Possenspielchen...

Sebastine Valliere

Possenspielchen...

Beitrag von Sebastine Valliere »

„Verdammt!“ ungehalten fluchend zog und zerrte sie an dem Stück Robe, das sich in einer Ritze an der Treppe der Kutsche unlösbar verfangen zu haben schien. „Dieser vermaledeite stinkende Fetzen!“ zischelte sie, immer fester an dem Stoff ziehend. Viel zu gross schien die Robe ihr zu sein, ausgebeulter Stoff umwob ihre Hüften und liess sie recht voluminös erscheinen. Einzig die Kontur der schmalen Schultern, vermochte erahnen zu lassen, daß sich unter der Gewandung ein doch recht zierlicher Körper verbarg.

Sie stolperte ein paar Schritte zurück, als der Stoff endlich nachgab und mit einem gedämpften ‚ratsch’ zerriss. Sie pustete sich die dunklen glatten Strähnen aus dem Gesicht und besah das Stück der Robe, das sie nun in der Hand hielt. Das Stück das abgerissen war klemmte nun in der Ritze an den Stufen und durch das Zurückstolpern ob des plötzlichen Nachgebens war die Robe nun bis auf Höhe des Oberschenkels gerissen. Missmutig sah sie in Richtung des Stadttores, war sie doch eigentlich froh, aus diesem Nest gefunden zu haben. Doch es half nichts, so konnte sie sich wohl keineswegs zeigen.

Sie passierte das Stadtor und sah sich zunächst unschlüssig um, als sie im Dunkel zwei Gestalten ausmachte, auf die sie nun zielstrebig zuhielt. Als sie ihnen näher kam war zu erkennen, daß es sich um zwei Männer handelte, die sich mit recht finsteren Blicken anstierten, untermalt von wildem Wortgefecht. Daß sie sich unterhielten interessierte sie überhaupt nicht, so platzte sie dazwischen und fragte zwar in gemessenen, doch durchaus barschem Ton nach einem Schneider, der sich ihrer Robe annehmen könnte. Die zwei drehten ihr die Gesichter zu und sahen sie an, sie hob nur die Brauen und blickte von Einem zum Anderen, das zerfetzte Stück der Robe noch immer in der Hand haltend.

Als der Mann zu ihrer linken sich endlich schickte ihr den Weg zu beschreiben, huschten die Blicke gen des Anderen und mit wachsendem Interesse betrachtete sie ihn. Ein süffisantes Grinsen im Gesicht musterte auch er sie. Von seinen Zügen liess sich in dem spärlichen Licht nicht viel erkennen, doch war er recht gross und aschblonde Haare, die ihm locker über die Schultern fielen umrahmten ein markantes Gesicht. Der Mann neben ihm versuchte ihr nun zu erkären, daß er zwar wüßte, wo sich eine Schneiderei befände, doch er sich sicher wäre, daß um die Zeit dort keiner mehr anzutreffen sei. Dann war von einer Taverne die Rede und ob sie vielleicht durstig sei. Sie wußte gar nicht wie ihr geschah, als die zwei aufeinmal wieder in Streit ausbrachen, doch nach so einem Tag hatte sie gewiss nicht die Muße sich das Gehacke zweier sich im hormonrausch befindenden Streithähne anzutun.

Zwei Minuten des Hin und Her ertrug sie, wobei sie, auch wenn sie keinen Schimmer hatte um was es eigentlich ging, sich zwei dreimal ertappte wie sie ob der Redegewandtheit des Blonden die den anderen mehr als einmal ins Stocken brachten in Schmunzeln verfiel. Doch der Umstand, daß es schon recht spät war und sie noch nicht gegessen hatte, zudem noch ein Zimmer brauchte und die Zwei hier sich wohl noch die halbe Nacht streiten würden, veranlasste sie schhließlich sich knapp zu verabschieden. Kurz zögernd ging sie dann Richtung Süden, hatte sie doch keinen Schimmer wo diese Taverne war. Glücklicherweise fand sich ein Mann, der ihr in kurzen Worten den Standort beschrieb, doch musste sie hierfür wieder an den noch immer streitenden Männern vorbei. Sie hob das Kinn und es mochte recht arrogant wirken, wie sie die beiden im Vorbeigehen kurz ansah, doch war sie nicht gewillt sich erneut mit ihnen zu befassen.

Dem Mann der sie gen Taverne wies nun dankbar zunickend, beobachtete sie mit wachsendem Unmut, wie nun scheinbar noch die Schlägerei zu dem Gehacke losbrach. Abseits blieb sie stehen und konnte sehen wie sich der Blonde abwandt und in ihre Richtung gehen wollte, doch schnappte sich der Andere seine Beine und brachte ihn hart zu Fall. „Jetzt reicht’s aber!“ mit sichtlich zu Unmut verzogenem Gesicht ging sie schnellen und festen Schrittes auf die Beiden zu. Im Gehen bemerkte sie nun noch einen dritten Mann, der sich wohl anschickte die Schlägerei zu schlichten. So hielt sie inne und atmete tief ein um zu ihrer Conteneance zurückzufinden, machte auf dem Absatz kehrt und lief nun endgültig in Richtung der Schenke. Unwirsch riss sie die Türen auf und ignorierte die beiden Personen, die die Taverne im selben Augenblick verlassen wollten. So orderte sie zwei Krüge Wasser beim Wirt und ließ sie auf eine der Bänke fallen. Endlich konnte sie sich dieser stinkenden Robe entledigen und auch ihre Stiefel fanden den Weg auf den Boden. Missbilligende Blicke ließ sie über die Kleider schweifen, die sie seit Reiseantritt trug, nahm sich im gleichen Zug fest vor gleich morgen früh einen der Schneider aufzusuchen. Als sie hörte, wie die Tür der Taverne geöffnet wurde fluchte sie innerlich, war wohl nichts mit der nun endlich einkehrenden Ruhe. Nach vorn auf den Tisch gelehnt wandt sie ihren Kopf dann doch Richtung des Eingangs und als sie sah wer da eingetreten war, dreht sie sich ihm auf der Bank halb zu…
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Ganz davon abgesehen das eigentlich er derjenige war, der diesen Streit regelrecht heraufbeschworen hatte, wurde es Anyaro langsam zu viel des guten. Dieser einfältige Bauer schien doch wirklich darauf aus ihn umzubringen, und das wegen eines lapidaren Grundes. Naja gut, er hatte sich ein wenig über ihn witzig gemacht, seine Ehre verletzt und die Wortwahl war auch recht beleidigend, doch konnte es sich Anyaro bei dieser Gestalt nicht nehmen lassen. Die Versuchung war einfach zu groß diesen Kerl ein wenig zu necken. Er wollte jetzt zumindest nur noch zu dieser unbekannten Frau, die nach dem Schneider fragte und nunmehr in der Taverne zu Bajard zugegen sein sollte.

Weit kam er jedoch nicht, denn etwas unsanft wurden ihm von hinten die Beine weggezogen, die ihn zu fall brachten. "Ist ja nicht zu fassen, dem Kerl zeig ich's" ging es wohl in seinem Kopf vor, als er sich blitzschnell aufrichtete und den Mann mit dem Hinterkopf am Kinn erwischte. So ganz gelungen schien es Anyaro zwar nicht, aber zumindest würde er einige Kieferschmerzen haben. Die beiden Männer standen sich nun gegenüber und warteten regelrecht darauf, auf einander loszugehen. Der Mann der kurze Zeit später hinzukam, wurde sowieso nicht beachtet. Den Streit noch schlichten zu wollen war einfach sinnlos. "Lass mich endlich in Ruhe, du nervst" mit diesen Worten wandte sich Anyaro um und wollte Richtung Taverne gehen, wozu er jedoch nicht kam, da zwei Hände ihn von neuem packten. Mit der Drehung schlug er nach hinten und traf ihn auch, jedoch ließ der Schlag zu wünschen übrig.

Im Endeffekt könnte man die gesamte Situation für ihn als reinfall bezeichnen, denn letztendlich kam er mit einer blutenden Augenbraue und ein paar Prellungen davon, während der andere..nunja nicht wirklich etwas abbekam. Der junge Kerl war nunmal nicht der stärkste, seine Begabung lag eher darin, die ihm in die Wiege gelegte Wortgewandtheit auszunutzen. Er wusste aber,dass ihn das irgendwann sicherlich umbringen würde, doch dieses mal kam er noch mit einem 'blauen' Auge davon.

