Aus den Aufzeichnungen eines Taugenichts:
Vallas ist fort...
Vorsichtig befreie ich mich aus dem Griff der beiden Frauen an meiner Seite und sinniere mit einem Grinsen über die letzte Nacht. Minfays Mädels waren schön, experimentierfreudig und gefährlich - vielleicht sollte ich die längst überfällige Rechnung endlich einmal bezahlen... Das Grinsen vergeht mir jedoch, als ich draußen den nervigen Herold herumschreien höre: Vallas ist tot. Vallas... Ich hatte den alten Bastard für unbesiegbar gehalten; mein Mentor, mein Lehrmeister, mein Käpt'n! Scheiße! Und jetzt?
Nachdem ich das Kunsthaus mit angezündet hatte, wurde es langweilig. An Blut, Alkohol und Frauen fehlt es mir zwar nicht, aber das ändert nichts an der Langeweile. So manch' ein fetter, hässlicher Adelsspinner aus dem Osten würde allerdings gerne mit mir tauschen wollen; ein Gedanke, der mir das Grinsen ins Gesicht zurücktreibt.
Die Insel hat sich stark verändert, seitdem Vallas fort ist: Wo einst 'ne starke Gemeinschaft herrschte, wird sich nur noch angezickt. Ich hab's Vallas gesagt: "Amigo, Weiber sind nur dazu gut, um ordentlich durchgefickt zu werden, zu kochen, Wäsche zu waschen und Kinder großzuziehen", aber er hatte es sich anders überlegt: "Seefrauen" haben hier nun das Sagen. Verdammte Scheiße! Gibt's das Wort überhaupt? Es ist von "Seemännern" die Rede, nicht von irgendwelchen Weibern, die meinen, dem starken Geschlecht ebenbürtig zu sein! Was hat's der Insel gebracht? 'Nen Scheißdreck!
Vallas! La Cabeza braucht dich, du Penner, komm' gefälligst zurück!
(Zweihundertfünfundfünfzig, am fünften Tag des Alatners)
Mit diesen Worten endet der Eintrag im Tagebuch. Sorgsam wird das Büchlein verstaut und versteckt. Es sollte ja niemand auf die Idee kommen, dass das 'Arschloch aus Leidenschaft' eine vermeintlich sentimentale Seite hat, um Tagebücher zu führen...
"Unkraut vergeht nicht" - Ein Tagebuch
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Alessio Moranys
Aus den Aufzeichnungen eines Taugenichts:
Angeschossen
Liebes Tagebuch,
war neulich wieder in diesem Dreckskaff Bajard und hab' wen überfallen. Hat mir keine halbe Krone ausgehändigt, der Bastard. Da hätte ich mir den Schuss sparen können. Munition und Schießpulver kosten sowieso verdammt viel. Na ja, Macht hat ihren Preis. Kiara war auch da. Ob sie mich verpetzt hat? Denke nicht, die Puppe steht auf mich. Wie jede Frau. Wird schon die süße Klappe halten. Und wenn nicht - sollen sie doch kommen! Sollen sie alle herkommen! Vielleicht steckt unter diesen Vielen einer, der mir das Wasser reichen kann! Größenwahn, liebes Tagebuch? Kaum. Nur die blanke Wahrheit. Nein, lebensmüde bin ich auch nicht. Ich hab' nur keine Angst vor dem Tod. Hab' genug gelebt. Und vielleicht sehe ich sogar Ivy in Kra'thors Reich wieder. Ob ich mich sogar nach dem Sterben sehne? Na ja, manchmal. Was soll ich noch hier? Ein letzter Kampf auf Leben und Tod hätte schon seinen Reiz.
Ivy... Du fehlst hier. Nach wir vor.
(Tag siebenundzwanzig des Alatners im Jahre zweihundertfünfundfünfzig)
Angeschossen
Liebes Tagebuch,
war neulich wieder in diesem Dreckskaff Bajard und hab' wen überfallen. Hat mir keine halbe Krone ausgehändigt, der Bastard. Da hätte ich mir den Schuss sparen können. Munition und Schießpulver kosten sowieso verdammt viel. Na ja, Macht hat ihren Preis. Kiara war auch da. Ob sie mich verpetzt hat? Denke nicht, die Puppe steht auf mich. Wie jede Frau. Wird schon die süße Klappe halten. Und wenn nicht - sollen sie doch kommen! Sollen sie alle herkommen! Vielleicht steckt unter diesen Vielen einer, der mir das Wasser reichen kann! Größenwahn, liebes Tagebuch? Kaum. Nur die blanke Wahrheit. Nein, lebensmüde bin ich auch nicht. Ich hab' nur keine Angst vor dem Tod. Hab' genug gelebt. Und vielleicht sehe ich sogar Ivy in Kra'thors Reich wieder. Ob ich mich sogar nach dem Sterben sehne? Na ja, manchmal. Was soll ich noch hier? Ein letzter Kampf auf Leben und Tod hätte schon seinen Reiz.
