Krieg, Sieg, Rückkehr, Enttäuschung - Auf Temoras Wegen

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Sorcha Llastobhar
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Krieg, Sieg, Rückkehr, Enttäuschung - Auf Temoras Wegen

Beitrag von Sorcha Llastobhar »

Als das Schiff angelegt hatte und den einzigen Passagier von Bord gelassen hatte, da war der Himmel über Bajard grau in grau gewesen. Vielleicht hätte sie dies bereits als erstes Anzeichen erkennen sollen, doch verschwendete sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen gedanken daran, dass die Dinge völlig anders verlaufen könnten, als sie es sich gedacht hatte.


Drei Jahre waren es. Drei Jahre, in denen sie Gerimor den Rücken gekehrt hatte, um mit einer ausgewählten Anzahl an Streitern der Bruderschaft Temoras an der seite ihres Anführers Nevyn von Silberhand in den Krieg zu ziehen. Gegen die Brut Alatars, im Namen der Alleinen, der Schwertmaid, deren flammenden Schwert durch die Reihen der Ungläubigen schwingen sollte. Es waren harte drei Jahre gewesen und zwischendrin schien es fast so, als ob Temora den Adlerrittern nicht mehr wohl gesonnen war. Mehrere Narben und Wunden hatte sie von verschiedenen Schlachtfeldern davongetragen, manche würden sie bis an ihr Lebensende zeichnen. Doch letztendlich hatte sich das Schlachtenglück gedreht und die ketzerische Brut war immer mehr auf dem Rückzug gewesen. Schlacht um Schalcht verlief siegreich und so war es nicht verwunderlich gewesen, dass Lord Nevyn von Silberhand entschieden hatte, dass jemand zurück nach Gerimor geschickt werden sollte um die freudige Kunde zu verbreiten und die Lage Daheim neu abzuschätzen.

Dass sie die Person sein würde, das hätte sie allerdings keinen Moment gedacht. Enttäuschung, und für den ersten Moment sogar Scham, hatten sich in ihr breit gemacht. Letztendlich war es Nevyn persönlich gewesen der sie in seine Motivation hinter diesen Befehlen eingeweiht hatte und am Ende hatte sie ihm dann auch rechtgeben müssen; wenn auch nicht ohne deutliches Gemurre. All die Tage auf hoher See hatte sie überlegt wie es wäre wieder auf Gerimor anzukommen. Wie wohl der Krieg mit dem alatarischen reich verlaufen war? Sie war sich sicher, dass die übrigen Truppen der Bruderschaft mehr als ausreichend gewesen waren um früher oder später einen harten Vorstoß gegen Rahal zu wagen und den dunklen Schandfleck endgültig von der Karte zu tilgen. Manches mal hatte sie sich gewünscht selbst an solch einem Vorstoß teilzunehmen; die Stadt einzunehmen und jeden einzelnen dieses ungläubigen Packs den reinigenden Flammen der Schwertmaid zu übergeben. Doch ihr Kampf fernab Gerimors war von größerer Wichtigkeit gewesen und so mischte sich nun auch eine gewisse Vorfreude in die Rückkehr ein.

Ein weiterer Punkt der ihr während der Fahrt Frieden brachte war die Tatsache, dass sie ihre Familie nach all der Zeit wiedersehen würde, allen voran ihre Schwester. Doch all diese persönlichen Dinge hatten zu warten; waren zweitrangig. Zuerst galt es versiegelte Schreiben zu überbringen; an Lord de Arganta, an dieFührerschaft der Bruderschaft, die Kirche, die Paladiness von Hohenfels und weiteren Personen. Erst nach der Erfüllung ihrer Pflicht würde sie sich um diese andere Dinge kümmern können.


All das waren ihre Ziele gewesen und doch war sie die ersten zwei Tage nach ihrer Ankunft in Bajard verblieben. Das Fischerdorf hatte sich nicht im geringsten verändert, es war immer noch ein ort der gottlosen Ketzer und selbst das alatarische Pack verkehrte immer noch innerhalb des Dorfes. Am ersten Abend war ein Temler vor ihr gestanden, hatte sie mit „Dem Einen Segen“ gegrüßt … wie gerne hätte Sorcha ihre Klinge gezogen und diese frevlerische Zunge aus seinem Mund geschnitten. Doch sie war nicht gerüstet und auch die unzähligen Konflikte hatten ihren Tribut gezollt: Sorcha war alles andere als fit, fühlte sich schwächer und verwundbarer. Und so hatte sie geschwiegen, hatte den Fremden ignoriert und ihre Wut unterdrückt.