Ein wenig lediert schleppte Anyaro seinen Körper in Richtung der Tavernenpforte, öffnete jene und trat ein. Sein Blick schweifte über den Raum und sogleich machte er die Frau von eben aus. Sie hatte sich ihm halb zugewandt, als er den Raum betrat. Gute Miene zum bösen Spiel war nun die Devise, und so schenkte er ihr ein gequältes jedoch süffisantes grinsen. Er ließ sich ihr gegenüber nieder und zog einen Stofffetzen hervor mit dem er seine Wunde säubern wollte. Dazu kam er jedoch nicht, da Sebastine anscheind nicht wirklich begeistert von der Idee war. Sie nahm ihn den Fetzen ab, murmelte etwas davon das es nur noch schlimmer würde, und besorgte von Dorian einen Krug frisches Wasser und eine saubere Bandage. Fein säuberlich reinigte sie die Wunde, während sie sich mit ihm unterhielt.

Anyaro schielte ein wenig zur Seite um sie genauer beäugen zu können, denn in der Dunkelheit zuvor war ihm nicht jede Einzelheit klar geworden. Ein schwaches schmunzeln umwanderte bei ihrem Anblick seine Gesichtszüge und von nun an konnte er nur schwerlich seine Blicke von ihr nehmen. Im Gegenzug wirkte es bei ihr fast genauso, aber wirklich aufgefallen war es ihm bis dato nicht.

Sie unterhielten sich noch über dies und das, jedoch war in dem Gespräch mehr süffisanz als sonstiges vertreten. Allmählich aber wurden die beiden Müde, und sie verabschiedete sich, da sie noch ein Zimmer zum nächtigen suchen wollte, und wirklich weiterhelfen konnte Anyaro ihr dabei nicht. Als sie die Taverne verließ blickte er ihr noch nach und ließ das Gespräch nachwirken. Verdammt! nun hatte er sich vorgestellt, aber ganz vergessen ihren Namen zu erfragen. Wieso hatte sie ihn auch nicht genannt? "Naja"..die Schultern hoben sich ein wenig empor. "muss ich sie wohl doch wieder sehen.." Dabei durchstriff ein breites grinsen seine Gesichtszüge, da er sie so oder so wieder hätte sehen wollen. Immerhin war sie ein hübsches Ding, ein wenig arogant aber das war Anyaro ja schließlich auch. Im allgemeinen wirkte sie ähnlich wie auf seiner Wellenlänge, und gerade das machte sie so interessant für ihn...

Die Püppchen mit ihrem ja und Amen waren ihm schon lange zu langweilig geworden. Über sie könne man sich lustig machen, aber zu mehr waren sie auch nicht zu gebrauchen. Aber diese eine...mit ihrem ebenso süffisanten lächeln...

Anyaro musste schmunzeln: "Prinzesschen, wir sehen uns wieder...."
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Als sie ihre Zimmertür in dem, um es vorsichtig zu sagen, doch recht spärlich ausgestatteten Gasthofe hinter sich schloss warf sie den Schlüssel auf den Nachttisch und ließ sich gegen die Tür sinken. Ein verschmitzes Lächeln huschte über ihre feinen Züge, als sie den Abend Revue passieren ließ, der eigentlich so begann, wie nur Abende beginnen, die für gewöhnlich im Desaster enden. Um so mehr freute sie sich über die Gesellschaft Anyaros, den sie schon bei ihrer ersten Begegnung, im Zwist mit diesem anderen Kerl, ausgiebig betrachtet hatte, doch nochmehr beeindruckte sie seine forsche Art und das verbale Geschick, das er bei dieser Auseinandersetzung, die selbst sie zum Schmunzeln brachte.

Sie stiess sich von der Tür ab und zog sich die zerfetzte Robe über den Kopf, welche sie ganz ihrer Art entsprechend einfach achtlos auf den Boden fallen ließ. Die Kleider die sie darunter trug waren auch nicht gerade besser und zeugten von eindeutigem Pflegemangel. Sie gedachte die Kleidung der Frau am Empfang zu geben, mit der order diese zumindest vom gröbsten Schmutz zu befreien, doch besann sie sich eines Besseren, denn wenn sie sich die Bettwäsche genauer besah, konnte sie wohl nicht davon ausgehen, daß ihre Kleidung nach der Reinigung besser aussehen würde. Sie würde morgen früh einfach gleich zum Schneider gehen, sie wusste ja nun wo dieser sich befand.

Gesagt, getan, am nächsten morgen, nach angemessener Ruhezeit, es musste gegen Mittag sein, verließ sie den Gasthof und bemerkte die Marktstände, die ihr in der Dunkelheit gar nicht aufgefallen waren. So verlangsamten sich ihre Schritte und verebbten schließlich als sie an den letzten Stand kam, an dem wohl ein Feinschmied aufgeschlagen hatte, um sich in Ruhe seine Waren zu besehen. Doch etwas das ihr ehrliches Interesse entlocken konnte, war darunter nicht zu finden, so drehte sie sich wieder ab um den Weg zum Schneider fortzusetzen. Doch…. Sie zögerte. Ein Mann weckte ihr Interesse, der fast so aussah wie… Er kramte in seiner Hosentasche und als er den Kopf zur Seite drehte und sie sein Profil sah, hob sie eine Braue, verschränkte die Arme und schmunzelte. Er hatte wohl nun gefunden, was er in seiner Tasche suchte, doch statt etwas damit zu machen, warf er es achtlos auf den Boden. Sie erkannte, es war ein Wollknäul oder soetwas in der Art. „Das ist der Umwelt aber nicht sonderlich zuträglich“, meinte sie dann, verschmitzt und die dunklen grünen Augen schienen erfreut zu schimmern als er sich ihr zuwandte und ebenfalls das Schmunzeln begann.

Nach einigem Geplänkel, das wieder eher von der Süffisanz, die ihnen beiden so zu liegen schien, als allem anderen bestimmt war, unterbrach sie ein Mann, der doch allen Ernstes fragte ob sie Feinschmiedin sei. Sprachlos wie sie war hob sie zur Antwort nur die Brauen und zeigte ihm die Innenflächen ihrer Hände, worauf nach einem Blick klar sein sollte, daß sie es durchaus nicht gewohnt war dererlei Tätigkeiten auszuführen. Frech war dieser Kerl, was Anyaro wohl zur Veranlassung nahm sich neben sie zu stellen und Partei für sie zu ergreifen. Sie hätte ihm die vermeintliche Unterstützung auch abgenommen, hätte er es nicht in einem Ton getan, der eher klang wie „ach lasst sie doch reden, lasst die Kleine mal in Ruhe..“ Doch darauf konnte Sebastine in jedem Fall verzichten, was sie Anyaro auch sofort und unverblümt kundtat. Recht verwirrt sah er sie daraufhin an und sie erwiederte seinen Blick; aus ihren Augen schien sie immerwährend zu schmunzeln, doch ihre Mine blieb ernst.

Der Kerl trollte sich dann unter irgendeiner gemurmelten Bemerkung, die Sebastine nicht mitbekam und Anyaro begleitete sie zum Haus des Schneiders. Keiner da. Schien öfter der Fall zu sein, denn Anyaro ließ eine dementsprechende Bemerkung fallen. Sie atmete tief ein und wieder aus, sie entschlossen sich zu warten, sie wollte ohnehin nicht unter die Leute in diesen zerfetzten Klamotten, über die Anyaro in den letzten Minuten natürlich auch dementsprechend herzog. Sie konnte ihn nicht so zurechtweisen wie sie eigentlich wollte, es war irgendetwas anders an ihm. Sie verstummten und Anyaro hockte sich auf einen der Tische und stützte sich etwas vorgebeugt mit den Händen auf der Tischplatte ab, ein stetiges süffisantes Schmunzeln schien auf seinen Lippen zu liegen. Sie besah ihn sich abermals, unaufällig von der Seite… Er hatte etwas… Etwas... Ihre Gedanken fanden ein jähes Ende als zwei weitere Frauen in den Laden traten, die wohl ebenfalls die Schneiderin suchten und nicht lange danach kamen noch zwei Männer herein. So standen sie nun zu sechst da und warteten….
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Ein wenig gelangweilt saß er dort auf dem Tisch, die Hände am rand abgestützt und die Beime baumeln lassend. Nur ab und zu wanderte sein Blick zu den Personen die nun ebenfalls in der Schneiderei anwesend waren. Viel bekam Anyaro jedenfalls nicht mit, etwas anderes belastete ihn, etwas das ihm keiner hätte ansehen können. Sicher, er sah vielleicht etwas nachdenklich aus, aber das könne so viele andere Gründe haben. Immer wieder lugte er einen kurzen Moment über die Schulter, wobei er einen Schlapphut erblickte, nicht sonderlich hübsch, aber darum ging es nicht. Die Hände zitterten leicht und er begann mit den Fingerkuppen auf dem Tisch umher zu trommeln, was schon recht bald Sebastine mitbekam.

