Leise aber beständig prasselte der Regen an die Fenster. Der Mann, den sie Bert nannten, saß am Feuer, welches eine angenehme Wärme in der kleinen Herberge verbreitete. Sein Blick wanderte zu einem der Fenster. Im Raum war es, wenn man vom beständigen Geräusch des Regens und des Windes absah, ganz still. Die Nacht war gekommen und er war allein im Aufenthaltsraum. Gelegentlich knisterte das Holz im Kamin, bis auch der letzte Scheit verzehrt war und nur noch glühende Asche übrig blieb. Ganz langsam und gemächlich hatte auch das Prasseln des Regens nachgelassen. Im Laufe der Nacht war es immer kälter und kälter geworden und so wandelte sich der kalte Herbstregen zu feinen kleinen Schneeflocken.
Es hätte ein Augenblick der Ruhe und des Friedens sein können, doch etwas störte. Mit einem Schlag riss der Mann, den sie Bert nannten die Augen auf. Instinktiv wanderte seine Hand zum Hals. Wie immer in diesen Tagen, wenn er wieder erwachte, griff er panisch nach der Kette, die stets um seinen Hals hing. Sie war noch da. Nein, das war nicht richtig, berichtigte er sich selbst in seinen Gedanken. Sie war wieder da. Wäre noch eine Träne in seinem Leib gewesen, er hätte sie nun vergossen, doch die Zeit des Weinen war vorbei. Tage hatte er damit verbracht, im Keller der Herberge, wo keiner ihn sehen oder hören sollte. Manchmal kam einer seiner Kameraden, dann verschwand er schnell im Schatten hinter einer Truhe oder einem Schrank. In den ersten Tagen hatte er vor Zorn geweint, er hatte gebrüllt und getobt. Dann folgte eine Zeit der Trauer und dann blieb nur noch Verzweiflung. Bis nichts mehr da war, bis er selbst nichts mehr war. Das war die Lehre, die ihm sein Meister eingeprügelt hatte. Du bist nichts, du lebst nur um zu dienen und zu gehorchen. Nach dem Tod seines Meisters hatte er rebelliert, wollte nun selbst bestimmen, wer er war und was er war und er wollte wieder das Gefühl der Liebe spüren.
Sanft und vorsichtig tasteten seine vor Kälte tauben Finger über das sternenförmige Amulett. Sie hatte es ihm wieder gegeben. Eines Tages lag es in der Kiste in der Herberge. Wieso hatte er es nur in der Höhle gelassen, als er hinaus gestürmt war? Wieso war er überhaupt geflohen?
Sehr oft hatte er sich diese Frage gestellt in den letzten Tagen und Nächten. Letztlich kam er immer zum selben Ergebnis, zur selben Antwort. Er war zu feige gewesen. Wie oft hatte er ihr seine Liebe gestanden, ihr versichert, dass er alles für sie tun würde? Doch im entscheidenden Augenblick hatte er versagt. Er hatte sie im Stich gelassen, er hatte zugelassen, dass die Panther sein kleines Eichhörnchen als ihr Spielzeug mit in ihre Höhle nahmen. Sie quälten und folterten. Die Finger verkrampften im Griff um die Kette.
Oft war er in der Nacht zurück in die Höhle geschlichen und hatte ihr beim Schlafen zugesehen. Still und schweigsam hatte er die Nacht über sie gewacht und wenn sie ein Anzeichen des Erwachens machte, war er geflohen. Hatte er sich wirklich um sie Sorgen gemacht, oder war es nur eine Form des Kontrollwahns. Er wusste es nicht mehr. Nur, dass es ihn auf der einen Seite beruhigte, dass sie wieder daheim war, auf der anderen Seite hätte er aber auch nichts mehr gewünscht als sich neben sie zu legen und ihre kalten Füße zu wärmen. Doch er hatte den Schlüssel zu dem kleinen Tor, welches den Weg versperrte in den Fluss geworfen und sie blieb im verschlossen. Aber seine eigen Gefühle waren nicht mehr wichtig. Darauf hatte er jedes Anrecht verloren, es gab nur noch eins was zählte. Sie sollte glücklich sein.
War das die wahre Bedeutung von Liebe? Dass das Glück des geliebten Menschen einem mehr wert war als das eigene? Nie in seinem Leben hatte er sich über so etwas besonders viele Gedanken gemacht. Gefühle waren eher lästig und es galt sie zu unterdrücken. Er musste erreichen, dass sie glücklich war, mit allen Mitteln, das war es, worauf es nun ankam.
Der Mann, den sie Bert nannten, blickte von seinem Schlafplatz, dem gemütlichen Sessel in der Herberge auf und sah zum Fenster. Langsam dämmerte es draußen.
Wieder drückte er sacht die Kette als er plötzlich eine Stimme vernahm. Erschrocken sah er sich im Raum um, doch da war niemand, kein Mensch weit und breit. Wieder erklang die Stimme in seinem Kopf und er wusste wer es war, der ihn da rief. Es war ihre Stimme, sie rief ihm etwas zu. Nein, auch das stimmte nicht, es war nur ein Flüstern in seinem Kopf, doch in der Stille seines Seins hallte es wieder und überwältigte ihn beinahe.