Ivy... Du fehlst hier. Nach wir vor.
(Tag siebenundzwanzig des Alatners im Jahre zweihundertfünfundfünfzig)
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Alessio Moranys
- And more than ever, I hope to never fall, where enough is not the same it was before.
Der kalte Regen ließ nicht nach. Wie kleine Eiszapfen bohrten sich Tropfen in die Haut. Regen - im Grunde nichts Ungewöhnliches für die heiße, cabezianische Insel. Dieser war jedoch anders: Er ließ einen unheilvollen Klang im Kopf ertönen; erzählte von Tod und Verderben. Runa sagte, sie hätte eine Gruppe Piraten vor ihrem geistigen Auge gesehen, die sich gegenseitig abschlachteten. Uns bedrohte ein ähnliches Schicksal. Seitdem in der Nähe La Cabezas eine Spukinsel gesichtet wurde, drehte sich der Alltag auf den Kopf: Bewohner wurden zu Zombies, verloren ihren Willen und zeigten sich aggressiv. Regelmäßig spielte der Verstand verrückt, während man im Kopf Bilder vergangener Tage und einst geliebter Menschen sah. Nachdem ich verflucht wurde, stieg die Furcht vor solchem Hokuspokus in mir. "Voodoo" nannte man diese eigenwillige Form der Magie. Und sie war verdammt echt.
Die letzten Vorbereitungen waren getroffen und die Toro konnte endlich in See stechen. Erdrückend lagen Sorgen und Zweifel in der Luft. Man warnte die Mannschaft, dass im Zielgebiet unser Feind nicht mit Waffengewalt zu besiegen sei. Ein gefestigter Geist sollte mehr dienen, als die schärfste Klinge aus Mithrill. Kein Mensch ist frei von Zweifeln. Dieser Gedanke prägte die Atmosphäre, jeder hatte Angst ums kostbare Leben. "Land in Sicht", die Crew teilte sich auf, nutzte Ruderboote, um die letzte Distanz zwischen Toro und Spukinsel zu überbrücken. Es wäre viel zu einfach gewesen: "Scheiße! Wo kommt der Sturm auf einmal her", hörte ich einen Kameraden aus dem Krähennest fluchen, und die Boote wurden von einem riesigen Wirbel verschluckt. Als ich meine Augen langsam öffnete, befand ich mich auf der Insel. Gemeinsam mit Runa, Bartos, Diego - und Ivy.
Freude erfüllte mich, wie lange nicht. Ich eilte in die Richtung der Gestalt meiner alten Liebe, umarmte sie, drückte sie an mich. Ihr Aussehen, ihr Duft, ihre Stimme - zweifellos, ich hatte meine Ivy wieder. Jedoch nicht lange: Ihre Arme fingen an, zu bluten, trennten sich langsam vom Körper. Sie schrie. Anschließend rollte ihr Kopf. Ich starrte den blutigen Leib an, während mich die Szenen der öffentlichen Exekution in Bajard ereilten. Trauer und Zorn reichten sich in meinen Gedanken die Hände. "Tar, ich verfluche dich! Dich und dein Volk", ließ ich brüllend meinen Unmut frei. Gefühlte zwei Herzschläge später stand die Gestalt des verhassten Ala'thraxors vor mir. Ich zögerte nicht und stach mit meinen schweren Entermessern nach dem Letharenkörper, verfehlte ihn und hörte ein hämisches Lachen.
Gemeinsam mit Bartos und Runa gelang mir die vermeintliche Rache. Denn: Erst Mayas Stimme in meinem Kopf versicherte mir, Opfer vieler Illusionen geworden zu sein. Vor einer großen Schatztruhe in der Nähe eines riesigen, vom Nebel umhüllten Baums tobte die Schlacht zwischen Piraten, zwischen Kameraden, geleitet von Blutlust; die Vision, von der mir Runa berichtet hatte, wurde Realität. Die Arkoritherin konnte mich davor bewahren, ebenfalls Opfer des blinden Zorns zu werden, um meiner Crew zu helfen. Der Schatz? Dieser bestand lediglich aus einer Schrift: "Der kostbarste Schatz, ist das Leben selbst". Ich musste lächeln, neigte den Kopf und wenngleich der Tod meiner einstigen Gefährtin ein klaffendes Loch hinterlassen hatte, war ich glücklich.
Im Stillen vernahm ich mich flüstern, während der riesige Baum lichterloh brannte: "Verena, Rico, ich bin bald wieder daheim."
- 'Cause without your love, my life ain't nothing but this carnival of rust.
(Poets of the Fall - Carnival of Rust)
Zuletzt geändert von Alessio Moranys am Mittwoch 13. November 2013, 16:57, insgesamt 2-mal geändert.