihre Mama war Blumenbinderin, so hatte ein anderes Kind erklärt- und
Niall hatte den Geruch bald ihr zugeordnet.

Es war alles so wunderbar an diesem Ort mit all den Kindern, dass der
schwächliche, kranke Knabe seine Lungenschmerzen für eine geraume
zeit vergessen konnte und einfach nur glücklich war.

Das alles verdankte er Shanna...
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Ein fast normaler Tag

Leise stellte sie das Tablett vor die Tür und fragte sich, was er heute wohl übriglassen würde. Sie hatte noch nicht wirklich raus, was Sir Aradan zum Frühstück bevorzugte. Ein Schälchen Blatt- oder Karottensalat schienen nicht dazuzugehören. Nun ja.
Sie prüfte rasch ihre Kleidung, kämmte sich nochmal über und eilte dann in die Kirche. Wenn sie danach zurückkam, war ihr Herr meist schon selber unterwegs, deswegen hatte sie sich darauf verlegt, das Frühstück machen dem Morgengebet voranzustellen.
Dann hatte sie ein paar wenige Stunden, um Shanna etwas zur Hand zu gehen - und lieber schleppte sie Sachen durch die Gegend, holte eimerweise Wasser vom Brunnen oder räumte mal wieder die Spielsachen auf, als ausgerechnet einen Säugling zu wickeln. Aber es musste ja getan werden... Das erste Mal hatte sie Shanna angesehen, als hätte ein Zweikopf sie zu Tee und Keksen eingeladen.

Im allgemeinen wusste sie mit Kindern kaum umzugehen, und es hatte bislang keinen Tag gegeben, wo die "Mutter" des Waisenhauses bei der Knappin ein Lächeln gesehen hätte, egal wie ansteckend fröhlich die Stimmung um sie herum gewesen wäre. Sie schien für Niedlichkeiten keinerlei Sinn zu haben und in den Kindern lediglich spätere Erwachsene zu sehen.

Dann war es rasch auch schon Zeit für den Gardedienst, vormittägliche Patroille durch die Stadt, dann verschiedene Besorgungen und Arbeiten in der Rüstkammer oder im Kastell allgemein - als Hauswart und Gehilfin des Versorgungsfeldwebels gab es genug zu tun. Heute gab zudem Gardist Falkenau seine Ausrüstung an die Garde zurück und schied damit offiziell endgültig aus dem Dienst aus. Darna bedauerte dies - er hatte sich als angenehm zuverlässig erwiesen und sie sah keine Probleme darin, ihm ihr Bedauern so auch mitzuteilen, doch das folgende Gespräch musste sie zu ihrem weit größeren Bedauern deutlich rigoroser wieder abbrechen... mochte Saldor denken und erfahren haben, was er wollte, sie würde nicht dulden, daß er über das Grafenhaus und ihren Ritter schlechte Worte verlor. Was glaubte er, wo er sich befand, woanders als mitten im Gardekastell? Eine harsche Warnung reichte zum Glück, doch der Nachgeschmack des Gespräches lag bitter auf der Zunge.
Danach zögerte sich der Dienstschluß hinaus - eine Ordnungsangelegenheit war mit Herrn Crain zu klären und eine neue Kadettin sollte eingekleidet werden. Darna erklärte der neuen Kameradin gleich grundlegende Dinge zum Verhalten in der Rüstkammer mit.

"Wie lange ist es jetzt eigentlich schon wieder dunkel?!" Seufzend zog sich Darna um, legte die Tunika für grobe Arbeiten gleich an, machte sich aber erst auf den Weg zurück zum Waisenhaus, nachdem ihre Dienstrüstung wieder in tadellosem Zustand und in Öltuch eingewickelt in der Kiste lag. Ordnung musste sein.

Im Waisenhaus sah es natürlich wieder aus, als hätte sie nie aufgeräumt...
Und irgendwie benahm sich Frau Llasthobar seltsam, so nervös hatte Darna sie bislang noch nicht gesehen. Was mochte mit dieser Frau Ronya sein, die angeblich "menschenscheu" war, sich aber nach einer schlußendlich dann doch erfolgenden Vorstellung recht lebenslustig und wenig scheu zeigte? Irgend etwas war hier faul, doch Darna war geistig zu erschöpft, um dem auch noch nachgehen zu wollen.
Als sie allerdings hörte, daß das Waisenhaus derzeit mit drei Krügen Milch dastand, horchte sie auf - das war nun wahrlich kein Zustand. Nachdem sie angeboten hatte, Essen zu besorgen, sah sie Shanna abwartend an, daß sie die letztendliche Zustimmung gebe. In ihrer wie üblich korrekten Haltung machte die Knappin damit glatt den Eindruck, als erwarte sie Befehle von der Leiterin des Waisenhauses - und eigentlich war dem auch so.
"Lasst doch das 'Frau', Darna", seufzte Shanna, "ich bin doch sogar jünger als Ihr."
"Verzeihung, Fräulein Llasthobar." Kurz sah Darna zu Ronya - was mochte es da zu grinsen geben? Egal. Endlich bot sich eine handfeste Möglichkeit, für das Waisenhaus etwas zu unternehmen, und schneller als Shanna "Würdet Ihr noch einen Säugling wickeln wollen?" sagen konnte, war die Knappin aus der Tür.