Ihre Bemerkung darüber riss ihn aus den Gedanken, und er war heilfroh als endlich eine Schneiderin den Laden betrat. Gut, sie war nicht gerade die begabteste, wohl noch in der Ausbildung, aber es würde für einige einfache Dinge reichen. Jedoch befand sich ihr Laden in Varuna, was ihm nur alzu recht war. So begaben sich die drei zum Dorfausgang von Bajard und bestiegen die Kutsche um ihre Reise anzutreten. In der Stadt angekommen, begaben sie sich zu einer öffentlichen Schneiderei wo Sebastine ihre vorstellungen aussprach. Anyaro hingegen ließ seinen Oberkörper recht gelangweilt wirkend gegen die Wand lehnen und betrachtete das Gespräch.

"So, jetzt nur noch anprobieren" Sebastine warf Anyaro einen recht leicht zu deutenden Blick hinzu! 'Dreh dich um, ich bin gleich nackt' wäre ihm als erste Aussage in den Sinn gekommen. "Ich seh nix'" gab er darauf nur grinsend von sich, was ihm einen strafenden Blick der Schneiderin zuteil werden ließ. Aber auch wenn er sich desöfteren wie ein Rotzbengel verhielt, so hatte er von damals immer noch den Anstand im Kopf, den ihn auch dazu veranlassen ließ die Augen zu schließen. "Fertig"..Anyaro's rechtes Auge öffnete sich einen spalt weit. In seinem Blickfeld fand er, die nun in komplett in blau gekleidete Sebastine vor. "Naja, is' ganz ok, aber ein dunkles rot, sowie beige würden dir besser stehen" gab er darauf lediglich von sich und schloss jenes Auge wieder.

Er bekam nur noch ein tuscheln zwischen den beiden Frauen mit, und als sich das nächste mal seine Augen öffneten fand er sie mit den besagten Farben vor. "Naja, das rot is' zu hell, das beige zu gelblich" ..."Aber mir gefällts nun" bekam er darauf lediglich zu hören, worauf er nur die Schultern hob. Ihm war es mittlerweile egal, hauptsache er konnte die Örtlichkeit verlassen und vielleicht mal was essen oder trinken.

Ob sie gedanken lesen konnte? Egal, immerhin gab sie den Vorschlag zur Taverne zu gehen von sich. Wurde auch langsam mal Zeit, immerhin knurrte ihm der Magen seit einer Ewigkeit. Sie aßen und tranken etwas, redeten über dies und das, jedoch wirklich ernsthaft wurde es nie. Irgendwann wurde Anyaro wie zu oft wieder nachdenklich. Sebastine wollte wissen was mit ihm los sei, und er gab lediglich ein "Ich bin zu müde um noch ein Arsch zu sein" von sich, was sie offenbar, jedoch nicht für ihn, in den falschen Hals bekam. Recht schnell erhob sie sich, faselte noch irgendwas, das ihm in seiner Verwirrung darüber auch nicht weiterhalf und verschwand.

Was war denn das eben gewesen? Keine Ahnung, er war zu müde. Jedoch sollte er das recht bald klar stellen, immerhin war diese Frau verdammt hübsch und sowas konnte er sich nun wirklich nicht entgehen lassen. Oder einfach nur Gras drüber wachsen lassen? Er ärgerte sich selbst über seine Oberflächlichkeit, so lag doch auf der Hand das sie mehr Qualitäten als das reine äußere besaß.

Ein wertloser Becher, sowie ein Besteck fanden noch den Weg in die Tasche, vielleicht unbewusst, vielleicht aus Frust, doch er merkte es mittleweile nicht wirklich mehr. Die Tür der Taverne wurde mit einem leisen knarren geöffnet und so trat er auf die nächtlichen Straßen Varunas....
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Als sie sich in der Taverne gemütlich gegenübersassen und aßen, bemerkte sie wie gesittet und manierlich er das Essen zu sich nahm. Wahrlich ein viel zu selten gewordener Anblick, bei den Männern, die sie in letzter Zeit gesehen hatte, konnte man froh sein wenn man einigermassen ‚unbefleckt’ vom Tisch aufstehen konnte. Doch Manieren, gerade was das Essen anging, waren für Sebastine unabdinglich und einmal war sie angewiedert und wortlos aufgestanden als sie wieder so einem schmatzenden und kleckernden Kerl gegenüber saß, zwar zwei Tische weiter, doch hörte man ihn bis dorthin. Doch ganz abgesehen davon, hätte sie nichts anderes von Anyaro erwartet. Während sie aß, linste sie oft zu ihm, sah, wie er in seinen Erbsen nur stocherte und nicht wirklich hungrig kaute, als er sich ein Stück seines Brotes abbrach und in den Mund steckte. Sie wischte sich den Mund und lehnte sich zurück, nachdem sie die leere Schüssel wegschob und ihr Wasserglas näher zu sich stellte. „So still?“ fragte sie dann unvermittelt, den doch ungewönlich still gewordenen Anyaro mit ihren dunklen intensiv grünen Augen aufmerksam betrachtend. Zum ersten Mal sah sie ihn etwas ernster, um nicht zu sagen freundlicher und offener an.

"Ich bin zu müde um noch ein Arsch zu sein", erwiederte er und zuerst wußte sie gar nicht was er damit meinte, doch hatte sie eine Eigenschaft, die sie stets wohl verbarg. Die sie auch daran hinderte sich wirklich auf einen Mann einzulassen und die sie jetzt dazu brachte sich zu erheben. Sie nahm an er wollte ihr damit deuten, daß er gern ins Bett würde, doch ‚kein Arsch sein wollte’ und sie hinauskomplimentieren. Sich so nun also recht distanziert von ihm verabschiedend, kam ihr gar nicht in den Sinn, daß er es eigentlich ganz anders meinte… Nicht mal dann, als er sie recht verdutzt ansah, ob ihres raschen Aufbruchs hin. So verließ sie erhobenen Hauptes die Taverne.

Draussen angekommen sah sie sich um in der großen unbekannten Stadt. Sie ging über den Marktplatz und fand einen Gardisten, der ihr den Weg zu einem anderen Gasthof erklärte und sie dankte, recht schnell in die von ihm gewiesene Richtung verschwindend. Das Zimmer war rasch gemietet und ohne sich recht darin umzusehen, warf sie ihre Kleider auf den Boden und legte sich ins Bett. Natürlich dachte sie an ihn... Die ganze Zeit… Bis sie schließlich einschlief…

Am Morgen, oder besser frühem Mittag verließ sie den Gasthof nach einem ausgedehnten Frühstück und sah sich die Stadt an. Ein zwei Stunden wanderte sie umher und entdeckte schließlich einen niedlichen, schön angelegten und ruhigen Park und ließ sich auf eine der Bänke nieder. Dann zog sie das Pergament aus ihrer Tasche, daß der Kapitän ihr aufzwang und sie es schließlich annahm, um endlich von dieser Kaschemme und der betrunken umhertorkelnden Mannschaft weg zu kommen. „Bruderschaft der Schwarzen Klaue“ las sie leise. Hm… in Rahal? Sie erinnerte sich nicht diesen Namen schon vernommen zu haben, aber gleichgültig die Schulter hebend ließ sie es wieder unter ihrem Doublet verschwinden, sie würde nachher einfach jemanden fragen.

Gedankenverloren lag ihr Blick nun auf dem Brunnen, ein Vogel wusch sich das Federkleid und planschte fröhlich piepsend in einer der Schalen, durch die das Wasser nach unten floss. Da war er wieder… Der Gedanke an ihn… Nicht lange konnte sie sich daran erfreuen, denn als ein Mann in dunkler Robe sich plötzlich und unvermittelt neben ihr niederließ, sprang sie erschrocken und unter überraschtem gedämpften Aufschrei auf und wirbelte herum. „Seid ihr denn verrückt?!“ Unwirsch und sich die Hand aufs Dekoltee legend funkelte sie ihn in aufkeimendem Zorn an, atmete erst einmal tief durch ob des Schrecks, der ihr soeben durch die Glieder raste. Nichts war von seinem Gesicht zu erkennen, so tief hatte er sich die Kapuze ins Gesicht gezogen. Einige Flegelhafte Bemerkungen in tiefer und hohl klingender Stimme, von wegen schöner Frau allein auf der Bank ließen sie nicht lange fackeln und zu dem Gardisten stürmen, der gleich neben dem Park seine Patrouille lief. Der Mann warf ihr noch eine Bemerkung hinterher, deren Inhalt sie weniger mitbekam, als sie nun den wohlbekannten Ton darin erkannte. Sie hielt kurz inne, ihm den Rücken zugewandt und ein Schmunzeln huschte über ihr Gesicht und unter ihrer Bauchdecke flimmerte die Freude, scheinbar hatte er seine Stimme verstellt und wollte sich einen kleinen Spaß erlauben...

