Jeder Augenblick ein Freund, ich hatte davon geträumt
Die Gunst zu erleben, nach nichts zu streben
Machte mich erneut zum Kinde, erwiegte stürmisch meine Sinne."
Es war ein ruhiger Tag im Hain, die Sommersonne sandte ihre Strahlen über die grünen Wiesen und ließ alles in einem friedlichen Glanz erstrahlen. Nichts konnte dieses Bild trüben. Zufrieden lächelnd und mit geschlossenen Augen saß Aremion an dem See vor dem Gemeinschaftshaus und ließ seinen Körper und seine Seele sich entspannen. Doch irgendetwas war anders als sonst. Normalerweise vernahm er das Lied ruhig und klar, doch diesmal war ein leichtes Zupfen zu verspüren, etwas zupfte an seiner eigenen erdgebundenen Liedstruktur. Tief furchte sich die Stirn des jungen Druiden. Sollte er dem Zupfen nachgehen, was ihn in seiner Meditation störte? Oder sollte er es einfach ignorieren? Leider war es dem naiven jungen Mann gegeben, dass er sehr neugierig war und so ließ er sich darauf ein, konzentrierte sich auf seinen eigenen Klang und folgte den Schwingungen, die das Zupfen hervor rief. Mit jedem tiefergehenden Versuch wurde es stärker und wandelte sich schließlich und endlich in eine leise, lockende Stimme, die seinen Namen rief. Die Stimme war rein und lieblich, fast schon zum Verlieben. Kein Makel haftete an ihr und sie war ihm so vertraut, als wäre es seine eigene Stimme. Aremion merkte gar nicht, wie er sich ins Gras legte und einfach nur den betörenden Klängen lauschte. Sie wollte ihn locken, fort vom Hain und in die weite Welt hinaus. Er müsse sich selbst erkennen. War das war? Kannte er sich selbst gar nicht? Zweifel schürten sich in seinem Herzen. Er sollte sein Glück suchen. Hatte er hier nicht alles was er wollte? Hier im Hain, bei seinen Brüdern und Freunden? Hier fehlte es ihm doch an nichts. Oder etwa doch? Bilder schossen durch seinen Kopf. Sophie und Serra. Die beiden Frauen, die ihm irgendwann vor einiger Zeit mal etwas bedeutet hatten und er hatte beide ziehen lassen. Das nagte heute noch an seiner jungen Seele. Die Stimme spürte das und fast schon konnte er die Gestalt, der die Stimme gehörte, nicken sehen. Sie hatte recht. Hier hatte er nicht alles was er brauchte. Ihm fehlte ein passender Gegenpart und ihm fehlte sein Selbst. Er musste sich finden. Bei dem letzten Gedanken durchfuhr ihn Wärme als wäre es eine stumme Zustimmung.
Blinzelnd erwachte Aremion aus diesem Tagtraum. Der Abend brach bereits an im Hain und eigentlich hätte er sich nun zurück gezogen in sein Haus, doch er spürte, dass ihm auch hier etwas fehlte. Es zog ihn fort, wie früher in seiner Kindheit schon. Zu vieles lockte ihn nach draußen und zu wenig hielt ihn im Hain. Traurig, aber wahr. Nichtmal die Erinnerungen an die gemeinsam erlebten Stunden konnten ihn zum Bleiben bewegen. Nachdenklich schritt der junge Druide in sein Haus und in den liebevoll eingerichteten Keller. Die Reagenzien würde er der Gemeinschaft zugute kommen lassen, sie sollten allen noch etwas weiterhelfen aber sonst besaß er nichts von Wert. So ließ er alles an Ort und Stelle, legte den Schlüssel mit zu den Reagenzien, irgendjemand würde sicher Verwendung finden für seine Sachen. Ein letzter Blick auf den Hain und Aremion drehte allem den Rücken zu und ging seines Weges. Tief verborgen in den Schatten der Wälder. Er wird wohl nicht wieder zurück kehren, denn auf dem Tisch des Gemeinschaftshauses befindet sich folgende Nachricht:
Liebe Brüder,
sucht mich nicht, denn ich bin es, der euch verlassen hat. Wenn ich nicht gefunden werden möchte, so werdet auch ihr keinen Erfolg haben. Lasst euch gesagt sein, dass ich jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde mit euch im Herzen bewahren werde. Behaltet alles in Erinnerung, was wir erlebt haben.