„Du musst keine Angst haben. Ich pass auf dich auf!.“
Mit einem Satz sprang der Mann, den sie Bert nannten, auf. Nur im sogleich beinahe zu stürzen. Seine Beine waren taub und kraftlos und kaum in der Lage ihn zu tragen. Er wusste nicht mehr, wie viele Tage er nichts gegessen oder getrunken hatte. Er strauchelte und bewegte sich zitternd ganz langsam auf den Tisch zu. Im Korb lag frisches Essen. Er dachte an die vielen Mahlzeiten, die ihm die brave Fabienne hingestellt hatte und die er stets unberührt stehen hatte lassen. Doch nun begann er zu essen und zu trinken. Er wusste nicht was er da aß oder trank. Es war ihm auch egal, doch er merkte, dass sein Körper dankbar die neuen Kräfte auf sog wie ein Schwamm das Wasser.
Draußen war es nun hell und sicher würde bald einer seiner Kameraden kommen um mit seinem Tagewerk zu beginnen. Vielleicht der fleißige Gondros oder die liebe Verdania. Beide waren in den letzten Tagen immer bemüht ihm zu helfen. Doch er hatte sie nur wortlos abgewiesen und war in ihrer Gegenwart stumm geblieben. Das hatten die beiden nicht verdient, doch was hätte er ihnen sagen sollen?
Immer noch saß er am Tisch und schaute sich nachdenklich um. Dann wanderte seine Hand langsam seine Hose entlang und griff nach dem verborgenen Dolch. Er betrachtete ihn eingehend. Die Klinge aus dem besten Diamantstahl, den Gondros hatte. Der Griff aus dem Horn eines Dämons geschnitzt und reich verziert. Diese Waffe hatte einst die Stärke und Macht ihres Trägers symbolisieren sollen, doch nun war sie nur ein Relikt aus vergangenen Tagen und Zeugnis seines Niedergangs. Der Giftkanal war leer, wohl in den letzten Tagen verdunstet.
Ganz langsam schob er die Ärmel seines Hemdes am linken Arm nach oben und setzte die Klinge an. Schwach waren die Adern noch ausgeprägt, er hatte viel seiner Muskulatur in den letzten Tagen verloren. Sanft drückte er sie ins Fleisch und sogleich kam rotes Blut zum Vorschein, benetzte die Spitze der klinge und rann warm seinen Arm hinab. Nichts. Er spürte nichts.
Halt. Nein. Etwas in ihm tobte und rebellierte. Es war das Tier, das in ihm wohnte und stets seinen Kerker sprengen wollte. Nein, so konnte es nicht zu Ende gehen. Er würde sich nicht hier an diesem Ort des Friedens und der Harmonie das Leben nehmen.
Langsam hob er den Dolch wieder hoch, legte ihn beiseite, riss den Ärmel seines Hemdes ab und verband den Arm. Es dauerte nicht lang und die Blutung stoppte. Tief atmete der Mann, den sie Bert nannten, durch. War es Feigheit so zu gehen? Oder war es eine mutige Tat sich selbst zu vernichten um den anderen die Last seiner Existenz zu nehmen?
Heftig schüttelte er den Kopf. Solche Gedanken durfte er nicht zulassen. Mit einem Ruck stand er auf und ging zur Tür und öffnete diese. Es war ein kalter Morgen, doch auch erfrischend. Mit einem Lächeln sah er sich um. Der Schnee der Nacht war liegen geblieben. Ungewöhnliche Kälte für diese Jahreszeit, aber irgendwie entsprach es der Stimmung seiner Seele.
Ein Seufzer entfuhr im. Kurz überlegte er, war es aus Bedauern, aus Trauer, oder gar aus Erleichterung? Mit einem Mal fiel sein Blick auf etwas, das da nicht hin gehörte. Mitten aus dem Schnee stach eine einzelne kleine Blume hervor. Er wusste ihren Namen nicht, aber er kannte sie gut. Es war eben jene Art von Blumen die Ashlin am Wasserfall in die Haare gesteckt hatte. Langsam ging er in die Hocke und betrachtete die Blume eingehend. Sie wirkte geradezu unberührt und strotze kräftig und voller Leben ihrem drohenden Tod. War es ein Zeichen?
Ganz vorsichtig und behutsam zupfte er die Blume und hielt sie zwischen Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand. Er drehte sie und plötzlich begann er zu Lachen. Wieso, das wusste er nicht, aber ein Gefühl der Freude durchströmte seinen Körper. Die Blume noch in der Hand ging er wieder ins Haus und zu seiner Truhe. Er sah sich in dem Chaos um, fand dann endlich einen kleinen Beutel und legte dort die Blume hinein. Er würde sie behüten.
Wieder sah er in die Kiste. Der Mann, den sie Bert nannten, ging in die Knie und betätige einen kleinen versteckten Mechanismus, der den doppelten Boden der Kiste öffnete. Dort hinein legte er alles, was für ihn nun nur noch ein Ballast war, den er nicht länger mit sich herum tragen wollte. Die dunkle Rüstung aus der geheimen Grotte, auch das schöne Drachenleder fand dort seinen Platz. Dazu legte er noch die langen, spitzen Dolche, die er sonst immer griffbereit hatte. Auch seine Meisterklinge legte er dazu. In schwarzen Samt hüllte er sie ein. Obschon er sie nun nicht mehr benötigte, es war eines der Meisterwerke von Gondros und verdiente keine schlechtere Behandlung.