„Na warte... Wirst schon sehen was du davon hat“, dachte sie, eine Braue erhoben und das Gesicht wieder ernst werden lassend, nicht daß der Gardist annahm sie würde ihn auf den Arm nehmen wollen. „Herr Gardist!“, begann sie in nun nicht mehr ernster sondern gespielter Aufgebrachtheit, „dieser Mann dort“, sie wies gen Parkbank „belästigt mich, ich wünsche, daß ihr ihn in Gewahr nehmt!“ Doch dann legt sie den Kopf schief und verengt die Augen, legt eine Hand auf die Hüfte „Wobei… Eigentlich hättet ihr sein Heranschleichen wohl schon früher bemerken müssen, was wenn er mich angegriffen hätte? Mich wohlmöglich getötet oder verschleppt hätte? So liegt euch also die Sicherheit am Herzen, Vielen Dank, aber ich kümmere mich besser selber um ihn“. Sie warf die Haare in den Nacken und machte auf dem Absatz kehrt, den verblüfften Gardisten stehenlassend und wieder geradewegs auf den für sie ja nun nicht mehr Unbekannten zu und stellte sich zwei Schritt von ihm entfert auf, die Arme auf die Seiten gelegt und die Brauen gehoben sah sie ihn aus nun wieder schmunzelnden Augen, doch aber mit ernster Mine an…
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Diese Stadt war wirklich ein wenig eigenartig. Bajard, ja Bajard war einfach gehalten, man konnte sich nicht verlaufen und innerhalb kürzester Zeit erreichte man jeden Ort. Aber hier? In Varuna? Pustekuchen! Das man sich verläuft war quasi schon vorprogrammiert und deswegen war es auch ein Wunder das Anyaro am Park angelangte. Einen kurzen Moment überblickte er die Lage und was er dort auf der Bank sitzen sah ließ ihm wieder mal ein spitzbübisches grinsen auf die Lippen zaubern. „Die wird sich wundern, mich einfach so sitzen zu lassen“ dachte er sich in dem Moment wohl, als er die Robe überstriff und die Kapuze tief ins Gesicht zog. Langsam schlich er sich an Sebastine heran, stets darauf bedacht so wenig Lärm wie möglich zu machen. Als er dicht hinter ihr stand bemerkte er gerade noch wie sie in Stück Pergament einrollte und es in ihre Tasche verstaute.

Noch einmal atmete er kurz durch, ehe er sich rotzfrech ohne einen Ton zu sagen neben ihr auf der Bank niederließ. Die Reaktion ihrerseits war auch für ihn ziemlich überraschend, denn sofort sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf und stolperte ein paar Meter nach vorne ehe sie herumfuhr und ihm unwirsch entgegen trat. Er verstellte ein wenig die Stimme, und nach ein paar wirklich seltsamen Kommentaren seinerseits stapfte sie auf einen Gardisten zu. Dies wiederum ließ ihm ein lachen entweichen das ihr nur alzu bekannt sein sollte. Was sie genau mit dem Gardisten sprach konnte er nicht verstehen, aber schon wenige Momente später stand sie vor ihm mit dem ernsten blick und den amüsiert funkelnden Augen.

Nach einem längeren Wortwechsel meinte sie nur, das er nun endlich diese fürchterliche Kapuze abziehen sollte, worauf er nur keck antwortete das er zu faul sei, und sie es doch bitte selbst tun sollte wenn es sie störe. Die beiden standen sich mittlerweile gegenüber, Anyaro die Bank einige Schritte entfernt im Rücken. Sie legte nur grinsend ihre Hände auf seine Brust und schob ihn sanft etwas nach hinten. Natürlich gab er nach, und natürlich verbarg er seine innere aufgeregtheit und das von mal zu mal schwach stärker werdende Herzklopfen. Als er die Bank in den Kniekehlen spürte ließ er sich auf ihr nieder, sie legte im selben zug ihre Hände auf seine Kapuze die sie langsam abstriff und sich mit einem schmunzeln schließlich neben ihm niederließ.

Wie sie auf diese Wette kamen, ist eigentlich nicht weiter wichtig, doch war Anyaro der festen Überzeugung das Sebastine ihn sicherlich niemals komplett sprachlos machen könnte. Würde sie es in einem Zeitraum von einer Woche doch schaffen, müsse er ihre einen Wunsch erfüllen, wenn nicht, dann würde das umgekehrte in Kraft treten. Frech schwenkte er nach der Akzeptanz beider seiten, seine Beine über die Bank und ließ sich mit seinem Kopf in ihren Schoß sinken. Die beiden blickten sich eine Weile an, und zumindest er genoss dies. Da beide die Angewohnheit hatten den wahren Ausdruck ihrer Gefühle mit Süffisanz zu überspielen war sie zunächst nicht wirklich zu durchschauen.

„Weißt du wo Rahal ist?“ meinte Sebastine nach einer Weile. „Ich muss einen Brief dort abgeben“! „mh..ich weiß zwar nicht genau wo es liegt, aber eine Kutsche führt dorthin, ich kann ja mal mitgehen“ kam darauf von ihm. Eine Weile noch lag er dort in aller Seelenruhe auf ihrem Schoß ehe er aufstieg und sie sich beide trennten. Immerhin war es schon spät geworden...
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Sie musste schmunzeln auf dem Weg ins Gasthaus, nach dem sie verabschiedet hatten. Diese Wette… Sie kicherte schon fast. Sie war versucht sie absichtlich zu verlieren, nur aus neugier, was ein Mann wie er sich wohl wünschen würde. Er war nicht wie die Anderen, das war recht schnell klar geworden. Für gewöhnlich würde Sebastine nach einer Herausforderung wie dieser Wette sofort und in kürzester Zeit gewinnen. Natürlich wußte sie, wie man einen Mann sprachlos machte. Hatte sie sich ihrer Gewitztheit doch oft genug bedient, ein Blick hier, ein wenig Geklimpere da, schon waren sie ihrem Charme erlegen. Doch bei Anyaro war es anders… Sie _wollte_ ihn gar nicht beeinflussen. Was ihr doch zu denken gab...

Als er mit dem Kopf in ihrem Schoß lag und sie ihn, da er die Augen geschlossen hielt immerzu ansah, bewegte sich etwas in ihr. Er öffnete erst das eine, dann das andere Auge und sah zu ihr hoch. Sie wechselte schnell von dem mittlerweile nachdenklich gewordenen Ausdruck ihres Gesichts, zu einem sanften Lächeln. Er lächelte ebenso zu ihr hoch, doch… Nicht wie gewohnt, es war irgendwie… anders. Der gewohnte spitzbübische vor allem aber süffisante Ausdruck war einem ganz einfachen Lächeln gewichen. Als er die Augen wieder schloß, war sie versucht ihm über die Wange zu streichen, die Stirn… dem Ansatz seines aschblonden Haares. Doch sie tat nichts dergleichen, sie legte nur den Kopf in den Nacken und schloß ebenfalls die Augen, das keineswegs unangenehme Schweigen geniessend. Die Leute redeten ohnehin viel zu viel.

Nach einer Weile verabschiedeten sie sich und gingen ihrer Wege, sie wussten beide, daß sie sich am nächsten Tag sicher wieder begegnen würden. Und so war es auch, Sebastine war auf dem Weg zum Kutscher, wollte ihn fragen wie weit Rahal wohl sei, als sie schon aus der Ferne die bekannte Shilouette an den Treppen vor Varuna stehen sah.

Ein paar Minuten später fanden sie sich in der Kutsche wieder und Anyaro stieg zum Kutscher hinauf, warf ihm ein paar Münzen zu und setzte sich dann neben sie. Schließlich in Bajard angekommen, traten sie durch das Tor und standen zunächst eine kleine Weile am Eingang des Dorfes. Entschlossen sich dann zur Taverne zu gehen. Eine übertriebene Verbeugung vollziehend stellte sich Anyaro an der Tür auf und hielt sie ihr geöffnet. Erst leise lachend, hob sie nun ihren Kopf an und ging an ihm vorbei. Es war nur eine Frau anwesend und so setzte sie sich an einen der freien Tische und Anyaro gab die Bestellung bei Dorian auf.