Der Wind pfiff ihr um die Ohren und Darna fragte sich drei Dinge:
- wie oft würde sie noch diese Litanei "Verzeiht die späte Stunde, doch es geht um einen Notfall. Das Waisenhaus zu Varuna steht ohne Lebensmittel da und ich benötige alles, was Ihr zu dieser Stunde entbehren könnt. Natürlich zahle ich, wie es sich gehört" vor einem Händler herunterleiern müssen, bis sie genug Essen und Trinken zusammen hatte?
- ob Stallmeister Brad es ihr übelnahm, daß sie derartig in seinen Stall "eingefallen" war und die rasche Sattlung ihres Pferdes verlangt hatte, ohne daß sie sich mit zu vielen Höflichkeitsfloskeln aufhielt?
- ob es in diesem Waldstück klüger gewesen wäre, eine Laterne zu entzünden, oder ob dies nur unliebig auf sie aufmerksam gemacht hätte? Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, wären Räuber...
"Da ist das Feuer von dieser seltsamen Ruine. Gut. Dann bin ich ja noch auf dem richtigen Weg." Sie ritt einen Bogen herum und galoppierte in gestrecktem Galopp weiter nach Bajard.

Als sie von ihrer hastenden Reise voller Bittgesuche an die Bäcker, Fleischer, Fischer und Tavernenwirte von Varuna und Bajard zurückkehrte, war ihr Pferd Sandsturm ziemlich am Pusten und sie wollte sich auch nicht mehr lange aufhalten - sie Idiotin hatte ihren Umhang über der Lehne im Waisenhaus hängen lassen und fror ziemlich. Aber der Inhalt der Satteltaschen und Shannas Gesicht machten alles wieder wett...
und bestärkten Darna in ihrer Meinung, daß Sir Aradan über diese kleine Aushilfe und vor allem die Kosten nicht informiert zu werden brauchte. Auf ihn käme noch genug zu, und sie kam derzeit gut zurecht, was ihre Finanzen betraf.

Aber musste sie sich danach noch einen Streit geben?
"Paragraph 3.7 der neuen Gesetze", zitierte sie inzwischen genervt und etwas lauter als üblich, "besagt, daß das Erlegen von Tieren nur noch innerhalb der Stadtmauern von Varuna und Berchgard verboten ist. Und für die Aktualität dieser Gesetze verbürge ich mich!"
Zum Donnerkuckuck! Wollte diese Person mit ihr über die Aktualität der Gesetze debattieren, die sie gerade erst vor wenigsten Wochen mit Leutnant Krenor in der Ausbildung durchgegangen war?
"Dann werde ich gleich morgen jagen gehen. Vor dem Westtor. Dann ist es nicht so weit zum Waisenhaus", erwiderte Ronya in provozierend wirkendem Tonfall.
"Waidmannsheil", erwiderte die Knappin lediglich etwas frostig.
Ein Verwandter von Fräulein Shanna traf noch ein, und Darna stellte fest, daß weiße Haare hier auf Gerimor wirklich weit verbreitet schienen. Es schien der Familie Llasthobar zu eigen zu sein, dem Grafen, Gnaden Valeth, Herr Anghar Tagkon... sie war zu müde, um sich darüber noch zu wundern.
"Entschuldigt mich bitte. Nicht nur ich, sondern vor allem mein Pferd bedürfen nun der Ruhe."