Er versiegelte den Mechanismus wieder und griff nach einem warmen Mantel und einem Schal.
Gut eingepackt ging er wieder nach raus. Einmal durch Bajard und dann in den Wald. Das Spazierengehen tat ihm gut. Es machte seinen Kopf klar und lies ihn wieder frei und unbeschwert denken.
Es gab vieles, um das er sich Gedanken machen musste. Würde er Rache üben an denen, die er so lange nun gehasst hatte? Er dachte an den Mann, der schuld war am Tod seiner Familie. Nein, das würde früher oder später jemand anderes erledigen. Dann dachte er an die Katzendame aus Rahal. Sie war ihm gar nicht so unähnlich, aber er war sicher, dass sie früher oder später im Feuer ihres eigenen Ehrgeizes vergehen würde. Schließlich dachte er wieder an diesen Mann, diesen Trabanten, den Folterer hatte er ihn genannt. Er wäre ein leichtes Ziel gewesen. Ein Lächeln trat in das Gesicht des Manns, den sie Bert nannten. Er erinnerte sich an die Begegnung vor Rahal. Kaum gerüstet war dieser Mann da vor ihm gestanden, rüpelhaft und pampig, wie es nur ein Soldat sein konnte. Wie sehr hatte es ihm in den Fingern gejuckt ihn dort auf der Stelle zu vernichten. Er war vorbereitet gewesen und die Hand war während des Gesprächs mehrmals zu seinem Gürtel gewandert, wo die Tränke hingen. Aber er hatte ihn verschont. Er hatte ihn im Glauben seiner Macht gelassen.
Doch die Gedanken an diese Szene verdüsterten auch sein Gemüt. Den auch Ashlin war dort gewesen. Wie ein verwundetes Tier hatte sie sich an den Trabanten heran geschmiegt und ihn selbst, „Bert“ weg geschickt. Wieso hatte er ihn nicht einfach erschlagen und sich Ashlin wieder genommen? Diese Frage stellte er sich oft. Furcht, Angst, Scheu vor den Konsequenzen. Das war es gewesen und so hatte er wieder versagt.
Aber jetzt war kein Gefühl von Zorn und Hass mehr für diesen Mann in ihm. Im Gegenteil, er empfand Mitleid für ihn. Genauso wie er damals Mitleid für die Tetrachin empfunden hatte, als er mit ihr damals dieses Gespräch im Tempel in Rahal geführt hatte. Sie alle folgten dem Brudermörder, der doch selbst nur ein verzweifeltes Kind auf der Suche nach Liebe, Respekt und Anerkennung war. Mitleid, das war alles, was er für sie empfand, Mitleid und Bedauern.
Mitten im Wald angekommen sah er sich um. Niemand, weit und breit. Nur er selbst. Wieder dachte er an sie. Sein Eichhörnchen, sein Herz, seine Liebe. Das Gefühl in ihm war noch stark, doch er ahnte, oder wusste er es, dass er sie schwer enttäuscht hatte. Er hatte keine Ahnung wie sie auf ihn reagieren würde, wenn sie ihn wieder sehen würde. Was auch immer passieren würde, wichtig war nur, dass sie glücklich war. Wenn das bedeutete, ohne ihn zu leben, dann musste er das akzeptieren. Aber er wusste auch, dass er ihr die Zeit geben musste, die sie brauchte. Er selbst hatte das nicht gekonnt und verstanden. Statt zu warten und sich weiter um sie zu kümmern war er aus der Höhle gestürmt und hatte sie alleine gelassen. War es aus dem Wunsch heraus geschehen ihr weh zu tun? Sachte schüttelte er den Kopf, er hatte ihr nicht weh tun wollen, er hatte sich selbst bestrafen wollen, hatte gehofft, dass es ihm besser gehen würde dadurch. Doch er hatte sich nur immer tiefer in das Loch gestürzt, das in seiner Seele klaffte und nun zu einem riesigen Schlund geworden war, der immer tiefer und breiter werdend ihn entzwei zu reißen drohte.
Licht. Er stand auf einer Lichtung und von oben strahlte die wärmende Sonne in sein Gesicht und vertrieb diese düsteren Gedanken. Er badete in ihrem Licht und ließ die Strahlen seinen Körper umhüllen, durchfluten. Sie schenkte ihm neue Lebensgeister. Die Sonne der Mutter, die immer für ihn und ihre Kinder da war. Kurz bedauerte er, dass er wohl niemals ihr Lied hören könnte, von dem ihm seine gute Freundin Sophie so viel erzählt hatte.
Schmerzlich dachte er an Sophie. Er hoffte inständig, dass sie ihr Glück mit der Welt finden würde. Oft hatte er sie an dem Abgrund erlebt, vor dem er so oft in den letzten Tagen selbst gestanden hatte. Doch bestimmt würde sich für sie alles zum Guten hin entwickeln. Sie hatte es verdient.