Sie verfielen wieder in ihre Süffisanz, stichelten sich und amüsierten sich recht gut. Doch dieses mal wurde es auf einmal ein wenig ernster, als sie eine eher flapsige, auf seine zuweilen komische ernste Art machte. Doch auch ihr konnte man ansehen, daß sie dies nicht einfach so grundlos aussprach, zumal sie recht leise wurde als sie dies sagte. Die ersten Gäste des Abends kamen so langsam und die Taverne füllte sich. Sebastine hatte ihre Beine unterm Tisch weit ausgestreckt, das Thema hatten sie mittlerweile übergangen und unterhielten sich wieder einigermassen. Auch er hatte seine Beine nun weit unter den Tisch gehoben und als sie sich berührten durchfloss ein angenehmes, bereits vergessenes Gefühl ihren Körper… Natürlich ließ Sebastine sich nichts von ihrer innerlichen Unruhe anmerken.

Sie hatte keine Ahnung wie es dazu kam, aber ein kleiner blasser Mann betrat die Taverne, die eigentlich schon brechend voll war und gab lauthals die Angebote preis, die er wohl im Sortiment hatte. Anyaro bat ihn dann ‚auf seine ganz spezielle weise’ doch bitte woanderes hinzugehen. Sebastine empfand es genauso störend wie Anyaro, schließlich kehrt man abends in die Taverne ein um sich zu erholen, nicht um von Angebotgebrüll belästigt zu werden. Hätte der Mann kurz gefragt ob wer was kaufen möchte und wäre dann wieder entschwunden, wäre es sicher nicht so ausgeartet, wie es das nun wohl tun würde. Gut, das ‚du nervst’ hätte Anyaro sich vielleicht auch sparen können, aber nun war es schon gesagt. Und natürlich fühlten sich dann alle Anwesenden der Taverne berufen, dem armen kleinen Kerl sofort zur Hilfe zu eilen.

Zu aller erst die Frau, die hinter Sebastine saß und sich fürchterlich aufregte, in welchem Ton Anyaro denn mit dem Andere sprach. Einen gleichgültig und arrogant wirkenden Blick aufsetzend seufzte Sebastine der Frau nur entgegen, fragte sie was sie das anginge, wie zwei für sie Fremde sich unterhalten. Es kam wie es kommen musste… Als Sebastine den Kopf wieder wandte, als sie hörte wie Anyaros Stimme nun aus einer anderen Richtung kam, sah sie mit immer grösser werdenden Augen, daß er völlig nass war. Hatte dieser kleine blasse Kerl ihm doch tatsächlich einfach so einen Krug Wasser über den Kopf gekippt. Sebastine fühlte sich mal wieder bestätigt, denn auch sie mußte oft erleben, wie Menschen die sich verbal nicht weiter zu wehren wussten als bis zum nächsten Faustschlag sich sich lächerlich machten. In ihren Augen zumindest.

Und dieser kleine Mann gehörte wohl auch in diese Kategorie. Sie konnte Anyaro vollkommen verstehen, als sie mitbekam, daß er diesem Blassen eine gedonnert hatte. Natürlich brach sofort das Gezeter der Frau hinter ihr los, nicht genug, nein, sie mußte natürlich auch aufstehen und sich ‚schützend’ vor den kleinen Mann stellen. Sebastine seufzte erneut. Wie Menschen sich doch für vermeintlich Schutzbedürftige so schnell auf eine Seite stellen konnten. Sie war sich nicht mal sicher, ob die Frau überhaupt gesehen hatte, daß der Kerl Anyaro das Wasser über den Kopf goss. Ach, aber egal, hin und wieder einen recht zynischen arroganten Kommentar in Richtung der Frau ablassend, lehnte sie sich schließlich unter amüsiertem Schmunzeln an die Wand.

Betrachtete Anyaro, wie er sich ereiferte, was ihm zwar nicht anzusehen, aber für sie irgendwie doch spürbar war. Ruhig und fast gelassen nach aussen hin argumentierte er nun, während der Kleine nur Beleidigungen und das stetige Fordern nach einem Treffen vor der Tür in seinem Repertoire zu führen schien. Schließlich gab der Kleine auf und verliess grummeln die Taverne. Natürlich mußte die Frau nun auch noch ihren Kommentar abgeben und als Anyaro sich den auch noch angehört hatte, sah er wieder zu Sebastine. Sie verstand, erhob sich und drängte sich an der Frau vorbei, sie mit erhobenem Kinn und arrogant gehaltenem Blick fixierend. So traten sie hinaus sich erstmal ansehend und prustend zog Sebastine schließlich ein Tuch aus der Tasche und hielt es ihm hin…
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

„Schwefelasche, Weicheisen, Nachtschatten, Ginseng...“ Anyaro ließ sein Augenmerk auf den Kerl in der Taverne überschweifen, der dort so lautstark seine Waren anprieß. Allmählich war er ein wenig genervt von der doch lauten Tonlage dies Händlers. Auch wenn der Blondschopf vielleicht recht hatte, war die Wahl seinese Wortlauts wieder einmal für ihn typisch, und er hatte sich diesmal beinahe selbst übertroffen. „Also, mein Anliegen wäre das du einfach mal die klappe hälst und dein Zeug jemand anpreist den es interessiert, und nicht wie ein bekloppter hier herumbrüllst, es gibt noch Menschen die sich unterhalten wollen, also wenn du schon deine Waren hier verlauten lassen willst, dann frag ob interesse da is' und hau dann mit der person ab nach draussen, ich will einfach nur hier in Ruhe reden, und du NERVST!“ Gut, die Schlusspointe hätte nicht unbedingt sein müssen, denn genau die war wohl das i Tüpfelchen das den Mann zu einer Tat veranlasste die er lieber hätte nicht tun sollen.

Jener ging langsam auf Anyaro hinzu, nahm doch glatt seinen Wasserkrug, trat hinter ihm und schüttete jenen mit vollem Inhalt über sein Haupt. Das ganze ging nun wirklich so schnell vonstatten das redweige Reaktion ausgeschlossen war. Der Verkäufer kehrte ihm darauf den Rücken murmelte noch unverständliches Zeug und begab sich in Richtung Tavernenausgang...ein Fehler. Innerlich schien in Anyaro wohl eine Sicherung durchgebrannt, jedenfalls schnellte er hoch, lief dem Kerl hinterher und schlug ihm als er sich nochmals umwandte direkt ins Gesicht. Daraufhin musste sich natürlich diese eine nervende Frau erheben, die neuerlich für den geschlagenen Partei ergriff und wie wild herumdiskutierte. Anyaro war das relativ egal denn er fokkusierte lediglich die Person ihm gegenüber. Doch während des nun ablaufenden Streitgesprächs fand er wieder zu sich selbst, und legte das übliche breite grinsen auf, das ihm ermöglichte das ganze ein wenig ins lächerliche zu ziehen. Der andere schien indess knallrot angelaufen, ob wegen des Zornes oder des Schlages sei nun nebensächlich. Jedenfalls war Anyaro die Lust auf dem Tavernenaufhalt vergangen, warf Sebastine nur einen kurzen Blick zu, die glücklicherweise sofort verstand. Das sie die ganze Zeit Partei für ihn ergriffen hatte, und ihn gewissermaßen sogar in Schutz nahm, vor allem gegenüber dieser einen Frau hatte er nicht einmal bemerkt.

So verließen die beiden die Taverne und begaben sich zunächst in Richtung des Hafengebietes. Dort angekommen waren seine Haare immer noch klatschnass und lagen ihm wirr im Gesicht. Beide mussten jedoch schmunzeln und sogar kurz über das eben passierte lachen. „Wir müssen dich ins warme bringen, wenn du morgen nicht flach liegen willst...ich meine du musst uns warme...“ Sie korrigierte sich schnell, doch entlockte es ihm nur ein schmunzeln und meinte. „Ne, ich hab auch nichts dagegen wenn _wir_ uns ins warme bringen“ meinte er daraufhin nur vergnügt, und so begaben sich die beiden auf den Weg ins Gasthaus zu Bajard.

