Ein Leben unter der Pranke des Panthers

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Laina Celeste

Ein Leben unter der Pranke des Panthers

Beitrag von Laina Celeste »

I. Von alatarischen Tugenden und wahrer Freundschaft


Weißt du eigentlich, was wahre Freundschaft ist?
Hand in Hand die schwersten Wege zu geh'n.
Auch mal das Schlechte im And'ren zu seh'n.
Vertrauen zu schenken.
Einander auf den richtigen Weg zu lenken.



Während sie in dieser Nacht ihrer Nachtwache nachging – im Raum hinter ihrem Rücken die schlafende Melinda wissend, die sie nach wie vor um jeden Preis zu beschützen gedachte –, ließ die junge Waffenmeisterin die Ereignisse des Tages, vor ihrem geistigen Auge, Revue passieren: Der Rabe, Melindas Peiniger, hatte zugeschlagen. Vor dem Hof der jungen Bäuerin schossen die Hände der Untoten aus dem Schnee, und bahnten den zugehörigen Körpern einen stöhnenden Weg aus der Erde empor. Mit jedem niedergeschlagenen, modrigen Leib, drückten sich gleich zwei weitere knirschend aus der eisigen Schneeschicht, und Laina erkannte sofort, dass ein Niedermetzeln der immer näher heran schlurfenden Gruppen lediglich dazu führte, dass sich die vermeintliche Zombie-Armee nur verdoppelte.

Wenngleich die Lage aussichtslos erschien, so wollte sie Melinda nicht aushändigen. Talana stand neben ihr – und wenngleich sie ihre Waffe mit Unsicherheit zu halten schien, wusste sie sich durch ihre Mitstreiterin unterstützt. Ungewöhnlich ruhig und einfühlsam erklang die Stimme des Peinigers in den Ohren der rothaarigen Bäuerin, doch Laina warnte sie: „Seine Worte sind wie Gift! Höre nicht auf sie!“ Tatsächlich hätte die junge Streiterin dafür gesorgt, ihr Leben für das ihrer lieb gewonnenen Freundin zu opfern. Nicht nur im Sinne der Aufopferung als Tugend ihres Herrn, sondern eher aus der Tatsache heraus, die Bäuerin neuerdings als entsprechend wertvolle, ihr nahe stehende, vertrauensvolle Person kennen gelernt zu haben. „Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmen willst, musst du erst an mir vorbei“, dachte sich die hitzköpfige Waffenmeisterin im Stillen, und hob abwehrend ihr Zweihandschwert an. Die eisblauen Augen blickten, an der horizontalen Schneidseite der Klinge vorbei, zu dem Mann in der obskuren Knochenmaske hinüber. Jederzeit zu einem gezielten Angriff bereit.

Im Gegenzug, ließ Melinda jedoch überraschend den Wunsch des Peinigers zu – er kam in den Besitz einer ihrer roten Locken. Sie wollte Laina nicht zwischen einer sabbernden, stöhnenden Horde an Untoten fallen sehen. Ihr Versprechen war gebrochen – Alatar hatte sie gar die Sicherheit Melindas mit Zuversicht geäußert, und wurde am Ende des Tages – abgesehen von den Schmerzen der voran gegangenen Schlacht – von Gedanken der Niederlage geplagt. Zornentbrannt – entsprechend unter ihrer Schwäche leidend, derartige Wutausbrüche kaum unter Kontrolle zu haben – stürzte sich die blonde Streiterin auf die Untoten: “Aaaaaaahrrr, ich bring' euch um! Ich bring' euch alle um! Erst deine verdammten Untoten, und dann dich, Rabendiener!“. Zu ihrer Verwunderung schien ihrem unbändigen, verzweifelten Zerstörungswillen die Gestalt eines Panthers zu entspringen, der sie im Kampf unterstützte. „Was!? Ein – ein Zeichen des Herrn“, äußerte Laina mit einem verwunderten Seitenblick auf die sich nach und nach manifestierende Gestalt der Raubkatze.

Darüber wollte sie noch mit Ahad Drugar sprechen – erschien es ihr doch als äußerst ungewöhnlich, eine derart direkte Hilfe von ihrem Herrn selbst zu erhalten; bekleidete sie nämlich nicht einmal den Titel einer geweihten Kriegerin – einer Ritterin.
Als der 'Rabe' das bekam, was er wollte – und Laina ging davon aus, dass er die Strähne für allerlei Flüche missbrauchen würde –, verließ er die Gruppe wieder.
Mitglieder der Truppen der Heiligen Stadt gesellten sich den Frauen hinzu, inspizierten den Ort des Geschehens, und entfernten sich wieder, nachdem Informationen zur Weiterleitung an die jeweils zuständigen Befehlshaber überreicht wurden.

Dies sah Laina als Gelegenheit an, sich, mit Melinda an ihrer Seite, der verdienten Ruhe zu widmen – hatte sich der Tag als ereignisreich und anstrengend zugleich erwiesen. Bei einer heißen Tasse Tee, den die junge Kriegerin sehr von ihrer neu gewonnenen Freundin zu schätzen wusste, wurde noch einmal – einem ruhigen, vertrauenswürdigen Gespräch folgend – die Freundschaft vertieft. Laina spürte das ungewohnt warme, angenehme Gefühl, wie sich ein enges Band um die Beiden schloss.
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