Nachdenklich blickte der Mann, den sie Bert nannten und der hier, ganz allein im Wald beschloss wieder Garan zu sein, in den Himmel. Einige Wolken waren dort zu sehen, die träge am Himmel entlang zogen. Keine Sterne, wie auch, es war nun schon Vormittag, sicher die neunte Stunde schon vorbei. Schade eigentlich, er mochte sie sehr. Denn sie waren das Symbol des Gottvaters, den er innerlich so verehrte.
Seine Gedanken verloren sich in den Schreckensnächten auf Lameriast. Die Untoten wüteten und keiner wusste einen Ausweg. Da war er losgezogen um den Tod zu suchen. Doch der Sternenvater hatte anders entschieden. Statt in den Tod führten ihn die Sterne zu dem Ort, an dem die Rabendiener ihr widernatürliches Ritual durchgeführt hatten. Seine Zeit war auch damals noch nicht gekommen. Noch gab es wohl eine Aufgabe für ihn zu erfüllen.
Langsam sank er auf die Knie und schaute in den Himmel. Er schloss die Augen und begann zu beten. Irgendwie hoffte er, dass der Gott, der er sich selbst gewählt hatte um die Freiheit zu ehren und zu leben, der Bruder Eluives, Horteras ihm zuhören würde.
Es wurde ein langes Gebet. Ein inniges Gebet. Nun, eigentlich war es gar kein Gebet, viel mehr erzählte er alles, was seine Seele belastete. Tief in seinem Inneren hatte er das Gefühl, das ihm zugehört wurde und langsam und ganz gemächlich schloss sich die Kluft in seinem Körper wieder.
Als er geendet hatte öffnete er die Augen wieder. Die Sonne war weiter gezogen und der Mittag schon vorüber.
Langsam schlenderte er wieder zurück Richtung Herberge. Wie es weiter gehen würde, dass würde die Zeit, das Schicksal und die Götter entscheiden. Was vor ihm lag, war ungewiss, doch es würde sicher besser werden als das, was hinter ihm lag. Er selbst jedenfalls hatte seinen Frieden gefunden, mit sich selbst und mit seinem Gott. Denn irgendwo war er und irgendwas hatte er noch mit dem Mann vor, der sich selbst den Namen Bert gegeben hatte.
Erlösung und Hoffnung
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Bertram Schattenlaub
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Erlösung und Hoffnung
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Bertram Schattenlaub
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Müde rieb er sich über die Augen, gefolgt von einem herzhaften Gähnen. Draußen krähte der Hahn von den Feldern her und die Sonne ging langsam auf. Die ganze Nacht hatte er vor dem Schlafsaal gestanden und Wache gehalten. Warum eigentlich? Natürlich war niemand gekommen um den Schlaf der jungen Frau zu stören, die dort lag und, so bildete er es sich jedenfalls ein, friedlich schlief. Kein untoter Waldläufer und kein Foltermeister aus Rahal.
Gelegentlich hatte er nachgesehen, ob sie noch da war, natürlich war sie es. Aber dennoch war er froh, wenn er die Türe wieder schließen konnte. Nicht, weil er ihre Nähe nicht ertrug. Nein, weil sie wie eine Barriere war, die den Wunsch und die Sehnsucht in ihm, sich zu ihr zu legen, ihr einen sanften Kuss auf die Wange zu geben, den Arm um sie zu legen und selbst Ruhe zu finden, eindämmte, wie ein Staudamm einen See zähmt.
Dafür war die Zeit noch nicht gekommen, ob und wann sie kommen würde, wusste er nicht. Marder und Falka waren eine große Hilfe gewesen. Sogar Marders Schläge hatten ihm gut getan, auch wenn sein Kiefer immer noch schmerzte.
Viel war an diesem Abend gesagt worden. Sie war härter und kälter gewesen, als an dem Abend des Gruselfestes. Doch nicht gemein oder böse. Er hatte sein Versprechen gebrochen und sie von sich aus gesucht. Marder hatte ihn losgeschickt um auf sie aufzupassen vor einer drohenden Gefahr. Dennoch schämte er sich dafür. Auch was gesagt worden war hatte weh getan. Sie fühlte etwas für den Mann, der sie geschlagen und gefoltert hatte. Jeder andere wäre bei dem Gedanken wohl schockiert gewesen, doch Bert konnte es verstehen. Auch er empfand Liebe wie für einen Vater für den Mann, der ihn jahrelang geschlagen und mit psychischer Folter gestählt hatte. Sein Meister hatte aus ihm eine tödliche Waffe gemacht. Emotionslos und ohne Mitgefühl.
Aber sein Meister war tot und durch die merkwürdigsten Umstände war Bert anders geworden. Er hatte rebelliert, sich wieder frei gefühlt. Zuerst war da der alte Mann auf dem Schiff gewesen, das ihn nach Bajard gebracht hatte. Er war es gewesen, der in Bert, in einer Zeit der Trauer, die Begeisterung für den Sternenvater, den Gott Horteras geweckt hatte. Dann die Begegnung mit der Tetrachin vor Varuna. Sie hatte versucht ihm den Glauben an Alatar näher zu bringen und beinahe wäre es ihr gelungen. Doch jetzt fühlte er nichts für sie, außer Mitleid und Bedauern. Sicher würde sie eines Tages röcheln in ihrem eigenen Blut liegen und noch im Todeskampf ihren Gott preisen. Schlimmer noch, sie hatte ihm selbst bestätigt, dass sie dachte so in etwa enden zu würden.