Langsam traten sie die knarrenden Stufen der großen Treppe hinauf, liefen durch ein paar verwinkelte Gänge und betraten schließlich das kleine Zimmer von Sebastine. Er musterte einen Moment den Raum, sah ein altes Bett sowie einen Stuhl, ein Schrank und eine Komode.. Nichts großartiges aber es war in Ordnung, und vor allem: Es war warm! Sebastine ließ sich recht bald auf den Stuhl sinken, und er nahm auf dem Bett platz. Der junge Mann striff sich die Stiefel von den Füßen rückte ein wenig zur Wand hin an jener er sich anlehnte und saß nun im Schneidersitz auf dem Bett. „Was gibt das?“ , „Ich mach’s mir bequem“ Meinte er grinsend. Es war schon spät geworden und langsam ging es daran die Nachtlager festzulegen. „Am besten wir holen die Matratze raus und legen sie auf den Boden“ meinte Sebastine. „hä? Und das soll welchen Sinn haben?“ erwiderte er darauf nur ein wenig irritiert. „Nunja, du legst dich auf die Matratze und ich lege die Decke auf das Gestell und schlafe darauf“. Jene Aussage ließ ihm jedoch nur ein lachen entweichen worauf er sagte „Mal sicher nich’ das geht auch anders..“ Schmunzeln und sie etwas verdutzt zurücklassend verließ er den Raum, schlich sich an das Nebenzimmer heran und horchte einen Moment verharrend ob sich jemand darin aufhielt. Als er keinen Mucks vernehmen konnte, betätigte er die Klinke schlupfte in den Raum und werkelte einen Moment an dem Bett herum. Nicht lange dauerte es bis etwas seltsam wirkend, eine Gestalt mit Matratze, Decke und Kissen bewaffnet durch die Gänge der Gaststätte schlich. Er war natürlich noch der Auffassung das die Türe zu ihrem Zimmer offenstand, was natürlich nicht so war. In vollem Lauf krachte er gegen das Holz und wohl die Tatsache des unterdrückten fluchens seinerseits ließ jene wie durch Zauberhand öffnen. Grinsend stand sie nun im Zimmer und betrachtete seine Tat. „Na wenn das bloß mal keiner mitbekommt“ Daraufhin meinte er nur: „Mir egal, ich bin müde und will schlafen“

Die beiden entledigten sich der meisten Kleidung und schlupften jeweils unter die eigenen Bettdecken. Leise murrend erhob sich Sebastine nochmals, eingewickelt in ihrer Decke um die Kerze und somit das störende Licht zu löschen. In dem Moment als es dunkel war und sie wieder zurück ans Bett wollte, konnte es Anyaro einfach nicht lassen. Er ergriff ihr Bein und wollte sie zum stolpern bringen, was ihm aber nicht gelang, da sie vorher etwas zu fassen bekam. „Anyaro, Anyaro....“ Hätte man ihn nun gesehen wäre einem das grinsen das sich auf seinen Lippen befand regelrecht ins Gesicht gesprungen. „mh mist, normalerweise hättest du jetzt auf mich fallen müssen...“ Er drehte sich auf die andere Seite, von ihr abgewandt und versuchte zu schlafen. Doch war es ihm kaum in ihrer Anwesendheit möglich. Sie war so nah, gerade ein paar Schritt weiter, und gerade das machte ihn innerlich regelrecht verrückt. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte sich mit unter ihre Bettdecke gestohlen. Den Gedanken ließ er jedoch wieder verfliegen, warum auch immer. Einige male noch bewegte er sich unruhig unter der Bettdecke, ehe er einschlief.....
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Auf der Seite gen Wand gerichtet schlug Sebastine am späten Vormittag die Augen auf. Blinzelnd streckte sie sich ausgiebig um sich schließlich auf die andere Seite zu drehen. Die Decke zwischen ihren Beinen fiel ihr Blick schließlich auf den scheinbar noch tief und fest schlummernden Anyaro, der ihr den Rücken zugewandt und die Decke bis an den Hals gezogen hatte, den Kopf tief in die Kissen vergraben. Mit noch verschlafenen Blicken betrachtete sie ihn, unbewusst lächelnd. Doch kam nun kurz Regung in ihn, als er sich auf die andere Seite drehte und die Beine dicht an sich zog. Ihr nun so zugewandt, wurde ihr Lächeln sanfter, wenn nicht sogar liebevoll, als sie den seeligen Ausdruck in seinem Gesicht sah.

Sie fühlte sich wohl in seiner Nähe, doch dachte sie nicht weiter darüber nach, schloss nur wieder die Augen um noch ein wenig zu dösen und den stillen Moment zu geniessen.

Gemurmel… Sogar recht laut ging es auf einmal von ihm aus. Nur das Wort „Vater“ aufschnappend, öffnete Sebastine nun wieder die Augen und hob den Kopf an, stützte sich auf ihren Ellbogen und sah zu ihm hinunter. Sein Gesichtsausdruck hatte sich dramatisch verändert, von ruhigem wohligen in ein verkniffen, ja sogar fast panisch wirkenden. Sie war versucht die Hand auf seinen Arm zu legen, rutschte ein wenig über die Bettkante und streckte sie nach ihm aus, doch verharrte sie abwartend, sie wollte ihn nicht erschrecken. Immer hektischer wurden seine Bewegungen und gipfelten schließlich in einem erschreckten und plötzlichen Aufwachen. Sie erschrak, ein zunächst hasserfüllter, ihr doch ein wenig angst einjagender Blick traf sie, schien aber sofort zu verfliegen als er sie ansah und erkannte. „Du… Du hast geträumt…“ meinte sie zögernd, damit nur das Offensichtliche feststellend. Er liess sich wieder in das Kissen sinken und zum ersten Mal wirkte er.. Hilflos?

Sebastine wusste wie schlimm Albträume sein konnten und noch besser wusste sie, dass Worte hier überflüssig waren, doch wollte sie ihm dennoch helfen. Sie zögerte noch einen Augenblick, doch kroch sie dann aus dem Bett und schob sich einfach neben ihn, deckte sie beide zu…
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Was er genau in diesem Moment geträumt hatte sollte an dieser Stelle nicht erwähnt werden, doch erschrak er wohl selbst als er die Augen aufriss und regelrecht fühlte was für ein Blick gerade auf seinem Gesicht lag. Verschwommen erblickte er gegenüber Sebastine und sogleich veränderte sich jener wieder zu einem fast hilflosen, könnte man meinen. Er war in diesem Moment einfach nicht dazu fähig etwas zu sagen, und so schaute er ihr nur tonlos entgegen. In diesem Moment wünschte er sich regelrecht das sie nun neben ihm lag und er einfach alles um sich rum vergessen könnte.

Es wirkte wie ein Wunder, doch schien sie seinen Wunsch von seinen Lippen abzulesen, so rutschte sie auf seine Matratze herab und legte sich dicht neben ihn. Anyaro sah ihr nur kurz entgegen und vergrub sogleich seinen Kopf unter ihren und kuschelte sich an sie. Er legte seine Hand auf ihre Hüfte und Sebastine drückte ihn fest an sich. Er konnte vergessen. "Anyaro du musst mir nicht antworten, aber hast du solche Träume öfters?" ihre Stimme wirkte beruhigend. "Nein" konnte er nur völlig entkräftet von sich geben. Sie schloss ihn fest in die Arme und beide schienen den Moment zu genießen.

Er war in diesem Augenblick einfach nur überglücklich das sie bei ihm war, und für ihn dazu sein schien. Er drückte seinen Kopf noch ein wenig fester an sie und schloss erneut die Augen. Anyaro versuchte einfach noch ein wenig sich auszuruhen und zu schlafen. Sebastine sagte einfach gar nichts mehr so als hätte sie die selbe Idee gehabt. So beruhigte er sich langsam wieder und schlief erneut ein.....
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Als er das zweite mal die Augen öffnete war es mittlerweile schon recht hell in dem Zimmer, denn die Sonnenstrahlen fluteten allmählich den Raum durch das kleine Fenster. Warm und ruhig lagen jene auf den Körpern der beiden. Anyaro zog seinen Kopf, der fest vergraben unter Sebastine’s lag, ein wenig hervor und blinzelte ihr verschlafen entgegen. Sie befand sich wohl noch im Land der Träume, denn sie bemerkte zunächst nicht das der junge Mann sich aufrichtete und mit angewinkelten Beinen auf der Matratze saß. Als er fühlte das sie sich bewegte lag ein schwaches lächeln auf seinen Lippen, und er blickte daraufhin über die Schulter. Ihre Hand tastete sich im Schlaf zu seinem Kopfkissen vor und als sie ins leere griff entfloh ein „Anyaro“ ihrer Kehle worauf sie wach wurde. Ebenso verschlafen wie er selbst lag ihr Blick mit einem feinen lächeln auf ihm! „Da bist du ja“ woraufhin sie ihren Kopf wieder sinken ließ den sie zuvor suchend angehoben hatte. „Du glaubst du nicht etwa das ich einfach so abhauen würde?“ meinte jener daraufhin mit einem schmunzeln begleitet. „Nein, sicher nicht!“

Beide brauchten jedoch noch eine Zeitlang um wach zu werden, bis letztendlich Anyaro den ersten Schritt tat, aufstand und sich ein wenig streckte. Er ließ sich dann doch wieder auf dem Stuhl nieder und beobachte Sebastine die wohl ihre sieben Sachen zusammen suchte, und dann auf ihn deutete das er ihr wohl den Rock geben sollte, der über der Stuhllehne lag. Unter einem breiten grinsen reichte er ihr diesen und nachdem auch Anyaro sich angekleidet hatte, verließen beide das Zimmer und überlegten im Gang was sie nun tun könnten. Hunger..Durst...viel nachzudenken gab es nicht, also begaben sie sich auf den Weg zur Taverne Bajards. Sebastine wollte diesmal draußen sitzen und Anyaro begab sich ins innere um zwei Krüge Wasser, sowie Brot und zwei Schüsseln mit Kartoffeln zu besorgen. Das ansonsten recht ruhige ‚Frühstück’ wurde lediglich von einem etwas in Rage geratenen Mann überschattet, der jedoch nach einem bissigen Kommentar Anyaro’s schnell die klappe hielt, warum auch immer.