Was sie jedoch viel mehr und härter treffen sollte, war der zweite Tag. Von einem Seefahrer mit einem mehr als interessanten Dialekt hatte sie Neuigkeiten erfahren, die wie ein Schlag ins Gesicht wirkten. Die Bruderschaft: aufgelöst. Die Allianz des Lichts: nicht mehr vorhanden. Lord de Arganta: getötet. Den orden der Temora schien es wenigstens noch zu geben, soweit sie es heraushören konnte, doch was war hier nur geschehen? Wie im Namen der Alleinen konnte dies passiert sein? War die dunkle Macht der Pantherbrut wirklich so stark geworden? Was war mit Adoran? Sie würde all das die nächsten Tage herausfinden und noch wichtiger: Sie musste herausfinden ob noch irgendwelche Verbündeten der Bruderschaft existierten. Und dannw aren da noch ihre Befehle ...

Sie hatte sich ihre Rückkehr ausgemalt. Aber dieses Szenario war schlimmer als die schlimmsten Befürchtungen die sie je hatte.
Zuletzt geändert von Sorcha Llastobhar am Sonntag 7. Oktober 2012, 22:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Sorcha Llastobhar
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Beitrag von Sorcha Llastobhar »

Nichts. Seit Tagen nichts. Keine Nachricht, keine Botschaft, keine Befehle, kein Lebenszeichen. Als die Wirtin ihr, wie jeden Tag, ein entschuldigendes Lächeln schenkte, entglitt Sorcha einfach nur ein tiefes Seufzen. Seit Tagen steckte sie nun in Bajard fest. Gebunden durch ihre Befhle, durch ihre eigene Striktheit.
Kurz nachdem sie sich des Ausmaß auf Gerimor bewusst gewesen war, hatte sie eine eilige Nachricht an Lord Silberhand geschrieben und per Brieftaube losgeschickt. Natürlich war Sorcha bewusst dass es lange dauern würde bis sie ihr Ziel erreichen würde, doch dass nach all der Zeit immer noch keine Antwort kam? Sie verlor immer mehr die Hoffnung, dass die Nachricht überhaupt angekommen war. Vielleicht hatten Schützen den Vogel abgeschossen, vielleicht war das Vieh auf dem weg krepiert; Sorcha konnte es nicht sagen aber sie wurde der Situation langsam überdrüßig.


Bajard glich einem Schandfleck und jeder Tag in diesem Fischerdorf, jeder Tag ohne Order, drohte sie noch wahnsinnig zu machen. Die meiste Zeit des Tages saß sie in der Taverne zum torkelnden Oger, schrieb ihre Notizen nieder, trank Wasser Saft und wartete, wartete so lange bis die Sonne unterging und es Zeit zum Schlafen war.
Immer wieder hatte sie das eine oder andere gespräch geführt und einmal war sie sogar einem ihrer Verwandten begegnet; Demoar. Was er jedoch zu berichten hatte trug nicht gerade dazu bei, dass Sorchas Laune sich verbesserte. Viel eher schien es ihr von Tag zu tag so, als ob selbst die siegreiche Schlacht auf den Inseln ihr immer mehr wie ein Traum erschien und Bajard war das Erwachen aus eben diesem.


Mit den Tagen kam auch nicht nur der Verdruss, nein, es kamen auch andere Dinge. An jenem einen Abend hatte sie sich nicht selbst zurückhalten können. Als die Wirtin am Abend erneut den Kopf schüttelte und ihr mitteilte, dass keinerlei Nachricht für sie angekommen sei, hatte sie nicht den Krug Wasser geordnet, sondern den hiesigen Apfelwein. Der Krug wurde mit der Zeit immer leerer und schon bald gesellte sich ein zweiter und ein dritter zu ihm.
Für diese Nacht war es ihr egal, sie wollte sich betrinken, wollte wie früher in den Barracken der garde wieder den Rausch des Alkohols spüren, und sie wurde nicht enttäuscht. Erst fühlte sie sich etwas benommen, dann kam die Euphorie und dann die Gleichgültigkeit.
Je mehr sie in sich hineinschüttete, desto gleichgültiger wurde alles; wozu noch all das? Wozu kämpfen wenn woanders die Folgen weitaus schlimmer waren als die Erfolge die man erzielte? Vielleicht war temora doch noch mit ihr, denn an diesem Abend lief sie keinem Alathargläubigen über den Weg; andererseits wäre es wohl ihr Ende gewesen, denn die letzte Phase war beim Alkohol immer die gleiche für Sorcha: Zorn. Zorn auf sichs elbst, Zorn auf die Streiter dafür, dass sie anscheinend aufgegebn hatten, Zorn über den Adel Adorans und seine damalige Korruption, Zorn über Nevyn dass er sie hierher geschickt hatte, sogar Zorn über Temora, dass sie dem Ganzen nicht einfach ein Ende setzte.