Die Arbeit und seine Freunde in der Herberge hatten ihr übriges getan. Aber da war mehr, viel mehr, da war sie. Ashlin, sie war es gewesen, die einem Orkan gleich sein Innerstes erfasst und dort keinen Stein mehr auf dem anderen gelassen hatte.
Seine erste Reaktion, als er hörte, dass sie etwas für diesen Folterer empfand war Wut und der Wunsch gewesen, aus dem Haus zu fliehen. Aber er war geblieben. Auch sie war geblieben und jetzt waren sie beide hier in der Herberge. Das fühlte sich richtig an und es tat gut in seiner Seele.
Der andere, Darkan hieß er wohl. Hätte er ihn töten sollen? Nein, er durfte sein Herz nicht der Rache und dem Zorn hingeben. Wenn dieser Kerl Ashlins Liebe wollte, dann sollte er kommen und darum kämpfen. Bert, nein Garan, er würde kämpfen. Nicht mit Dolch und Schild, sondern mit Worten und Taten und er wusste, er würde nicht aufgeben und nicht mehr weglaufen. Am Ende würde Ashlin ihre Wahl treffen. Ein Lächeln trat in sein Gesicht, er musste unweigerlich an den Armreif denken, den Robina Sophie geschenkt hatte. „Wenn du etwas liebst lass es frei, wenn es wieder kommt gehört es dir – für immer“. Ein guter Spruch fand Bert.
Die Sonne ging auf und der Tag wartete mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. Er ging nach draußen und streckte sich. Dann ging er nach unten, schüttete Suppe in den großen Topf und wärmte sie. Einen Teller verzehrte er selber, einen zweiten brachte er mit einem Stück Brot, einer kleinen Leckerei und einem Glas zu trinken nach oben und stellte ihn an das Bett in dem sie schlief. Dazu legte er ein paar Blütenblätter, die er von einer der Pflanzen unten abgezupft hatte.
Ein Weilchen beobachtete er sie noch, dann ging er, heute hatte er noch etwas zu erledigen, aber bevor er ging beugte er sich zu ihr runter und hauchte ganz leise etwas in ihr Ohr, in der Hoffnung sie nicht zu wecken und zu erdrücken.
Ich liebe dich.
Gelegentlich hatte er nachgesehen, ob sie noch da war, natürlich war sie es. Aber dennoch war er froh, wenn er die Türe wieder schließen konnte. Nicht, weil er ihre Nähe nicht ertrug. Nein, weil sie wie eine Barriere war, die den Wunsch und die Sehnsucht in ihm, sich zu ihr zu legen, ihr einen sanften Kuss auf die Wange zu geben, den Arm um sie zu legen und selbst Ruhe zu finden, eindämmte, wie ein Staudamm einen See zähmt.
Dafür war die Zeit noch nicht gekommen, ob und wann sie kommen würde, wusste er nicht. Marder und Falka waren eine große Hilfe gewesen. Sogar Marders Schläge hatten ihm gut getan, auch wenn sein Kiefer immer noch schmerzte.
Viel war an diesem Abend gesagt worden. Sie war härter und kälter gewesen, als an dem Abend des Gruselfestes. Doch nicht gemein oder böse. Er hatte sein Versprechen gebrochen und sie von sich aus gesucht. Marder hatte ihn losgeschickt um auf sie aufzupassen vor einer drohenden Gefahr. Dennoch schämte er sich dafür. Auch was gesagt worden war hatte weh getan. Sie fühlte etwas für den Mann, der sie geschlagen und gefoltert hatte. Jeder andere wäre bei dem Gedanken wohl schockiert gewesen, doch Bert konnte es verstehen. Auch er empfand Liebe wie für einen Vater für den Mann, der ihn jahrelang geschlagen und mit psychischer Folter gestählt hatte. Sein Meister hatte aus ihm eine tödliche Waffe gemacht. Emotionslos und ohne Mitgefühl.
Aber sein Meister war tot und durch die merkwürdigsten Umstände war Bert anders geworden. Er hatte rebelliert, sich wieder frei gefühlt. Zuerst war da der alte Mann auf dem Schiff gewesen, das ihn nach Bajard gebracht hatte. Er war es gewesen, der in Bert, in einer Zeit der Trauer, die Begeisterung für den Sternenvater, den Gott Horteras geweckt hatte. Dann die Begegnung mit der Tetrachin vor Varuna. Sie hatte versucht ihm den Glauben an Alatar näher zu bringen und beinahe wäre es ihr gelungen. Doch jetzt fühlte er nichts für sie, außer Mitleid und Bedauern. Sicher würde sie eines Tages röcheln in ihrem eigenen Blut liegen und noch im Todeskampf ihren Gott preisen. Schlimmer noch, sie hatte ihm selbst bestätigt, dass sie dachte so in etwa enden zu würden.