Nach eingenommenem essen kamen sie auf die Idee den Brief den Seba’ von dem betrunkenen Kapitän bekam nach Rahal zu bringen. Also begaben sie sich zur Kutsche und fuhren nach Rahal. Schon beim aussteigen wurden beide auf einen Mann mit gelber Robe aufmerksam, nicht wirklich die schönste Farbe, aber nunja. War jedoch schonmal ein guter Anfang die Person nach dem Weg zu fragen, denn es stellte ich heraus das dieser jemand ein Mitglied der sogenannten „Bruderschaft der schwarzen Klaue“ war. Beweise gab es zwar nicht, aber was kümmerte es Anyaro? Hauptsache das Gold hatte gestimmt, und da sie schon einmal da war, könne man es ebenso sinnlos wieder rauswerfen. Also auf zum Schneider um das zu erledigen was wohl jede Frau gerne macht. Beim Bund des Handwerks angekommen klopfte sich der junge Blondschopf jedoch die Hände wund denn anwesend war anscheind keiner.

Also wieso noch länger verweilen? So bestiegen sie nach kurzem Fußmarsch erneut die Kutsche und begaben sich so auf den Weg nach Bajard zurück. Wieso die beiden letztendlich im ‚Streit’ auseinander gingen war eigentilch recht unklar, jedenfalls meinte Anyaro das er sich noch etwas „frisch“ machen wollte, worauf ein „Interessiert dich ja anscheind eh’ nich’“ folgte. Sebastine sagte dazu gar nichts mehr und durchschritt die Stadttore des Fischerdorfes während Anyaro seinen Weg einschlug.......
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Die Stimmung hatte sich komisch gewandelt, von dem sonst so unbeschwerten miteinander war sie nun etwas... verkrampft. Sie wusste nicht, was er mit dem "interessiert dich ja eh nicht" bezwecken wollte... Es klang nach einem Spiel. Sebastine beherrschte diese Regeln, hatte sie sie ja quasi selbst aufgestellt, doch dieser Kerl .. Sie konnte einfach nicht so überspielen wie sie es sonst fast schon automatisch tat. Mehr als alles andere gab ihr dies zu denken. Dann diese ständigen Gedanken an ihn, sie fühlte sich schon wie ein kleines dusseliges Mädchen. Klar, daß Sebastine durcheinander geriet, ihre sonst so offene und direkte Art ließ sich nicht mit dem gewohnten süffisanten vereinbaren, wie es sonst der Fall war. Denn zum ersten Mal ging es um tatsächlich existente Gefühle. Doch das war ihr bis dorthin noch nicht klar...

Später entschloss sie sich zu einem Spaziergang, wollte die Gedanken vertreiben, was natürlich schier unmöglich war. Und natürlich.. Als sie die Tore Bajards passierte, sah sie ihn schon von weitem an der Kutsche gelehnt stehen. Das Kinn zwar wieder wie üblich etwas angehoben schritt sie langsam auf ihn zu. Sie begrüssten sich knapp und er meinte er hätte von einem Markt in Rahal Wind bekommen und sie wolle sich ja ohnehin noch nach einem Kleid umsehen. So bestiegen sie die Kutsche und es wurde eine recht stille fast ewig dauernde Fahrt auf welcher nur hin und wieder der eine zum anderen schielte.

Das Kleid war auf dem Markt schnell erstanden, als Sebastine mit der Dame am Stand über den Preis verhandelte bemerkte sie Anyaros doch sehr ungewöhnlich unruhig scheinenden Gesichtsausdruck. Schließlich stellte er sich neben sie und als sie der Frau das Gold für das Kleid reichte, drehte sie sich ihm zu, fragte was mit ihm sei. Sein übliches ausweichendes 'nichts' von sich gebend, packte sie ihn kurzerhand am Ärmel und zog ihn in Richtung des Ufers, wo sie ungestört reden konnten. So konnte es doch nicht weitergehen, ihr lag mittlerweile viel an ihm und was für sie noch ungewöhlicher war, war der Umstand daß sie wollte daß es ihm gut gehen sollte. Ja, sie sorgte sich tatsächlich und aufrichtig um ihn, so konnte sie ein lapidares 'nichts' ob dem offensichtlichen Eindruck, daß doch etwas war, einfach nicht akzeptieren.

So sah sie nun mit ihren grossen dunkelgrünen Augen zu ihm auf, kein aufgesetztes Schmunzeln, keine Scherze oder Floskeln. Sie wollte wissen was los war... Doch fragte sie ihn nicht offen, dafür war selbst sie sensibel genug, sie wollte ihm die Möglichkeit geben es ihr von sich aus zu erzählen. Doch ausser ein bißchen rumgedruckse und Ablenkungsversuchen war nicht viel aus ihm herauszuholen. Er fragte was sie sich denn nun für ein Kleid gekauft hatte und resigniert seufzend zog sie es aus der Tasche und hielt es ihm hin. Auf seine Blicke hin gab sie schließlich nach und deutete ihm sich umzudrehen, also zog sie rasch Doublet und Hemd über den Kopf und schlüpfte in das enge Kleid. Als er sich wieder umdrehte, schien es als würde es ihm gut gefallen, woraufhin sie eine kleine Bemerkung fallen ließ, daß sie es auch mit dem Gedanken gekauft hätte, daß er es vielleicht mögen würde.... Er antwortete wieder mit einem seiner berühmten Scherze.

Schließlich, sie hatte lange nachgedacht als sie den heutigen Tag in ihrem Zimmer in Bajard verbrachte, ging sie etwas näher auf ihn zu...

Sie war nun mal offen und direkt, konnte sich nicht zurückhalten, sich ihm nicht länger entziehen und sie wollte ihm zeigen wie sie empfand. Sie wußte nicht, was es für ein Risiko bergen konnte, schließlich war sie noch nie an einem solchen Punkt gewesen. Stumm ging sie also näher an ihn, drängte ihre Arme unter den Seinen hindurch und fühlte nun seinen Oberkörper dicht an ihrem....
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Der Markt war gewissermaßen nicht der rechte Ort für Anyaro. Viel zu viel Waren wurden angeprießen, und das meiste davon war nicht einmal richtig 'bewacht'. Etwas unruhig lehnte er gegen einen Tisch, die Hände dabei die Platte umkrallend während er auf Sebastine wartete die wohl gerade dabei war sich neue Kleidung zuzulegen. Als er es nicht mehr so recht aushielt, stieß sich der junge Mann von dem Stand ab und stolperte regelrecht in die Richtung seiner Begleitung und blieb letztendlich ruhig neben ihr stehen. Anscheinend jedoch hatte sie seine innere Unruhe bemerkt, erledigte schnell ihre Geschäfte und meinte dann zur Seite "Ist irgendwas, Anyaro?" Natürlich verneinte er dies, wie er es immer tat, doch diesmal war jene Antwort unbefriedigend für sie.

Er wurde am Arm gepackt und etwas abseits des Marktes gezogen, der langsam schon am abbauen war. An der Uferfläche Rahal's angekommen stellte sie sich ihm gegenüber und wollte wirklich wissen was mit ihm los sei. Doch selbst wenn er es wollte, er konnte einfach nichts sagen denn irgendetwas in ihm hinderte ihn daran. Er tat was er immer in so einer Situation getan hatte. Ablenken. Ohne irgendwie auf ihre Fragen einzugehen wollte Anyaro wissen was sie denn nun gekauft habe, und unter einem seufzen zeigte sie es ihm.

Nach einigen sinnlosen Sätzen jedoch, kam sie auf ihn näher zu und urplötzlich schloss Sebastine ihn in ihre Arme. Für einen kurzen Moment wusste Anyaro gar nicht was er denken sollte. Irgendwie war es ungewohnt, seltsam..denn es fühlte sich so warm an so herzlich. Er genoss die nähe, doch ebenso sehr war sie ihm unheimlich. Hatte er bis dato noch niemals eine so 'enge' Beziehung zu einer Frau geführt. Also beschloss er durch eine kurzschluss Handlung alles zu versauen. Er befreite sich aus ihren Armen und stammelte wirres Zeug, das er das noch nicht kenne und er noch nie einer Frau so nahe stand, sie jedoch ebenfalls mögen würde. Eigentlich redete er sich um Kopf und Kragen und es wäre besser gewesen, hätte er einfach nur die Klappe gehalten.

"Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll, ich muss darüber nachdenken" sagte er wobei ihn Sebastine etwas verwirrt ansah. Sie konnte nicht glauben das man über Gefühle nachdenken müsse, einfach jenen hingeben sollte man sich. Nach einigen kurzen Sätzen verbliet Anyaro am Ufer während Sebastine den Weg zurück nach Bajard antrat. Lange Zeit dachte er darüber nach, bis er endlich darauf kam das er im warsten Sinne des Wortes 'Scheisse' gebaut hatte. Seit Tagen gab es nichts anderes an das er denken konnte als diese Frau. Sie war schlagfertig, sie war hübsch sie war eigentlich das perfekte Gegenstück für ihn. Wie konnte er nur doch sein herumstottern alles versauen? Er war doch sonst nicht so auf den Mund gefallen.

Er musste das wieder in Ordnung bringen, und so begab er sich auf schnellstmöglichen Weg zurück zur Kutsche die ihn nach Bajard brachte. Das Gasthaus lag fast schon im dunklen als er an den Fenstern hinauf schaute, er durchschritt die Türschwelle, nickte der Bedienung nur knapp zu und stieg die Treppen hinauf. Dann noch ein Gang hinab, noch eine Türe und schließlich stand er vor ihrem Zimmer. Die Hand leicht angehoben zum klopfen bereit, verharrte er einen Moment. Wie würde sie wohl jetzt auf ihn reagieren? Ging ihm noch durch den Kopf als er ein klopfendes Geräusch, das von ihm ausging, bemerkte und es somit zu spät war....
Sebastine Valliere

Beitrag von Sebastine Valliere »

Sie stand schon eine ganze Weile an dem kleinen Fenster in ihrem Zimmer in Bajard und starrte aufs Meer. Die Arme vor sich auf die Kommode gelegt und den Kopf darauf gestützt. Die Gedanken schossen ihr so wild durch den Kopf, daß ihr fast schwindelig zu werden drohte. Die sonst stets fröhlich schmunzelnden Blicke fixierten ernst und verschleiert irgendeinen Punkt weit draussen auf dem Meer.

Sie wollte nicht einsehen, daß es falsch gewesen sein konnte, daß sie Anyaro mehr oder minder ihre Gefühle gestanden hatte. Zwar nicht in Worten, doch war diese Umarmung in Rahal wohl weit mehr als Worte ohnehin hätten ausdrücken können. Als er sich von ihr zu lösen versucht und sie daraufhin sofort einen Schritt zurückwich, zog sich alles in ihr zusammen und sie wollte nur noch weg. Zum ersten Mal in ihrem bisher eigentlich nur auf oberflächlicher Ebene ablaufenden Leben, fühlte sie… Aber woher hätte sie wissen können wie sie damit umzugehen hatte, hatte sie doch bisher noch nie ähnliches erlebt, somit hatte sie auch noch keine Fehler begangen, aus denen sie hätte lernen können um es dieses Mal besser zu machen. So hielt sie es eben für das Beste ihm, so wie es auch sein sollte, offen, direkt und ehrlich gegenüber zu treten. Diese Gefühle waren so neu für sie, daß sie eben nicht überspielen oder ‚anders’ damit hätte umgehen können als sie es letztendlich getan hatte.

‚Nachdenken’ wollte er darüber… Dieser Satz war es, der Sebastine letzendlich bewog schnellstens zu verschwinden. Wozu muß man über Gefühle nachdenken? Warum konnte er sich nicht einfach wie sie hineinfallen lassen? War es für ihn nicht genauso neu? Ungewohnt? Schön? Aufregend und irgendwie gefährlich? ‚Er empfindet eben einfach nicht so…wie ich…’ Das war der Schluß, den sie nun daraus ziehen musste. Sie hatte schoneinmal daran gedacht, kurz bevor sie sich ihm in die Arme drängte.. „Was wenn er nicht das selbe empfindet…“ Doch es war ihr egal… Zu überwältigend waren diese Gefühle, als sie länger vor ihm verbergen zu können und sie dachte nur

Besser ein Ende mit Schrecken…

Diese Gedanken wurde jäh unterbrochen, als es an der Tür klopfte was ihre schmalen Schultern leicht zusammenzucken ließ. Wozu hatte sie Selina eigentlich gesagt, daß sie nicht gestört werden wolle? Zuerst nur über die Schulter blickend, drehte sie sich nun gen Tür und ging entschlossenen Schrittes auf jene zu, sie unwirsch aufreissend und noch im Gehen sagend „Ich hab doch gesagt, daß ich _nicht_ gestört….“ Weiter kam sie nicht, denn nicht wie angenommen war Selina es, die da an ihre Tür geklopft hatte, nein… Anyaro stand da… Ihr Herz machte einen Satz und ein wohliger Schauer durchlief ihren Körper als sie ihn sah, doch verfluchte sie dieses Gefühl mittlerweile, da es sich nicht einfach so ausschalten ließ, wie Sebastine es sonst in ihrer bisher oberflächlichen Art tun konnte. Sie war ausgeliefert, sie konnte es nicht steuern. Lachen, Weinen, kein Problem, zu jeder Situation die passende Mimik, doch ihm stand sie nun recht hilflos gegenüber, kein rasch aufgesetztes Lächeln.

Doch schien es fast als würde es ihm ähnlich gehen, wirkte er doch recht ernst und leicht gesenkt hatte er seinen Kopf, so dass ihm einige der aschblonden Strähnen ins Gesicht fielen, als er schließlich vage ins Innere des Zimmers deutete, wohl eine stumme Frage ob er eintreten dürfte. Sie war sich zunächst nicht sicher, trat sie schließlich auf die Seite und ließ ihn eintreten. Er schloß die Tür und blieb dicht vor ihr stehen. In unbewusster Geste verschränkte sie die Arme vor dem Bauch, die Blicke wichen den Seinen aus und sie starrte auf irgendeinen Punkt auf seinem Oberkörper… Sie war so durcheinander, schrecklich für Sebastine, da sie stets darauf achtete immer alle Fäden in der Hand zu behalten und nun stand sie hier wie ein kleines, naives und zurückgewiesenes Mädchen…
Anyaro le´Veron

Beitrag von Anyaro le´Veron »

Als sie ihn hereinwunk trat er auch ein, starrte jedoch zunächst auf die ihm gegenüberliegende Wand. Erst nach einem tiefen durchatmen, und der Sicherheit das er seine Stimme nicht verschlucken würde, wandte er sich ihr hinzu und begann mit ruhiger Stimme zu sprechen. Anyaro meinte das es ein Fehler war ihr zu sagen das er sich darüber Gedanken machen müsste. Es wäre einfach nur so neu für ihn, und er wusste nicht wie er damit umgehen sollte, deswegen hätte er das getan was er früher immer in so einer Situation getan hätte. Weglaufen! Viel weiter kam er einfach nicht, denn die Worte fehlten im immer noch. Ein wenig unruhig kaute Anyaro auf seiner Unterlippe herum und auch seine Gegenüber schien nervöse Anhandlungen zu zeigen.

"Ich wollte einfach nur das du das weisst, und es dir sagen.." und mit diesen Worten ergriff er die Türklinke und drückte jene nach unten. Einmal jedoch wandte sich sein Blick nochmal zur Matratze am Boden dann wieder zurück zur Tür. Was er dabei nicht sehen konnte, war das Sebastine erst noch etwas sagen wollte, sich jedoch im letzten Moment umentschied. Doch anstatt ihr Zimmer zu verlassen, meinte er mit der freien Hand auf die Matratze deutend. "Is' da heute Abend noch frei?" wobei jene Worte von einem schwachen schmunzeln begleitet wurde. Das erste an diesem Abend.

Ihre Schultern hoben sich nur leicht an, jedoch wieder der nur leicht amüsierte Ausdruck in ihren Augen als sie trocken von sich gab, das es denn frei wäre. Anyaro ließ wieder ab von dem Türgriff und ging auf die Matratze zu. "Aber du machst die kerze aus.." meinte Sebastine noch knapp als sie schon ihr Bett bestieg und sich unter die Bettdecke einkuschelte. 'Meinetwegen' dachte sich Anyaro wohl in diesem Moment als er die Kerze auspustete. Langsam ließ er sich auf seine Schlafunterlage nieder, zog noch das Doublet über den Kopf und mummelte sich ebenfalls in seine Bettdecke. Doch an schlafen war in diesem Moment nicht zu denken......
Antworten