Stunden später hatte sie sich schwankend in ihr kleines Zimmer begeben, war ins Bett gefallen und hoffte auf den süßen Schlaf des Vergessens. Doch vielleicht hätte sie es besser wissen müssen. Vielleicht hätte sie ahnen sollen, dass der Alkohol nicht nur Zorn mit sich bringen würde, sondern auch Zweifel. Und Schuld.


Sie hatte die Augen geöffnet und etwas in ihr wusste bereits, dass es alles nur ein Traum sein konnte. Sie war wieder zurück, zurück auf der Insel. Sie hatten gerade einen Vorstoß gegen ein beefstigtes Dorf unternommen, die Verluste waren groß gewesen, doch am Ende waren sie siegreich gewesen. Sorcha sah sich selbst in der strahlenden Rüstung der Adlerritter, sah sich über den Dorfplatz gehen und die Menschen beäugen, welche zusammengetrieben in der Mitte standen.
Die meisten dieser Menschen waren Bauern, Milizionäre, Frauen und Kinder. Doch wichtiger in diesem Moment war ein Umstand gewesen: Sie alle waren Verräter und Ketzer. Jeder einzelne von ihnen hatte die Möglichkeit gehabt zu fliehen bevor die Aufständischen der Pantherbrut gekommen waren, einige waren geflohen, doch sie waren geblieben und nun galt es zu überlegen was man mit ihnen tun sollte.

Sorcha lauschte sich selbst wie sie den Gefangenen ihre Vergehen vorbrachte: Verbrüderung mit dem Feind, Ketzerei und Verrat gegenüber der heiligen Kirche. Und es war jene junge Frau gewesen, die ihr all die Zeit im Kopf geblieben war. Sie mochte keine zwanzig Lenzen alt sein, das Gesicht verdreckt und der Blick entschlossen. Dass sie ihr Glück selbst wählen würden, dass man ihnen unter Alatar ein friedlicheres Leben versprochen hatte, dass der Graf der Insel ein korrupter tyrann war. Letzteres hätte Sorcha ihr sogar geglaubt, doch es hatte nichts geändert; sie war eine Ketzerin, so wie alle anderen hier.


„Ich gebe euch und all den Bewohnern eine einzige Chance. Sagt ab von diesem ketzerischen Glauben und ihr werdet vor ein weltliches Gericht geführt nachdem dieser Konflikt vorbei ist. Sagt ab von diesem falschen Gott, der nur die ewige Dunkelheit über euch alle bringen will!“


Das waren ihre letzten Worte an die Gefangenen. Sie sollten Alatar verleugnen, sollten sich den Lichten wieder zuwenden, mehr wollte die Adlerritterin doch nicht. Doch sie hatten sich fast alle geweigert. Allen voran diese junge Frau; mehr noch ein halbes Kind, wie sie ihr vor die Füße gespuckt hatte. Sie hatten ihr Los gewählt, nicht wahr? Sie hatten eine Wahl.
Und doch hatten sie sich für die Dunkelheit, für das Ende aller Dinge entschieden, für Lüge und Verrat. Sie musste den Befehl geben, sie musste den ersten Schwerthieb selbst ausführen, der der jungen Frau den Hals aufschlug. Sie musste all diese Ketzer ihrer gerechten Strafe zubringen! Nur die Kinder wurden verschont, ansonsten niemand von denen, die sich geweigert hatten. Es war ein Blutbad. Aber es war notwendig, sie HATTEN gewählt.



Und doch. Wieso hatte sie dann den Ausdruck jener sterbenden Augen vor ihrem Inneren, bis zu dem Moment, wo sie aufwachte? … Wo blieb bloß die Nachricht?
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