Die Arbeit und seine Freunde in der Herberge hatten ihr übriges getan. Aber da war mehr, viel mehr, da war sie. Ashlin, sie war es gewesen, die einem Orkan gleich sein Innerstes erfasst und dort keinen Stein mehr auf dem anderen gelassen hatte.
Seine erste Reaktion, als er hörte, dass sie etwas für diesen Folterer empfand war Wut und der Wunsch gewesen, aus dem Haus zu fliehen. Aber er war geblieben. Auch sie war geblieben und jetzt waren sie beide hier in der Herberge. Das fühlte sich richtig an und es tat gut in seiner Seele.
Der andere, Darkan hieß er wohl. Hätte er ihn töten sollen? Nein, er durfte sein Herz nicht der Rache und dem Zorn hingeben. Wenn dieser Kerl Ashlins Liebe wollte, dann sollte er kommen und darum kämpfen. Bert, nein Garan, er würde kämpfen. Nicht mit Dolch und Schild, sondern mit Worten und Taten und er wusste, er würde nicht aufgeben und nicht mehr weglaufen. Am Ende würde Ashlin ihre Wahl treffen. Ein Lächeln trat in sein Gesicht, er musste unweigerlich an den Armreif denken, den Robina Sophie geschenkt hatte. „Wenn du etwas liebst lass es frei, wenn es wieder kommt gehört es dir – für immer“. Ein guter Spruch fand Bert.
Die Sonne ging auf und der Tag wartete mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. Er ging nach draußen und streckte sich. Dann ging er nach unten, schüttete Suppe in den großen Topf und wärmte sie. Einen Teller verzehrte er selber, einen zweiten brachte er mit einem Stück Brot, einer kleinen Leckerei und einem Glas zu trinken nach oben und stellte ihn an das Bett in dem sie schlief. Dazu legte er ein paar Blütenblätter, die er von einer der Pflanzen unten abgezupft hatte.
Ein Weilchen beobachtete er sie noch, dann ging er, heute hatte er noch etwas zu erledigen, aber bevor er ging beugte er sich zu ihr runter und hauchte ganz leise etwas in ihr Ohr, in der Hoffnung sie nicht zu wecken und zu erdrücken.
Ich liebe dich.
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Bertram Schattenlaub
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Wie spät war es? Er wusste es nicht, gerade aufgewacht brauchte er erst einmal einige Augenblick um sich zu orientieren. Im Gesicht spürte er langes Haar, dass ihn nicht kitzelte und wunderbar duftete. Es war ihr Haar und ihr Duft. Statt die Augen zu öffnen und sich umzublicken, zog er es vor, noch ein Weilchen so zu verharren, den Kopf an ihren angeschmiegt, einen Arm um sie gelegt. Die Wärme ihres Körpers fühlte sich gut an und das langsame ein und aus ihres Atems gab ihm ein Gefühl für Ruhe, dass er nur in ihrer Nähe erfahren konnte.
Doch dann löste er seinen Kopf leicht von dem ihren und machte die Augen auf. Dunkelheit. Aber das war in Ordnung, er war in seinem kleinen Zimmer und sie war bei ihm.
Was war nur alles in den letzten Tagen und Wochen passiert? Vieles, was ihm zu denken gab. Einen Schritt war er davor gestanden in seine Heimat zurück zu kehren und dem Wunsch nach Rache nachzugehen. Alles war bereits geplant gewesen und die Überfahrt bezahlt. Nur Sophie hatte er davon erzählt. Seine Freunde hatten sich wirklich alle Mühe mit ihm gegeben, aber nicht einmal Verdanias sonniges, immer fröhliches Gemüt hatten ihn aufheitern können. Kein Rauschkraut hatte das Gefühl der Leere stopfen können und doch, im letzten Augenblick, bevor er gegangen wäre in ein ungewisses Schicksal, da stand sie da, seinen Brief in den Händen. Als er sie umarmte hätte sie ihn aus Angst vor Schmerzen beinahe geschlagen, egal, alles egal. Sie war gekommen und hatte ihn gerettet vor dem Pfad des Hasses und der Rache, sie wusste es nicht, vielleicht war es auch besser so. Dies alles zählte jetzt nicht mehr, denn das Schicksal hatte sie wieder zu ihm geführt. Die darauf folgenden Wochen waren eine schwere Prüfung gewesen. Zusammen hatten sie aber vielem getrotzt und wieder Stück für Stück zueinander gefunden. Und jetzt lag sie hier in seinen Armen und er war glücklich.
