Ein Schreiben bezüglich des Rüstrechts durch den Hauptmann

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Beldan Scherenbrueck
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Ein Schreiben bezüglich des Rüstrechts durch den Hauptmann

Beitrag von Beldan Scherenbrueck »

Rothran hat geschrieben:Seid mir gegrüßt, werte Bürger und Bürgerinnen,

nachdem ich heute von mehr Rahalern als ich auf Anhieb zählen konnte am Dorfeingang empfangen worden bin, habe ich Aufgrund meiner letzten Informationen das wir ohne Führung sind, die Rüstbeschränkung aufgehoben.

Dies soll euch zur Information dienen, wenn ihr damit nicht einverstanden seid, wählt euren neuen Bürgermeister und stimmt erneut über das Gesetz ab und macht es dann auch den entsprechenden Parteien klar.

Sollte es wieder eine Führung geben, werde ich auch wieder Mitglied der Wehr, sollte es denn wieder eine geben, aber um Konfliktpotential zu minimieren werde ich das Amt des Hauptmanns bis dahin ablegen und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen, aber für meine Überzeugung sollen keine Bewohner sterben.

gezeichnet Rothran

Er betrachtete das Schreiben mit einem schmalen Lächeln und seine erste Reaktion wäre gewesen, es zu zerreißen, zu zerknüllen und ins Herdfeuer zu werfen. Aber es war seine Angewohnheit, alles zwei oder drei Mal zu lesen, und nach der dritten Lektüre war er sich nicht mehr so sicher, was er davon halten sollte. Zum einen musste er sich eingestehen, dass er selber darüber nachgedacht hatte, Rahal über die derzeitigen Verhältnisse in Bajard zu unterrichten. Und unabhängig davon, was Rothran bewegt haben mochte, wäre es ihm vor allem darum gegangen, seinen Namen von dem erneuten Chaos in Bajard rein zu waschen und die Verantwortung loszuwerden, die er sich durch Teilnahme an den diplomatischen Gesprächen aufgebürdet hatte. Letztlich hatte sein Gewissen – oder sein wachsendes Desinteresse? – die Oberhand behalten, vielleicht auch etwas Kalkül, denn aus Erfahrung wusste er, dass das Anbiedern an die Reiche im Allgemeinen mehr kostete als es einbrachte. Was war Rothrans Ansporn? Wenn er Verdania und seine Frau richtig verstanden hatte, gehörte er zur Gruppe derjenigen in Bajard, die gegen Rahal zu Felde ziehen wollten. Wie passte das zusammen? Ein paar Ideen hatte er, aber er wusste noch nicht so recht, wohin sie führten.

Was jedenfalls feststand war, dass Bajard – wieder einmal – auf ein größeres diplomatisches Fiasko zusteuerte. Eine enttäuschte Bürgermeisterin, die nicht wusste, ob sie abdanken oder bleiben sollte, sich trotzdem gewagte Geheimverhandlungen mit Rahal aufhalste und dann bei laufenden Verhandlungen entschied, doch abzudanken. Und ein enttäuschter Hauptmann, der mitten in diese diplomatisch heikle Gratwanderung hinein für gefährliche Tatsachen sorgte, nur um im Anschluss daran ebenfalls sein Amt niederzulegen. Dazu eine desinteressierte Bürgerschaft, die keine Veranlassung sah, die in den Schmutz geworfene Fahne wieder aufzuheben. Alles war eigentlich wie immer. War er enttäuscht? Nicht wirklich. Auf der Liste der unbeliebtesten Ämter Gerimors belegte Bajard recht unangefochten die ersten beiden Ränge. Und gäbe es mehr Ämter in Bajard als das des Bürgermeisters und des Hauptmanns, dann würde man auch Platz drei oder vier noch mit Bravour verteidigen. Verdania hatte mehr als ein Jahr lang auf dem Posten durchgehalten, das reichte erfahrungsgemäß für ein ganzes Leben. Und die Hauptleute kamen und gingen ohnehin im Rhythmus der Jahreszeiten. Er selbst hatte die Fahne lange genug hochgehalten, war Bürgermeister gewesen, Hauptmann, Friedensrichter, hatte Ämter vertreten und Neuwahlen geleitet, und war es einfach müde, sich bei jeder Krise wieder aus dem Lehnstuhl aufzuraffen, zur Ordnung zu mahnen und einen neuen Weg für Bajard auszudenken.

Die dicken Bände mit den Chroniken Bajards, die seine Unterschrift trugen, und ein verblichenes übergroßes Porträt in der Amtsstube, das ihm zu Ehren aufgehangen worden war und an dem sich viele seiner Nachfolger hatten messen lassen müssen, erinnerten daran, dass ihm Bajard einmal viel bedeutet haben musste. Aber das war lange her. Jetzt war er nur noch müde; müde der ständigen Alltagsgeschäfte, der zähen Verhandlungen, des Kratzbuckelns und der Gefahren, müde der ständigen Sorge, des Elends und der Verachtung, die dieses Elend einbrachte. Wie oft hatte man ihn in die Knie gezwungen und Bajard in Trümmer gelegt, wie oft war er wieder aufgestanden und Bajard mit ihm? Aber irgendwann war die Grenze erreicht und er spürte, dass es Zeit war, einen Schlussstrich zu ziehen.
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