Sie brachte das Pferd zu Brad zurück, versorgte es aber selber und brachte es in die Box, das wollte sie dem Stallmeister jetzt nicht auch noch zumuten. Sie klopfte dem braven Tier das Fell und wanderte nun rechtschaffen müde nach Hause. Inzwischen kam ihr sogar der Gedanke daran, wieder neben den Sägespänen der Hobelbank einzuschlafen, vertraut und gemütlich vor - man gewöhnte sich an alles.
Allerdings war ihr "Tag" erst zuende, nachdem die Kleidung ihres Ritters und ihre eigene ausgebürstet und ordentlich zusammengelegt war, ein paar Handgriffe brachten ein wenig weitere Ordnung in die Wohnung, seine Rüstung musste noch geputzt und bereitgestellt werden.
Sie dachte kurz an die Texte über die Schreine, an denen sie derzeit schrieb, soch sie hätte kein Wort mehr sauber zu Papier gebracht.
Rückwärts ließ sie sich in das Kissen fallen - auf sie warteten nur wenige Stunden Schlaf, dann fing es mit dem Frühstück wieder von vorne an...
aber egal. Sie war schließlich Knappin.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Lias hatte recht gehabt. Mit dem Knie wurde es schlimmer, aber nur weil sie keine Schmerzmittel mehr hatte. Sie war für den Moment dankbar das Darna da war, und Ronya , Cathal und Elias. Immer öfter setzte sie sich hin und rieb ihr Knie langsam.

Sie wusste das Ronya sich Sorgen machte und auch das Lias sich Sorgen machte. Irgendwann würde sie vielleicht jemanden finden, der ihr günstig etwas gegen die Schmerzen geben konnte, jetzt wo langsam die Schneeschmelze eintrat war es am schlimmsten. Oft stützte sie ihr Gesicht in ihre blassen schmalen kleine Hände und seufzte schwer.

Wenn Aradan es erfuhr würde er ihr vielleicht kündigen, wozu sollte er einen Krüppel als Amme dulden? Nein! Soweit durfte es gar nicht erst kommen. Die Zähne zusammen beissend verrichtete sie jeden Tag aufs neue ihre Arbeit. Sie wurde zwar blasser durch die Anstrengung die sie sich so gut es ging nicht anmerken liess, aber solange es noch ging, wollte sie durchhalten.

Wiedereinmal war Waschtag angerückt und sie und Darna hatten alle Hände voll zu tun. Die Kinder hatten entdeckt wie schön Baden doch war und waren ausgelassen und ungestüm. Hinterher waren beide genauso nass, als hätten sie mit gebadet. Doch brachte es ein wenig Sonne in Shannas Gesicht. Mit leisem Lachen wischte sie Darna den Schaum von der Nasenspitze. Wärend die älteren die jüngeren abtrockneten und anzogen unter Kissenschlachten und wildem Toben, leerte Shanna den grossen Wasserkübel und füllte ihn mit sauberen Wasser auf, denn jetzt war es an den Ammen, Knappen und dem Knecht sich zu baden.

Sie selber ging als letzte baden. Wärend die anderen das Essen vorbereiteten und den Kindern Geschichten erzählten. Sie genoss den kurzen Moment, in dem ihr Bein unbelasstet, fast schwebend im Wasser ruhte. Ihr langes Haar wellte sich leicht über ihre schmalen Schultern. Den Kopf lehnte sie an die Kübelwand und sie liess sich waschend ihre schmalen Hände über den zerbrechlich wirkenden Körper wandern. Man sah die Narben die langsam verblassten, von etlichen Kämpfen auf ihrer weichen Haut.

Nach dem Baden setzte sie sich an den schrifftlichen Kram. Sie kontrollierte die Lagerbestände und die Spendenbeträge. Viel war es nicht, aber sie nagten wenigstens nicht mehr am Hungertuch, dank vieler helfenden Hände. Ihre gesamte Familie auf Gerimor, Aradan selber und auch unbekannte, Darna, Ronya und Sarah. Selbst die Kinder taten ihres dabei. Oftmals sah man einige bei Elias sitzen und sich ein wenig über die Schneiderkunst zeigen lassend. Sie liebte solche Momente in denen sie die Ruhe fand alles zu kontrollieren.
Elias Finn Maron

Beitrag von Elias Finn Maron »

Still verschwand er am Abend heimlich nach Bajard um sich dort in seinem
Zimmer über der Laterne an einem ganz besonderen stück zu arbeiten.
Sein letzter Auftraggeber hatte ihm die feine, lange Stoffbahn als
bezahlung überlassen und er wollte sie nicht einfach vergeuden oder
irgendjemand verkaufen- für ihn war dieses Stück Wildleder hart erarbeiteter
Lohn und zugleich ein Material mit dem er nicht oft in berührung kam.

Deshalb hatte er beschlossen dass diese Lederbahn etwas besonderes,
schönes werden sollte und sein werk würde er dann nur an jemand ganz besonderen geben... ein Geschenk sollte es werden.

Schmunzelnd beugte er sich im licht der kleinen Ölflamme über seine Arbeit
und stach die nadel dank dem fingerhut tiefer ins Leder.
Sie sollte wieder lächeln können...
Antworten