„Sophie“ dachte er plötzlich und seine Mundwinkel wanderten nach unten. Schwanger war sie also, was sollte er nur davon halten? Eigentlich traute er ihr zu, eine gute Mutter zu werden, wenn sie sich nur an dem festhielt, was gut war in ihrem Leben. Er hatte sie wieder in Begleitung von Säufern vorgefunden und als Luninara zu ihnen kam und sagte, Sophie hätte Ärger auf der Insel, da war einfach nur noch Wut in ihm. Wieso war sie wieder dorthin gegangen? Wieso konnte sie nicht hier in Bajard bei ihm, Verdania, Rothran und all den anderen bleiben, die sie lieb hatten und die ihr niemals etwas Böses wollten? Mit Bedauern dachte er an seine eigene Kindheit. Seine Eltern waren gestorben als er noch klein war und die Zeit bei seinem Meister hatte die meiste Zeit aus Schmerz und Prüfungen bestanden. Eine Kindheit voller Trauer und Wut, so etwas wollte er keinem Kind zumuten. Sein Blick wanderte zu der schlafenden Ashlin in seinen Armen. Er war noch gar nicht bereit Vater eines Kindes zu werden, war er doch selber noch ein Kind und er konnte das alles sicher nicht und würde sie nur enttäuschen oder ihr Weh tun. Sanft streichelte er ihr über den Bauch und lies die Angst aus sich heraus fließen. In ihrer Gegenwart konnte er einfach nicht lange schlechte Gefühle haben.
Er schloss die Augen und wollte weiter schlafen, doch wieder war da etwas in seinem Kopf. Beldan und Lairja. Nie hatte er sie wirklich verstanden, aber immer gemocht. Zu ihm waren sie stets freundlich und nett, wenn auch distanziert gewesen. Lairja war es gewesen, die ihm sein erstes Pferd an die Hand gegeben hatte. Beide waren jetzt weg und wenn die Gesellschaft tatsächlich Bajard verlassen würde, dann würden er die beiden wohl nicht mehr so oft sehen. Es war sicher das Beste, einfach alle guten Erinnerungen an die zwei zu bewahren und ihnen auf ihrem Weg alles Gute zu wünschen. Hoffentlich würden sie nun glücklicher werden.
Ein tiefer Atemzug entwich seinem Körper. Die kleine Katze war wieder in Bajard aufgetaucht. Jedoch aggressiver, hatte er das Gefühl, vielleicht sogar auf der Suche nach Streit. Er hatte so sehr gehofft sie nicht mehr wieder zu treffen, weckte sie doch so gemischte Gefühle in ihm. Auf der einen Seite Wut und Hass, war sie es doch gewesen, die ihm Ashlin weggenommen hatte, doch war sie auch fast so etwas wie eine Freundin, die ihm viele Kniffe gezeigt hatte, als er noch neu in diesem Land war und mit ihr hatte er stets gute Geschäfte machen können.
Genau wie „der Andere“. So hatte er nun beschlossen ihn zu nennen. Darkan, Folterer, Trabant, sein Name, seine Stellung war egal. Wie hatte er nur diesem wunderbaren Geschöpf, dass da neben ihm im Bett lag und friedlich schlief, Schmerzen zufügen können. Er sei Soldat. Das war seine Rechtfertigung für alles. Was würde er tun, wenn er ihm wieder begegnen würde? Diese Frage hatte er mit einigen Menschen diskutiert. Einem Priester, einem Adlerritter und vor allem mit sich selbst. Im stillen Gespräch mit seinem Innersten. Vielleicht war er noch nicht verloren und man konnte ihn von diesem Pfad des Hasses abbringen? Würde er versuchen seinerseits die Attacke zu führen, hielt er Bert doch immer noch für Ashlins Auftraggeber und hatte dies wohl seinem Alka gesagt. Der Alka, wer war das genau? Was wollte er? Scheinbar war er der Herrscher Rahals, doch recht viel mehr wusste Bert nicht über ihn.
Müdigkeit kroch wieder in ihm hoch und er musste weiter schlafen. Morgen warteten sicher wieder Aufgaben und Herausforderungen auf ihn. Sanft kuschelte er sich wieder an sie und streichelte sie ganz zart um sie nicht aufzuwecken. Diese Geborgenheit, die sie ihm gab, die Liebe, die sie versprühte. Dann hauchte er ihr noch einen Kuss, eher ein Küsschen auf die Schulter und sein Kopf fand wieder den Platz an ihrem. Kurz bevor ein einschlief, kam noch ein Gedanke hoch und ganz leise murmelte er:
Ich liebe dich, weil du mich vor ihnen gerettet hast....
Doch dann löste er seinen Kopf leicht von dem ihren und machte die Augen auf. Dunkelheit. Aber das war in Ordnung, er war in seinem kleinen Zimmer und sie war bei ihm.
Was war nur alles in den letzten Tagen und Wochen passiert? Vieles, was ihm zu denken gab. Einen Schritt war er davor gestanden in seine Heimat zurück zu kehren und dem Wunsch nach Rache nachzugehen. Alles war bereits geplant gewesen und die Überfahrt bezahlt. Nur Sophie hatte er davon erzählt. Seine Freunde hatten sich wirklich alle Mühe mit ihm gegeben, aber nicht einmal Verdanias sonniges, immer fröhliches Gemüt hatten ihn aufheitern können. Kein Rauschkraut hatte das Gefühl der Leere stopfen können und doch, im letzten Augenblick, bevor er gegangen wäre in ein ungewisses Schicksal, da stand sie da, seinen Brief in den Händen. Als er sie umarmte hätte sie ihn aus Angst vor Schmerzen beinahe geschlagen, egal, alles egal. Sie war gekommen und hatte ihn gerettet vor dem Pfad des Hasses und der Rache, sie wusste es nicht, vielleicht war es auch besser so. Dies alles zählte jetzt nicht mehr, denn das Schicksal hatte sie wieder zu ihm geführt. Die darauf folgenden Wochen waren eine schwere Prüfung gewesen. Zusammen hatten sie aber vielem getrotzt und wieder Stück für Stück zueinander gefunden. Und jetzt lag sie hier in seinen Armen und er war glücklich.
„Sophie“ dachte er plötzlich und seine Mundwinkel wanderten nach unten. Schwanger war sie also, was sollte er nur davon halten? Eigentlich traute er ihr zu, eine gute Mutter zu werden, wenn sie sich nur an dem festhielt, was gut war in ihrem Leben. Er hatte sie wieder in Begleitung von Säufern vorgefunden und als Luninara zu ihnen kam und sagte, Sophie hätte Ärger auf der Insel, da war einfach nur noch Wut in ihm. Wieso war sie wieder dorthin gegangen? Wieso konnte sie nicht hier in Bajard bei ihm, Verdania, Rothran und all den anderen bleiben, die sie lieb hatten und die ihr niemals etwas Böses wollten? Mit Bedauern dachte er an seine eigene Kindheit. Seine Eltern waren gestorben als er noch klein war und die Zeit bei seinem Meister hatte die meiste Zeit aus Schmerz und Prüfungen bestanden. Eine Kindheit voller Trauer und Wut, so etwas wollte er keinem Kind zumuten. Sein Blick wanderte zu der schlafenden Ashlin in seinen Armen. Er war noch gar nicht bereit Vater eines Kindes zu werden, war er doch selber noch ein Kind und er konnte das alles sicher nicht und würde sie nur enttäuschen oder ihr Weh tun. Sanft streichelte er ihr über den Bauch und lies die Angst aus sich heraus fließen. In ihrer Gegenwart konnte er einfach nicht lange schlechte Gefühle haben.
Er schloss die Augen und wollte weiter schlafen, doch wieder war da etwas in seinem Kopf. Beldan und Lairja. Nie hatte er sie wirklich verstanden, aber immer gemocht. Zu ihm waren sie stets freundlich und nett, wenn auch distanziert gewesen. Lairja war es gewesen, die ihm sein erstes Pferd an die Hand gegeben hatte. Beide waren jetzt weg und wenn die Gesellschaft tatsächlich Bajard verlassen würde, dann würden er die beiden wohl nicht mehr so oft sehen. Es war sicher das Beste, einfach alle guten Erinnerungen an die zwei zu bewahren und ihnen auf ihrem Weg alles Gute zu wünschen. Hoffentlich würden sie nun glücklicher werden.
Ein tiefer Atemzug entwich seinem Körper. Die kleine Katze war wieder in Bajard aufgetaucht. Jedoch aggressiver, hatte er das Gefühl, vielleicht sogar auf der Suche nach Streit. Er hatte so sehr gehofft sie nicht mehr wieder zu treffen, weckte sie doch so gemischte Gefühle in ihm. Auf der einen Seite Wut und Hass, war sie es doch gewesen, die ihm Ashlin weggenommen hatte, doch war sie auch fast so etwas wie eine Freundin, die ihm viele Kniffe gezeigt hatte, als er noch neu in diesem Land war und mit ihr hatte er stets gute Geschäfte machen können.
Genau wie „der Andere“. So hatte er nun beschlossen ihn zu nennen. Darkan, Folterer, Trabant, sein Name, seine Stellung war egal. Wie hatte er nur diesem wunderbaren Geschöpf, dass da neben ihm im Bett lag und friedlich schlief, Schmerzen zufügen können. Er sei Soldat. Das war seine Rechtfertigung für alles. Was würde er tun, wenn er ihm wieder begegnen würde? Diese Frage hatte er mit einigen Menschen diskutiert. Einem Priester, einem Adlerritter und vor allem mit sich selbst. Im stillen Gespräch mit seinem Innersten. Vielleicht war er noch nicht verloren und man konnte ihn von diesem Pfad des Hasses abbringen? Würde er versuchen seinerseits die Attacke zu führen, hielt er Bert doch immer noch für Ashlins Auftraggeber und hatte dies wohl seinem Alka gesagt. Der Alka, wer war das genau? Was wollte er? Scheinbar war er der Herrscher Rahals, doch recht viel mehr wusste Bert nicht über ihn.
Müdigkeit kroch wieder in ihm hoch und er musste weiter schlafen. Morgen warteten sicher wieder Aufgaben und Herausforderungen auf ihn. Sanft kuschelte er sich wieder an sie und streichelte sie ganz zart um sie nicht aufzuwecken. Diese Geborgenheit, die sie ihm gab, die Liebe, die sie versprühte. Dann hauchte er ihr noch einen Kuss, eher ein Küsschen auf die Schulter und sein Kopf fand wieder den Platz an ihrem. Kurz bevor ein einschlief, kam noch ein Gedanke hoch und ganz leise murmelte er:
Ich liebe dich, weil du mich vor ihnen gerettet hast....